Be like Water

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Eigentlich verrückt, die Biografie eines Schauspielers und Kung Fu Meisters zu lesen, von dem man nicht einmal einen Film geschaut hat. Auf Lees Biografie bin ich durch mein Fangirling auf Maria Popovas Seite „Brainpicking“ gestoßen, die vor einigen Jahren schon über das Buch geschrieben und mich sehr neugierig gemacht hat. Hier könnt ihr den entsprechenden Beitrag von ihr dazu lesen.

Bruce Lee ist ein Name, den viele kennen und man hat ihn als Schauspieler in mittelprächtigen Kung Fu Filmen der 1970er Jahre abgespeichert. Ich war recht überrascht zu lesen, dass er sich intensivst mit fernöstlicher und westlicher Philosophie beschäftigt hat und sein „Be like water“ Zitat dürfte weltberühmt sein. Bruce Lee war ein sehr intensiver Mensch, mit unglaublich Präsenz sowohl persönlich als auch auf dem Bildschirm. Besonders symphatisch war mir seine unglaubliche Leidenschaft für das Lesen und das Lernen.

Er füllte eine Menge an Notizbüchern, in denen er sich viel mit Philosophie, den Büchern die er gelesen hatte und seiner Kampfsportart Kung Fu beschäftigte. In der Philosophie faszinierte ihn die Verbindung zwischen westlicher und fernöstlicher Lehre, die er für sich in eine ganz eigene persönliche Philosophie der Selbsterkenntnis verwandelte. Das Buch „Bruce Lee: Artist of Life“ gibt Einblicke in seine persönliche Weiterentwicklung und ist eine spannende Mischung aus Philosophie, Psychologie, Poesie, Kung Fu und Schauspielkunst.

“The ideal is unnatural naturalness, or natural unnaturalness. I mean it is a combination of both.
I mean here is natural instinct and here is control. You are to combine the two in harmony.
Not if you have one to the extreme, you’ll be very unscientific.
If you have another to the extreme, you become, all of a sudden, a mechanical man
No longer a human being.
It is a successful combination of both.
That way it is a process of continuing growth.
Be water, my friend.

In dem Band sind auch eine Auswahl von Lees Briefen an Freunde und Bekannte enthalten, in denen er äußerst eloquent seine Gedankengänge nachvollziehbar macht und stets wohlmeinende Empfehlungen und Tipps zur persönlichen Entwicklung weitergibt.

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Im Buch sind auch zahlreiche Variationen eines Textes, in dem er über Kung Fu schreibt, diese waren mir irgendwann etwas zu repetitiv, das ist aber mein einziger Kritikpunkt an diesem Band, der einen Einblick in seine spannende Persönlichkeit bietet.

Sein tragischer Tod mit nur 33 Jahren konnte nie komplett aufgeklärt werden. Studiobosse sollen ihn aus ästhetischen Gründen gebeten haben, sich die Unterarm Schweißdrüsen entfernen zu lassen. Es gibt Mutmaßungen, dass ein sehr anstrengendes Training ggf. zu Überhitzung und Kopfschmerzen führte, gegen die ihm eine Schauspiel-Kollegin das Schmerzmittel Equagesic gab. Er legte sich hin, kam nicht zum Dinner zurück und konnte auch nicht wieder aufgeweckt werden. Bei Ankunft im Krankenhaus konnte nur noch sein Tod festgestellt werden.

Hier noch ein interessantes Interview mit Bruce Lee:

Direkt im Anschluß las ich „Ego is the Enemy“ von Ryan Holiday. Schon der Titel hätte Bruce Lee wahrscheinlich gefallen und dessen Interesse an Taoismus und Stoizismus hätte bestens zu Ryan Holiday gepasst, einem Autor, der sich als selbsternannter moderner Stoiker ausgiebig mit dieser Philosophieschule beschäfigt.

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Ryan Holiday beschäftigt sich mit dem Ego, unserem größten Feind. Es kann uns davon abhalten, Notwendiges zu lernen, weil wir uns überschätzen und uns damit selbst im Weg stehen, unsere Talente zu entwickeln. Ist man erfolgreich ist, besteht stets die Gefahr, die eigenen Fehler zu übersehen, läuft gerade vieles schief, kann das eigene Ego extrem hinderlich daran sein, es erneut zu versuchen.

Amor Fati – die Liebe zum (eigenen) Schicksal ist ein wichtiges Konzept für Holiday. Gerade die schwierigen Episoden in unserem Leben machen uns zu den Menschen, die wir sind. Häufig muss man erst einmal ganz tief fallen, bevor man in der Lage ist, über sich hinaus zu wachsen.

“Impressing people is utterly different from being truly impressive.”

