Day 3 Book-a-Day-Challenge: The book I most often give as a gift

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Foto: Sab Qu

No Challenge without Mr Murakami. This one is my favourite books ever and well what can I say. I always had a bit of the missionary in me, when it comes to books (sorry no religion) so this would be the book I have most often recommended and/or given as a present in order co make new converts for the Murakami movement.

Kafka Tamura, a teenage boy runs away from home in a mix of searching for his long-missing mother and escaping from a dark prophecy. There is an old rather simple guy, Nakata, who never really was his normal self after what happened to him in the war who is drawn to Kafka for unclear reasons.

“Memories warm you up from the inside. But they also tear you apart.”

Kafka lives in a library (imagine !) and the reader enters a world where cats talk, Johnny Walker appears, fish fall from the sky and a few gruesome killings happen as well.
To learn if he finds his mothers and can unravel this knotted mystery get the book or become my friend and some day you will probably get it as a present.

“When you come out of the storm, you won’t be the same person who walked in. That’s what this storm’s all about.”

Which book have you been giving away most often ?

 

 

Von Beruf Schriftsteller – Haruki Murakami

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Würde Haruki Murakami ein Telefonbuch veröffentlichen, würde ich das vermutlich auch kaufen. Es gibt tatsächlich keinen Autor, dessen „Sound“ ich so sehr schätze. Der typische einsame Protagonist, der den Großteil seiner Zeit alleine lesend oder durch die Straße wandernd verbringt, dabei Musik hört und sich ab und an was Leckeres kocht – das ist mein männliches introvertiertes Pendant. Sein Schreibstil wirkt so beruhigend auf mich, so meditativ, ich bin vollkommen davon überzeugt, dass man seine Bücher auf Rezept bekommen sollte, da sie blutdrucksenkend wirken.

Als ich diesen Abschnitt las, dachte ich sogar, wir seien siamesische Zwillinge:

„Ich fraß alles Gedruckte in mich hinein, als würde ich es mit einer Schaufel in ein verzehrendes Feuer schippen. Ich verschlang und verdaute (vieles konnte ich vielleicht auch nicht verdauen) ein Buch nach dem anderen, jeden Tag, und so war in meinem Kopf kaum Platz für irgendwas anderes. Mitunter glaube ich, dass das fast ein Glück für mich war. Denn hätte ich ernsthafter über das Gekünstelte, Widersprüchliche und Falsche um mich herum nachgedacht und mich den Dingen gestellt, die ich nicht einsehen konnte, wäre ich vielleicht in einer Sackgasse gelandet und Grübeleien anheimgefallen.“

„Ohne diese vielen Bücher wäre mein Leben wahrscheinlich sehr viel kälter und ärmer gewesen. Der Akt des Lesens war die beste Schule für mich, sozusagen eine maßgeschneiderte Schule, eigens für mich erbaut und betrieben, an der ich viele wichtige Erfahrungen machte. Es gab dort weder lästige Vorschriften noch Beurteilungen noch den gnadenlosen Kampf um die Rangordnung. Natürlich auch kein Mobbing. Auch wenn ich Teil des großen „Systems“ war, konnte ich mir dieses eigene andere „System“ sichern.“

Auf wenn das neueste Buch „Von Beruf Schriftsteller“ kein Roman ist, der „Sound“ ist trotzdem da. In 12 Kapiteln teilt der Autor seine Erfahrungen als beginnender Autor, seine Routinen, seine Erfahrungen mit Literaturpreisen, wie lange es dauerte, bis er mit dem Schreiben Geld verdiente und wie er überhaupt mit 29 Jahren aus einer Baseball-Laune heraus mit dem Schreiben begann.

„Man könnte diese potenziellen Konsumenten von Literatur vielleicht in Anlehnung an die Politik als „schwankende Wählerschaft“ bezeichnen. Für solche Menschen müsste man eine Art Zugang schaffen, wie ihn beim Wein der Beaujolais nouveau bietet, in der Musik das Wiener Neujahrskonzert und beim Sport der Hakone-Tokio-Rundmarathon.“

Er glaubt, dass jeder Schreiben kann, damit jedoch Geld zu verdienen gelingt nur relativ wenigen Menschen. Wichtig ist es eine Routine des täglichen, dauerhaften Schreibens zu entwickeln, sich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen und seinen eigenen Weg und seinen Sound zu finden. Seinen fand Murakami im Übrigen in dem er seine Texte zuerst auf Englisch schreibt und diese dann ins Japanische zurück übersetzt. Seine Vorliebe für anglo-amerikanische Autoren, die er auch häufig erstmals ins Japanische übersetzte, haben ihm oft Kritik im eigenen Land eingebracht von denen, die Murakami nicht japanisch genug finden.

Er ist ein sehr beharrlicher Mensch, der nicht übermäßig schnell schreibt und seine Manuskripte wieder und wieder überarbeitet. Dabei ist seine Frau seine wichtigste, aber auch härteste Kritikerin. Das ist im Übrigen so ziemlich das einzige, dass man von der notorisch geheimnisvollen Frau erfährt. Im Gegensatz zu seiner Frau scheint Murakami fast schon ein medienaffines Popidol zu sein. Es gibt kaum Bilder, auch Interviews mit ihr habe ich nicht gefunden. Dabei würde mich ihre Sicht auf den Schriftsteller schon auch mal interessieren, aber natürlich respektiere ich den Wunsch nach Ruhe und Ungestörtheit und natürlich sollten die Bücher im Mittelpunkt des Interesses stehen, nicht die Person des Schriftstellers oder seiner Frau.

