Bullshit Jobs – David Graeber

„We keep inventing jobs because of this false idea that everyone has to be employed at some dort of drudgery because, according to Malthusian Darwinian theory he must justify his right to exist“ (Buckminster Fuller)

David Graeber ist Professor für Anthropologie an der London School of Economics und hat mit „Bullshit Jobs“ eine umfangreichere Ausarbeitung seines Essays „On the Phenomenon of Bullshit Jobs“ vorgenommen, das vor ein paar Jahren im Internet für Furore sorgte. Er definiert Bullshit Jobs wie folgt:

“A Bullshit job is a form of paid employment that is so completely pointless, unnecessary, or pernicious that even the employee cannot justify its existence even though, as part of the conditions of employment, the employee feels obligated to pretend that this is not the case.”

Hier geht es zum original Artikel, der 2013 im Strike Magazin erschien.

Für Graeber gibt es eine klare Unterscheidung zwischen „shit jobs“, solche die tatsächlich wichtig, aber in der Regel weder gut bezahlt, noch angenehm oder besonders gut angesehen sind, und solche, die zwar großes Ansehen haben, eigentlich aber ziemlich überflüssig sind:

“Those who work shit jobs tend to be the object of indignities; they not only work hard but also are held in low esteem for that very reason. But at least they know they’re doing something useful. Those who work bullshit jobs are often surrounded by honor and prestige; they are respected as professionals, well paid, and treated as high achievers—as the sort of people who can be justly proud of what they do. Yet secretly they are aware that they have achieved nothing; they feel they have done nothing to earn the consumer toys with which they fill their lives; they feel it’s all based on a lie—as, indeed, it is.” 

Was ich mochte war, dass Graeber die Jobinhaber selber entscheiden lässt, wie sie ihren Job klassifizieren würden. Eine Einschätzung wird immer subjektiv sein, aber wer könnte den eigenen Job letztendlich besser beurteilen, als derjenige der diesen inne hat?

Gewerbliche Arbeit wurde in den letzten Jahrzehnten immer weiter automatisiert, immer streng auf Effektivität und Effizienz bedacht. Gleichzeitig wanderten viele der dadurch wegrationalisierten Jobs häufig einfach auf die „Büro“/white collar Seite verschoben, wo Manager, die sich über die Breite ihrer Führungsspanne definieren, dafür sorgen, dass hier immer mehr und teilweise komplett unnötige Jobs entstehen.

“If the ongoing importance of a manager is measured by how many people he has working under him, the immediate material manifestation of that manager’s power and prestige is the visual quality of his presentations and reports. The meetings in which such emblems are displayed might be considered the high rituals of the corporate world.” 

Ein nicht unerheblicher Teil des Buches versucht zu erklären, wie es dazu kommen konnte, dass gerade der doch so sehr auf Hyper-Effizienz getrimmte Kapitalismus für dieses Phänomen verantwortlich ist. Wer glaubt, hier handelt es sich ausschließlich um Behördenjobs oder solche in abgehalfterten, unorganisierten Betrieben auf dem absteigenden Ast, täuscht sich immens. Bullshit Jobs sind in allen Industrien und auf allen Hierarchie-Ebenen zu finden.

„Even in relatively benign office environments, the lack of a sense of purpose eats away at people. It may not cause actual physical and mental degeneration, but at the very least, it leaves workers struggling with feelings of emptiness and worthlessness.“

Spannend ist dabei, wenn man sich vor Augen führt, dass John Maynard Keynes in den 1930 Jahren prognostizierte, dass die Menschen aufgrund von technischem Fortschritt mit deutlich weniger Arbeit konfrontiert sein werden und ihre Arbeitskraft größtenteils nicht mehr benötigt werden wird. Doch er war optimistisch, dass die Menschen andere Wege finden würden, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen – auch außerhalb der bekannten Lohnarbeitsstrukturen.

“Since at least the Great Depression, we’ve been hearing warnings that automation was or was about to be throwing millions out of work—Keynes at the time coined the term “technological unemployment,” and many assumed the mass unemployment of the 1930s was just a sign of things to come—and while this might make it seem such claims have always been somewhat alarmist, what this book suggests is that the opposite was the case. They were entirely accurate. Automation did, in fact, lead to mass unemployment. We have simply stopped the gap by adding dummy jobs that are effectively made up. A combination of political pressure from both right and left, a deeply held popular feeling that paid employment alone can make one a full moral person, and finally, a fear on the part of the upper classes, already noted by George Orwell in 1933, of what the laboring masses might get up to if they had too much leisure on their hands, has ensured that whatever the underlying reality, when it comes to official unemployment figures in wealthy countries, the needle should never jump too far from the range of 3 to 8 percent. But if one eliminates bullshit jobs from the picture, and the real jobs that only exist to support them, one could say that the catastrophe predicted in the 1930s really did happen. Upward of 50 percent to 60 percent of the population has, in fact, been thrown out of work.” 

