The Hunger Games – Suzanne Collins

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Keine Ahnung, warum ich so lange einen Bogen um diese Trilogie gemacht habe. War es der Hype vor ein paar Jahren oder war es mein Gefühl Shirley Jacksons Kurzgeschichte „The Lottery“ verteidigen zu müssen, bei der für meinen Geschmack doch ganz ordentlich gewildert worden war? Was immer es war, spätestens meine diesjährige Reading Challenge verlangte nach einer Trilogie, „The Hunger Games“ stand schon seit ein paar Jahren im Regal, auch von meiner Herzdame in den höchsten Tönen empfohlen, es sollte also einfach sein. Somit habe ich als vermutlich so ziemlich letzter Mensch auf diesem Planeten die Tribute von Panem gelesen.

Was soll ich sagen? Ich war überrascht. Es hat mir so viel besser gefallen als erwartet, auch wenn ich nach wie vor der Überzeugung bin, Ms Jackson hätte zumindest eine Erwähnung verdient und niemand sollte die Trilogie lesen, ohne der vielleicht besten Kurzgeschichte der Welt davor oder danach Tribut zu zollen.

Das Reich Panem, früher Nord-Amerika, entstand, nachdem die Bevölkerung aufgrund des Klimawandels und den danach folgenden Kriegen erheblich dezimiert wurde. Panem ist aufgeteilt in zwölf Distrikte, die die Aufgabe haben, die reiche und technisch weit fortgeschrittene Hauptstadt mit Lebensmitteln und allen notwendigen Gütern zu versorgen. Vor vielen Jahren gab es einmal 13 Bezirke, im dreizehnten startete irgendwann eine Revolution, die von der Hauptstadt mit aller Macht niedergeschlagen und der Distrikt und seine Einwohner zerstört wurden.

In Erinnerung an dieses Ereignis und um seine Macht zu demonstrieren veranstaltet die Hauptstadt jedes Jahr die „Hunger Games“: Der Todeskampf von 24 gegeneinander antretenden Teenagern (jeweils ein Mädchen und ein Junge aus jedem Distrikt, die per Lotterie ausgelost werden) in einer riesigen Todesarena, die voller sadistischer Fallen und Fernsehkameras steckt. Big Brother goes Dschungelcamp goes Hunger Games. Die ganze Nation sieht der bizarren Todesshow zu, die Kostüm- und Maskenbildner der Todeskandidaten bringen es zu zweifelhaftem Starkult und der Gewinner – und es kann nur einen Überlebenden geben – kehrt ebenfalls als Star reich und berühmt in seinen Heimatdistrikt zurück.

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Foto: giantfreakinrobot

Die sechzehnjährige Katniss Everdeen lebt in Distrikt 12, einem der ärmsten Distrikte. Seit ihr Vater bei einem Minenunglück ums Leben gekommen ist, kümmert sie sich um ihre Mutter und ihre Schwester. Sie geht mit einem Freund illegal zur Jagd und versorgt die Familie so mit Nahrung, ihre Mutter agiert aufgrund ihrer Kräuter- und Heilkenntnisse als Ärztin. Katniss ist tough, die geborene Überlebenskünstlerin und Kämpferin, dabei aber gutherzig und gerecht.

“You don’t forget the face of the person who was your last hope.”

“Destroying things is much easier than making them.”

Bei der Auslosung in Distrikt 12 wird nicht Katniss gewählt, obwohl ihre Chancen hoch waren durch die Anzahl der Lose die sie bereits im Topf hatte, sondern ihre kleine Schwester. Katniss entscheidet, sich für ihre Schwester zu opfern, fest davon überzeugt, dass sie sich damit einem Todesurteil ausliefert, da es seit Jahrzehnten keinen Gewinner mehr aus dem ärmsten Distrikt 12 gegeben hat.

“District 12: Where you can starve to death in safety.”

Ihre Jagderfahrung, ihr guter Menschenverstand und ihre Intelligenz zeigen sich als großer Vorteil im Wettkampf und sie besiegt vieler ihrer reicheren, besser in Kampftechniken und besser ernährten Kontrahenten aus den reicheren Distrikten. Im Laufe des Wettkampfs kommt sie auch dem Jungen aus ihrem Distrikt immer näher ohne sich darüber klarzuwerden, ob sie wirklich in ihn verliebt ist oder ob sie die Liebesgeschichte nur für die Kameras spielt.

„Winning will make you famous. Losing means certain death.

“Kind people have a way of working their way inside me and rooting there.”

“At some point, you have to stop running and turn around and face whoever wants you dead.The hard thing is finding the courage to do it.”

Auch wenn das Konzept nicht wirklich bahnbrechend neu ist und auch die Sprache nicht umwerfend literarisch, für mich kam die Stärke des Buches durch die komplexen Charaktäre, die Collins kreeiert. Sie schafft eine Welt, die erschreckend realistisch ist und eine Heldin, die von der ersten Seite an fasziniert, auch wenn sie oft fürchterlich anstrengend ist. Die Bände zwei und drei beschäftigen sich mit der Revolution, die sich nach Katniss‘ und Peetas Sieg in den Distrikten ausbreitet. Die Folgebände können es an Tempo und Spannung mit dem ersten Band gut aufnehmen.

Wie gerne hätte ich als Jugendliche solch eine Trilogie gelesen, die mir aber auch als Erwachsene viel mehr gegeben hat, als ich es erwartet habe.

Ich habe den ersten Teil der Verfilmung vor Jahren im Kino gesehen, ohne die Bücher zu kennen und stieg nicht wirklich durch. Ich überlege, ob ich mir die Verfilmung jetzt noch einmal anschauen möchte?

Falls jemand zweifelt, ob sich die Trilogie lohnt, klare Empfehlung von mir. Die perfekte Lektüre für stürmische Herbst-Sonntage.

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Foto: coinworld

Die Trilogie ist auf deutsch unter dem Titel „Die Tribute von Panem“ im Oetinger Verlag erschienen.

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12 Kommentare zu “The Hunger Games – Suzanne Collins

  1. Meine Nichte hat das Zeug mal verschlungen, als sie bei mir war – und ich durfte mal kurz mitlesen. Und fand das sooo schlecht auch nicht. Vielleicht besorge ich mir das mal für ein lässiges Lesewochenende.

  2. Es gibt tatsächlich jemanden, der ist noch „letzter“ als Du 🙂 Habe aber auch den ersten Film gesehen, den ich nicht schlecht fand, aber wie es dann weitergehen sollte, hat mich nicht soo sehr gereizt. Aber vielleicht sollte man es sich mal ins Regal stellen, für nen Tag, an dem man einfach mal was Spannendes lesen will.

  3. Habe den 1. Band auch eher zufällig gelesen (Oktober 2012). Lag bei meinem Bruder herum. Und eigentlich wollte ich ihm nur ein paar anschauliche schlecht geschriebene Stellen zeigen, das Buch verdammen und das Hohelied auf die guten, echten, wahren Klassiker anstimmen… Aber zu meinem Erstaunen hat es mich gefesselt und ich habe das Buch an nur einem Sonntag durchgelesen… Film dann später eher enttäuschend, weil 1. Spannung schon raus, 2. Besetzung nicht so ganz wie in meiner Vorstellung…

  4. Pingback: Und was liest du?-Teenie? « Familienbande

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