Maddaddam – Margaret Atwood

atwood (2) Atwood

Ich möchte so nach und nach auch ein paar Rezensionen hochladen, die ich, bevor ich meinen Blog hatte, in einem Notizbuch gesammelt hatte. Maddaddam ist eine davon. Die Entscheidung, es lesen zu wollen, war hauptsächlich der Tatsache geschuldet, dass Margaret Atwood dem Münchner Literaturhaus einen Besuch abstattete und ich sie unbedingt treffen wollte. Ich liebe ihre Bücher. Maddaddam ist das letzte Buch einer Trilogie und eigentlich hatte ich natürlich geplant, diese in Reihe zu lesen, aber eine gute Freundin, die die vorigen Bände gelesen hatte, bereitete mich entsprechend vor und ich habe mich getraut gleich mit dem dritten Band einzusteigen und mir diesen dann während der Lesung signieren zu lassen.

Margaret Atwood ist eine wahnsinnig faszinierende Frau. Sie wirkt sehr viel jünger, als sie wirklich ist und sie sieht nicht nur jünger aus, sie hat einfach ganz viel Energie, Humor, Lebensfreude und beschäftigt sich mit Themen auch in diesem Buch, die man eher (wenngleich natürlich unberechtigterweise) von jüngeren Leuten erwartet. Kurzum – mit ihr würde ich jederzeit ein Bier trinken gehen.

An das Buch bin ich wie gesagt mit etwas Sorge gegangen, da ich die ersten beide Bände nicht gelesen hatte, aber ich bin sehr schnell reingekommen in die Geschichte und ich war vom ersten Moment an hin und weg. Einfach nur fucking great. Wie eigentlich alles was sie schreibt. Ich glaube das Genre nennt sich „speculative fiction“ und daher erscheint einem die post-apokalyptische Welt, in die sie uns eintauchen lässt, auch verdammt realistisch. Das ist nahezu unsere Welt mit all den aktuellen Technologien, Konzernen, globalen Problemen, Genetic Engineering etc. und sie spinnt daraus einfach logisch-mögliche erschreckende Konsequenzen.

Nach einer durch Menschenhand verursachten Apokalypse bei der etwa 99% aller Menschen ums Leben kommen, wird eine neue Art Mensch geschaffen, die sogenannten Crakers. Eine absolut simple, fast kindlich und unglaublich friedvolle Rasse, die eine Mischung aus Mensch und Tier sind und die kindlich-naiv ihre eigene Schöpfungsgeschichte verstehen wollen.

Ich fand es sehr clever, wie Margaret Atwood sämtlichen Religionen den Spiegel vorhält und ihnen zeigt, wie sich Kulturen durch ihre Schöpfungsgeschichte definieren und auf welchen obskuren Geschichten Religionen oft basieren, einfach auch weil Ideen, die irgendwann mal aus einer Realität entstanden sind, einfach durch die Zeit ihre Bedeutung verlieren und es für die meisten religionsbezogenen Rituale und Abläufe überhaupt keinen Bezug mehr zur ursprünglichen Bedeutung gibt.

Die Geschichte wird zum Großteil aus Toby’s Perspektive erzählt. Sie ist hart aber herzlich und kümmert sich sehr um die Crakers, denen sie täglich Teile ihrer Schöpfungsgeschichte erzählt, da diese versuchen, die Welt zu verstehen, die um sie herum ist und woher sie kommen:

In the beginning, you lived inside the Egg. That’s where Crake made you. … /The Egg was big and round and white, like half a bubble, and there were trees inside it with leaves and grass and berries. All the things you like to eat. …/And all around the Egg was the chaos , with many, many people who were not like you. /And many of them were bad people who did cruel and hurtful things to one another, and also to the animals. …/And Crake watched over you./ Then one day Crake got rid of the chaos and the hurtful people, to make Oryx happy, and to clear a safe place for you to live in.

Die friedlichen Crakers und die paar überlebenden Siedler werden durch einige Feinde bedroht. Da sind einmal die „Gangbanger“ die irgendwie überlebt haben und ständig auf der Suche nach Frauen und Essen sind. Und wilde Schweine, die genetisch modifiziert wurden (ihnen wurde glaube ich Teile des menschlichen Hirns eingesetzt), die wahnsinnig clever und gefährlich sind.

Margaret Atwood möchte ihre Bücher nicht in der Science Fiction Ecke stehen sehen, sie versteht ihre Trilogie eher als Gedankenexperimente. Es geht viel eher um die Frage, welche humanistischen Werte in einer solchen Welt tatsächlich überleben würden, wenn es keine Gesellschaftsordnung mehr gibt. Jeder gegen jeden? Oder sind die Menschen in der Lage, aus ihren Fehlern zu lernen? Ich habe das Buch als optimistisch erlebt, gleichzeitig aber auch warnend vor dem, was kommen könnte.

Lest die Trilogie oder notfalls auch nur diesen dritten Band. Wer Spaß an solchen spekulativen What if Szenarien hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen und dann ist da auch noch die Sprache. Richtig gut geschrieben und man kommt aus dem Nachdenken nicht raus.

Hier ein paar meiner Lieblingszitate:

„At least I took the trouble to lie, for you“ says Zeb. „Lying’s more work than the bare-naked truth“.

„There’s the story, then there’s the real story, then there’s the story of how the story came to be told. Then there’s what you leave out of the story. Which is part of the story too.”

„Is that what writing amounts to? The voice your ghost would have, if it had a voice?”

“Gender roles suck,“ says Swift Fox. Then you should stop playing them, thinks Toby.”

“Why is war so much like a practical joke? she thinks. Hiding behind bushes, leaping out, with not much difference between Boo! and Bang! except the blood.”

Das Buch erschien auf deutsch unter dem Titel „Die Geschichte von Zeb“ im Piper Verlag.

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2 Kommentare zu “Maddaddam – Margaret Atwood

  1. Pingback: Margaret Atwood – Die Geschichte von Zeb | 1001 Bücher - das Experiment

  2. Pingback: The Heart Goes Last – Margaret Atwood | Binge Reading & More

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