Die Gesellschaft hat auch früher schon Lösungen für solche Probleme finden müssen. Die Schule – wie wir sie heute kennen – war im Grunde auch eine Antwort  auf die Fragestellung, was man vernünftigerweise mit den Kindern anfangen soll, die man zunehmend weniger in Landwirtschaft oder Fabriken benötigte.

Die Vorstellung, dass Scharen von Kindern und Jugendlichen ohne Aufgabe und Betreuung den ganzen Tag in der Gegend herumlungern, gefiel keinem so wirklich und man sah ein, dass Schule dieses Problem lösen könnte. Eine ähnliche Rolle spielen Universitäten, die auch sowas wie ein Auffangbecken sind, da es zunehmend weniger Bedarf an Angestellten unter 24/25 Jahren gibt.

Auch wir müssen beginnen, uns mit neuen Definitionen von Arbeit zu beschäftigen, denn die Automatisierung, Machine Learning und Artificial Intelligence werden die uns bekannte Arbeitswelt vermutlich ganz schön durchrütteln. Um die Bullshit Jobs ist es nicht schade, aber wir müssen neu denken und bestehende Begriffe umdefinieren. Arbeit sollte für uns nicht nur dann als Arbeit gelten, wenn sie mit Bezahlung in Verbindung steht. Warum sollte die Erziehung der eigenen Kinder zum Beispiel nicht als besonders wichtige Arbeit gelten? Momentan laufen ja bereits einige Experimente weltweit zum bedingungslosen Grundeinkommen beispielsweise, das ein Teil der Lösung sein könnte.

Über Keynes wird gerne gespottet, dass er mit seinen Einschätzungen so völlig daneben lag, aber vielleicht hatte er gar nicht so unrecht. Die kürzen Arbeitstage oder -wochen haben sich tatsächlich nicht materialisiert und die Menschen haben noch keine Freizeit im Überfluss die sie versuchen, mit sinnstiftender Freizeit zu füllen. Er hat nur einfach nicht erwartet, dass man die Menschen stattdessen haufenweise mit Bullshit Jobs beschäftigt und viele an Boreouts und Burnouts erkranken lässt.

Graeber zeigt, wie viel unnötige und oft schädigende Arbeit verrichtet werden muss und schreibt über das unausgesprochene Gesetz, stets möglichst beschäftigt auszusehen. Man wird für die Zeit bezahlt, die man daher seinem Arbeitgeber schuldet, was zu einem der perfidesten Psycho-Spiele unserer Arbeitswelt führt. Schon absolute Berufsanfänger lernen, nur nicht so schnell sein, Arbeit besser einteilen oder eben geschickt darin werden, so zu tun als sei man mächtig beschäftigt.

Das „busy busy bang bang“ ist ja auch die Währung in unserer Berufswelt. Man brüstet sich mit der unglaubliche Masse an ungelesenen Emails, die man vor lauter Arbeit nicht abzuarbeiten schafft oder damit, wie wenig man geschlafen oder wie lange wieder im Büro gesessen hat. Kein Wunder, dass frisch in den Arbeitsmarkt eindringende Generationen (Millenials) immer größere Schwierigkeiten haben, diesen Zirkus ernst zu nehmen.

„Conservative voters, I would suggest, tend to resent intellectuals more than they resent rich people, because they can imagine a scenario in which they or their children might become rich, but cannot possibly imagine one in which they could ever become a member of the cultural elite“

Historisch gesehen ist Arbeit nichts, was üblicherweise jeden Tag in 8 oder 10 Stunden Intervallen passierte. Arbeit in unserem Sinne war geprägt von Phasen großer intensiver Aktivität und großen Ruhephasen. Jagd nach Nahrung konnte Stunden und Tage dauern, anschließend gefolgt von Ruhetagen, die solange andauerten, bis wieder Nahrung benötigt wurde. Ähnlich verläuft die Arbeit in der Landwirtschaft. Während der Ernte zum Beispiel wird von früh bis spät geackert, dafür gibt es aber auch längere Phasen die weniger arbeitsintensiv sind und die man für Instandhaltungsarbeiten oder ähnliches nutzte. Ein Rhythmus von hoher Intensität mit anschließenden Pausen ist viel natürlicher für Menschen, als ein streng getakteter, überwiegend von der Intensität eher gleichbleibender Rhythmus.