„Ego is the Enemy“ erinnert uns daran, dass wir alle stinknormal sind. Keiner schuldet uns etwas, wir sind nicht weniger, aber auch nicht mehr als Sternenstaub. Wir sind Teil des Universums, von etwas, das soviel größer ist als wir selbst. Wer am Meer sitzt, in der Natur wandert oder die Sterne beobachtet, bekommt einen Eindruck davon wie klein und unwichtig wir eigentlich sind. Aber auch von der unglaublichen Schönheit um uns herum.

“Your potential, the absolute best you’re capable of—that’s the metric to measure yourself against. Your standards are. Winning is not enough. People can get lucky and win. People can be assholes and win. Anyone can win. But not everyone is the best possible version of themselves.”

Ein Buch das daran erinnert, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen, uns um unsere Mitmenschen und die Natur zu kümmern, denn das Ego ist gar nix und Liebe ist Alles 😉

“When we remove ego, we’re left with what is real. What replaces ego is humility, yes—but rock-hard humility and confidence. Whereas ego is artificial, this type of confidence can hold weight. Ego is stolen. Confidence is earned. Ego is self-anointed, its swagger is artifice. One is girding yourself, the other gaslighting. It’s the difference between potent and poisonous.” 

 

 

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Fräulein Nettes kurzer Sommer – Karen Duve

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Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) war mir einzig dem Namen nach bekannt und dunkel erinnere mich an ihr Portrait auf einem DM-Schein, auf dem sie immer etwas vorwurfsvoll schaute, wenn man sie ausgeben wollte. Ich weiß, das Heerscharen von Schülern „Die Judenbuche“ gelesen haben, ich bin aber nie mit ihr konfrontiert worden während meiner Schulzeit. Das ist ja oft durchaus ein Vorteil, denn manche Schriftsteller werden einem durch den Deutschunterricht ja leider auch öfter mal gründlich versaut.

Diese Lücke wollte ich mit Karen Duves Roman „Fräulein Nettes kurzes Sommer“ nun endgültig stopfen und mich erst einmal über das Leben dieser Autorin kundig machen, bevor ich jetzt endlich auch mal etwas von ihr lese. Karen Duve erzählt die Geschichte der begabten Schriftstellerin die zu ihrer Zeit mit unglaublich vielen Widerständen kämpfen musste und zu deren Lebzeiten lange nicht viel für ihren posthumen Ruhm sprach.

Mir gefiel alleine zu Anfang schon die Beschreibung dieses schrecklichen Sommers, der dem großen Vulkanausbruch in Indonesien im Jahr 1815 folgte, als große Teile der Welt keinen wirklichen Sommer hatten und von Kälte, Regengüssen und daraus resultierenden Missernten heimgesucht wurden.

Die Beschreibung der Kutschfahrt durch schlammige völlig überflutete Wege bei Dauerregen war unglaublich bildhaft und als ich das Kapitel las, hatten wir in München auch gerade heftigste Regengüsse. Der an die Fenster prasselnde Regen war der perfekte Soundtrack für das Buch.

Duve läßt uns Annette von Drostes restriktives Leben miterleben, voller Empathie, aber ohne sie in eine Opferrolle zu stecken. Wilhelm Grimm bekommt regelrecht Panik, wenn er die Schriftstellerin nur sieht, neckt sie ihn doch häufig und bringt ihn wiederholt in Verlegenheit. Überhaupt ist Fräulein Nette ein komischer Vogel, finden ihre Verwandten, Freunde und Freundinnen. Sie schweigt nicht sittsam, mischt sich in die Unterhaltungen der Männer ein und das gar ohne die Stimmlage lieblich weiblich eine Oktave nach oben zu verlegen, sie strickt und stickt nicht gerne, schreibt ständig Gedichte und zieht lieber mit einem Hämmerchen bewaffnet in Steinbrüche, um dort nach Fossilien zu suchen. Und dann hat sie auch noch ein unerhörtes Interesse an Literatur, Politik, Geschichte. Wie unhöflich und seltsam.

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Foto: Wikipedia

Als Annette heranwuchs, gesellte sich zu der zerbrechlichen Konstitution ein heftiges und störrisches Wesen. Sie zeigte wenig Neigung, sich mit angemessenen Beschäftigungen aufzuhalten, stromerte in der matschigen Moorlandschaft herum, kam mit verkrusteten Stiefeln und Kleidersäumen zurück und schwänzte den Unterricht, den sie gemeinsam mit ihrer Schwester und den beiden zur allseitigen Erleichterung schließlich doch noch geborenen Brüdern bei einem Hauslehrer nehmen durfte. Mathematik, Latein, Griechisch und Französisch waren keine selbstverständliche Ausbildung für junge Damen – Französisch ging gerade noch durch, Mathematik aber auf gar keinen Fall. Der Unterricht von Mädchen bestand normalerweise darin, sie in sittsamer Langeweile aufwachsen zu lassen und durch möglichst stumpfsinnige Handarbeiten geistig zu verstümmeln.“

Auch um ihren Gesundheitszustand steht es nicht zum Besten. Blind wie ein Maulwurf und daher stets mit Lorgnette in der Hand, häufig krank und dünn. Nein, mit Annette ist kein Staat zu machen, findet die Familie. Gut sie hat Talent, reimt ganz hübsche Gedichtlein, die sie an Geburtstagen vortragen darf, aber so wirklich begeistert ist man von ihrer Schreiberei nicht und versucht, sie ständig mit Blick auf ihren Gesundheitszustand am Lesen und Schreiben zu hindern.

Der labilen Konstitution ist es dann auch zu verdanken, dass sie mit ihrer Großmutter für ein paar Wochen in ein sterbenslangweiliges Kurbad reist, um dort ab 5 Uhr früh literweise gesundes Wasser zu trinken. Sehr seltsam fand ich, dass man zu dieser Zeit den „monatlichen Fluss“ mit der Lust an Brandstifterei in Verbindung brachte, wie dieses Zitat hier zeigt:

„Wie alt sind Sie jetzt? Dreiundzwanzig schon? Denken Sie an Heirat! Im wahren Ideal des Weibes findet kein Monatsfluss statt. Spüren sie manchmal die Neigung Feuer zu legen? Nein? Gut.“

Im Roman geht es hauptsächlich um den Sommer im Jahr 1820, als Annette nicht nur die Aufmerksamkeit eines Herrn erweckt, nein, gleich zwei scheinen von der vorlauten, aber interessanten Annette bezaubert zu sein. Da ist einmal der von ihrem nur wenige Jahre älteren Onkel protegierte Straube, ein Habenichts, den der Onkel für das größte Genie nach Goethe hält und der Adlige Arnwaldt, ein spiessiger Burschenschaftler mit wallender Frisur, der vorgibt Annettes Treue zu Straube testen zu wollen.

Eine schlimme Intrige entspinnt sich da in diesem Sommer, die nie ganz genau aufgeklärt werden konnte, die aber traurige Folgen für die Schriftstellerin haben wird, sich zum Glück aber nicht auf ihr kreatives Schaffen auswirkt.

Karen Duve erzählt diese Geschichte überaus plastisch, mit viel Zeitkolorit, in die sie viel Recherche gesteckt hat. Der Roman stützt sich auf umfassendes Material aus der Zeit, insbesondere auf Briefe, die man sich zu dieser Zeit ja reichlich geschrieben hat. Es tauchen eine Menge Figuren auf, unbekannte wie bekannte z.B. die Gebrüder Grimm, Heinrich Heine, der Dichter Kotzebue, der von einem radikalen jungen Studenten ermordet wird, Heinrich von Fallersleben und andere. So sehr das dem Zeitkolorit dient und man wirklich immens viel über die Zeit lernt, mir kam die eigentliche Protagonistin ein bisschen zu kurz.

Ich hätte gerne gewußt, was Droste-Hülshoff gelesen hat. Was, wann und wo hat sie geschrieben? Ich hätte gerne mehr von ihr und ihren Gedanken erfahren, das ging aber oft zugunsten der lärmenden studentischen Dauerplauderer, die sich durch die Bank weg für Genies hielten, unter.

Ich habe das Buch gerne gelesen, mir ist das Fräulein sehr ans Herz gewachsen und ich möchte auf jeden Fall noch mehr von und über sie lesen.

Fräulein Nettes kurzer Sommer ist im Galiani Verlag erschienen.

Eine weitere Rezension zum Roman findet ihr bei Sätze & Schätze.

ETA Hoffmann – Rüdiger Safranski

Wer wagt, durch das Reich der Träume zu schreiten, gelangt zur Wahrheit.

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ETA Hoffmann lebte von 1776 – 1822 in einer Zeit voller geistiger und historischer Umbrüche, ohne dessen Kenntnis die Bedeutung und das Verständnis seiner Werke nur schwer erfasst werden kann. Diese Biografie ist gleichzeitig sehr tiefgehend und dabei leicht lesbar, ich mochte sie stellenweise gar nicht aus der Hand legen. Hoffmann ist heute eigentlich fast ausschließlich durch sein literarisches Werk bekannt, dass er ein ebenso großer Musiker und Maler war, habe ich auch erst durch die Biografie erfahren. Jeder kennt wohl die Oper „Hofmanns Erzählungen“ oder das Ballett „Der Nußknacker und der Mäusekönig“ – dass diese aber von ETA Hoffmann verfasst wurden, wusste ich nicht.

