Kickass Lady Super Heroes

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Comics waren immer schon eine mehr oder weniger heimliche Liebe von mir und damit war ich als Kind definitiv nicht alleine, nur später hört das bei den meisten irgendwann auf, ich bin heute noch ein Comic Freak. Eine Weile lang habe ich das eher verheimlicht, weil es mir peinlich war, seit ein paar Jahren aber stehe ich einfach dazu und schrecke nicht einmal mehr davor zurück, arglose Blogger-Kolleginnen auf der gediegenen Leipziger Buchmesse in die ComiCon Halle abzuschleppen (zu Frau Sätze und Schätze rüberschielt) 🙂

Wenn ich als Kind früh morgens auf meinen Zeitungsrunden feststellte, dass Altpapier-Sammlung anstand, war das ein Highlight, denn fast jedes Mal fand ich in den Bündeln Comics und ich werde den Festtag nicht vergessen, an dem ich gleich einen ganzen Karton voller Comics fand – meine Sommerferien waren gerettet.

Heute möchte ich meine liebsten Kickass Lady Super Heroes vorstellen. Die coolsten, die den größten Einfluß auf mich hatten (neben Batman) und ein paar spannende Neuentdeckungen der letzten Jahre. Aber den Anfang muss ganz klar the Queen of Super Heroes machen:

Wonder Woman

Durch den aktuellen Kinofilm hat sie wahrscheinlich auch gerade ganz gute Karten, dass Interesse von üblicherweise Nicht-Comic Lesern zu wecken. Wonder Woman ist  großartig. War sie schon immer und wird sie immer bleiben. Der feministischen Lady sieht man ihre 75 Jahre keinesfalls an und mit ihrem Lasso der Wahrheit, ihren absoluten Superkräften, der Unverwundbarkeit etc. wird Princess Diana of Themyscira, Daughter of Hippolyta auch in Zukunft noch für die Schwachen und die Gerechtigkeit kämpfen.

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Foto: DC Comics

 

BatGirl

alias Barbara Gordon gibt es seit 1961. Sie ist die selbstbewusste Tochter von Gothams Polizeichef und eine weltklasse Computer-Hackerin. Als ihr übervorsorglicher Vater ihr verbietet Polizistin zu werden rebelliert sie dagegen, in dem sie sich Batman und dessen kriminalitätsbekämpfenden Rebellen anschliesst, ausgerüstet mit einem Gürtel voller Batarangs und ihrem Batcycle.

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Foto: DC Comics

Ms Marvel

Kamala Khan ist ein ganz normales Mädchen aus New Jersey, bis sie plötzlich ihre außergewöhnlichen Superkräfte entdeckt. Polymorphing ist ihre Superkraft, sprich sie kann ihre Größe und die ihrer Gliedmaße verändern und besitzt selbstheilende Kräfte. Ms Marvel ist die erste muslimische Superheldin und in der Serie geht es nicht nur um Konflikte mit Superschurken, sondern beschäftigt sich auch mit ihren Problemen zu Hause und mit ihrem Glauben.

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Foto: Marvel

Jessica Jones

Sie ist sicher nicht die bekannteste unter den Kickass Superheroes, aber sicherlich eine der coolsten. Als Teenager ist sie in Kontakt gekommen mit radioaktiven Chemikalien, die sie super stark und nahezu unkaputtbar machen. Sie kann meterhoch springen und war eine Weile als Superhero Jewel unterwegs.

Das Leben als Superhero war allerdings nicht ihres und ohne Kostüm, aber mit den gleichen Kräften arbeitet sie seitdem als Privatdetektivin. Die Netflix-Verfilmung hat der Comic Figur zu deutlich größerer Bekanntheit verholfen und ich freue mich schon sehr auf die zweite Staffel.

Foto: Netflix/Marvel

 

Keine wirklichen Superheroes aber zwei Comic-Serien, die starke weibliche Protagonisten haben und mir sehr gefallen:

Paper Girls

Habe ich gelesen, kurz nach dem ich die Netflix Serie „Stranger Things“ gesehen habe, seitdem ist Paper Girls sowas wie die weibliche Version von Stranger Things für mich. Habe einfach ein Herz für Zeitungsausträger und beim Lesen denke ich immer, wenn mir das damals passiert wäre … Eine schöne Sommer-Comic-Serie für Freunde der 1980er Jahre, die noch bissl Luft nach oben hat, stellenweise etwas chaotische Erzählweise, aber macht Spaß.

