Vom Ende an – Megan Hunter

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„Was wir Anfang nennen, ist oft das Ende,
Und ein Ende machen heißt einen Anfang machen.
Am Ende brechen wir auf.“
(T. S. Eliot, Vier Quartette)

 

Das hier ein Dystopie-Fan zu Hause ist, dürfte man wahrscheinlich bereits bemerkt haben, vielleicht aber auch das ich da nicht einfach zu kriegen bin, denn Atmosphäre, Sprache, dahinter liegende Philosophie müssen stimmen, damit ich auch wirklich drauf anspringe.

Megan Hunters Debut hat zuerst durch das wunderschöne Cover neugierig gemacht. Aber nicht nur. Das sie mit einem Gedichtband auf der Shortlist des Bridport Prizes stand, merkt man dem Roman an, erinnern die kurzen Sätze allein vom Druckbild her eher an Gedichte als an einen Roman.

Während die steigenden Meeresspiegel ganz London zu überfluten drohen und damit eine Bedrohung katastrophalen Ausmasses auslösen, treffen wir auf eine namenlose junge Frau die kurz davor ist ein Kind zu gebären.

„Mein üblicher Zynismus ist von Angst vertrieben worden, der Angst vor Schmerzen, vor Kontrollverlust, vor allem, was blutig ist und sich dehnt.

Der Augenblick der Geburt steht mir bevor wie früher meine Entjungferung, wie der Tod. Das Unvermeidliche, im Innern verborgen und irgendwo draußen auf der Lauer.“

Zeitgleich fast mit ihrer Fruchtblase reißen auch die Dämme und nur Tage nach der Geburt ihres kleinen Jungen Z ist die kleine Familie gezwungen ihre Wohnung zu verlassen und sich in Sicherheit zu geben. Sie wandern von Ort zu Ort, auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe. Die Mutter ist hin- und her gerissen zwischen Angst und Staunen ob der ersten Berührungen und Entdeckungen ihres kleinen Sohnes in diese beunruhigende Welt hinein. Glücklich und neugierig, trotz aller Unsicherheiten.

Es ist die Geschichte einer jungen Mutter die nicht nur mit ihrer neuen Rolle zurecht kommen muss, sondern sich auch in einer zunehmend fremden Welt wider findet. Megan Hunter hat ein überaus poetisches seltsam schönes Buch geschrieben, das ein mögliches Zukunftszenario beschreibt – realistisch und bedrohlich und doch voller Liebe und Hoffnung.

„Vom Ende an“ erinnert gelegentlich an Cormac McCarthy’s „The Road“ wobei das ja nahezu jedem dystopischen Roman mittlerweile nachgesagt wird. Es ist ähnlich distanziert, hat für mich aber deutlich mehr Poesie und Hoffnung. Es ist aus der Sicht der Mutter geschrieben, der Vater bleibt eine Randfigur und wir erleben nur den Anfang dieser bedrohlichen Katastrophe.

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Die Charaktere bleiben durchweg namenlos, einzig durch ein Initial erkennbar, dadurch fällt es dem Leser schwerer eine Bindung zu den Protagonisten aufzubauen. Dadurch aber wird die Katastrophe selbst umso realistischer. Jeder von uns könnte R oder S oder Z sein, das macht die Geschichte so greifbar, lässt die Bedrohung und den Horror ganz langsam einsickern und vorstellbar werden.

„Ich bewege meine Hand über die Wege der fleckigen Wand, geäderte Wasserpfade als Aufzeichnung all der Tage, die wir nicht erlebt haben.“

Vielleicht hätte ich mir die Protagonisten etwas dreidimensionaler gewünscht, aber es lebt auch ganz klar von seiner spartanen spröden Schönheit. „Vom Ende an“ ist ein besonderer, einzigartiger Roman, den ich sehr gerne gelesen habe. Vielleicht sollte man den Roman wie Gedichte mehrfach lesen, um ihn Schicht für Schicht freizulegen und ihm immer mehr seiner Geheimnisse zu entlocken.

Es wundert mich nicht, dass Benedict Cumberbatch sich hier die Filmrechte gesichert hat, ich bin schon sehr auf die Verfilmung gespannt und caste zwischenzeitlich schon mal die Hauptdarstellerin 😉

Ich danke dem C. H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar.

#Lithund The curious incident of the dog in the night-time

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May I introduce Bonnie’s favourite book: Mr Mark Haddon’s: „The curious incident of the dog in the night-time“ und Zeit wirds, denn Bonnie wird langsam wirklich ungeduldig und schiebt mir immer wieder vorwurfsvoll meine „Hund in der Literatur“ Titel vor die Nase. Recht hat sie und heute komm‘ ich endlich mal wieder auf den Hund.

Christopher ist 15 und hat ziemliche Schwierigkeiten, die Emotionen anderer Menschen zu deuten, er hasst die Farben Gelb und Braun, ist ein absolutes Mathe-Genie, kann es Ü-BER-HAUPT nicht leiden angefasst zu werden und, wenn er sich richtig aufregt, kann es passieren, dass er sein Gedächtnis verliert. Es wird nicht explizit erwähnt, aber vieles deutet bei Christopher auf das Asperger Syndrom hin.

“And when you look at the sky you know you are looking at stars which are hundreds and thousands of light-years away from you. And some of the stars don’t even exist anymore because their light has taken so long to get to us that they are already dead, or they have exploded and collapsed into red dwarfs. And that makes you seem very small, and if you have difficult things in you life it is nice to think that they are what is called negligible, which means they are so small you don’t have to take them into account when you are calculating something.”

Als in der Nachbarschaft ein Hund stirbt, folgt Christopher seinem Idol Sherlock Holmes und übernimmt die Ermittlungen, um den Fall aufzuklären. Dazu klopft er bei allen Nachbarn an die Tür und fragt sie ziemlich direkt, ob sie den Hund ermordet hätten oder ob sie etwas gesehen oder gehört haben. Nur will ihm niemand so recht etwas erzählen und seine Schwierigkeiten mit der Interpretation menschlicher Gefühle machen die Investigation nicht gerade einfacher.

Die Mathematik hingegen bietet ihm Sicherheit, sie ist logisch und klar, es gibt immer eine klare Antwort und es ist nicht so chaotisch wie das richtige Leben. Die Kapitel des Buches sind mit Primzahlen numeriert und auch der Erzählstil des Buches reflektiert die Art, wie Christopher denkt und das Leben interpretiert.

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“Prime numbers are what is left when you have taken all the patterns away. I think prime numbers are like life. They are very logical but you could never work out the rules, even if you spent all your time thinking about them.”

Es ist ein sehr spannender Einblick in den Alltag eines außergewöhnlichen Jungen. Wie detailliert er die Welt sieht, seine überbordernde Logik, seine Abneigung gegen Methaphern etc.

Er kann Witze zwar analysieren, aber trotzdem nicht verstehen, was daran lustig ist oder aus Höflichkeit nicht ganz die Wahrheit sagen, sind alles Dinge die ihm die Welt unsagbar schwer machen. Auch mit ein Grund, warum ihm Tiere lieber als Menschen sind.

„I like dogs. You always know what a dog is thinking – it has four moods. Happy, sad, cross and concentrating. Also, dogs are faithful and they do not tell lies because they cannot talk“

Christopher muss im Laufe der Geschichte einige seiner größten Ängste überwinden und deckt einige unerwartete Geheimnisse auf.

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Das Buch ist stellenweise wirklich witzig, der Humor entsteht häufig durch Christophers naive Fehlinterpretation bestimmter Situationen, seiner direkten Art, die ihn stets komplett unverblümt die Wahrheit sagen lässt.

„The curious incident“ ist ein YA-Buch, aber durchaus auch für Erwachsene spannend. Ich habe es vor einiger Zeit in London im Gielgud Theatre gesehen und war von der Aufführung damals sehr beeindruckt. Hätte nicht gedacht, dass das Buch als Theaterstück so gut funktioniert.

Ich kann Bonnie also nur beipflichten, die euch das Buch gern in euer Körbchen schieben würde, auch wenn ihr üblicherweise lebendige Hunde sehr viel lieber sind als ermordete.

Peggy von „Entdecke England“ hat den „curious incident“ ebenfalls rezensiert, ihren Beitrag findet ihr hier.

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The Power – Naomi Alderman

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Da hatte Margaret Atwood tatsächlich recht. Dieser Roman hat mich aus den Socken gehauen. „The Power“ ist die außergewöhnliche Geschichte, wie sich das Kräfteverhältnis in der Welt verändern würde, wenn Frauen plötzlich diejenigen wären, die die „Power“ hätten und es ist gleichzeitig ein provokant-feministischer Blick auf unsere gegenwärtige Welt.

Die Geschichte beginnt in etwa 2000 Jahren, in der unsere Gegenwart als die „Cataclysm Era“ bezeichnet wird, denn sie endete mit einem weltweiten katastrophalen Krieg, aus der neue Zivilisationen hervorgingen. Zu Beginn des Buches leben sie in einer Gesellschaft, die der unseren ähnlich ist. Der einzige große Unterschied ist, dass nach der Katastrophe alle Frauen mit einem Skein geboren werden. Einem internen Organ, das Energiestöße freisetzen kann, die so heftig sein können, das man jemanden damit verletzen, kontrollieren, töten aber auch heilen kann – genannt „the Power“.

Frauen wurden durch diese Entwicklung immer mächtiger und alle Gesellschaften, die ab dem Zeitpunkt historisch erwähnt werden, sind Matriarchate. Wir erfahren all das über die Zukunft, über den Email-Austausch zwischen dem Autor des „historischen Textes“und der Redakteurin jeweils am Anfang und Ende des Romans. Der Roman selbst beschäftigt sich mit dem, was der Autor (ein Mann) als Auslöser für die Katastrophe annimmt. Der Roman den wir lesen spielt also zu unserer Zeit in unserer patriarchalischen Welt und beginnt mit dem Moment, in dem die ersten Frauen mit einem Skein und somit der Power geboren werden und wie zeigt, wie schnell sich das Kräfteverhältnis in der Welt von den Männern zu den Frauen hin verschoben hat.

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Alderman beschäftigt sich mit der Idee, das Power immer eine korrumpierende Sache ist, die Menschen dazu bringt schlimme Dinge zu tun, einfach nur weil sie können, unabhängig, ob es sich um Frauen oder Männer handelt. Auch wenn man sich vielleicht erhoffen würde, Frauen würden mit einer solchen Power besser umgehen, hat Aldermanwahrscheinlich recht. Wer Power hat, der nutzt sie wohl meistens auch, obwohl es auch immer Ausnahmen gibt.

Frauen sind Männern nicht moralisch überlegen und zu schrecklichen Dingen ganz genauso befähigt. All die schrecklichen Dinge, die Frauen in diesem Roman Männern antun, passieren jeden Tag auf unseren Straßen. Männer, die Angst haben alleine durch dunkle Straßen zu gehen, die es vermeiden, Frauen in die Augen zu sehen aus Angst, sie zu provizieren, Frauen, die die Arbeit von Männern als die ihre ausgeben oder Guerilla-Frauen, die die Geschlechtsteile von Männern verstümmeln oder Männer vergewaltigen und es filmen – all das sind „normale“ Geschehnisse für Frauen, die irre provakant wirken, wenn die Rollen dabei vertauscht sind.

“This is the trouble with history. You can’t see what’s not there. You can look at an empty space and see that something’s missing, but there’s no way to know what it was.”

“It doesn’t matter that she shouldn’t, that she never would. What matters is that she could, if she wanted. The power to hurt is a kind of wealth.”

Wer jetzt Sorge hat, dass es sich hierbei um ein durch und durch dunkel-verstörendes Buch handelt, den kann ich beruhigen. Es gibt eine Menge Humor im Buch, insbesondere im Email-Austausch zwischen dem Autor und der Redakteurin.

“The truth has always been a more complex commodity than the market can easily package and sell.”

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Naomi Alderman ist eine der interessantesten Persönlichkeiten, die ich bislang so kennenlernen durfte. Sie ist unglaublich intelligent, witzig und charismatisch. Ich hatte das Glück, sie ein Wochenende lang auf dem Reading Weekend in Tilton House zu erleben und ich war mega beeindruckt von ihr. Sie studierte Philosophie, Politik und Ökonomie in Oxford und ihr Vater ist ein bekannter jüdischer Historiker. Naomis Debutroman „Ungehorsam“ ist eine Geschichte über die lesbische Tochter eines Rabbis und wird aktuell mit Rachel McAdams und Rachel Weisz verfilmt.

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Foto: Rolexmentorprotege.com

2012 war sie ein Jahr lang Protege von Margaret Atwood im Rahmen des Rolex-Mentor-Programmes, in dem erfahrene Meister ihres Faches mit jungen Talenten für ein Jahr one-on-one Austausch zusammengebracht werden. Der Roman „The Power“ ist unter anderem Resultat dieses fruchtbaren Austausches.

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In Tilton House las sie aus ihrem Roman „The Liars Gospel“, in der es um die Geschichte der Belagerung von Jerusalem geht, erzählt aus vier unterschiedlichen Perspektiven (Maria der Mutter von Jesus, Judas Ischariot, Kaiphas und Barabbas).

Neben all dem fand sie auch noch die Zeit, an der Running-App von „Zombie Run“ mitzuarbeiten. She’s got the Power 😉

 

Day 22 Book-a-Day Challenge: A Christmas Classic

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Maybe a little predictable but I really do love Charles Dickens „A Christmas Carol“ and I usually read or watch it during Christmas in one form or the other.

My favorite Scrooge is Patrick Stewart aka Captain Picard and I also love the Disney Cartoon that I used to watch as a kid right before „Bescherung“

Do you have a favorite Christmas Classic ?

Day 20 Book-a-Day Challenge: Book of Poems

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Today is another piece from the the popular series of „Findings of a paper trash diver“. This wonderful book I found a few years ago in the paper trash behind the house together with a few dozen others really interesting books mainly from the 60s and 70s and all in English.

I’m sure it would have been very interesting to have a chat with the owner of all these books but somehow I had the feeling she/he might have passed away and somebody had thrown out all his books. Sad.

Anyhow, this book is a wonderful treasure box full of popular well-known poems and some more rare findings. It’s fun opening it at random, finding your poem of the day.

This is what I’m going to do right now and post your the random poem for today. Enjoy 🙂

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What is your favorite book of Poems ?

Day 15 Book-a-Day Challenge: Most surprising plot twist

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Yep that probably was Sarah Water’s „Fingersmith“which I read years ago on a dark rainy weekend and couldn’t stop for the life of it before I had finished it.

I was just checking back on Goodreads to remind myself on some details to wet your appetite for this one and found the most hilarious beginning of a review – I just have to share this:

lesbian dickens!

now that i have your attention… dana has been bugging me to write a review of this for the longest time, and now that she is on vacation and out of my path for ten minutes (seriously – the girl moved to my town just so she could stand under my window all night calling „hey!! heyyy!! write a review for fingersmith! come on, you know you want to!!“)

every night.

Oh my God – can’t get the picture out of my head of unbeknown-to-me-Dana yelling under the reviewers window every night – this made my day.

But back to the book and trying to get you to read it. It is good. Very good. A crowdpleaser indeed. It’s the kind of book you just can’t put away a real pageturner that will make your brain all wobbly filled with very interesting Dickens-like characters, likeable ones, terrible ones and some you might actually fall in love with a little bit.

Waters is an award-winning historical novelist, who specialises in the Victorian period (and lesbian protagonists). This book was shortlisted for the Booker Prize and the Orange Prize and her PhD thesis even covers a key subject of this book.

Not easy to give you a synopsis with all these plot turns without giving away too much, so here is what the back of my book has to say about it:

„London 1862. Sue Trinder, orphaned at birth, grows up among petty thieves – fingersmiths – under the rough but loving care of Mrs Sucksby and her „family“. But from the moment she draws breath, Sue’s fate is linked to that of another orphan growing up in a gloomy mansion not too many miles away….“

Get sucked right into this Victorian whirlwind and be warned „this story has more twists and turns than a shopping cart caught in the wind in a Walmart parking lot.“

Holy Crackers – it’s time for me to read this one again – at least I did wet my appetite but seriously hope yours too 🙂

Which book would you have picked today ?

Day 9 Book-a-Day Challenge: Favorite Quote

Today I’m going to be lazy and re-use an old Book-a-Day Challenge from a few years ago. It still is my favorite first sentence so here we go:

„It was the day my grandmother exploded. I sat in the crematorium, listening to my Uncle Hamish quietly snoring in harmony to Bach’s Mass in B Minor, and I reflected that it always seemed to be death that drew me back to Gallanach.“

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Kann es einen besseren ersten Satz geben in einem Buch als diesen? Was für ein Einstieg in ein Buch, das eine rockige, nie sentimentale Liebeserklärung an Schottland, Whisky, Mädchen, explodierende Großmütter und Autos ist.

Aber nicht nur der erste Satz ist brilliant, Banks schafft es diese für weitere gut 500 Seiten am Leben zu halten. Aber eine Warnung am Rande liebe Leser, einfach ist das Buch nicht in Englisch. Ganze Abschnitte im breitesten „Scots“, Zeitsprünge und die wechselnden Ich-Erzähler machen den Einsteig in das Buch etwas schwer. Wenn man sich an den Sound und die Zeitsprünge gewöhnt hat geht es, aber diese rasante Fahrt macht man am besten angeschnallt, mit einem guten Wörterbuch ausgestattet oder einfach mit der (wie ich mir habe sagen lassen) ordentlichen deutschen Übersetzung. Denn lesen sollte man diesen Roman auf jeden Fall, auch wenn mir „The Wasp Factory“ noch ein klein wenig besser gefallen hat.

Prentice McHoan ist der junge Mann, der uns hininzieht in diese Geschichte um drei schottische Familien mit ziemlich komplizierten Verbindungen. Wir folgen Prentice durch sein letztes College-Jahr, in dem er sich ziemlich viel mit dem Tod, dem Trinken, Sex, Glauben, Whisky und Drogen beschäftigt – oh und ja, was zur Hölle eigentlich mit Onkel Rory passiert ist, der seit etwa 10 Jahren verschwunden ist.

„People react more than they act, Prentice, she said eventually. Like you are with your dad; he raises you to be a good little atheist and then you go and get religion. Well, that’s just the way of things.“ I could almost hear her shrug.

„In every generation, there’s a pivot. Somebody everybody else revolves around, understand?“

„The Crow Road“ handelt nicht von vier Hochzeiten und einem Todesfall, sondern genau umgekehrt. Vier Todesfälle, eine Hochzeit, Unmengen an Whiskies und viele Hangover später scheint der clevere Prentice tatsächlich rausgefunden zu haben, was damals passiert ist mit dem Onkel.

Die Familiensage transportiert uns zurück in die 80/90er Jahre in Schottland. Gallanach, Oban, Lochgilphead – Ortsnamen, die schon nach Torf und Lochs und Highlands klingen, die Banks beschreibt als eine karge, manchmal trostlose erbarmungslose Landschaft, wo man sich abends im Pub trifft, viel zu viel trinkt und am Wochenende angeln und Rugby spielen geht.

Ein Land, in dem die jungen Leute gehen: nach Edinburgh, Glasgow oder London, um dort Karriere zu machen, aber irgendwann kehren sie fast alle wieder heim und wenn es nur für die Weihnachtsferien ist.

“People can be teachers and idiots; they can be philosophers and idiots; they can be politicians and idiots… in fact I think they have to be… a genius can be an idiot. The world is largely run for and by idiots; it is no great handicap in life and in certain areas is actually a distinct advantage and even a prerequisite for advancement.”

„The Crow Road“ ist ein Roman über Vater-Sohn-Beziehungen, in dem viel philosohiert wird über Religion und die Begierde, über den Körper und darüber, was nach dem Tod mit uns passiert. Vor allem aber ist es eine Geschichte über die Unzuverlässigkeit und Unbeständigkeit von Erinnerungen.

Ein großartiger Roman mit sehr komplexen, nachvollziehbaren Charaktären und richtig gut geschrieben. Große Empfehlung für alle, die wie ich ein kleines Stück von ihrem Herzen irgendwann mal in einem der schottischen Täler verloren haben😉 Oder im Übrigen auch für Auto-Fans, denn die spielen eine ziemliche große Rolle im Buch. Einige der wichtigsten Szenen spielen in Autos, Verity wird im Rover ihrer Eltern geboren, verführt Prentice’s großen Bruder auf dem Dach eines Range Rovers und brennt mit ihm in einem XR3i durch. Prentice erbt einen Bentley etc. – die Liste der Auto-Referenzen im Buch könnte wohl ewig lang weitergehen.

“We’re not in prison, we’re not junkies and we’re not Young Tories…it’s no small achievement.”

Iain Banks ist letztes Jahr leider viel zu früh kurz nach einer Krebsdiagnose gestorben.

Sehr ans Herz legen möchte ich euch auch die BBC-Verfilmung von Crow Road aus dem Jahr 1996. Allein dieser wunderbare schottische Akzent – I love it!

 https://www.youtube.com/watch?v=OZoCCtSMa-4
I’m aware originally my Challenge said favorite Quote and I will incorporate the quote thing in the next couple of days – promise. Today I felt like favorite first sentence.
So what is your favorite first sentence ?