Das Rosie-Projekt – Graeme Simsion

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Die Kurzzusammenfassung des Buches müsste eigentlich lauten: (Shel)Don in Love! So in etwa stelle ich mir Sheldon Cooper aus der Big Bang Theory vor, hätte er Amy Fowler-Farrell nie getroffen und irgendwann beschlossen, nun müsse aber doch langsam eine Ehefrau her.

Der Universitätsprofessor der Genetik, Don Tillman, beschliesst mit vierzig, dass es an der Zeit sei, dem Zufall nun mal unter die Arme zu greifen und mit höchst wissenschaftlichen Mitteln eine passende Ehefrau für sich zu suchen. Ein 16-seitiger Fragebogen soll umgehend die ausfiltern, die den falschen IQ, BMI, Essensgewohnheiten, Interessen, Eiscreme-Sorten-Vorlieben etc haben.

Er selbst ist ziemlich fit, ausgesprochen intelligent und sieht – abgesehen von seinen Haarschnitt, Brille und den Klamotten anscheinend auch gar nicht schlecht aus – aber er ist eben nach wie vor Single. Sein Leben verläuft in festen Bahnen, an jedem Wochentag ein festes Essen, Sportübungen, soziale Interaktionen interessieren ihn nicht sonderlich, aber dennoch wünscht er sich eine Frau.

Sein bester Freund Gene, ein Psychologie-Prof an der gleichen Uni, ist der absolute Schürzenjäger und jagt seinem Lebensziel hinterher, mit einer Frau möglichst jeder Nationalität auf Erden mindestens einmal geschlafen zu haben. Seiner Ehe mit der Psychologin Claudia, die neben Gene die einzige andere Freundin in Dons Leben ist, tut das krampfige Casanova-Gehabe nicht unbedingt gut.

Wie zu erwarten war, birgt der Fragebogen so einige Tücken in sich und dann rauscht auf einmal Rosie Jarman in Dons Büro, eine rauchende, vegetarische, chaotische Barfrau, die natürlich auf gar keinen Fall als Ehefrau in Frage kommt, gleichzeitig aber auch die schönste Frau ist, die Don je gesehen hat und die sein Leben ordentlich durcheinander wirbelt. Diese ist auch gar nicht an seinem Ehefrauen-Projekt interessiert, sondern erhofft sich von ihm als Genetiker Unterstützung bei der Suche nach ihrem leiblichen Vater.

Bazinga

Das Buch macht Spass, ist leichte Kost und es schreit förmlich nach Verfilmung. Der Roman klingt teilweise auch eher nach Drehbuch, es fehlen ein wenig umfassendere Charakterbeschreibungen oder Hintergrundinformationen. Ob die Verfilmung dann mithalten kann mit dem Bild in meinem Kopf – wir werden sehen 😉 Die erste Hälfte des Buches ist sehr temporeich und witzig, die zweite Hälfte lässt ein klein wenig nach. Es sollte einem aber bewusst sein, dass das Buch kein realistisches, umfassendes Bild von Menschen mit Asperger-Syndrom abgibt und Don einen etwas cliché-beladenen Asperger-Professor gibt,  dennoch ist das Buch unterhaltsam und macht Spass.

Das Rosie-Projekt ist Graeme Simsions Debut im Belletristik-Genre. Er arbeite vorher als IT-Berater, mit dem Schwerpunkt Datenmodellierung und hat vorher zwei Bücher über Datenmodellierung veröffentlicht. Da ist der Nerd in ihm wahrscheinlich auch gut ausgeprägt und für die eine oder andere Beschreibung hat er eventuell nicht viel Phantasie aufbringen müssen. Der Roman war weltweit ein riesiger Erfolg, wurde in 40 Sprachen übersetzt und ich freue mich trotzdem schon jetzt auf Dennis Schecks scharfzüngigen Verriss, den es garantiert hageln wird 😉

„Ich merkte mir einige zwischenmenschliche Verhaltenstechniken für den möglichen späteren Gebrauch.“

„Ich war nicht sicher, wie ich ein normales menschliches Wesen imitieren sollte.“

„Als ich mich zum Schlafengehen fertigmachte, spürte ich ein starkes Bedürfnis, Rosie anzurufen, um ihr von meinen Fortschritten zu berichten. Rational betrachtet, war das überhaupt nicht nötig, denn es ist verschwendete Energie, zu berichten, ein Projekt verlaufe nach Plan, was ja der normalen Grundannahme entspricht. Die Vernunft siegte. Gerade noch.“

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3 Kommentare zu “Das Rosie-Projekt – Graeme Simsion

  1. Huhu,
    habe das Rosie Projekt erst vor kurzem gelesen – ich muss sagen ich habe mich in Don Tillman verliebt. Sehr süss geschrieben. Auch dieses Buch – wiedermal – habe ich aufgrund deiner Rezession gekauft….ich sag dir wg dir werde ich noch arm… 🙂

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