In den frühen Morgenstunden am Tag nach Halloween 1988 entdecken vier zwölfjährige Zeitungsausträgerinnen eine der abgefahrensten Stories aller Zeiten. Vorort-Drama und außerirdische Geheimnisse vermischen sich zu einem Mix aus Sommer, Nostalgie und die letzten Kindheitstage.

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Foto: Image Comics

Eine dunkle dystopische Reihe ist Lazarus von einem meiner liebsten Comic-Autoren Greg Rucka. Die Story folgt Forever Carlyle in eine düstere Zukunft, in der es keine Länder und Regierungen mehr gibt und die Welt stattdessen unter 16 reichen Familien/Unternehmen aufgeteilt wurde, die in einem Feudal-System herrschen.

Jede Familie hat einen Lazarus gewählt, ein Familienmitglied, das von Geburt an als Kämpfer und zu unbedingtem Gehorsam ausgebildet wird. Forever ist der Lazarus der Familie Carlyle und die Story beschäftigt sich mit der Bedeutung von „Familie“ und der Nature vs Nurture Problematik.

Foto: Image Comics

Die Geschichte ist wirklich gut geschrieben, die Protagonisten vielschichtig und spannend. Große Empfehlung.

Hier übrigens noch eine frühere Rezension zu Greg Ruckas „Gotham Central„, mit der Polizistin Renee Montoya eine weitere Anwärterin für die Aufnahme unter die Kickass Ladies ist.

Mir war übrigens immer klar, ich würde meine Superpower auch irgendwann entdecken und dann gehts aber los. Was soll ich sagen – ich habe sie entdeckt!
Meine Superpower ist ganz klar: LESEN

OK – jetzt ihr. War da was für Euch dabei? Habt Ihr Empfehlungen oder Superhelden die euch sehr am Herzen liegen?

Freue mich von Euch zu hören.

Wonder Woman: die 10 besten Comics (Buchtipps, Lesereihenfolge, Empfehlungen)

Umfassende spannende und starke Zusammenfassung und Übersicht zu Wonder Women von Stefan Mesch, wie ich sie gerne geschrieben hätte.

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Batman und Superman haben seit 50 Jahren immer wieder neue TV-Serien und Kinofilme. Ihre Städte, Gegner, Liebes- und Vorgeschichten sind bekannt. Wonder Woman (1941) ist fast genauso alt – doch immer wieder wird ihr Hintergrund verändert: eine tolle Figur – der oft die tollen Autor*innen fehlen.

Hier sind meine persönlichen Empfehlungen: lesenswerte Comics – für Einsteiger und Fans.

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01 – DC Helden

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[Link] …von Paul Dini, Zeichnungen (nein: Gemälde!) von Alex Ross:

Fünf großformatige, kurze, bildlastige Helden-Portraits als wunderbarer Sammelband. Je eine – recht menschliche, gefühlvolle – Begegnung mit Superman, Batman, Wonder Woman, Captain Marvel/Shazam, dazu ein Abenteuer der Justice League und eine Handvoll weiterer Helden-Kurzbiografien. Ein Bilderbuch. Ein Coffee Table Book. Ein Buch zum Kennenlernen, Verschenken – und Staunen. [Hier die US-Ausgabe.]

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02 – Trinity

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[Link]

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Short but Sweet

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Dieser Blog ist ja auch der schonungslose Einblick in die Tiefen der Bingereaderschen Leseseele. Kein Buch bleibt unerwähnt, aber da ich nicht immer Lust auf ausführliche Rezensionen habe und mir dann vermutlich auch nicht genug Zeit zum Lesen bliebe, hier mal ein Rundumschlag des bislang Unbesprochenen der letzten Wochen:

The Humanoids – Jack Williamson

Auf einem nicht benannten Planeten leitet der Physiker Forester ein geheimes Regierungsprojekt, bei dem es um die Konstruktion einer „rhodomagnetischen“ Bombe geht. Kurz darauf erscheinen „Humanoiden“ auf dem Planeten, die sich allerdings aus seiner Sicht innerhalb kürzester Zeit eher als Fluch denn als Segen herausstellen. Die Humanoiden haben die Direktive den Menschen zu dienen und zu gehorchen, nehmen ihnen jegliche Tätigkeit ab und versuchen, sie vor sämtlichen Gefahren zu schützen. Da aber schon Sport zu den als gefährlich angesehen Dingen gehöret, langweilen die Menschen sich schnell und wissen mit ihrer Zeit nichts mehr anzufangen.