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Foto: GooglePlus

Neben dem intensiven Umschreiben nach der ersten Kritik seiner Frau ist ein weiterer wichtiger Aspekt seiner Arbeit, diese für einen längeren Zeitraum einfach ruhen zu lassen. So wie guter Wein oder auch Käse einen Reifeprozess durchmachen, reifen auch seine Manuskripte durch ein in Ruhe lassen. Mir gefällt das, in einer Zeit, in der alles auf Tastendruck sofort da zu sein hat, ein immer seltener werdendes Phänomen.

Mir gefiel auch die E.T. Methode sehr. Das Nutzen, von dem was man hat, was schon da ist, dem man kreativ eine andere Bedeutung gibt. So dass sämtliche Begegnungen, die man als Schriftsteller hat, jedes Erlebnis in die mentale Rumpelkammer geworfen und bei Bedarf herausgezaubert werden kann:

„Ich glaube, da hilft wieder nur die E.T.-Methode. Die Abstellkammer öffnen, das, was drin ist, zusammenraffen und dann – ping! – die Magie einschalten. Eine weitere Methode, um mit dem anderen Stern Verbindung aufzunehmen, haben wir nicht.“

Murakami ermuntert den Leser dazu, authentisch zu sein, Eigenarten an sich und anderen zu akzeptieren und auch die Gesellschaften sollten Menschen, die nicht ganz ins Raster passen, mehr zu schätzen und zu integrieren. Nach meinem Besuch in Japan ist mir noch einmal klarer geworden, was für ein außergewöhnlicher Mensch Murakami in Japan ist. Er ist ganz und gar Individuum, kümmert sich stets um seine eigenen Bedürfnisse und nimmt viel Zeit für sich alleine in Anspruch, eine Tatsache, die einen in Japan sehr schnell zum Außenseiter werden lässt.

„Ein Schriftsteller sollte, noch bevor er Künstler ist, ein freier Mensch sein. Und für mich besteht die Definition eines freien Menschen darin, dass er tut, was er will, und zwar, wann er will und wie er will.“

„Nach der Veröffentlichung kann man der Kritik ruhig aus dem Weg gehen. Man richtet sich zugrunde, wenn man sich jede einzelne zu Herzen nimmt.“

Ich musste mich bei der Lektüre wirklich zurück halten, nicht durch das Buch hindurch zu rasen. Es liest sich leicht, ist interessant und macht Lust, es selbst mit dem Schreiben zu versuchen oder alternativ mit dem Laufen, die weitere große Leidenschaft Murakamis neben dem Schreiben, Lesen und Musik hören. Es gab sehr viele Stellen, bei denen ich beim Lesen ständig hätte ausrufen können „genau“, ich habe gefühlt die Hälfte des Buches markiert und möchte ein paar der schönsten Sätze mit Euch teilen. Da sind aber noch jede Menge mehr lesenswerte Passagen drin, die Lektüre dieser Sätze allein ersetzt auf gar keinen Fall das Buch zu lesen.

Ich bin mir sehr sicher, wird „Von Beruf Schriftsteller“ erst einmal ins Englische übersetzt, wird es zur Standardlektüre der Creative Writing Kurse an den Universitäten gehören. Es ist definitiv ein Buch, das ich nicht nur einmal lesen werde. Ich lese es so lange, bis ich selbst ein Buch geschrieben oder einen Marathon gelaufen bin 😉

„Besonders achte ich darauf, nichts zu erklären. Stattdessen warf ich verschiedene bruchstückhafte Episoden, Bilder, Szenen und Begriffe in den Roman wie in ein Gefäß und verknüpfte sie zu einer plastischen Darstellung. Und diese Verknüpfung muss in einem Raum geschehen, der nichts mit gewöhnlicher Logik oder literarischer Sprache zu tun hat. Das ist das grundlegende Schema.“

„Oder aber mach deine Arbeit so gut, wie es deine Fähigkeiten, deine Begabungen erlauben, und dann rechtfertige dich nicht und entschuldige dich nicht. Beklage dich nicht, erkläre nichts.“

Ich danke dem Dumont-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Japan by the Book – Teil 2

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Welcome back. Nach Bergen, Natur und Hinterland wurde es Zeit, sich wieder den urbanen Ecken Japans zu nähern. Natur ist schön und gut, allzulange halte ich es jedoch ohne Stadt und Menschen nicht aus. Unser nächstes Ziel war Kyoto, die ehemalige Hauptstadt. Eine Stadt die überall als die hübschere kleine Schwester Tokyos gehandelt wird und auf die wir sehr gespannt waren. Begrüßt wurden wir allerdings mit strömendem Regen und unfreiwilligen Abenteuern mit Taxi-Fahrern, der kompliziertesten Spezies der wir in Japan begegnet sind 😉

Alle Taxifahrer die wir gesehen haben, waren ausnahmslos alte Männer, weiß behandschuht in blitzsauberen Taxis, die mit weißen Häkeldeckchen verziert waren. Ein Schild weist meist auf „foreign friendly english speaking Taxi“ hin, davon haben wir nur leider nichts gemerkt. Keiner der Taxifahrer sprach auch nur ein Wort Englisch. Der erste Fahrer in Kyoto (wie erwähnt sehr sehr alt) dem wir unsere Ziel-Adresse (extra in japanisch) hinhielten, schüttelte den Kopf, griff zu einer riesigen Lupe, um dann endlos in einem Stadtplan nach der Adresse zu suchen, während er pausenlos auf japanisch auf uns einplauderte um uns dann nach etwa 10 min resigniert aus dem Taxi zu schicken.

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Nächster Versuch. Wieder zurück in die Taxischlange und die Hoffnung, der nächste würde die Adresse lokalisieren können. Es war nicht einmal sehr weit weg vom Bahnhof Kyoto, nur die Sturzbäche, die runtergingen, ließen uns weiterhin auf ein Taxi hoffen. Der nächste wieder alt und weiß behandschuht, schüttelt den Kopf, plaudert japanisch mit uns, aber dann fährt er doch irgendwann los – juhu – bis zur nächsten Polizeistation, wo wir schon befürchteten, verhaftet zu werden für Irreführung von Taxifahrern oder Verweigerung der japanischen Sprache, aber nein, er liess sich nur den Weg erklären und zack ging es endlich ins angemietete AirBnB.

Ein Wort noch zur unglaublichen Ehrlichkeit der Japaner. Es scheint nahezu keine Kriminalität zu geben (abgesehen ggf. von der Yakuza (japanische Mafia) von der wir im Alltag allerdings nichts mitbekommen haben. Der Taxifahrer schaltete auf halber Strecke den Meter aus, damit wir nicht für seine Orientierungslosigkeit zahlen müssen, uns wurden T-Shirts kilometerweit nachgefahren, die wir in einem der Ryokans haben liegen lassen. Nicht eine Sekunde kommt einem die Idee, in den überfüllten U-Bahnen könnte einem jemand den Geldbeutel stehlen – ein wirklich unglaublich sicheres und ehrliches Land.

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Literarisch habe ich mich in Kyoto von Banana Yoshimoto begleiten lassen. „Amrita“ ist die Geschichte einer jungen Japanerin, die trotz diverser Schicksalsschläge nicht aufgibt, weiterhin sehr offen ist und ein großes Herz hat. Sakumi, die Protagonistin hat bei Beginn des Buches nicht nur ihren Vater, sondern auch ihre Schwester, eine Schauspielerin, verloren, sie selbst erleidet Hirnverletzungen bei einem Unfall. Das alles ist aber weniger tief und dramatisch, als man vielleicht befürchtet. Sakumi lebt mit und in ihrer ungewöhnlichen Familie zu der ihre Mutter, ihr kleiner Bruder und eine Freundin der Mutter gehören und mit ihnen begibt sie sich auf eine Reise durch Trauer und Leiden, verlorenen und weidergefundenen Erinnerungen, verbotene Liebe und erlebt auf einer einsamen kleinen Insel im Pazifik eine intensive Zeit.

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Nach ein paar spannenden Tagen in Kyoto brachte uns der Shinkansen nach Kobe. Eine wunderschöne kleine Hafenstadt und zugleich der Geburtsort von Haruki Murakami. Wir haben uns dort so wohl gefühlt, dass wir unsere Pläne umwarfen und dort unser Basislager aufschlugen, um von dort Ausflüge zu machen, aber nicht mehr alle 2-3 Tage die Unterkunft zu wechseln.

Mir ist erst in Japan klar geworden, wie außergewöhnlich Murakami und auch Yoshimoto sind, wie sehr ihre Protagonisten und vermutlich auch sie selber als Individuen unterwegs sind, in einer Gesellschaft, die so viel Wert auf Konformität legt.
Man sieht das bespielsweise daran, dass es in den Städten überall dort voll ist, wo es Geschäfte gibt, oder Restaurants oder an designierten Sehenswürdigkeiten, ist etwas nicht als Sehenswürdigkeit deklariert, dann ist da auch niemand. Niemand und ich meine niemand. Wir haben in Tokyo in der „Golden Week“ das Rathaus anschauen wollen, in der Ecke ist einiges an wirklich beeindruckender Architektur zu sehen, zwei Straßen weiter ist man von den Menschenmassen erdrückt worden, aber Rathaus und die anderen Gebäude gelten nicht wirklich als „Sehenswürdigkeit“ und zack waren wir komplett alleine da, das fühlte sich richtig seltsam an 😉

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Von William Gibsons „Idoru“ habe ich mich in der letzten Woche begleiten lassen. Sein „Blade Runner“ ist ja fast schon synonym mit dem Cyper-Tokyo der Zukunft. Aber auch „Idoru“ spielt im Tokyo der Zukunft nach dem katastrophalen Riesen-Erdbeben. Nano-Technologie führt dazu, dass die Gebäude sich selbst errichten, ein melancholischer Protagonist fegt durch das neonfarbene japanische Wunderland auf der Suche nach Arbeit. Colin Laney ist ein Datenfischer, einer der Muster in den Daten erkennt, die Individuen in der Datenwelt hinterlassen. „Idoru“ beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, inwieweit Prominente natürliche Ressourcen sind, die man anzapfen kann und darf, ein Gemeingut sozusagen.

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Die Menschen in der Geschichte sind alle auf der Suche nach etwas das „echt“ ist, mit dem sie sich wirklich verbunden fühlen können und gleichzeitig ist es die Geschichte von Rez, einem Rock Star, der sein Management und seine Fans mit der Nachricht schockt, eine softwarebasierte Lebensform namens Rei Toei – ein Idoru – heiraten zu wollen.

Film-Fans werden insbesondere in Tokyo immer wieder auf Orte stoßen, die man aus Filmen kennt. Sei es der Moment, wenn man auf die Autobahntrasse fährt, die man aus Tarkovskys „Solaris“ kennt:

oder ob man sich in der Lost in Translation Hotel-Bar einen Cocktail oder zwei gönnt:

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Godzilla begegnet man natürlich auch auf Schritt und Tritt:

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Unser leztes großes Abenteuer in Japan war der Besuch des Universal Pictures Themepark. Ich war mehr als skeptisch und hätte mir nie träumen lassen, wieviel Spaß ich dort haben würde. Spätestens als wir auf einmal in Hogsmeade standen, war ich wieder 9 und konnte vor Aufregung kaum gerade aus laufen. Zum Glück hatten wir uns Speed Tickets gegönnt, denn selbst Harry Potter zuliebe hätte ich mich wohl nicht 160 Minuten irgendwo angestellt. Aber der 3D-Ride war unglaublich und das abgefahrenste, beste und aufregenste was ich jemals gefahren bin.

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Sayonara Japan es war wunderschön. Es war einer der außergewöhnlichsten und aufregendsten, aber auch teuersten Urlaube meines Lebens und ich bin froh, dass ich durch die Literatur wenigstens im Geiste auch weiterhin ab und an eine Stipvisite machen kann.

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Japan by the Book

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Japan ist ein Bücherland. In keinem der asiatischen Länder, die wir bislang bereisten, waren Bücher so allgegenwärtig wie in Japan. Die Menschen schlafen in der U-Bahn nicht nur in den verrücktesten Positionen, sie lesen auch im größten Gedränge und, wenn die Bücher häufig eher kleinformatig sind, so werden doch immer wieder auch Mangas in der Größe des früheren Quelle-Kataloges mitgeschleppt.

Mangas sind natürlich etwas, das wohl jeder mit Japan assoziiert. Und sie sind tatsächlich auch überall. In der Ubahn werden auch Romane gelesen, aber doch überwiegend Mangas und das vom Schulkind über schicke Business-Menschen bis hin zu älteren Damen.

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Schaut man seinen Mitfahrern in der U-Bahn über die Schulter, kann man auch schnell mal schamviolett werden. Die haben es teilweise wirklich in sich. Da wird geschnackselt was das Zeug hält, hetero und homosexuell, auf freiwilliger Basis, aber Vergewaltigungen z.B. kommen durchaus auch vor, alles recht explizit. Neben den sexuell freizügigen, gibt es auch einige, die recht düster sind, aber im Grunde genommen ist hier für wohl für jeden Geschmack etwas dabei. Man könnte sicherlich ganze Abhandlungen schreiben, möchte hier aber nur einen kurzen Einblick in den japanischen Manga-Alltag geben, den wir erlebt haben. Eine wunderbare Facette sind natürlich auch die vielen Cosplayer, die in einen spannenden Kontrast bieten, zu den monochromen Business-Menschen.

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Japan nimmt wenig Rücksicht auf nicht-japanische Besucher. Das ist deutlich weniger negtiv gemeint, als das jetzt klingt. Ob im Alltag, oder wenn es um den Tourismus geht, das Angebot richtet sich eben in der Regel an die einheimische Bevölkerung und ausländische Gäste werden höflich und sehr sehr freundlich inkludiert, aber es wird keine Extrawurscht gebraten. Uns hat das weniger gestört, da man so deutlich mehr vom alltäglichen Leben in einem Land mitbekommt, aber natürlich kann es einem das Leben auch mal schwerer machen.

Ich hatte damit gerechnet, mir im Urlaub Bücher kaufen zu können und bin ziemlich in Panik geraten, als ich in Tokyo die ersten 3-4 riesigen Buchläden abgeklappert hatte und keiner davon eine Abteilung mit englischsprachigen Büchern hatte. Ich bin dann in Kyoto fündig geworden und das war dann auch ein wundervoller Laden, bestens sortiert mit einer riesigen Auswahl, aber man muss schon ein wenig danach suchen. Zeitungen, Zeitschriften habe ich gar nicht gefunden, wobei die normalen Tageszeitungen ab und an 1-2 englischsprachige Seiten enthielten.

In Vietnam, Laos, Thailand und Kambodscha waren an jeder Ecke Läden in denen man gebrauchte englische Bücher kaufen konnte, das findet man in Japan eigentlich überhaupt nicht. Um so glücklicher war ich, in einer kleinen Straße in Kobe ziemlich ab vom Schuss, einen winzig kleinen entzückenden Second-Hand-Bookshop „Wantage“zu entdecken. Der Besitzer, ein sehr herzlicher, älterer Engländer öffnet seinen Laden nur am Wochenende. Ich hätte da gut und gerne ein paar Stunden drin verloren gehen können.

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Meine Urlaubslektüre bestand natürlich unter anderem aus einem Haruki Murakami. Geht ja gar nicht ohne und nach Japan reisen ohne ein Buch von ihm – völlig undenkbar. Ich hatte mich für „Hard-Boiled Wonderland“ entschieden, einer der Romane, die ich bisher noch nicht gelesen hatte und der seit dem Haidhausener Flohmarkt auf seinen Auftritt wartet.

