Meine Woche

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Foto: von der wunderbaren Maggie, der ihr unter tigramgros auf Instagram folgen könnt

Gesehen: „Night Moves“ (2013) von Kelly Reichardt mit Jesse Eisenberg und Dakota Fanning. Hätte nie gedacht, dass ein Thriller um Ökoterrorismus so spannend sein kann.

Wake in Fright“ (1971) australischer Kult-Psychothriller von Ted Kotcheff. Ein luzider fiebriger Alptraum – die Känguruh-Szene fand ich unerträglich.

In the Heat of the Night“ (1967) von Norman Jewison mit Sidney Poitier und Rod Steiger. Klassiker um einen farbigen Polizisten und den Rassismus den er erlebt, der ihm die Aufklärung erschwert.

The House of small Cubes“ (2008) wunderschöner Kurzfilm von Kunio Kato. Einer der poetischsten und berührensten Kurzfilme die ich kenne. Unbedingt ansehen.

Gehört: „The Sun still Shines“ – Amanda Palmer, „Dread Naught“ – Lustmord, „Between Hope and Danger“ – Hante, „Abduction“ – Donny Drako, „Down Side of Me“ – Chvrches, „Asynch“ – Ryuichi Sakamoto, „Sliding through life on charme“ – Marianne Faithful

Gelesen: „Wir brauchen mehr Poesie, mehr Musik, mehr Philosophie“ – Interview mit Dokumenta Kurator Kasper König, What Women in Tech look like in 2017, about the positive impact on immigrants in the US, über die dunklen Seiten von AI, Peace is much more than ending war

Getan: einen schönen Ladies-Abend samt Baby verbracht, im Comic-Laden und der Bibliothek gestöbert, über Karrieremöglichkeiten in Tech gesprochen und ein Interview zu Diversity in Tech gegeben, mit der Liebsten gleich 2 Date Nights genossen und in der Sonne an der Isar geradelt

Geplant: Dortmund und dann gemeinsam mit meinem Papa Dresden besuchen, ein Projekt loskicken und eine ausstehendes Rezensionsprojekt beginnen

Gegessen: eine hawaiianische Poke-Bowl, vietnamesischen Tintenfisch und jede Menge Erdbeeren

Getrunken: Granatapfel Limonade

Gelacht: Doc to Patient: „And have you tried worrying about it“ ?

Geärgert: das mein Laptop ständig Macken hat

Gefreut: das mein Visualisierungs-Knoten geplatzt ist

Gewünscht: eine schwarze Freitagtasche – scheints aber nicht zu geben und diese Ausgabe von „Little White Lies“

Geklickt: auf „You are not going to believe what I’m going to tell you“, auf diese Farbsymphonie und auf diesen TED Talk von Alan Watkins „Why you feel what you feel

Gekauft: einen Comic

Gefunden: ein Was ist Was „Mathematik“

Gewundert: wie schnell Babies sich verändern

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Short and Sweet – eine illustre Runde

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Los gehts mit Haruki Murakamis „Birthday Girl“, eine Geschichte die ich vor einigen Jahren schon in dem von ihm herausgegebenen Kurzgeschichtenband „Birthday Stories“ gelesen habe. Eine Geschichte, die ich mochte, die mir aber nicht übermässig im Gedächtnis geblieben war.

Das wird sich dank Kat Menschiks Illustrationen definitiv ändern. Menschik und Murakami sprechen eindeutig die gleiche (Bild)Sprache, die Bilder treffen so sehr den Kern seiner Geschichten, jedes einzelne davon würde ich mir auch als Druck an die Wand hängen.

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„Birthday Girl“ ist die Geschichte eines 20jährigen Mädchens, das als Kellnerin in einem Restaurant arbeitet und eines Abends dem alten Restaurant-Besitzer in seiner Wohnung über dem Restaurant das Abendessen serviert. Durch einen Zufall erfährt der Mann, dass sie Geburtstag hat und schenkt ihr einen Wunsch – egal was es ist. Nur einen beliebigen Wunsch, aber einmal geäußert, kann er nicht mehr zurückgenommen werden.