Ganz selbstverständlich gehen wir davon aus, dass die Wirtschaft zweifelsfrei auf Effizienz getrimmt ist und dem Markt nur das liefert, was die Marktteilnehmer auch wollen und davon bin ich natürlich auch ausgegangen. Graeber zeigt aber sehr nachvollziehbar auf, dass das keineswegs so zweifelsfrei der Fall ist.

Eine der schlimmsten Formen der Folter ist, einen Menschen eine Tätigkeit tun zu lassen, von dem diese wissen, dass sie absolut sinn- und zwecklos ist. Wenn es uns nicht möglich ist, eine zumindest halbwegs nachvollziehbare Geschichte zu spinnen, warum das, was wir tun, wichtig und richtig ist, macht uns Menschen das über kurz oder lang schlichtweg krank. Klar, wenn dein Gehalt daran hängt zu glauben, dass dein Job irgendeinen Sinn hat, dann versuchen die meisten Menschen das sicherlich auch irgendwie zu tun. Dennoch geben ca 40% der Bevölkerung an, dass ihr Job völlig sinnfrei ist, nichts bringt und keinen Sinn stiftet. Aber wie Upton Sinclair schon sagte:

‘It is difficult to get a man to understand something, when his salary depends on his not understanding it.’

Das Buch ist unterhaltsam mit vielen spannenden Diskussionen und Zitaten von Leuten, die den Autor in Anekdotenform von ihren persönlichen Bullshit Job Erfahrungen berichten. Besonders interessant fand ich auch seine Bullshit Job-Typolgie:

1. The Flunky. Der Lakai. Der Hauptjob des Lakaien ist jemand anderem das Gefühl zu geben, sich wichtig zu fühlen oder als wichtig angesehen zu werden.

2. Goons. Jobs, die ein gewisses Mass an Aggressivität innehaben und die nur existieren, weil jemand anderen einen anstellt. Beispiele wären Telefonverkäufer oder Werbeleute:

„“We essentially make viewers feel inadequate whilst they are watching the main program and then exaggerate the effectiveness of the ‘solutions’ provided in the commercial breaks.”

3. Duct Tapers. Angestellte, deren Job nur aufgrund einer Panne oder eines Fehlers in der Organisation besteht und deren Hauptaufgabe darin besteht, Probleme zu beseitigen, die es eigentlich nicht geben sollte.

4. Box Tickers. Angestellte, die es nur gibt, damit eine Organisation vorgeben kann irgendetwas zu tun, was sie eigentlich nicht wirklich tun. Datenschutzbeauftragte wären ein gängiges Beispiel dafür.

Graeber hat ein ziemlich aufwühlendes Buch geschrieben, mit spannenden und kontroversen Thesen, die vielen nicht passen werden. Seine Analysen sind klar, logisch und fast schon deprimierend nüchtern. Wir haben so viele sinnfreie, leere, komplett unnötige Arbeit geschaffen, die wir eigentlich überhaupt nicht brauchen. Aber unser über Jahrhunderte konditionierter moralischer Kompass sagt uns weiterhin, wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen. Was bedeutet, dass unglaublich viele Menschen ohne absehbares Ende das Spiel mitspielen müssen. Arbeit wird immer als inhärent gut angesehen, egal wie unsinnig sie eigentlich ist.

“We have become a civilization based on work—not even “productive work” but work as an end and meaning in itself.” 

Einzig im Fernsehen durch Sendungen wie „The Office“ gibt es Momente, in denen das wahre Gesicht der Bullshit Jobs zum Ausdruck kommt.

“Even in corporate environments, it is very difficult to remove an underling for incompetence if that underling has seniority and a long history of good performance reviews. As in government bureaucracies, the easiest way to deal with such people is often to “kick them upstairs”: promote them to a higher post, where they become somebody else’s problem.” 

(Ich schreibe jetzt nicht, an wen mich das gerade erinnert)

David Graeber ist weiterhin einer der provozierensten und spannendsten Denker unserer Zeit. Hier ein Interview mit dem Autor:

 

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Day 14 – A book that made you cry

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Well it would probably be a bit over the top to say the book made me cry – I don’t cry that easily usually only when fictional people (or Octopus) die. The “Hillbilly Elegy” didn’t make me cry, but quite sad actually for the generations of kids that get born in f*** up families.

The book keeps being mentioned as the one that helps explain why the white working class in the US voted for Trump and coming from white working class with a hint of white trash background myself that kinda stuff interests me a lot.

Poverty, Chaos, Helplessness, violence, drugs and alcohol that is the vicious cycle for a lot of white American working class families in the US. Detached from their political leadership class and suspended from the rest of society and therefore susceptible for populistic slogans. In the past “Hillbillys” had at least the chance to work their ways up in factories in the Manufacturing belt in the old industries but latest with the end of the 20th century the decline of these industries dragged the Hillbilly families down with them and they have never recovered from it turning the manufacturing belt into the rust belt of the country.