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„Hard-Boiled Wonderland“ ist ein ziemlich komplexer Roman, den ich sehr langsam lesen musste, manche Kapitel benötigten gar eine zweite Runde, bis ich mich wieder zurechtgefunden habe. Die Geschichte spielt im Tokyo der nahen Zukunft. Dank wundersamer fortschrittlicher Technologien wird einem schüchternen, intelligenten Datenanalysten etwas ins Hirn implantiert, das es ihm ermöglicht, geheime Daten zu „waschen“ und zu „shuffeln“.

Ein verrückter Wissenschaftler, die Datenmafia und die Semiotecs, eine rivalisierende Intelligence Unit, sind ihm auf den Fersen und dabei, in sein Unterbewusstsein eine komplett andere Welt zu implantieren. Nach und nach verwischen die Grenzen der beiden Welten und es entbrennt eine Jagd um dem Ende der Welt zu entkommen, oder nicht ?

Einer der abgefahreneren Murakamis, der einen an Kafka und Orwell denken läßt. Keine einfache Lektüre, aber eine lohnende, die perfekt nach Tokyo passt. Die perfekte Überschrift für eigentlich fast jeden seiner Romane könnte dieses Zitat sein:

„Everyone may be ordinary but they’re not normal“

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Mit Yasushi Inoues „Der Tod des Teemeisters“ begab ich mich auf unsere Wanderung und gleichzeitig ein paar Jahrhunderte zurück in das Japan der Samurais. Unser Weg führte uns drei Tage lang auf dem Nakasendo Trail entlang, ein über 500km langer uralter Handelsweg, der von den Shoguns zum Reisen genutzt wurde. Es gibt 69 Stationen, die zumeist aus winzig kleinen Örtchen bestehen. Unsere Wanderung führte uns damit drei Tage lang durch die japanischen Alpen. Wir haben uns allerdings mehr als einmal verlaufen, da wir die ganze Zeit über wirklich niemanden getroffen haben auf den Wanderung und sämtliche Schilder natürlich in japanisch waren. Am zweiten Tag haben wir daher einen ordentlichen Umweg eingebaut und statt der geplanten 18km waren wir 25km unterwegs. Puh, da hing uns doch die Zunge auf Halbmast und wir wurden irgendwann etwas panisch. Aber am Ende haben wir unser Ryokan doch noch gefunden.

Übernachtet haben wir in Ryokans, den traditionellen Herbergen der Edo-Periode. Die Zimmer bestehen aus den am Boden liegenden Tatami Matten und den mit Washi bespannten Schiebetüren.

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Abendessen und Frühstück sind im Übernachtungspreis enthalten und werden im Gemeinschaftsraum eingenommen, man trägt Yukata und faltet die Beine irgendwie unter den niedrigen Tisch. Serviert wird in der Regel ein einheitliches, typisches sehr reichhaltiges Abendessen, das aus sehr vielen gleichzeitig servierten kleineren Portionen besteht. Miso-Suppe, eingelegtes Gemüse, geräucherter Fisch gehören eigentlich zu jeder Mahlzeit. Das Essen ist wahnsinnig gut, sehr frisch, aber teilweise auch gewöhnungsbedürftig. Sashimi, roher Fisch in dünne Scheiben geschnitten, kennt man und mag ich auch sehr gerne, lebt der Fisch allerdings noch und man schneidet ihm bei Bewußtsein Scheiben raus, das ist dann noch mal eine andere Geschichte. Auch Fleisch wird gern roh gegessen, wie Sushi und so haben wir uns dann auch rohem Pferd gegenüber gesehen, die gegrillten Grashüpfer waren für mich da die einfachere Herausforderung.

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Nach dem Abendessen macht man üblicherweise einen Abstecher ins Gemeinschaftsbad Onsen. Wir haben diesen Abstecher nur zweimal geschafft, denn auf Tattoos ist man in Japan gar nicht gut zu sprechen, sind diese doch so untrennbar mit der japanischen Mafia der Yakuzi verbunden. Schafft man es hinein in ein Onsen, ist das schon ein phantastisches Erlebnis. Nach ausgiebiger gründlicher Reinigung gehts dann ins große Becken, in dem meist auch andere Leute schon vor sich hin kochen. Seit dem Onsen habe ich eine ungefähre Idee, wie sich Hummer fühlen mögen, wenn sie ins heiße Wasser fliegen. Krass war das heiß. Japan hat Unmengen heißer Quellen und es tut schon gut so ein Bad, nach einer langen Wanderung.

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Seitenschläfer haben es auf den Tatami Matten nicht leicht. Ich mußte mich morgens origamimäßig erst einmal wieder auseinanderfalten und hab ein paar blaue Flecken davon getragen, wer üblicherweise auf dem Rücken schläft und es hart mag, dem dürften Tatami Matten gut gefallen.

Nun aber zu „Der Tod des Teemeisters“ – es war die perfekte Wahl für die Wanderung und unsere Übernachtung im Ryokan, die ganze Stimmung und der Inhalt der Erzählung haben einfach wunderbar gepasst.