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Den Wunsch selbst erfährt der Leser nie. Nur dass es nichts normales ist wie „schöner oder reicher werden“. Denn …“ich kann mir die Auswirkungen nicht so recht vorstellen, falls so etwas tatsächlich einträte. Vielleicht würde es mir sogar über den Kopf wachsen. Ich habe das Leben noch gar nicht im Griff. Wirklich nicht. Ich weiß nicht, wie es funktioniert.“

Mir gefällt besonders, wie man bei jeder seiner Geschichten ein Stück Murakami in seinen Protagonisten entdecken kann. In dieser Geschichte greift er auf seine eigenen Erfahrungen als Kellner in einem Café zurück, als er zwanzig Jahre alt war.

Ich danke dem Dumont-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Wir bleiben noch ein bisschen bei meiner Lieblings-Illustratorin Kat Menschik und lassen uns von ihr nach Schweden entführen und zwar zu:

„Die Bergwerke zu Falun“ von E. T. A. Hoffmann

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E.T.A. Hoffmann hat surrealistische Geschichten geschrieben, lange bevor der Begriff überhaupt benutzt wurde. Ich halte ihn für einen der Urgesteine des Horror/SciFi/Phantastik-Genres und seine Geschichten sind auch fast 200 Jahre nach Erscheinen immer noch zeitlos und einzigartig.

Was ihn meines Erachtens mit Murakami verbindet ist die Tatsache, dass auch seine Protagonisten sehr viel von ihm selbst enthalten, seiner Umgebung, seinen Frauen, denen er hinterherlief, in seinem viel zu kurzen Leben.

Ein „Jack-of-all-Trades“ der als Maler, Komponist, Jurist, Kritiker und Schriftsteller unterwegs war, es gibt wenig im kulturellen Bereich, dass er nicht zumindest einmal ausprobiert hätte und in den meisten Bereichen war er unglaublich gut.

Seine Geschichten sind psychologische Studien, die sich mit dem Übernatürlichen, Wahnsinn, der Technik seiner Zeit aber auch mit märchenhaften Dingen beschäftigen. Immer wenn man gerade glaubt zu ahnen, in welche Richtung er mit seiner Geschichte will, biegt er ab und der Leser ist urplötzlich wo ganz anders.

Seine wie im Fiebertraum gesponnenen Metaphern und Vergleiche zeichnen ein berückendes Bild seiner sich oft in Bedrängnis fühlenden Progagonisten. Oft sind sie halb verrückt, von unerfüllter Liebe zu einer Frau gequält und wenn es etwas gibt, was ich an ihm nicht so mag, dann ist es seine schablonenhafte Beschreibung der Frauenfiguren in seinem Werk.

Die Geschichte „Die Bergwerke zu Falun“ ist schnell erzählt. Alles fängt mit dem Fest der Matrosen an, die nach einer langen Seereise für die ostindische Gesellschaft wieder in Schweden angekommen sind und ihre Rückkehr feiern. Nur Elis Fröbom sitzt allein und niedergeschlagen da. All seine Motivation auf See rührte daher seiner Mutter bei der Rückkehr ein gutes Leben zu ermöglichen, bei der Rückkehr muss er feststellen, dass sie zwischenzeitlich gestorben ist und er weiß nicht recht wohin jetzt mit sich und seiner Trauer.

Als ein alter Bergwerksarbeiter erscheint und ihm die wunderbare Welt der Minen und Bergwerke ans Herz legt überlegt er, sich die Seefahrt an den Nagel zu hängen und statt dessen im Bergwerk zu Falun anzuheuern. Fieberhaft träumt er nachts von einer kristallenen Welt mit einer Königin, in die er sich verliebt und macht sich am nächsten Tag tatsächlich auf nach Falun. Doch dort angekommen schreckt er beim Anblick der Mine zurück:

„Elis Fröbom schritt guten Mutes vorwärts, als er aber vor dem ungeheuern Höllenschlunde stand, da gefror ihm das Blut in den Adern und er erstarrte bei dem Anblick der fürchterlichen Zerstörung“

Auch nach dem dritten Lesen entdecke ich jedes Mal wieder etwas Neues in den versteckten Hinweisen und den nuancierten Betrachtungen. Nicht zu vergessen die Illustrationen, die auch aus dieser Geschichte ein absolutes Juwel machen:

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Ich stelle mir jetzt Murakami und ETA beim gemeinsamen Dosenbier vor, in ihrer Welt sollten ein paar hundert Jahre Zeitunterschied und Sprachbarrieren keine Probleme darstellen.

