Planet Magnon – Leif Randt

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Mit Leif Randt geht es durch die unendlichen Weiten des Weltalls – where no one has gone before. Wir entern ein Sonnensystem das von einer allwissenden weisen Artificial Intelligence mit eingebautem Fairness-Schlüssel regiert wird und aus sechs Planeten und zwei Monden besteht.

Wir befinden uns in einer postdemokratischen, postrationalen, friedlichen Ära irgendwo in der Zukunft, wo verschiedene Kollektive um die ideale Lebensführung konkurrieren. Der Mond ist türkisfarben, alle fast ständig auf Droge und der Kapitalismus gezähmt.

Leif Randt ist ein poetischer Autor, der eine Geschichte erzählt, bei dem jedes Wort zählt und Meinung hat und jeder Satz seinen ganz eigenen Rhythmus hat. Seine Manipulation der Sprache führt dazu, dass vertraute Alltagsdinge plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen, gleichzeitig vertraut und doch ganz fremd sind. Die Technik führt dazu, dass „Planet Magnon“ eine ganz eigene Atmosphäre entwickelt und jede einzelne Szene des Romans entsprechend färbt.

„Ich versuche es auf eine Art zu erzählen, wie ich es selbst gerne erzählt bekäme. Ich spreche ruhig und fange nicht mit den entscheidenden Dingen an, sondern mit denen, die mich berührt haben.“

Marten Eliot, der Protagonist der Geschichte, gehört zu den Dolphins, einem der führenden Kollektive, das sich der Nüchternheit, Pflichterfüllung und postpragmatischen Schwebeübungen verschrieben hat.

„Die erste Wache nimmt eines der großen Messer von der Wand und beginnt, mit der scharfen Klinge Fleisch vom Spieß zu lösen. Es fällt Schicht um Schicht herunter, und die zweite Wache vermengt es mit Salat auf unseren Teigscheiben. Wir haben kein Besteck. Beide Wachen tragen Hygienehandschuhe und wickeln den angerösteten Teig nun um die gehäufte Nährung.“

Das titelgebende Magnon ist eine Substanz, die es zu ganz besonderen Gelegenheiten gibt und die einen umgehend in einen Zustand frühkindlichen Wohlbefindens befördert. Alles ist kühl und zurückgenommen im Sonnensystem, ähnlich wie die Sprache Randts und Bewegung kommt erst ins Geschehen, als das Kollektiv der „gebrochenen Herzen“ auftaucht und versucht die wohlstandsmüden Selbstkontrollierten zu erschüttern.

Randt deutet alles nur an, auf überdeutliche Beschreibungen verzichtet er. Die Sprache ist elegant und es gibt eine Menge verhalten witzige Passagen. Man hätte aus allem vielleicht noch ein bisschen mehr machen können, das Glossar nimmt fast einen Drittel der Geschichte ein, da hätte ich mir vielleicht noch ein paar weitere Kapitel gewünscht, ich fand das Ende etwas abrupt, aber genau das Richtige für Freunde intelligenter bizarrer Science Fiction, die die Wohlstandsgesellschaft und deren Oberflächlichkeiten leise persifliert.

 

Ich danke dem Kiepenheuer & Witsch Verlag für das Rezensionsexemplar.

 

Short and Sweet – eine illustre Runde

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Los gehts mit Haruki Murakamis „Birthday Girl“, eine Geschichte die ich vor einigen Jahren schon in dem von ihm herausgegebenen Kurzgeschichtenband „Birthday Stories“ gelesen habe. Eine Geschichte, die ich mochte, die mir aber nicht übermässig im Gedächtnis geblieben war.

Das wird sich dank Kat Menschiks Illustrationen definitiv ändern. Menschik und Murakami sprechen eindeutig die gleiche (Bild)Sprache, die Bilder treffen so sehr den Kern seiner Geschichten, jedes einzelne davon würde ich mir auch als Druck an die Wand hängen.

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„Birthday Girl“ ist die Geschichte eines 20jährigen Mädchens, das als Kellnerin in einem Restaurant arbeitet und eines Abends dem alten Restaurant-Besitzer in seiner Wohnung über dem Restaurant das Abendessen serviert. Durch einen Zufall erfährt der Mann, dass sie Geburtstag hat und schenkt ihr einen Wunsch – egal was es ist. Nur einen beliebigen Wunsch, aber einmal geäußert, kann er nicht mehr zurückgenommen werden.