Die Geschichte handelt davon, was aus der Kunst der Teezeremonie wird, wenn sein Meister verschwindet. Es ist nicht wirklich ein Thriller, wie der Umschlagtext vermuten ließ, sondern eher eine Suche nach Antworten darauf, warum der Master of Tea „Rikyu“ seinen angeordneten ritualen Suizid ohne Kampf akzeptierte. Sein letzter Schüler, Honkakubo versucht die Umstände, die zum Tod seines Meisters führen, zu verstehen und nachzuvollziehen.

Die Sprache ist karg und spröde, aber auch poetisch fein. Könnte man ein Buch schmecken, so wäre dieses ganz eindeutig ein Matcha-Tee. Ein kleines Wunderwerk, das aber sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffen wird.

Dieses Zitat trifft die Essenz des Buches für mich, ohne das es aus diesem Buch ist. Woher ich es habe, weiß ich leider nicht mehr:

„…we find beauty not in the thing itself but in the patterns of shadows, the light and the darkness, that one thing against another creates.“

Vom Rest unserer Reise und der dazugehörigen Lektüre berichte ich im zweiten Teil. So stay tuned for more adventures …

2015 – The Year in Books

Ja nee hat super geklappt mit meiner Wahl der 10 Lieblingsbücher. Ich kann mich partout nicht entscheiden und schicke jetzt immer zwei ins Rennen. Die Kombi ist eventuell nicht immer einleuchtend, gibt aber schönen Einblick in meine abstrusen Synapsen-Schaltungen.

Es sind die Bücher, die mich am intensivsten beschäftigt haben in diesem Jahr, nicht automatisch die, die mir am besten gefallen haben. Habe nicht viele Bücher gelesen, die mir gar nichts gesagt haben oder die ich schlichtweg schlecht fand.

Vielleicht könnt ihr mir ja helfen mit der Entscheidung. Unter allen die in den Kommentaren hier oder bei Facebook abstimmen verlose ich eines der zur Wahl stehenden Bücher hier (nach Wunsch). Am 10.1. guck ich dann mal, ob es Entscheidungen und einen Gewinner gibt.
Wow – mach ich echt ein Gewinnspiel? Haha, wahrscheinlich gehts eh im Neujahrskoma unter und keiner kommentiert. We will see 😉

Hier kommen die Teilnehmer:

https://bingereader.org/2015/01/31/the-goldfinch-donna-tartt/

oder

https://bingereader.org/2015/06/07/die-kunst-des-feldspiels-chad-harbach/

https://bingereader.org/2015/02/16/fahrenheit-451-ray-bradbury/

oder

https://bingereader.org/2015/04/22/the-bone-clocks-david-mitchell/

https://bingereader.org/2015/12/14/geliebtes-wesen-briefe-von-vita-sackville-west-an-virginia-woolf-louise-desalvo-mitchell-a-leaska/

oder

https://bingereader.org/2015/03/16/anais-nin-die-tagebucher-1927-1929-und-1931-1934/

https://bingereader.org/2015/12/03/the-master-and-margarita-mikhail-bulgakov/

oder

https://bingereader.org/2015/11/07/the-strange-library-die-unheimliche-bibliothek-haruki-murakami/

https://bingereader.org/2015/03/27/9-stories-j-d-salinger/

oder

https://bingereader.org/2015/03/21/meistererzahlungen-stefan-zweig/

https://bingereader.org/2015/03/23/the-paying-guests-sarah-waters/

oder

https://bingereader.org/2015/11/03/auf-den-koerper-geschrieben-jeannette-winterson/

https://bingereader.org/2015/07/05/cannery-row-john-steinbeck/

oder

https://bingereader.org/2015/09/09/der-susan-effekt-peter-hoeg/

https://bingereader.org/2015/11/20/die-frau-die-nein-sagt-francoise-gilot/

oder

https://bingereader.org/2015/04/14/bossypants-tina-fey/

Was wirklich Spaß macht ist, sich die jeweiligen „Konkurrenten“ bei einem Treffen vorzustellen. JD Salinger und Herr Zweig beim gediegenen Whisky im Club-Sessel oder Tina Fey die der vornehmen Madame Gilot versehentlich ein Glas Rotwein über die Hose kippt…

The Strange Library / Die unheimliche Bibliothek – Haruki Murakami

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Wenn man zum Geburtstag zweimal das gleiche Buch geschenkt bekommt, ist das üblicherweise verbunden mit hektischem Suchen nach Kassenbons oder, falls die nicht auftauchen, dem durchgehen der Freundesliste, wem das zweite Exemplare wohl noch gefallen könnte. In diesem Fall hat der doppelte Murakami nur riesige Freude ausgelöst, war doch eines die englische, das andere die deutsche Ausgabe und es hat riesigen Spaß gemacht, diese beiden dünnen, so unterschiedlich illustrierten Bücher parallel zu lesen.

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Er möchte doch nur zwei Bücher zurückbringen und eventuell wieder welche mitnehmen. Nichts deutet daraufhin, dass der namenlose Junge in einem kafkaesken Alptraum landen wird, als der seltsame Bibliothekar ihn nicht in den Lesesaal führt, sondern in ein Labyrinth, das sich unter der Bücherei erstreckt und wo er ihn heimtückisch einkerkert. Er trifft dort auf den mysteriösen Schafsmann, auf ein wunderschönes stummes Mädchen und auch, wenn man ihn mit den schönsten Leckereien füttert, so bleibt er doch ein Gefangener, dem der Tod droht. Der Junge muß drei dicke Bücher lesen, die der Bibliothekar ihm aushändigt. Er will wissen, warum er diese Bücher lesen und auswendig lernen soll und der freundlich-einfältige Schafsmann erklärt es ihm auch freimütig: „Ehrlich gesagt wird man dir den Kopf absägen. Und dann das Gehirn aussaugen.“

Der daraufhin folgende Dialog muß einer der abgefahrensten überhaupt in der Literatur sein.

„Aber Schafmann, warum will mir dieser alte Mann denn das Gehirn aussaugen?“

„Weil mit Wissen vollgestopfte Gehirne angeblich sehr delikat und reichhaltig sind. Und sämig oder so.“

Yep, weißte Bescheid. Murakami halt. Die Geschichte fühlt sich an wie ein Traum, gleichgültig, ob die Geschehnisse Sinn machen oder nicht. Der Junge ist nicht glücklich darüber, dass der alte Mann sein Hirn essen will, aber er fügt sich diesem Schicksal und liest einfach über das Steuersystem im Osmanischen Reich. Zeichen und Symbole gibt es in der Geschichte zuhauf, am deutlichsten vielleicht die Deutung der Biblothek, die gleich einem Gehirn der Ort des Wissens ist, von dem wir glauben, wir können das Wissen jederzeit einfach abrufen und wissen doch nie ganz genau, was wir eigentlich hervorholen.

Was ist wirklich real und was nicht? Die Grenze ist schmal und wird von Murakami wieder und wieder in fast jedem seiner Romane neu ausgelotet und getestet. Selbst das, was sich nach Realität anfühlt, gleicht oft einem Traum. Die Sprache ist wie immer klar, knapp und doch poetisch. Die unheimliche Bibiliothek ist ein düsteres Märchen, das Erwachsene in den Schlaf verfolgt und sie beim nächsten Büchereibesuch besorgt älteren Bibliothekaren aus dem Weg gehen lässt.

Die deutsche und englische Ausgabe sind bis auf das Format komplett unterschiedlich ausgefallen. Die englische Ausgabe wurde von Suzanne Dean gestaltet, die zum Beispiel auch für das wunderschöne Cover von Julian Barnes „The Sense of an Ending“ verantwortlich war.

Das Design von „The Strange Library“ durchdringt die Geschichte mit seinen surrealen, zarten Illustrationen, die teilweise an alte Folianten, dann wieder an Monty Python erinnern. Das magentafarbene Cover mit dem darauf angebrachten Library Ticket Holder ist einfach umwerfend schön. Allein die Haptik …

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Foto: Guardian

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Foto: Guardian

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Die deutsche Ausgabe erinnert deutlich mehr an einen Comic. Die Illustrationen stammen von Kat Menschik, die auch schon „Die Bäckereiüberfälle“ und „Schlaf“ illustriert hat. Ihre Bilder haben einen wundervollen, dunkel verstörenden Zauber, dem man sich nicht entziehen kann. Die Bilder sind überwiegend schwarz-weiß und sie zeigen das Unheimliche und Beklemmende in Murakamis Geschichte auf ganz besondere Art.

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Nein, ich könnte wirklich nicht sagen welche Ausgabe mir besser gefällt. Das Cover der englischen? Einige der Illustrationen der deutschen Ausgabe? Ich weiß es nicht und bin so froh, dass ich mich nie entscheiden mußte, weil mir meine weisen Freunde einfach beide geschenkt haben.

Happiness is having friends that know what’s good for you 😉

Wenn ihr dieses Buch noch nicht habt, sucht euch Freunde, die es euch schenken oder kauft es euch selbst, es ist ein absolutes Muss für jeden Murakami-Fan, aber auch für alle Freunde skurill-obskurer düsterer Geschichten, die liebevoll gestaltet sind, ein echtes Schnäppchen.

Könnte es eigentlich sein, dass ausgerechnet die E-Book-Welle den Ausschlag gegeben hat, das Bücher auf einmal wieder so viel liebevoller gestaltet werden? Lange war die Büchergilde da recht allein auf weiter Flur, als ich kürzlich auf der Buchmesse in Frankfurt war, habe ich eine ganze Reihe wunderschön illustrierter und gestalteter Bücher gesehen. Ein schöner Trend, gefällt mir.

Wenn der Wind singt/Pinball 1973 – Haruki Murakami

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Das ist voll und ganz Murakami und zwar von der ersten Seite. Das ist bei seinem Erstling kein langsames Rantasten, kein Entdecken von ersten Murakami-Anzeichen, für mich war er von Anfang an gleich da, so wie man ihn kennt. Vielleicht etwas weniger surreal, als in vielen anderen Büchern, aber sein letztes Buch „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ war ja auch relativ geradlinig.

Wer hier jetzt eine maximal objektive Kritik auf die sehnsüchtig erwartete Übersetzung seines Debüts erwartet, der sollte schnell weiterziehen, für den gibt es hier nichts zu sehen. Ich gestehe es vollkommen schamlos ein – ich bin ein Fan. Ein Fan der jedes seiner Bücher verschlingt, sie sicherlich nicht komplett kritiklos durch die Bank weg alle gleich gut findet, ich habe meine Lieblinge, aber wirklich nicht-mögen, das kam einfach noch nicht vor.