Durch die Biografie bekommt man ein recht „persönliches“ Bild vom Autor. Er wuchs im Elternhaus seiner Mutter auf, die sich – ungewöhnlich für diese Zeit – recht früh von seinem Vater trennte. ETA wuchs dort mit den Schwestern seiner Mutter, seiner Großmutter und einem unverheirateten Onkel auf. Früh spürt Hoffmann die häusliche Enge, die finanziellen Mittel sind knapp und der hochintelligente Junge fühlt sich schon früh eingesperrt. Seine Familie drängt ihn, einen vernünftigen Brotberuf zu erlernen und er wird auch brav Jurist, genau wie sein Jugendfreund Hippel. Die umfangreiche Korrespondenz der beiden gibt Einblick in den Zwiespalt, den Hoffmann sein Leben lang spürt, der Zerrissenheit zwischen der Juristerei, die ihm Geld und gesellschaftlichen Halt verschafft und dem Bedürfnis, sein künstlerisches Ich auszuleben.

Er arbeite um 1800 als preußischer Regierungsrat in der polnischen Provinz, wo er bis zur Niederlage Preußens durch Napoleon 1806 blieb. Er hatte danach verschiedene Tätigkeiten inne als Komponist, Dirigent, Kritiker und Theaterdirektor. 1811 komponiert er das Ballet „Arlequin“ und 1816 die Oper „Undine“. Im Jahr 1813 ändert er seinen dritten Vornamen von Wilhelm zu Amadeus als Homage an Wolfgang Amadeus Mozart.

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1814-15 veröffentlicht Hoffmann die Phantasiestücke, die ihn als bekannten deutschen Autoren etablieren sollten. Er schrieb bis zu seinem Tod 2 Romane und mehr als 50 Kurzgeschichten, während er weiterhin seinem Broterwerb als Jurist  nachging. Insbesondere seine späteren Kurzgeschichten verschafften ihm großen Ruhm – insbesondere in England, den Vereinigten Staaten und Frankreich.

In seinen Geschichten kombiniert er Phantastisches mit lebendigen und überzeugenden Untersuchungen des menschlichen Charakters und Psychologie. Seine Protagonisten, oft Verrückte, Phantome, Geister oder Automaten, wandeln teils durch fiebrig mysteriöse Traumlandschaften, teils durch realistischen Alltag. Hoffmanns Kampf zwischen der idealen Welt der Kunst und seinem Alltag als Bürokrat macht sich in vielen seiner Geschichten bemerkbar.

„Du schwimmst regungs- und bewegungslos wie in einem festgefrorenen Äther, der dich einpreßt, sodaß der Geist vergebens deinem toten Körper gebietet.“

Seine beruflichen Stationen führen ihn aus der Provinz Polens über Warschau, Berlin, Bamberg nach Dresden, Leipzig und am Ende wieder nach Berlin, wo er im Jahr 1822 in Alter von nur 46 Jahren an einer fortgeschrittenen Lähmung starb, womöglich ausgelöst durch Syphilis oder ALS.

Safranski hat die Fähigkeit, komplexe Entwicklungen in ihren biografischen Kontexten spannend und unterhaltsam darzustellen. Ich habe bereits die eine oder andere weitere Biografie von ihm im Auge.

Ich glaube überdem, daß jede Einschränkung der Freiheit, sollte diese auch gemißbraucht werden, drückend, ja, als dem menschlichen Wesen schnurstracks entgegenstrebend, unausstehlich ist.

Kick-Ass Women – Mackenzie Lee

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Das es in der Weltgeschichte keine Heldinnen gegeben hat, ist natürlich Quatsch. Aber immer wieder hört man nur von den immer Gleichen, die alibimässig in überwiegend männerlastigen Listen auftauchen.

Mackenzie Liee hat in dieser herausragenden Sammlung 52 Frauen vorgestellt, die es verdienen, deutlich berühmter zu sein, als sie es tatsächlich sind. Frauen aus der ganzen Welt, aus unterschiedlichen Rassen und Klassen, die Krankheiten geheilt haben, Diktatoren überworfen, Unterdrückung widerstanden und sich erdrückenden Geschlechtsvorurteilen einer männlich dominierten Welt widersetzt haben.

Lee schreibt knapp und witzig, manchmal etwas flach, aber immer packend. Sie baut aus den kurzen umfassenden Biografien spannende Geschichten von Frauen die Heldinnen, Anführerinnen, Athletinnen oder auch Kriminelle sind. Die Frauen sind intelligent, gefährlich, mutig, verführerisch und vor allen Dingen durchbrechen sie die gläserne Decke aus Patriarchie und Vorurteilen.

Die 52 Frauen sind alle großartig, aber hier sind ein paar meiner Favoritinnen:

Hatschepsut, die erste Pharaonin, die nach dem Tod ihres Mannes den Thron bestieg, weil sie es konnte und die ihre Untertanen 22 Jahr erfolgreich führte.

Agnodike, die Frau, die sich als Mann verkleiden musste, um im antiken Athen Medizin studieren zu können.

Arawelo, die legendäre Königin von Somalia, die jegliche Stereotype über den Haufen warf und eine Regierung schuf ,die komplett aus Frauen bestand. Sie und ihr Kabinett zeigten den Männern was es tatsächlich heißt, den Haushalt eines Landes zu übernehmen.

