Skin in the Game – Nassim Nicholas Taleb

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Nassim Nicholas Taleb oder auch NNT ist eine ziemliche Diva und es ist ganz offensichtlich, dass er eine ganze Reihe Menschen für absolute Idioten hält. Er ist sehr von sich und seinen Ansichten überzeugt, klingt auch sehr überzeugend, aber ob er wirklich so umfassend im Recht ist mit all seinen Ansichten, weiß ich wirklich nicht.

Ich glaube NNT macht sich mit jedem neuen Buch auch neue Feinde und wenn der Leser dieses Buches sich hier nicht wenigstens 1-2 mal angegriffen fühlt und empört ist, dann hat er das Buch glaube ich nicht richtig gelesen. Taleb ist sehr direkt, hat eine scharfe Zunge, aber mit einigen Sachen hat er durchaus Recht. Mich stört nur, dass er seine doch recht scharfen Meinungen nicht immer mit wirklich nachvollziehbaren Argumenten stützt, sondern es dem Leser überlässt, sich den Beweis seiner Thesen selbst zu suchen.

„Ausschlaggebend ist nicht, was eine Person hat oder nicht hat; ausschlaggebend ist, was sie Angst hat zu verlieren“

„Wer redet, sollte auch handeln, und nur wer handelt, sollte auch reden“

„Lassen Sie sich nicht von Personen beraten, die davon leben, Ratschläge zu geben, es sei denn, sie haften für die Folgen“

„Bürokratie ist ein Mechanismus, durch den eine Person von den Folgen ihres Handelns abgetrennt wird.“

„Es ist schlichtweg unmoralisch ein öffentliches Amt zur persönlichen Bereicherung auszunutzen“

Die Prämisse des Buch ist, dass man den Meinungen oder Prognosen anderer Leute nur dann Wert beimessen soll, wenn diese auch tatsächlich „Skin in the Game“ haben, also wenn sie auch persönlich etwas einsetzen und etwas zu verlieren haben. Es sind die Resultate die zählen, Meinungen und Gerede allein ist wertlos. Es ist seiner Meinung nach einfach, eine Menge Meinungen zu vertreten oder Dinge anzuleiern, wenn man selbst keinerlei Konsequenzen zu fürchten hat, oder man vom Ergebnis selbst nicht betroffen ist. Das gilt in seinen Augen insbesondere für Akademiker oder die Intellektuellen, die NNT ein ganz besonderer Dorn im Auge sind. Er setzt viel auf die „harten“ Naturwissenschaften, die seiner Meinung nach durch das Falsifikationsprinzip vor einfachen Glaubenssätzen stärker geschützt sind.

Das Buch ist eine ziemliche Schimpftirade und größtenteils etwas unstrukturiert, fast schon ein wenig stream-of-consciousness. Es hat mich stellenweise sehr begeistert, oft hätte ich NNT aber auch gerne vors Schienbein getreten, wenn er sich in meiner Nähe befunden hätte. Man mag nicht immer mit ihm übereinstimmen, aber er bringt einen zum Nachdenken, ist ein sehr kluger Kopf und er läßt nie einen Zweifel, auf welcher Seite er sich bei der jeweiligen Fragestellung gerade befindet.

Es geht ihm um Symmetrie, darum, den Schaden zu teilen das Bonus/Malus System, also auch eine Strafe zu zahlen, wenn etwas misslingt. Wie schwierig und vielleicht überholt die bestehende Links-Rechts-Etikettierung ist, zeigt sich vielleicht an diesem Spruch:

„Auf Bundesebene bin ich Liberalist;
auf Staatsebene Republikaner;
auf Kommunalebene Demokrat;
und auf der Verwandten- und Bekanntenebene Sozialist“

Mich hat das Buch nicht durchgängig überzeugt, aber es ist eine interessante und provokante Lektüre, die mich zumindest auf einige Autoren wie Frédéric Dard, Libanius Antiochus, Michael Oakeshort, Ibn Battuta, Saadia Gaon oder Ammianus Marcellinus aufmerksam gemacht hat, von denen ich bislang noch nie gehört hatte.

Ich danke dem Penguin Random House Verlag für das Rezensionsexemplar.

Hier ein Vortrag des Autors zum Thema „Antifragilität“:

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