Auf „Wenn der Wind singt/Pinball 1973“ habe ich lange gewartet. Seine Weigerung, das Buch außerhalb Japans veröffentlichen zu lassen, hat natürlich auch noch mal zusätzlich Sehnsüchte bei mir ausgelöst und jetzt endlich ist es da. Ich habe es schon vor ein paar Wochen gelesen, war ständig auf der Suche nach einem Flipperautomaten als passendes Hintergrundmotiv für das Foto, musste aber feststellen, die Flipperzeiten sind wohl rum. Bin in den letzten 4 Wochen ja ziemlich rumgekommen, aber keinen Flipperautomaten gefunden. Nicht in Köln, nicht in Berlin, nicht in Hamburg und auch nicht in Dresden. Und zu Hause in München auch nicht. Also mußte Ferienhund „Bonnie“ als Model herhalten 😉 Sie schläft im Übrigen nachts besonders gut ein, wenn man ihr Murakami vorliest.

„Ja, ganz klasse, und wenn wir kein Geld haben, weinen wir vor Freude.“

„Das rieche ich. Wie Reiche andere Reiche riechen, können Arme andere Arme riechen.“

Im Vorwort erzählt Murakami wie er zum Schreiben gekommen ist. Während eines Baseballspiels im Jingu Stadium im Jahr 1978 während eines besonders guten Schlages (Schlag oder Wurf, jesses Baseball ist eindeutig NICHT meine Disziplin) hat er urplötzlich die Eingebung: Ich glaube, ich könnte einen Roman schreiben. Und so nebensächlich diese Begebenheit erscheint, ich finde sie total bezeichnend für Murakami. Seine knapp 30-jährigen Protagonisten driften auch einfach so durchs Leben, haben irgendwann plötzlich mehr oder weniger seltsame Begegnungen oder Erlebnisse, die sie in die in unweigerlich folgende mehr oder weniger surreale Abenteuer stürzen.

„Wenn der Wind singt“, ist die Geschichte eines namenlosen Studenten, der die Semesterferien in seinem Heimatort verbringt. Er trifft sich regelmässig mit seinem besten Freund „Ratte“, einem Mädchen das nur vier Finger hat und einem Barkeeper. „Pinball 1973″ geht drei Jahre später weiter. Der Student lebt nun in Tokio, „Ratte“ wartet zu Hause in der Bar immer noch aufs Leben. Es wird so ausgiebig und wunderbar geflippert, wie wohl niemals wieder in der Literatur und ich habe solche Lust drauf bekommen.

Ich war mal richtig gut im Flippern. Erinnere mich noch bestens an den Star Trek Flipper in Hamburg-Dehnheide und meine nächtlichen Flipper-Marathons. Wirklich traurig, das ich es über Wochen nicht geschafft habe einen Automaten zu finden. Die können doch nicht ernsthaft ausgestorben sein. Falls irgendjemand von Euch weiß, wo ich meine Flipperlust mal wieder ausleben könnte, Tipps bitte umgehend an mich 😉

„Wir schlugen in einer dunklen Ecke der Bar die Zeit mit Flippern tot. Die Zeit war mit tonnenweise Kleingeld erkauft, kein gutes Geschäft. Aber Ratte nahm wie immer alles sehr ernst, weshalb es beinahe ein Wunder war, dass ich von den sechs Spielen an diesem Abend zwei gewann.“

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Foto: venturebeat.com

„Wenn der Wind singt/Pinball 1973“ sind wie Murakami sagt, wichtig für ihn. Sie haben eine wichtige Rolle für seinen Erfolg gespielt und „kommen ihm vor wie Freunde von früher“. So wird es wahrscheinlich auch den meisten Lesern gehen. Die beiden kurzen Romane kommen einem unheimlich vertraut vor und wir lernen „die Ratte“ kennen und Js Bar, die in Murakamis „Wilde Schafsjagd“ vorkommt, der Roman, der ihn 1982 erstmals einem breiten Publikum zugänglich machte. Der Roman, den Murakami oft als den eigentlichen Beginn seiner Karriere bezeichnet.

„Alle Ströme seines Bewußtseins, die sich nicht in Einklang bringen ließen, liefen plötzlich in verschiedene Richtungen auseinander. Ratte hatte keine Ahnung, wie lange es dauern würde, bis sie sich wieder zu einem vereinigten. Im Augenblick waren es nur dunkle Flüsse, die auf die endlose Weit des Meeres zuströmten. Vielleicht würden sie nie wieder zusammenkommen. Sich vorzustellen, dass das nach fünfundzwanzig Jahren alles gewesen war. Da konnte man sich doch nur fragen, was das sollte. Ratte wußte es nicht. Eine gute Frage, aber keine Antwort. Auf gute Fragen gab es nie Antworten.“

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Im Guardian habe ich diesen sehr treffenden Vergleich gefunden: Murakamis books are like … „Raymond Chandler were writing scripts for David Lynch to direct with Yasujirō Ozu: super-elliptical pop-noir for the twentysomething well-to-do“

Neueinsteigern in Murakamis Welt würde ich diese beiden kurzen Romane erst einmal nicht empfehlen, da gibt es bessere, um ihn kennen- und liebezulernen. Für Fans aber ein wunderbares kleines Goldnugget, das einem nicht fehlen darf.