Wir sind Cyborgs – Alexander Krützfeldt

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Hasta la vista, Baby !

Woran denkt Ihr bei dem Begriff Cyborgs ? Ich denke in erster Linie an den Terminator, die assimilierenden Borgs aus Star Trek  oder Darth Vader.  Alexander Krützfeldt hat in „Wir sind Cyborgs“ die wichtigsten Cyborg-Pioniere getroffen, also Menschen, denen die Technik im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht.

In ihrem TED Talk „We are all Cyborgs now“ argumentiert Amber Case, dass wir auf dem Weg sind, zu einer neuen Version des Homo Sapiens zu werden durch unsere ständige Verbundenheit zum Netz und unseren Smartphones. Doch „richtige“ Cyborgs lassen solche Vergleiche nicht gelten. Die Definition „Cyborg“ variiert. Von Technik, mit dem ein Cyborg seine Sinne oder Fähigkeiten über das Normale hinaus erweitert, Technik, die nicht wie die Google Glasses oder ein Smartphone einfach abgesetzt werden können, für andere bedarf es noch der Voraussetzung, dass Körper und Implantat miteinander kommunizieren.

So unterschiedlich wie die Definitionen des Begriffes sind, sind auch die Menschen, die Krützfeldt trifft. Vom Biohacker aus Pittsburgh, der sich für ein paar Monate ein Gerät in den Unterarm implantierne ließ, das seine Körpertemperatur und andere biometrische Werte an sein Telefon schickt, über Leute, die aus medizinischen Gründen zum Cyborg wurden, weil sie versuchen Taubheit, Farbenblindheit oder ähnliches durch Implantate auszugleichen, bis hin zu Leuten wie Rin Räuber, einer Programmiererin und Mitbegründerin des Vereins Cyborg e.V., die jetzt über eine Zusatzfunktion verfügt, nachdem sie sich einen Magneten in die Fingerspitze hat implementieren lassen. Noch kein wirklicher Cyborg, aber auf dem Weg dorthin.

Die Ursprünge der Szene liegen in der Body Modification Szene, die die Zukunft der Mensch-Maschinen-Vernetzung nicht allein der Forschung und vor allem nicht der Industrie überlassen will. Wie nah ist die schöne neue Welt schon? Wie lange wird es noch dauern, bis Blindheit oder der Verlust von Gliedmaßen nicht mehr ein Handicap, sondern technikbedingt eher ein Vorteil sein können? Bei Hunden ist das chippen mittlerweile Gang und Gebe, vielleicht auch bald bei Menschen? Aber dürfen wir alles, was wir können? Wird sich rechtfertigen müssen, wer irgendwann nicht maschinentechnisch optimiert ist? Wer kann sich solche Verbesserungen leisten?

Krützfeldts Buch gibt einen spannenden Einblick in die Cyborg-Szene und regt zum intensiven Nachdenken an. Steht die Singularität, also der Zeitpunkt, an dem Computer und Maschinen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz sich exponentiell selbst verbessern und die Zukunft der Menschheit danach komplett ungewiss ist, kurz bevor, wie beispielsweise Ray Kurzweil, Director of Engineering bei Google vermutet oder sind das Science-Fiction-Apocalpysen?

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„Auch wenn dieses Künstliche-Intelligenz-Ding sehr umstritten ist: Ich glaube ein bisschen daran. Nicht vollständig, klar. Aber ich hätte auch das Internet nicht für möglich gehalten.
Was mir viel eher Sorgen bereitet, ist Stefans Einwand zu den Konzernen, die die Hardware kontrollieren. Das System von Sicherheit und Mach-was-gut-für-dich-ist, von Angst und Kontrolle ist ein wirkungsvolles Steuerungssystem. Wann wird aus einem Helfer ein fieser Beschützer, der uns sagt, was richtig ist, und jeden Schritt kontrolliert?“

Vor ein paar Jahren habe ich in München auf der TED Konferenz Natasha Vitas Vortrag zum „Body by Design“ gehört und mich da zum ersten Mal mit dem Thema Transhumanismus beschäftigt. Schon spannend. Ich bin da sehr neugierig und durchaus interessiert, die Biologie an der einen oder anderen Stelle zu überwinden. Aber nicht ohne entsprechende umfassende ethische Fragen zu klären und Rahmenbedingungen festzulegen.

Wer einen ersten Einblick in die technische Mensch-Maschinen-Welt von morgen werfen will, dem lege ich Alexander Krützfeldts Buch „Wir sind Cyborgs“ ans Herz. Man kann es wunderbar in einem Rutsch durchlesen und hat eine Menge Stoff (und auch Links) zum weiter recherchieren. Wirklich spannendes Thema und von meinem Lieblingsborg SevenofNine würde ich mich durchaus assimilieren lassen, also so ein bisschen 😉

sevenofnine

Foto: Star Trek.com

Vielen Dank im Übrigen an den Blumenbar Verlag für das Rezensionsexemplar

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