Königin Christina von Schweden, die Beschützerin der Künste. Gelehrt und insbesondere an Naturwissenschaften interessiert. Sie befürwortete Religionsfreiheit und hatte keinerlei Interesse an der Ehe.

Irena Sendler war eine polnische Krankenschwester, die wahnsinnig mutig war und während des 2. Weltkriegs unter Einsatz ihres Lebens mehr als 2500 jüdische Kinder aus dem Warschauer Ghetto rettete.

Das sind nur ein paar Beispiele der 52 wundervollen Portraits, jede der Frauen großartig farbenprächtig illustriert von Petra Eriksson.

Ich glaube, man merkt wie sehr mir dieses Buch gefallen hat. Kauft es euch, verschenkt es und gebt ihm einen besonders schönen Platz in eurem Regal. Dieses kleine Schatzkästchen voller Mut und Empowerment ist ein Denkmal für alle Frauen, die nach ihren eigenen Spielregeln spielen und die Pionierinnen waren in ihren jeweiligen Bereichen.

Aus dem Englischen von Jenny Merling erschienen im Suhrkamp Verlag, dem ich für dieses Rezensionsexemplar herzlich danke.

The Moth and the Star – Biography of Virginia Woolf

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but I flow

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Der erste Satz aus Aileen Pippetts Virginia Woolf Biografie hätte auch von mir sein können: Alles, was ich über Virginia Woolf wusste war, dass ich alles von ihr und über sie gelesen hatte und sie auf diese Weise irgendwie ein Teil meines Lebens war. Aber schon ab dem zweiten Satz war die Autorin uneinholbar für mich und ich wurde ein klein wenig grün vor Neid:

„I met her once, in a Bloomsbury attic, by candlelight, unexpectedly, at a small party some time in the middle nineteen-thirties. To me it was a memorable occasion, though I did nothing to make it so, being more than content to admire and observe and remain quieter than the mice behind the wainscoting, for I believed then, as I do still, that anything of importance an author has to say to a reader is to be found in books and heard in the privacy of the mind.“

Eine Biografin, die Virginia Woolf selbst kennengelernt hatte, das gefiel mir außerordentlich und hat ihr ein paar Vorschußlorbeeren eingebracht. Meine Erwartungen wurden aber durchaus erfüllt. Bei „The Moth und the Star“ handelt es sich um eine sehr lesenswerte Biografie voller Atmosphäre, die uns an der Kindheit und Jugend Virginias teilhaben lässt. Leise und heimlich heften wir uns an ihre Fersen, wenn sie den Gartenweg zu ihrem Schreibstudio entlanggeht, oder wir sie bei ihren ausgiebigen Spaziergängen an der Küste, durch die Straße Londons oder auf dem Land begleiten. Wir lernen ihre Bekannten kennen und ihre Freunde kennen.

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Das Portrait baut sich wie aus kleinen Mosaikstückchen zusammen. Wir lernen die Stephens Familie kennen, die „Bloomsberries“ (die von der Autorin gegen jegliche Abstempelung als hochmütige Elfenturmbewohner vehement verteidigt werden). Wir folgen Virginia Woolf durch Kew Garden, besuchen mit ihr Monks House (hier habe ich im Übrigen schon einmal über meinen Besuch in Monks House berichtet) und erleben die Freuden und Miseren einer sehr sensiblen, ätherisch wirkenden jungen Autorin, die die Literaturwelt revolutionierte.

Interessant fand ich auch ihr gemeinsames Schreiben mit E. M. Forster als Antwort auf die Öbszönitäts-Anklage gegen Radclyffe Hall:

“Writers produce literature, and they cannot produce great literature until they have free minds. The free mind has access to all knowledge and speculation of its age, and nothing cramps it like a taboo.”

Aileen Pippett verknüpft auf’s wunderbarste Virginia Woolfs Leben mit ihrer Arbeit wobei ihr als Quellen neben Woolfs Büchern und Tagebüchern auch die ausgiebige Korrespondenz zwischen Virginia und Vita Sackville-West dient. Der Frau, der sie mit „Orlando“ ein einzigartiges Denkmal gesetzt hat. Vitas Sohn beschrieb „Orlando“ später einmal als den längsten und schönsten Liebesbrief in der Literatur.

Die Biografie zeigt auch deutlich den Einfluss, die Faszination, den Verwandte und Freunde, ihre Arbeit in der Hogarth Press und überhaupt die Welt draußen auf Virginia Woolf ausübte. Doch immer wieder wird es alles zuviel, sie muss mit ihren Kräften haushalten, sie ist kränklich und fragil und wird immer wieder von Depressionen heimgesucht.

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Wolf in Monks House

Im März 1940 hat sie keinerlei Kraft mehr, gegen einen weiteren mentalen Zusammenbruch anzukämpfen. Sie hat Angst davor, verrückt zu werden. Sie schreibt einen Abschiedsbrief in ihrem Gartenhäuschen in Monks House, füllt ihre Taschen mit Steinen und ertränkt sich in dem kleinen Flüsschen Ouse ganz in der Nähe des Hauses.

„The Moth and the Star“ ist die gelungene Biografie von einer Zeitgenossin Virginia Woolfs. Das Buch bringt den Leser einer großen Schriftstellerin näher, ohne die Privatssphäre zu verletzen, die einem Menschen wie Virginia Woolf sicherlich durchaus wichtig gewesen wäre.

Darf es noch ein bisschen mehr sein? Dann findet ihr hier die Besprechung zu zwei ihrer Romane „Jacobs Room“ und Mrs Dalloway  und dem phänomenalen „A room of one’s own„. Dazu passt auch wunderbar ihr Briefwechsel mit Vita Sackville-West „Geliebtes Wesen„.

Ich würde gerne noch weitere Biografien über Virginia Woolf lesen – habt ihr Empfehlungen?

Dublin by the Book

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In keiner Stadt der Welt gibt es gefühlt mehr Orte, an denen berühmte Schriftsteller/-innen gesessen, gewohnt, getrunken und geschrieben haben, als in Dublin. Die ganze Stadt ist eigentlich eine riesige Bibliothek, nur gelegentlich von Pubs, Parks und Wohnhäusern unterbrochen.

Viel Zeit hatten wir zwar nicht, denn das Übernachten in Dublin ist erschreckend teuer geworden, aber wir haben in der kurzen Zeit doch viel gesehen und erlebt. Zeit zum Bücher gucken und kaufen und um das eine oder andere Guinness zu testen, hatten wir auch.

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Dublin war deutlich kleiner, als ich es von meinem letzten Besuch vor gefühlten 1000 Jahren in Erinnerung hatte. Wir wohnten ganz in der Nähe von Temple Bar und der erste Ausflug am frühen Morgen brachte uns zum Trinity College, wo ich natürlich die berühmte Bibliothek bewundern musste und die arme Bingereader Gattin mich nur unter Anstrengung sämtlicher Kräfte und dem Versprechen auf spätere Buchkäufe und Guinness wieder heraus bekam.

Ich kannte Fotos davon, dachte also durchaus zu wissen, was mich erwartet, aber als ich durch die Tür trat, war ich vollkommen von den Socken. Diese Bibliothek ist in Echt noch Tausendmal aufregender und schöner, als es auf dem besten Foto rüberkommt.

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Gegründet wurde sie 1592 und im sogenannten Long Room stehen an die 200.000 Bücher. Mit den Büchern wird auch durchaus noch gearbeitet, nach vorheriger Bestellung kann man als ganz normaler Student die Bände vor Ort unter entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen nutzen und damit arbeiten.

Schweren Herzens habe ich irgendwann die heiligen Hallen wieder verlassen und wir haben uns in Ruhe den Rest der Innenstadt rund um den Fluß Liffy herum angesehen. 1200px-HalfPennyBridge

Meinen Lieblingsbuchladen vom ersten Dublin Besuch habe ich auch wiedergefunden, den ich natürlich auch nicht ganz ohne Lektürenachschub verlassen konnte. Hier ein paar Impressionen, vielleicht versteht ihr dann, warum ich den Laden so gerne mag:

 

Die einzige kleine Enttäuschung, die wir hinnehmen mussten war, dass der „Literary Pub Crawl, den wir unbedingt am Abend machen wollten, ausgebucht war. Wir haben dann auf eigene Faust ein paar Pubs erkundet und fast jeder Pub hat eigentlich irgendeinen literarischen Bezug, ob der nun wirklich stimmt oder nicht 😉 Meiner Meinung sollte man insbesondere am Wochenende einen Bogen um Temple Bar machen, da ist es einfach nur mega voll und ein Junggesellen-Abschied jagt den nächsten und schöne, interessante Pubs gibt es in der ganzen Stadt.

Wir machten noch einen Abstecher ins Dublin Writers Museum. Das ist durchaus interessant, auch wenn man das Gefühl bekommen könnte durch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum im Jahr 1981 gelandet zu sein.

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Natürlich bin ich nicht ohne entsprechende Reiselektüre nach Dublin gereist. Im Reisegepäck befand sich:

The Speckled People – Hugo Hamilton

Eine spannende irische Biografie, in der es nicht ständig regnet oder sich jemand zu Tode trinkt, das allein fand ich schon wunderbar. Hugo erzählt die Geschichte seiner Kindheit und die seiner Geschwister, die als Außenseiter in ihrem eigenen Land aufwachsen, da ihre Mutter Deutsche und ihr Vater ein stolzer irischer Unabhängigkeitskämpfer war, der so sehr hinter seinen Überzeugungen stand, dass er absolut verbot, dass irgendjemand in seinem Haushalt Englisch sprach. Der Vater war recht autoritär und streng, dennoch sind die Kinder in einem sehr liebevollen Haushalt aufgewachsen.

Insbesondere die Mutter war eine ganz tolle Frau, die sich in Deutschland sehr gegen die Nazis zur Wehr setzte und auf einer Pilgerfahrt durch Irland ihren künftigen Mann trifft und mit ihm in Irland bleibt. Sie ist warmherzig, unterstützt ihren Mann und ihre Kinder, ohne dabei ihre Eigenständigkeit aufzugeben und ist einfach eine ganz tolle Mutter (so eine hätte ich auch gerne gehabt).

Das Buch ist stellenweise traurig und manche Charaktere nerven ab und an, aber es ist auch ganz oft sehr lustig und aufmunternd.

“Maybe your country is only a place you make up in your own mind. Something you dream about and sing about. Maybe it’s not a place on the map at all, but just a story full of people you meet and places you visit, full of books and films you’ve been to. I’m not afraid of being homesick and having no language to live in. I don’t have to be like anyone else.“

Einen wirklich ulkigen Zufall erlebte ich, als ich am Montag nach unserer Dublin-Reise auf dem Weg zur Arbeit am öffentlichen Bücherschrank vorbeiging und dort tatsächlich den zweiten Band der Biografie entdecke. Konnte es erst gar nicht glauben. Im Flugzeug hatte ich noch gesagt, das mir das Buch so gut gefällt, ich würde unbedingt auch den zweiten Teil lesen wollen und peng! steht es am nächsten Morgen im Regal.

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Der Matrose im Schrank

Der zweite Teil seiner Memoiren dreht sich um seinen Übergang von seiner strikten Kindheit in Dublin in seine unabhängigere Jugend. Der Titel bezieht sich auf Hugos väterlichen Großvater John Hamilton, der starb, während er in der Royal Navy diente. Hugos Vater hat ein Foto seines Vaters in seiner Uniform ganz hinten in seinem Kleiderschrank versteckt, da Hugos Vater jegliche Form von Service unter den Briten für Vaterlandsverrat hält. Hugo fühlt sich diesem verhassten Großvater nahe und er kämpft weiterhin mit widerstreitenden Gefühlen, wo er jetzt eigentlich hingehört. Er arbeitet im Hafen des Ortes als Fischer und ist ständig dabei, die Grenzen seines Vaters auszutesten.

Auch wenn mir der erste Band ein ganzes Stück besser gefallen hat, kann ich beide Bücher absolut empfehlen. Sie geben einen guten Einblick in die irische Nachkriegsgeschichte und erzählen die spannende Biografie eines zeitgenössischen irischen Autoren.

“People say you’re born innocent, but it’s not true. You inherit all kinds of things that you can do nothing about. You inherit your identity, your history, like a birthmark that you can’t wash off. … We are born with our heads turned back, but my mother says we have to face into the future now. You have to earn your own innocence, she says. You have to grow up and become innocent.”

Entgegen jeglichen Klischees hat es das ganze Wochenende nicht einen Tropfen Regen gegeben. Wir würden einen Wochenendtripp nach Dublin jedem Buchliebhaber empfehlen!

Kennt ihr Dublin? Was sind eure liebsten Ecken dort? Was sollte ich mir bei einem nächsten Besuch unbedingt noch ansehen?

Befreit – Tara Westover

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Überraschungs-Buchpost ist immer klasse, aber bei diesem Buch habe ich regelrechte Freudentänze aufgeführt, als ich das Packerl vom Kiepenheuer & Witsch Verlag öffnete, denn es stand schon eine Weile ganz weit oben auf meiner Leseliste und hat durchaus prominente Fürsprecher, wie zum Beispiel Barack Obama. An dieser Stelle schon mal herzlichen Dank für das Rezensionsexmplar.

„Befreit“ ist auf der einen Seite eine durch und durch hoffnungsvolle Geschichte und auf der anderen Seite fast schon ein Horrortrip. Tara Westover, soviel merkt man schon von der ersten Seite an, ist eine kluge Frau und eine wirklich gute Schriftstellerin, die in einer wunderbar poetischen Sprache spröde bezaubernde Bilder zu schaffen weiß.

Nichts in ihrer Kindheit ließ jemals darauf schließen, dass aus ihr jemals eine mit Doktortitel ausgestattete Absolventin der Cambridge Universität wird. Tara ist die jüngste von sieben Kindern einer fundamentalistischen Mormonenfamilie im ländlichen Idaho, die sich jeden Tag mit Vorratshaltung etc. auf den Weltuntergang vorbereitet und die überzeugt ist, die Regierung ist von Illuminaten unterwandert, die die Bevölkerung einer Gehirnwäsche unterzieht und sie seien permanent vom FBI verfolgt.

Die Kinder arbeiten von Kindesbeinen an auf dem väterlichen Schrottplatz. Der Vater bildet das Gesetz in der Familie und das stützt sich zum einen auf seine glühenden religiösen Überzeugungen und wird zum anderen durch seine nicht diagnostizierte psychische Erkrankung beeinflusst. Die Arbeit auf dem Schrottplatz ist gefährlich und heftige Verletzungen sind fast an der Tagesordnung. Das väterliche Misstrauen gegen den Staat bezieht aber auch jegliche medizinische Versorgung mit ein, so dass auch schwerste Verbrennungen, tiefe Fleischwunden etc. ausschließlich mit selbst hergestellter Medizin von der Mutter behandelt werden.

Taras Vater ist nicht nur gegen die Regierung oder die moderne Medizin, seine Ablehnung umfaßt auch Schulen, Krankenhäuser, Impfungen natürlich, aber auch Sicherheitsgurte im Auto, Fernsehen oder Bücher. Sein Wort ist Gesetz, denn er ist überzeugt davon, Gott spricht durch ihn und es ist herzzereissend zu sehen, wie eine ganze Familie unter den religiösen Wahnvorstellungen eines psychisch kranken Menschen zu leiden hat. Die heimische Schulbildung, die die Kinder angeblich zu Hause von der Mutter bekommen, sind sporadische kurze Lektionen in Pflanzenkunde, etwas Mathematik und viel Bibelstudium, aber meistens werden die Kinder einfach auf dem Schrottplatz gebraucht.

Tara geht nie zur Schule, bringt sich selbst ein bisschen was mit den wenigen Büchern bei, die es zu Hause gibt, teilweise unterstützt von einem älteren Bruder, der ebenfalls ein Studium begonnen hat. Ihre formale Bildung beginnt mit 17, als sie auf die Brigham Young Universität geht, eine Hochschule für Mormonen. Dort erlebt sie schockiert, wie wenig sie überhaupt weiß. Sie hat noch nie vom Holocaust oder der Bürgerbewegung gehört, Europa war für sie bislang ein Land und kein Kontinent. Trotz aller Schwierigkeiten beißt sie sich durch und erkämpft sich sogar ein Stipendium für Cambridge. Ihren Eltern gefällt diese Entwicklung natürlich ganz und gar nicht.

„Mir selbst redete ich ein, ich gehörte aus anderen Gründen nicht nach Cambridge, Gründen, die mit Klasse und Status zu tun hatten: weil ich eben arm war, arm aufgewachsen war. Weil ich im Wind auf dem Kapellendach stehen konnte, ohne zu schwanken. Das war die Person, die nicht nach Cambridge gehörte: die Dachdeckerin, nicht die Hure.“

Das war für mich der einzig frustrierende Part des Buches, ihr dabei zuzuschauen, wie sie wieder und wieder zu ihrer Familie zurückkehrt. Wie sie sich von ihrem sadistischen Bruder Shawn quälen lässt, sich ihr Geld fürs Studium auf dem heimischen Schrottplatz verdient und immer wieder verzweifelt versucht, die Anerkennung ihrer Familie zu gewinnen.

Das sie ihren Weg so durchgezogen hat, wie sehr sie auch teilweise zerrissen war zwischen ihrem Wunsch nach Eigenständigkeit und Bildung auf der einen Seite und ihrem Pflichtbewusstsein, ihrer Loyalität der Familie gegenüber, und ihrem von klein auf indoktriniertem Glauben ist mehr als ein Wunder für mich. Sie erkämpft sich über Jahre ihre eigene Identität als Wissenschaftlerin, Schriftstellerin und als unabhängige Frau.

Ich konnte mich sehr mit Tara identifizieren in ihrem Wunsch, alles in Bewegung zu setzen, um vom Bildungskuchen soviel abzubekommen wie nur möglich. Autodidakten leiden häufig darunter nicht wirklich zu wissen, ob sie gut genug sind. Framing und fehlender Stallgeruch führen dazu, dass man sich ausgeschlossen fühlt und Selbstzweifel entwickelt. Tara Westover hat in meinen Augen schier übermenschliches geleiset und ich habe große Achtung vor dem, was sie erreicht hat.

Für diesen Erfolg muss sie aber durchaus teuer bezahlen. Ein großer Teil ihrer Familie (ihre Eltern und ein Teil ihrer Geschwister) haben sie verstoßen und insbesondere nach Erscheinen ihres Buches verbreiten sie Gerüchte über Taras mentale Instabilität. Ich habe mir einige Interviews mit ihr angesehen und angehört und auf mich wirkt sie sehr sachlich, analytisch, vielleicht sogar ein wenig stoisch und auch überhaupt nicht nachtragend.

Eine überwältigende Geschichte die einem noch lange nachgeht. Mich hat sie sehr an „Hillbilly Elegy“ erinnert.

Eine weitere großartige Rezension des Buches hat Brigitte von „Feiner Reiner Buchstoff“ geschrieben, ihr findet sie hier.

Hier ein Interview mit der Autorin: