Gruseliger Horroctober

Zack ist er schon wieder vorbei mein liebster Monat. Viel zu warm, viel zu golden. Ich habe die neblig-düsteren Wochenenden doch ein bisschen vermisst, die meiner Lektüre etwas angemessener gewesen wären. Vermutlich sollten wir uns bei der drohenden Energiekrise aber über zu warme Monate erst einmal nicht beschweren. Die kalte nasse Jahreszeit wird sicherlich noch kommen. Ein guter Lesemonat war es – wenn natürlich dem Monatsthema geschuldet ein wenig mono-thematisch.

Hier also wieder im Schnell-Durchlauf meine Oktober-Lektüre:

„The Silent Companions“ – Laura Purcell auf deutsch unter dem Titel „Die stillen Gefährten“ im Festa Verlag erschienen übersetzt von Eva Brunner

Mein Highlight diesen Monat. Selten einen so spannenden modernen Gothic-Roman gelesen der stellenweise wirklich gruselig ist und einem klar machen, dass manche Türen vielleicht wirklich besser verschlossen bleiben…

Elsie Bainbridge nach kurzer Ehe frisch verwitwet und schwanger bezieht das alte Landgut ihres verstorbenen Mannes. In ihrem neuen Zuhause existiert ein verschlossener Raum. Als sich dessen Tür für sie öffnet, findet sie ein 200 Jahre altes Tagebuch und eine beunruhigende, lebensgroße Holzfigur – eine stille Gefährtin … und definitiv mehr als sie sich je erhofft hatte. Ein echter Pageturner hab bis kurz nach zwei nachts gelesen und mich dann vor meinem eigenen Schatten gegruselt 😉
Möchte auf jeden Fall auch die anderen Romane der Autorin lesen.

Imprisonment was never the real punishment: it was the people you were stuck with.

„The Vampyre“ – John Polidori erschienen im Black Letter Press Verlag

The Vampyre ist die erste in englischer Sprache veröffentlichte Vampirgeschichte, eine Novelle von John Polidori, dem Arzt von Lord Byron die 1819 erschien.

Die Geschichte erregte in Europa großes Aufsehen. Polidori schuf die erste Vampirerzählung der Weltliteratur und begründete gleichsam mit der Hauptfigur des Lord Ruthven den Typus des modernen Vampir und war bis zur Veröffentlichung von Dracula durch Bram Stoker im Jahr 1897 die unangefochtene Quelle sämtlicher Vampirgeschichten. Die Geschichte entstand am gleichen verregneten Wochenende wie Mary Shelleys „Frankenstein“ in der Villa Diodati am Genfersee aus einem dichterischen Wettstreit mit Lord Byron sowie Mary Shelley und Percy Bysshe Shelley.

Glück brachte sie dem jungen Arzt nicht. Die Geschichte wurde unter Lord Byrons Namen veröffentlicht, Polidori bekam vom Ruhm nicht wirklich was ab (vom Geld auch nicht), hatte Spielschulden, Liebeskummer und litt wohl auch unter Depressionen. Mit nur 26 Jahren starb er unter ungeklärten Umständen die auf Selbstmord hindeuteten. Über sein Leben und das seiner Mitstreiter:innen in der Villa Diodati zu lesen ist mindestens so spannend wie seine Novelle „Der Vampyr“.

Erwähnen möchte ich auch unbedingt den kleinen unabhängigen Verlag „Black Letter Press“ aus Hannover die wunderschöne, liebevoll gemachte dunkle Klassiker veröffentlichen.

Aubrey retired to rest, but did not sleep; the many circumstances attending his acquaintance with this man rose upon his mind, and he knew not why; when he remembered his oath a cold shivering came over him, as if from the presentiment of something horrible awaiting him.

„Sleepy Hollow“ und „Rip van Winkle“ – Washington Irving erschienen im Black Letter Press Verlag

Auch dies ein Klassiker aus dem Hause Black Letter Press. Bislang kannte ich nur die Verfilmung aus den 90er Jahren, die ich sehr liebe und es wurde Zeit mich mit einem Gothic Klassiker aus New England zu beschäftigen.

Irving beschäftigte sich mit der deutschen Romantik als ihm angeblich auf einer Reise durch England auf der Westminster Bridge in London die Idee zum kopflosen Reiter aus Sleepy Hollow kam. In Interviews beteuerte Irving jedoch stets das die Sage genau so in den Catskills erzählt werde und er sie selbst so erzählt bekomme habe. Es gab immer wieder einmal Plagiats Vorwürfe, dem Erfolg der Geschichte und dem Ruhm Irvings tat das jedoch keinen Abbruch.

Rip van Winkle geht wohl tatsächlich auf eine Sage zurück, allerdings auf eine deutsche. Irving hatte wie andere amerikanische Schriftsteller auch das Problem das die frisch gegründeten Vereinigten Staaten nicht wirklich auf eine Vergangenheit zurückblicken konnte aus der er Material ziehen konnte, daher verlegte er die deutsche Sage einfach in die Berge New Yorks.

Habe beide Geschichten gerne gelesen und große Lust bald mal wieder den Film anzuschauen.

All these, however, were mere terrors of the night, phantoms of the mind that walk in darkness; and though he had seen many spectres in his time, and been more than once beset by Satan in divers shapes, in his lonely pre-ambulations, yet daylight put an end to all these evils; and he would have passed a pleasent life of it, in despite of the devil and all his works, if his path had not been crossed by a being that causes more perplexity to mortal man than ghosts, goblins, and the whole race of witches put together, and that was – a woman.

„We have always lived in the castle“ – Shirley Jackson auf deutsch unter dem Titel „Wir haben schon immer im Schloß gewohnt“ im Diogenes Verlag erschienen, übersetzt von Anna Leube und Anette Grube

Ein Bücherschrank Fund in Würzburg im Oktober – das war ein Zeichen und das Buch musste umgehend in meinen Horroctober einfließen. Shirley Jackson die Grand Dame des „Uncanny“ des Unheimlichen, Seltsamen. Hier die Geschichte zweier Schwestern die allein mit ihrem Onkel in einem riesigen Haus leben und von der gesamten Dorfgemeinschaft gemieden werden. Ihre Familie wurde ein paar Jahre zuvor durch ein vergiftetes Abendessen ermordet, auch der Onkel hatte – allerdings nur wenig – vom Pilzgericht gegessen und sitzt seit dem verwirrt im Rollstuhl.

Constance wurde der Tat verdächtigt und verhaftet aber in der Gerichtsverhandlung freigesprochen, seit dem geht sie nicht mehr vor die Tür. Ihre Schwester Merricat ist höchst seltsam, erledigt die Einkäufe und besorgt wöchentlich Nachschub in der Bibliothek und versucht die zahlreichen echten und/oder imaginären Feinde der Familie mit Schutzzaubern im Zaum zu halten. Alles geht seinen mehr oder weniger seltsamen aber beständigen Gang bis eines Tages Cousin Charles auftaucht und alles durcheinander bringt…

Neben „The Haunting of Hill House“ mein liebster Roman von Shirley Jackson, ich kann auch die Verfilmung von Stacie Passon aus dem Jahr 2019 sehr empfehlen.

A pretty sight, a lady with a book

„Nothing but blackened Teeth“ – Cassandra Khaw erschienen im Titan Books Verlag

Der malayischen Autorin merkt man an, dass sie auch für die Gaming Industrie arbeitet. „Nothing but blackened Teeth“ ist ausgesprochen visuell und ein herrlich gruseliges Spukhausmärchen, durchdrungen von japanischer Folklore und voll von dramatischen Wendungen. Ein Herrenhaus aus der Heian-Ära steht verlassen da und vier Freund:innen die schnell merken, dass es keine gute Idee war in diesem Haus zu übernachten.

Eine kurze Novelle, perfekt für eine regnerische Nacht – wobei es schon düster zugeht und der Nachtschlaf könnte in Gefahr geraten. Habe es sehr gerne gelesen und werde die Autorin mal im Auge behalten.

But the interior didn’t smell like it’d had people here, not for a long, long time, and smelled instead like such old buildings do: green and damp and dark and hungry, hollow as a stomach that’d forgotten what it was like to eat

„The Fifty Year Sword“ – Mark Z. Danielewski auf deutsch unter dem Titel „Das Fünfzig-Jahr-Schwert“ im Tropen Verlag erschienen, übersetzt von Christa Schuenke

Mit „House of Leaves“ hat Danielewski eines meiner liebsten Bücher erschaffen und es wurde höchste Zeit, dass ich mich mal wieder mit diesem außergewöhnlichen Autoren beschäftige. Bekannt für sein visuelles Schreiben, für seine kompliziert miteinander verwobenen Erzählebenen, typografischen Variationen und unterschiedlichem Seitenlayouts.

„The Fifty Year Sword“ steht dem wieder in nichts nach. Ein Umschlag der von Nadelstichen durchdrungen ist umgibt eine Geistergeschichte für Erwachsene die Danielewski in Kooperation mit dem holländischen Künstler Peter van Sambeek erschuf.

Die Geschichte handelt von einer Halloween Party für Kinder bei der ein Geschichtenerzähler auftaucht. Die örtliche Näherin Chintana ist für fünf Waisenkinder verantwortlich, die nicht nur von der Rachegeschichte des Geschichtenerzählers gefesselt sind, sondern auch von der langen schwarzen Kiste, die er ihnen vorsetzt. Als es auf Mitternacht zugeht, wird die Kiste geöffnet, eine verhängnisvolle Mutprobe wird gemacht, und die Kinder sowie Chintana werden mit den Konsequenzen einer wiederholten und nun vorausgesagten Bosheit konfrontiert.

Ich fand es unnötig anstrengend zu lesen und nicht wirklich interessant. Zufällig stolperte ich gerade wieder über die Musik seiner Schwester die unter dem Künstlernamen „Poe“ auftritt und die ich ganz gerne höre.

What I have to tell you, he began slowly. I must show you. But what I show you I must also tell you. I have only myself and where I’ve been and what I found and what I now bring. And it will frighten you.

„Wolf in White Van“ von John Darnielle erschienen im Picador Verlag

Wolf in White Van ist der erste Roman des amerikanischen Autors und Musikers John Darnielle, dem Kopf der Band „The Mountain Goats“. Wolf in White Van erzählt die Geschichte von Sean Phillips, einem zurückgezogen lebenden Spieleentwickler, dessen Gesicht schwer entstellt ist. Die Handlung, die nicht chronologisch erzählt wird, wechselt zwischen Seans Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter, um die Umstände des Vorfalls zu beschreiben, der ihn entstellt hat. Ein fiktives Play-by-Mail-Rollenspiel namens Trace Italian spielt eine wichtige Rolle in dem Roman.

Der Roman beschäftigt sich mit den eskapistischen Qualitäten von Fantasyliteratur und Rollenspiele insbesondere als Mittel zur Bewältigung von Traumata. Wolf in White Van erhielt bei seiner Veröffentlichung positive Kritiken und wurde für den National Book Award 2014 nominiert.

Habe ich sehr gerne gelesen und ich kann nur empfehlen bei der Lektüre seine Musik im Hintergrund laufen zu lassen. Muss unbedingt noch mehr von John Darnielle lesen.

This is why people cry at the movies: because everybody’s doomed. No one in a movie can help themselves in any way. Their fate has already staked its claim on them from the moment they appear onscreen.

Der Fürst des Nebels / Der Mitternachtspalast / Der dunkle Wächter – Carlos Ruiz Zafon erschienen im Fischer Verlag, übersetzt von Lisa Grüneisen

Vielleicht kann mir ja eine schlaue Leser:in hier erklären, warum diese 3 Bände als Nebel-Trilogie gelten, denn ich konnte kein verbindendes Element in den Büchern erkennen, so sehr ich auch danach gesucht habe. Dennoch habe ich die Lektüre durchaus genossen. Perfekte Strandlektüre für die unter uns die nicht so gerne am Strand liegen, sondern lieber durch neblige Paläste oder Wälder wandern oder Strandspaziergänge bevorzugen bei denen einem ordentlich der Wind um die Ohren pfeift.

In allen drei Bänden kämpfen jugendliche Protagonist:innen gegen dunkle Mächte, die Geschichten spielen aber mal in Spanien, mal in Indien und mal in Frankreich meist in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Es sind Zafóns Erstlingswerke und sie waren für ein jugendliches Publikum gedacht, man kann aber von der ersten Seite an spüren, wie die typischen Zafón Elemente im Entstehen sind und auch wenn sie eine ungleich kleinere Rolle spielen, auch hier sind Bücher wieder wie so oft zumindest heimliche Hauptdarsteller.

Ich lese mich jetzt langsam aber sich teilweise erneut durch Zafóns Werk, das ja aufgrund seines frühen Todes recht überschaubar geblieben ist. Auf ARTE lief auch gerade eine interessante Doku über ihn. Geht es eigentlich nur mir so, oder sieht Zafón ein wenig wie der kleine Bruder von Guillermo del Toro aus?

Wer nach all dem Grusel hier noch immer nicht genug hat, den verweise ich gerne auf meine Horroctober der vergangenen Jahre. Hier geht es zum Oktober 2021, 2020, 2019, 2018, 2017, 2016

Was hat euch diesen Monat gegruselt?

Lektüre September 2022

Im September haben wir zwei herrliche Wochen in der Toskana verbracht, das bedeutete wunderbare faule Lesezeit auf der Terrasse, am Pool, am Strand und Hörbuch-Zeit bei der Autofahrt. Deswegen heute ein längerer Post, den im September habe ich überdurchschnittlich viel Lektüre gelesen bzw gehört.

Wie immer im Schnelldurchlauf von A-Z, ich hoffe ich kann euch auf das eine oder andere Buch Lust machen.

100 Autorinnen in Porträts – Verena Auffermann, Julia Encke, Gunhild Kübler, Ursula März, Elke Schmitter erschienen im Piper Verlag.

Fünf renommierte Kritikerinnen schreiben über ihre 100 bedeutendsten Autorinnen

Eine Auswahl der 100 bedeutendsten schreibenden Frauen aus zwei Jahrtausenden und der ganzen Welt, vorgelegt von den renommierten Kritikerinnen Verena Auffermann, Gunhild Kübler, Ursula März, Elke Schmitter und Julia Encke. Von Sappho bis Atwood, von Adichie bis Zeh porträtieren sie Schriftstellerinnen und ihren Weg zum Schreiben, betten ihr Werk in Lebens- und Zeitumstände ein und positionieren sie innerhalb literarischer Traditionen.

Denn viele dieser Autorinnen, die heute berühmt und erfolgreich sind – wie Siri Hustvedt und Hilary Mantel, wie Olga Tokarczuk und Leïla Slimani – erzählen davon, wie lust-, aber auch leidvoll es ist, eine Autorin zu sein, mit einem weiblichen Körper und einer michtmännlichen Erfahrung. Die, wo immer sie leben, vergleichbar und doch besonders ist.

Klare Warnung vor diesem Buch – es wird unweigerlich deine Wunschliste erweitern 😉

Unsere Welt neu denken – Maja Göpel erschienen im Ullstein Verlag

Unsere Welt steht an einem Kipp-Punkt, und wir spüren es. Einerseits geht es uns so gut wie nie, andererseits zeigen sich Verwerfungen, Zerstörung und Krise, wohin wir sehen. Ob Umwelt oder Gesellschaft – scheinbar gleichzeitig sind unsere Systeme unter Stress geraten. Wir ahnen: So wie es ist, wird und kann es nicht bleiben. Wie finden wir zu einer Lebensweise, die das Wohlergehen des Planeten mit dem der Menschheit versöhnt? Wo liegt der Weg zwischen Verbotsregime und Schuldfragen auf der einen und Wachstumswahn und Technikversprechen auf der anderen Seite? Diese Zukunft neu und ganz anders in den Blick zu nehmen – darin besteht die Einladung, die Maja Göpel ausspricht.

Als Hörbuch gehört und sehr gemocht. Hat zu spannenden Diskussionen geführt, läßt die Gehirnwindungen heiß laufen und führt dazu, dass man erkennt wie dringend wir handlen müssen. Große Empfehlung.

Radikale Kompromisse – Yasmine M’Barek erschienen im Hoffmann & Campe Verlag

Mehr und mehr kennzeichnet radikale Kompromisslosigkeit unsere Diskurse in Politik und Gesellschaft. Gleichzeitig wird klar: Wir kommen kaum voran. Über drängende Themen wie Klimawandel, Impfpflicht, Rassismus bei der Polizei oder Gleichberechtigung zwischen Klassen oder Geschlechtern wird heftig polemisiert, ohne dass es zu Ergebnissen kommt. Die Fronten sind klar: Ihr oder wir.

Yasmine M’Barek zeigt, dass es auch anders geht. Dass wir uns dringend vergegenwärtigen müssen, warum wir es verlernt haben, miteinander zu sprechen, und wo die Fehler in der Kommunikation der Idealisten liegen, die in der Konsequenz Kompromisse verhindern, die uns als Gesellschaft weiterbringen würden. Dabei erklärt sie den scheinbar unanfechtbaren Mythos der schwarzen Null (die außerhalb Deutschlands völlig unbekannt ist), warum der Ausstieg aus der Atomkraft ein gutes Beispiel dafür ist, warum man die Meinung der Realisten nicht vernachlässigen sollte, um negative Folgen zu vermeiden, und warum sich der Generationenkonflikt nur lösen lässt, wenn man ihn von der Schuldfrage löst.

Das zweite Hörbuch und eines das ich ebenfalls gerne gehört habe, weil ich es mochte auch mal aus meiner Denk-Komfortzone gekickt zu werden. Hier war ich definitiv nicht mit allem einverstanden, aber das ist gut so. Einzig ihre teilweise arg genervt klingende Stimme beim Einlesen des Buches fand ich gelegentlich etwas anstrengend.


A Month in Siena – Hisham Matar erschienen im Penguin Verlag, derzeit nicht auf deutsch übersetzt

Als Hisham Matar neunzehn Jahre alt war, stieß er zum ersten Mal auf die sienesische Malschule. In dem Jahr, in dem Matars Leben durch das Verschwinden seines Vaters erschüttert wurde, schienen ihm die Werke der großen Künstler von Siena ein Gefühl der Hoffnung zu geben. Im Laufe der Jahre vertieften sich Matars Gefühle gegenüber diesen Gemälden, und, wie er sagt, begann Siena die Art von unbehaglicher Ehrfurcht einzunehmen, die die Gläubigen gegenüber Mekka, Rom oder Jerusalem empfinden könnten“.

A Month in Siena ist die fünfundzwanzig Jahre später stattfindende Begegnung zwischen dem Schriftsteller und der Stadt, die er aus der Ferne verehrt hatte und die Beschwörung eines außergewöhnlichen Ortes und seiner Wirkung auf das Leben des Schriftstellers. Es ist ein Eintauchen in die Malerei, eine Betrachtung der Trauer und eine zutiefst bewegende Betrachtung der Beziehung zwischen Kunst und dem menschlichen Dasein.

Desire dies the moment it achieves its end

Die perfekte Lektüre für unseren Ausflug nach Siena. Ein Buch das Lust macht in die sienesische Renaissance Kunst einzutauchen. Sehr schönes Buch, tolle Stadt.

Saeculum – Ursula Poznanski erschienen im Loewe Verlag

Fünf Tage im tiefsten Wald, die nächste Ortschaft kilometerweit entfernt, leben wie im Mittelalter ohne Strom, ohne Handy , normalerweise wäre das nichts für Bastian. Dass er dennoch mitmacht bei dieser Reise in die Vergangenheit, liegt einzig und allein an Sandra.

Als kurz vor der Abfahrt das Geheimnis um den Spielort gelüftet wird, fällt ein erster Schatten auf das Unternehmen: Das abgelegene Waldstück, in dem das Abenteuer stattfindet, soll verflucht sein.
Was zunächst niemand ernst nimmt, scheint sich jedoch zu bewahrheiten, denn aus dem harmlosen Live-Rollenspiel wird plötzlich ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit.
Liegt tatsächlich ein Fluch auf dem Wald?

Das war spannender als ich dachte und hat mir gut gefallen. Werde Frau Poznanski mal auf dem Radar behalten.

Was uns Rassismus nimmt – Miriam Rosenlehner erschienen als Book on Demand

Wir alle lernen Rassismus, ohne uns bewusst dafür entschieden zu haben. Aber wie funktioniert das?
Dieses Buch bietet einen Blick hinter die Stirn unserer Gesellschaft. Neue Forschungsergebnisse, verständlich und spannend aufbereitet, lassen tiefe Einblicke in das Phänomen Rassismus zu.
Sie geben den Blick frei auf ein Gesellschaftsmuster, das uns alle mehr beeinflusst, als wir bisher dachten.

In dieses Buch wollte ich direkt nach dem Urlaub eigentlich erst mal nur kurz reinlesen und bin direkt hängen geblieben. Habe viel gelernt, unfassbar viel unterstrichen und rausgeschrieben und würde das Buch am liebsten zur Schullektüre machen, wobei wahrscheinlich die älteren Generationen es nötiger haben als die Kinder und Jugendlichen.

Eine wirklich gute, leicht verständliche Einführung in das Thema. Miriam Rosenlehner lädt Menschen ein und macht es ihnen leicht sich mit dem Thema zu beschäftigen. Sie vertritt die optimistische These das wir den Rassismus in zwei Generationen überwinden können und ich möchte diese so gerne und unbedingt glauben.

Es sind die Abwehrhaltungen, die immer wieder verhindern, dass die nichtWeiße Sicht in die Diskussion gelangt. Der Titel „White Fragility“, Weiße Zerbrechlichkeit, beschreibt, wie empfindlich Weiße reagieren, wenn man sie mir ihrem Verhalten konfrontiert. Weiße Zerbrechlichkeit soll darstellen, wie sehr Weiße sich angegriffen fühlen, wenn man ihre Haltungen kritisiert, und wie unglaublich unangenehm es für sie zu sein scheint, sich mit ihren Haltungen zu beschäftigen. DiAngelo folgert daraus, dass es für Weiße einfach unfassbar ungewohnt ist, sich an der Stelle infrage zu stellen, sie nennt das „racial stress“

Das Buch ist dafür ein guter Einstieg und Anfang und ich hoffe es wird zahlreiche Leser*innen finden.

Ich habe das Buch von Miriam Rosenlehner als Rezensionsexemplar erhalten. Meine Meinung hat das aber keinesfalls beeinflusst.

After Sappho – Selby Wynn Schwartz erschienen bei Galley Beggar Press bislang noch nicht auf deutsch übersetzt.

After Sappho ist Selby Wynn Schwartz‘ spannende Neuinterpretation des Lebens einer brillanten Gruppe von Feministinnen, Sapphisten, Künstlerinnen und Schriftstellerinnen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, die um die Kontrolle über ihr Leben, um Befreiung und Gerechtigkeit kämpfen.

Sarah Bernhard – Colette – Eleanora Duse – Lina Poletti – Josephine Baker – Virginia Woolf… dies sind nur einige der Frauen (einige berühmt, andere bisher unbesungen), die die Seiten eines ebenso kämpferischen wie leuchtenden Romans teilen.

A poet is someone who stands on the door sill and sees the room before her as a sea whose waves she might dive through. … A poet is someone who swims inexplicably away from the shore, only to arrive at an island of her own invention.

After Sappho ist die Geschichte von Frauen und Weiblichkeit, von Kreativität, Freiheit und Exzellenz. Und es ist eine Geschichte, die auf provokante Weise Männer fast vollständig ausschließt. Es handelt sich um das belletristische Debüt von Selby Wynn Schwartz, das bei dem ausgezeichneten Verlag Galley Beggar Press erschienen ist. Schwartz zeichnet das Leben von Frauen in der sapphischen Tradition nach, die gegen Grenzen ankämpften und den Grundstein für die Befreiung zu ihren eigenen Bedingungen legten.

Viele dieser Frauen sind bislang unbesungen, zumindest in unserer männerdominierten Gesellschaft. Schwartz‘ Fokus ist unverkennbar eurozentrisch und deckt den rund 50-jährigen Zeitraum von den 1870er bis zu den 1920er Jahren ab. Die Geschichte wird in Bruchstücken erzählt, was das Bemühen widerspiegelt, eine wiedergewonnene und rekonstruierte Geschichte aus dem Leben von Frauen zu erzählen, die weitgehend unbekannt bleiben. Leserinnen und Leser, die mehr Erfahrung mit feministischer Literatur haben – vor allem solche, die sich mit den Werken farbiger feministischer Schriftstellerinnen auskennen -, werden Schwartz‘ Sichtweise vielleicht als einschränkend oder altmodisch empfinden, ich habe es aber dennoch gerne gelesen und ein paar sehr spannende Frauen entdeckt, mit denen ich mich ausführlicher beschäftigen möchte.

Das geheime Leben der Römer – Michael Sommer erschienen im C. H. Beck Verlag

Willkommen auf der dunklen Seite der römischen Geschichte! Hier erwartet Sie eine mal schrille, mal bedrohliche und immer wieder verstörend vertraute Lebenswelt. Es ist eine Welt des Drogenkonsums, perfider Mordanschläge, obskurer Kulte, mysteriöser Staatsaffären, brutaler Bandenkämpfe und bizarrer Obsessionen. In dieser Szene finden Sie keine sittenstrengen Senatoren und Matronen, sondern treffen auf skrupellose Politiker, in allen Künsten bewanderte Prostituierte, nervenstarke Geheimagenten, geniale Waffenkonstrukteure und kaltblütige Giftmischerinnen. Willkommen in – Dark Rome !

Dem Elementarbedürfnis, ein Stückchen Gewalt über das Unkontrollierbare u erlangen, verdankt Religion ihre Existenz

War Mark Aurel drogensüchtig? Angeblich konsumierte der Philosophenkaiser Opium. Hat Archimedes, der geniale Baumeister aus Syrakus, tatsächlich eine Superwaffe konstruiert? Und tagte gar eine Geheimloge in der unterirdischen Basilika, die Archäologen in Roms Unterwelt entdeckt haben? Diese und viele weitere Rätsel erwarten die Leserinnen und Leser von Dark Rome – einer ebenso wilden wie faktenreich und spannend erzählten Sittengeschichte der römischen Welt. So stößt, wer in den Abgründen des römischen Imperiums schürft, gelegentlich auf Bleitäfelchen: Am richtigen Ort vergraben und mit der richtigen Fluchformel versehen, konnte man mit schwarzer Magie versuchen, unliebsame Zeitgenossen in den Orkus zu schicken. Eilige wählten für solche Anlässe lieber ein Pilzgericht wie beispielsweise Agrippina, die Gattin des Kaisers Claudius, die ihren Gemahl mit seiner Lieblingsspeise zu einem Gott machte (böse Zungen behaupten, er habe es im Jenseits nur zu einer Karriere als Kürbis gebracht …).

Was Mord aus politischen Motiven betrifft, so könnten selbst Despoten unserer Tage noch von den alten Römern lernen. Diese setzten bei Bedarf ihre Gegner – wie es etwa Sulla, Octavian und Marcus Antonius taten – einfach auf sogenannte Proskriptionslisten, so dass jeder die Vogelfreien straffrei töten und sich an ihrem Vermögen gütlich tun konnte.

Die Kunst der Renaissance – Andreas Tönnemann erschienen im C. H. Beck Verlag

In der Kunst der Renaissance spielten die Nachahmung der Antike und ein mächtiger Innovationsgeist auf faszinierende Weise ineinander. In Florenz und den italienischen Fürstentümern, in Rom und Venedig entstanden auf den Gebieten der Malerei, Skulptur und Architektur Werke von bis heute ungebrochener Anziehungskraft. Andreas Tönnesmann gibt einen anschaulichen und kompetenten Überblick über die reiche Kunst der italienischen Renaissance, ihre Anverwandlung in Frankreich und die besonderen Wege der Renaissance im übrigen Europa.

Sprezzatura, unangestrengte Formvollendung, gewinnt hier als höfisches Verhaltensideal der Epoche greifbare Gestalt

Brideshead Revisited – Evelyn Waugh auf deutsch unter dem Titel Wiedersehen mit Brideshead im Diogenes Verlag erschienen, übersetzt von pocaio.

Charles Ryder befreundet sich in Oxford mit Sebastian Flyte und widmet fortan sein Studium mehr den Drinks als den Büchern. Als Sebastian ihn nach Brideshead in sein prächtiges Zuhause einlädt, ist Charles fasziniert von der exzentrischen aristokratischen Familie, die ihn schon bald als einen der Ihren behandelt. Doch nach und nach erkennt er die Kluft, die ihn von den Flytes trennt: Sie sind geprägt von einer Moral, in der sich Pflichtgefühl und Begehren, Glaube und Glück im Wege stehen. Halb Beteiligter, halb Chronist, erzählt Charles Ryder von seinen Besuchen in Brideshead, von einer trügerisch leuchtenden, scheinbar unbekümmerten Welt – die schließlich unterging und nichts als verbrannte Erde zurückließ.

Sometimes, I feel the past and the future pressing so hard on either side that there’s no room for the present at all.

Ein Roman für Fans von Dead Poet Society oder The secret history und alle die ein Herz für exzentrische Dandys haben. Ein bisschen viel religiös-katholisches Geschwurbel aber ansonsten ein großartiger Roman den ich sehr sehr gerne gelesen habe und ich freue mich schon darauf, mir jetzt die Verfilmung anzusehen.

The Loved One – Evelyn Waugh auf deutsch unter dem Titel „Tod in Hollywood“ im Diogenes Verlag erschienen übersetzt von Andrea Ott

Dennis Barlow, junger Dichter und Drehbuchautor a.D., ist einstweilen Tierfriedhof-Angestellter in Los Angeles. Als sein älterer Freund, von den Studios entlassen, Hand an sich legt, lässt Dennis Barlow ihn in Hollywoods Bestattungsparadies »Gefilde der Seligen« bestatten. Neben dem Telefon stand eine Vase mit Rosen; ihr Duft wetteiferte mit dem Karbol, obsiegte aber nicht. Dort lernt er auch die Leichenkosmetikerin Aimée Thanatogenos kennen, die ihrerseits ein Auge auf Mr. Joyboy, den hauseigenen Meister der Einbalsamierungskunst, geworfen hat. In seiner rasanten Satire nimmt Waugh nicht nur die Filmbranche aufs Korn, sondern auch das Geschäft mit dem Tod und die kulturelle Unbedarftheit Amerikas.

They are a very decent, generous lot of people out here and they don’t expect you to listen. Always remember that, dear boy. It’s the secret of social ease in this country. They talk entirely for their own pleasure. Nothing they say is designed to be heard.

Wow puh das war ein voller Monat. Ich hoffe ihr konntet überhaupt durchhalten bis zum Ende? Ist irgendwas dabei auf das ich euch Lust machen konnte? Oder habt ihr das eine oder andere schon gelesen? Ich freue mich sehr auf eure Rückmeldungen und hoffe ihr schaut auch im Oktober wieder vorbei, wenn es der Jahreszeit entsprechend wunderbar dunkel-düster wird.

Lektüre August 2022

Der August hat mit einigen längeren Zugfahrten und zwei längeren Wochenenden für mehr Lesezeit gesorgt und mich mit überaus spannender und guter Lektüre versorgt. Hier wieder im Schnelldurchlauf von A-Z.

Rumaan Alam – Leave the world behind auf deutsch erschienen unter dem Titel „Inmitten der Nacht“ übersetzt von Eva Bonné, erschienen im Ecco Verlag.

Alam lässt in dieser apokalyptischen Geschichte über eine weiße Familie, die ein Haus auf Long Island von einem älteren schwarzen Ehepaar mietet vieles offen. Die Vermieter stehen nachts genau in dem Moment vor der Tür, als die Dinge eine wirklich seltsame Wendung finden. Wir erfahren nie genau, worum es sich bei der Katastrophe handelt und es ist einerseits eine recht typische Horrorgeschichte, bei der man als Leser*in immer wieder sagt: „Lasst euch nicht trennen“, aber trotz fehlender Erklärungen und vielleicht der einer oder anderen nicht ganz nachvollziehbaren Situation eines meiner Lese-Highlights dieses Jahr.

Ich mochte die Atmosphäre des Buches, das ständig jeden Moment etwas bedrohliches komplett unbekanntes passieren könnte.

Konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen. Wäre auf die Diskussion im Bookclub gespannt, denn im Hause Bingereader wurde der Roman einmal mit müden zwei und einmal mit fünf Sternen ausgezeichnet, leider findet die Diskussion während unseres Urlaubs statt – aber ich lasse mir berichten, könnte mir gut vorstellen, dass es recht kontrovers diskutiert wird.

Ich möchte es euch ans Herz legen, wenn euch Geschichten wie „Station Eleven“ gefallen, wobei bei Alam noch deutlich weniger klar ist, was genau passiert ist man ahnt nur dystopische Ausmaße.

You never know when a time is the last time, because if you did you could never go on with life.

Julia Armfield – Our Wives under the sea erschienen im Picador Verlag, aktuell noch nicht auf deutsch erschienen.

Mein Hörbuch diesen Monat und ebenfalls eines in dem es sehr atmosphärisch zugeht, aber man nur wenige Erklärungen bekommt. Wer gerne alles rational erklärt bekommt, sollte wahrscheinlich bei den ersten beiden Büchern direkt die Finger weglassen. Ich fand es richtig großartig, ein weiteres Lesehighlight dieses Jahr – der August war wirklich ein toller Lesermonat.

Miri glaubt, dass sie ihre Frau zurück hat, als Leah nach einer Tiefseemission, die in einer Katastrophe endete, endlich zurückkehrt. Es wird jedoch bald klar, dass Leah nicht mehr dieselbe ist. Was auch immer in dem Uboot passiert ist, was auch immer es war, das sie erforschen sollten, bevor sie auf dem Meeresgrund gestrandet sind, Leah hat einen Teil davon mit an Land und in ihr Haus gebracht.

Während sie sich durch etwas bewegt, das normalen Leben nur noch entfernt ähnelt, wird Miri klar, dass das Leben, das sie vorher hatten, wahrscheinlich nicht mehr da ist und eventuell auch nie wieder zurückkehren wird. Obwohl Leah äußerlich noch da ist, spürt Miri, wie die Frau, die sie liebt, ihr immer mehr entgleitet.

Our Wifes under the sea ist der Debütroman von Julia Armfield, die eine poetische, melancholische Geschichte über die Liebe, den Verlust, die Trauer und das Leben in den Tiefen des Meeres geschrieben hat.

I used to think there was such a thing as emptiness, that there were places in the world one could go and be alone. This, I think, is still true, but the error in my reasoning was to assume that alone was somewhere you could go, rather than somewhere you had to be left.

Oliver Burkeman – 4000 Weeks. Time Management for Mortals auf deutsch unter dem Titel „4000 Wochen. Das Leben ist zu kurz für Time Management“ übersetzt von Henning Dedekind und Heike Lutosch erschienen im Piper Verlag

Das Leben ist kurz, aber das ist kein Grund zur Sorge

Die Zeit reicht nicht aus – niemals. Gerade einmal 4000 Wochen haben wir auf der Erde, und das auch nur, wenn wir um die achtzig werden. Kein Wunder, dass wir unaufhörlich versuchen, möglichst viel in diese kurze Zeit hineinzupressen. Dabei verlieren wir genau die Dinge aus dem Blick, die uns wirklich wichtig sind und uns vor allem glücklich machen. Oliver Burkeman führt geistreich und kurzweilig vor, wie wir dem Zeit- und Effizienzdruck widerstehen – und damit der unerhörten Kürze und den schillernden Möglichkeiten unseres Lebens gerecht werden können.

Ein intelligentes, gut geschriebenes Buch das einem teilweise den Spiegel vorhält und den Finger in die Wunde und uns einlädt das Hamsterrad zu stoppen, mal durchzuatmen und einfach öfter mal in Ruhe durch die Natur zu laufen und nachzudenken.

Oliver Burkeman, schrieb jahrelang für den Guardian eine wöchentliche Kolumne woher ich ihn kenne, denn die habe ich immer sehr gerne gelesen. Seit einiger Zeit lese ich auch seinen wöchentlichen Newsletter und er ist einfach ein Mensch, der mich immer wieder ins Grübeln bringt. Seine Arbeiten sind darüber hinaus in der New York Times, dem Wall Street Journal, Psychologies und New Philosopher erschienen. Burkeman lebt in New York City.

Productivity is a trap. Becoming more efficient just makes you more rushed, and trying to clear the decks simply makes them fill up again faster. Nobody in the history of humanity has ever achieved “work-life balance,” whatever that might be, and you certainly won’t get there by copying the “six things successful people do before 7:00 a.m.” The day will never arrive when you finally have everything under control—when the flood of emails has been contained; when your to-do lists have stopped getting longer; when you’re meeting all your obligations at work and in your home life; when nobody’s angry with you for missing a deadline or dropping the ball; and when the fully optimized person you’ve become can turn, at long last, to the things life is really supposed to be about. Let’s start by admitting defeat: none of this is ever going to happen. But you know what? That’s excellent news.

Caroline Kebekus – Es kann nur eine geben erschienen im Kiwi-Verlag.

Ich bin ja wirklich nicht bekannt für mein Interesse an lustigen Themen, kann mit den allermeisten Comedians wenig bis gar nix anfangen, aber diese Frau hat mit ihrem Hörbuch dafür gesorgt, dass ich gelegentlich Angst hatte aus dem Bus zu fliegen, weil ich lauthals lachen musste.

Selten habe ich auf so witzige Art so derart viel gelernt und da sind einige Themen dabei, bei denen einem auch immer wieder das Lachen im Hals stecken bleibt.

Eigentlich klingt es ganz leicht: Frau ist begabt und klug, also kann sie es schaffen, ganz nach oben zu kommen. Aber oft genug ist der eine Platz schon besetzt, es scheint nämlich ein höchst dämliches Gesetz zu geben, das lautet: Eine Frau reicht, mehr brauchen wir nicht. Die große Komikerin, Sängerin, Schauspielerin und Feministin schreibt pointiert, unmissverständlich und gleichzeitig wahnsinnig komisch, dass die Zeit überreif ist, alte (Männer-)Gesetze auf den Müll zu werfen.

Wohin man auch schaut, immer ist es die eine Frau, die sich durchsetzt. In der Bibel ist es die jungfräuliche Maria, damit fing das Unheil an. Im Märchen gibt es immer die eine Prinzessin, sehr schön und sehr blöd. Die sündige Eva aus der Bibel und die böse Stiefmutter oder Hexe lassen wir mal hübsch beiseite, denn die sollen nur als Beispiele dafür dienen, was passiert, wenn Frauen nach Macht streben: Sie werden aus dem Paradies geworfen oder verbrannt. Mit dieser Prägung entlässt man Frauen ins Leben und wundert sich dann über die ständige Konkurrenz unter Frauen um diese begrenzten Plätze. Dann wird so getan, als wären Frauen von Natur aus eben stutenbissig und selbst schuld an dieser Rivalität. Carolin Kebekus kommt diesem bösen Spuk auf die Spur, sie untersucht alte und neue Geschichten, um zu zeigen, warum uns Frauen eingetrichtert wird, dass wir um den einen Platz – im Fernsehen, in der Firma, im Karneval usw. – konkurrieren müssten.

Ein Buch von höchster Wichtigkeit, das aufklärt und gleichzeitig unterhält.

Stanislaw Lem – Solaris übersetzt von Irmtraud Zimmermann-Göllheim, illustriert von Anna Stähler, erschienen in der Büchergilde Gutenberg

Solaris zählt zu den ganz großen Klassikern nicht nur der Science-Fiction, sondern der gesamten Literatur des 20. Jahrhunderts. Der Roman ist eine faszinierende Reise in die Weiten des Kosmos und in die Tiefen unserer Wünsche und Träume. Zum 100. Geburtstag von Stanisław Lem gibt die Büchergilde eine aufwendig gestaltete, illustrierte Neuausgabe heraus.

Über Solaris scheinen zwei Sonnen, eine rote und eine blaue. Die gesamte Oberfläche des Planeten ist von einem geheimnisvollen Ozean bedeckt, von dem viele sagen, er sei ein lebendiges Wesen. Kris Kelvin macht sich in einer Raumkapsel auf den weiten Weg von der Erde zu Solaris. Wie viele WissenschaftlerInnen vor ihm will er hinter das Geheimnis des Himmelskörpers kommen. Doch als er in der Forschungsstation eintrifft, warnen ihn seine Kollegen vor einer rätselhaften Gefahr.

Lems Schreiben zeichnet sich durch eine reiche literarische Sprache und philosophische Tiefe aus. Solaris ist ein faszinierender und ungewöhnlicher Roman über Leben auf fernen Planeten, das ganz anders ist als die typischen Darstellungen von Außerirdischen aus Literatur und Film, die oft Menschen oder Tiere zum Vorbild haben. Der Ozean auf Solaris sprengt die menschliche Vorstellungskraft. Er hat nichts mit dem gemein, was wir als Lebewesen kennen, und trotzdem spricht alles dafür, dass er eines ist. Lem interessiert vor allem, wie die Menschen auf dieses Phänomen reagieren, und thematisiert dabei ganz grundsätzliche Fragen: Wie nähern wir uns etwas, das uns fremd ist? Wie gehen wir mit dem um, was wir nicht verstehen?

Die rote Sonne war schon hinter dem Horizont verschwunden, und die schaumgekrönten Wellen verschwammen zu tintiger Wüste. Der Himmel loderte. Über dieser zweifarbigen, unbeschreiblich trostlosen Landschaft fluteten Wolken mit lilafarbenem Saum

Francesca Wade – Square Haunting erschienen im Faber Verlag, aktuell noch nicht auf deutsch erschienen.

Im Mittelpunkt dieses Buches stehen fünf Frauen, die alle zu verschiedenen Zeitpunkten zwischen den Weltkriegen am Mecklenburgh Square in London lebten. Das Bindeglied (abgesehen von dem Platz und der Tatsache, dass sie alle der Mittelschicht angehören) ist das Thema der weiblichen Autonomie, und es zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Es gibt zwei Akademikerinnen: die Historikerin Eileen Power und die Klassizistin Jane Harrison. Die Dichterin und Romanautorin Hilda Doolittle (HD). Die Romanautorin und Schriftstellerin Dorothy L. Sayers. Und schließlich natürlich Ms Bloomsbury, her one and only Virginia Woolf.

Der Platz liegt in der Nähe des Britischen Museums, und sie alle nutzten zeitweise den dortigen Lesesaal. Der Titel ist einem Tagebucheintrag von Woolf aus dem Jahr 1925 entnommen.

‚I like this London life . . . the street-sauntering and square-haunting. –Virginia Woolf, diary, 1925

Ich hatte den Eindruck, dass der Abschnitt über Virginia Woolf zu viel von dem wiederholt, was bereits über sie geschrieben wurde. Die überzeugendsten Porträts waren für mich die von Hilda Doolittle, bekannt als HD, und Dorothy Sayers – und die Verbindungen zwischen ihnen sind faszinierend. Das Konzept des „eigenen Zimmers“ wird durchgehend verwendet, um die Kämpfe und Kosten der weiblichen Unabhängigkeit zu verdeutlichen, aber dieses Zimmer könnte wahrscheinlich genauso gut in einem Oxbridge-College wie in Bloomsbury sein.

Daher war ich von der Bloomsbury-Verbindung als Daseinsberechtigung für das Buch nicht komplett überzeugt – aber die Lebensläufe geben interessante Einblicke in das Leben der Frauen, die den Status quo ihrer Zeit herausforderten und umstürzten und ich habe es sehr gerne gelesen.

Youth is an unsatisfactory period, full of errors, uncertainties and distress. You will grow out of it. What’s more, you were meant to grow out of it, into something more mature and satisfactory. Don’t let middle-aged people get away with the story that this is the best time of your life and that after it there is nothing to look forward to … Go on doing the thing you think you ought, or want, to be doing at the moment, and at about 40 you may discover that you actually are doing it and settle down to enjoy it

Iris Wolff – So tun, als ob es regnet erschienen im Klett Cotta Verlag

Der Erste Weltkrieg bringt einen österreichischen Soldaten in ein Karpatendorf. Eine junge Frau besucht nachts die „Geheime Gesellschaft der Schlaflosen“. Ein Motorradfahrer ist überzeugt, dass er sterben und die Mondlandung der Amerikaner versäumen wird. Eine Frau beobachtet die Ausfahrt eines Fischerbootes, das nie mehr zurückkehren wird. – Über vier Generationen des 20. Jahrhunderts und vier Ländergrenzen hinweg erzählt Iris Wolff davon, wie historische Ereignisse die Lebenswege von Einzelnen prägen. Zwischen Freiheit und Anpassung, Zufall und freiem Willen erfahren ihre Protagonisten: Es gibt Dinge, die zu uns gehören, ohne dass wir wüssten, woher sie kommen. Und es gibt Entscheidungen, die etwas bedeuten, Wege, die unumkehrbar sind, auch wenn wir nie wissen werden, was von einem Leben und den Generationen vor ihm bleiben wird.

Ich habe das Buch gerne gelesen, die Sprache hat mir sehr gefallen, aber den einzelnen Personen bin ich nicht wirklich nahe gekommen. Es ist auch kein Buch das mir noch lange nachgegangen ist, dennoch eine gute kurzweilige Lektüre.

Lea Ypi – Frei übersetzt von Eva Bonné erschienen im Suhrkamp Verlag

Ich traue es mich gar nicht mehr zu schreiben, aber das war tatsächlich auch noch mal ein Lese-Highlight für mich. Was für ein großartiges, fesselndes Buch – das Porträt einer sehr außergewöhnlichen Frau, die einen bemerkenswerten Weg gegangen ist.

Albanien 1989: Der letzte stalinistische Außenposten in Europa, ein isoliertes Land, das man nur schwer besuchen und noch schwerer verlassen kann. Es herrschen Mangelwirtschaft, Geheimpolizei und das Proletariat. Der Kommunismus hat den Platz der Religion übernommen. Für die zehnjährige Lea Ypi ist dieses Land ihr Zuhause: ein Ort der Geborgenheit, des Lernens, der Hoffnung und der Freiheit.

Alles ändert sich, als in Berlin die Mauer fällt und in Tirana Enver Hoxhas Statue vom Sockel stürzt. Jetzt können die Menschen wählen, wen sie wollen, sich kleiden, wie sie wollen, anbeten, was sie wollen. Aber die neue Zeit zeigt bald ihr unfreundliches Gesicht: Skrupellose Geschäftemacher ruinieren die Wirtschaft, die Aussicht auf eine bessere Zukunft löst sich auf in Arbeitslosigkeit und Massenflucht. Als das Land im Chaos zu versinken droht und in ihrer Familie Geheimnisse ans Licht kommen, beginnt Lea sich zu fragen, was das eigentlich ist: Freiheit.

In hinreißender Prosa erzählt Lea Ypi von ihrem Erwachsenwerden im poststalinistischen Albanien und in einer schillernden Familie, deren Geschichte eng mit der des Landes verwoben ist. Frei ist ein fesselndes Memoir und eine scharfsinnige Reflexion über die Grenzen des Fortschritts und die Last der Vergangenheit, über glänzende Ideale und harte Realitäten. Vor allem aber über die Leben von Menschen, die vom Sturm der Geschichte erfasst werden.

For some, leaving was a necessity that went under the official name of ‘transition’. We were a society in transition, it was said, moving from socialism to liberalism, from one-party rule to pluralism, from one place to the other. Opportunities would never come to you, unless you went looking for them, like the half-cockerel in the old Albanian folk tale who travels far away, looking for his kismet, and in the end returns full of gold. For others, leaving the country was an adventure, a childhood dream come true or a way to please their parents. There were those who left and never returned. Those who went and came back soon after. Those who turned the organization of movement into a profession, who opened travel agencies or smuggled people on boats. Those who survived, and became rich. Those who survived, and continued to struggle. And those who died trying to cross the border

So geschafft – das war wie gesagt ein außergewöhnlich großartiger Lesemonat. War für euch was dabei? Welche kennt ihr schon? Welche mochtet ihr oder auch nicht oder auf welche konnte ich euch Lust machen?

London by the Book – Part I

Unser Ausflug nach London kürzlich wurde hier literarisch noch gar nicht thematisiert und das geht natürlich nicht. Das Schöne und Besondere an London ist, dass fast jede Ecke die man besucht schon das eine oder andere mal literarisch erwähnt wurde, so dass ich fast überall wo ich mich in der Stadt rumtreibe an das eine oder andere Buch denken muss.

Ich möchte euch daher literarisch an unserem letzten London Besuch teilhaben lassen und wir starten ganz klassisch am Tower of London, in dessen Nähe sich dieses Mal unser Hotel befand und bei dem ich umgehend an dieses Buch denken musste:

Wolf Hall – Hilary Mantel auf deutsch erschienen im Dumont Verlag unter dem Titel „Wölfe“ übersetzt von Christiane Trabant

England im Jahr 1520: Das Königreich ist nur einen Pulsschlag von der Katastrophe entfernt. Sollte der König ohne männlichen Erben sterben, würde das Land durch einen Bürgerkrieg verwüstet. Henry VIII. möchte seine Ehe annullieren lassen und Anne Boleyn heiraten. Der Papst und ganz Europa sind dagegen. Die Scheidungsabsichten des Königs schaffen ein Machtvakuum, in das Thomas Cromwell tritt: Die Werkzeuge dieses politischen Genies sind Bestechung, Einschüchterung und Charme. Aus der Asche persönlichen Unglücks steigt er auf und bahnt sich seinen Weg durch die Fallstricke des Hofes, an dem »der Mensch des Menschen Wolf« ist. Hilary Mantel hat mit ›Wölfe‹ etwas sehr Rares geschaffen: einen wahrhaft großen Roman, der seinem historischen Gewand zum Trotz höchst zeitgemäß ist. Auf einzigartige Weise erforscht er die Choreografie der Macht.

When you are writing laws you are testing words to find their utmost power. Like spells, they have to make things happen in the real world, and like spells, they only work if people believe in them.

Den ersten Tag habe ich in London noch alleine verbracht und es hat mich seit langem mal wieder ins Britische Museum verschlagen. Dort habe ich unter anderem die großartige Ausstellung „Feminine Power – From the devine to the demonic“ angeschaut. Das Museum liegt im Stadtteil Bloomsbury und somit ganz klar Virginia Woolfs „Hood“ – ich liebe die wunderbare Plätze, Gärten und Häuserreihen und habe vor vielen Jahren häufig in einem der ruhigen schattigen Gärten gesessen und gelesen. Besonders verbinde ich dieses Buch mit dieser Zeit und diesem Teil der Stadt:

Mrs Dalloway – Virginia Woolf auf deutsch unter dem gleichen Titel erschienen im Fischer Verlag übersetzt von Walter Boehlich

An einem sonnigen Junimorgen des Jahres 1923 beginnt die begüterte Clarissa Dalloway mit den Vorbereitungen für eine elegante Abendgesellschaft. Im Verlauf des geschäftigen Tages überlässt sie sich immer wieder ihren Erinnerungen und Gedanken, und während der Big Ben unbeirrt seine Stunden schlägt, wird sie sich der Vergänglichkeit aller Dinge und der Enge ihres Daseins schmerzlich bewusst.

Der Roman handelt von den Gedanken und sparsamen Handlungen eines kleinen Kreises von Personen in London im Verlauf eines Junimittwochs im Jahre 1923. Im Mittelpunkt stehen einerseits Clarissa Dalloway, ihre Bekannten und deren Dienstboten, andererseits der durch seine Kriegserlebnisse emotional erstarrte Septimus Warren Smith, seine Ehefrau und schließlich ein Nervenarzt, der am Ende des Tages die beiden Personenkreise verbindet.

She had the perpetual sense, as she watched the taxi cabs, of being out, out, far out to sea and alone; she always had the feeling that it was very, very, dangerous to live even one day.

Von Bloomsbury geht es jetzt direkt ins Herz der Stadt in die City of London. Meiner juristische Bingereader-Gattin musste ich auf jeden Fall einmal die Inns of Court und den Palace of Justice zeigen. Ein Ort der magischer nicht aussehen könnte und bei dem ich stets an Harry Potters Ministry of Magic denken muss oder aber auch an das folgende Buch, für das ich mich heute entschieden habe, um es euch als London Lektüre ans Herz zu legen:

Jonathan Strange & Mr. Norrell von Susanna Clarke auf deutsch unter dem gleichen Titel im Heyne Verlag erschienen übersetzt von Anette Grube

Wir schreiben das Jahr 1806. Seit Jahrhunderten gibt es keine Zauberei mehr in England. Doch während auf dem Festland der Krieg gegen Napoleon tobt, entdecken die Zaubereihistoriker, dass es noch einen praktizierenden Magier gibt: Mr. Norrell, ein Einzelgänger, der zurückgezogen in Hurtfew Abbey in Yorkshire lebt. Noch ehe sich Regierung und High Society von dieser Überraschung erholt haben, taucht ein zweiter Zauberer auf: der junge, charismatische Jonathan Strange. Die beiden Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, schließen sich im Dienste der Krone zusammen, um in den Krieg einzugreifen. Doch Strange wird von der dunklen, mysteriösen Magie des Rabenkönigs angezogen, des größten Zauberers aller Zeiten. Um mehr über ihn zu erfahren, riskiert er sogar die Freundschaft zu seinem Mentor. Doch Mr. Norrell hat ebenfalls ein magisches Geheimnis, das ihn und alles, was er sich aufgebaut hat, zerstören könnte, wenn es jemals ans Licht käme …

Can a magician kill a man by magic?” Lord Wellington asked Strange.
Strange frowned. He seemed to dislike the question. “I suppose a magician might,” he admitted, “but a gentleman never could

Man kann natürlich auf keinen Fall durch London schlendern, ohne sich irgendwann in einem der vielen wunderbaren Pubs zu stärken. Im Blackfriars habe ich vor vielen Jahren Dr. Jeckyll & Mr. Hyde gelesen und es wird in diesem Herbst dringend Zeit für eine Wiederholung der Lektüre:

Dr. Jekyll and Mr. Hyde von R. L. Stevenson auf deutsch erschienen im Fischer Verlag übersetzt von Michael Adrian

Der erste Entwurf dieser unheimlichen Geschichte geht auf einen Traum Stevensons zurück. Der Arzt Dr. Jekyll ist sich von Jugend an seiner zwiespältigen Natur bewußt, versucht die dunkle Seite seines Charakters jedoch zu unterdrücken. Immer mehr ergreift der Gedanke Besitz von ihm, daß beide Veranlagungen in verschiedenen Körpern untergebracht werden könnten. Jekyll beginnt zu experimentieren …

„Stevensons makabre Studie vom menschlichen Doppel-Ich ist in erster Linie spannungsvolle, bildhafte Gestaltung seiner Einsicht von der Doppelnatur des Menschen, in dem das Böse, wenn es einmal bejaht wird, unweigerlich zur Macht drängt und seine guten Kräfte unterdrückt.“

Quiet minds cannot be perplexed or frightened but go on in fortune or misfortune at their own private pace, like a clock during a thunderstorm

Bei einem Glas Cider bleibt es in der Regel ja nicht, daher lasst uns ein wenig länger noch im Pub verweilen und ich lade euch ein mir hier demnächst auf den zweiten Teil unseres London Spaziergangs mit der jeweils passenden Lektüre zu folgen. Habt ihr noch Lust?

Auf welche Bücher bzw Ecken Londons konnte ich euch denn bisher schon Lust machen? Auf was seid ihr besonders gespannt?

Lektüre Juli 2022

Im Juli waren wir mit lieben Freund*innen in Berlin zum Billie Eilish Konzert und haben es auch fast bis auf die Pfaueninsel geschafft, leider fiel unser Besuch dort für den ich das Buch als Berlin Lektüre dabei hatte im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Es fing so unfassbar heftig an zu regnen, dass wir die Fähre ohne uns fahren liessen und uns ins Wirtshaus zur Pfaueninsel flüchteten, in der Hoffnung es läßt nach. Tat es aber nicht. Dafür habe ich aber sehr liebe Freundinnen in Berlin getroffen, das hat mich dann wieder versöhnt und wir haben sogar einen kleinen Ausflug in den Spreewald gemacht.

Ansonsten war der Juli sehr heiß, von leider vielen Bruder-Dramen geprägt, ich war aber auch ganz wunderbar mit dem kleinen Neffen Karussell fahren, habe eine Arbeitswoche im Rheinland verbracht und habe daher viel in Zügen, in Hotelzimmern, auf dem Balkon und im kühlen Bettchen gelesen. War ein guter Lesemonat.

Den Anfang machen zwei Bücher, die ich von lieben Freund*innen bekommen habe, die literarisch Abhilfe oder zumindest doch Unterhaltung für meine schlaflosen Nächte schaffen sollten:

Anders Bortne – Schlaflos übersetzt von Sabine Richter erschienen im Mairisch Verlag

Anders Bortne leidet seit 16 Jahren an Schlaflosigkeit. Viele Nächte schläft er überhaupt nicht, manchmal findet er für wenige Stunden Ruhe auf der Couch. Teilweise ist er so müde, dass er seine Kinder nicht im Auto zur Kita bringen kann, aus Angst davor, am Steuer einzuschlafen. Wie er selbst leiden auch seine Familie und sein Umfeld unter seinen Stimmungsschwankungen. Bortne erkennt, dass es so nicht weitergeht, er will eine dauerhafte Lösung für sein Schlafproblem finden und zwar ohne Medikamente.

Und so nimmt uns der Autor mit auf eine Odyssee, bei der er Wissen über Schlaf und Insomnie aus der ganzen Welt zusammenträgt, Ärzte und Schlafforscher besucht und an deren Ende er wirklich eine Lösung für seine Schlafprobleme findet. Ein klug und unterhaltsam erzähltes Buch für alle, die ihren Schlaf besser verstehen und vielleicht endlich einmal wieder fest schlafen möchten.

Habe ich sehr gerne gelesen und auch den einen oder anderen Tipp für mich in den Alltag integriert.

Alle anderen schlafen, jede Nacht, das ganze Leben über. Fünf Stunden, sechs, sieben, acht, neun…
Wäre es nicht Schlaf, sondern Essen, das mir so über sechzehn Jahre hinweg genommen worden wäre, würde ich jetzt aussehen wie eine wandelnde Leiche.

Bernd Brunner – Das Buch der Nacht erschienen im Galiani Verlag

Bernd Brunner streift durch die wundersamen Stunden zwischen Dämmerung und Morgengrauen und beleuchtet unser Verhältnis zur Nacht auf dem Grenzgebiet zwischen Geschichte, Mythologie, Biologie und Literatur.

Jahrtausendelang gab die Natur einen festen Rhythmus vor. Am Tag herrschte rege Geschäftigkeit – doch nach Sonnenuntergang sank alles in die Welt des Schlafs und der Träume. Nur nachtaktive Geschöpfe und leidenschaftliche Noctivaganten wie Goethe, der bei Mondschein schwimmen ging, genossen die Dunkelheit.

Echte Finsternis finden wir heutzutage nur an entlegenen Orten oder paradoxerweise in künstlich geschaffenen Umgebungen, die den Tag zur Nacht machen: Nachttierhäuser oder Dunkelrestaurants, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

In Bernd Brunners »Buch der Nacht« begegnen wir mystischen Nachtgestalten, Aberglaube und Bräuchen und begeben uns auf eine Entdeckungsreise, die uns darüber staunen lässt, welche Geheimnisse die Nacht bis heute birgt.

Für den Schriftsteller Alberto Manguel entwickeln die Bücher seiner Bibliothek bei Nacht „Stimmen“, die viel über die Welt, den Platz der Bücher in derselben sowie die Menschen erzählen, die die Bücher geliebt, verteufelt, verbannt oder sogar verbrannt haben. „Bei Licht lesen wir das, was andere ersonnen haben; in der Dunkelheit erfinden wir unsere eigenen Geschichten.“ Und er schrieb: „Die Bibliothek, die in den Morgenstunden die Sehnsucht nach einer streng an Vernunftprinzipien orientierten Weltordnung widerspiegelt, taucht nachts voller Freude ein in das elementare, fröhliche Durcheinander der Welt.“

Emily M. Danforth – Plain Bad Heroines erschienen im William Morrow Verlag mit Illustrationen von Sara Lautman

Mein Hörbuch diesen Monat. Hat mir richtig gut gefallen. Ein düster atmosphärisches Sommerbuch, eine seltene Kombination.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1902 an der Brookhants School for Girls. Flo und Clara, zwei Schülerinnen, sind hin und weg: voneinander und von einer spannendenden jungen Schriftstellerin namens Mary MacLane, deren Werk sie verschlingen. Um ihre Verehrung für Mary zu zeigen, gründen die Mädchen ihren eigenen Club und nennen ihn „The Plain Bad Heroine Society“. Sie treffen sich heimlich in einer nahe gelegenen Apfelplantage, dem Ort an dem sie die schönsten Stunden erleben, am Ende aber leider auch auf schreckliche Weise zu Tode kommen. Ihre Leichen werden neben einem Exemplar von Marys Buch gefunden wo sie Opfer eines Schwarms von wütenden Wespen wurden. Weniger als fünf Jahre später schließt die Brookhants School for Girls für immer ihre Pforten – nach dem drei weitere Menschen auf mysteriöse Weise auf dem Gelände sterben, jede auf höchst beunruhigende Weise.

Eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte und mit wunderbaren Schwarz-Weiß-Illustrationen die ich zum Glück im Internet finden konnte, die beim Hörbuch natürlich fehlen. Toller Sommer-Gothic-Noir-Thriller mit einigen gruseligen Momenten, einem leider etwas schwachen Ende und nach der Lektüre hat man noch weniger Lust auf Wespen als eventuell vorher schon.

Emily M. Danforths erstes Buch „The Miseducation of Cameron Post“ wurde ein riesiger Erfolg der auch verfilmt wurde – Buch und Film stehen ganz weit oben auf meiner Liste…
Große Lust hat mir der Roman auch auf Mary MacLanes Buch „Ich erwarte die Ankunft des Teufels“ – würde sich sicherlich perfekt in Kombination mit „Plain Bad Heroines“ lesen.

Eleanor Faderman knew many books. But never before had she read a book that seemed to know her.

Adeline Dieudonné – Bonobo Moussaka übersetzt von Sina de Malafosse erschienen im dtv Verlag

Weihnachten ist das Fest der Familie. Daher nimmt sie ihre beiden Kinder mit zu ihrem Cousin, der die alleinerziehende Mutter großmütig eingeladen hat, sich mit seiner Musterfamilie und der Familie eines befreundeten Bankers an den üppig gedeckten Tisch zu setzen. Ein Essen in seliger Eintracht? Nicht ganz … Denn lauscht man dieser jungen Frau von heute (die Adeline Dieudonné gar nicht so unähnlich ist), offenbart sich, was sie angesichts der virulenten Themen unserer Gesellschaft fühlt und denkt. Doch sie wird sich nicht unterkriegen lassen. Schließlich hat sie zwei Kinder in diese Welt gesetzt und wird alles dafür tun, dass sie eine Zukunft haben.

Selten wechseln Lachanfälle und Momente in denen einem krass das Lachen im Hals stecken bleibt so rasant wie in diesem kleinen Büchlein. Definitiv eines das noch lange nachhallt und sich hartnäckig in den Gehirnwindungen festsetzt und von dem ich sicher bin, dass es demnächst auf der Theaterbühne zu sehen sein wird.

Lustigerweise entspricht das Haus genau der Definition von einem „sehr hübschen Haus am Stadtrand“. Es würde sich sehr gut auf dem Werbebanner einer Immobilienfirma machen, die eine neue Wohnsiedlung plant. Auf mich macht das Haus allerdings eher einen eher traurigen Eindruck

Viktor E. Frankl – Man’s search for meaning auf deutsch unter dem Titel „Trotzdem ja sagen zum Leben“ im Penguin Verlag.

Mehrere Jahre musste der österreichische Psychologe Viktor E. Frankl in deutschen Konzentrationslagern verbringen. Doch trotz all des Leids, das er dort sah und erlebte, kam er zu dem Schluss, dass es selbst an Orten der größten Unmenschlichkeit möglich ist, einen Sinn im Leben zu sehen. Seine Erinnerungen, die er in diesem Buch festhielt und die über Jahrzehnte Millionen von Menschen bewegten, sollen weder Mitleid erregen noch Anklage erheben. Sie sollen Kraft zum Leben geben.

Viktor E. Frankl, geboren 1905, war Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Universität Wien und Professor für Logotherapie u. a. in San Diego, Kalifornien. Er war Inhaber von 29 Ehrendoktoraten, und seine Bücher wurden in 22 Sprachen übersetzt. Die Erinnerungen an seine Zeit im Konzentrationslager – haben seit Erscheinen 1946 Millionen von Lesern bewegt. Viktor E. Frankl starb 1997 in Wien.

Wir haben das Buch gemeinsam im Bookclub gelesen und sind gemeinsam zu dem Schluß gekommen, dass das wirklich eines der wichtigsten Bücher unserer Zeit ist. Unfassbar wieviel ein Mensch aushalten kann.

Everything can be taken from a man but one thing: the last of the human freedoms—to choose one’s attitude in any given set of circumstances, to choose one’s own way.

Thomas Hettche – Pfaueninsel erschienen im Kiepenheuer & Witsch Verlag

Eine Insel außerhalb der Zeit

Die Pfaueninsel in der Havel ist ein künstliches Paradies. In seinem opulenten, kundigen und anrührenden Roman erzählt Thomas Hettche von dessen Blüte, Reife und Verfall aus der Perspektive des kleinwüchsigen Schlossfräuleins Marie, in deren Lebenslauf sich die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts verdichtet.Es mutet an wie ein modernes Märchen, denn es beginnt mit einer Königin, die einen Zwerg trifft und sich fürchterlich erschrickt. Kaum acht Wochen nach dieser Begegnung auf der Pfaueninsel, am 19. Juli 1810, ist die junge Königin Luise tot – und der kleinwüchsige Christian und seine Schwester Marie leben fortan weiter mit dem entsetzten Ausruf der Königin: »Monster!« Damit ist die Dimension dieser Geschichte eröffnet.

Am Beispiel von Marie, die zwischen den Befreiungskriegen und der Restauration,zwischen Palmenhaus und Menagerie, Gartenkunst und philosophischen Gesprächen aufwächst und der königlichen Familie bei deren Besuchen zur Hand geht, erzählt Thomas Hettche von der Zurichtung der Natur, der Würde des Menschen, dem Wesen der Zeit und der Empfindsamkeit der Seele und des Leibes.Dabei geht es um die Gestaltung dieses preußischen Arkadiens durch den Gartenkünstler Lenné und um all das, was es bevölkerte: Palmen, Kängurus und Löwen, Hofgärtner, Prinzen, Südseeinsulaner, Riesen, Zwerge und Mohren – und es geht um die Liebe in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen.Thomas Hettche ist das Kunststück gelungen, mit dem historisch verbürgten Personal seiner Geschichte von uns Heutigen zu erzählen. Atmosphärisch, detailgetreu und voller Lust an der phantasievollen Ausschmückung.

Wundervoller Roman, der zurecht vor ein paar Jahren den Deutschen Buchpreis gewonnen hat. Habe ich sehr gerne gelesen und nun fehlt nur noch der Besuch auf der Pfaueninsel, aber das wird sicherlich irgendwann einmal klappen.

Alles Künstliche verschwand in dem Moment, in dem der Wille verschwand, es zu erhalten, und was eben noch modern gewesen war und Versprechen einer neuen Zeit, sank lautlos und kraftlos als Mode zurück ins Vergessen. Das Vergehen der Zeit, dachte sie, war ja vor allem ein Vergehen von Zukunft und ein Sieg der Vergangenheit.

Irene Vallejo – Papyrus. Die Geschichte der Welt in Büchern übersetzt von Maria Meinel und Luis Ruby erschienen im Diogenes Verlag

„Papyrus“ erzählt die Geschichte des Buches, eines Artefakts, das die Menschheit seit fast dreitausend Jahren fasziniert und das es in den unterschiedlichsten Formen gegeben hat: aus Rauch, Stein, Ton, Schilf, Seide, Leder, Holz und neu auch aus Kunststoff und Licht. Auf ihrer Entdeckungsreise führt uns Irene Vallejo von den Schlachtfeldern Alexanders des Großen und den Palästen der Kleopatra über die ersten Buchhandlungen bis in das unterirdische Labyrinth des heutigen Oxford und verbindet dabei gekonnt klassische Werke mit der Gegenwart: Seneca mit postfaktischer Wahrheit, Aristophanes mit der Provokation durch Karikaturen oder Sappho mit dem weiblichen Blick. Ein Sachbuch, das sich liest wie ein Abenteuerroman – und eine leidenschaftliche Hommage an die Welt der Bücher.

Die Leidenschaft des Büchersammlers gleicht der eines Reisenden. Jede Bibliothek ist eine Reise; jedes Buch ist ein Fahrschein mit unbegrenzter Gültigkeit. Alexander zog durch Afrika und Asien, ohne sich von seinem Exemplar der Illias zu trennen; Historikern zufolge suchte er darin Rat und nährte seine Sehnsucht nach höherer Bedeutung. Die Lektüre eröffnete ihm, wie ein Kompass, Wege ins Unbekannte

Große Empfehlung für alle Bücher-Verrückten und Menschen mit Interesse für die Antike. Eine außergewöhnliche Weltgeschichte die meine Leseliste wieder immens befüllt hat. Ein Buch das sich auch ganz wunderbar verschenken läßt.

Klaus Cäsar Zehrer – Das Genie erschienen im Diogenes Verlag

1886 landet der junge ukrainische Einwanderer Boris Sidis in New York. Er hat keinen Cent in der Tasche, aber einen brillanten Geist und den großen Ehrgeiz, die Welt von Dummheit und Krieg zu befreien – durch Bildung. Wenige Jahre später, Boris ist inzwischen Harvard-Absolvent und ein berühmter Psychologe, wird sein Sohn geboren. Boris will an ihm demonstrieren, dass sich jedes Kind zum Genie erziehen lässt, wenn es von Anfang an die richtige Förderung bekommt. Der Erfolg ist durchschlagend: Der kleine William James bricht alle Rekorde, macht mit acht Jahren seinen High-School-Abschluss und wird als »Wunderjunge von Harvard« gefeiert. Doch als Erwachsener hat William nur noch einen Wunsch: ein selbstbestimmtes Leben nach seinen Vorstellungen zu führen, auch wenn er dafür mit den Erwartungen seiner Eltern und der Gesellschaft brechen muss. Kein einfaches Ziel in einer Zeit, in der Unangepasstheit nicht sonderlich geschätzt wird und zwei Weltkriege sowie eine schwere Wirtschaftskrise die Welt erschüttern. Ein biographischer Roman über die faszinierende, wahre Lebensgeschichte des exzentrischen Genies William James Sidis (1898–1944), bewegend und verblüffend aktuell.

Am besten, dachte er, wäre es, wenn man für jede wiederkehrende Situation im Leben eine eindeutige Handlungsanweisung hätte. Dann müsste man nie mehr überlegen, was man tun soll und wie. Er nahm ein Notizbuch und schrieb auf, wie er sich künftig verhalten wollte.

Krasse Geschichte und hätte ich nicht gewusst, dass es sich um einen biografischen Roman handelt, ich hätte niemals geglaubt, dass irgendjemand sein Kind erzieht wie es Boris Sidis mit seinem Sohn gemacht hat. Habe ich ebenfalls sehr gerne gelesen und kann es absolut empfehlen.

Das war ein sehr guter Lesemonat mit keinerlei Enttäuschungen.

Welches der Bücher kennt ihr bereits, auf welches konnte ich euch Lust machen? Freue mich immer sehr, von Euch zu hören.

New York by the Book – Part II

Oops jetzt habe ich euch aber länger auf die Fortsetzung unserer New York Reise warten lassen als geplant. Es ist einfach zu heiß – für alles. Zum schreiben, zum denken, zum Bilder sortieren. Aber done is better than perfect – also auf geht’s, ich nehme euch mit ins brütend heiße New York, allerdings haben wir immer wieder gut gekühlte Ecken gefunden.

Zum Beispiel direkt neben dem Chelsea Hotel – wo wir uns zur Premiere von Kristen Stewarts neuestem Film „Crimes of the Future“ in ein eisgekühltes Kino begaben. Das war eine recht tragische Entscheidung wie sich später rausstellen sollte. Zwar war es fantastisch das Chelsea Hotel zu erleben, in dem Patti Smith so lange lebte, allerdings hätten wir nur wenige Straßen entfernt die echte Kristen Stewart an der Premierenfeier des Films erleben können, was die Bingereader-Gattin als weltgrößtes Fangirl in tiefste Verzweiflung stürzen sollte, als wir unseren Fehler ein paar Tage später bemerkten.

Jetzt aber erst mal zur nächsten Buchempfehlung für New York – natürlich „Just Kids“ von Patti Smith

NYC ist eine Stadt, die sich für mich eigentlich nur zu Fuß so richtig begreifen läßt. Auch wenn die Subway bei den tropischen Temperaturen mit ihren eisgekühlten Wagen oft verlockend schien, haben wir die meisten Strecken zu Fuß oder im Taxi zurückgelegt, um möglichst viel von der Stadt zu sehen. Was mich bei den gelegentlichen Subway Fahrten überraschte waren die Ratten, die es immer schon gab, die aber mittlerweile so derart ihre Scheu verloren haben, dass sie selbst tagsüber auf vollbesetzten Bahnsteigen den Leuten über die Füße laufen.

Wir haben jeden Tag so einige Kilometer abgelaufen, hier ein paar Impressionen unserer Touren:

Ich empfehle dringend einen Spaziergang durch den Big Apple. Gehen ist die beste Form der Fortbewegung und Bewegung tut gut. Die Stadt ist relativ eben, mit wenigen Höhen und Tiefen in Midtown gang im Gegensatz zu „Manahata“ wie die Delawaren Manhatten nannten, was so viel wie „Insel der vielen Hügel“ bedeutet.

Die Bürgersteige in New York City können von Touristen und Einheimischen verstopft sein. Touristen, die meist im Gegensatz zu den Einheimischen Schwierigkeiten haben sich auf den überfüllten Bürgersteigen zurechtzufinden.

Die Fifth Avenue ist der Mittelpunkt des 1811 eingeführten Straßenrasters von Manhattan. Von diesem Mittelpunkt aus verlaufen die nummerierten Straßen in Ost-West-Richtung. Der Verkehr auf der Fifth Avenue fließt in Richtung Innenstadt.

Wir sind an einem Vormittag auf Wunsch unserer enthusiastischsten Lauf-Freundin 1,5 Std quer durch die Stadt gelaufen um in einem bestimmten Diner zu frühstücken. Der Magen hing dann auf halb 8, aber es war eine tolle Tour und selten hatten wir uns eine warme Mahlzeit mehr verdient als an diesem Morgen.

Die perfekte Lektüre für Spaziergänge durch New York die ich euch hier ans Herz legen möchte, sind Teju Coles „Open City“ und Miles Davis „If Beale Street could talk“

Aber ich hatte euch ja einen Boots-Trip versprochen, der uns auch tatsächlich etwas Abkühlung brachte, wenngleich für einen deutlich kürzeren Zeitraum, als vermutet.

Wir hatten uns von AirBnB Experiences dazu verführen lassen eine Bootstour zu machen die im Brooklyn Harbour am frühen Nachmittag starten sollte. Wir warfen uns in unsere segeltauglichsten Klamotten und begaben und mit einem türkischen Pärchen als einzige weitere Passagiere gemeinsam mit dem Skipper an Bord. Der Sekt war kaltgestellt, die Segel gesetzt – allerdings gingen dem Skipper schon nach den ersten paar Hundert Metern das Diesel aus, wir wurden in die Kabine hinunter geschickt, wo wir sechs verzweifelt versuchten bei gefühlten 200 Grad, den einströmenden Diesel-Dämpfen die beim Nachtanken entstanden und dem mächtigen Seegang nicht die Fische zu füttern.

Nach etwa 15 Minuten gab der Skipper dann auf. Der Motor wollte partout nicht wieder anspringen, wir wurden an Land zurückgebracht. Es war zwar ein kurzer Trip, aber wir haben immerhin ein paar hübsche Fotos von der Skyline und der Brooklyn Bridge gemacht, ein sehr nettes Pärchen kennengelernt und den Sekt haben wir dann einfach später auf der Hotelterrasse getrunken.

Auch wenn mir hier der passende Übergang fehlt, möchte ich euch Sylvia Plaths „The Bell Jar“ ans Herz legen, der Roman beschreibt das Leben von Esther Greenwood, einer College-Studentin, die davon träumt, Schriftstellerin zu werden. Sie wird für ein einmonatiges Sommerpraktikum als Gastredakteurin des Magazins Ladies‘ Day ausgewählt, aber ihre Zeit in New York City ist schwierig, da sie gegen gesellschaftliche Normen ankämpft und nach einem Selbstmordversuch in der Psychiatrie landet.

Es gäbe noch so viel zu erzählen, wir haben Sarah Jessica Parker am Broadway in „Plaza Suite“ gesehen, sind die Highline vom Angang bis zum Ende lang gelaufen, haben Buchläden gestürmt, einen lieben Freund nach vielen Jahren zum Dinner in Chinatown getroffen, viele leckere Cocktails getrunken und überaus gut gegessen.

Das kulturelle Highlight war für mich aber der Besuch der New York Library und die Dinos im Natural History Museum

Mein abschließender New York Buchtipp ist ein ziemlicher Ziegelstein und daher wahrscheinlich eher in der ebook-Version als Reiselektüre zu empfehlen: Donna Tartts „The Goldfinch“ ein Roman bei dem zwar ein Museum eine große Rolle spielt, allerdings das Metropolitan Museum – dahin haben wir es dieses Mal nicht geschafft.

Das war ganz sicher nicht unser letzter Besuch im Big Apple. Ich liebe die Stadt, auch wenn ich mir mittlerweile nicht mehr so gut vorstellen kann dort zu leben, für einen Besuch ist sie immer wieder gut. Samuel Pepys Zitat „If you are tired of London, you are tired of life“ kann man absolut genauso auf New York beziehen. Eine Stadt die nie schläft, die oft stinkt, schmutzig ist und einem das Geld aus der Tasche zieht und die dennoch die aufregendste und anregendste Metropole der Welt ist.

Ich hoffe ihr hattet etwas Spaß und Lust auf das eine oder andere Buch bekommen, dass entweder euren nächsten New York Trip begleiten könnte oder mit dem ihr einfach auf dem Sofa durch die Stadt reist, auf jeden Fall die umweltschonendere Methode.

Lektüre Juni 2022

Der Lesemonat Juni war insbesonders von unserer Reise nach New York geprägt, nicht nur was die entsprechende New York Lektüre betrifft, sondern auch die damit verbundene gestiegene Lesezeit, die dem Flug und dem Jetlag geschuldet war. Ich habe mich darüberhinaus intensiv mit Mary Shelley und Mary Wollstonecraft beschäftigt, mich bei einem CliFi Roman mit unserer Zukunft beschäftigt und durch einen danach folgenden Zeitreise Thriller ein bisschen dem Escapismus hingeben können. Ein guter Lesemonat, einzig Anne Tyler unsere Bookclub Lektüre des Monats konnte mich nicht ganz so in ihren Bann ziehen.

Aber jetzt zum Einblick in die Bücher die ich letzten Monat gelesen haben und welche davon wem ans Herz legen möchte:

Doris Dörrie – Die Heldin reist erschienen im Diogenes Verlag

Döris Dörrie erzählt in ihrem autofiktionalen Buch von drei Reisen – nach San Francisco, nach Japan und nach Marokko – und davon, als Frau in der Welt unterwegs zu sein. In Anlehnung an Joseph Campbells berühmtem „Der Heros in tausend Gestalten“ beschäftigt sie sich mit der Heldin die in die Welt hinaus muss und Abenteuer erleben um eben eine Heldin zu werden.

Dörries Bücher sind immer wie eine wunderbare elegante Sommerbrise, ich lese sie so so gerne, komischerweise kommt sie mir nie in den Sinn, wenn ich von meinen Lieblingsautorinnen spreche. Vielleicht weil ihre Bücher meist schmal sind, sich nicht zu ernst nehmen und nicht schwergewichtig daherkommen und das macht eigentlich einen großen Teil ihres Zaubers aus.

Der Held muss also aus dem Haus, um ein Held zu werden. Und die Heldin? Sie ist gar keine Heldin, sondern die Frau des Helden, sie bleibt, wo sie ist, und beschützt das Haus. Sie ist die Hausfrau, die Frau im Haus. Sie auch deshalb dableiben, damit jemand zu Hause ist, wenn der siegreiche Held zurückkehrt. Sie darf nicht ausziehen, um das Fürchten zu lernen, aber das muss sie auch gar nicht, denn sie hat ja sowieso permanent Angst. Sie macht sich ständig Sorgen, am meisten um den Helden. Der Held wiederum macht sich keine um sie, denn er kann sich darauf verlassen, dass sie geduldig auf seine Rückkehr wartet und in seiner Abwesenheit kratzige Pullover webt.

Passende Lektüre für alle die Lust haben sich Herz und Horizont erweitern zu lassen.

Teju Cole – Open City, übersetzt von Christine Richter-Nilsson im Suhrkamp Verlag

Julius, ein junger Psychiater, durchstreift die Straßen Manhattans, allein und ohne Ziel, stundenlang. Die Bewegung ist ein Ausgleich zur Arbeit, sie strukturiert seine Abende, seine Gedanken. Er lässt sich treiben, und während seine Schritte ihn tragen, denkt er an seine kürzlich zerbrochene Liebesbeziehung, seine Kindheit, seine Isolation in dieser Metropole voller Menschen. Fast unmerklich verzaubert sein Blick die Umgebung, die Stadt blättert sich vor ihm auf, offenbart die Spuren der Menschen, die früher hier lebten. Mit jeder Begegnung, jeder neuen Entdeckung gerät Julius tiefer hinein in die verborgene Gegenwart New Yorks – und schließlich in seine eigene, ihm fremd gewordene Vergangenheit.

Anfänglich erlebte ich die Straßen als eine unaufhörliche Geräuschkulisse, ein Schock nach der Konzentration und relativen Ruhe des Tages, so als zerrisse jemand die Stille einer abgeschiedenen Kapelle mit einem dröhnenden Fernseher

Passende Lektüre, insbesondere in dem kleinen Suhrkamp Format, um es in die Tasche zu stecken, während man durch New Yorks Straßen läuft und es morgens um 5 bei schwarzem Kaffee in einem Diner zu lesen.

Bill Hayes – Insomniac City erschienen im Bloomsbury Verlag

Bill Hayes kam 2009 mit einem One-Way-Ticket nach New York City und hatte nur eine vage Vorstellung davon, wie er zurechtkommen würde. Aber mit 48, nach Jahrzehnten in San Francisco und dem Tod seines Partners, brauchte er einfach Veränderung und fand Trost im unaufhörlichen Rhythmus der Stadt, dem Anblick des Empire State Buildings im Nachthimmel und die New Yorker die der an Insomnia leidende Hayes bei seinen nächtlichen Spaziergängen traf.

Und ganz unverhofft verliebt er sich wieder. In seinen Freund und Nachbarn, den Schriftsteller und Neurologen Oliver Sacks. Hayes zeichnet ein liebevolles Porträt Oliver Sacks‘ und zeigt ihn von seiner persönlichsten und liebenswertesten Seite. Er beschreibt wie sich Sacks im Alter von fünfundsiebzig Jahren zum ersten Mal im Leben verliebt, über die glücklichen gemeinsamen Jahre bis zur Auseinandersetzung mit Oliver Sacks Krankheit und seinem Tod im August 2015.

I suppose it’s a cliché to say you’re glad to be alive, that life is short, but to say you’re glad to be not dead requires a specific intimacy with loss that comes only with age or deep experience. One has to know not simply what dying is like, but to know death itself, in all its absoluteness. After all, there are many ways to die—peacefully, violently, suddenly, slowly, happily, unhappily, too soon. But to be dead—one either is or isn’t. The same cannot be said of aliveness, of which there are countless degrees. One can be alive but half-asleep or half-noticing as the years fly, no matter how fully oxygenated the blood and brain or how steadily the heart beats. Fortunately, this is a reversible condition. One can learn to be alert to the extraordinary and press pause—to memorize moments of the everyday.

Für alle Insomniacs die Spaß an skurillen Begegnungen haben die sich gerne von einer berührenden Liebesgeschichte verzaubern lassen.

Charlotte Gordon – Romantic Outlaws: The extraordinary lives of Mary Wollstonecraft & Mary Shelley erschienen im Penguin Verlag

Romantic Outlaws ist das erste Buch, das die Geschichte des leidenschaftlichen und außergewöhnlichen Lebens von Mary Wollstonecraft – englische Feministin und Autorin des bahnbrechenden Buches „The Vindication of the Rights of Women“ – und ihrer Tochter Mary Shelley, Autorin von Frankenstein, erzählt.

Obwohl sie Mutter und Tochter waren, haben sich diese beiden brillanten Frauen nie gekannt – Wollstonecraft starb 1797 im Alter von 38 Jahren, eine Woche nach ihrer Geburt, an einer Infektion. Dennoch waren ihre Leben so eng miteinander verwoben, ihre Entscheidungen, Träume und Tragödien so unheimlich ähnlich, dass es unmöglich scheint, die eine ohne die andere zu betrachten.

Beide Frauen wurden berühmte Schriftstellerinnen, verliebten sich in brillante, aber unmögliche Männer, waren alleinerziehende Mütter, die außereheliche Kinder bekamen, lebten im Exil, kämpften um ihre Stellung in der Gesellschaft und machten sich unentwegt Gedanken darüber, wie sie leben sollten. Und beide Frauen brachen mit fast allen starren Konventionen, die es zu brechen gab: Wollstonecraft verfolgte Piraten in Skandinavien. Shelley nahm es in Neapel mit Banditen auf. Wollstonecraft segelte nach Paris, um die Revolution mitzuerleben. Shelley brannte auf einem Fischerboot mit einem verheirateten Mann durch. Wollstonecraft verkündete, dass die Freiheit der Frauen für jeden von Bedeutung sein sollte.

Wollstonecraft setzte sich nicht nur für die Rechte der Frauen ein, sondern entfachte mit ihrem Werk auch die Romantik. Sie inspirierte Coleridge, Wordsworth und eine ganze neue Generation von Schriftstellern, darunter auch ihre eigene Tochter, die – zusammen mit ihrem jungen Liebhaber Percy Shelley – Wollstonecrafts Werk an ihrem Grab laut vorlas. Mit gerade einmal neunzehn Jahren und als frischgebackene Mutter schrieb Mary Shelley Frankenstein, während sie mit Percy und Lord Byron (der prompt ein Kind von Marys Stiefschwester zeugte) durch Italien reiste. Es ist ein bahnbrechender Roman, der die Grenzen der menschlichen Natur und die Macht der Erfindungen in einer Zeit großer religiöser und wissenschaftlicher Umwälzungen erkundet. Darüber hinaus wurde Mary Shelley nach dem frühen Tod ihres Mannes zur Herausgeberin seiner Gedichte – eine wissenschaftliche Leistung, die seinen literarischen Ruf begründete.

Romantic Outlaws bringt zwei visionäre Frauen zusammen, die eigentlich ein gemeinsames Leben hätten führen sollen, stattdessen aber ein starkes literarisches und feministisches Vermächtnis hinterlassen haben. Dieses Buch war mein Highlight im Juni, ich kann es euch gar nicht genug ans Herz legen.

Both women were what Wollstonecraft termed “outlaws.” Not only did they write world-changing books, they broke from the strictures that governed women’s conduct, not once but time and again, profoundly challenging the moral code of the day. Their refusal to bow down, to subside and surrender, to be quiet and subservient, to apologize and hide, makes their lives as memorable as the words they left behind. They asserted their right to determine their own destinies, starting a revolution that has yet to end.

Perfekte Lektüre für alle die zwei wahnsinnig inspirierende, spannende Frauen kennenlernen möchten, die schon BadAss waren bevor es dieses Wort überhaupt gab und für die dieser Begriff wahrscheinlich erfunden wurde.

Mary Wollstonecraft – Eine Verteidigung der Rechte der Frau übersetzt von Edith Schotte

Bildung und freie Entfaltung für Frauen aller Schichten, das war die wichtigste Forderung von Mary Wollstonecraft. Sie war eine feministische Aufklärerin und maßgebliche Vordenkerin der Frauenbewegung. Ohne Frauen wie sie, hätte sich die Lage der Frauen nie entscheidend verbessern können.

Lehrt sie zu denken!“ Diese Aufforderung richtete Wollstonecraft an Lehrer, an Gouvernanten, an Mütter und Väter, an alle, die für die Erziehung von Mädchen verantwortlich waren. Denn sie wollte die Frauenbildung ihrer Zeit revolutionieren. Ungebildet, hinterhältig und oberflächlich, so sah Wollstonecraft ihre Zeitgenossinnen. Schuld daran war eine verlogene Gesellschaft, die den Frauen intellektuelle Bildung verwehrte. Als feministische Aufklärerin kämpfte Wollstonecraft für die Bildung und die freie Entfaltung von Frauen aller Schichten. Mit ihrem Anliegen hat sie Maßstäbe gesetzt und war eine wichtige Vordenkerin für die kommenden Frauenbewegungen.

Männer besitzen mehr Körperkräfte, doch gäbe es nicht diese falschen Schönheitsauffassungen, dann würden die Frauen ihren Körper genügend stärken, um sich ihren Lebensunterhalt verdienen zu können, da allein dies die wahre Unabhängigkeit bedeutet.

Mich hat die Aktualität, Radikalität und Präzision von Wollstonecrafts Gedanken total umgehauen. Wir stehen in der Tat auf Schultern von Riesinnen.

Für alle die das tatsächliche Werk hinter der berühmten Frau kennenlernen wollen.

Sylvia Taschka – Wiederkunft erschienen im Prinzengarten Verlag

Im Jahr 2187 bestimmen Wasserknappheit und Wetterextreme den Alltag in den noch bewohnbaren Teilen der Erde.
Die brilliante Klimatologin Elli Pryce lebt zurückgezogen in der greeneuropäischen Hauptstadt Berlin. Sie kümmert sich lieber um den vernachlässigten Nachbarsjungen Aadalish als um ihre Beraterstelle der northernamericanischen Regierung.

Clif-Fi trifft SciFi trifft Fantasy. Ein interessanter Roman, den ich gerne gelesen habe, der zum nachdenken anregt, allerdings hätte ich auf den fantastischen Anteil (Wiederkehrer/Engel) gut verzichten können. Ich hätte mich gerne noch intensiver mit der Realität der Welt im Jahr 2187 beschäftigt.

Ein Buch über dessen Ideen man wunderbar bei einem Glas Wein philosophieren kann – ich werde den Roman demnächst in meiner „Women in SciFi“ Reihe noch etwas genauer vorstellen.

Im Innenhof waren zahlreiche Bäume gestanden. Diese waren mittlerweile alle wegen der zahlreichen Stürme und der Unfallgefahr gefällt. Statt der Bäume hatte man als Sonnenschutz eine Art durchsichtige Haut über den ganzen Hof gespannt, die an den Seiten von gigantischen, stählernen Pfosten gehalten wurde

Ein Buch für Fantasy-Fans mit Interesse für CliFi und Lust am spekulieren darüber haben, wohin sich unsere Welt in näherer und fernerer Zukunft entwickelt.

Das Buch habe ich im Übrigen als Rezensionsexemplar erhalten.

Lauren Beukes – The Shining Girls übersetzt von Karolina Fell erschienen im Rowohlt Verlag

Chicago zur Zeit der Großen Depression. Harper Curtis lebt auf der Straße. Er ist kaltblütig, hochgefährlich, von Wahnvorstellungen getrieben. Seit er die strahlend schöne Tänzerin Jeanette sah, träumt er von seinen «Shining Girls». Er will nur eines: ihr Licht für immer auslöschen. Eines Tages fällt ihm der Schlüssel zu einem alten Haus in die Hände – ein Portal. Von nun an reist Harper durch die Zeit, um zu töten. Niemand kann ihn stoppen, keiner vermag die Spuren zu deuten, die er am Tatort hinterlässt. Dinge, die noch nicht oder nicht mehr existieren. Doch dann überlebt eines von Harpers Opfern. Der jungen Kirby gelingt es, die seltsamen Puzzleteile zusammenzusetzen. Und sie beginnt, den Killer durch die Zeit zu jagen.

The problem with snapshots is that they replace actual memories. You lock down the moment and it becomes all there is of it.

Für Fans von intelligenten Thrillern mit Zeitreise-Thematik, die allerdings nicht allzu zart besaitet sein sollten. Wurde auch als Mini-Serie verfilmt. Hier der Trailer:

Anne Tyler – Digging to America auf deutsch unter dem Titel „Tag der Ankunft“ übersetzt von Christine Frick-Gerke, erschienen im List Verlag

Zwei ganz verschiedene Familien, eine amerikanische und eine iranische, lernen sich auf dem Flughafen in Baltimore kennen. Hätten sie nicht beide ein koreanisches Kind adoptiert, sie wären sich wohl nie begegnet. Es entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den ungleichen Familien, die fast alle Mitglieder auf immer verändern wird.

Jedes Jahr am Jahrestag des „Ankunftstages“ feiern die beiden Großfamilien gemeinsam mit immer aufwändigeren Partys, und begleiten Susan und Jin-ho dabei wie sie Wurzeln schlagen und zu Amerikanerinnen werden.

Anne Tyler kann definitiv gut schreiben, aber das Buch war nichts für mich. Ich empfand die ständigen Parties als repetitiv und konnte mit keinem der Protagonist*innen viel anfangen. Da ich grundsätzlich nicht so der Typ „Familienroman“ bin, muss das nicht gegen das Buch sprechen, allerdings wurde es auch im Bookclub von einer Hälfte heiß geliebt, die andere war zu Tode gelangweilt.

Isn’t it odd,” Maryam said. “Just like that, a completely unknown person is a part of their family forever. Well, of course that’s true of a birth child, too, but … I don’t know, this seems more astonishing.” “To me, both are astonishing,” Dave said. “I remember before Bitsy was born, I used to worry she might not be compatible with the two of us. I told Connie, ‘Look at how long we took deciding whom we’d marry, but this baby’s waltzing in out of nowhere, not so much as a background check or a personality quiz. What if it turns out we don’t have any shared interests?

So meine Lieben – das war mein Lese-Juni. Welche Bücher kennt ihr bereits? Auf welche konnte ich euch Lust machen?

Freue mich wie immer sehr von Euch zu hören.

Lektüre Mai 2022

Mai war ein guter Lesemonat. Viele sonnige Tage Lesetage auf dem Balkon und ansonsten die übliche der Insomnia geschuldete Nachtlektüre.

In alphabetischer Reihenfolge:

Jan Assmann – „Achsenzeit- eine Archäologie der Moderne erschienen im C. H. Beck Verlag

Um das 6. Jahrhundert vu. Z. traten in verschiedenen Kulturräumen der Welt Philosophen und Propheten auf, die das bisherige mythische Denken überwanden: Konfuzius und Laotse in China, Buddha in Indien, Zarathustra in Persien, die Propheten des Alten Israel und die Philosophen in Griechenland. Diese Zeit wurde von Karl Jaspers „Achsenzeit“ genannt. Jan Assmann beschreibt, wie Historiker und Philosophen seit der Aufklärung die erstaunliche Gleichzeitigkeit der Achsenzeit-Kulturen erklärt und in der Achsenzeit die geistigen Grundlagen der Moderne gesucht haben.

Habe gefühlt das halbe Buch unterstrichen. Ein wirklich spannendes, gut geschriebenes Buch über eine der spannensten Zeiten in der Menschheitsgeschichte, über die ich definitiv noch viel mehr lernen möchte.

Die Achsenzeit-Theorie hat diese Formel auf den Weg des menschlichen Denkens überhaupt ausgedehnt. In der Tradition Max Webers mit seiner These der Entzauberung der Welt unabwendbar fortschreitenden Rationalisierung der Welt erweist sich die Achsenzeit-Theorie als eine Form der Modernisierungstheorie, die besagt, dass die Menschheit in ihrem geistigen Entwicklungsgang mehr oder weniger unaufhaltsam von niedrigen, defidizienten Stufen ihres Welt- und Selbstbewusstseins zu immer vollständigeren und klareren Stufen fortschreitet bzw fortschreiten sollte. … Die Achsenzeit-Theorie versteht diesen Weg jedoch von allem Anfang an als global, jedenfalls als transkulturell, weil China, Indien, Persien, Israel und Griechenland ihn gleichzeitig beschritten und auf lange Sicht alle anderen Kulturen nachgezogen haben.

Isabel Bogdan „Der Pfau“ erschienen im Insel Verlag

Ein charmant heruntergekommener Landsitz in den schottischen Highlands, eine Londoner Investmentbankertruppe zum Teambuilding – und ein durchgedrehter Pfau, der bei Blau nur noch rotsieht und dadurch ein Geschehen in Gang setzt, das alle Beteiligten an ihre Grenzen bringt.

Leichte Lektüre die große Lust auf einen Schottland-Besuch mit Scones und High Tea macht.

Einer der Pfauen war verrückt geworden. Vielleicht sah er auch nur schlecht, jedenfalls hielt er mit einem Mal alles, was blau war und glänzte, für Konkurrenz auf dem Heiratsmarkt.

Amanda Cross „Poetic Justice“ auf deutsch unter dem Titel „Eine feine Gesellschaft“ im dtv Verlag

Wir schreiben das Jahr 1970 in New York City, und die Universität, an der Professorin Kate Fansler viktorianische Literatur unterrichtet, ist von Studentenunruhen heimgesucht worden. Das Überleben des University College steht in Frage, zumal ihr Präsident Jeremiah Cudlipp entschlossen ist, es zu schließen.

Mitten in der Abwägung zwischen Dissertationsvorschlägen und akademischer Politik steht Kate vor einem unüberwindbaren Hindernis. Doch bewaffnet mit einer Handvoll rebellischer Kollegen, der Poesie von W. H. Auden und ihrem neuen Verlobten gibt sie nicht auf.

Kate ist bereit, bis zum Tod für ihr College zu kämpfen, aber nur ein Wunder – oder vielleicht ein Mord – kann ihre geliebte Institution retten …

The news that Kate was acquiring a husband became, as the fall semester got under way, the excuse for a bacchanal. Which is to say that the three secretaries in the English Department, certain that marriage is more important than revolution, planned a department party to celebrate.

Wer nervenzerreissende Spannungsliteratur sollte nicht zu diesem Buch greifen. Es ist kein wirklich Krimi, mehr ein feministischer Feelgood-Krimi mit viel literarischem Flair, den ich wieder gerne gelesen habe und der mir große Lust auf die Gedichte von Auden machte.

Lauren Groff „Matrix“ auf deutsch unter dem gleichen Titel im Claassen Verlag

Eine Geschichte von weiblicher Gemeinschaft und Macht. Ein Fest der Erzählfreude, der Erfindungskraft und des Intellekts. Das neue Meisterwerk von Lauren Groff.

Marie ist siebzehn Jahre alt, groß und ungelenk und nach allgemeiner Ansicht ungeeignet für die Ehe und das höfische Leben. Sie verehrt ihre Königin, Eleanore von Aquitanien, doch die verstößt sie mit einem Lächeln: Marie soll Priorin eines abgelegenen Klosters werden, irgendwo im Schlamme Englands, fern von den zärtlichen Zuwendungen ihrer Dienerin. Lebendig begraben in der Gemeinschaft verarmter, frierender, hungernder Nonnen – ausgerechnet sie, die aus einer Familie von Kriegerinnen stammt und alles andere als fromm ist. Doch in der Abgeschlossenheit des Klosters findet Marie für sich und ihre Schwestern ungeahnte Möglichkeiten von weltlichem Einfluss, Wohlstand und neuer Gemeinschaft.

Matrix erzählt die Geschichte einer fehlbaren Heldin: einer Frau – kriegerisch, imposant, machtbewusst, hingebungsvoll –, deren Visionen verlorengehen, wie so viele Stimmen starker Frauen im Lauf der Geschichte. Der neue, flirrend aufregende Roman von Lauren Groff erweckt sie zum Leben und beschwört die utopische Kraft weiblicher Kreativität in einer korrumpierten Welt.

Großes Lese-Highlight für mich.

Women act counter to all the laws of submission when they remove themselves from availability.

Judith Hermann „Alice“ erschienen im S. Fischer Verlag

Wenn jemand geht, der dir nahe ist, ändert sich dein ganzes Leben, es ändert sich, ob du willst oder nicht. Alles wird anders. Alice ist die Heldin dieser fünf Geschichten, alle erzählen von ihr – und davon, wie das Leben ist und das Lieben, wenn Menschen nicht mehr da sind. Dinge bleiben zurück, Bücher, Briefe, Bilder, und ab und zu täuscht man sich in einem Gesicht. Lebenswege kreuzen sich, ändern die Richtung und werden unwiederbringlich auseinandergeführt.

Wie schon in „Sommerhaus, später“ und „Nichts als Gespenster“ schreibt Judith Hermann Geschichten von filigraner dunkler Schönheit.

Das siebente Haus ist das Haus der Türen. Durch die die Menschen kommen und von dir weggehen. Die Planeten laufen langsam, aber sie machen ihre Transite, und dann ändert sich dein ganzes Leben.

Lisa Kröger & Melanie R. Anderson – Monster, she wrote erschienen bei Quirk Books

Wer mich und meinen Blog ein bisschen kennt, weiß um meine große Liebe zu Gothic, Grusel und Übernatürlichem, daher war dieses spannende Büchlein hier absolut perfekt für mich. Hier treffen wir die Autorinnen, die sich den Konventionen widersetzten und einige der ungewöhnlichsten Geschichten der Literatur schufen, von Frankenstein bis The Haunting of Hill House und noch viel mehr.

Frankenstein war nur der Anfang: Horrorgeschichten und andere gruselige Romane gäbe es nicht ohne die Frauen, die sie geschaffen haben. Von Gothic-Geistergeschichten über psychologischen Horror bis hin zu Science-Fiction – Frauen waren die Hauptakteure der spekulativen Literatur in den unterschiedlichsten Genres. Und ihre eigenen Lebensgeschichten sind oft ebenso faszinierend wie ihre Geschichten. Jeder kennt Mary Shelley, die Schöpferin von Frankenstein, von der es heißt, sie habe das Herz ihres verstorbenen Mannes in ihrer Schreibtischschublade aufbewahrt. Aber kennt ihr zum Beispiel Margaret „Mad Madge“ Cavendish über die Marius von Buchhaltung in meiner „Women in SciFi“-Reihe berichtete, die 150 Jahre zuvor ein Science-Fiction-Epos schrieb (und im Theater gerne oben ohne rumlief)?

Über Shirley Jackson deren Roman The Haunting of Hill House als Netflix-Serie neu erfunden wurde, muss ich nicht viel sagen, habe mich aber sehr gefreut auch wirklich spannende Neuentdeckungen zu machen, wie zum Beispiel die Autorin von psychologischen Spukgeschichten, Violet Paget, die in der viktorianischen Ära ganz offen langfristige romantische Beziehungen mit Frauen unterhalten hat. In diesem Buch trifft man bekannte Ikonen, vergessene Autorinnen und die heutige Avantgarde. Kuratierte Leselisten haben meinen Wunschzettel dann auch entsprechend wachsen lassen.

Teils Biografie, teils Leseführer, stellen die fesselnden Beschreibungen und detaillierten Leselisten mehr als hundert Autorinnen und über zweihundert ihrer geheimnisvollen und gruseligen Romane, Novellen und Geschichten vor.

Sarah Perry „Melmoth“ auf deutsch unter dem gleichen Titel im Eichborn Verlag erschienen, übersetzt von Eva Bonné

Ein fesselnder und wunderbar unheimlicher Roman…

Helen Franklins Leben nimmt eine jähe Wende, als sie in Prag auf ein seltsames Manuskript stößt. Es handelt von Melmoth – einer mysteriösen Frau in Schwarz, der Legende nach dazu verdammt, auf ewig über die Erde zu wandeln. Helen findet immer neue Hinweise auf Melmoth in geheimnisvollen Briefen und Tagebüchern – und sie fühlt sich gleichzeitig verfolgt. Liegt die Antwort, ob es Melmoth wirklich gibt, in Helens eigener Vergangenheit?

Ein Buch, das einen packt und nicht mehr loslässt. Düster, mystisch und beklemmend – ganz nach meinem Geschmack.

My reader, my dear- you know her, you have been waiting for her: it is the witness, the wandering woman- the punished world’s wickedness unfolds! Oh beloved one, my companion- it is I, Melmoth, whose voice you have heard all these hours, all these days…It was I who told you to read, and to bear witness….Didn’t you know? Didn’t you guess?

Carlo Rovelli „Seven Brief Lessons on Physics“ auf deutsch unter dem Titel „Sieben kurze Lektionen über Physik“ und „The Order of Time“ auf deutsch unter dem Titel „Die Ordnung der Zeit“ beide erschienen im Rowohlt Verlag, übersetzt von Sigrid Vagt bzw Enrico Heinemann

Wo kommen wir her? Was können wir wissen? Seit ihren umwälzenden Entdeckungen im zwanzigsten Jahrhundert spüren Physiker den Kräften und Teilchen nach, die die Welt im Innersten und Äußersten zusammenhalten. Für jedermann verständlich, hat Carlo Rovelli dieses zauberhafte Buch darüber geschrieben. Es stürmte in wenigen Wochen an die Spitze der italienischen Bestsellerliste und wird derzeit in fast zwanzig Sprachen übersetzt.

In the awareness that we can always be wrong, and therefore ready at any moment to change direction if a new track appears; but knowing also that if we are good enough we will get it right and will find what we are seeking. This is the nature of science.


In eleganten, klaren Sätzen erklärt Rovelli die Physik der Moderne: Einstein und die Relativitätstheorie, Max Planck und die Quantenmechanik, die Entstehung des Universums, Schwarze Löcher, die Elementarteilchen, die Beschaffenheit von Raum und Zeit – und die Loop-Theorie, sein ureigenstes Arbeitsfeld.


There are frontiers where we are learning, and our desire for knowledge burns. They are in the most minute reaches of the fabric of space, at the origins of the cosmos, in the nature of time, in the phenomenon of black holes, and in the workings of our own thought processes. Here, on the edge of what we know, in contact with the ocean of the unknown, shines the mystery and the beauty of the world. And it’s breathtaking.

Warum stehen wir mit den Füßen auf dem Boden? Newton meinte, weil sich Massen anziehen, Einstein sagte, weil sich die Raumzeit krümmt. Carlo Rovelli hat eine andere Erklärung: vielleicht ja deshalb, weil es uns immer dorthin zieht, wo die Zeit am langsamsten vergeht. Wenn, ja wenn es so etwas wie Zeit überhaupt gibt. Kaum etwas interessiert theoretische Physiker von Rang so sehr wie der Begriff der Zeit. Leben wir in der Zeit oder lebt die Zeit vielleicht nur in uns? Warum der physikalische Zeitbegriff immer weiter verschwimmt, je mehr man sich ihm nähert, warum es im Universum keine allgemeine Gegenwart gibt, warum die Welt aus Geschehnissen besteht und nicht aus Dingen und warum wir Menschen dennoch gar nicht anders können, als ein Zeitbewusstsein zu entwickeln: Rovelli nimmt uns mit auf eine Reise durch unsere Vorstellungen von der Zeit und spürt ihren Regeln und Rätseln nach. 

This is time for us. Memory. A nostalgia. The pain of absence. But it isn’t absence that causes sorrow. It is affection and love. Without affection, without love, such absences would cause us no pain.
For this reason, even the pain caused by absence is in the end something good and even beautiful. Because it feeds on that which gives meaning to life.

Freue mich sehr über Rückmeldung von Euch daher sagt mal habt ihr schon eines der Bücher gelesen bzw konnte ich euch Lust auf das eine oder andere machen?

Happy Reading 🙂

Lektüre April 2022

April war der Monat in dem ich Bücher schneller verliehen habe, als ich sie aufs obige Foto bekommen konnte. Verzeiht mir also die Unvollständigkeit, im Text gibt es noch die eine oder andere Empfehlung mehr.

Ich gehe hier diesen Monat mal alphabetisch durch, erscheint mir die logischste Variante. Den Anfang macht die von mir sehr verehrte:

Naomi Alderman – The Lessons auf deutsch erschienen unter dem Titel „Die Lektionen“ im Berlin Verlag, übersetzt von Christiane Buchner

Versteckt in einer Seitenstraße von Oxford liegt ein verfallenes georgianisches Herrenhaus, das nur die kennen, die einen Schlüssel zu seinem unscheinbaren Eingangstor besitzen. Sein Besitzer ist der tcharismatische Mark Winters, der es sich aufgrund eines überaus üppigen Familienvermögens leisten kann ein ziemlich wildes, üppiges und promiskuitives Leben zu führen. Mark schart eine Gruppe Studenten um sich: die glamouröse Emmanuella, die stets einen neuen Boyfriend im Schlepptau hat; Franny und Simon, beste Freunde und gelegentliche Liebhaber; die klassische Musikerin Jess sowie James, der sein erstes Jahr in Oxford nicht unbeschädigt überstanden hat und der endlich irgendwo dazugehören will.

There is no safety that does not also restrict us. And many needless restrictions feel safe and comfortable. It is so hard to know, at any moment, the distinction between being safe and being caged. It is hard to know when it is better to choose freedom and fear, and when it is simply foolhardy. I have often, I think, too often erred on the side of caution.

Eine Zeit lang leben sie in einer wunderbaren Bubble die aus Lernen, Partys, Alkohol und Liebesaffären besteht. Aber die Universität allein bereitet einen nicht auf das Erwachsenenleben vor, und als sie Jahre später von einer Tragödie heimgesucht werden, sind sie völlig unvorbereitet. Ein fesselndes Debüt mit ganz kleinen Schwächen dass von den Lektionen handelt, die das Leben oft er dann lehrt, wenn es (fast) zu spät ist.

Dark Academia Fans werden hier auf ihre Kosten kommen, es droht Gefahr, dass man Lust bekommt umgehend eine Reise nach Oxford zu buchen.

For this is the heart of the matter: disasters occur where accidents meet character.

A. S. Byatt – Possession auf deutsch erschienen unter dem Titel „Besessen“ im Suhrkamp Verlag, übersetzt von Melanie Walz

Dieses Buch habe ich mit Anfang 20 gelesen und heiß geliebt. So ein Buch dann nach Jahren ein zweites Mal zu lesen birgt ja immer gewisse Gefahren in sich. Den Umgang mit den LGBTQ+ Themen sehe ich heute etwas kritischer als damals, begeistert hat es mich aber auch beim erneuten Lesen.

Der junge Literaturwissenschaftler Roland Michell stößt auf einen unbekannten Liebesbrief des berühmten Dichters Randolph Henry Ash – ein sensationeller Fund und die große Chance für den perspektivlosen Forscher. Mit der Hilfe seiner Kollegin Maud Bailey versucht er, Ashs Geheimnis zu enthüllen. Bei der Jagd nach beweiskräftigen Dokumenten stürzen sich Roland und Maud in eine leidenschaftliche Affäre – und verstricken sich immer tiefer in ein Netz aus ominösen Intrigen und gefährlichen Verwicklungen: Denn sie sind nicht allein auf der Suche nach der geheimnisvollen Adressatin …

Now and then there are readings that make the hairs on the neck, the non-existent pelt, stand on end and tremble, when every word burns and shines hard and clear and infinite and exact, like stones of fire, like points of stars in the dark—readings when the knowledge that we shall know the writing differently or better or satisfactorily, runs ahead of any capacity to say what we know, or how. In these readings, a sense that the text has appeared to be wholly new, never before seen, is followed, almost immediately, by the sense that it was always there, that we the readers, knew it was always there, and have always known it was as it was, though we have now for the first time recognised, become fully cognisant of, our knowledge.

Rachel Carson – Silent Spring erschienen unter dem deutschen Titel „Der stumme Frühling“ im Beck Verlag, übersetzt von Margaret Auer

Der stumme Frühling» erschien erstmals 1963. Der Titel bezieht sich auf das Märchen von der blühenden Stadt, in der sich eine seltsame, schleichende Seuche ausbreitet. Das spannend geschriebene Sachbuch wirkte bei seinem Erscheinen wie ein Alarmsignal und avancierte rasch zur Bibel der damals entstehenden Ökologie-Bewegung.

Zum ersten Mal wurde hier in eindringlichem Appell die Fragwürdigkeit des chemischen Pflanzenschutzes dargelegt. An einer Fülle von Tatsachen machte Rachel Carson seine schädlichen Auswirkungen auf die Natur und die Menschen deutlich. Ihre Warnungen haben seither nichts von ihrer Aktualität verloren.

Ich war sehr erstaunt wie lesbar das Buch ist und wie aktuell die Thematik leider nach wie vor ist.

We stand now where two roads diverge. But unlike the roads in Robert Frost’s familiar poem, they are not equally fair. The road we have long been traveling is deceptively easy, a smooth superhighway on which we progress with great speed, but at its end lies disaster. The other fork of the road — the one less traveled by — offers our last, our only chance to reach a destination that assures the preservation of the earth.

Amanda Cross – Thebanischer Tod erschienen im Dörlemann Verlag, übersetzt von Monika Blaich und Klaus Kamberger

Kate Fansler nimmt eine wohlverdiente Auszeit mit ihrem frischgebackenen Ehemann Reed. Doch ihre gemeinsamen Martini-Abende werden von einer verzweifelten Bitte vom Theban, ihrer geliebten Alma mater, unterbrochen. Sie soll ein Seminar zu Antigone übernehmen.

Kate eilt zurück nach New York, wo ihre Schülerinnen nicht nur die Leuchtkraft Antigones kennenlernen, sondern auch gerade dabei sind, Sex und Drogen zu entdecken. Alles ist aufregend und abenteuerlich. Und dann wird auch noch eine Tote in einem Zeichensaal aufgefunden.

Da hat mich der Dörlemann mit diesem in einem Gewinnspiel gewonnen Buch aber auch direkt zum Kate Fansler-Riesenfan gemacht, die jetzt unbedingt auch alle anderen Bände lesen möchte. Was für eine großartige literarisch-feministische Lektüre, die bislang komplett an mir vorbeigegangen war. Ich habe kürzlich von einer Freundin „Writing a Woman’s Life“ geschenkt bekommen und war da zum ersten Mal Carolyn Heilbrun begegnet, die unter dem Pseudonym „Amanda Cross“ über Jahre Kriminalromane rund um Kate Fansler schrieb. Ob als Ms Heilbrun oder Ms Cross, eine kluge Autorin von der man lesen sollte was einem in die Finger gerät.

Ein Krimi – 1971 erschienen – der für meinen Geschmack nach wie vor aktuell ist und nicht schlecht gealtert ist.

Sehen Sie, Antigone steht für Liebe contra Tyrannei, für die Bewegungsfreiheit der Frau in einer männerdominierten Welt, für die Auseinandersetzung der Jugend mit dem Alter

Nivaq Korneliussen „Crimson“ auf deusch erschienen unter dem Titel „Nuuk #ohneFilter“ im Zaglossus Verlag

Niviaq Korneliussen ist in Nuuk geboren und in Nanortalik, einer Kleinstadt im Süden Grönlands, aufgewachsen. ‚Nuuk: ohne Filter‘, ihr Debütroman, wurde von der Danish Arts Foundation als ‚one of the season’s best books‘ prämiert und für den Literaturpreis des Nordischen Rates nominiert.

In Nuuk, Grönland …trennt sich Fia von ihrem Langzeitfreund und verliebt sich in Sara.

Sara hingegen ist in Ivik verliebt, der ein tiefes Geheimnis hat und im Begriff ist, sein Versprechen zu brechen.

Ivik kämpft mit seiner Geschlechtsdysphorie und dann ist da noch Inuk, der ebenfalls etwas zu verbergen hat und für ihn in Frage stellt, was es bedeutet, ein Grönländer zu sein, während Arnaq, die Partykönigin alles zu einem schockierenden Crescendo bringt.

Crimson ist fast eher eine Novelle als ein Roman voller Unruhe, Dunkelheit und Liebe – ein beeindruckendes Debüt in herausfordernder Form zu erzählt, bei dem ich nicht immer durchblickte, aber den ich doch gerne gelesen habe. Mein erster aber sicherlich nicht letzter Roman aus Grönland.

It was an honour to hold your heart, but my hands are all bloody, so you’d better take it or I’m gonna have to drop this sticky heart of yours.

Susanne Röckel – Der Vogelgott erschienen im Jung und Jung Verlag

Die Mitglieder einer wissenschaftlich orientierten Familie werden durch eine zufällige Entdeckung auf einem Kirchenbild in den schwer durchschaubaren Mythos eines Vogelgottes hineingezogen mit einem Sog, dem sie so wenig widerstehen können wie der Leser dieser Geschichte. Spätestens als sich herausstellt, dass dieser Mythos eben nicht nur ein Mythos ist.

Es ist eine sagenhafte, aber elende Gegend dieser Erde, wo die Verehrer des Vogelgotts leben, die ihm allerdings weniger ergeben als vielmehr ausgeliefert zu sein scheinen. In diesem unwiderstehlichen Roman entpuppt sich eine geheime Welt als die unsere, in der die Natur ihre Freundschaft aufkündigt und wir ihrer Aggression und Düsternis gegenüberstehen.

Hätten Mary Shelley, Edgar Allen Poe, HP Lovecraft und Kafka ein Kind – es wäre vermutlich „Der Vogelgott“ daraus entstanden – ein befremdliches, düsteres und irgendwie bedrohliches Werk. Lange hat mich ein Roman nicht mehr so sehr gegruselt.

Ihrer Arglosigkeit zum Trotz halte ich an dem fest, was meine Albträume zuverlässig überliefern. Ich kann nicht behaupten, dass ich über alles, wovon hier die Rede sein soll, präzises Wissen besitze. Vieles wird in der Schwebe bleiben, weil es mir im Studel von Ereignissen, die mich mit teuflischer Macht in ihrem Bann hielten, nicht immer gelang, kaltes Blut zu bewahren; und die papiernen Begriffe, die eine auf Lehrstühlen thronende „Wissenschaft vom Menschen“ für haarsträubende barbarische Gebräuche geprägt hat, wollen zu dem, was ich erlebte, nicht passen.

Das war wieder ein guter Lesemonat aber deutlich weniger Sachbücher dieses Mal. Ist etwas dabei was Euer Interesse wecken konnte oder kennt ihr schon das eine oder andere Buch? Freue mich über eure Kommentare.

Lektüre März 2022

Mich wieder vermehrt in Bücher verkrochen, um den Nachrichten weitestgehend zu entkommen. Ein guter Lesemonat mit einigen großartigen Büchern. Ich hoffe, ich kann Euch Lust auf das eine oder andere Buch machen.

Lighthousekeeping – Jeanette Winterson auf deutsch unter dem Titel „Der Leuchtturmwärter“ im Berlin Verlag erschienen, übersetzt von Monika Schmalz

Habe bislang jedes ihrer Bücher sehr sehr gerne gelesen. Lighthousekeeping war da keine Ausnahme. Was für eine schöne poetische, spannende Geschichte um die tutter- und ankerlose Silver, die vom „zeitlosen“ Mr. Pew, dem Wärter des Leuchtturms von Cape Wrath, aufgenommen wird. Pew erzählt Silver uralte Geschichten von Sehnsucht und Wurzellosigkeit, von Bindungen, die bleiben und von Entgleisungen, die jedes Leben mit sich bringt.

As for myself, I am splintered by great waves. I am coloured glass from a church window long since shattered. I find pieces of myself everywhere, and I cut myself handling them.

Plötzlich an jenem Abend – Daphne Du Maurier

Obwohl sie oft als romantische Autorin eingestuft wird, sind ihre Kurzgeschichten durchweg stimmungsvoll, düster und voller paranormaler Untertönen. Ihre Bestseller wurden von den Kritikern zunächst nicht ernst genommen, haben sich aber inzwischen einen bleibenden Ruf für ihr erzählerisches Handwerk erworben. Viele von ihnen wurden erfolgreich verfilmt, darunter die Romane Rebecca, Frenchman’s Creek, My Cousin Rachel und Jamaica Inn sowie die Kurzgeschichten „The Birds“ und „Don’t Look Now“.

Du Maurier verbrachte einen Großteil ihres Lebens in Cornwall, wo auch die meisten ihrer Werke spielen. Ich kann diese Kurzgeschichtensammlung nur jedem ans Herz legen, einfach unfassbar gut. Muss jetzt unbedingt Hitchcocks „Die Vögel“ nochmal ansehen, obwohl ich gemerkt habe, wie sehr du Mauriers Kurzgeschichte und die Verfilmung voneinander abweichen.

Nat listened to the tearing sound of splintering wood, and wondered how many million years of memory were stored in those little brains, behind the stabbing beaks, the piercing eyes, now giving them this instinct to destroy mankind with all the deft precision of machines.” (The Birds)

The Darkening Age – Catherine Nixey übersetzt von Cornelius Hartz unter dem Titel „Heiliger Zorn. Wie die frühen Christen die Antike zerstörten“. Deutsche Verlags-Anstalt

„The darkening age“ ist die weitgehend unbekannte Geschichte, wie eine militante Religion die Lehren der klassischen Welt umfassend und voller Absicht auslöschte und Jahrhunderte des bedingungslosen Festhaltens an dem „einen wahren Glauben“ einleitete.

Trotz der seit langem vorherrschenden Vorstellung, dass die frühen Christen sanftmütig und mild waren und in den Märtyrertod gingen, indem sie Hymnen der Liebe und des Lobes sangen, sieht die Wahrheit, wie Catherine Nixey zeigt, ganz anders aus. Sie waren alles andere als sanftmütig und mild, sondern gewalttätig, rücksichtslos und von Grund auf intolerant. Anders als in der polytheistischen Welt, in der die Hinzufügung einer neuen Religion keinen grundlegenden Unterschied zu den alten machte, erklärte diese neue Ideologie nicht nur, dass sie der Weg, die Wahrheit und das Licht sei, sondern auch, dass jeder andere Weg falsch sei und zerstört werden müsse. Vom 1. bis zum 6. Jahrhundert wurden diejenigen, die nicht mit ihren Überzeugungen konform gingen, auf jede erdenkliche Weise verfolgt: sozial, rechtlich, finanziell und physisch. Ihre Altäre wurden umgestürzt und ihre Tempel zerstört, ihre Statuen zerhackt und ihre Priester getötet. Es war komplette Auslöschung.

Anschaulich geschrieben und äußerst fesselnd – das bemerkenswerte Debüt einer brillanten jungen Historikerin.

It wasn’t just the fact that Christians were ignorant about philosophical theories that annoyed Celsus; it was that Christians actually reveled in their ignorance.

Sprache und Sein – Kübra Gümüşay erschienen im Hanser Verlag

Kübra Gümüşay beschreibt wie Sprache unser Denken prägt und unsere Politik bestimmt. Dieses Buch folgt einer Sehnsucht: nach einer Sprache, die Menschen nicht auf Kategorien reduziert. Nach einem Sprechen, das sie in ihrem Facettenreichtum existieren lässt. Nach wirklich gemeinschaftlichem Denken in einer sich polarisierenden Welt. Kübra Gümüşay setzt sich seit langem für Gleichberechtigung und Diskurse auf Augenhöhe ein. In ihrem ersten Buch geht sie der Frage nach, wie Sprache unser Denken prägt und unsere Politik bestimmt. Sie zeigt, wie Menschen als Individuen unsichtbar werden, wenn sie immer als Teil einer Gruppe gesehen werden – und sich nur als solche äußern dürfen.

Wer also trotz der Auseinandersetzung mit einer gerechteren Sprache auf der Verwendung ächtender Sprache beharrt, der bekennt sich zur Ächtung von Menschen und positioniert sich bewusst gegen Gerechtigkeit, gegen die Gleichstellung der Geschlechter – für rassistische, sexistische, menschenfeindliche Sprachnutzung.

Civilisations: How do we look – Mary Beard

Die renommierte Klassizistin Mary Beard hat diesen eleganten Band über die Art und Weise, wie wir Kunst betrachten, als prachtvoll illustriertes Begleitbuch zu den berühmten TV-Sendungen „How Do We Look“ und „The Eye of Faith“ konzipiert. In Teil I konzentriert sich Beard auf die Olmekenköpfe des frühen Mesoamerikas, die kolossalen Statuen des Pharaos Amenhotep III. und die Akte des klassischen Griechenlands.

In Teil II stellt Beard einige der atemberaubendsten religiösen Bilder vor, die je geschaffen wurden – ob in Angkor Wat, Ravenna, Venedig oder in der Kunst jüdischer und islamischer Kalligraphen -, um zu zeigen, dass alle Religionen, ob alt oder modern, bei dem Versuch, das Göttliche darzustellen, vor unlösbaren Problemen standen.

One of its (civilisations) most powerful weapons has always been ‚barbarity‘: ‚we‘ know that ‚we‘ are civilised by contrasting ourselves with those we deem to be uncivilised, with those who do not -or cannot be trusted to – share our values. Civilisation is a process of exclusion as well as inclusion. The boundary between ‚us‘ and ‚them‘ may be an internal one (for much of world history the idea of a ‚civilised woman‘ has been a contradiction in terms), or an external one, as the word ‚barbarian‘ suggests; it was originally a derogatory and ethnocentric ancient Greek term for foreigners you could not understand, because they spoke in an incomprehensible babble: ‚bar-bar-bar …‘ The inconvenient truth, of course, is that so-called ‚barbarians‘ may be no more than those with a different view from ourselves of what it is to be civilised, and of what matters in human culture. In the end, one person’s barbarity is another person’s civilisation.

The Origins of Species – Charles Darwin

OK – an dem Band habe ich schon eine ganze Weile lang hingelesen, aber es war jede Minute wert. Ein Buch das so viel einfacher und angenehmer zu lesen war, als ich es mir jemals hätte träumen lassen.

Darwins hervorragend lesbare Erforschung des Evolutionsprozesses gilt noch immer als eines der wichtigsten und bahnbrechendsten wissenschaftlichen Werke aller Zeiten und stellte die meisten festen Überzeugungen der westlichen Welt in Frage. Jahrhunderts wurden die Leser gezwungen, die Idee eines Schöpfers in Frage zu stellen, und sahen sich mit Darwins Theorien über die Gesetze der natürlichen Selektion und den Zufall der Evolution konfrontiert, was zu jener Zeit zu massiven Kontroversen führte. Darwins Theorien bilden jedoch auch heute noch das Rückgrat der modernen Biologie.

I think it inevitably follows, that as new species in the course of time are formed through natural selection, others will become rarer and rarer, and finally extinct. The forms which stand in closest competition with those undergoing modification and improvement will naturally suffer most.

Lilith’s Brood – Octavia E. Butler erschienen im Heyne Verlag „Die Genhändler“ Übersetzt von Barbara Heidkamp

Octavia Buttler veröffentlichte ihre Xenogenesis-Trilogie (später unter dem Titel Lilith’s Brood zusammengefasst) nachdem sie in den 1980er Jahren wichtige SciFi Preise wie den Hugo Award gewonnen hatte. In der Trilogie geht es um die Rettung der Menschheit nach einem verheerenden Krieg; die Überlebenden treffen auf eine Alien-Rasse, die ein drittes Geschlecht besitzt, welches nicht nur die anderen beiden Geschlechter mental miteinander verknüpfen, sondern sie auch genetisch verändern kann.

In der Xenogenesis-Trilogie werden die Themen Sexualität, Geschlecht, Rasse und Spezies erforscht. Die Oankali glauben, dass die menschliche Spezies einen unausweichlichen selbstzerstörerischen „Widerspruch“ zwischen ihrer hohen Intelligenz und ihrer hierarchischen Natur hat.

Eine der ungewöhnlichsten SciFi Stories die ich je gelesen habe.

Intelligence is relatively new to life on Earth, but your hierarchical tendencies are ancient.

Das Seelenhaus – Hannah Kent erschienen im Droemer Verlag übersetzt von: Leonie Reppert-Bismarck

Island 1828. Agnes ist eine selbstbewusste und verschlossene Frau. Sie wird als hart ­arbeitende Magd respektiert, was sie denkt und fühlt, behält sie für sich. Als sie des Mordes an zwei Männern angeklagt wird, ist sie allein. Die Zeit bis zur Hinrichtung soll sie auf dem Hof eines Beamten verbringen. Die Familie ist außer sich, eine Mörderin beherbergen zu müssen – bis Agnes Stück um Stück die Geschichte ihres Lebens preisgibt.

Atmosphärische düstere Geschichte, die noch lange nachklingt – habe ich sehr gerne gelesen. Eine ausführliche Besprechung findet ihr hier bei Constanze von Zeichen und Zeiten.

… Aber die Leute merken, daß ich denken kann, und sie finden, dass man einer denkenden Frau nicht trauen kann. Da ist für Unschuld kein Platz. So sieht’s aus, das ist die Wahrheit, Herr Pfarrer, ob´s Ihnen passt oder nicht. ….

Und – war diesen Monat etwas dabei worauf ihr Lust bekommen habt, oder habt ihr eventuell schon eines oder mehrere der Bücher gelesen? Bin gespannt auf Eure Rückmeldungen.