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Den Wunsch selbst erfährt der Leser nie. Nur dass es nichts normales ist wie „schöner oder reicher werden“. Denn …“ich kann mir die Auswirkungen nicht so recht vorstellen, falls so etwas tatsächlich einträte. Vielleicht würde es mir sogar über den Kopf wachsen. Ich habe das Leben noch gar nicht im Griff. Wirklich nicht. Ich weiß nicht, wie es funktioniert.“

Mir gefällt besonders, wie man bei jeder seiner Geschichten ein Stück Murakami in seinen Protagonisten entdecken kann. In dieser Geschichte greift er auf seine eigenen Erfahrungen als Kellner in einem Café zurück, als er zwanzig Jahre alt war.

Ich danke dem Dumont-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Wir bleiben noch ein bisschen bei meiner Lieblings-Illustratorin Kat Menschik und lassen uns von ihr nach Schweden entführen und zwar zu:

„Die Bergwerke zu Falun“ von E. T. A. Hoffmann

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E.T.A. Hoffmann hat surrealistische Geschichten geschrieben, lange bevor der Begriff überhaupt benutzt wurde. Ich halte ihn für einen der Urgesteine des Horror/SciFi/Phantastik-Genres und seine Geschichten sind auch fast 200 Jahre nach Erscheinen immer noch zeitlos und einzigartig.

Was ihn meines Erachtens mit Murakami verbindet ist die Tatsache, dass auch seine Protagonisten sehr viel von ihm selbst enthalten, seiner Umgebung, seinen Frauen, denen er hinterherlief, in seinem viel zu kurzen Leben.

Ein „Jack-of-all-Trades“ der als Maler, Komponist, Jurist, Kritiker und Schriftsteller unterwegs war, es gibt wenig im kulturellen Bereich, dass er nicht zumindest einmal ausprobiert hätte und in den meisten Bereichen war er unglaublich gut.

Seine Geschichten sind psychologische Studien, die sich mit dem Übernatürlichen, Wahnsinn, der Technik seiner Zeit aber auch mit märchenhaften Dingen beschäftigen. Immer wenn man gerade glaubt zu ahnen, in welche Richtung er mit seiner Geschichte will, biegt er ab und der Leser ist urplötzlich wo ganz anders.

Seine wie im Fiebertraum gesponnenen Metaphern und Vergleiche zeichnen ein berückendes Bild seiner sich oft in Bedrängnis fühlenden Progagonisten. Oft sind sie halb verrückt, von unerfüllter Liebe zu einer Frau gequält und wenn es etwas gibt, was ich an ihm nicht so mag, dann ist es seine schablonenhafte Beschreibung der Frauenfiguren in seinem Werk.

Die Geschichte „Die Bergwerke zu Falun“ ist schnell erzählt. Alles fängt mit dem Fest der Matrosen an, die nach einer langen Seereise für die ostindische Gesellschaft wieder in Schweden angekommen sind und ihre Rückkehr feiern. Nur Elis Fröbom sitzt allein und niedergeschlagen da. All seine Motivation auf See rührte daher seiner Mutter bei der Rückkehr ein gutes Leben zu ermöglichen, bei der Rückkehr muss er feststellen, dass sie zwischenzeitlich gestorben ist und er weiß nicht recht wohin jetzt mit sich und seiner Trauer.

Als ein alter Bergwerksarbeiter erscheint und ihm die wunderbare Welt der Minen und Bergwerke ans Herz legt überlegt er, sich die Seefahrt an den Nagel zu hängen und statt dessen im Bergwerk zu Falun anzuheuern. Fieberhaft träumt er nachts von einer kristallenen Welt mit einer Königin, in die er sich verliebt und macht sich am nächsten Tag tatsächlich auf nach Falun. Doch dort angekommen schreckt er beim Anblick der Mine zurück:

„Elis Fröbom schritt guten Mutes vorwärts, als er aber vor dem ungeheuern Höllenschlunde stand, da gefror ihm das Blut in den Adern und er erstarrte bei dem Anblick der fürchterlichen Zerstörung“

Auch nach dem dritten Lesen entdecke ich jedes Mal wieder etwas Neues in den versteckten Hinweisen und den nuancierten Betrachtungen. Nicht zu vergessen die Illustrationen, die auch aus dieser Geschichte ein absolutes Juwel machen:

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Ich stelle mir jetzt Murakami und ETA beim gemeinsamen Dosenbier vor, in ihrer Welt sollten ein paar hundert Jahre Zeitunterschied und Sprachbarrieren keine Probleme darstellen.

Wer glaubt, dass es jetzt mega realistisch zugeht, nur weil es mit Bertolt Brecht weitergeht, der hat sich gehörig in den Finger geschnitten. Brecht kann auch anders meine Herrschaften, der kann sich auch mal gepflegt Gedanken machen, wie es wohl wäre „Wenn die Haifische Menschen wären“.

Bertold Brecht – Wenn die Haifische Menschen wären“

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Die Parabel ist eine der etwas längeren Geschichten rund um Herrn K. Hier tauchen wir ab in die Welt der Haifische, die ein menschliches Leben führen. Sie schicken ihre Kinder in die Schule, wo sie neben menschlichen Werten und Normen auch andere Sachen lernen wie Geografie, Rechnen und Religion.

„Wenn die Haifische Menschen wären«, fragte Herrn K. die kleine Tochter seiner Wirtin, „wären sie dann netter zu den kleinen Fischen?“ hier startet Brecht seinen philosophisch-kritischen Blick in die Welt der Haifische und Menschen. Zitate wie „Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank“ sind überraschend aktuell.

Eine bibliophile Ausgabe vom Buch-Onlineversand Fröhlich & Kaufmann mit wunderschönen Illustrationen, die den Text wunderbar ergänzen und interpretieren. Freue mich, auf der Buchmesse in Leipzig bei diesem Büchlein zugeschlagen zu haben, ein schöner Neuzugang für meine in die Jahre gekommene Brecht-Sammlung.

Foto: Froehlichundkaufmann.de

Habt ihr Lieblings-Illustratoren oder illustrierte Bücher die ihr mir empfehlen könnt? Bin gerade mächtig auf den Geschmack gekommen.

Auf Youtube gibt es noch einen animierten Cartoon „If Sharks were Men“:

Hier noch mal im Überblick:

Haruki Murakami – Birthday Girl, Dumont Verlag
E. T. A. Hoffmann – Die Bergwerke zu Falun, Galiani Verlag
Bertold Brecht – Wenn die Haifische Menschen wären, Fröhlich & Kaufmann

Wien – By the Book

Ostern in Wien war das Geburtstagsgeschenk für die wunderbare Schwiegermama, mit der wir die literarische und vor allen Dingen auch kulinarische ex-K&K Hauptstadt unsicher machten.

Wien war und ist für mich neben Paris die Fin-de-Siècle Metropole und was Proust in Paris ist, ist Zweig in Wien für mich. Da sträuben sich den Experten sicherlich die Haare, aber für mich kam kein anderer Autor als Zweig in Frage, der mich nach Wien begleiten sollte.

Ein Besuch im 1. Bezirk und das dazugehörige Trambahnfahren mit der Linie 1 gehören natürlich zum Pflichtprogramm. Ständig hatte ich das Gefühl, Sisi und Franz Joseph kommen gleich um die Ecke.

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Das Wetter war etwas durchwachsen, aber man wäre nicht in Wien, würde man nicht auch einen großen Teil der Zeit Torte essend und Zeitung lesend im Cafe verbringen. Die Auswahl an deutschsprachigen und internationalen Zeitungen z.B. im Cafe Landtmann hat mich schwer beeindruckt und ich wäre wohl noch ewig sitzen geblieben, hätten mich die Ladies nicht irgendwann weggezerrt, um weitere Sehenswürdigkeiten zu bewundern.

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Die kulinarischen Highlights unseres Ausflugs könnt ihr im Übrigen hier nachlesen, ich mache Euch jetzt noch etwas Lust auf Stefan Zweig.

Er wurde 1881 in eine großbürgerliche jüdische Kaufmannsfamilie hinein geboren und begann schon während seiner Studienzeit Gedichte zu veröffentlichen. Seit frühester Jugend war er überzeugter Europäer und Pazifist und es gibt wirklich keine bessere Begleitlektüre für Wien als seine „Welt von Gestern – Erinnerungen eines Europäers“. Über dieses Buch möchte ich separat noch ausführlicher berichten und freue mich, dafür eine spannende Kooperation einzugehen, doch dazu bald mehr.

Ausführlicher möchte ich euch von meinem zweiten Zweig berichten, dem wunderschönen „Buchmendel / Die unsicherbare Sammlung“, das schon in einigen Blogs besprochen wurde und das eigentlich in keinem ordentlichen Bücherhaushalt fehlen darf.

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„Die Unsichtbare Sammlung“ handelt von einem blinden Sammler seltener Drucke, der nicht realisiert, das seine kostbaren Dürers, Rembrandts etc. von seiner durch die Inflation verarmten Familie längst verkauft worden und durch leere Blätter ersetzt wurden.

Goethe sagte einmal, Sammler seien glückliche Menschen und diese Geschichte scheint ihm Recht zu geben.

„Die neuen Reichen haben plötzlich ihr Herz entdeckt für gotische Madonnen und Inkunabeln und alte Stiche und Bilder; man kann ihnen gar nicht genug herzaubern, ja wehren muß man sich sogar, daß einem nicht Haus und Stube kahl ausgeräumt wird. Am liebsten kauften sie einem noch den Manschettenknopf vom Ärmel weg und die Lampe vom Schreibtisch. Da wird es nun eine immer härtere Not, stets neue Waren herbeizuschaffen – verzeihen Sie, daß ich für diese Dinge, die unsereinem sonst etwas Ehrfürchtiges bedeuteten, plötzlich Ware sage –, aber diese üble Rasse hat einen ja selbst daran gewöhnt, einen wunderbaren Venezianer Wiegendruck nur als Überzug von soundsoviel Dollars zu betrachten und eine Handzeichnung des Guercino als Inkarnation von ein paar Hundertfrankenscheinen. Gegen die penetrante Eindringlichkeit dieser plötzlich Kaufwütigen hilft kein Widerstand.

Die zweite Novelle ist das berührende Schicksal des Buchmendel, eines alten Buchhändlers, der einem lebenden Universalkatalog der Weltliteratur glich, komplett in seinem Gebiet aufgehend.

Zweig erzählt voller Empathie, Tiefgründigkeit und Verständnis für diese exzentrischen Büchermenschen, die höchst lebendig aus dem Buch zu klettern scheinen, was natürlich durch die wunderbaren Illustrationen noch verstärkt wird. Ich liebe Zweigs angenehmen, leicht altmodischen Erzählstil, der den Plot ein klein wenig in den Hintergrund treten lässt, was aber dazu führt, dass man die Charaktere umfassender entdeckt.

„Wie ein Astronom einsam auf seiner Sternwarte durch den winzigen Rundspalt des Teleskops allnächtlich die Myriaden Sterne betrachtet, ihre geheimnisvollen Gänge, ihr wandelndes Durcheinander, ihr Verlöschen und Sichwiederentzünden, so blickte Jakob Mendel durch seine Brille von diesem viereckigen Tisch in das andere Universum der Bücher, das gleichfalls ewig kreisende über unserer Welt.“

Unbedingt erwähnen muss man aber die phantastischen Illustrationen in diesem Band, die den Geschichten von Joachim Brandenberg und Florian L Arnold auf den Leib geschneidert wurden. Die Bilder sind wunderschön mit einer berauschenden hypnotisierenden Kraft, die es schaffen, dem Ganzen eine mystisch, unaussprechlich sinnliche Atmosphäre zu geben.

Leute, kauft dieses Buch – es ist das perfekte Geschenk, egal zu welcher Jahreszeit. Ihr werdet Menschen damit glücklich machen, ich bin ganz sicher 🙂

Bilder: topalian-milani.de

Ich danke dem Topalian & Milani Verlag für das Rezensionsexemplar.

Beim nächsten Wien Besuch steht auf jeden Fall ein Theaterbesuch sowie ein Abstecher auf den Zentralfriedhof auf dem Programm. Wir hatten eine entzückende Wohnung in Währing angemietet gleich ums Eck vom Kutschkermarkt, dem Slow-Food-Mekka und nur zehn Minuten mit der Tram vom Zentrum entfernt. Eine Ecke von Wien, die sich auf jeden Fall auch zu entdecken lohnt.

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Servus Wien – es war wie immer wunderschön. Bis bald!

Ellbogen – Fatma Aydemir

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Ellbogen ist ein heftiges Buch, es haut direkt in die Magengrube und wenn man es zuklappt, nachdem man atemlos durchgerauscht ist, dann ist man erst mal fertig. Ich war es zumindest. Es ist ein anstrengendes Buch mit einer kratzigen Protagonistin, die es ihren Lesern nicht einfach macht, sie zu mögen, vielleicht auch, weil sie sich selbst nicht einmal mag.

Klar hat man schon tausendfach gelesen von den verlorenen Generationen, die nie als „richtig deutsch“ angesehen werden, auch wenn sie hier geboren sind, im Gegenzug jedoch für ihre Bekannten und Verwandten im Heimatland der Eltern wiederum einfach nicht als echte Türken etc. gesehen werden. Egal wie viele Artikel ich dazu in der Zeitung gelesen habe, die ganze Problematik wurde mir deutlich bewusster durch den Roman.

Heftig wie viele Hazals da draußen sind, verloren zwischen den Kulturen und ohne große Chance, es in Deutschland zu etwas zu bringen, wirklich dazu zu gehören und teilhaben zu können am gesellschaftlichen Miteinander.

Tagsüber steckt Hazal in einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme ohne große Aussicht, damit wirklich Chance auf einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Bewerbungen schreibt sie am Fließband, aber außer dem Aushilfsjob in der Bäckerei ihres Onkels ist nichts in Aussicht. In ihrem Zuhause geht es eher lieblos zu, viel zu sagen haben sich weder die Eltern noch ihr Bruder, das wichtigste ist ein braves Mädchen zu sein und zu gehorchen, alles andere ist egal.

„Es geht nur darum, den anderen überzeugende Lügen zu erzählen und sich nicht erwischen zu lassen. So funktioniert Familie. Immer sachlich bleiben.“

„Er würde mich ständig damit erpressen, es meinen Eltern zu erzählen. Aber würde er es ihnen denn wirklich erzählen? Schwer zu sagen. Über die Wahrscheinlichkeit habe ich mir nicht so richtig Gedanken gemacht. Die dürfen das nicht wissen und Ende. Der Scheiß läuft doch automatisch im Kopf.“

„Ich meine, das erste, was ich nach dem Sprechen gelernt habe, war das Lügen. „Du darfst deinem Vater nicht immer alles erzählen“, hat mir Mama gesagt, an dem Tag, an dem sie mir das einzige Mal einen Heliumluftballon gekauft hat.“

Das funktioniert anscheinend tatsächlich so. Das habe ich oft bei Freunden aus muslimischen Familien erlebt, diese Parallel-Wirklichkeiten, die sie sich oft gezwungen sehen, aufzubauen. In dem den älteren in der Familie Version A vorgelebt wird, den Geschwistern oder Cousins die etwas liberaler sind Version B und für Freunde etc. gibt es oft noch eine dritte Variante. Das muss so anstregend sein und die dürfen sich auf keinen Fall überschneiden die verschiedenen Parallelen sonst könnte alles auseinander fliegen.

Den Wendepunkt nimmt die Geschichte als Hazal mit ihren Freundinnen aufgebretzelt und gut angeschickert an der Tür vom Berghain abgewiesen werden und der Kumpel, der nicht wie erhofft seinen Einfluss spielen lässt, damit sie reinkommen, sondern der sie als Schlampen bezeichnet und nach Hause beordert. Das sind die berühmten Tropfen, die das Fass zum Überlaufen bringen.

Der Abend, auf den sie so hingefiebert hatten, wo sie den 18. Geburtstag Hazals feiern wollten, die soviel auf sich nimmt, um so etwas eigentlich normales wie Tanzen gehen und bei Freundinnen übernachten hinzubekommen. Denn sowas kommt in der elterlichen Welt der Deutsch-Türkin nicht vor. Sie lügt, besorgt Geld für Eintritt und Getränke, nimmt so viel auf sich, um sich diesen ersehnten Abend zu ermöglichen und dann kommen sie nicht rein.

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Diese eine Abweisung zuviel führt aus heiterem Himmel aus einer zufälligen Begegnung an der S-Bahn zu einer Gewaltorgie, die mit dem Tod eines Studenten und mit Hazals Flucht nach Istanbul vor Polizei und den Folgen ihrer Tat endet.

„Jungfrauen benutzen keine Tampons, das weiß jeder, und bei Tante Semra liegen sie von Zeit zu Zeit einfach so auf dem Esstisch, nicht in einer Schachtel, sondern offen, einzeln, Stück für Stück, wie auf einem Präsentierteller, wie weiße Patronen, die nur darauf warten, abgeschossen zu werden.“

„Aber gegen Oma kann sie nichts sagen. Denn mit dem Häuptling fickt man nicht. Und vor allem nicht, wenn man vorhat, selbst irgendwann Häuptling zu werden“

Am ersten Buchmesse-Abend in Leipzig hatte ich die Gelegenheit, in kleiner Runde mit der Autorin über ihr Buch zu sprechen und Fatma Aydemir schilderte dort, wie ihr der Gedanke zum Buch gekommen sei, als sie über sinnlose, urplötzlich auftretende Gewaltorgien von Jugendlichen gelesen hat und sich mit der Frage beschäftigte, wie es dazu kommen kann und wie sich das Ganze entwickelt, wenn es sich bei den Tätern um Mädchen handelt.

Hazal ist nicht immer rational zu verstehen, aber man fühlt einfach mit ihr. Man spürt ihre Aggression, ihre Verletzlichkeit, ihren Humor und ihre Intelligenz. Das Ende des Buches wird von der Wirklichkeit eingeholt mit dem Putschversuch in der Türkei 2016 und erscheint fast schon hellsichtig.

Das Buch ist heftig, trotzdem habe ich stellenweise laut gelacht. Die Kritiken in der Presse waren gemischt, in der Bloggerwelt wurde es rege und überwiegend positiv besprochen. Weitere Rezensionen findet ihr hier und hier.

Mich hat „Ellbogen“ an „Tigermilch“ von Stefanie de Velasco erinnert, beides Coming-of-Age Romane, die ich sehr gerne gelesen habe.

 

Short and Sweet

Es wird mal wieder Zeit für eine Short and Sweet Session, jedes Einzelne der Bücher hätte eine ausführliche Rezension verdient, die Binge Readerin ist aber zu faul und möchte ihren Stapel wegbekommen, daher hier kurz und knackig die Kurzrezensionen der gelesenen und bisher noch nicht rezensierten Bücher der letzten Wochen.

Ich lasse dem wunderbaren Dandy Fritz J Raddatz den Vortritt, dessen Erinnerungen „Unruhestifer“ mich sehr begeistert haben. Habe ihn ehrlich gesagt erst seit kürzerer Zeit auf dem Radar, ausgelöst meine ich durch ein Interview in „druckfrisch“ vor ein paar Jahren, aber wow – was für eine spannende Persönlichkeit.

Er war meine passende Reisebegleitung nach Hamburg.

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Seine Erinnerungen sind eine actionreiche, glamouröse Tour de Force durch den Kulturbetrieb der BRD. Der ehemalige Programmchef des Rowohlt-Verlages und ehemalige Feuilleton-Chef der Zeit hat als Literaturkritiker, Autoren-Entdecker und Feuilletonist überall mächtig Staub aufgewirbelt und kein Stein auf dem anderen gelassen. Für mich waren insbesondere der Anfang, seine Wurzeln, Familienhintergründe und seine späten Erinnerungen von besonderem Interesse, da ich doch mit einigen Namen aus dem früheren Kulturbetrieb nicht wirklich etwas anfangen konnte. Herr Raddatz schaut dem Feuilleton unter den Rock und wir ihm voyeuristisch dabei über die Schulter. Unbedingt kaufen und lesen.

„Unsere Beziehung, die wir – und wir beide wissen, warum – sachlich gehalten haben, weil Nähe nur aus Distanz möglich ist, weil man sich nicht duzt, wenn man sich per Sie näher ist – diese Beziehung sollte erlauben, auch spontan für den anderen da zu sein, ohne sich Intimitäten breit auszuwalzen.“

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Von meiner entzückenden Buchmessen-Begleiterin Birgit von Sätze und Schätze habe ich kürzlich passenderweise Raddatz‘ „Bestarium der deutschen Literatur“ geschenkt bekommen, das bot sich natürlich gleich als Anschlusslektüre an. Die literarischen Fabeltiere der Gegenwartsliteratur sind ausgesprochen charmant und die Zeichnungen von Klaus Ensikat absolut meisterhaft.

Jane Jacobs – The Godmother of the American City ist die legendäre Autorin des einflussreichen Buches „The Death and Life of Great American Cities“ das seit seinem Erscheinen 1961 ununterbrochen wieder verlegt wurde und die maßgeblich Einfluss auf die Disziplinen Stadtplanung und städtische Architektur genommen hat.

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In der „Last Interview„-Reihe umfasst ihre Interview aus den Jahren 1962, 1978, 2001 und das letzte aus dem Jahr 2005.  Die Gespräche beleuchten die einzigartige Karriere der beliebten und einflussreichen Intellektuellen und Aktivistin, die sich schon in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts für eine organische nachhaltige Stadtplanung eingesetzt hat.

Jane Jacobs ist in Deutschland noch recht unbekannt, als Einstieg kann ich diesen Band absolut empfehlen. Eine brilliante Analystin, Ökonomin und politische Kommentatorin, die sich lohnt kennenzulernen.

„Jacobs has probably bludgeoned more old songs, rallied more support, fought harder, caused more trouble, and made more enemies than any other American woman … She is the terror of every politican in town“

Eine unterhaltsame Zugfahrt bereitete mir vor einer ganzen Weile schon Daniel Kehlmanns „F“ – der Roman erzählt von drei Brüdern, die – jeder auf seine Weise – Betrüger, Heuchler, Fälscher sind. Das „F“ hängt von Anfang an schicksalsschwer über ihren Köpfen in Form von Familie, Fälschung, Fehlentscheidungen und das Kapitel mit dem Hypnotiseur war einfach nur brilliant, zum Ende hin ist es etwas abgefallen, aber Kehlmann ist eigentlich immer ein Garant für Unterhaltung auf hohem Niveau.

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„Keiner konnte einem helfen. Kein Buch, kein Lehrer. Alles Entscheidende musste man aus eigener Kraft lernen, und gelang es nicht, hatte man sein Leben verfehlt. Iwan fragte sich oft, wie Leute, die nichts Besonderes konnten, das Dasein eigentlich ertrugen.“

Vladimir NabokovsInvitation to a Beheading“ verkörpert die reichlich bizarre Vision einer komplett irrationalen und absurden Welt. In der März-Lektüre unseres Bookclubs geht es um einen jungen Mann namens Cincinnatus, der in einem nicht genannten Land im Gefängnis sitzt und auf seine Hinrichtung wartet. Seine Begegnungen dort sind komplett irrational und reichen von Henkern, die sich als Gefangene maskieren, bis hin zu phantastischen Gefängniswärtern und künstlichen Spinnen.

Im Inneren des Traumzustandes herrscht jedoch eine gewisse Logik, die der Erzählung seine Glaubwürdigkeit verleiht: Wir glauben, dass in einem totalitären Staat das Schicksal eines Cincinnatus nur allzu real ist. Das erinnert an die Megalomanie der Tyrannen, die ja leider gerade wieder Hochkonjunktur haben.

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“But then I have long since grown accustomed to the thought that what we call dreams is semi-reality, the promise of reality, a foreglimpse and a whiff of it; that is they contain, in a very vague, diluted state, more genuine reality than our vaunted waking life which, in its turn, is semi-sleep, an evil drowsiness into which penetrate in grotesque disguise the sounds and sights of the real world, flowing beyond the periphery of the mind—as when you hear during sleep a dreadful insidious tale because a branch is scraping on the pane, or see yourself sinking into snow because your blanket is sliding off.”

Die Angst eines Sträflings in der Todeszelle wirkt unglaublich beklemmend und man teilt seine Unglauben über seine Umstände, seine Reue für nicht wirklich begangene Verstöße und Misserfolge und seine falsche Hoffnung auf Rettung. Wenn Cincinnatus am Ende auf dem Weg zur Hinrichtung ist, lässt er seinen Henker durch die Kraft seiner Gedanken verschwinden und mit ihm zerfällt die gesamte Welt um ihn herum. Oder nicht?

Cincinnatus hätte sich sicherlich gut mit Kafkas K oder Figuren aus Becketts Stücken verstanden, das Absurde hat nicht jedem in unserem Bookclub zugesagt, auf die wunderschöne Sprache Nabokovs konnten wir uns hingegen absolut einigen. Ich kam aus dem Unterstreichen gar nicht mehr hinaus. „Lolita“ ist nach wie vor mein absoluter Lieblingsroman von Nabokov, aber dieses kleine Büchlein hat es absolut in sich – große Empfehlung von mir.

“What are these hopes, and who is this savior?” “Imagination,” replied Cincinnatus.”

Durch die Nacht – Ernst Peter Fischer

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Der Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer ist meistens eine sichere Bank für mich. Bei seinen Büchern langweile ich mich selten, er ist ein Wissensvermittler alter Schule und hat es sich zum Ziel gesetzt, die Naturwissenschaften unter kultureller Zuhilfenahme unter Volk zu bringen.

Auf den Band „Durch die Nacht – Eine Kulturgeschichte der Dunkelheit“ hatte ich mich besonders gefreut, habe schließlich eine Vorliebe für die dunkleren Seiten des Lebens und durchaus Lust, der Nacht einmal unter den Rock zu gucken.

Das für mich interessanteste, von dem ich bislang noch nie gehört hatte, war die Information, dass der Mensch früher in zwei Etappen geschlafen hat. Direkt nach dem Abendessen ging es damals ins Bett und dann so gegen Mitternacht stand man wieder auf, um für ein paar Stunden alles Mögliche zu unternehmen. Nachbarn besuchen, die Küche aufräumen, Nachwuchs zeugen etc. um dann gegen 3 oder 4 zurück in die Federn zu springen und bis zum Sonnenaufgang weiterzuschlafen.

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Fischer plädiert dafür, zum zweiphasigen Schlaf zurückzukehren, da er glaubt, dass der zweiphasige Schlaf der biologischen Neigung des Menschen eher entspreche. Für mich hört sich das ehrlich gesagt gar nicht verkehrt an. Ich bin auch am frühen Abend so gegen 20.00 Uhr sehr müde und je später der Abend, desto wacher werde ich.

Unser heutiger 7-8-stündiger Schlaf ist erst seit der Industrialisierung weitestgehend zur Norm geworden.

Ansonsten beschäftigt sich das Buch noch mit zu erwartenden Fragen wie „Ist der Nachthimmel wirklich schwarz? Warum schlafen wir überhaupt und welchen Sinn machen unsere Träume? Wieso haben wir im Dunkeln mehr Angst als im Hellen?“

„Mit der Romantik kommt die Spiegelwelt einer erfundenen Wirklichkeit zum Vorschein. Der Weg geht nach Innen als Weg zum Traum, der zum Schauplatz einer Universalisierung des Menschen wird, wie man emphatisch sagen kann. Im Schlaf ist die Zeit zwar aufgehoben, aber Welterfahrung wird nur durch den Traum vermittelt, was im Hintergrund zu bedenken bleibt. Indem der Traum eine zweite Version der Welt entwirft, wird die Verbindlichkeit der ersten, die man oft als Wirklichkeit kennt, in Zweifel gezogen. Das Material des Unbewussten entstammt der Einbildungskraft im Traum.“

Das Buch ist ein Exkurs in Philosophie, Biologie, Literatur und Religion, der auf unterhaltsame Weise die nächtlichen Aspekte unseres Alltags beleuchtet. Es ist durchaus informativ, gelegentlich zu sehr Anekdotensammlung, dennoch ein interessantes Buch für schlaflose Nächte.

Der Spaziergang – Robert Walser

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Robert Walser ist einer dieser ganz stillen, ewigen Geheimtipps der Literatur. So wenig er sich selbst für Ruhm und Glanz interessiert hat, seine beeinruckende Reihe an bedeutenden Fans reichen von Hermann Hesse, über Franz Kafka zu J. M. Coetzee und Susan Sontag. Walser hat sich intensiv mit der Einsamkeit und den Schwierigkeiten der menschlichen Existenz beschäftigt. Auch nicht wirklich ein Mensch mit Talent zum Glücklichsein, aber die Glücklichen hinterlassen dafür in der Regel selten große Kunst.

Ein Außenseiter im Leben und in der Literatur, der seltsam schöne Sätze schreibt – man muss sich definitiv einlassen auf seine kompromisslose Sicht der Welt, wer es tut, wird mit Einblicken in eine Welt belohnt, die manchmal wirkt, als würde man durch’s Schlüsselloch eine Spielzeugwelt betrachten.

Zum Einstieg in die Welt des Robert Walser scheint mir „Der Spaziergang“ die richtige Wahl zu sein. Langsames Rantasten war für mich das Richtige, Walser zwingt zum Innehalten zum langsamen und tiefen Lesen.

„Da eine äußerst stattliche, reichhaltige Buchhandlung mir angenehm in die Augen fiel und ich Trieb und Lust spürte, ihr einen kurzen und flüchtigen Besuch abzustatten, so zögerte ich nicht, in den Laden mit sichtlich guter Manier einzutreten, wobei ich mir allerdings u bedenken erlaubte, daß ich vielleicht mehr als Inspektor und Bücher-Revisor, als Erkundigungs-Einsammler und feiner Kenner denn als beliebter und gerngesehener reicher Einkäufer und guter Kunde in Frage käme.“

„Mit höflicher, überaus vorsichtiger Stimme und in den begreiflicherweise gewähltesten Ausdrücken erkundigte ich michnach dem Neuesten und Besten auf dem Gebiet der Literatur. „Darf ich“, fragte ich schüchtern, „das Gediegenste und Ernsthafteste und damit selbstverständlich zugleich auch das Meistgelesene und am raschesten Anerkannte und Gekaufte kennen- und augenblicklich schätzenlernen?“ Sie würden mich zu ungewöhlichem Dank in sehr hohem Grad verbinden, wenn sie die weitgehende Gefälligkeit haben und mir das Buch gütig vorlegen wollten, das, wie ja sicher niemand so genau wissen wird wie gerade Sie, die höchste Gunst beim lesenden Publikum sowohl als bei der gefürchteten und daher ohne Zweifel auch umschmeichelnden Kritik gefunden hat und ferner munter findet.“

Realistisches steht in seinen Kurzgeschichten unerschüttert neben seltsamen allegorischen Geschichten, wo Tiere durchaus sprechen können. Ein wenig aus der Zeit gefallen wirkt er in seiner klassischen Sprache und den modernen Elementen seiner Prosa. Melancholisch untersucht er die Welt zwischen Natur und Kultur, ohne wirklich einen Platz für sich zu finden, außerhalb der schützenden Mauern einer Nervenheilanstalt, in die er sich selbst 1929 eingewiesen hatte.

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Er liebte einsame, stundenlange Spaziergänge in der Natur. Am ersten Weihnachtstag 1956 starb er an einem Herzinfakt. „Die Fotografien des toten Spaziergängers im Schnee erinnern fast unheimlich an ein ähnliches Bild des toten Dichters Sebastians im Schnee aus Robert Walsers erstem Roman Geschwister Tanner.“