Um die Menschen ruhig zu halten, verpassen die Humanoiden ihnen eine gehirnwäsche-artige Pille, die rundherum glücklich macht und „Euphoride“ heißt. Auch Foresters Projekt wird abgesetzt, da es als zu gefährlich gilt für ihn.

Der Roman beschäftigt sich mit dem Zwiespalt zwischen Sicherheit und Freiheit. Das schien sich grundsätzlich auszuschließen und es muss immer zwangsläufig zu einem Kompromiss kommen. Wird der Mensch es jemals schaffen, eine gesunde Balance zwischen beidem zu erreichen?

Geschrieben wurde das Buch schon 1949 und ich fand es unglaublich aktuell. Es ist ziemlich pseudo-wissenschaftlich mit all den rhodo-magnetischen Energiespektren, ich fand aber den Quantentheoretischen Ansatz zum Beamen nicht uninteressant. Klare Empfehlung für alle, die sich auch gerade mit Artifical Intelligence, Robotern etc beschäftigen und gute Unterhaltung suchen.

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Logicomix: Eine epische Suche nach Wahrheit – Apostolos Doxiadis

Eine phantastische Graphic Novel, die sich mit den wackeligen Grundfesten der Mathematik beschäftigt und der Odyssee des Philosophen und Mathematikers Bertrand Russell, der auf der Suche nach der absoluten mathematischen Wahrheit war. Seine Suche bringt ihn mit Mathematikern wie Gottlob Frege, Kurt Gödel und anderen zusammen und er findet in Ludwig Wittgenstein einen leidenschaftlichen Schüler, der sich später von ihm distanziert. Eine Suche, die viele Denker auch durchaus an den Rand oder mitten in den Wahnsinn hinein getrieben hat.

Es ist auch Russells persönliche Lebensgeschichte, seine Haltung als Pazifist im Krieg und seine endlose Suche nach der absoluten Wahrheit, die nicht nur sein privates Glück, sondern auch seine Karriere zu zerstören droht. Logicomix beleuchtet den immerwährenden Konflikt zwischen idealer Rationalität und der gar nicht perfekten und fehlerhaften Realität.

“The oldest story around: Instinct, Emotion, and Habit get the better of human beings.”

Wer nur eine Graphic Novel dieses Jahr lesen will oder überhaupt mal ausprobieren dem lege ich diese ans Herz.

“It’s been said before: ‚The sleep of reason produces monsters.”

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„Normal“ – Warren Ellis

In dieser dünnen Dystopie geht es um Menschen, die professionell in den Abgrund schauen und denen dann das passiert, wovor Nietzsche schon warnte: „Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ So jemand ist Adam Dearden, von Beruf „Zukunftsstratege“ eine Sparte, die zivilen Ursprung hat und sich mit Themen wie Geoengineering oder auch Smarte Städte beschäftigt und grundsätzlich Wege zu finden sucht, wie der drohende Untergang zu vermeiden ist. Die zweite Gruppe Futuristen die es gibt sind die „Strategischen Prognostiker“, die ebenfalls versuchen, dem Untergang zu entgehen, sich aber auf militärische Dinge konzentrieren wie Kriegsführung mit Dronen, geopolitische Aufstände etc.

„People who have tried to look into the future in order to try to save the world and have been driven insane by it. The worst kind of insanity, Adam Dearden. We’ve all been sent mad by grief.“

Die erste Gruppe wird von Nonprofit-Organisationen bezahlt, die zweite von Firmen und globalen Sicherheitsgruppen. Beide Gruppen mögen sich nicht sonderlich, teilen aber ein gemeinsames Schicksal. Wer gut ist in seinem Job und sich Tag und Nacht mit den dunklen Seiten der Zukunft beschäftigt, landet irgendwann unweigerlich mit dem Syndrom „Abyss Gaze“ in „Normal“, einer Psychiatrischen Klink gemeinsam gesponsert von den Non Profits und den Konzernen, um die Futuristen wieder fit zu machen.

