Nizza – Le weekend dans les livres

So ein verlängertes Wochenende kann sich im Glücksfall anfühlen wie eine ganze Woche Urlaub.Handgepäck mit Badehose, Sonnenbrille und nem kleinen Stapel Bücher und ab ging es am Freitag Abend ins wundervolle sonnig-warme Nizza.

Neben Strand und gutem Essen stand auch Kultur auf dem Programm. Eine Ausstellung des Streetart Künstlers Ernest Pignon Ernest und ein Besuch im Matisse Museum.

Ernest Pignon Ernests Ausstellung war richtig gut. Bin immer etwas zwiegespalten bei Streetart, die im Museum hängt, aber hier hat es wirklich gut funktioniert. Das vielleicht bekannteste Motiv von ihm ist ein Porträt von Rimbaud, das wir uns auch gleich als Poster gekauft haben. Mal schauen, ob wir ein schönes Plätzchen dafür finden:

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Neben ein paar sehr schönen Buchläden hatte Nizza auch eine Open Library zu bieten, bei der im Park Stühle und Bücherregale zum Schmökern einluden.

Ich bin in das Frankreich-Wochenende mit Marcelle Sauvageots „Fast ganz die Deine“ (Commentaire) eingestiegen. Ein wundervoller poetischer kleiner Brief-Roman. Marcelle Sauvageot wurde 1900 in Frankreich geboren und litt Zeit ihres Lebens an Tuberkulose. Als sie 1930 von Paris nach Hauteville ins Sanatorium zurückkehrt, erhält sie einen Brief ihres Geliebten, indem er ihr mitteilt: „Ich heirate… Unsere Freundschaft bleibt.

Melancholisch schön beschreibt Sauvegeot ihr Leiden, ihre Einsamkeit und denkt über die verschiedenen Formen der romantischen und sexuell motivierten Liebe nach. Sie schreibt einen Antwortbrief, den sie nie abschicken wird, analysiert ihre Verletzungen, ihre Wut, ihr Loslassen, bei dem sie wieder und wieder von einem Gefühl ins nächste taumelt. Es hat mich sehr beeindruckend wie treffend sie den ihren Liebeskummer beschreibt ohne jegliche Sentimentalität.

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„Das erste von einer Frau geschriebene Buch, aus dem nicht Unterwerfung spricht… Ein Buch voll erhabener Traurigkeit; ein Buch voller Würde! Großartig!“, schieb die Lyrikerin Clara Malraux sehr treffend.

Ein Abschied ohne Neuanfang. Unbedingt lesen !

„Die Theorie vom Marmeladenbrot“ von Titiou Lecoq sollte danach für etwas Leichtigkeit sorgen. Das Buch wurde mir dankenswerterweise von Herrn Brasch überlassen, dessen Rezension mich auf das Buch aufmerksam machte.

So ganz warm sind wir allerdings nicht miteinander geworden. Vielleicht hatte ich mir zuviel versprochen von einem Buch, das sich mit den Anfängen des Internets beschäftigte, die Entwicklung der Digital Natives, aber zum Teil verliefen die Erzählstränge für mich ins Leere und die Protagonisten blieben schablonenhaft.

Es war dennoch anregende Café-Lektüre und trotz der deprimierenden Theorie, die hinter dem Marmeladenbrot steckt, das schief geht, was schief gehen kann, hatte der Roman durchaus humorvolle Momente.

Der Roman beginnt 2006 und erzählt die miteinander verwobene Geschichte des rechtschaffenen Online-Journalisten Christophe, der Bloggerin Marianne, die als Opfer eines Sex-Videos unerwünschte Popularität erlangt, und dem jungen Hacker Paul, der gemeinsam mit Christophe versucht, Marianne zu helfen.

Alle drei versuchen, die Anonymität des Internets zu bewahren, ahnen aber bereits von der Ausweglosigkeit ihres Vorhabens. Wir treffen die drei im Jahr 2015 wieder. Sie sind noch immer befreundet, etwas erwachsener geworden vielleicht, aber nach wie vor gleicht ihr Leben dem Marmeladenbrot. Christophe hat nach wie vor Ärger im Job, wo Clicks mehr zählen als journalistische Qualität und seine Ehe ist am Zerbrechen.

Paul betreibt weiterhin im Internet sein lukratives halbseidenes Penis-Vergrößerungs-Geschäft, kann sich aber aufgrund einer Angststörung kaum aus der Wohnung bewegen und hat ebenfalls ordentliche Beziehungsprobleme.

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Marianne hat nach wie vor keinen Job und hält sich mit Botendiensten für Pauls Internetgeschäft über Wasser. Sie bloggt weiter ein wenig, hat mittlerweile eine Tochter mit ihrem schwulen Kumpel und dümpelt antriebslos durchs Leben.

Alle drei kommen an einen „Swim or Sink“ Moment in ihrem Leben, ob sie es schaffen, verrät das Buch uns nicht. Die Charaktere fand ich jetzt nicht weiter liebens- oder bemerkenswert, die Themen wie Netzanonymität, Big Data und der Wandel, den das Internet durchlaufen hat, waren ganz interessant.

Der Roman ist ganz unterhaltsam, unbedingt gelesen haben muss man ihn nicht.

Bringt mich zum letzten Roman „Ausweitung der Kampfzone“ von Michel Houellebecq. Auf meinen ersten Houellebecq war ich mächtig gespannt. Im Englischen wurde der Titel wohl mit „Whatever“ übersetzt, das würde es für mich ehrlich gesagt schon treffen.

Sicher habe ich auch den Fehler gemacht, das Buch am Strand zu lesen, es ist derart trost- und hoffnungslos, dass man durchaus Lust bekommt, sich im Meer zu ertränken. Ich fand es nicht schlecht, aber wirklich vom Hocker gehauen hat es mich nicht.

Die „Ausweitung der Kampfzone“ beschäftigt sich mit den (fehlenden?) Abenteuern eines 30jährigen IT Spezialisten (den ich eher für Mitte 50 gehalten hätte, wäre sein Alter nicht explizit genannt worden).

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Er verkauft langweile IT Programme an Kunden, die diese eigentlich nicht brauchen oder wollen, gibt gelangweilten Angestellten entsprechende IT Schulungen in der Provinz und nimmt an noch langweiligeren Abendveranstaltungen teil.

Er ist sexuell frustriert und ist dabei mit Raphael, einem  ziemlich hässlichen IT Kollegen, in bester Gesellschaft.  Der ist Mitte 20 nicht sehr charmant und wenig attraktiv und daher noch immer ein Jungmann. Jeglicher Versuch, sich dem weiblichen Geschlecht zu nähern schlagen fehl.

Aus irgendeinem Grund habe ich immer damit gerechnet, unser IT Protagonist würde Raphael nun zum Selbstmord animieren, war aber nicht so.

Es wird viel geraucht, getrunken und gekotzt, es gibt ein paar interessante Gedanken aber alles in allem kein so guter Start für mich. Hier stehen noch die „Elementarteilchen“ rum – kann mir das jemand empfehlen, oder soll ich aufgeben? Eine sehr interessante Rezension (die ich eben noch einmal nachgelesen habe findet man bei Sätze und Schätze)

Wären uns am Montag nachmittag nicht noch unsere strahlend blauen Leihräder gestohlen worden vor dem Restaurant, es wäre ein perfektes Wochenende gewesen. Aber mit diesem einen kleinen Wermutstropfen kann ich leben.

Nizza ist eine sehr schöne Stadt und wir hatten ein wundervolles Wochenende. Die Narben des kürzlich verübten Attentats an der Promenade kann man noch immer sehen und spüren, aber glücklicherweise schaffen die Terroristen es nicht, den Menschen den Lebensmut zu nehmen – wir sind und bleiben „en terrasse“

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Paris – Coup de Chapeau

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Mit dem TGV direkt von München nach Paris – bequemer und perfekter geht es gar nicht. Draußen zischt die Welt vorbei und drinnen bin ich in meiner Lese-Bubble und tauche ein in meinen Bücherkoffer. Ganz bin ich nicht durchgekommen, aber für einen Coup de Chapeau hat es immerhin gereicht.

Begonnen habe ich mit Roland Barthes „Der Eiffelturm“ – ein dünnes wunderschönes Bändchen, das einen perfekt einstimmt auf die Paris-Woche. In seinem Essay betrachtet Barthes liebevoll eines der beliebtesten Symbole der Welt. Er entdeckt den Eiffelturm für uns auf ganz neue Art, macht ihn sicht- und greifbar.

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Es macht Spaß, mit Barthes gemeinsam die Welt zu entdecken, macht mir mit diesem Essay Lust, noch mehr von der Welt durch seine Augen zu entdecken. Er schreibt charmant, bleibt zugänglich bei gleichbleibend hohem Niveau und hat Humor . Ich liebe Barthes‘ Exaktheit in der Betrachtung und seine Ästhetik.

Der Eiffelturm ist so sehr Sinnbild für Paris geworden, dass man sich partout nicht vorstellen kann, wie groß die Ablehnung war, als der Turm anlässlich der Weltausstellung 1887 gebaut wurde. Es gab unzählige Proteste, eine Gruppe Künstler entwarf gar einen Protestbrief der in der Zeitschrift „Le Temps“ veröffentlicht wurde und der die Welt vor der unfranzösischen „tragischen Straßenlaterne“ bewahren sollte:

„Wir, Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Architekten und leidenschaftliche Liebhaber der bis jetzt noch intakten Schönheit von Paris, protestieren hiermit mit all unserer Kraft und aus all unserer Empörung, im Namen des falsch verstandenen französischen Geschmacks, im Namen der Kunst und der bedrohten französischen Geschichte, gegen die Errichtung des nutzlosen und monströsen Eiffelturms im Herzen unserer Hauptstadt, den die Bösartigkeit der Öffentlichkeit – die oft über gesunden Menschenverstand und Gerechtigkeitssinn verfügt –, bereits den ‚Turm zu Babel‘ nennt.“

Das zeigt einem noch einmal deutlich, wie sehr Menschen dazu neigen, alles Neue erst einmal abzulehnen, um es ein paar Jahre später ganz selbstverständlich zu nutzen und noch ein paar Jahre später verzweifelt darum zu kämpfen, wenn sie es bedroht sehen. Daher versuche ich stärker ein UND zu propagieren statt einem ODER. Taxis UND Uber, Hotels UND AirBnB, Bücher UND Kindle, Treppen UND Rolltreppen etc 😉

Es hätte die perfekte Länge gehabt, das Büchlein in der Schlange zum Aufgang des Eiffelturms zu lesen, aber ich bin so gar kein Schlangesteher. Möche gar nicht wissen, was mir im Leben alles schon entgangen ist, weil ich mich einfach nicht anstellen mag. Entweder ich schlupfe irgendwo durch wie bei der Sagrada Familia in Barcelona oder ich bleibe draußen. Schön blöd vielleicht, aber mei nen kleinen Schaden hat jeder. Deswegen fahre ich auch lieber Zug als zu fliegen, wann immer möglich. Das ständige überall dumm rumstehen macht mich kirre.

Wer aber gelegentlich nicht abgeneigt ist, in einer Schlange zu stehen, dieses Büchlein hat die perfekte Anstehlänge und ist sicherlich das beste und anspruchsvollste, womit man sich die Zeit vertreiben kann.

Hat Barthes vielleicht auch einen Essay über das Warten geschrieben ? Falls ja, dann bräuchte ich den wohl.

Eine sehr schöne Besprechung, die mich überhaupt erst  zum Kauf des Buches animierte findet ihr hier:
https://phileablog.wordpress.com/2016/02/21/roland-barthes-theorie-praxis/

Mit Djuna Barnes Biografie bin ich dann ins Paris der 20er Jahre durchgebrannt. Das ist die Zeit, die ich wohl wählen würde, sollte mich eine Zeitreisemaschine mal per Anhalter mitnehmen.

Djuna Barnes (1892 – 1992) war eine bekannte Persönlichkeit der Pariser Left Bank und in lesbischen Kreisen der Zwanziger und Dreißiger Jahre. Fields Autobiografie beschäftigt sich ausführlich mit Barnes Familienleben, ihrer Herkunft und es ist vielleicht auch notwendig, soviel über ihre Wurzeln zu erfahren, um die Schriftstellerin, Journalistin, Dichterin besser verstehen zu können.

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Foto: Rhys Tranter

Heute ist sie hauptsächlich für ihren Roman „Nightwood“ bekannt, den ich ehrlich gesagt nie fertig gelesen habe, da ich damals zumindest partout keinen Zugang zu dem Werk gefunden habe. Bei einem der vielen Umzüge ist mir „Nightwood“ leider abhanden gekommen, es wäre die passende Begleitlektüre gewesen. Trotz meiner Schwierigkeiten mit ihrem Werk (bei ihren Gedichten tue ich mich sichtlich leichter) übt Barnes auch heute noch eine ziemliche Faszination auf mich aus.

Die Biografie ist die faszinierende Dokumentation einer inspirierenden Persönlichkeit, die eine Vorreiterin des modernen Feminismus war in vielerlei Hinsicht. Die Frauen der Left Bank, zu denen auch Djuna Barnes gehörte, glaubten an ihr Recht auf kreative Selbstbestimmung und auf ihr Recht so zu leben, wie sie es für richtig hielten.

Besonders überrascht hat mich, dass Djuna Barnes nie irgendeine Form von formaler Schulbildung genossen hat, sondern komplett autodidaktisch unterwegs war. Ich sags ja, lieber literarische und oder Science-Salons statt universitäre Massenabfertigung 😉

Wer speziell an Djuna Barnes interessiert ist, dem kann ich Andrew Fields‘ Biografie empfehlen, wobei ich ihn stellenweise dröge fand. Zugänglicher und spannender geschrieben fand ich Andrea Weiss‘ Buch „Paris was a Woman„, das ich vor einigen Jahren gelesen habe.

Meine dritte und letzte Paris Lektüre war „Never any End to Paris“ von Enrique Vila-Matas, das Buch mit einem der schönsten Cover überhaupt. Wer in Paris den Buchladen „Shakespeare & Co.“ besucht, kann innerhalb von Minuten sein erstes Kreuzchen auf seiner Bookshop-Bingo-Karte machen, denn länger als vielleicht 5-7 Minuten dauert es nicht, bis der erste nach einer Ausgabe von Hemingways „A moveable Feast“ fragt. Da ich mich nicht auf andere verlassen wollte und das Kärtchen ja unbedingt voll werden muss, habe ich das gleich selbst in die Hand genommen und mir ebenfalls Lemming-mässig mein Exemplar gekauft 😉

Der Protagonist das Alter Ego des Autors gibt sich mit solchen Devotionalien allerdings nicht zufrieden, er steigert sich ziemlich hinein in seinen Glauben, ein absoluter Doppelgänger Hemingways zu sein und reflektiert über die Parallelen seiner und Hemingsways Zeit in Paris als jeweils junger Schriftsteller.

Was für Hemingway Gertrud Stein war, war für Vila-Matas Margarete Dumas. „Never any End to Paris“ ist weniger durchgehender Roman, eher eine Aneinanderreihung von Erinnerungen auf verschiedenen Ebenen. Das Buch hat fast durchgehend gute Kritiken bekommen, mich hat es zwischendrin immer mal wieder verloren und ein Vila-Matas Fan bin ich nicht geworden. Ich bleibe beim Original und freue mich auf das Wiederlesen von „A moveable Feast“.

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Ich könnte direkt schon wieder losfahren, gibt noch soviel zu entdecken in Paris und der Koffer war ja auch noch nicht fertiggelesen 😉

Wenn einer eine Reise tut …

ihr kennt ja sicherlich Phileas Bücherkoffer, eine wunderbare Reihe in der Menschen ihre Bücherkoffer vorstellen, die sie für bevorstehende Reisen gepackt haben oder so packen würden. Bin so stolz, dass ich auch dabei sein durfte. Meinen Koffer habe ich für meine Reise nach Paris gepackt:

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https://phileablog.wordpress.com/2016/03/19/buecherkoffer-nr-30-von-sabinebinge-reading-more/#comment-9569

Ganz lieben Dank noch einmal Petra – es hat riesigen Spaß gemacht 🙂

The Red Notebook -Antoine Laurain

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Ich glaube, es war während unserer Bookclub Diskussion des Buches, das jemand meinte, das Büchlein erinnert ein wenig an diese niedlichen französischen Macarons. Klein, bunt, zuckersüß und schon kurz nach dem man sie verputzt hat, kann man sich schon kaum noch an sie erinnern. So ging es uns mehrheitlich mit diesem französischen Handtaschen-Macaron auch. Ich rezensiere hier alle Bücher die ich lese, daher keine Ausnahmen.

Der gutaussehende Pariser Buchhändler Laurent stolpert auf dem Weg zur Arbeit eines Morgens über eine Handtasche, die einsam am Straßenrand sitzt. Er ist sich sicher, es handelt sich um eine gestohlene Tasche, nimmt sie mit und durchlebt peinlichste Höllenqualen beim Tragen einer Damenhandtasche. Er ist fest entschlossen, Tasche und Besitzerin miteinander zu vereinen und räumt zu diesem Zweck die Tasche aus, untersucht jeden Gegenstand, findet aber keinerlei Hinweis auf einen Namen oder eine Adresse. Doch allein die Vielzahl (!) an Gegenständen macht ihm schnell klar, es scheint sich um seine Seelenverwandte zu handeln und die Suche nach dieser wird zu seinem Lebensmittelpunkt.

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Wird er die Unbekannte finden und sie gar in echt so hinreißend finden, wie in seiner Phantasie? Das Buch liest sich wie ein Script zu einer französischen Rom-Com und wir sind in Gedanken schon mögliche Besetzungen durchgegangen. Die Dame aus Amélie wäre natürlich überaus passend als Laure, Hugh Grant wurde in den Raum geworfen als Laurent, oder auch Mr. Darcy aus Bridget Jones, ein gallischer Kandidat wollte uns partout nicht einfallen.

Von der Geschichte inspiriert haben wir dann alle mal geschaut, was wir so in den Taschen haben und ob es ähnlich aufregend ist, wie Laures Tascheninhalt und dazu führt, dass irgendjemand uns UNBEDINGT wiederfinden will, aber es sah nicht soooo gut aus. USB-Sticks mit Flaschenöffner und ein Zeckenkamm waren die spannensten Dinge. Ich sehe ja schwarz, dass für uns jemand die Klamotten aus der Reinigung holt und die halbe Stadt unsicher macht. Wir überlegen aber momentan, ob wir nicht ggf. einfach eine sehr spannende Sache in unsere Tasche legen, so für alle Fälle.

Bei seiner Suche trifft Laurent auch auf Patrick Modiano, das hat uns immerhin einen tollen Schriftsteller in Erinnerung gerufen, den wir bisher noch nicht gelesen haben.

Ich bin jetzt nicht so der Rom-Com Typ, daher hat es nicht ganz meinen Geschmack getroffen, aber sicher gibt es da draußen den einen oder anderen, der damit sehr glücklich werden würde. Daher verlose ich das Buch unter allen, die mir hier oder auf Facebook in den Kommentaren für meine Paris-Reise im März einen Tipp geben, was ich keinesfalls verpassen sollte. Ich reise im Übrigen ohne Handtasche, aber immer mit Notizbuch 😉

Ausgelost wird am nächsten Donnerstag, 03.03. Bonne chance …

Francoise Gilot Die Frau, die nein sagt – Malte Herwig

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Francoise Gilot war eine junge 21-jährige Malerin in Paris, als sie dem 62-jährigen Picasso zum ersten Mal begegnete. Sie sollte 10 Jahre lang seine Geliebte, sein Model und seine Muse bleiben, sowie die Mutter zweier seiner Kinder werden, Claude und Paloma. Außerdem war auch die einzige Frau, die Picasso jemals verlassen hat. Üblicherweise war das sein Job und er hat auch bis zuletzt nicht wirklich geglaubt, sie würde es durchziehen. „Keine Frau verlässt einen Mann wie mich“, hatte Picasso selbstsicher behauptet. „Einen Mann, so reich und berühmt“. Francoise bewies das Gegenteil und erwiderte, „dann sei sie eben die erste Frau, die es fertigbrächte“.

„Picasso tobte. Beladen mit Koffern, zwei Kindern und einer jungen Frau fuhr das Taxi vor der Villa La Galloise in Vallauris an. Bald war der Wagen nur noch eine Staubwolke auf der südfranzösischen Landstraße in Richtung Paris, und Picasso stampfte wütend zurück in das leere Haus. Sie hatte es tatsächlich getan, hatte Wort gehalten und war mit den beiden Kindern – seinen Kindern! – fortgefahren für immer. Es war ein Unding, nicht vorgesehen und nicht vorhersehbar im Lebensplan des alten Meisters.“

Kein geringerer als Robert Capa setzte dem außergewöhnlichen Paar mit diesem weltberühmten Foto ein Denkmal:

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Gilot ist ein unabhängiger Geist, die selbst ihren Liebhabern und engsten Vertrauten gegenüber stets undurchschaubar blieb.

„Selbst Picasso kannte mich trotz unserer zehn gemeinsamen Jahre nie, denn ich habe mich verschlossen. Ich enthülle mich nie, warum sollte ich das? Ich drücke mich in meinen Bildern aus“

Ihr Lebensmotto, das irgendwie zu ihren „accont circonflexe Augenbrauen“ passt, lautet: „Wenn du etwas riskierst, erlebst Du auch schlimme Dinge, aber du lebst und verstehst immer mehr. Vor allem wirst du nicht langweilig. Das ist das Allerschlimmste: langweilig werden“

Gilot ist 90 Jahre alt, als sich der SZ-Reporter Malte Herwig bei ihr meldet und sie um ein Interview bittet.

Aus einem geplanten Interview werden über Jahre andauernde fast freundschaftliche Gespräche. Sie philosophieren gemeinsam über den Zauber des Schreibens mit Tinte, über das Kunstgeschäft, die Rolle der Frauen in der Kunst und natürlich immer wieder um das Malen.

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Sie erzählt ihm von ihrem Leben an Picassos Seite und zeigt einen cholerischen, herrschsüchtigen Picasso, der liebevoll aber auch äußerst grausamsein konnte. Lange hat die zarte Gilot seine Ausbrüche ertragen. Picasso verstand sich darauf, seine Frauen auch finanziell von ihm abhängig zu machen. Dies sollte ihm bei Gilot nicht gelingen, der Ausdruck „Die Frau, die nein sagt“ ist ein fast resigniert klingendes Zitat Picassos über Francoise.

Malte Herwig ist sicherlich nicht immer objektiv in seinem Buch, denn er ist ganz verzaubert von der weisen, junggebliebenen Gilot. Ich kann es ihm nicht verdenken, mir wäre es genauso gegangen. Sie wächst einem ans Herz, diese zarte starke Frau.

Ich habe unglaublich viel aus dem Buch herausgeschrieben. Francoise Gilot hat sehr viel zu sagen und ich habe dieses Buch mit ganz unglaublichem Genuß gelesen – es ist wirklich grandios.

In den Museen sind nur verhältnismässig wenige Bilder von Gilot zu finden. Viele befinden sich in Privatbesitz. Sie ersteigert hin und wieder eines ihrer Bilder zurück.

In den 6oer Jahren schrieb sie eine Art Enthüllungsbuch über Picasso – „Leben mit Picasso“ – das den Meister gründlich erboste und sie eine zeitlang im Kunstbetrieb ziemlich aufs Abstellgleis beförderte.

 

Geblieben war Francoise Gilet aus ihrer Zeit mit Picasso eine Zeichnung und das berühmte Femme-Fleur Porträt, das er von ihr angefertigt hatte (allerdings erst als Matisse Gilot bat, ihm Modell zu sitzen). Der Verkauf des Bildes hat ihr die Atelierswohnung in New York in der Nähe des Central Parks beschert, ein weiterer Garant ihrer Unabhängigkeit.

Interessant fand ich auch, wie sehr auch heute noch Künstlerinnen im Schatten ihrer männlichen Kollegen stehen. Das teuerste Nachkriegsgemälde des Künstlers Marc Rothko erzielte 86,9 Millionen Dollar, das teuerste Kunstwerk einer Frau – Louise Bourgeois – dagegen nur 10,7 Millionen. Krass. Das Verhältnis in Ausstellungen, Museen und Galerien möchte ich gar nicht genau wissen.

Der für mich wichtigste Satz in dem Buch war einer, der meiner Lebensphilosophie entspricht und den ich selbst leider nie so auf den Punkt hätte bringen können:

„Du darfst nie etwas ausradieren! Du zeichnest eine Linie und Du mußt dafür sorgen, dass sie etwas bedeutet. Wenn sie da ist, ist sie da, und du mußt etwas daraus machen.

Aber wenn ich einen Fehler mache?

Dann mußt du damit arbeiten, bis der Fehler einen Sinn bekommt.

Am Ende ist ein Fehler kein Fehler mehr, weil du ihm einen Platz und eine Bedeutung im großen Ganzen gegeben hast.“

Ich bin so froh, auf der Buchmesse nicht nur den Ankerherz-Verlag, sondern auch dieses Buch entdeckt zu haben. Es ist nicht nur inhaltlich schön, es ist auch gestalterisch wundervoll. Der helltürkisgrüne Leinenumschlag mit Goldprägung – so so schön.

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Und wenn ein Verlagsgründer dann auch noch so wunderschöne inks hat, dann hat der Bingereader wohl einen neuen Lieblingsverlag gefunden 😉

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Hier ist ein interessantes kurzes Video über einen Besuch in Francoise Gilots Studio:

Thérèse Raquin – Emile Zola

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Ja mei so kanns gehen, wenn man als arme abgeschobene Verwandte mit dem schwächlichen, ewig kränkelnden, reichlich asexuellen Cousin verheirat wird. Der erste dahergelaufene glück- und ambitionslose Typ wird zum Inbegriff der Männlichkeit und Thérèse beginnt eine animalistisch-heiße Affäre mit ihm. Nur durch diese Affäre scheint sie die immer gleichen trüben Tage im düsteren Kurzwarenladen in Gesellschaft ihrer langweiligen Tante und die Nächte mit dem dauerhustenden Camille zu überstehen.

Nur kann so eine Affäre natürlich nicht ewig andauern, ohne dass irgendwann der Wunsch entsteht, der unerträglichen Langeweile zu entkommen und die sexuellen Erfüllungen zum Dauerzustand werden zu lassen. Die beiden Lover Thérèse und  Laurent fangen dann irgendwann an mit den Gedankenspielen, was wäre wenn? Wäre es nicht wundervoll, Camille hätte einen Unfall ? Und wenn das Schicksal da so unwillig ist zu helfen, könnte man ja vielleicht selbst diesem Unfall etwas nachhelfen ….

Und dann ist es tatsächlich geschehen. Ein Ausflug zu dritt am Wochenende, eine kleine Bootspartie und schwups ist er weg, der Camille. Wer jetzt glaubt, Zola hätte seinen Protagonisten auch nur einen Hauch an Hoffnung und Happy End zugestanden, kann gleich wieder heimgehen. Nope. In seinem, wie er selbst im Vorwort sagt, psychologischen Experiment mit zwei animalischen Charakteren steht jahrelange psychische Qual, Depressionen und Unglück auf dem Programm. Keine einzige glückliche Minute ist den beiden schuldigen Liebhabern jemals wieder vergönnt, bis sie am Ende der inzwischen gelähmten Mutter alles gestehen und sich gemeinsam vor deren Augen mit einem Giftbecher aus dem Leben verabschieden.

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Wer glaubt Dostojewski geht mit seinen Protagonisten brutal um, dem zeigt Zola hier, das auch er alles andere als ein Weichei ist. Unsere Diskussion im Bookclub war entsprechend anregend.

Ein drittel des Buches beschäftigt sich mit dem psychischen und moralischen Verfall der beiden Protagonisten. Es sind nicht wirkliche Schuldgefühle, die Camille und Thérèse zeigen. Sie leiden heftigst an ihren vom Unterbewusstsein verursachten Ängsten und Wahnbildern. Zola selbst war Atheist und hat sicherlich bewusst der Religiösität in diesem Roman keinen Raum gegeben. Moral benötigt keine Religion.

Zola hat seiner Zeit entsprechend einen sehr mechanischen Blick auf die Welt. Die Welt als Labor. Man nehme zwei animalische Charaktere, packe sie in folgende Situation und heraus kommt unweigerlich x. Thérèse und Camille nehmen eine sehr statische Entwicklung. Die menschliche Natur wird rein wissenschaftlich betrachtet. Der Autor als Wissenschaftlicher, getrennt durch Laborwände von seinen Protagonisten. Da gönnt Zola Thérèse und Laurent keinerlei Tage der Euphorie, in dem sie ihr gemeinsames Glück kurz geniessen, dann gefolgt von Tagen voller Angst und Düsternis. Nein, einfach kontiniuerlich mechanisch. Mord, daraufhin Angst und Depression, daraufhin Geständnis und Selbstmord. Fertig. Experiment abgeschlossen.

Zolas Roman zeigt deutlich, wessen Zeites Kind er war 😉 Dieser unerschütterliche Glaube an die Wissenschaft, die Empirie, die gerade aufkommende Psychologie faszinieren mich immer wieder. Auch wenn gerade psychologische Interpretationen schneller altern als der Zeitgeist es erlaubt, die Diskussion war spannend, ein Roman den ich jedem Bookclub und natürlich auch jeder Einzelperson nur ans Herz legen kann.

Durch die traditionelle Erzählweise sehr zugänglich mit einer Handlung, die sich chronologisch und stringent entwickelt. Keine schwierige literarische Kost, aber wer Hoffnung sucht, der wird sie finden, nur eben nicht in diesem Roman. Ich hätte mir mehr Facetten bei der psychologischen Betrachtung der Charaktere gewünscht und etwas mehr Ambivalenz, aber so war sie eben nicht die Zeit des Herrn Zola.

Emile Zola gilt als Begründer des Naturalismus. Daneben war er Publizist und Journalist. In der „Dreyfus-Affäre“ schrieb er den berühmten offenen Brief an den französischen Staatspräsidenten „J’accuse„, in dem er den zu Unrecht des Staatsverrates angeklagten jüdischen Hauptmann Alfred Dreyfus verteidigt. Zola musste für ein Jahr nach London ins Exil und sein Name ist ab dann unauflöslich mit der Dreyfus-Affäre verbunden.

Thérèse Raquin ist 2013 unter dem Namen „In Secret“ unter der Regie von Charlie Stratton verfilmt worden. Er hat gemischte Rezensionen bekommen, ich fand ihn recht dicht am Buch und er hat mir ganz gut gefallen. Damit ihr Euch nicht auch wie ich die erste halbe Stunde des Films kontinuierlich den Kopf zerbrecht, woher zur Hölle ihr Camille kennt, verrate ich es euch vorab 😉 Tom Felton ist Draco Malfoy in den Harry Potter Verfilmungen.

Hier der Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=L58WBZDHP1s

Anais Nin – Die Tagebücher 1927 – 1929 und 1931 – 1934

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Anais hat mich aufs Glatteis geführt – zumindest mal auf die Schlittschuhbahn. Das war schon letzten Monat, aber ich habe erst jetzt den zweiten Band ihrer Tagebücher zu Ende gelesen und es war eine wahnsinnig intensive, intime Zeit, die ich mit Frau Nin verbracht habe. Eine absolut außergewöhnliche, spannende Frau, die einen schier unstillbaren Hunger nach Kunst, Literatur, Musik – das Leben überhaupt hatte. Für jemanden wie sie, die so dermaßen hell und lodernd brannte, ist es überraschend und erfreulich, dass sie so alt geworden ist.

Ich habe die beiden Tagebuchbände letztes Jahr auf einem Hofflohmarkt erstanden, ohne viel über Anais Nin zu wissen. Eigentlich kannte ich bis auf ein paar wundervolle Zitate, die mich neugierig gemacht hatten, nichts was sie geschrieben hat und hatte nur eine vage Idee, dass die Tagebücher als der Schlüssel überhaupt zu ihr und ihrem Werk gelten.

Es mag ungewöhnlich sein, aber ich habe beschlossen auch nichts weiter über sie nachzulesen, sondern die Tagebücher ganz unvoreingenommen auf mich wirken zu lassen. Das war eine interessante Erahrung. Es ist, als würde man zu dicht an einem Bild stehen, um es ganz erkennen zu können. Man erfährt viele Details, sieht tief hinein in Anais Nin, aber die Person als Ganzes blieb mir dadurch etwas verborgen. Ich habe das aber nicht als Verlust empfunden.

„Wenn es wahr ist, was Proust sagt, daß man glücklich ist, wenn man nicht fiebert, werde ich niemals wissen, was Glück ist. Denn ich bin besessen von einem Fieber nach Erkenntnis, Erfahrung, dem schöpferischen Akt. Ich glaube, daß ich eine unmittelbare Beziehung zum Leben habe, die schrecklich und schmerzvoll ist. Zwischen der Gegenwart und mir gibt es keine Zeitlücke, keine Distanz. Nur Unmittelbarkeit. Aber es ist auch wahr, daß ich später, wenn ich schreibe, mehr sehe, besser verstehe, entwickle und ausbaue.“

Das Tagebuch der Anais Nin scheint komplett mit ihr verwachsen zu sein. Immer wieder hat sie das Gefühl in ihrem Leben, man versuche ihr das Tagebuch zu nehmen, sie davon abzubringen weiterzuschreiben – etwas das ihr komplett unmöglich erscheint. Begonnen hat sie mit dem Tagebuch schreiben als 15-jährige, als ihr Vater die Familie verlässt und sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach New York auswandert. Gedacht als Notizbuch, um dem Vater von der Zeit ohne ihn berichten zu können, scheint Anais nie mehr im Leben aufgehört zu haben, ihre Gedanken, Gefühle, Reflexionen aufzuschreiben.

„Das Tagebuch ist das Logbuch ihrer Reise durch die Labyrinthe des ichs, ihrer Versuche, die Frau Anais zu entdecken und zu bestimmen, die wirkliche und die symbolische, die „zwischen“ Handeln und Meditation, Hingabe und Selbstschutz, Gefühl und Intellekt, Traum und Realität pendelt und manchmal daran zweifelt, die auseinanderstrebenden Elemente jemals vereinigen zu können.“

„Klasse und Besitz interessieren mich nicht. Ich respektiere nur Geist und menschliche Qualitäten, und Bedürfnisse insoweit, als ich fühig bin, sie zu erfüllen.“

„Wir sind auf dem Weg zum Mond. Das ist nicht weit. Der Mensch muß auf dem Weg in sich selbst sehr viel weiter gehen.“

Anais Nin ist eine Frau, die wirklich gelebt hat, die jeder zwischenmenschlichen Beziehung versuchte auf den Grund zu gehen, den positiven als auch den destruktiven. Sie analysierte, sezierte und das häufig mit einem verständnisvollen, liebevollen Blick. Sie sieht ihre eigenen Unzulänglichkeiten, analysiert sie, aber entschuldigt sich nicht dafür.

„Alles außer Freiheit, äußerster Freiheit, ist Tod.“

„Man kann nicht besitzen, ohne zu lieben“.

„Kein Wunder, daß ich sein Leben betrachte und weiß, daß ich nie so leben könnte, denn mein Leben ist von Gedanken gebremst und von der Notwendigkeit, zu verstehen, was ich lebe.“

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Der erste Band scheint zu ihren Lebzeiten nicht veröffentlicht worden zu sein, denn ihr Ehemann, Hugh Parker Guiler, ist hier präsent, in den folgenden Bänden hatte er sich jegliche Erwähnung verbeten. Es passieren keine großen außergewöhnlichen Dinge in ihrem Tagebuch. Sie beschreibt hauptsächlich die Bohemian Kreise, in denen sie sich bewegt, die Termine mit ihrem Psychotherapeuten und die literarischen Figuren, mit denen sie zu tun hatte. Inspiriert hat sie nach eigener Aussage D. H. Lawrence und Djuna Barnes.

„Literatur ist Übertreibung, Dramatisierung, und wer mit ihr aufwächst (wie ich), gerät leicht in Gefahr, sich an einen unmöglichen Rhythmus zu gewöhnen. Man versucht dann, sich täglich in Dostojewskische Stimmung hochzupeitschen.“

„Man liebt immer den Menschen, der einen versteht.“

„Ich frage mich oft, ob nicht June von uns allen die Aufrichtigste war; man konnte sie so leicht durchschauen.“

Nin’s Stil ist stets elegant, poetisch und sehr ausdrucksstark. Insbesondere wenn sie zwischenmenschliche Beziehungen beschreibt, liest sich das ganz wundervoll. Der interessanteste und lebendigste Teil ist sicherlich im zweiten Tagebuch Band (1931 – 1934) ihre leidenschaftliche Beziehung mit Henry und June Miller. Was für eine Intensität, ein Vulkan an Gefühlen und die Elementarteile für das Beste, was Henry Miller je schreiben sollte.

Das Material aus dieser Dreiecksbeziehung findet sich auch in dem Film „Henry and June“ wieder, den ich vor Jahren mal gesehen habe und unbedingt noch einmal anschauen mag, jetzt wo ich die Protagonisten so viel besser kenne.

„Der wirklich Treulose ist jener, der nur einen Teil von dir liebt und den Rest zurückweist.“

Ich habe unzählige wundervolle kleine Satz-Schätze aus ihren Tagebüchern herausgeschrieben. Was für eine weltoffene, charismatische kluge Frau. Ich hätte sie wahnsinnig gerne einmal kennengelernt.

„Ich bin es so leid, für andere Schönheit auszusuchen“

„Dafür bin ich etwas verrückter als Sie, und ich bin nicht immer ganz dort, wo ich zu sein scheine.“

„Er hegt keine Bewunderung für jene, die durch Verzicht, fleischliche Gleichgültigkeit oder reine Stumpfheit Vollkommenheit erreichen“.

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„Er fehlt mir wenn er nicht da ist, und ich kann ihn weniger leiden, wenn er hier ist.“

„Ich werde nur leer, wenn ich mit anderen Leuten zusammen bin, ihre Leere spüre, mich an ihrer eigemauerten Intelligenz, an ihrer steinigen Apathie stoße. Alleine fließe ich über, bin ich reich, bin ich lebendig, were ich nie austrocknen, bis ich sterbe.“

Ich glaube, nie zuvor in der Geschichte hat eine Frau so detailliert ihr Innenleben, ihre Träume und Hoffnungen unter die Lupe genommen und ich bin sehr froh, dass ich teilhaben durfte.