Wer glaubt, dass es jetzt mega realistisch zugeht, nur weil es mit Bertolt Brecht weitergeht, der hat sich gehörig in den Finger geschnitten. Brecht kann auch anders meine Herrschaften, der kann sich auch mal gepflegt Gedanken machen, wie es wohl wäre „Wenn die Haifische Menschen wären“.

Bertold Brecht – Wenn die Haifische Menschen wären“

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Die Parabel ist eine der etwas längeren Geschichten rund um Herrn K. Hier tauchen wir ab in die Welt der Haifische, die ein menschliches Leben führen. Sie schicken ihre Kinder in die Schule, wo sie neben menschlichen Werten und Normen auch andere Sachen lernen wie Geografie, Rechnen und Religion.

„Wenn die Haifische Menschen wären«, fragte Herrn K. die kleine Tochter seiner Wirtin, „wären sie dann netter zu den kleinen Fischen?“ hier startet Brecht seinen philosophisch-kritischen Blick in die Welt der Haifische und Menschen. Zitate wie „Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank“ sind überraschend aktuell.

Eine bibliophile Ausgabe vom Buch-Onlineversand Fröhlich & Kaufmann mit wunderschönen Illustrationen, die den Text wunderbar ergänzen und interpretieren. Freue mich, auf der Buchmesse in Leipzig bei diesem Büchlein zugeschlagen zu haben, ein schöner Neuzugang für meine in die Jahre gekommene Brecht-Sammlung.

Foto: Froehlichundkaufmann.de

Habt ihr Lieblings-Illustratoren oder illustrierte Bücher die ihr mir empfehlen könnt? Bin gerade mächtig auf den Geschmack gekommen.

Auf Youtube gibt es noch einen animierten Cartoon „If Sharks were Men“:

Hier noch mal im Überblick:

Haruki Murakami – Birthday Girl, Dumont Verlag
E. T. A. Hoffmann – Die Bergwerke zu Falun, Galiani Verlag
Bertold Brecht – Wenn die Haifische Menschen wären, Fröhlich & Kaufmann

Wien – By the Book

Ostern in Wien war das Geburtstagsgeschenk für die wunderbare Schwiegermama, mit der wir die literarische und vor allen Dingen auch kulinarische ex-K&K Hauptstadt unsicher machten.

Wien war und ist für mich neben Paris die Fin-de-Siècle Metropole und was Proust in Paris ist, ist Zweig in Wien für mich. Da sträuben sich den Experten sicherlich die Haare, aber für mich kam kein anderer Autor als Zweig in Frage, der mich nach Wien begleiten sollte.

Ein Besuch im 1. Bezirk und das dazugehörige Trambahnfahren mit der Linie 1 gehören natürlich zum Pflichtprogramm. Ständig hatte ich das Gefühl, Sisi und Franz Joseph kommen gleich um die Ecke.

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Das Wetter war etwas durchwachsen, aber man wäre nicht in Wien, würde man nicht auch einen großen Teil der Zeit Torte essend und Zeitung lesend im Cafe verbringen. Die Auswahl an deutschsprachigen und internationalen Zeitungen z.B. im Cafe Landtmann hat mich schwer beeindruckt und ich wäre wohl noch ewig sitzen geblieben, hätten mich die Ladies nicht irgendwann weggezerrt, um weitere Sehenswürdigkeiten zu bewundern.

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Die kulinarischen Highlights unseres Ausflugs könnt ihr im Übrigen hier nachlesen, ich mache Euch jetzt noch etwas Lust auf Stefan Zweig.

Er wurde 1881 in eine großbürgerliche jüdische Kaufmannsfamilie hinein geboren und begann schon während seiner Studienzeit Gedichte zu veröffentlichen. Seit frühester Jugend war er überzeugter Europäer und Pazifist und es gibt wirklich keine bessere Begleitlektüre für Wien als seine „Welt von Gestern – Erinnerungen eines Europäers“. Über dieses Buch möchte ich separat noch ausführlicher berichten und freue mich, dafür eine spannende Kooperation einzugehen, doch dazu bald mehr.

