How to be both – Ali Smith

Ali Smith

Unsere Juli-Lektüre im Bookclub schlug ein wie eine Bombe. Ganz unerwartet, ob des nicht ganz einfachen Textes, waren sich fast alle einig, es mit großartiger Literatur zu tun zu haben.

Ali Smith sprengt in „How to be both“ alle möglichen Grenzen und tritt der standardisierten binären Weltsicht kräftig in den Hintern. Wie bei einem Fresko trägt Smith Schicht für Schicht Erzählstückchen auf und springt wild zwischen Zeiten, Formen, Wahrheiten und Geschlechtern hin und her. Das Buch besteht aus zwei Teilen. Einmal die Geschichte eines italienischen Renaissance Malers aus der Zeit um 1460, auf der anderen Seite ein junges Mädchen im Cambridge der heutigen Zeit. Zwei Geschichten um Liebe und Verluste, Ungerechtigkeiten und Geheimnisse.

Jede Ausgabe startet zufällig entweder mit dem Renaissance Teil oder mit dem Teenager George in Cambridge. Eventuell ist der Einstieg ins Buch etwas leichter wenn man mit Georges Geschichte beginnt, dieser Teil ist stringenter und weniger experimentell geschrieben, wohingegen die Geschichte von Francesco del Cossa im „stream-of-conciousness“ geschrieben ist, auf den man sich einlassen, vom Sog hineinziehen lasen muss, die wunderbare Sprache genießend.

„How to be both“ ist gleichzeitig melancholisch und verspielt, sprengt jegliche Genre-Grenzen, vermischt Wahrnehmungen und Realität, Zukunft und Vergangenheit. Es ist die Geschichte von George, die eines sehr cleveren, verletzlichen Mädchens, die um ihre plötzlich verstorbene Mutter trauert. Die beiden hatten ein sehr inniges Verhältnis und der überraschende Tod ihrer charismatischen Mutter Carol nimmt sie sehr mit.

Um ihrer Mutter weiterhin nahe zu sein, beschäftigt sie sich mehr und mehr mit den beiden Obsessionen ihrer Mutter. Zum einen glaubte diese, überwacht zu werden (hier mochte ich das englische Wortspiel to be monitored or to be minotaured sehr) zum anderen hat sie sich mit dem eher unbekannten italienischen Renaissance Maler Francesco del Cossa beschäftigt.

George entwickelt, während sie diesen Interessen ihrer Mutter folgt, durchaus ihre eigenen Obsessionen. Zum Beispiel das tägliche Ansehen eines Internet-Pornos oder auch ihre Freundschaft/Schwärmerei für ihre Schulfreundin Helen. Sie ist aber gleichzeitig auch diejenige, die sowohl ihrem kleinen Bruder als auch ihrem Vater als Stütze dient, die den Verlust von Carol noch viel weniger verarbeiten können.

 

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Der Renaissance Teil wird vom schalkhaften Geist des Malers erzählt, der an den Freskos im Palazzo Schifanoia in Ferrara arbeitete, bis er sich dort aufgrund der mickrigen Bezahlung mit dem Fürsten überwirft. Del Cossa ist sich nicht sicher, ob er nicht eventuell im Fegefeuer gelandet ist, als er eine junge Frau mit ihrer Mutter beobachtet, die in einem Museum ein Gemälde betrachten, auf dem nacheinander verschiedene Porträts erscheinen.

But art and love are a matter of mouths open in cinnabar, of blackness and redness turned to velvet by assiduous grinding, of understanding the colours that benefit from being rubbed softly one into the other : beyond which there’s originality itself, which is what practice is really about in the end and already I had a name for originality, undeniable, and to this name I had a responsibility beyond the answering of the needs of any friend

Dieser Teil ist sehr poetisch und hat mich stark an Virginia Woolfs „Orlando“ erinnert. Die Stimme Francescos  ist nicht immer einfach auszumachen, Smith mischt die wenigen Fakten mit viel Spekulation zu einem spannenden Porträt des Malers. Francesco kommt als Mädchen auf die Welt, lebt als Mann und ist eine sehr talentierte autodidaktische Malerin.

Bilder: Wikipedia

“I’m good at the real and the true and the beautiful,”

Witzig fand ich den Teil als Francesco von seinem besten Freund ins Bordell verschleppt wird, wo er die Damen porträtiert , die daraufhin anfangen, verstärkt nach ihm zu fragen und seine Kumpels dadurch glauben macht, es handele sich beim zarten Francesco anscheinend um einen ziemlichen Hengst. Es entspinnt sich auch eine zarte tragische Liebesgeschichte zwischen Francesco und einer der Prostituierten.

Das Buch wurde von uns heiß diskutiert, unsere gemeinsame Erklärung am Ende war, dass wir vermuten, George und ihre Freundin Helen haben die Geschichte von Francesco del Cossa im Rahmen eines Schulprojektes geschrieben. Ob das stimmt – who cares ?

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Ein Buch, das auf wunderbare Weise die Grenzen zwischen Geschlechtern, Sexualität, Zeit und Perspektiven verwischt, voller Melancholie und Poetik, das Lust auf Kunst und einen Besuch in Ferrara macht. Man lernt auch so manches über Kunst, zum Beispiel was es mit dem „Trompe-l’oeil“ auf sich hat:

“I like very much a foot,” she says, “or a hand, coming over the edge and over the frame into the world beyond the picture, cause a picture is a real thing in the world and this shift is a marker of this reality: and I like a figure to shift into that realm between the picture and the world just like I like a body really to be present under painted clothes where something, a breast, a chest, an elbow, a knee, presses up from beneath and brings life to a fabric.”

Eine weitere Besprechung des Buches findet ihr bei schiefgelesen.

Wer hat es schon gelesen und mit welchem Teil fing euer Buch an ?

 

 

 

 

A Room of One’s Own – Virginia Woolf

“Lock up your libraries if you like; but there is no gate, no lock, no bolt that you can set upon the freedom of my mind.” 

Virginia Woolf

Virginia Woolfs Essay „A Room of One’s Own“ ist ein Herzensbuch, bei dem ich aus dem Unterstreichen nicht herausgekommen bin und auch bei wiederholtem Lesen verliert es nichts von seiner Faszination. Sie untersucht die Limitierungen von Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts und es hat meines Erachtens gar nichts an Aktualität und Wichtigkeit verloren.

“A woman must have money and a room of her own if she is to write fiction.” 

Virginia Woolf plädiert präzise und poetisch für die Freiheit der Frau, sie betont wie wichtig ein unabhängiges Einkommen und der titelgebende „eigene Raum“ sind, der die meisten Frauen davon abhält ihr literarisches Potential voll zu entfalten. Ihre Einsichten und die daraus resultierende Empörung ob dieser Tatsachen ist auch heute noch relevant und „A Room of One’s Own“ bleibt für mich eines der schönsten und treffendsten Analysen zur Rolle der Frau.

Wer Angst hat vor Virginia Woolf (um mal zu kalauern) und das sind leider gar nicht so wenige, dem lege ich dieses Büchlein ans Herz. Nirgendwo sonst zeigt sie so viel Humor, Herz und Klarheit wie hier und für mich war es damals die Einstiegsdroge, ich liebe ihre Bücher und finde es so schade, wie viele Menschen sie zitieren und grundsätzlich toll finden aber leider nicht lesen.

“One cannot think well, love well, sleep well, if one has not dined well.”

Ein Buch das ich wieder und wieder lese, gerade einmal 111 Seiten lang und jede Seite ist voller kostbarer Einsichten und man spürt die jahrelange Arbeit, ihre Gedanken, ihre Recherche, ihre Schlussfolgerungen und ihre Ansichten.

Dieser Essay ist eine Hommage an die unbekannten Heldinnen der Vergangenheit die vielleicht Gedichte, Lieder, Romane schrieben aber in die Anonymität gezwungen waren, einfach, weil es für Frauen unakzeptabel war zu schreiben. Wie furchtbar muss das sein, unbedingt schreiben zu wollen und nicht zu dürfen, nur, weil man dem “falschen” Geschlecht angehört und die Gesellschaft Frauen die geschlechtsspezifische Rolle der Mutter und Ehefrau aufgedrückt hat, aber kein Interesse daran hatte, Frauen den Zugang zu Bildung zu gewähren. Man spürt Virginia Woolfs Wut über dieses Ausgeschlossen sein und das gilt nicht nur für die Literatur, die für Frauen nicht zugänglich war.

Besonders spannend fand ich Woolfs Gedankenspiel was wäre, wenn Shakespeare eine ähnlich talentierte Schwester gehabt hätte, die ihr Talent nie hätte ausleben können, die ausgelacht worden wäre, hätte sie Interesse daran bekundet zu schreiben.

“Anon(ymus), who wrote so many poems without signing them, was often a woman.” 

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Jane Austen sieht Woolf ganz klar als sehr sehr clevere Autorin, da sie nie versuchte einen männlichen Stil zu kopieren, sondern sich sehr selbstbewusst für einen ganz eigenen Stil entschied. Sie konnte nur über einen sehr limitierten Ausschnitt ihrer Welt schreiben, denn sie hätte einfach nicht über Politik oder Kriege schreiben können, das waren Sphären die einer Frau einfach nicht zugänglich waren. Sie schrieb über das was sie sah und erlebte, während sie in den Ecken der Herrschaftshäuser saß und alles still beobachtete. Ich muss mich einfach mal wieder mit Jane Austen beschäftigen, ich habe sie immer ein wenig vernachlässigt.

“Women have sat indoors all these millions of years, so that by this time the very walls are permeated by their creative force, which has, indeed, so overcharged the capacity of bricks and mortar that it must needs harness itself to pens and brushes and business and politics.” 

Am Ende ihres Essays fordert sie Männer und Frauen auf zu schreiben, sie betont wie wichtig es ist die Limitierungen von Geschlechtsidentitäten hinter uns zu lassen und einen androgynen Geist zu entwickeln.

“It is fatal to be a man or woman pure and simple; one must be woman-manly or man-womanly.

“Anything may happen when womanhood has ceased to be a protected occupation.” 

“Women have served all these centuries as looking glasses possessing the magic and delicious power of reflecting the figure of man at twice its natural size.” 

 “The history of men’s opposition to women’s emancipation is more interesting perhaps than the story of that emancipation itself.” 

Ich bin überaus dankbar dafür, dass Virginia Woolf 500 Pfund im Jahr aus einer Erbschaft zur Verfügung standen (was heutzutage etwa 200,000 GBP entsprechen dürfte) und sie diesen wichtigen eigenen Raum hatte. Ohne wäre dieser wunderbare Essay und ihr Werk vielleicht gar nicht zustande gekommen. Ich habe Virginia Woolf als Teenager entdeckt, ihre Lektüre machte mich mutiger, neugieriger und vielleicht sogar ein bisschen klüger.

Dieser Essay sind 100 Seiten Anfeuerung voller Eleganz, Poesie und Wissen und ihr werdet die Lektüre nicht bereuen, versprochen.

Wem ich noch ein wenig mehr Lust auf Ms Woolf machen darf, der könnte hier weiterleiten, da findet ihr eine Besprechung zu ihrem Buch „Jacob’s Room“ und meinem Besuch in „Monks House“ wo sie zeitweise lebte.

Kreta by the Book – Summer Edition

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Eigentlich wollten wir ja brav zu Hause bleiben, an der Isar entlang radeln, in den heimischen Bergen wandern, im Biergarten mitgebrachtes Essen futtern, um auf unseren großen Kanada-Urlaub nächstes Jahr zu sparen. Ja eigentlich. Dann aber war die Wettervorhersage so unsicher und Vollzeitarbeitende und nebenbei studierende Bingereader Gattin schwer erholungsbedürftig und so beschlossen wir, kurzfristig und sehr last minute uns zwei günstige Wochen auf Kreta zu gönnen.

Gebucht und gepackt war schnell, die Bücherauswahl dauerte etwas länger, aber schließlich liessen sich doch zwei Griechenland-bezogene Romane in meiner heimischen Bibliothek auftreiben, das ganze wurde um etwas Strandlektüre erweitert und zack lagen wir schon kurze Zeit später lesend am Pool.

Auch der erschöpfteste Bingereader kann nicht ewig an Pool oder Strand rumliegen, daher haben wir natürlich auch ordentlich die Insel erkundet und eine liebe Freundin überrascht, die am anderen Ende der Insel wohnt.

Wir besuchten die hübschen Hafen-Städte Réthimno und Chania, stachen bei unserem Überraschungsbesuch in Milatos mit riesiger Badeinsel in See, wanderten und besuchten das Kloster Agia Triada.

Trotz allem blieb noch Zeit genug, sich durch einige Bücher zu graben, näher vorstellen möchte ich euch diese:

John Fowles – The Magus

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Gleich vorne weg, das Buch hat mich ziemlich umgehauen, „mind-blowing“ passt wie die Faust aufs Auge. Nicholas Urfe ist ein junger gut aussehender Typ, der 1953 in London mehr oder weniger ziellos durchs Leben treibt. Er ist ein echter Casanova, lebt ein ziemliches Bohemian-Intellektuellen Leben und versucht sich an der Poesie. Er ist ein typischer Vertreter der Kriegsgeneration, deren Kriegserlebnisse sie mehr oder weniger unfähig machen, wirklich zu lieben. Nicholas gerät dann eher durch Zufall an einen Job als Lehrer auf der kleinen abgelegenen griechischen Insel Phraxos.

Bevor er nach Phraxos geht, lernt er eine junge Australierin kennen, Alison Kelly. Sie haben eine Affäre, trinken beide recht viel und sind alles in allem ziemlich destruktiv. Am Ende des Sommers geht er nach Phraxos und sie beginnt einen Job als Stewardess, ihre Beziehung lassen sie unausgesprochen offen, man will sich mal besuchen und dann mal schauen was passiert.

Auf der Insel gerät er in den Bann eines älteren reichen Typen namens Maurice Chovis, der ihn in ein Gewirr aus niemals endenenden Mind-Games verwickelt. Immer, wenn man glaubt, man hat den Grund des Rätsels erreicht, entpuppt sich dies wieder als doppelter Boden und ein weiteres Geheimnis tut sich auf. Freunde der Mystery-Serie „Lost“ kommen hier ganz auf ihre Kosten. Es passieren jede Menge ziemlich abgefahrene Sachen, es wirkt als habe David Lynn sich mit Aldous Huxley auf der Insel getroffen und sie hätten Unmengen Ouzo getrunken, einen Sonnenstich bekommen und dann gemeinsam ein Buch geschrieben.

“It came to me…that I didn’t want to be anywhere else in the world at that moment, that what I was feeling at that moment justified all I had been through, because all I had been through was my being there. I was experiencing…a new self-acceptance, a sense that I had to be this mind and this body, its vices and its virtues, and that I had no other chance or choice.”

Das Buch ist wunderbar geschrieben und obwohl mit über 700 Seiten ein ziemlich dickes Ding, eines, das man nicht aus der Hand legen kann. Ein Mix aus psychologischem Thriller, jungianischer Lehre, voller Metaphern, Symbolen und jeder Menge Erotik, die noch einmal mehr überrascht, wenn man bedenkt, dass das Buch in den 1950er Jahren begonnen und 1965 veröffentlicht wurde.

„You are right. He did not. But millions of Germans did betray their selves. That was the tragedy. Not that one man had the courage to be evil. But that millions had not the courage to be good.” 

Ich fand das Buch absolut berauschend, konnte es gar nicht weglegen und muss unbedingt „The French Lieutnant’s Women“ noch mal rauskramen, ein weiteres Buch von ihm, das mir vor Jahren auch richtig gute gefallen hatte. Ich kann „The Magus“ wirklich empfehlen,  Punktabzug gab es, weil ich es stellenweise recht chauvinistisch fand.

“Greece is like a mirror. It makes you suffer. Then you learn.‘
To live alone?‘
To live. With what you are.”

Kennt jemand „The Magus“ oder ein anderes Buch von John Fowles ? Ich habe den Eindruck, er ist in Deutschland nicht sehr bekannt.

Mein zweites Buch war dann „as Greek as it gets“:

Margaret Atwood – The Penelopiad

Margaret Atwood

Es gibt wohl kein griechisches Buch, das bekannter ist als Homers Odyssee. Die Abenteuer von Odysseus, der nach dem Sieg von Troja versucht, endlich wieder nach Hause zu kommen. Nach jeder Menge Kämpfen mit Zyklopen, Dieben, Sirenen und anderem Ungemacht kommt er endlich nach 20 Jahren heim zu seiner loyalen brav wartenden Ehefrau Penelope, die von opportunistischen Verehrern umgeben ist, die seinen Weinkeller leeren und seine Vorräte auffuttern. Sein Sohn und er bringen die ganzen Verehrer und die verräterischen Mädge um, die mit den Verehrern unter einer Decke steckten und zieht die brave Penelope an seine Heldenbrust. Ende der Geschichte. Normalerweise.

Margaret Atwood gibt in diesem Büchlein Penelope eine Stimme und lässt sie die Geschichte aus ihrer Sicht erzählen. Penelope existierte durchaus schon, bevor sie die Ehefrau von Odysseus wurde und sie erzählt uns ihr Leben aus dem Grab heraus, von der Geburt bis hin zu ihrem Ende. Wir lernen sie kennen, erfahren ihre Hoffnungen, Wünsche, Ängste und Sehnsüchte. Ein einfaches Leben hatte sie auf jeden Fall nicht. Wir erfahren, wie wenig Frauen zu sagen hatten, selbst Adlige wie sie. Sie wird an Odysseus verheiratet und mit ihm ins öde Ithaca verschifft, wo sie mit jeder Menge anderer Schwierigkeiten am dortigen Hofe zu kämpfen hat.

“Cleverness is a quality a man likes to have in his wife as long as she is some distance away from him. Up close, he’ll take kindness any day of the week, if there’s nothing more alluring to be had.” 

Macht hat sie keine und muss mehr oder weniger tun, was ihr gesagt wird. Als Odysseus in den Krieg zieht (ausgelöst durch die tückische Helena), übernimmt sie die Abläufe am Hof und macht das ziemlich gut. Ihr Ziel ist es, mehr zu erwirtschaften und den Hof zum blühen zu bringen, bis er zurückkommt. Dann tauchen irgendwann die ersten Verehrer auf und die Geschichte nimmt den uns bekannten Verlauf.

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Zumindest behauptet sie, ein schlechtes Gewissen zu haben. Die Mägde, die mit Penelope im Jenseits leben, haben da eine etwas weniger großmütige Auslegung der Tatsachen. Soviel zu den unzuverlässigen Erzählern und Geschichten, die stets so erzählt werden, wie sie einem in der jeweiligen Situation am besten passen.

“Water does not resist. Water flows. When you plunge your hand into it, all you feel is a caress. Water is not a solid wall, it will not stop you. But water always goes where it wants to go, and nothing in the end can stand against it. Water is patient. Dripping water wears away a stone. Remember that, my child. Remember you are half water. If you can’t go through an obstacle, go around it. Water does.”

Das dünne Büchlein liest sich schnell, die Sprache ist knapp, flüssig und überaus intelligent und der Plot sehr effizient mit einem guten Schuss Humor. Mir hat diese feministische Interpretation sehr gut gefallen, es darf meiner Ansicht nach bei keinem Griechenland Besuch fehlen. Habe mich nur geärgert, dass ich meine „Sagen des klassischen Altertums“ nicht eingepackt hatte, das wäre die perfekte Begleitlektüre gewesen.

So und jetzt ihr – welche Urlaubslektüre hat Euch in eurem Sommerurlaub dieses Jahr begleitet ?

Vom Ende an – Megan Hunter

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„Was wir Anfang nennen, ist oft das Ende,
Und ein Ende machen heißt einen Anfang machen.
Am Ende brechen wir auf.“
(T. S. Eliot, Vier Quartette)

 

Das hier ein Dystopie-Fan zu Hause ist, dürfte man wahrscheinlich bereits bemerkt haben, vielleicht aber auch das ich da nicht einfach zu kriegen bin, denn Atmosphäre, Sprache, dahinter liegende Philosophie müssen stimmen, damit ich auch wirklich drauf anspringe.

Megan Hunters Debut hat zuerst durch das wunderschöne Cover neugierig gemacht. Aber nicht nur. Das sie mit einem Gedichtband auf der Shortlist des Bridport Prizes stand, merkt man dem Roman an, erinnern die kurzen Sätze allein vom Druckbild her eher an Gedichte als an einen Roman.

Während die steigenden Meeresspiegel ganz London zu überfluten drohen und damit eine Bedrohung katastrophalen Ausmasses auslösen, treffen wir auf eine namenlose junge Frau die kurz davor ist ein Kind zu gebären.

„Mein üblicher Zynismus ist von Angst vertrieben worden, der Angst vor Schmerzen, vor Kontrollverlust, vor allem, was blutig ist und sich dehnt.

Der Augenblick der Geburt steht mir bevor wie früher meine Entjungferung, wie der Tod. Das Unvermeidliche, im Innern verborgen und irgendwo draußen auf der Lauer.“

Zeitgleich fast mit ihrer Fruchtblase reißen auch die Dämme und nur Tage nach der Geburt ihres kleinen Jungen Z ist die kleine Familie gezwungen ihre Wohnung zu verlassen und sich in Sicherheit zu geben. Sie wandern von Ort zu Ort, auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe. Die Mutter ist hin- und her gerissen zwischen Angst und Staunen ob der ersten Berührungen und Entdeckungen ihres kleinen Sohnes in diese beunruhigende Welt hinein. Glücklich und neugierig, trotz aller Unsicherheiten.

Es ist die Geschichte einer jungen Mutter die nicht nur mit ihrer neuen Rolle zurecht kommen muss, sondern sich auch in einer zunehmend fremden Welt wider findet. Megan Hunter hat ein überaus poetisches seltsam schönes Buch geschrieben, das ein mögliches Zukunftszenario beschreibt – realistisch und bedrohlich und doch voller Liebe und Hoffnung.

„Vom Ende an“ erinnert gelegentlich an Cormac McCarthy’s „The Road“ wobei das ja nahezu jedem dystopischen Roman mittlerweile nachgesagt wird. Es ist ähnlich distanziert, hat für mich aber deutlich mehr Poesie und Hoffnung. Es ist aus der Sicht der Mutter geschrieben, der Vater bleibt eine Randfigur und wir erleben nur den Anfang dieser bedrohlichen Katastrophe.

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Die Charaktere bleiben durchweg namenlos, einzig durch ein Initial erkennbar, dadurch fällt es dem Leser schwerer eine Bindung zu den Protagonisten aufzubauen. Dadurch aber wird die Katastrophe selbst umso realistischer. Jeder von uns könnte R oder S oder Z sein, das macht die Geschichte so greifbar, lässt die Bedrohung und den Horror ganz langsam einsickern und vorstellbar werden.

„Ich bewege meine Hand über die Wege der fleckigen Wand, geäderte Wasserpfade als Aufzeichnung all der Tage, die wir nicht erlebt haben.“

Vielleicht hätte ich mir die Protagonisten etwas dreidimensionaler gewünscht, aber es lebt auch ganz klar von seiner spartanen spröden Schönheit. „Vom Ende an“ ist ein besonderer, einzigartiger Roman, den ich sehr gerne gelesen habe. Vielleicht sollte man den Roman wie Gedichte mehrfach lesen, um ihn Schicht für Schicht freizulegen und ihm immer mehr seiner Geheimnisse zu entlocken.

Es wundert mich nicht, dass Benedict Cumberbatch sich hier die Filmrechte gesichert hat, ich bin schon sehr auf die Verfilmung gespannt und caste zwischenzeitlich schon mal die Hauptdarstellerin 😉

Ich danke dem C. H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar.

#Lithund The curious incident of the dog in the night-time

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May I introduce Bonnie’s favourite book: Mr Mark Haddon’s: „The curious incident of the dog in the night-time“ und Zeit wirds, denn Bonnie wird langsam wirklich ungeduldig und schiebt mir immer wieder vorwurfsvoll meine „Hund in der Literatur“ Titel vor die Nase. Recht hat sie und heute komm‘ ich endlich mal wieder auf den Hund.

Christopher ist 15 und hat ziemliche Schwierigkeiten, die Emotionen anderer Menschen zu deuten, er hasst die Farben Gelb und Braun, ist ein absolutes Mathe-Genie, kann es Ü-BER-HAUPT nicht leiden angefasst zu werden und, wenn er sich richtig aufregt, kann es passieren, dass er sein Gedächtnis verliert. Es wird nicht explizit erwähnt, aber vieles deutet bei Christopher auf das Asperger Syndrom hin.

“And when you look at the sky you know you are looking at stars which are hundreds and thousands of light-years away from you. And some of the stars don’t even exist anymore because their light has taken so long to get to us that they are already dead, or they have exploded and collapsed into red dwarfs. And that makes you seem very small, and if you have difficult things in you life it is nice to think that they are what is called negligible, which means they are so small you don’t have to take them into account when you are calculating something.”

Als in der Nachbarschaft ein Hund stirbt, folgt Christopher seinem Idol Sherlock Holmes und übernimmt die Ermittlungen, um den Fall aufzuklären. Dazu klopft er bei allen Nachbarn an die Tür und fragt sie ziemlich direkt, ob sie den Hund ermordet hätten oder ob sie etwas gesehen oder gehört haben. Nur will ihm niemand so recht etwas erzählen und seine Schwierigkeiten mit der Interpretation menschlicher Gefühle machen die Investigation nicht gerade einfacher.

Die Mathematik hingegen bietet ihm Sicherheit, sie ist logisch und klar, es gibt immer eine klare Antwort und es ist nicht so chaotisch wie das richtige Leben. Die Kapitel des Buches sind mit Primzahlen numeriert und auch der Erzählstil des Buches reflektiert die Art, wie Christopher denkt und das Leben interpretiert.

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“Prime numbers are what is left when you have taken all the patterns away. I think prime numbers are like life. They are very logical but you could never work out the rules, even if you spent all your time thinking about them.”

Es ist ein sehr spannender Einblick in den Alltag eines außergewöhnlichen Jungen. Wie detailliert er die Welt sieht, seine überbordernde Logik, seine Abneigung gegen Methaphern etc.

Er kann Witze zwar analysieren, aber trotzdem nicht verstehen, was daran lustig ist oder aus Höflichkeit nicht ganz die Wahrheit sagen, sind alles Dinge die ihm die Welt unsagbar schwer machen. Auch mit ein Grund, warum ihm Tiere lieber als Menschen sind.

„I like dogs. You always know what a dog is thinking – it has four moods. Happy, sad, cross and concentrating. Also, dogs are faithful and they do not tell lies because they cannot talk“

Christopher muss im Laufe der Geschichte einige seiner größten Ängste überwinden und deckt einige unerwartete Geheimnisse auf.

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Das Buch ist stellenweise wirklich witzig, der Humor entsteht häufig durch Christophers naive Fehlinterpretation bestimmter Situationen, seiner direkten Art, die ihn stets komplett unverblümt die Wahrheit sagen lässt.

„The curious incident“ ist ein YA-Buch, aber durchaus auch für Erwachsene spannend. Ich habe es vor einiger Zeit in London im Gielgud Theatre gesehen und war von der Aufführung damals sehr beeindruckt. Hätte nicht gedacht, dass das Buch als Theaterstück so gut funktioniert.

Ich kann Bonnie also nur beipflichten, die euch das Buch gern in euer Körbchen schieben würde, auch wenn ihr üblicherweise lebendige Hunde sehr viel lieber sind als ermordete.

Peggy von „Entdecke England“ hat den „curious incident“ ebenfalls rezensiert, ihren Beitrag findet ihr hier.

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The Power – Naomi Alderman

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Da hatte Margaret Atwood tatsächlich recht. Dieser Roman hat mich aus den Socken gehauen. „The Power“ ist die außergewöhnliche Geschichte, wie sich das Kräfteverhältnis in der Welt verändern würde, wenn Frauen plötzlich diejenigen wären, die die „Power“ hätten und es ist gleichzeitig ein provokant-feministischer Blick auf unsere gegenwärtige Welt.

Die Geschichte beginnt in etwa 2000 Jahren, in der unsere Gegenwart als die „Cataclysm Era“ bezeichnet wird, denn sie endete mit einem weltweiten katastrophalen Krieg, aus der neue Zivilisationen hervorgingen. Zu Beginn des Buches leben sie in einer Gesellschaft, die der unseren ähnlich ist. Der einzige große Unterschied ist, dass nach der Katastrophe alle Frauen mit einem Skein geboren werden. Einem internen Organ, das Energiestöße freisetzen kann, die so heftig sein können, das man jemanden damit verletzen, kontrollieren, töten aber auch heilen kann – genannt „the Power“.

Frauen wurden durch diese Entwicklung immer mächtiger und alle Gesellschaften, die ab dem Zeitpunkt historisch erwähnt werden, sind Matriarchate. Wir erfahren all das über die Zukunft, über den Email-Austausch zwischen dem Autor des „historischen Textes“und der Redakteurin jeweils am Anfang und Ende des Romans. Der Roman selbst beschäftigt sich mit dem, was der Autor (ein Mann) als Auslöser für die Katastrophe annimmt. Der Roman den wir lesen spielt also zu unserer Zeit in unserer patriarchalischen Welt und beginnt mit dem Moment, in dem die ersten Frauen mit einem Skein und somit der Power geboren werden und wie zeigt, wie schnell sich das Kräfteverhältnis in der Welt von den Männern zu den Frauen hin verschoben hat.

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Alderman beschäftigt sich mit der Idee, das Power immer eine korrumpierende Sache ist, die Menschen dazu bringt schlimme Dinge zu tun, einfach nur weil sie können, unabhängig, ob es sich um Frauen oder Männer handelt. Auch wenn man sich vielleicht erhoffen würde, Frauen würden mit einer solchen Power besser umgehen, hat Aldermanwahrscheinlich recht. Wer Power hat, der nutzt sie wohl meistens auch, obwohl es auch immer Ausnahmen gibt.

Frauen sind Männern nicht moralisch überlegen und zu schrecklichen Dingen ganz genauso befähigt. All die schrecklichen Dinge, die Frauen in diesem Roman Männern antun, passieren jeden Tag auf unseren Straßen. Männer, die Angst haben alleine durch dunkle Straßen zu gehen, die es vermeiden, Frauen in die Augen zu sehen aus Angst, sie zu provizieren, Frauen, die die Arbeit von Männern als die ihre ausgeben oder Guerilla-Frauen, die die Geschlechtsteile von Männern verstümmeln oder Männer vergewaltigen und es filmen – all das sind „normale“ Geschehnisse für Frauen, die irre provakant wirken, wenn die Rollen dabei vertauscht sind.

“This is the trouble with history. You can’t see what’s not there. You can look at an empty space and see that something’s missing, but there’s no way to know what it was.”

“It doesn’t matter that she shouldn’t, that she never would. What matters is that she could, if she wanted. The power to hurt is a kind of wealth.”

Wer jetzt Sorge hat, dass es sich hierbei um ein durch und durch dunkel-verstörendes Buch handelt, den kann ich beruhigen. Es gibt eine Menge Humor im Buch, insbesondere im Email-Austausch zwischen dem Autor und der Redakteurin.

“The truth has always been a more complex commodity than the market can easily package and sell.”

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Naomi Alderman ist eine der interessantesten Persönlichkeiten, die ich bislang so kennenlernen durfte. Sie ist unglaublich intelligent, witzig und charismatisch. Ich hatte das Glück, sie ein Wochenende lang auf dem Reading Weekend in Tilton House zu erleben und ich war mega beeindruckt von ihr. Sie studierte Philosophie, Politik und Ökonomie in Oxford und ihr Vater ist ein bekannter jüdischer Historiker. Naomis Debutroman „Ungehorsam“ ist eine Geschichte über die lesbische Tochter eines Rabbis und wird aktuell mit Rachel McAdams und Rachel Weisz verfilmt.

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Foto: Rolexmentorprotege.com

2012 war sie ein Jahr lang Protege von Margaret Atwood im Rahmen des Rolex-Mentor-Programmes, in dem erfahrene Meister ihres Faches mit jungen Talenten für ein Jahr one-on-one Austausch zusammengebracht werden. Der Roman „The Power“ ist unter anderem Resultat dieses fruchtbaren Austausches.

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In Tilton House las sie aus ihrem Roman „The Liars Gospel“, in der es um die Geschichte der Belagerung von Jerusalem geht, erzählt aus vier unterschiedlichen Perspektiven (Maria der Mutter von Jesus, Judas Ischariot, Kaiphas und Barabbas).

Neben all dem fand sie auch noch die Zeit, an der Running-App von „Zombie Run“ mitzuarbeiten. She’s got the Power 😉

 

Day 22 Book-a-Day Challenge: A Christmas Classic

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Maybe a little predictable but I really do love Charles Dickens „A Christmas Carol“ and I usually read or watch it during Christmas in one form or the other.

My favorite Scrooge is Patrick Stewart aka Captain Picard and I also love the Disney Cartoon that I used to watch as a kid right before „Bescherung“

Do you have a favorite Christmas Classic ?