Dystopisch-Gruselige D(r)amen

Es ist kalt geworden in Berlin und in der Gesellschaft. Ein dystopischer Blick in eine Zukunft, die sich von unserer Gegenwart nur wenig unterscheidet. Die laute Propaganda einer faschistischen Partei, nicht unähnlich den Krakeelern der rechten Partei, mit der wir uns rumschlagen müssen, sondern die die Politik des ganzen Landes beherrscht. Mittendrin taumeln drei verlorene Menschen durch die Welt, die irgendwann anfangen, Fragen zu stellen.

Die Atmosphäre des Buches ist bedrückend und beängstigend. Burschi, Charlie und Charlotte fangen an Dinge, die sie anfangs einfach hingenommen haben, zu hinterfragen. Sie stellen mehr und mehr in Frage.

„Stück für Stück ergibt Sinn, was mir immer wie ein beinahe obszön chaotisches Strudeln und Schlingern erschienen ist: mein Leben eben. Ich hatte mich redlich darum bemüht, es irgendwie im Griff zu behalten, aussichtslos.“

Da ist Burschi, die Johanna liebt, gegen alle Widerstände, auch wenn sie dabei den starken Arm eines Staates zu spüren bekommt, der Anderssein nicht mehr duldet. Die für ihre Beziehung kämpft, auch wenn ihr die Angst im Nacken sitzt. Dann ist da Charlie, der in anarchischen Musikkreisen zwischen Joints und lauten Beats ein Praktikum macht, seine ganz eigene Weise hat, der allgegenwärtigen Überwachung zu entkommen und noch mit seiner Mutter zusammenwohnt, die ursprünglich in esoterischen Kreisen verkehrte und in diesem Regime zur Scharfschützin ausgebildet wurde. Charlotte beginnt ebenfalls, in ihrer Loyalität wankelmütig zu werden und droht dabei fast den Verstand zu verlieren.

„Ich streiche über seinen Ring und sage, Stimmt, ich bin vollkommen gaga. Trotzdem habe ich einen Sicherheitsdienst mit aufgebaut. Das sage ich stolz. Urs lacht, er findet das witzig, und seine Laune wechselt von finster über fidel zu hoppsfallera, als der Kellner ihm seinen Kaffee schließlich doch noch serviert. Ich arbeite wirklich bei der Bürgerwehr, ich bin Scharfschützin, das glaubt er mir endgültig nicht. Und womit schießt du, mit Keramikküken? Urs zieht groteske Grimassen und ahmt nach, wie ich seiner Vorstellung nach ein Gewehr halte und ziele.

Laura Lichtblau entwirft mit ihrem Debütroman „Schwarzpulver“ eine urbane erschreckend realistische Dystopie mit wunderschöner poetischer Sprache, die ich sehr gerne gelesen habe. Ein Buch das es wert ist langsam und konzentriert gelesen zu werden.

Schwarzpulver von Laura Lichtblau erschienen im C. H. Beck Verlag.

Ein mysteriöser Virus hat die Tierwelt bis an den Rand des Massensterbens ausgerottet. Da es keine Fleischquelle mehr gibt, hat sich die Menschheit dem Kannibalismus zugewandt, um ihren unaufhörlichen Hunger nach Fleisch zu befriedigen. Menschen werden nun domestiziert, in Massen produziert, geschlachtet und als „Spezialfleisch“ verkauft. Eingelegte Finger, gegrillte Rippchen, gebratene Zunge, serviert auf Kimchi und Kartoffelsalat, alles schön gewürzt mit Kräutern und Gewürzen.

Bazterrica zeigt uns eine Welt, in der der Kannibalismus regiert, der jetzt „Transition“ genannt und mit sprachlichen Euphemismen überdeckt wird, um ihn der Gesellschaft äh, schmackhaft zu machen.

„Auf dem Weg zur Innereienabteilung kommen sie am Zerlegerau vorbei. Die Schiene durchläuft alle Räume und befördert die Kadaver von einer Station zur nächsten. Durch die länglichen Fenster können sie beobachten, wie dem Weibchen, das Sergio betäubt hat, Kopf, Arme und Beine abgesägt werden“

Marcos, ein Mann, der in einer fleischverarbeitenden Fabrik arbeitet, findet sich plötzlich mit einem kostspieligen Luxusgeschenk wieder: ein speziell gezüchteter Mensch erstklassiger Qualität. Ein Geschenk, das ihn auf vielfältige Weise in diverse Dilemma stürzt und zum Nachdenken bringt. Er, der selbst ursprünglich mal auf dem Schlachthof seines Vaters das Handwerk des Schlachters (von Tieren) gelernt hat, kann schon seit einiger Zeit kein Fleisch mehr essen. Sein Job widert ihn mehr und mehr an und er versucht, einen Ausweg aus seiner schrecklichen, trostlosen, hoffnungslosen, dunklen Arbeitswelt zu finden.

Bei diesem Buch wurde mir beim Lesen teilweise wirklich schlecht. Das Buch ist natürlich ein Protest gegen die Massentierhaltung, aber man würde dem Buch unrecht tun, wenn man es auf eine Kritik an Fleischindustrie und Massentierhaltung verkürzen würde. Das Buch beschäftigt sich mit der Frage, was es bedeutet, ein Mensch zu sein und was wir billigend in Kauf nehmen, um unseren Fleischgenuss zu befriedigen.

Agustina Bazterricas Roman ist wahrscheinlich das verstörendste, was ich je gelesen habe, aber die Lektüre lohnt sich wirklich, sie traf mit der Veröffentlichung ihres Romans einen neuralgischen Punkt der argentinischen Kultur. Nach wochenlanger Platzierung auf der Bestsellerliste und der Verleihung des Premio Clarín, der wichtigsten literarischen Auszeichnung des Landes, gilt sie als eine der erfolgreichsten Autorinnen ihrer Generation.

Traut Euch und lest dieses Buch!

Wie die Schweine von Agustina Bazterrica erschienen im Suhrkamp Verlag übersetzt von Matthias Strobel.

Die Geschichte ist simpel, aber durchaus interessant. Wir befinden uns im Jahr 1933, als der Protagonist der Geschichte, Freddie, einen ganz besonderen Buchhändler besucht. Seine Unterhaltung mit dem Buchhändler geht zunächst ins Jahr 1928 zurück, in dem Freddie die französischen Pyrenäen besucht, um dort auf andere Gedanken zu kommen, sich von seiner Depression – ausgelöst durch den Tod seines Bruders während des 1. Weltkriegs – zu erholen. Von seinen Gastgebern im Gasthof eingeladen, beschließt er, dem Fest von St. Etienne beizuwohnen, einem Fest, das für die Bewohner des Dorfes eine besondere Bedeutung hat. Er trifft dort auf eine verführerische junge Frau, mit der er sich Stunden lang unterhält und nach einem seltsamen Überfall auf die festliche Runde die Nacht verbringt.

Mosse stellt in ihrem Roman einen jungen Mann in den Mittelpunkt, der den Tod seines Bruders nicht überwinden kann und sich auch Jahre später noch traumatisiert zurückgelassen und einsam fühlt. Solche starken Emotionen werden sonst eher weiblichen Charakteren zugeschrieben, es war eine willkommene Abwechslung, es hier einmal andersherum zu erleben. Freddie ist ein sehr einnehmender, sympathischer Charakter. Er ist ein Träumer, der mit der Realität und den Ansprüchen seiner Eltern nicht zu Rande kommt.

“The dead leave their shadows, an echo of the space within which once they lived. They haunt us, never fading or growing older as we do. The loss we grieve is not just their futures but our own.”

Der Roman beschäftigt sich mit der Frage was passiert, wenn wir mit einem vorzeitigen, tragischen Tod konfrontiert werden? Wie lernen wir damit zu leben? Wie gehen wir damit um, wenn die Schatten der Toten den Lebenden die Kraft nehmen weiterzuleben? Wie in ihrem berühmten Roman „Labyrinth“ kehrt Mosse wieder nach Frankreich und den Katharern zurück.

Die Autorin macht Lust auf eine Reise ins verschneite Südfrankreich, auf geheimnisvolle Höhlen und tragische Karthager. Die Stimmung war wohlig mysteriös, wenn auch nicht wirklich gruselig. Eine leichte Lektüre, perfekt für einen verschneiten Sonntagnachmittag.

Winter Ghosts erschien auf deutsch unter dem Titel Wintergeister im Droemer Knaur Verlag. Übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann.

Ich hoffe ich konnte euch etwas Lust machen auf zwei herausfordernde Dystopien und einen gemütlichen Gruselschinken. Habt ihr noch Empfehlungen für gute Dystopien oder spannenden Grusel?

Polarexpedition – Teil II

Ich hoffe, alle sind aufgewärmt und bereit für die finale Etappe unserer Polarexpedition. Pünktlich zum Ende der Expedition hat es auch ordentlich geschneit in München und so für echtes Polarfeeling gesorgt.

Wir starten unsere Reise heute mit einem Buch über den Hjalmar Johansen, den stets im Schatten stehenden Begleiter berühmter Polarforscher wie Fridtjof Nansen oder Roald Amundsen.


Die Geschichte von Nansens und Johansens Reise an den Rand des Pols ist spannend wie ein Krimi. Vielleicht, weil es um etwas so Grundlegendes wie das Überleben geht. Mensch gegen Natur. Der Kampf des Menschen gegen sich selbst. Hjalmar Johansen hat es verdient, aus dem Schatten von Nansen und Amundsen herauszukommen. Johansen hatte seine Schwächen, aber er hatte die Behandlung von Amundsen nach der Südpol-Expedition nicht verdient.

Amundsen wollte sein Gesicht wahren und konnte nicht riskieren, dass seine fragwürdigen Entscheidungen nach der Expedition in Frage gestellt wurden. Er beschuldigte Johansen der Meuterei und sorgte damit für dessen unaufhaltsamen Niedergang.

Hjalmar Johansen teilte Rückschläge, Entbehrungen und Gefahren mit Amundsen und Nansen. Mit letzterem überwinterte er neun Monate in einer Hütte am Nordpol und rettete auf der Südpolexpedition gar einen Kameraden vor dem Tod. Doch all das zählte nichts mehr, auf ewig sollte ihm die nachgesagte Meuterei nachhängen.

Das Buch ist eine gelungenen Mischung aus Biografie und Abenteuerroman, in dem Johansens Leben und Schicksal erzählt wird. Spannend und traurig zugleich.

Nach der zum Ende hin doch recht deprimierenden Lektüre wurde mir beim Einblick des 580 Seiten Wälzers von Hampton Sides doch etwas mulmig. Würde ich noch mal soviel Geduld aufbringen, mich über Tage in ein weiteres Polar-Abenteuer zu stürzen?

Erfreulicherweise hat Hampton Sides es mir einigermaßen einfach gemacht. Das Buch liest sich leicht und flüssig und es dauert auch einige Hundert Seiten, bis die eigentliche Polarfahrt beginnt. Ein Umstand, der andere vielleicht stört, ich fand die interessanten Erzählungen rund um die eigentliche Geschichte ganz interesant.

„Die Polarfahrt“ erzählt die wahre Geschichte der Polarexpedition der U.S.S. Jeanette aus dem Jahr 1897. Die Expedition wurde von der U.S. Navy geleitet, aber von dem wohlhabenden, unkonventionellen James Gordon Bennett Jr. finanziert, dem der New York Herald gehörte. Bennett war es, der seinerzeit Stanley ausgesandt hatte, um Livingstone zu finden, ein Zeitungsmann, der zu den Mitbegründern des Sensationsjournalismus zählen kann.

Die Expedition stach von San Francisco aus unter dem Kommando von Lieutenant Commander George De Long in See, der bereits seinen Mut und seine Geschicklichkeit auf den Eisschollen der Arktis bewiesen hatte. Das Schiff kam nicht weit, bevor es nordöstlich der Wrangel-Insel im Packeis festsaß.

Fast zwei Jahre lang driftete die Jeanette dann in nordwestlicher Richtung. Das Schiff war für das Eis konstruiert, gut ausgerüstet und die Männer meisterten die Situation mit bemerkenswerter Souveränität. Die größte Prüfung, der sie in dieser Zeit ausgesetzt waren, waren Irritation und Genervtheit untereinander.

Dann, am 12. Juni 1881, wurde die Jeanette vom unerbittlichen Druck des Eises zerdrückt und sie sank auf den Meeresgrund. Alle 33 Besatzungsmitglieder überlebten den Untergang. Es gelang ihnen auch, einen ordentlichen Vorrat an Proviant und drei kleine Boote zu bergen. Nun begann das eigentliche unerbittliche Abenteuer. Eine Reise von Hunderten von Meilen über ein zugefrorenes Meer, durch ein endloses Eislabyrinth. Sie überwanden Hunger und Stürme, Blindheit und Verzweiflung. Einer hatte sogar eine fortschreitende Syphilis, was wahrscheinlich schon auf dem Festland und in der Zivilisation schlimm genug ist, ich mag mir gar nicht vorstellen, wie man es aushält, wenn man damit in einer Eiswüste unterwegs ist. Die meisten schafften es nie wieder nach Hause.

Sides erzählt diese Geschichte überaus spannend. Das fängt schon bei seinen Charakterisierungen an, die meiner Erachtens tiefgründig und rund sind. Zum Beispiel Bennett, dem Organisator der Expedition. Das Wort Exzentriker wird ihm nicht wirklich gerecht, er ist ein Mann, der einen Fake-Artikel brachte über Tiere, die aus dem Zoo entkommen und Amok laufen, der seine Verlobte loswurde, weil er in ihren Flügel urinierte. Oder auch August Petermann, der ziemlich seltsame deutsche Kartograph, der glaubte, dass warme Meeresströmungen für ein offenes Polarmeer sorgen, der endlose Vorträge hielt und Schriften veröffentlichte zum Thema Polarexpeditionen, ohne jemals groß aus Deutschland herausgekommen zu sein (außer einem kurzen Ausflug zur Weltausstellung nach Chicago) und nicht zuletzt Emily De Long, die Frau des Kommandanten, die zahllose ergreifende Briefe schrieb, ohne einen sicheren Bestimmungsort zu haben, an den sie geschickt werden konnten. Eine sehr intelligente interessante Frau, die ihren Mann immens unterstützte.

USS Jeanette

Die Besatzung der Jeanette kommt einem nach über 500 Seiten vor wie alte Kumpel. Da ist Melville, der Chefingenieur, eine Art MacGyver des 19. Jahrhunderts; Nindemann, der herzliche Quartiermeister oder Jerome Collins, ein Meteorologe, Herald-Korrespondent und Meister des Wortspiels. Das ruhige Zentrum dieses Sturms ist jedoch Commander De Long. Auf Fotos wirkt er nicht unbedingt imposant; eher gelehrt und intellektuell, aber er war unfassbar mutig und zäh wie die Hölle.

Die Schilderung des Lebens an Bord, nachdem sich die Jeanette im Eis verkeilt hat, ist wirklich faszinierend. Tage, Monate, Jahre vergingen und die Männer blieben an Ort und Stelle, jagten, machten wissenschaftliche Messungen, trainierten, feierten Urlaub und bewegten sich langsam wie im Rhythmus des Meeres. Der Treck der Besatzung nach dem Untergang der Jeanette wird in quälenden Details erzählt. Man ist hautnah dabei, wie ihre Überlebenschancen schwinden.

Es hilft, dass Sides eine gute historische Grundlage hat, mit der er arbeiten kann. Als die Franklin-Expedition verschwand, gab es keine Überlebenden, die die Geschichte erzählen konnten, und nur wenige Beweise. Hier überlebten ein paar Männer, die erklären konnten, was genau passiert war. Bücher wurden von den Überlebenden geschrieben und der Kapitän De Long hatte ganz außergewöhnliche Anstrengungen unternommen, um die Logbücher und Tagebücher der Expedition zu retten – selbst in Kauf nehmend, dass es seine Rettung behindern könnte. Daher gab es eine Fülle von Augenzeugenberichten, die dieser Geschichte große Tiefe verleihen.

De Longs Mission hat etwas fast Perverses an sich. Sie segelten nach Norden, wohl wissend, dass sie im Eis stecken bleiben würden, aber sie taten es trotzdem, auf der Suche nach einer Chimäre, einem von Eis umgebenen Warmwasser-Ozean. Der Drang, unbedingt auch etwas Großes zu leisten, die Panik, dass fast jede Ecke der Welt schon entdeckt, der amerikanische Bürgerkrieg beendet und Männer wie De Long Sorge haben, mit ihren tapferen Vätern und älteren Brüdern nicht mithalten zu können.

Die Jeanette-Expedition widerlegte die Idee des Warmwasser-Ozeans, kartographierte einige Inseln, aber nichts von dem, was sie taten oder entdeckten, war es wert, dafür sein Leben zu lassen.

Nach diesen zwei eher deprimierenden, wenn auch spannenden Büchern über vergangene Polarexpeditionen, hoffte ich bei meinem letzten Abenteuer, dem einzigen Roman in meiner Sammlung, auf etwas mehr Leichtigkeit.

Zwei Antarktis-Expeditionen, die ein Jahrhundert auseinander liegen. Die erste, die in einer Katastrophe endete, ist der Stoff, aus dem Legenden und Jokes unter einer Gruppe moderner Forscher sind, die auf der Aegeus, einer fiktiven Antarktisbasis, stationiert sind.

Im Jahr 1913 brechen drei Männer in einem Beiboot vom Hauptschiff aus auf, um die Insel Everland zu erforschen: der hartgesottene, berechnende Erste Offizier Napps, der geradlinige, furchtlose Millet-Bass und der zarte Dinners, der so unbedarft ist wie ein frischgeschlüpfter Welpe. Ein Sturm lässt sie auf der Insel stranden, und nur Dinners wird Wochen später lebend gefunden, als die Rettungsmannschaft sie endlich erreichen kann. Napps‘ Tagebücher überleben, aber die Wahrheit, die sie enthüllen, ist umstritten. Was wirklich auf der Everland-Expedition geschah, bleibt auf der Insel und wird erst 100 Jahre später teilweise ans Licht kommen.

Einhundert Jahre später brechen drei weitere Abenteurer zu einer Jubiläumsexpedition nach Everland auf: Decker, der auf seiner letzten Antarktis-Reise ist; er ist müde, aber unbestreitbar der Anführer. Dann ist da Jess, eine zähe, super kompetente Feldassistentin und Brix, eine Forscherin, die zu Ungeschicklichkeiten neigt.

Der Roman bewegt sich zwischen diesen beiden Expeditionen hin und her und lässt Spannungsbögen entstehen, die das Buch zu einem kalten und verzweifelten Thriller werden lassen. Die körperliche Anstrengung des Überlebens wird anschaulich geschildert und die Qualen der Isolation am eisigen Ende der Welt, wenn man nicht einmal den Menschen wirklich traut, die das eigene Überleben in den Händen halten, wird nervenaufreibend und herzzerreißend von Rebecca Hunt erzählt.

Noch fesselnder sind die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Expeditionen und wie wenig sich auf Everland in den dazwischen liegenden Jahren verändert hat: Eine Flechte, auf die beide Teams gestoßen sind, ist tausend Jahre alt und wächst in einem Jahrhundert um einen Millimeter, ein Stück Butter behält seine Messerabdrücke über Jahrzehnte hinweg, ein eingefrorener Körper, der nach all den Jahren unheimlich unverändert ist.

Rebecca Hunts Sprache ist spartanisch und unaufgeregt. Ihr schräger Humor und ihre straffen Dialoge passen verleihen der Geschichte einen Hauch von verzweifelter Schönheit. Auch das letzte Buch meiner Polarexpedition stellt sich als hervorragende und spannende Lektüre raus.

So – wir haben es gemeinsam geschafft. Alle Expeditionsmitglieder sind wieder heil zu Hause angekommen. Wer noch immer nicht genug hat, den lade ich ein, meinen kurzen eisigen Trip vom letzten Jahr anzuschauen. Dafür bitte hier entlang.

Ich habe bereits einen tollen Tipp für die nächste Expedition bekommen (The Terror von Dan Simmons), ich sehe mich auch zwischen Ende des Jahres 2021 wieder in eisige Fernen aufbrechen. Wenn euch also sonst noch entsprechende Buchtipps einfallen – gerne her damit.

Polarexpedition – Teil 1

Ein Wunder, dass ich diesen Trip ohne eigene Erfrierungen, Schneeblindheit und Skorbut überstanden habe. Das war eine der intensivsten literarischen Expeditionen, die ich bisher unternommen habe.

Ein Jahr, in dem wir überhaupt nicht reisen konnten, wollte ich zumindest literarisch mit einer einzigartigen Expedition enden lassen und da das heimische Bücherregal gleich 6 Polarbücher vorzuweisen hatte, nutzte ich die ruhige Zeit zum Ende des Jahres, um mich an die eisigen Enden der Welt zu begeben.

Ich hatte mich sehr auf die Bücher gefreut, denn ich muss zugeben, ich habe ein Faible für zermürbende Polarexpeditionen und gelegentlich katastrophale Seereisen des 19. und frühen 20. Jahrhundert. Dachte aber, dass das eine oder andere Buch vielleicht auch etwas zäh werden würde. Ich war dann aber doch überrascht, wie unglaublich gerne ich alle 6 Bücher gelesen habe, die jedes für sich schon geografisch jeweils andere Ecken bereisten, die aber auch zeitlich und vom Kontext her sehr unterschiedlich waren.

Zieht euch warm an, vergesst die Handschuhe nicht – es wird kalt. Den Anfang macht der glücklose Shackleton:

Shackletons erste Erfahrung mit den Polarregionen war als dritter Offizier der Discovery-Expedition von Kapitän Robert Falcon Scott in den Jahren 1901-1904, von der er aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig nach Hause geschickt wurde, nachdem er und seine Begleiter Scott und Edward Adrian Wilson einen neuen Südrekord aufgestellt hatten, indem sie bis zum Breitengrad 82°S marschierten.

Im Frühjahr 1912 erreichte die Welt die Nachricht, dass Roald Amundsen den Südpol erobert hatte. Shackleton betitelte seinen neuerlichen Anlauf zum Südpol selbstbewusst mit Imperial Trans-Antarctic Expedition.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte Shackleton zwei Schiffe und Besatzungen ausgerüstet, um eine Kontinentaldurchquerung der Antarktis zu versuchen. Er bot an, die Expedition abzubrechen, wurde aber von Winston Churchill angewiesen, sie fortzusetzen. Bekanntermaßen fand die Überquerung nie statt. Was geschah, war ein zunehmend verzweifelter Überlebenskampf der beiden Schiffsbesatzungen auf entgegengesetzten Seiten des polaren Kontinents.

Das Buch besteht größtenteils aus Auszügen aus Shackletons eigenem Tagebuch und den Tagebüchern einiger der anderen Expeditionsmitglieder, die zu einer Erzählung zusammengefügt wurden. Shackleton schildert die Probleme, mit denen seine Seite (die Weddellmeer-Seite) der Expedition konfrontiert war. Sein Schiff, die Endurance, blieb im Januar 1915 im Meereis stecken, wo es langsam über das Weddellmeer trieb, bis es im November desselben Jahres zerschellte und sank. Shackletons Mannschaft kampierte auf dem sich bewegenden Eis bis zum April 1916, als ihre Eisscholle auseinanderbrach und sie in die geborgenen Schiffsboote gezwungen wurden, um eine erschütternde fünftägige Seereise zum trockenen Land von Elephant Island zu unternehmen.

Shackleton war äußerest emphatisch und hatte stets das Leiden seiner Männer vor Augen. Die ständige extreme Kälte und das grausame Wetter, die schlechten Rationen (einschließlich der Zeiten, in denen die Männer nach dem Tod der Hunde mit einem einzigen Keks und einem Becher Kakao pro Tag in Knochenarbeit die Schlitten ziehen mussten), Erfrierungen, Langeweile, Skorbut, Schneeblindheit, Erschöpfung – die Palette der Probleme, die sich den Männern in den Weg stellten, schien fast unüberwindbar und doch hielt Shackleton seine Gruppe irgendwie zusammen, um gemeinsam das Überleben zu sichern.

Teile der Geschichte sind ganz unfassbar britisch:

„Die Endurance ist gesunken, aber wir haben den Wimpel des Royal Yacht Club gerettet.“

Symbole sind wichtig – insbesondere, als sie nach dem Untergang fast ihr gesamtes persönliches Hab und Gut wegwerfen mussten, wusste Shackleton, wie wichtig es war, zumindest einige wenige Gegenstände zu behalten, wie z.B. den Wimpel, eine Enzyklopädie, die Pfeifen der Männer, um ein winziges Maß an Normalität für die dunklen Tage zu haben, die vor ihnen lagen.

Als im Lager auf Elephant Island irgendwie keine Hoffnung mehr aufkommen wollte und einige der Männer ihrem geschwächten Zustand und den Depressionen erlagen, ließen Shackleton und eine freiwillige Mannschaft das Schiff, die James Caird, zu Wasser. Mit diesem Schiff – nur wenig größer als eine Segeljolle – segelten sie 800 Meilen nach Südgeorgien, wo sie dank der hervorragenden Navigationskenntnisse des Endurance-Kapitäns Frank Worsely ankamen. Allein diese Reise durch den eisigen, sturmgepeitschten, bergigen Südozean würde für eine heldenhafte Überlebensgeschichte reichen – doch nach der Landung auf der falschen Seite von Südgeorgien müssen die Männer auch noch einen langen und gefährlichen Marsch unternehmen, um die Walfangstation zu erreichen und endlich Hilfe zu bekommen.

Die Bedingungen, denen sich die Besatzung der Aurora auf der anderen Seite des Kontinents im Rossmeer ausgesetzt sah, waren nicht weniger unglaublich. Die Besatzung folgte hier den Spuren von Kapitän Scott und legte Lebensmittel- und Treibstoffdepots an, die Shackletons Gruppe bei der Überquerung des Kontinents finden sollte. Die Aurora wurde aus ihrer Verankerung gerissen und trieb schwer beschädigt, bis die Besatzung sie nach Neuseeland brachte. Während Shackleton die Rettung für die Mannschaft auf Elephant Island organisierte, organisierte die Besatzung der Aurora eine Rettung für ihre Kameraden auf dem Eis nahe Ross Island.

„Mit der Endurance ins ewige Eis“ ist eine großartige Geschichte über den Überlebenswillen, darüber, was Menschen aushalten können, wenn sie mit Extremen konfrontiert werden, wenn es viel einfacher gewesen wäre, sich einfach hinzulegen und aufzugeben, als weiterzukämpfen, Tag für Tag, Monat für Monat entstanden. Das Buch ist eine sehr inspirierende Lektüre, nur das Nachwort deprimiert, denn nachdem sie gerettet wurden, meldete sich fast jeder aus der Mannschaft direkt zum Militärdienst im Ersten Weltkrieg…

Nach dieser tragischen Geschichte, ging es dann glücklicherweise etwas weniger dramatisch aber dennoch spannend mit der großartigen Christiane Ritter weiter, die sich allen Widrigkeiten zum Trotz den Konventionen widersetzte, jedes Risiko ignorierte und ihrem Mann zu einer Expedition nach Svalbard folgte, mitten ins Herz der Arktis.

Christiane Ritter, eine österreichische Malerin, die im Jahr 2000 im Alter von 103 Jahren starb, fuhr 1934 nach Norwegen und fand ein Land von immenser Schönheit, still und ursprünglich. Ihr Bericht über das Jahr, das sie in Svalbard verbrachte, ist eine wunderschöne Hommage an die ganz besondere Landschaft der Arktis.

“Der Konflikt zwischen dem schwächer werdenden Licht des Tages und dem triumphierenden Licht des Mondes schafft verwirrende Kontraste in der sehr klaren, gewaltsam kahlen Landschaft. Immer wenn sich der Himmel aufhellt, entstehen neue Szenen.“

Ihre Beschreibungen, wie zum Beispiel zu den Vorbereitungen für den Winter, der Jagd, der ihr bis dahin völlig unbekannten Tiere, der Pracht der Fjorde, sind faszinierend, aber nichts ist vergleichbar mit den Kapiteln, die der „Fortvilelse“, der Polarnacht gewidmet sind, dem Zauber, der verwirrenden und bedrohlichen Herrlichkeit der Nacht, die niemals endet. Sie beschreibt den letzten Moment vor dem Sonnenuntergang und das Warten auf die monatelange Dunkelheit so anschaulich und fast bedrohlich, dass es einem selbst im warmen Lesesessel fröstelt. Der Rauch, der sich am Boden und an den Wänden der Hütte festsetzte, die schwarze Landschaft, die nur vom Sternenlicht erhellt wurde, Karls Lieder in der Stille der ewigen Nacht … Ritter schafft Bilder, die man nicht so schnell vergisst.

‚Geh nicht allein spazieren“, sagt Karl. “Es ist eine gefährliche Zeit. Sieben Wochen vor Weihnachten werden die Gräber in Svalband geöffnet.“

Die winzige Hütte in der Christiane Ritter mit ihrem Mann und Karl für ein Jahr lebte

Ritter erzählt von Karls Geschichten und den Sagen der Matrosen, die – kaum überraschend – von die Tod und den Geistern der Toten handeln. Passende Geschichten, die aus einem Land stammen, in dem die unendliche Nacht regiert, in dem die Schatten unter der Aurora Borealis vorbeihuschen und nur überlebt, wer sich genug Vorrat für den Winter angelegt hat.

Ritter beschreibt nicht nur anschaulich, wie sie sich anpasst und von einer Hausfrau zu einer abgebrühten, cleveren Arktisjägerin wird, sondern auch über die erschreckende Kraft und Schönheit der Polarlandschaft. An dunklen, eisigen Tagen wird das Land zu einer berauschenden Mondlandschaft, das gefrorene Meer glänzt wie ein riesiger Opal und ein wütender Schneesturm fühlt sich furchterregend aber auch berauschend an.

Ein wunderschönes, kleines Büchlein, das wunderbar gealtert ist und große Lust macht auf eisige Spaziergänge und Dokumentationen über Eisbären und Arktis.

Abschließen möchte ich den ersten Teil unserer Expedition mit einem Buch von Arthur Conan Doyle, der als junger Mann ein paar Monate als Schiffsarzt an einer Polarexpedition teilnahm, lange bevor Sherlock Holmes das Licht der Welt erblickt hatte.

1880 begab sich Arthur Conan Doyle, damals noch ein junger Medizinstudent, in das „erste wirklich herausragende Abenteuer“ seines Lebens, indem er als Schiffschirurg auf einem arktischen Walfänger anheuerte. Die Reise führte ihn in unbekannte Regionen, stürzte ihn in dramatische Erlebnisse und machte ihn bekannt mit der gefährlichen Arbeit auf den Eisschollen der Arktis. Die Mannschaft taufte ihn „Großer Taucher“ weil er häufig von den rutschigen Eisschollen ins Meer rutschte und dann samt Klamotten ins Bett gelegt wurde, damit diese auftauen und er sie ausziehen konnte. Seine Zeit an Bord der „Hope“ war, wie er später schrieb, „ein seltsames und faszinierendes Kapitel meines Lebens“.

Das Tagebuch, das er an Bord des Walfängers führte, blieb mehr als ein Jahrhundert lang unveröffentlicht.

Er war auf einem Walfänger, daher gibt es natürlich jede Menge Passagen über das Harpunieren von Walen, das Erschlagen von Robben und das Erschießen von Eisbären – das sollte man einigermaßen ausblenden können…

Conan Doyle sah seine arktische Reise für den Rest seines Lebens als eine seiner bedeutendsten Lebenserfahrungen an. Er war immer schon sportbegeistert und liebte körperlichen Aktivitäten – er boxte auf dem Schiff mit einem Offizierskollegen und im März 1893 war Doyle der erste Brite, der eine Tagestour im Skilanglauf absolvierte. In Erinnerung an diese Leistung benannte der australische Polarforscher Douglas Mawson den Doyle-Gletscher in der Antarktis nach ihm.

Das Buch ist ein kleines Juwel und bietet einen spannenden Einblick in diesen faszinierenden Schriftsteller, der ein langjähriges Interesse an mystischen Themen hatte und von der Idee paranormaler Phänomene fasziniert blieb, auch wenn die Stärke seines Glaubens im Laufe der Jahre periodisch zu- und abnahm.

Conan Doyles Aufzeichnungen über seine Walfangreise bilden den größten Teil dieses wunderschönen Buches aus dem Mare-Verlag, aber er enthält auch zwei Kurzgeschichten, „Der Kapitän der Polestar“ und die von der Arktis inspirierte Sherlock-Holmes-Geschichte „Das Abenteuer des Schwarzen Peter“.

So – jetzt könnt ihr euch ein wenig aufwärmen, ein paar Vitamine essen und einen heißen Grog trinken, in ein paar Tagen nehme ich euch auf den zweiten Teil der Polarexpedition mit.

Habt ihr noch Lust?

The Pull of the Stars – Emma Donoghue

Dublin, 1918: drei Tage auf einer Entbindungsstation auf dem Höhepunkt der Influenza Pandemie. Ein Mikrokosmos aus Arbeit, Risiko, Tod und unerwarteter Liebe.

In Irland, das nicht nur vom Krieg, sondern auch von Krankheit heimgesucht wird, arbeitet die Krankenschwester Julia Power in einem unterbesetzten Krankenhaus im Stadtzentrum, wo werdende Mütter, die an der schrecklichen neuen Grippe erkrankt sind, gemeinsam unter Quarantäne gestellt werden. In Julias reglementierte Welt treten zwei Außenseiter – die Ärztin Kathleen Lynn, die auf der Flucht vor der Polizei ist, und eine junge freiwillige Helferin, namens Bridie Sweeney.

I found myself wondering who’d put us all in the hands of these old men in the first place.

In der Dunkelheit und Intensität dieser winzigen Station verändern diese Frauen über drei Tage hinweg ihr Leben auf unerwartete Weise. Sie verlieren Patienten an diese rätselhafte Pandemie, aber sie bringen auch neues Leben in eine von Angst erfüllte Welt. Mit viel Zärtlichkeit und unermüdlicher Menschlichkeit leisten die Pflegerinnen und Mütter ihre Arbeit, in der Hoffnung, dem Tod möglichst häufig ein Schnäppchen zu schlagen.

Die Grippe von 1918 war eine verheerende Pandemie. Noch während sich die Menschen auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs gegenseitig umbrachten, verbreitete sich ein noch weitaus tödlicherer Killer von Mensch zu Mensch – dieses Mal durch Berührungen, Liebe und Mitmenschlichkeit. Durch das Verbot von Verhütungsmittel durch die katholische Kirche, dem sozialen Druck, Babys zu gebären (mehr als zehn waren die Norm), sexuellem Missbrauch in religiösen Institutionen und in den Magdalenenheimen, einer Müttersterblichkeitsrate von 15% UND der Pandemie, war dies die wahrscheinliche ohnehin schrecklichste Zeit, eine Frau zu sein. Wer dann auch noch schwanger war, konnte einem nur leid tun.

Nurse Power sieht Mütter, die versuchen und teilweise scheitern, ihr zwölftes Kind oder so zu gebären, weil ihre Körper einfach nicht mehr können. Sie sieht junge Opfer von sexuellem Missbrauch, die gezwungen werden, die Babys ihrer männlichen Verwandten zu gebären, die sie vergewaltigt haben. Sie sieht die „gefallenen Frauen“ aus den Magdalenenheimen, die gezwungen werden, ihre Babys abzugeben. Sie sieht Missbrauchsopfer, die Angst haben, wieder gesund zu werden und das Krankenhaus zu verlassen.

She murmured, We could always blame the stars. I beg your pardon, Doctor? That’s what influenza means, she said. Influenza delle stelle—the influence of the stars. Medieval Italians thought the illness proved that the heavens were governing their fates, that people were quite literally star-crossed. I pictured that, the celestial bodies trying to fly us like upsidedown kites. Or perhaps just yanking on us for their obscure amusement

Ein Großteil des Grauens, das in Nurse Powers Krankenzimmer geschieht, hat seine Wurzeln im Machtmissbrauch, in religiöser Heuchelei und einer verheerenden Sozialpolitik. Donoghue hat eine Menge historischer Fakten mit ihrer Geschichte verwoben, einschließlich der Figur der Ärztin, Kathleen Lynn, die ich vorher nicht kannte. Die romantische Nebenhandlung störte nicht weiter, tauchte aber völlig aus dem Nichts auf, ohne dass vorher auch nur ansatzweise ein Knistern zu spüren gewesen wäre.

I seem to have stumbled onto love, like a pothole in the night.

In The Pull of the Stars findet Emma Donoghue wieder einmal Licht in der Dunkelheit. Es ist ein Buch das uns zeigt, dass wir mit „unserer“ Pandemie noch fast Glück haben, denn es hätte uns noch viel schlimmer treffen können. Ein Buch voller Hoffnung und eine Hymne auf das Überleben gegen alle Widrigkeiten.

Nach der Lektüre empfehle ich diese kurze Dokumentation über die Ärztin, Kathleen Lynn, eine wirklich interessante Persönlichkeit.

Piranesi – Susanna Clarke

Es ist unmöglich, die Handlung zu beschreiben, ohne sie zu verraten, und der Spaß an diesem Buch ist die Klarheit, die man als Leser langsam, nach und nach erlangt, immer nur ein paar Schritte vor dem optimistischen und naiven Erzähler Piranesi, der eine schöne, aber einsame Welt bewohnt.

Diese Welt ist ein Haus aus endlosen Räumen mit Statuen und Gezeiten, die durch leere Hallen brausen. Die Räume des Hauses sind unendlich, seine Korridore endlos, die Wände sind mit Tausenden und Abertausenden von Statuen gesäumt, eine jede anders als die andere. Im Labyrinth der Säle ist ein Ozean gefangen, Wellen donnern die Treppen hinauf, Räume werden im Nu überflutet. Aber Piranesi hat keine Angst, denn er versteht die Gezeiten, so wie er das Muster des Labyrinths selbst zu lesen versteht. Er lebt, um das Haus zu erforschen.

I was in a house with many rooms. The sea sweeps through the house. Sometimes it swept over me, but always I was saved.

Er ist ihr einziger Bewohner, neben der geheimnisvollen Figur namens The Other, ein älterer Mann, der auf der Suche nach einer großen Macht durch die Hallen streift. Die beiden Männer treffen sich zweimal in der Woche, um zu besprechen, was sie entdeckt haben, obwohl The Other vielleicht nicht ganz das ist, was er vorzugeben scheint.

Piranesi kann sich nicht an ein Leben vor dem Haus erinnern, führt aber ein detailliertes Tagebuch über seine Zeit dort und kommt zu dem Schluss, dass er Mitte dreißig sein muss und mehrere Jahre dort draußen in der Welt gelebt hat. The Other hat ihn Piranesi genannt, nach Giovanni Piranesi, einem italienischen klassischen Archäologen, Architekten und Künstler, der für Zeichnungen von fantastischen Labyrinthen und Gefängnissen bekannt ist.

“The Beauty of the House is immeasurable; its Kindness infinite.”

Piranesi kennt das Haus in- und auswendig und katalogisiert alles, was er über es weiß. Er liebt das Haus und fühlt, dass es auch ihn liebt. Die Welt fühlt sich vollständig und ganz an, und „ich, ihr Kind, füge mich nahtlos in sie ein“, schreibt er. Er schaut auf die Statuen als Wegweiser und findet in ihnen Botschaften der Hoffnung und Stärke. Das Haus gibt ihm Nahrung, gibt ihm Wetter, gibt ihm einen Sinn, auch wenn es nur der ist, als Bewohner des Hauses zu dienen. Er hat sich dem Rhythmus des Hauses angepasst und sogar seinen eigenen Kalender, um die Ereignisse des Hauses herum erstellt – der Roman spielt im Jahr, in dem der Albatros in die südwestlichen Hallen kam.

“Perhaps even people you like and admire immensely can make you see the World in ways you would rather not.

Piranesi ist eine wilde, verrückte und surreale Fahrt,. Der erste Teil hätte für mich gern um 100 Seiten erweitert werden können, auf denen er einfach nur die Hallen erkundet. Ich habe es sehr genossen, in den Bildern in meinem Kopf zu leben – die Atmosphäre dieses Romans ist fantastisch und bringt einen so an atemberaubende Orte.

Wer ist Piranesi, was ist diese Welt, und wie kam er dorthin? Nichts in diesem Buch ist vorhersehbar, und Piranesis Suche nach Antworten macht die Lektüre zu einem fesselnden Erlebnis.

“In my mind are all the tides, their seasons, their ebbs and their flows. In my mind are all the halls, the endless procession of them, the intricate pathways. When this world becomes too much for me, when I grow tired of the noise and the dirt and the people, I close my eyes and I name a particular vestibule to myself; then I name a hall

Ich glaube Piranesi ist mein Lesehighlight 2020, immer wieder denke ich daran zurück und drehe im Kopf meinen eigenen Film dazu mit passendem Soundtrack. Ich mochte „Jonathan Strange & Mr Norrell„, aber Piranesi ist nochmal eine Schippe wunderbarer.

Ich beneide alle, die diese Lektüre noch vor sich haben. 1000 Dank an die wunderbare Anna vom Blog Buchpost, von der ich das Buch geschenkt bekam.

Auf Deutsch erschien das Buch unter dem gleichen Titel im Blessing Verlag.

Gemischte Tüte

Kein Grund zur Sorge, bei Kalmann kann man sich sicher sein, es wendet sich alles zum Guten. Kalmann ist der selbsternannte Sheriff von Raufarhöfn und er muss einen Mord aufklären. Das wäre im besten Fall schon keine einfache Sache, aber in Kalmanns Kopf geraten die Dinge schnell durcheinander, die Fäden verwirren sich und manchmal laufen die Räder in seinem Kopf auch rückwärts.

„Als ich noch ein Kind war, hatte meine Mutter nie Zeit für mich, arbeitete fast rund um die Uhr. Ihr Problem war, dass sie keinen Mann hatte. Aber es gab schon Versuche. Einmal stellte sie mich sogar einem vor. Ein geschiedener Elektriker. Seine Haare waren schön gescheitelt, und weil er auch schön angezogen war, sah er überhaupt nicht aus wie ein Elektriker. Sie hoffte wohl, einen Vaterersatz für mich gefunden zu haben, aber so was wie einen Vater kann man nicht einfach ersetzen. Man hat dasselbe Blut in den Adern wie sein Vater. Es gibt also nur einen. Das spürt man. Genau darum ist es für mich ganz normal, einen Cowboyhut und einen Sheriffstern zu tragen, das ist in mir programmiert, da kann meine Mutter noch so laut meckern.“

So sehr mir dieser charmante Island-Roman auch gefallen hat, ich kann ihn nicht ohne Warnung empfehlen. Ihr müsst wissen, worauf ihr euch mit diesem Buch einlasst: Ihr werdet ganz sicher eine Reise nach Island buchen wollen, so bald das Virus uns nicht mehr Griff hat. Dieses Buch macht extrem Lust, dorthin zu reisen und ich habe die Route schon geplant, hoffe sehr ich treffe Kalmann vor Ort oder zumindest den mindestens genau so symphatischen Autor Joachim B. Schmidt, um gemeinsam einen Brennivin zu trinken und Polarfüchse zu beobachten. Die Reiselektüre ist dann auf jeden Fall schon mal klar.

Kalmann von Joachim B. Schmidt erschien im Diogenes Verlag.

What was is and what is was.

Die Erzählerin des Romans ist S.H., eine Schriftstellerin, die aus Minnesota stammt und nach New York zieht, um ihre schriftstellerische Karriere voranzutreiben.

Zum Zeitpunkt des Romans ist S.H. 61 Jahre alt und eine etablierte Autorin, die bereits mehrere Romane geschrieben hat. Als wir sie treffen, durchstöbert sie die Besitztümer ihrer Mutter und stößt dabei auf ein Tagebuch, das sie im Alter von 23 Jahren führte, als sie zum ersten Mal in New York ankam.

Auf diese Weise wird eines der Hauptthemen des Buches vorgestellt: Wie wirken Erinnerung und Vorstellungskraft zusammen. In zwei Strängen des Buches schreibt S.H. aus der Gegenwart des Romans über ihre Erinnerungen an diese Zeit (und die Zeiten davor und danach) und parallel dazu gibt sie Einträge aus dem Tagebuch wieder und denkt darüber nach.

The more I focus on remembering, the more details I am likely to provide, but those particulars may well be invented.

We are all wishful creatures, and we wish backward, too, not only forward, and thereby rebuild the curious, crumbling architecture of memory into structures that are more habitable.

Let us not forget that each time we evoke a memory, it is subject to change, but let us also not forget that those changes may bring truths in their wake.

Wie immer steckt Hustvedt voller interessanter Ideen und Beobachtungen. Der Roman ist nicht ganz einfach, aber er ist immer fesselnd und faszinierend.

Auf Deutsch erschien der Roman unter dem Titel „Damals“ im Rowohlt Verlag.

Wo gehören wir hin? Was ist unser Zuhause in einer Zeit, in der sich immer weniger Menschen sinnstiftend dem Ort verbunden fühlen, an dem sie geboren wurden?

„Traumata sind Teil der eigenen Biografie. Man kann sie nicht im Nachhinein veändern, und sie hören nicht auf, ihre Schatten auf das Leben zu werfen, das man führt.“

In seinem persönlichen Essay beschreibt Daniel Schreiber den Umschwung eines kollektiven Gefühls: Zuhause ist nichts Gegebenes mehr, sondern ein Ort, nach dem wir uns sehnen, zu dem wir suchend aufbrechen. Schreiber blickt auf Philosophie, Soziologie und Psychoanalyse, und zugleich erzählt er seine eigene Geschichte: von Vorfahren, die ihr Leben auf der Flucht verbrachten. Von der Kindheit eines schwulen Jungen in einem mecklenburgischen Dorf. Von der Suche nach dem Platz, an dem wir bleiben können.

Ein Buch, das einen definitiv auf eigene Spurensuche schickt.

„Die amerikanische Lyrikerin Maya Angelou: „Die schmerzhafte Sehnsucht nach einem Zuhause lebt in jedem von uns. Es ist die Sehnsucht nach dem Ort (…), an dem wir nicht in Frage gestellt werden.“

Zuhause von Daniel Schreiber erschien im Hanser Verlag.

Mit Mitte zwanzig, auf dem Höhepunkt des Tech-Boom ist Anna Wiener – wie fast jeder Millennial – auf der Suche nach dem Sinn in ihrer Arbeit. Der Job im Buchverlagswesen erfüllt sie nicht richtig und reich wird man mit diesem Job natürlich auch nicht. Die Tech Branche ist hungrig nach frischen Talenten, man lockt sie und es fällt ihr nicht wirklich schwer, den Verlockungen nachzugeben.

Sie zieht von New York nach San Francisco, wo sie bei einem großen Daten-Startup im Herzen der des Silicon Valley landet: eine Welt surrealer Extravaganz, zweifelhaften Erfolgs und ambitionierter Unternehmer, die wild entschlossen sind, die Welt zu dominieren.

Doch inmitten von Skiurlauben mit ihrem Unternehmen und den ständigen Saufgelagen im Büro mit den Bros entsteht ein neues Silicon Valley: eines das weit über seine Mittel lebt, eines, das sich auf Kosten der idyllischen Zukunft bereichert, die es angeblich für alle Menschen erarbeiten möchte.

Anna Wieners Memoiren sind das Porträt einer bereits schon wieder vergangenen Ära. Sie geben seltenen Einblick in eine Überflieger- und rücksichtslose Gründerkultur, in der ungebremster Ehrgeiz auf unkontrollierte Überwachung trifft.

“The platforms designed to accommodate and harvest infinite data inspired infinite scroll…people were saying nothing and saying it all the time.”

Mit Witz, Offenheit und Herz zeichnet Anna geschickt den Wandel der Technologieindustrie vom selbsternannten Weltretter zum demokratiegefährdenden Moloch nach, eingebettet in ihre eigene persönliche Erfahrung, die voller Ambivalenzen und Desillusionierungen steckt.

Uncanny Valley eine prägnante, schonungslose und warnende Biografie, die uns auf die mit Konsequenzen aufmerksam macht, die auf die ahnungslosen User zukommt und die wir erst jetzt langsam zu verstehen beginnen.

Being the only woman on a nontechnical team, providing customer support to software developers, was like immersion therapy for internalized misogyny. I liked men—I had a brother. I had a boyfriend. But men were everywhere: the customers, my teammates, my boss, his boss. I was always fixing things for them, tiptoeing around their vanities, cheering them up. Affirming, dodging, confiding, collaborating. Advocating for their career advancement; ordering them pizza. My job had placed me, a self-identified feminist, in a position of ceaseless, professionalized deference to the male ego.”

Auf Deutsch erschien das Buch unter dem Titel „Code kaputt“ im Droemer Knaur Verlag.

Die Chroniken des Aufziehvogels – Haruki Murakami

Der Grund für die Neuauflage des Aufziehvogels war die Neuübersetzug der obersten Instanz in Murakami Fragen, der Übersetzerin Ursula Gräfe. Sie übersetzte das Werk direkt aus dem Japanischen, im Gegensatz zur früheren Ausgabe, die vom Japanischen ins Amerikanische und dann erst ins Deutsche übersetzt wurde.

Zu meiner großen Schande muss ich gestehen, dass ich üblicherweise nicht super sensibel bin, was Übersetzungen angeht. Habe schon im Bookclub des Öfteren erstaunt geschaut, wenn meine englischsprachigen Mitstreiterinnen überzeugt waren, ein Buch hätten ihnen gegebenenfalls besser oder schlechter gefallen und es würde an der Übersetzung liegen.

Wahrscheinlich sollte ich das als Literatur-Bloggerin nicht zugeben, aber ich lese Bücher zumeist ihrer Atmosphäre wegen und/oder auf der Suche nach Erkenntnisgewinn. Schöne Sprache nehme ich schon wahr und erfreue mich an ihr, aber allein der schönen Sprache wegen glaube ich würde ich ein Buch nicht lesen, wenn mir die Atmosphäre nicht gefällt, die Story mich nicht fesselt oder ich keinen wirklichen Erkenntnisgewinn habe.

Herr Buchrevier hatte einzelne Sätze aus der alten und der neuen Ausgabe miteinander verglichen und ja, im direkten Vergleich kann ich schon sagen, welche Version ich schöner finde, aber ich glaube nicht, dass es einen so großen Unterschied bei mir machen würde, wie gut ein Buch mir gefällt, wie das bei vielen anderen Menschen der Fall zu sein scheint.

Ich habe den Aufziehvogel wieder sehr gerne gelesen, hatte mein altes Exemplar leider nicht mehr, da es eine gebrauchte Taschenbuchausgabe war, die das mehrfache Lesen nicht überlebt hatte und sich in Einzelteile aufgelöst hatte.

Es ist nicht mein Lieblings-Murakami – auch beim nochmaligen lesen nicht – dafür sitzt er mir dann doch einen Ticken zu lange im Brunnen und ich bin noch immer genervt von den endlosen Kriegskapiteln, die ich (wieder) überblättert habe.

Der Titel des Buches „Die Chroniken des Aufziehvogels“ bezieht sich auf einen merkwürdigen Vogel, den nie jemand tatsächlich zu Gesicht bekommt und dessen Ruf irgendwie ein Überbringer schlechter Nachrichten zu sein scheint. Die Geschichte ist nicht einfach wiederzugeben. Man wird von Anfang an in eine Art hypnotischen Strudel hineingezogen, in dem sich das Suchen nach verschwundenen Katzen, Menschen und Gegenständen im Zentrum befindet.

Toru Okada, ein Mann in Tokio Anfang 30, hat keinen Job, keinerlei Ambitionen und eine Ehe, die langsam aber sicher zerbröselt. Als ihre Katze verschwindet, sucht er auf Anraten seiner Frau Hilfe bei dem merkwürdigen Geschwisterpaar Malta und Kreta Kano, die ihm ab da weder im echten Leben, noch im Traum,  von der Seite weichen.

Seine Frau verlässt ihn plötzlich und ohne jegliche Erklärung, er hängt viel mit einer pupertierenden Schulabbrecherin ab, die sich unaufhörlich mit dem Tod beschäftigt und die für eine Perückenfabrik arbeitet.

Toru versucht seine Frau zu finden, versucht, all die verschiedenen Sachen zu verstehen, die ihm in letzter Zeit so passiert sind und um besser nachdenken zu können, begibt er sich auf den Boden eines Brunnens in der Nachbarschaft. Dort unten in der absoluten Einsamkeit macht er bizarre Erfahrungen, die wirklich sind oder auch nicht. Er wird irgendwann von Kreta Kano gerettet und im Laufe der Geschichte verbringt Toru mehr und mehr Zeit im Hotel oder in einem mysteriösen Hotelzimmer, das vermutlich nur in seiner Phantasie existiert. Es wird immer schwieriger zu unterscheiden, was wirklich ist und was nicht.

Murakami versteht es meisterhaft Flashbacks, Träume, Zeitungsartikel, Internet Chats, Briefe und Berichte in seine Geschichte einzubauen.

Die Frauen in seinen Büchern sind immer die stärkeren, geheimnisvolleren, die regelmäßig verschwinden und auf deren Suche der meist recht antriebslose Protagonist gehen muss.

Murakami lesen und ganz besonders auch den Aufziehvogel ist, als würde man sich auf eine Achterbahnfahrt durch die Träume eines anderen Menschen bewegen. Das mag man oder eben auch nicht. Einige dieser Bilder lassen mich gar nicht mehr los. Einige sind wiederkehrende Motive seiner Bücher und ich bekomme die verwinkelten labyrinthartigen Hotelflure nicht mehr aus dem Kopf, den trockenen Brunnen, den Vogel in der merkwürdigen Gasse, die keinen Durchgang hat, der Rossini pfeifende Kellner, das Teenager-Mädchen beim ewigen Sonnenbad in den verwunschen anmutenden Gärten und leider vergesse ich auch das Hautabziehen am lebendigen Leib nicht mehr.

„Je beschränkter der geistige Horizont eines Mannes ist, desto mehr Macht kann er in einem Land gewinnen.“

Ich danke dem Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Schutzzone – Nora Bossong

Mira arbeitet im diplomatischen Korps der Vereinten Nationen. Aus der Ich-Perspektive werfen wir einen Blick in ihren Kopf, während sie durch ihre Erinnerungen an vergangenen Missionen reist. Von Genf nach Burundi, nach Den Haag, nach New York und in den Kongo. Es gibt keine klaren Handlungsstränge, sie beschreibt vielmehr die Komplexität und die Frustrationen, die die Arbeit im Schatten politischer Gräueltaten mit sich bringt.

Fragmentarisch arbeitet die Diplomatin Mira Weidner ihr Leben auf, von ihrer Kindheit bei einer befreundeten Diplomatenfamilie, ihrer Schwärmerei für den älteren Milan, in dem sie einerseits einen Bruder sieht, in den sie aber auch stets ein wenig verliebt war und ihre sich abkühlende Beziehung zu ihrem Freund.

Sie beschreibt das Leben der Expats in ihrer Blase an den Schwimmbecken ihrer Häuser in kriegsgebeutelten, afrikanischen Ländern und über die Distanz, die man entwickeln muss, wenn man mit dubiosen politischen Akteuren verhandeln muss, die vielleicht oder vielleicht auch nicht in Völkermorde verwickelt waren. Von ehemaligen Kindersoldaten bis hin zu Menschenrechtsexperten – fast alle, denen wir begegnen, haben eine zynische oder desillusionierte Haltung entwickelt. Es ist die Schutzzone, die sie brauchen, um zu überleben oder sich überhaupt engagieren zu können.

Und die Kosmopoliten? Das waren die wenigen, die sehr wenigen unter uns, die wussten, das eine Heimat nicht festgehalten werden konnte, so wie man eine kurze Verliebtheit nicht festhalten kann oder einen Gegenstand, der Bedeutung hat, denn entweder verschwindet der Gegenstand oder die Bedeutung, oder man selbst erinnert sich nicht mehr daran, und es gibt nur eine beschlagene Scheibe, durch die hindurch wir auf etwas Zurückliegendes blicken, und manche haben Glück und sehen etwas Wunderschönes, aber sie sehen es nur, sie erleben es nicht mehr.

Die langen Satzstrukturen, die von einigen kritisiert wurden, haben mich nicht wirklich gestört. Gerade die Sprache Bossongs hat mich gefesselt. Mir hat eine etwas stringentere Handlung gefehlt. Stellenweise las sich der Roman so aufregend wie ein UN Bericht der Hauptorgane an die Generalversammlung.

… mit einem Hang zum Pathos bewiesen, der sich schließlich in Oscar-Verleihungen, Inaugurationen und der unbedingten Herbeiorderung des Bösen immer wieder zeige, als wüssten die Amerikaner ohne ihre Feinde nicht, wer sie selbst waren, als wären auch sie keine auserwählte, überlegene Nation, sondern eben eine wie jede andere, wir alle, Mademoiselle Weidner, sagte er vertraulich und berührte beinah mein Handgelenk, ließ seine Hand dicht über meiner schweben, wir wissen ja nicht, wer wir sind, und unsere Freunde erklären uns das ungenauer als jene, die wir als unsere Freunde bezeichnen, darum hauen wir uns die Köpfe ein, weil den Gegner zu erkennen soviel leichter ist als uns selbst.

Gelegentlich wollte ich aufgeben, aber ich habe mich durchgebissen und wurde mit ein paar sehr klugen Gedanken und wunderschöner Sprache belohnt.

Nora Bossong hat einen melancholischen, fordernden, sprachlich wundervollen Roman geschrieben über die Illusion institutioneller humanitärer Hilfe und die Notwendigkeit, sich eine Schutzzone zu schaffen, um darüber nicht zu verzweifeln. Zurecht die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2019.

Ich danke meiner Freundin Barbara ganz herzlich für diesen Roman *nach Berlin winkt*.

Hirngymnastik Soziologie

Vielleicht ist man prädestiniert dafür, zur Archäologin oder Soziologin seiner Selbst zu werden, wenn man einigermaßen prekär und bildungsfern aufwächst. Von klein auf haben mich Familien fasziniert (ich wollte unbedingt bei den Waltons leben und an so einem langen Tisch zu Abend essen) und war stets fasziniert von den Bücherregalen, den Klavieren, der Weitläufigkeit der Häuser (die meine Oma putzte), im Gegensatz zu der beengten Sozialwohnung, in der ich mit meinem Bruder bei meiner Oma lebte.

Der Zusammenhang zwischen Bildung und Herkunft ist eine Frage, die mich seit Jahren endlos fasziniert. Ich habe unermüdlich die Bildungslebensläufe verschiedenster Menschen gescannt, auf der Suche nach Ähnlichkeiten.

Eine der ersten großen Erkenntnisse für mich war, dass nicht alle gebildeten Menschen unbedingt reich an Geld sind, sie aber in der Regel aus bildungsnahen Umfeldern kommen. Also Eltern haben mit „guten Berufen“, die ihre Kinder zum Lernen animieren und die zu Hause Bücher haben.

Unser Viertel war interessant durchmischt. Einige Familien aus Italien, dem ehemaligen Jugoslawien und viele sogenannte Aussiedler und Deutsche. Insbesondere unter den Deutschen fiel auf, dass viele der alten Leute (wie z.B. meine Oma) zur Gruppe „arm aber bildungs-wertschätzend“ gehörten, viele der jüngeren eher zu den Menschen, über die RTL2 Brennpunkt-Dokus macht und die Bildung eher als etwas lästiges betrachten.

Daher waren viele der Kinder, mit denen ich in der Nachbarschaft unterwegs war, eher der Brennpunkt-Gruppe zuzuordnen. Es war wohl viel Zufall und persönliches Glück (vorlesende Großeltern zum Beispiel) dabei, dass ich mich in der Schule eher zu den bildungsnahen Kindern hingezogen fühlte und somit von klein auf Lust auf Bildung hatte.

Und genau diesen Mikrokosmos finde ich so spannend. Nature vs Nurture – was liegt in den Genen, was im Umfeld und welches Umfeld prägt einen mehr, welches weniger? Was ist mir selbst, meinem IQ, meiner Familie geschuldet und was meinem Milieu?

Die Auswahl der Bücher zu dieser Hirngymnastik ist insofern auch noch mal interessant, als es (wirklich ohne dass ich das vorher wußte) drei Autor*innen sind, die ebenfalls ursprünglich aus der „Arbeiterklasse“ kommen und sich durch Bildung aus diesem Milieu entfernt haben.

Dass der einzige wirkliche Ausweg oft nur über ganz besondere Begabung geht, hat mich oft zur Verzweiflung gebracht. Vielleicht gibt es Ausnahmen die ich noch nicht getroffen habe, aber man hört bzw. liest eigentlich nur von den Bildungsaufsteigern, die wie Bourdieu, Ernaux oder Eribon unfassbar klug sind und/oder sich über Stipendiate etc. auf Elite-Universitäten bugsiert (Tara Westover) haben.

Mich hat es zur Verzweiflung gebracht, weil ich keine Hochbegabung habe. Ich bin in der Realschule gerade mal so mitgekommen, auch – aber nicht nur – weil Lehrer von vorne rein nicht glauben, dass man irgendwas kann, wenn man aus bestimmten Wohngegenden kommt – ich hätte niemals ein Stipendium für irgendeine Uni bekommen und das ist der Punkt, wo ich merkte, es muss sich strukturell etwas ändern, damit Kinder, die jetzt in Brennpunkten aufwachsen, überhaupt eine Chance haben.

Auch dort wird es Kinder geben, die es verdient hätten, in die Bildungsaristokratie aufzusteigen, die aber so weit weg von allem sind, was mit Bildung zu tun hat, dass es nicht einmal teilweise auf ihrem Bildungshorizont auftaucht. Die keine mega Begabung für irgendwas haben, sondern ganz „normal“ intelligent sind.

Die genau so gut Englisch / Spanisch / Französisch sprechen könnten wie ihre Mitschüler, deren Eltern es sich leisten können mit ihnen in den Sommerferien ins entsprechende Land zu fahren und die dann erstaunlicherweise die Sprache so viel besser sprechen, als die, die es sich „nur“ alleine zu Hause beigebracht haben. Die genauso gut in einer Sportart sind, wie die Kinder der Eltern, die sich Sportlager leisten können oder die genauso gut oder schlecht in Mathe / Deutsch etc. sind wie die Kinder, deren Eltern sie auf Internate schicken können, wo man in speziellen kleinen Klassen aufs Abitur vorbereitet wird und das Wissen einem portionsweise zugefüttert wird.

Was mich mein Leben lang schon immens wütend macht, ist der Glaube von ganz vielen „erfolgreichen“ Menschen da draußen, dass es einzig an ihrer harten Arbeit, ihrem IQ und was weiß ich liegt, dass sie da sind, wo sie sind und sie nicht sehen wollen, dass es auch hier, wie so oft, einfach nur Privilegien sind, die sie haben und die ihnen in den meisten Fällen einfach nicht bewusst sind.

Ich habe es rausgeschafft aus meinem Mileu aus einer Brennpunkt-Kindheit durch meine Oma, die uns rausgeholt und bei sich aufgenommen hat, obwohl sie eine Mini-Rente hatte und ich bis heute nicht weiß, wie sie das geschafft hat.

Ich habe es den bildungsnahen Familien meiner Freundinnen in der Kindheit zu verdanken, mit denen ich trotz der bösen Brennpunkt-Herkunft spielen durfte und der Leihbücherei, die mein zweites Zuhause war 🙂

Aber genug von mir und meinem Rant – jetzt doch mal etwas zu den Büchern für diese Hirngymnastik – sie haben nur einfach eine Menge bei mir in Bewegung gesetzt.

„Gesellschaft als Urteil“ von Eribon ist ein großartiges Buch, es gelingt ihm an vielen Stellen Worte zu finden für Erfahrungen, die ich gut kenne, die ich aber nie so hätte benennen können:

„Wenn man als Kind seine Ferien im Landsitz der Großeltern verbringt, wenn man übers Wochenende ins Landhaus der Eltern oder Geschwister fährt, resultiert daraus ein anderer Selbstbezug, ein anderer Bezug zur Welt und zu den anderen, als wenn man eine Kindheit ohne Ferien erlebt oder man die Ferien im Ferienlager, mit den Eltern auf dem Campingplatz oder in einem Wohnmobil verbracht hat.“

„Sie verfügen nicht über das soziale Kapital der Privilegierten, sie beherrschen nicht die notwendigen Codes. Dieser Unterschied spielt in den Details des beruflichen und privaten Lebens eine wichtige Rolle. Man fühlt sich unwohl, wenn man in einem bürgerlichen Haus zu Gast ist, man weiß nicht, wie man im Restaurant mit dem Besteck umzugehen hat, man ignoriert die passenden Redeweisen in bestimmten Situationen usw.“

Das z.B. geht mir heute noch exakt so, bei den Treffen der Freunde des Literaturhauses. Die sind alle wirklich sehr symphatisch, aber wann immer ich sie treffe, fühle ich mich wie eine Außerirdische, umgeheben von all den Studienrät*innen, Professor*innen und einfach sehr vornehm und gebildeten Menschen.

„Es versteht sich von selbst, dass eine aufsteigende soziale Bahn den Aufsteiger nicht zum exakt gleichen Status oder zur exakten Position derjenigen führt, die schon lange oben sind. Füllen zwei Menschen die gleiche Position oder Profession aus, dann unterscheiden sie sich durch die Dauer ihrer Klassenzugehörigkeit. Kumuliertes ökonomisches Kapital (Eigentumswohnungen, Häuser, ererbte Güter usw.) und ein seit der Kindheit verfügbares kulturelles Kapital (mobilisierbare Beziehungen innerhalb des eigenen Milieus, der eigenen Familie und über diese hinaus) können bei einem nominell identischen Status zu großen Wertunterschieden führen. Auch die scheinbar vollständige Gleichheit wird von einer Ungleichheit der Herkunft durchzogen“.

Bei dem letzten Zitat muss ich an einen Abschnitt aus einer Biografie von Marion Gräfin Dönhoff denken. Sie beschreibt darin ihre Flucht aus Ostpreußen und wie sie auf einem Pferd ohne irgendwelches Hab und Gut die Flucht ergreift, an den endlosen Flüchtlingtrecks vorbei reitet und nachts auf der Suche nach Unterkunft für die Nacht schnurstracks aufs nächste Schloß zureitet und ganz selbstverständlich dort ans Tor klopft und die Nacht verbringt. Das hat mich endlos fasziniert, diese Selbstverständlichkeit.

Das perfide an Privilegien ist eben, das man sich ihrer nicht bewusst ist. Einfach dadurch, dass man gewisse Dinge NICHT erlebt, machen sie sich bemerkbar. Wir alle haben Privilegien und je mehr wir uns ihrer bewusst werden, desto sensibler können wir miteinander umgehen und je eher ist uns wichtig, immer mehr Menschen an diesen Privilegien teilhaben zu lassen bzw. strukturell dafür zu sorgen, dass sie eine immer kleinere Rolle spielen.

Eine große Gefahr besteht darin, dass die unterschiedlich wenig privilegierten Menschen gegeneinander ausgespielt werden.

Annie Ernaux Buch „Die Jahre“ ist ein eindringliches Zeitdokument. Sie erzählt die französische Geschichte der vergangenen Jahrzehnte anhand von privaten Fotografien, populären Medien und ihren eigenen Erinnerungen.

Damit gelingt ihr, der „Ethnologin ihrer selbst“, ein scharfsinniges Gesellschaftsporträt, in dem sie über ihre Kindheit in der Nachkriegszeit, den Algerienkrieg, ihr Schreiben, ihre Mutterschaft, die 68er, ihre Emanzipation, den Mauerfall bis hin zu ihrem eigenen Altern schreibt.

„Die Geschehnisse überstiegen unsere Vorstellungskraft – also hatte man den Kommunismus für unsterblich gehalten – und unsere Gefühle hielten nicht mit der Wirklichkeit Schritt. Man hinkte den Ereignissen hinterher und beneidete die Osteuropäer, weil sie alles unmittelbar miterlebten. Als sie dann in Westberlin die Geschäfte stürmten, blickte man konsterniert auf ihre katastrophale Bekleidung und die Tüten voller Bananen. Ihre Unerfahrenheit mit dem Konsum war rührend. Dann begann uns ihr kollektiver Hunger nach Materiellem zu ärgern, ihre fehlende Zurückhaltung, ihr mangelnder Stil. Offenbar waren sie der Freiheit, die wir für sie geschaffen hatten, der reinen, abstrakten Freiheit, nicht gewachsen. Das Mitleid, das man jahrelang für die Menschen „unter dem Joch des Kommunismus“ empfunden hatte, schlug in Missbilligung darüber um, wie sie von ihrer neu gewordenen Freiheit Gebrauch machten. Als sie noch um Wurst und Bücher angestanden hatten und es ihnen an allem gefehlt hatte, waren sie uns lieber gewesen, damals hatte man sein Überlegenheitsgefühl und das Glück der „freien Welt“ anzugehören, viel besser auskosten können.“

Was uns final nun zu Pierre Bourdieus „Die feinen Unterschiede“ bringt. Ich war sehr gespannt auf dieses Buch, das 1979 erschienen ist und noch heute selbst gebraucht 26 € kostet. Eribon schwärmt in den höchsten Tönen davon, Goodreads überschlägt sich und ich…

…. habe es einfach nicht verstanden. Ich bin sicher, es ist unfassbar klug, aber es ist kein Buch, dass man abends lesen kann, wenn man 10 Stunden gearbeitet hat. Man muss sich jeden Absatz erkämpfen und das Buch verdient es sicherlich auch so gelesen zu werden, nur habe ich dafür im Moment nicht genug Zeit, Energie und vielleicht bin ich auch einfach nicht gebildet genug für diese Lektüre.

Die Hirngymnastik Soziologie hat mir viel Spaß gemacht. Ich habe parallel auch den Kurs an der Zeit Akademie besucht und möchte noch das eine oder andere von Aladin El-Mafaalani, Judith Butler, Ulrich Beck und Kate Kirkpatrick z.B. lesen.

Ich hoffe, diese Hirngymnastik war nicht zu persönlich – ich habe beim Schreiben definitiv gemerkt, dass mich das Thema sehr bewegt und zum Nachdenken gebracht hat.

„Jede etablierte Ordnung neigt dazu, die Naturalisierung ihrer eigenen Willkür zu produzieren“ // Pierre Bourdieu

Der Empfänger – Ulla Lenze

„Der Empfänger“ ist eine fiktive Geschichte angelehnt an die ihres Großonkels, der ins Visier der Geheimdienste gerät.

Der deutsche Auswanderer, Josef Klein versucht in New York auf die Füße zu kommen. Doch kurz vor dem Kriegseintritt der Amerikaner brodelt es im Big Apple. Antisemitische und rassistische Gruppierungen liegen im heftigen Widerstreit miteinander und viele deutsche Auswanderer jubeln Hitler aus der Ferne zu und versuchen, Anhänger zu finden.

Der Rheinländer Josef Klein lebt bescheiden und uninteressiert an Politik im multikulturellen Harlem. Er liebt Jazz, chinesische Küche und das Amateurfunken.

Darüber lernt er auch Lauren kennen, eine junge Frau, die große Sympathien für ihn hegt. Josefs technische Fähigkeiten erregen in den deutschen Auswandererkreisen, in denen er sich teilweise bewegt, nach und nach immer größere Aufmerksamkeit.

Er, der eigentlich nur ein friedliches Leben mit Musik, Funk und vielleicht einem Mädchen an seiner Seite sucht, gerät, bevor er es so richtig merkt, in das Spionagenetzwerk der deutschen Abwehr. Josef ist ein kleines Rädchen im Getriebe und versucht wiederholt, sich aus den Fängen der deutschen Spione zu winden.

Lenzes Roman spielt auf drei Zeitebenen. Der Roman beginnt im Jahr 1953 in Costa Rica, dazwischen erzählt er von seinem Aufenthalt im Gefangenenlager auf Ellis Island und Joes kurzer Stipvisite in der alten Heimat bei der Familie seines Bruders im Rheinland. Die letzte Zeitebene ist die seiner Zeit in New York im Jahr 1939, während seines bescheidenen glücklichen Junggesellenlebens und bevor ihm die Spionagetätigkeit zum Verhängnis wird.

„Weil er nicht weiter wusste, fuhr er zu Schmudderich. Er lief durch das „Halt!“ der Sekretärin mit einer Selbstsicherheit, die er nur hatte, wenn er wütend war.
Schmudderich hinter seinem Schreibtisch stand auf.
„Habe schon mit Dir gerechnet. Max rief mich vorhin an.“
„Ihr hättet mich ruhig fragen können.“
„Sei froh über das Geld. Wir könnten dir auch ein Hitler-Autogramm anbieten. Kein Witz. Ein paar echte Patrioten hier wollen nichts anderes.“
Josef lächelte nicht mit.
„Was?“, fragte Schmudderich. „Was willst du denn noch?“
„Aufhören. Ich arbeite nicht für Deutschland.“

Der Roman endet in Costa Rica mit einem Brief aus Neuss, in dem sich ein Stern-Magazin mit einer großen Reportage über den Einsatz des deutschen Geheimdienstes in Amerika befindet.

Lenzes Roman war ein großes Highlight für mich dieses Jahr – ich habe ihn sehr gerne gelesen, habe viel gelernt über die deutschen Geheimdiensttätigkeiten in den USA und die NS Affinität vieler deutscher Auswanderer.

Foto: Tom Coe, Unsplash

Ein eindringlicher Roman über einen bescheidenen Mann, der scheinbar unbeabsichtigt in die Fänge der Nationalsozialisten gerät und somit ein reiner Befehlsempfänger wird in den USA, genau wie Millionen Deutsche in seiner Heimat.

„Der Empfänger“ ist ein kluger und zeitgeschichtlich sehr interessanter Roman, mit spannenden Protagonisten, die man nicht so schnell wieder vergisst.

Ich danke dem Klett Cotta Verlag für das Rezensionsexemplar.