Ausführlicher möchte ich euch von meinem zweiten Zweig berichten, dem wunderschönen „Buchmendel / Die unsicherbare Sammlung“, das schon in einigen Blogs besprochen wurde und das eigentlich in keinem ordentlichen Bücherhaushalt fehlen darf.

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„Die Unsichtbare Sammlung“ handelt von einem blinden Sammler seltener Drucke, der nicht realisiert, das seine kostbaren Dürers, Rembrandts etc. von seiner durch die Inflation verarmten Familie längst verkauft worden und durch leere Blätter ersetzt wurden.

Goethe sagte einmal, Sammler seien glückliche Menschen und diese Geschichte scheint ihm Recht zu geben.

„Die neuen Reichen haben plötzlich ihr Herz entdeckt für gotische Madonnen und Inkunabeln und alte Stiche und Bilder; man kann ihnen gar nicht genug herzaubern, ja wehren muß man sich sogar, daß einem nicht Haus und Stube kahl ausgeräumt wird. Am liebsten kauften sie einem noch den Manschettenknopf vom Ärmel weg und die Lampe vom Schreibtisch. Da wird es nun eine immer härtere Not, stets neue Waren herbeizuschaffen – verzeihen Sie, daß ich für diese Dinge, die unsereinem sonst etwas Ehrfürchtiges bedeuteten, plötzlich Ware sage –, aber diese üble Rasse hat einen ja selbst daran gewöhnt, einen wunderbaren Venezianer Wiegendruck nur als Überzug von soundsoviel Dollars zu betrachten und eine Handzeichnung des Guercino als Inkarnation von ein paar Hundertfrankenscheinen. Gegen die penetrante Eindringlichkeit dieser plötzlich Kaufwütigen hilft kein Widerstand.

Die zweite Novelle ist das berührende Schicksal des Buchmendel, eines alten Buchhändlers, der einem lebenden Universalkatalog der Weltliteratur glich, komplett in seinem Gebiet aufgehend.

Zweig erzählt voller Empathie, Tiefgründigkeit und Verständnis für diese exzentrischen Büchermenschen, die höchst lebendig aus dem Buch zu klettern scheinen, was natürlich durch die wunderbaren Illustrationen noch verstärkt wird. Ich liebe Zweigs angenehmen, leicht altmodischen Erzählstil, der den Plot ein klein wenig in den Hintergrund treten lässt, was aber dazu führt, dass man die Charaktere umfassender entdeckt.

„Wie ein Astronom einsam auf seiner Sternwarte durch den winzigen Rundspalt des Teleskops allnächtlich die Myriaden Sterne betrachtet, ihre geheimnisvollen Gänge, ihr wandelndes Durcheinander, ihr Verlöschen und Sichwiederentzünden, so blickte Jakob Mendel durch seine Brille von diesem viereckigen Tisch in das andere Universum der Bücher, das gleichfalls ewig kreisende über unserer Welt.“

Unbedingt erwähnen muss man aber die phantastischen Illustrationen in diesem Band, die den Geschichten von Joachim Brandenberg und Florian L Arnold auf den Leib geschneidert wurden. Die Bilder sind wunderschön mit einer berauschenden hypnotisierenden Kraft, die es schaffen, dem Ganzen eine mystisch, unaussprechlich sinnliche Atmosphäre zu geben.

Leute, kauft dieses Buch – es ist das perfekte Geschenk, egal zu welcher Jahreszeit. Ihr werdet Menschen damit glücklich machen, ich bin ganz sicher 🙂

Bilder: topalian-milani.de

Ich danke dem Topalian & Milani Verlag für das Rezensionsexemplar.

Beim nächsten Wien Besuch steht auf jeden Fall ein Theaterbesuch sowie ein Abstecher auf den Zentralfriedhof auf dem Programm. Wir hatten eine entzückende Wohnung in Währing angemietet gleich ums Eck vom Kutschkermarkt, dem Slow-Food-Mekka und nur zehn Minuten mit der Tram vom Zentrum entfernt. Eine Ecke von Wien, die sich auf jeden Fall auch zu entdecken lohnt.

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Servus Wien – es war wie immer wunderschön. Bis bald!