„The future arrived a couple of weeks ago and nobody noticed. Because that’s how the future always arrives. You don’t realize it’s here until you bump into it.“

Die Klinik „Normal Head“ liegt in der Wildnis Oregons innerhalb eines experimentellen Waldes. Auch Adam Dearden wird mit einer heftigen Form von „Abyss Gaze“ eingeliefert, die ersehnte Abschottung und Ruhe dauert jedoch nur einen Tag. Dann verschwindet ein Patient aus einem verschlossenen Zimmer und alles, was von ihm überbleibt ist ein riesiger Haufen lebender Insekten. Dearden versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen und kommt dabei einer Verschwörung auf den Grund, die die Grundfeste erschüttert wie wir über die Zukunft denken.

Düster und atmosphärisch, für paranoide Philip K Dick („Dickheads“) und „Was wäre wenn-Fans“ – unbedingt lesen.

„The thing about the future is that it keeps happening with you.“

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„Schnell, Dein Leben“ – Sylvie Schenk

Ein kurzer, wahnsinnig dichter Roman, der mir sonst durch die Lappen gegangen wäre, wenn ich ihn nicht wunderbarerweise vom Hanser-Verlag zugeschickt bekommen hätte. Das Leben in diesem Roman rauscht so schnell vorbei wie das eigene.

Louise wächst in den den französischen Alpen auf. Sie studiert in den 50er Jahren in Lyon, geht in Jazzkneipen, trifft spannende Leute, hat ersten Sex mit dem melancholischen Henri, der unter der Ermordung seiner Eltern im zweiten Weltkrieg leidet. Sie trennt sich von ihm und verliebt sich in den Deutschen Johann. Sie heiraten, leben gemeinsam in Deutschland und kommen immer wieder mit der Schuld der Deutschen und konkret auch mit Johanns Eltern in Kontakt.

Ein Buch, das sich mit Verantwortung beschäftigt und der Schwierigkeit, mit der eigenen Familie über Schuld zu sprechen. Der Stil ist gewöhnungsbedürftig, denn es wurde ausschließlich im Imperativ geschrieben. Eine wahnsinnig gute Sätze gibt es im Buch, ich teile hier nur einen, schließlich ist es ein dünnes Büchlein:

„Die Herkunft deiner Mutter war ein Tabu. Auch du hast deine Mutter totgeschwiegen. Aber manchmal, wenn du heute beobachtest, wie selbstverliebte Menschen von ihren verkrachten Existenzen in Fernsehsendungen berichten oder im Internet ihre kleinsten seelischen Regungen ausbreiten, empfindest du viel Mitgefühl und Zuneigung für diese Eltern, die nicht so viel Aufhebens um sich selbst gemacht haben, ihre Kindheitstrauma nicht breitgeschlagen haben, dem eigenen Kummer das Recht streitig gemacht haben, das Leben anderer zu verdunkeln, weil es nichts ändert zu klagen, weil man nur damit auffällt und andere belästigt.“

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„My Name is Lucy Barton“ – Elizabeth Strout

Unsere November-Lektüre im Bookclub hat wieder einmal für heiße Diskussionen gesorgt. Ein dünnes Büchlein, dem man soviel explosiven Diskussionsstoff gar nicht zugetraut hätte. Kalt gelassen hat es niemanden. Es ist – um es gleich vorneweg zu nehmen – sehr gut geschrieben, das Wesentliche des Buches besteht in dem, was zwischen den Zeilen steht, was nicht erzählt und angesprochen wird.

Lucy Barton liegt im Krankenhaus wo sie mit Komplikationen nach einer einigermaßen einfachen Operation zu kämpfen hat. Ihre Mutter, zu der sie seit Jahren kaum Kontakt hat, besucht sie im Krankenhaus. Sie kommunizieren Klatsch und Tratsch über die gemeinsamen Bekannten aus der Heimat in Illionois miteinander, ohne wirklich unter die Oberfläche zu gehen. Dort, wo unerfüllte Sehnsüchte, Spannungen und Verletzungen liegen.

Lucy konnte ihrer „white trash“ Familie entkommen, lebt in New York und versucht Schriftstellerin zu werden. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und doch kann sie ihren Kindheitstraumata nicht wirklich entkommen.

“Then I understood I would never marry him. It’s funny how one thing can make you realize something like that. One can be ready to give up the children one always wanted, one can be ready to withstand remarks about one’s past, or one’s clothes, but then–a tiny remark and the soul deflates and says: Oh.”

Mir war Lucy etwas zu passiv, hat zu wenige Ansprüche an ihre Mutter gestellt, aber vielleicht kommen da persönliche Befindlichkeiten meinerseits mit rein. Ein Roman, den ich grundsätzlich gerne gelesen habe, auch wenn ich „Olive Kittridge“ für ihr weitaus stärkeres Buch halte.

“But I think I know so well the pain we children clutch to our chests, how it lasts our whole lifetime, with longings so large you can’t even weep. We hold it tight, we do, with each seizure of the beating heart: This is mine, this is mine, this is mine.”

Hier noch eine schöne Besprechung von letteratura.

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„Die Juristische Unschärfe der Ehe“ – Olga Grjasnowa

Eine interessante Geschichte mit spannenden, wenn auch nicht unbedingt sympatischen Charakteren, temporeich erzählt mit den kurzen Kapiteln. Bin ziemlich durchgebraust durch den Roman. Es geht um Leyla und Altay, die eine Scheinehe führen, um ihre Familien nicht mit ihrer Homosexualität zu konfrontieren. Sie leben ein cooles, bohemian Leben in einer Berliner Altbauwohnung und beide schleppen hin und wieder Partner für eine Nacht ab, lassen sich aber auf nichts ernstes ein. Sie leben ihre Zerrissenheit miteinander aus und stärken sich gegenseitig.

Das ändert sich, als die beiden Jonoun treffen, eine Frau, die mehr als eine flüchtige Beziehung für Leyla ist und Altay fühlt sich von ihr bedroht. Hat Angst um seine bequeme und glückliche Ehe mit Leyla, die ihm sicher zu sein scheint. Er ist nach einer unglücklichen Liebe vollkommen unfähig sich neu zu verlieben.

Gut gefallen haben mir die Beschreibungen der Städte in Russland und im Kaukasus, den Einblick in das Leben einer Ballerina am Bolschoi-Theater und auch der Einblick in den homosexuellen Alltag in Russland.

Zum Ende hin hat Frau Grjasnowa mich allerdings verloren. Das wirkte abrupt, als hätte sie keine Lust mehr gehabt. Ja und vermutlich mochte ich auch nicht den Beigeschmack, den das Ende für mich hatte und der Wasser auf die Mühlen der „Homosexualität ist eine Wahl“-Freaks ist. Aber vielleicht bin ich da auch zu empfindlich.

„Dort wirst du doch auch nur unter bestimmten Umständen akzeptiert. Was wärst du bloß für ein Schwuler, wenn du dich nicht gut anziehen, dich für Innendesign, Avantgardemusik, Kochen und Lifestyle interessieren würdest?“

„Der Westen braucht den Diskurs über Homosexualität um sich der eigenen Überlegenheit zu vergewissern.“

Kennt ihr eines der vorgestellten Bücher? Wie war eure Leseerfahrung ? Ähnlich ganz anders oder konnte ich vielleicht den einen oder anderen auf eines der Bücher neugierig machen? Ich hoffe doch.

So long und jetzt muss ich erst noch mal meinen Darth Vader anwerfen, ich liebe es wenn er tanzt …

Hier – Richard McGuire

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Richard McGuire hat in dieser Graphic Novel etwas visualisiert, was sich höchstwahrscheinlich jeder von uns, der mal in einem alten Haus gelebt hat, vorgestellt hat. Wie sah dieses Zimmer vor 20 Jahren aus, oder vor 50, 100, 200 Jahren oder auch Tausenden von Jahren bevor das Haus stand? Wer hat hier drin gelebt, wie sah es hier aus und wie wird es hier in Zukunft aussehen?

Richard McGuire ist Autor und Illustrator von Kinderbüchern und experimentellen Comics. Daneben arbeitet er regelmässig für den New Yorker.

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Foto: Wired.com

Diesen Fragen geht er in seiner Graphic Novel „Hier“ nach. Das Buch startet mit einem nahezu leeren Zimmer im Jahr 2014. Ein Sofa, ein Fenster, ein Kamin. Mit jeder Seite die wir umblättern, sehen wir das Zimmer aus dieser Perspektive unter Angabe des jeweiligen Jahres in der Seitenecke. Nicht chronologisch, sondern wir springen mal nur ein paar Jahre zurück, mal Jahrtausende zurück  und auch in die Zukunft. Mal sind Menschen im Zimmer, manchmal ist das Haus noch nicht einmal gebaut worden und wir sehen wie es dort vorher aussah. Wälder, Tiere, ein Fluß.

So banal die eigentliche Idee auch ist, die Umsetzung hat mich ziemlich sprachlos gemacht. Was für aussergewöhnliche Zeichnungen, Einblicke eines Ortes von 2014 über 1775, bis 500,000 Jahre zurück und dann zack in die Zukunft ein Blick ins Jahr 2051, 2313 und dann 22175. Wow!

Seine Phantasie, seine Ideen, insbesondere mit Blick auf die Zukunft, haben mich ungeheuer fasziniert. Eine Graphic Novel die fast komplett ohne jeden Text auskommt und doch soviel aussagt. Ein nachdenkliches, einfach nur wunderschönes Buch, das einen ganz bestimmten „Vibe“ hat, der schwer zu beschreiben ist. Das Buch hat eine Tiefe, die sich einem nicht durch einmaliges Durchblättern erschließt. Es muss wieder und wieder „gelesen“ oder eher angeschaut werden, bevor sich einem jedes Mal etwas Neues Stückchen für Stückchen erschließt. Eine Graphic Novel, die ich wärmstens empfehlen kann. Ein wunderschönes Geschenk.

Hier noch ein interessantes Interview mit dem Autor aus der Paris Review:

Split Screens: An Interview with Richard McGuire

Herzlichen Dank an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar.

Gotham Central – Greg Rucka & Ed Brubaker

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You have been warned 😉 Mein Besuch in der Comic Company kürzlich ist nicht ohne Folgen geblieben – auf Empfehlung hin habe ich mit Gotham Central begonnen, eine Serie über das Gotham City Police Department.

Für Polizisten ist es selten einfach, aber für dieses Polizei Department muß man schon besondere Nerven mitbringen. In Gotham trifft man schließlich neben  Handtaschendieben, Einbrechern und anderen „normalen“ Verbrechern auch auf komplett durchgeknallte Typen, wie z.B. Wissenschaftler mit Vereisungswaffen oder nicht minder psychotische ehemalige Staatsanwälte, denen ein Termin beim Schönheitschirurgen nicht schaden könnte.

Als wäre das nicht schlimm genug werden sie auch noch von einem mysteriösen Bürger aus Gotham City gebabysittet, der sich als Fledermaus verkleidet und die Dinge in die Hand nimmt, wenn die Polizistin nicht weiter kommen. Wer möchte auch schon von einem Cop gerettet werden, wenn sich Batman persönlich um einen kümmern könnte ?

Kein Wunder also, dass nicht nur eitel Sonnenschein herrscht zwischen Cops und Batman.

Die Geschichte ist clever, vernünftig strukturiert und einfach gut geschrieben. Rucka und Brubaker verstehen ihr Handwerk, es hat mich daher nicht überrascht zu lesen, dass sie für diese dunkle emotionale Geschichte den Eisner und Harvey Award gewonnen haben.

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Der zweite Band „Half a Life“ beschäftigt sich überwiegend mit der Polizistin Renee Montoya. Sie wird nicht nur auf ihrer Polizeistation geoutet, ihr wird auch noch ein Mord in die Schuhe geschoben und zu allem Überfluss ist Two Face komplett von ihr besessen und versucht, sie auf sehr verschrobene Art und Weise an sich zu binden.

Wow – ein Comic, der den Bechdel Test mal in jeder Hinsicht besteht. Habe selten eine so überzeugende Geschichte einer nicht-weißen lesbischen Protagonistin gelesen wie diese. Sie versucht den wahren Mörder zu finden, glücklos ihren Eltern gegenüber ein Coming Out zu vermeiden und gleichzeitig macht sie ihrer Chefin gegenüber klar, welche Unterschiede es noch immer gibt zwischen weißen und nicht-weißen in der LGBT Community. Die Privilegien sind auch da sehr unterschiedlich verteilt.
Harter Tobak, wirklich gut geschrieben und das ganze noch mit einer kleinen Portion Batman dazu. Was will man mehr?

Ein Comic, der sehr auf die Entwicklung seiner Charaktere eingeht, die starke Persönlichkeit Renees zeigt und eine Menge Emotionalität ins Spiel bringt. Die letzte Szene, als sie sich schlussendlich ihren Eltern gegenüber öffnet, geht richtig nah.

Eine absolute Lese-Empfehlung für Fans gutgeschriebener Comics aus dem Batman-Canon und für Crime noir Freunde.

Diese tollen Batman Socken mit Superhelden Cape sind im Übrigen besonders morgens zu empfehlen, wenn man es eilig hat. Mit denen ist man ca. 7x so schnell in der Arbeit. Wirkt immer. Ehrlich.

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Meine Lieblinge (7)

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Mein Liebling heute kommt sozusagen aus dem Reich der verdrängten Wünsche zurück.  Ich war immer schon ein riesiger Comic Fan, vor ein paar Jahren allerdings, habe ich dann beschlossen, zack erwachsen – keine Comics mehr. Keine Zeit, keine Zeit, gibt ja so viele wichtige „richtige“ Bücher, da kann man doch keine Zeit mit Comics verplempern.

Hat nicht so geklappt. Die haben mich ja doch immer wieder mal gefunden und es kostet genauso viel Zeit sie heimlich zu lesen (vor wem hab ich es eigentlich verheimlicht????).

Tja und dann hat mich Herr Mesch mit seinen  Comic-Listen komplett verführt und ich war rückfällig. Der mischt bei den „Beste Bücher 2015“ einfach Literatur und Comics und ich brech mir unnötig einen ab mit meiner idiotischen Trennung von E- und U.
Ha! Wenn der Herr Mesch das kann, kann ich das auch 😉

Und ab zurück in meinen jahrelang vollkommen zu Unrecht geächteten Comic Laden. Hab früher so einige Mittagspausen dort verbracht, als ich mit meiner Firma noch in der Klenzestraße saß.

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Die Comic Company in der Fraunhofer Straße hat alles was das Fan-Herz höher schlagen läßt. Richtig gute Auswahl, kompetente und freundliche Beratung und was nicht da ist, wird ruckzuck bestellt, ob deutsch oder englisch (wahrscheinlich auch japanisch für die Manga-Fans, habe ich aber noch nicht probiert).

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Besonders empfehlen kann ich aktuell diese Reihe:

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Gibt soviel nachzuholen – bereitet Euch einfach drauf vor meine Lieben, hier werden jetzt auch hin und wieder Comics und Graphic Novels auftauchen. Mei war ich deppert – warum denn erst jetzt ?

Seid also schlauer als ich und lest was Euch gefällt und falls Euch Comics (noch) nicht gefallen, geht trotzdem mal in der Comic Company vorbei, ich bin mir sicher, den Jungs fällt eine entsprechende Einstiegsdroge ein 😉

 

Fun Home – Alison Bechdel

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Berühmt war Alison Bechdel in der queeren Szene lange hauptsächlich für ihren Comic „Dykes to watch out for“. Irgendwie hat’s mich bei diesem Titel immer etwas gegruselt und ich hab sie mir als furchteinflößende Diesel-Dyke vorgestellt. Irgendwann hab ich überrascht festgestellt, dass eines ihrer Bücher sich monatelang auf der New York Times- Bestsellerliste festgesetzt hatte und begann, mich mal etwas ausführlicher mit ihr zu beschäftigen. Und für meine dämlichen Vorurteile gehört mir heute noch der Hintern versohlt. Alison Bechdel ist eine enzückende, witzige und spannende Autorin und kein bisschen furchteinflössend im Übrigen.

Fun Home ist eine Graphic-Novel-Biografie der Künstlerin Alison Bechdel. Sie wächst mit zwei jüngeren Brüdern und ihren Eltern in einer Kleinstadt in den USA auf. So weit, so normal. Ihre Mutter ist Schauspielerin, ihr Vater lehrt Englisch an der High School und führt nebenher das Familien-Bestattungsunternehmen seiner Familie fort – oh und er ist ziemlich schwul, lebt aber den Schein des braven Familienvaters und outet sich nicht.

 “But how could he admire Joyce’s lengthy, libidinal ‘yes’ so fervently and end up saying ‘no’ to his own life? I suppose that a lifetime spent hiding one’s erotic truth could have a cumulative renunciatory effect. Sexual shame is in itself a kind of death.” 

In sieben Kapiteln erzählt Alison die Geschichte ihrer Kindheit und Jugend, jeweils um ein Buch herum struktuiert (Le Brun’s „Icarus und Daedalus“ / Camus‘ „A Happy Death“ / Fitzgerald‘s „The Great Gatsby“ / Proust’s „In search of lost time“ / Grahame’s „The Wind in the Willows“ / James‘ „Washington Square“ and Joyce’s „Ulysses“) in denen sie geschickt die Parallelen zwischen diesen unterschiedlichen Werken und den Geschehnissen und emotionalen Entwicklungen innerhalb ihrer Familie zieht. Das gibt ihrer ohnehin schon spannenden Biografie nocheinmal zusätzliche Tiefe. Bechdel analysiert sich und insbesondere das Verhältnis zu ihrem Vater in einer so ästhetischen Schärfe und einer Sprache, die ich in einem Comic niemals vermutet hätte. Sie packt das Leben ihres Vaters wie einen Umzugskarton aus, schaut sich jedes Bild, jede Erinnerung an und versucht ihn und sein tragisches Leben „im closet“ zu verstehen, seine Motivationen und Gedanken insbesondere auch im Bezug auf sich selbst.

 “Gatsby’s self-willed metamorphosis from farm boy to prince is many ways identical to my father’s. Like Gatsby, my father fueled this transformation with the „colossal vitality of his illusion“. Unlike Gatsby he did this on a school teacher’s salary.” 

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Im Haus herrscht nahezu arktische Kälte. Der Vater ist hauptsächlich ein kunst- und designorientierter Bohemien, der im falschen Jahrhundert geboren zu sein scheint. All seine Kraft und Energie geht in die perfekte Renovierung und Inneneinrichtung des Hauses, die Kinder sind für ihn hauptsächlich freundliche Helfer, derer er sich für die Renovierungsarbeiten oder für Hilfe im Bestattungsinstitut bedient. Er ist kein böser Vater, hauptsächlich ein wahnsinnig distanzierter. Die Mutter ist ebenfalls eher eine Nebenfigur, nicht wirklich richtig da, ein freundlicher Mitbewohner im Haus, in dem jeder seinen eigenen kreativen Ambitionen nachgeht.

 “It was a vicious cycle, though. The more gratification we found in our own geniuses, the more isolated we grew.” 

“My father once nearly came to blows with a female dinner guest about whether a particular patch of embroidery was fuchsia or magenta. But the infinite gradations of color in a fine sunset – from salmon to canary to midnight blue – left him wordless.” 

Bechdel versucht, ihre eigene Homosexualität und ihre Identifikation über das Sexualleben des Vaters zu interpretieren. Sie sieht ihr eigenes Coming-out (das Ulysses Kapitel) als Katalysator für den Tod ihres Vaters, auch wenn es nicht wirklich einen Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen gibt. Kurz vor seinem Tod forderte Bechdels Mutter die Scheidung, der Unfall des Vaters somit auch ein möglicher Selbstmord? Immer wieder hat Bechdels Vater Affären mit Jungs, die er als Helfer bei der Hausrenovierung, als Babysitter oder im Bestattungsinstitut beschäftigt. Es gibt auch eine Anzeige, er kommt durch den Besuch bei einem Psychotherapeuten allerdings um eine Strafverfolgung herum. Die Mutter kennt diese Seite ihres Mannes, spricht allerdings erst nach dem Tod des Vaters mit ihrer Tochter darüber.

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 “Feminism is the theory. Lesbianism is the practice.” 

 Eine Biografie, die mich von der ersten Seite an total gepackt hat. Konnte sie nicht weglegen und als ich ein paar Stunden später fertig war, habe ich umgehend ihre „Are you my Mother“, eine weitere Graphic Novel von Alison Bechdel, bestellt.

Bechdel erlangte mit der Veröffentlichung von „Fun Home“ 2006 ziemliche Berühmtheit. In den USA gibt es wohl kaum jemanden, der das Buch nicht gelesen hat. Es ist im Buch-Kanon einiger Schulen gelandet, was bei einigen konservativen Gruppen für ziemliche Empörung sorgte. In Missouri demonstrierten christliche Gruppen bis das Buch aus der öffentlichen Bücherei entfernt wurde, allerdings war es schon ein paar Monate später wieder erlaubt.

 Ich kann „Fun Home“ nur empfehlen, vielleicht auch gerade für Leute, die das Genre der Graphic Novels erstmal ausprobieren wollen, ein gutes Einstiegswerk dafür.

Ein interessantes Interview imt Alison Bechdel zur Entstehung des Buches: