The Behaviour of Moths – Poppy Adams

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Auch wenn ich Motten Ü-BER-HAUPT nicht leiden kann, ich hatte mir von diesem Buch einiges versprochen. Ich mag es „Gothic“, der Klappentext klang interessant, das Cover war ansprechend und wann hat man schon mal Gelegenheit, etwas über Lepidopterologen (cooles Wort) zu erfahren, also Leute, die sich der Studie der Motten, Schmetterlinge und ähnlichem Flatterzeug widmen. Hm? Genau, eher sehr selten. Daher dachte ich, es sei eine gute Wahl für den Flug ins nebelige London und habe auf angenehme Gothic-Spannung gehofft. Vielleicht hat mich aber auch der Typ beeinflusst, der sich im Tattoo-Studio vor ein paar Wochen neben mir eine riesige Motte auf den Rücken hat tätowieren lassen. Wer weiß…

Jaaaa, also um es kurz zu machen – war nicht. Der Anfang war noch einigermaßen vielversprechend. In einer runtergekommenen viktorianischen Villa in Dorset wartet Ginny, die Erzählerin, auf ihre Schwester, die sie seit 40 Jahren nicht gesehen hat und es gibt jede Menge Andeutungen, was sich in diesem Haus so unheilvolles zugetragen habe, das nicht zuletzt zu Vivis langer Abwesenheit führte.

Ginny Stone, die komplett zurückgezogen lebt auf ihre plötzlich zurückkehrende Schwester wartet, erinnert sich an ihre gemeinsame Zeit als Kinder, vergessen geglaubte Geschehnisse werden ihr wieder bewußt und unter den Teppich gekehrte Geheimnisse scheinen sich selbständig zu machen.

“I love her and hate her at the same time. I even love the parts of her that I hate, her vitality and her colour, her disruption and disorder, her humour and her despair, her conceit and her narcissism, her everything that isn’t me.”

Ginny und Vivi sind die Töchter eines berühmten Lepidopterologen. Ginny führt diese Familientradition weiter und in der Tat, der interessierte Leser erfährt wirklich eine Menge über Motten und deren Verhalten. Es gibt wohl kaum ein Tier, das so extrem den Determinismus veranschaulicht wie die Motte. Motten sind eigentlich so etwas wie kleine Automaten oder Roboter, einzig dazu programmiert, auf Stimuli zu reagieren ohne jede Wahlmöglichkeit. Die Frage, die sich natürlich stellt, ist wie ähnlich sind wir Menschen den Motten? Die berühmte Nature vs Nurture Frage. Unterscheidet uns wirklich hauptsächlich unsere Selbstwahrnehmung?

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orig13.deviantart.net

“A moth is such a simple machine in the animal world – the go-kart to the modern car – and it takes a lot of glitches to prevent it going. It’s this intriguing simplicity, the idea that you could pull it into its constituent parts and put it back together in the same rainy day, that if you pulled back the skin, you could watch the inner workings, that makes a moth such an absorbing creature to study. Moths have a universal character: there are no individuals. Each reacts to a precise condition or stimulus in a predictable and replicable way. They are pre-programmed robots, unable to learn from experience. For instance, we know they will allways react to a smell, a pheromone or a particular spectrum of light in the same way. I can mimic the scent of a flower so that a moth will direct itself towards that scent …”

Dieser Teil des Buches war der interessanteste für mich. Eine wirklich gute Mystery/Sensational Autorin ist sie nicht. Sie baut Spannung auf, reisst jede Menge Ermittlungswege auf, schafft es aber nicht, diese auch nur einigermassen vernünftig wieder zusammen zu bringen. Der Plot ist löchrig, keine Ahnung, ob sie keine Lust dazu hatte oder es einfach nicht ihre Stärke ist. Ich fand das sehr schade, denn das Buch hatte durchaus Potential mit seiner Mischung aus Goth Suspense, unzuverlässiger Erzählerin, Enthüllungen, die nach und nach offenbart werden und mit den Motten eher außergewöhnlichen Nebendarstellern.

Wer Lust hat auf gute Schauerliteratur, der greife doch eher zu Wilkie Collins, Mary Wollstonecraft oder Sheridan Le Fanu.

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7 Kommentare zu “The Behaviour of Moths – Poppy Adams

      • Ich habe auf die legendäre (und auch umstrittene) Arno Schmidt Übersetzung von 1953 angespielt (Seit 1994 gibt es eine Neuübersetzung). Aber wer im Original lesen vermag, ist natürlich immer im Vorteil ….

  1. Bei Motten muss ich immer an den schaurigen Filmklassiker Das Schweigen der Lämmer denken.Hier hat die Motte die Funktion, das Thema von Befreiung und Identitätsfindung zu begleiten. Mehr als nur ein Roboter, ein spannendes Tierchen.

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