“Barack Obama strikes at the heart of our deepest insecurities. He is a good father while many of us aren’t. He wears suits to his job while we wear overalls, if we’re lucky enough to have a job at all. His wife tells us that we shouldn’t be feeding our children certain foods, and we hate her for it—not because we think she’s wrong but because we know she’s right.”

JD Vance talks about the history of his family and draws a picture of failure and the resignation of a complete society class. Vance manages to make the situation of the people in the huge Appalachian area more tangible and understandable. His Grandparents were typical Hillbillys in a sense that they believed in Guns and Gods and hard work, they were probably the last generation that had at least partially the sense that they can influence their own fate.

“What separates the successful from the unsuccessful are the expectations that they had for their own lives. Yet the message of the right is increasingly: It’s not your fault that you’re a loser; it’s the government’s fault.”

 

“If you believe that hard work pays off, then you work hard; if you think it’s hard to get ahead even when you try, then why try at all? Similarly, when people do fail, this mind-set allows them to look outward. I once ran into an old acquaintance at a Middletown bar who told me that he had recently quit his job because he was sick of waking up early. I later saw him complaining on Facebook about the “Obama economy” and how it had affected his life. I don’t doubt that the Obama economy has affected many, but this man is assuredly not among them. His status in life is directly attributable to the choices he’s made, and his life will improve only through better decisions. But for him to make better choices, he needs to live in an environment that forces him to ask tough questions about himself. There is a cultural movement in the white working class to blame problems on society or the government, and that movement gains adherents by the day.” 

JDs most powerful influences were his grandparents that he called Mamaw and Papaw: very fierce, hard-drinking fighters with a strong belief in honor and family solidarity. They might beat their kids but beware if an outsider would ever say one harsh word to them… Both did their own children not much good especially not JD’s mother, a heroin and painkiller addict with a bewildering number of boyfriends and husbands – but by the time JD needed them they had softened a bit and gave him the love and support he needed to succeed.

“For kids like me, the part of the brain that deals with stress and conflict is always activated…We are constantly ready to fight or flee, because there is a constant exposure to the bear, whether that bear is an alcoholic dad or an unhinged mom”

On one hand there are a lot of similarities. My brother and I were also (more or less successfully) rescued by my Grandmother and would it not have been for her,  my life would have been completely different and certainly not nearly as good as it is now. I can also relate to the feeling of being a stranger of not belonging after the social upward move, I still have lot’s of awkward moments when being in company that somehow gives me the feeling (to be honest I give this feeling to myself most of the time) of not belonging, of not exactly knowing “how to behave”.

“social mobility isn’t just about money and economics, it’s about a lifestyle change. The wealthy and the powerful aren’t just wealthy and powerful; they follow a different set of norms and mores. When you go from working-class to professional-class, almost everything about your old life becomes unfashionable at best or unhealthy at worst.” 

“We don’t study as children, and we don’t make our kids study when we’re parents. Our kids perform poorly in school. We might get angry with them, but we never give them the tools—like peace and quiet at home—to succeed.” 

“interviews showed me that successful people are playing an entirely different game. They don’t flood the job market with résumés, hoping that some employer will grace them with an interview. They network. They email a friend of a friend to make sure their name gets the look it deserves. They have their uncles call old college buddies. They have their school’s career service office set up interviews months in advance on their behalf. They have parents tell them how to dress, what to say, and whom to schmooze.” 

The difference is I didn’t feel I belonged to the grim council estate working class reality of my childhood either. I was always drawn to the people that are now often labeled so  unfavorably “Elites”. I hated the violence around me, I never saw it as anything to be proud of and was trying to escape as quickly as I could (dragging my Granny along as far as it was possibly). And I had many kind more intellectual people who helped me see a more positive future and who acted as role models and supporters.

So this is probably my personal biggest challenge with the book, that I generally highly recommend and found very insightful: He felt he belonged with the Hillbillys and had to adapt to live in the world of Yale etc. That was not the case for me. I never felt home where I came from but I don’t always feel 100% accepted in the social order that I moved into. Maybe I’m just jealous of him 😉

The most important factor to escape poverty is to have a stable environment around you and at least one person that protects and helps you.

JD Vance is doing a good job in not offering over simplified solutions for huge problems. Interesting how partially pretty similar experiences turn one into quite the religious convervative guy and another one into an atheist liberal.

Where I 100% agree with him: Not just in the US – the same is true here in Germany:  It’s dangerous if huge parts of society have the impression they have absolutely no influence on their own fate. If people don’t even try because they are born in a culture of learned helplessness, that turns them into victims and makes them remain victims if they don’t manage to change this perspective.

“I don’t know what the answer is, precisely, but I know it starts when we stop blaming Obama or Bush or faceless companies and ask ourselves what we can do to make things better.”

Das Buch erschien auf deutsch unter dem Titel: „Hillbilly Elegy: Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise“

Day 5 – Everyone should read

„As much as talent counts, effort counts twice.“

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In „Grit – The Power of Passion and Perseverance“Angela Duckworth, University of Pennsylvania psychology professor argues that the secret to success — whether for parents, students, educators, athletes, or business people — is not talent, but a combination of passion and perseverance she calls “grit.”

The dictionary defines “grit” as “mental toughness or courage.”

The book was such an eye-opener for me and I have used her TED Talk and parts of the book a lot in my Leadership trainings and have given the book as a present a couple of times. It was such a paradigm shift for me.

Having grown-up in an environment that placed so much emphasis on natural intelligence and talents, I was taught in school to always stick to what I’m immediately good at, avoid failure at all costs, because failure is just so bad. The whole spiel of the closed versus a growth mindset.

Based on my experience and of those around me, I realized this kind of thinking was detrimental to our development and luckily I’ve learned that people are so much more adaptable and can achieve so much more when they simply try harder and they believe they can make it, which is the opposite of what I’ve been taught to believe. Ironically, the easiest way to fail is to actually not to try because you are scared of failing.

In Grit, Angela makes clear that talent exists (defining talent as the rate in which a person learns with effort), but argues that „a focus on talent distracts us from something that is at least as important, and that is effort“. Also, Angela values the cultivation of other character strengths to be happy and successful in live like humility, kindness, social intelligence etc.

“Our potential is one thing. What we do with it is quite another.” 

I love „Grit“. It’s so informative, clear and very well written. I especially liked the fact that there was a chapter in her book that took note of the fact that a lot of children grow up in very very difficult circumstances which makes it a lot harder for them.

If you are hungry at school, scared of violence at home your priorities are just plainly somewhere else and these kids most probably are not encouraged by their parents to enroll in team sports, or to learn an instrument etc.

The most important thing to overcome poverty in the world is to give children a decent upbringing. This book has touched me in so many ways and helping kids from uneducated and/or poor backgrounds is one goal in life I have not yet reached. I will use all the Grit I have in make it happen.

“…there are no shortcuts to excellence. Developing real expertise, figuring out really hard problems, it all takes time―longer than most people imagine….you’ve got to apply those skills and produce goods or services that are valuable to people….Grit is about working on something you care about so much that you’re willing to stay loyal to it…it’s doing what you love, but not just falling in love―staying in love.” 

Here is Angela’s TED Talk on „Grit“:

Which book do you think everybody should read?

Short but sweet

Nein sie haben nicht wirklich etwas miteinander zu tun die drei, außer das ich sie erst kürzlich gelesen und noch nicht besprochen habe. Für die Ausführlichkeit fehlt mir momentan die Zeit, daher heute drei auf einen Schlag und das ganze short und sweet.

Aharon Appelfeld – „Geschichte eines Lebens“

Ein ungewöhnliche, berührende Biografie – trotz aller Schrecklichkeit, die der Geschichte eines Holocaust-Überlebenden innewohnt. Appelfeld zeichnet fesselnde kleine Vignetten, in denen er immer wieder über die Schwierigkeit des Erinnerns sinniert.

Er beschreibt die Zeit bevor seine Mutter getötet wurde, seine Flucht aus dem Ghetto, in dem er mit seinem Vater und Onkel eingesperrt war und seine einsamen Jahre auf der Flucht, die er teils im Wald, teils arbeitend bei anderen Familien verbrachte. Sein unerschütterlicher Glaube, von seiner Mutter und seiner Familie gefunden zu werden, seine Schwierigkeiten als Jugendlicher in Israel Fuß zu fassen, sind bewegend, ohne je sentimental zu werden.

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Ein wunderschönes, bedächtiges Buch, dem ich mit meiner Kurzbeschreibung hier nicht gerecht genug werde. Eine sehr gute Rezension findet ihr bei Sätze und Schätze, dort wurde ich auch an das Buch erinnert, das schon seit längerer Zeit bei mir im Regal stand.

Rebecca Solnit – Hoffnung in der Dunkelheit

Ein wiedergelesenes Buch, denn Solnit ist eine Autorin, die ich so sehr schätze und als ich es aus dem Regal holte, da brauchte ich etwas Hoffnung und die versteht Solnit zu geben. Meine leisen Befürchtungen, die Essays aus dem Jahr 2004 könnten vielleicht überholt wirken, waren absolut unbegründet.

Schon 2004 beschäftigte sich Solnit mit Hoffnung in dunklen Zeiten und auch wenn man aus heutiger Sicht glauben mag, 2004 war es doch lange noch nicht so schlimm wie heute, jede Zeit hat seine dunklen Phasen und wir müssen lernen den Optimismus nicht zu verlieren.

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Solnit versucht die hellen Flecken zu finden, nicht nur die Niederlagen zu sehen, sondern die vielen Siege, die es im Laufe der Geschichte immer wieder gegeben hat. Sie beschäftigt sich mit der Geschichte des politischen und gesellschaftlichen Aktivismus der letzten fünf Jahrzehnte. Vom Fall der Mauer zu den weltweiten Protesten gegen den Irak Krieg. Sie versucht neue Perspektiven aufzuzeigen, in dem man nicht den Misserfolg sieht, weil der Krieg nicht gestoppt wurde, sondern den Erfolg, denn es wurden zahlreiche wertvolle Netzwerke, Gemeinschaften etc. geschaffen.

“Perfection is a stick with which to beat the possible.” 

Solnit ist eine Autorin, die mir direkt aufs Herz schreibt. Die hoffnungsvoll und optimistisch ist und wilde Möglichkeiten sieht. Die aber auch kritisiert und den Finger draufhält, wo es weh tut. .

“People have always been good at imagining the end of the world, which is much easier to picture than the strange sidelong paths of change in a world without end.”

Hoffnung in der Dunkelheit stand im Regal, als ich gerade etwas Hoffnung brauchte, aber ohne mich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, kann ich ihre Bücher einfach grundsätzlich empfehlen.

Thomas Pyczek – Ende der Welt

Nein, keine Dystopie, auch wenn der Titel und meine Vorliebe für dieses Genre das vielleicht nahelegen. Eine Reise in die Vergangenheit, die bis ans Ende der Welt führt. Eine gute Mischung aus Krimi, Reiseliteratur mit einem Schuss Liebe und Erotik.

1991 beschließt André, eine Reise durch Amerika zu machen, bevor er sich endgültig niederlässt und dem Ernst des Lebens widmet. Er kommt bis Feuerland. In Ushuaia trifft er eine geheimnisvolle Frau und verschwindet.

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20 Jahre später macht sich Andrés damalige Freundin mit dem gemeinsamen Sohn  auf die Suche, um endlich zu erfahren was damals passierte. Doch kaum in Ushuaia angekommen, verschwindet auch Jan …

Wer eine Reise nach Feuerland plant, sollte das Buch unbedingt einpacken, es ist aber auch spannend, wenn man es auf der anderen Seite der Welt liest.

Freue mich, wenn ich mit dem einen oder anderen Buch Interesse wecken konnte. Bin gespannt auf Eure Rückmeldungen.

„Geschichte eines Lebens“ ist im Rowohlt Verlag erschienen.
„Hoffnung in der Dunkelheit“ ist im Pendo Verlag erschienen.
„Ende der Welt“ ist hier erhältlich.

 

 

 

 

Walden Two – BF Skinner

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Wer mich ein wenig kennt, weiß ja dass ich des Öfteren bis zum Bauchnabel in der Papiermülltonne stecke, wenn wieder ein Wahnsinniger Bücher weggeworfen hat. So geschehen vor einer Weile, als die Tonne fast randvoll war mit Büchern, was  nicht nur zu verspätetem Arbeitsbeginn führte, sondern auch zu einer ganzen Reihe sehr spannender Neuzugänge im heimischen Bücherregal.

Wer auch immer damals all diese Bücher weggeworfen hat, der eigentliche Besitzer muss ein interessanter Mensch gewesen sein. Fast alles englischsprachige Bücher, die in den 1960/Anfang der 1970 Jahre erschienen waren. Von Pirsigs „Zen and the Art of Motorcycle Maintenance“ über Aldous Huxleys „Island“ unter anderem zu „Walden Two“ von BF Skinner und einigem mehr. Was würde ich dafür geben, mit dem Besitzer mal ein Bier oder drei zu trinken und mich über seine Sammlung auszutauschen und warum die alle in der Tonne gelandet sind.

Skinners Roman erschien im gleichen Jahr, in dem George Orwell „1984“ schrieb, im Jahr 1948, kurz nach dem 2. Weltkrieg. Walden Two ist sozusagen das positive Gegenstück zu Orwells düsterer Dystopie: eine Gemeinde von etwa 1000 Personen, die weitgehend autonom von der Außenwelt leben – nach den von Skinner erforschten Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Verhaltens.

Der Roman wird aus der Sicht des Psychologie-Professors Burris erzählt, der von einem Studenten von der Gemeinde Walden Two hört, die ein früherer Student von ihm, T.E. Frazier, gegründet haben soll. Er wird neugierig und beschließt, mit ein paar Freunden Walden Two zu besuchen und das Ganze in Augenschein zu nehmen.

Der Name Walden Two bezieht sich auf  das Buch Walden von Henry David Thoreau, der zwei Jahre am Walden-See allein in einer selbst gezimmerten Holzhütte lebte. Skinner erklärte, Thoreaus Walden sei ein Experiment mit einer Person gewesen, Walden Two sei ein Experiment mehrerer Personen, die wie Thoreau ein freies und selbstbestimmtes Leben führen wollten.

“The only geniuses produced by the chaos of society are those who do something about it. Chaos breeds geniuses. It offers a man something to be a genius about.”

“No one asks how to motivate a baby. A baby naturally explores everything it can get at, unless restraining forces have already been at work. And this tendency doesn’t die out, it’s wiped out.” 

Das ist kein Unterhaltungsroman und er versucht auch nicht zwingend „entertaining“ zu sein, das Ganze ist mehr Treibstoff fürs Hirn, weil jede Menge Fragen und Diskussionen aufgeworfen werden. Mich hat es sehr beeindruckt.

“Some of us learn control, more or less by accident. The rest of us go all our lives not even understanding how it is possible, and blaming our failure on being born the wrong way.” 

 “We are only just beginning to understand the power of love because we are just beginning to understand the weakness of force and aggression.” 

Ich habe vor ein paar Jahren „Nudge“ gelesen von Richard Thaler, ein Begriff der aus der Verhaltensökonomik kommt und auf der Methode beruht, dass Verhalten von Menschen auf vorhersagbare Weise zu beeinflussen, ohne dabei auf Verbote und Gebote zurückgreifen oder ökonomische Anreize verändern zu müssen. Eine nicht ganz unumstrittene Methode, die sicher auch ihre Kehrseiten hat, aber positiv eingesetzt auch recht erfolgreich sein kann.

Schade, dass in keinem der Bücher ein Name stand, als ich sie aus der Tonne angelte, ich hätte den Besitzer zu gerne getroffen und mit ihm diskutiert. Vielleicht liest er oder sie das ja jetzt und meldet sich und das wird dann der Start einer wunderbaren utopischen Freudschaft 😉

Hier ein kurzer Auszug aus einer BBC Dokumentation über Skinner:

 

Müdigkeitsgesellschaft – Byung-Chul Han

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Um die Wahrheit zu sagen – das Büchlein hat mich ordentlich gefordert, aber genau das mag ich an Herrn Han. Das ich die Sätze erst marinieren lassen muss, bevor sie langsam zugänglich werden (was vermutlich für Herrn Han spricht, meine intellektuellen Kapazitäten wohl eher schmälert).

Er irritiert mich oft nachhaltig, der aus Seoul stammende und an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe lehrende Philosoph. Der Rektor dieser Uni ist im Übrigen Herr Sloterdijk, aber das nur am Rande.  Er tut das zum Beispiel, wenn er in der westlichen Welt ein Problem im Übermaß an Positivität zu erkennen glaubt. Erstmal – hmmm? Schneller zugänglicher und nachvollziehbarer ist für mich seine These, dass sich der moderne Mensch in unserer Leistungsgesellschaft zur permanenten Selbstoptimierung gezwungen sieht und sich daher selbst ins Hamsterrad verfrachtet hat. Keine Außenkontrolle, die die Peitsche schwingt, das macht er schon schön selbst mit sich aus, der moderne Mensch.

„Sie (die Depression) bricht in dem Moment aus, in dem das Leistungssubjekt nicht mehr können kann.“

„Die Klage des depressiven Individuums ,Nichts ist möglich’ ist nur in einer Gesellschaft möglich, die glaubt Nichts ist unmöglich.“

Das Buch hat erstaunlichen Erfolg gehabt und war nach kurzer Zeit schon ausverkauft, was insbesondere für ein philosophisches Buch eine echte Leistung ist. Ob beim Titel „Müdigkeitsgesellschaft“ einige beim Kauf einen Burn-Out-Ratgeber erwarteten, kann ich nicht belegen, aber die Vermutung hat sich mir aufgedrängt.

Han beleuchtet in seinem Büchlein die neben den Leitmedien und den Leitkulturen bestehenden Leitkrankheiten unseres Zeitalters. Das bakteriologische Zeitalter endete mit der erfolgeichen Verbreitung von Antibiotika, wir dagegen müssen uns im beginnenden neuronal bestimmten  21. Jahrhundert erst noch erfolgreich nach Heilung umschauen. Unser Zeitalter ist geprägt von Neuro-Erkrankungen: Burn-Out, Depression, ADHS, unterschiedlichsten Angst und Persönlichkeitsstörungen.

Han belegt seine Theorie des neuronalen Zeitalters mit Anekdoten und Beispielen aus der Wirtschaft, der Arbeit, der Politik. Wo es im bakteriologischen Zeitalter um die Bekämpfung eines Feindes von außen ging, sitzt er im neuronalen in uns drin. Dann macht irgendwann auch das Übermaß an Positivität Sinn, von dem er spricht. Die Bedrohung sitzt eben nicht außen, ist nicht im Anderen, sondern liegt an einem Übermaß am Gleichen, für die es keine natürliche Abwehrreaktion gibt. Gegen Hyperaktivität oder Dauerkommunikation gibt es keine Abwehrreaktion des Körpers, wie auch nicht bei einem Zuviel an Zucker oder Fett. Die sind ja kein wirklicher Feind, die werden es erst bei einem Zuviel.

„Nicht-Mehr-Können-Können führt zu einem destruktiven Selbstvorwurf und zur Autoagression.“

„In der freien Wildbahn ist das Tier dazu gezwungen, seine Aufmerksamkeit auf diverse Tätigkeiten zu verteilen. So ist es zu keiner kontemplativen Versenkung fähig – weder beim Fressen noch beim Kopulieren. Das Tier kann sich nicht kontemplativ in sein Gegenüber versenken, weil es gleichzeitig den Hintergrund bearbeiten muss. Nicht nur Multitasking, sondern auch Aktivitäten wie Computerspiele erzeugen eine breite, aber flache Aufmerksamkeit, die der Wachsamkeit eines wilden Tieres ähnlich ist…. Die Sorge um das gute Leben, zu dem auch das gelingende Zusammenleben gehört, weicht immer mehr der Sorge ums Überleben.“

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Sehr spannend ist auch die Idee der positiven Gewalt, die aus uns selbst kommt, zum Beispiel in der Arbeitswelt, wo wir uns von der Disziplinargesellschaft gelöst haben, die mit Stechuhr und Regelbuch regiert und uns in eine Welt manövriert, die auf Eigenmotivation und Eigenverantwortung setzt, wo wir uns selbst als eigene Ich-AG auf dauernde Leistungssteigerung konditioniert haben. Es geht also von der „Negativität des Sollens“ zu einer weitaus effektiveren „Positivität des Könnens“. Auch hier wieder – das Übermaß ist es, worin die Gefahr für das Individuum und die Gesellschaft besteht.

„An die Stelle von Verbot, Gebot oder Gesetz treten Projekt, Initiative und Motivation. Die Disziplinargesellschaft ist noch vom Nein beherrscht. Ihre Negativität erzeugt Verrückte und Verbrecher. Die Leistungsgesellschaft bringt dagegen Depressive und Versager hervor.“

„Das Leistungssubjekt befindet sich mit sich selbst im Krieg. Der Depressive ist der Invalide dieses internalisierten Krieges.“

Das sich selbst ausbeutende Subjekt, das einen Krieg mit sich selbst führt, ist müde und bekommt im Ernstfall Burn-Out oder Depressionen, wenn es gut läuft nur mal einen kräftigen Anfall von FOMO (Fear of missing out). Das „Alles ist Möglich“ hat eben auch eine erschreckende Kehrseite. Wenn es keine „Entschuldigungen“ mehr gibt, weil nahezu jedem fast alle Möglichkeiten offen stehen, dann gibt es eben auch keine Entschuldigungen mehr, wenn es nicht klappt. Wir sind daher permanent dabei, unendlich viele Möglichkeiten zu evaluieren um ja die richtige Entscheidung zu treffen. Was für ein Stress.

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„Der depressive Mensch ist jenes animal laborans, das sich selbst ausbeutet, und zwar freiwillig, ohne Fremdzwänge.“

Byung-Chul Han hat einen spannenden, anregenden häufig kontroversen Essay geschrieben, den wärmstens empfehle.  Und lasst Euch gelegentlichenen von Bartlebys „I would prefer not to“ inspirieren.

In der Zeit war kürzlich auch dieses sehr interessantes Interview mit Byung-Chul Han zu lesen:

http://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/05/byung-chul-han-philosophie-neoliberalismus

Ach ja und die coole Bettwäsche im Bild ist im übrigen eine Eigenkreation der zauberhaften Ms Confusion – wer auch so etwas möchte bitte hier entlang 😉

Das Buch ist im Matthes & Seitz Verlag erschienen.