Women in Science (13) – Sandra Aamodt

Sandra Aamodt ist die Autorin zweier populärwissenschaftlicher Bücher „Welcome to your Brain“ und „Other Puzzles of Everyday Life“ (beide in Zusammenarbeit mit Sam Wang). Beide Bücher wurden in über 10 Sprachen übersetzt. Sandra Aamodt schreibt seit Jahren für die Science Seiten der New York Times, Washington Post, El Mundo und der London Times. Sie war Chefredakteurin der Zeitschrift „Nature Neuroscience“, ein führendes Magazin im Bereich der Hirnforschung. Aamodt hat einen Abschluß in Biophysik von der John Hopkins Universität und machte ihren Doktor in Neurowissenschaften an der Universität Rochester.

Zu ihrem Buch „Welcome to your Brain“ animierte mich vor einiger Zeit ihr  TED Talk. Wir nutzen unser Hirn praktisch in jedem Moment unseres Lebens und doch haben die Wenigsten von uns eine Idee, wie es überhaupt funktioniert. Vieles von dem, was wir glauben über das Hirn zu wissen, beruht auf irgendwelchen Legendenbildungen: das wir nur 10 Prozent unseres Hirns überhaupt nutzen, dass der Genuss von zuviel Alkohol Hirnzellen abtötet etc. Diese und andere Mythen über das Hirn sind falsch, wie die Heerscharen an Neurowissenschaftlern in ihrer Forschung in den letzten Jahrzehnten herausgefunden haben.

Was sie aber tatsächlich über die Funktionsweise des Hirns gelernt haben, davon dringt erstaunlich wenig aus den Forschungslaboren. In diesem gut lesbaren und unterhaltsamen Buch räumen Aamodt und Wang mit einigen dieser Mythen auf und bieten einen umfangreichen, nützlichen Überblick darüber, wie das Hirn tatsächlich funktioniert. Sie zeigen auf, wie man mit Jet Lag umgehen sollte, was das Hirn mit Religion zu tun hat und wie sich die Hirne von Männern und Frauen unterscheiden. Mit viel Witz und Charme machen sie die Materie überaus zugänglich. Der Text wird durch eine Reihe von Charts, Illustrationen, kleinen Quizzes und wissenswerten Kleinigkeiten unterstützt.

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Den Autoren sind Fakten und sorgfältig durchgeführte Studien wichtig und sie wollen den Leser dazu animieren, weniger auf Emotion und verbreitete Mythen über das Gehirn zu hören, als kritischer nachzufragen und zu recherchieren. Sie räumen im Buch mit einigen der Mythen auf, beispielsweise mit den sagenumwobenen 10% des Hirns, die wir angeblich nur nutzen, dass Mozart hören Babys klüger macht oder das Impfstoffe Autismus auslösen.

Daneben geben sie praktische Tipps wie man z. B. mit Videospielen sein Gehirn schulen kann oder wie man das Hirn am besten überlistet, wenn man abnehmen will.

 

Für Film-Freaks vielleicht besonders interessant ist die Liste an Filmen, die neurologische Krankheitsbilder besonders gut beschrieben haben (z.B. Memento, A Beautiful Mind und Awakenings) oder auch eher ungenau, wie z.B. Total Recall und 50 First Dates.

Dieser respektlose Führer durch die Welt unseres Gehirns von Samuel Wang und Sandra Aamodt gibt einen guten Überblick über unser Gehirn und seine Funktionen. Es geht nicht sonderlich in die Tiefe, ist aber gut geschrieben, leicht lesbar und somit ein empfehlenswerter Einstieg in die Neurowissenschaften.

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Mono, Årabrot, Jo Quail @ Strom, München, 2019-04-29

Wieder einmal perfekt den Abend eingefangen – danke Gerhard 🙂

KULTURFORUM

Die japanischen Postrock-Götter Mono als Headliner im Rahmen eines Dreier-Packs am Montagabend im Münchner Strom-Club, eine gern genommene Kombi, zuletzt auf den Tag genau vor zweieinhalb Jahren an selbem Ort präsentiert, wie seinerzeit im Vorprogramm mit einem Solo-Auftritt und einer Combo, die nicht recht in den Kontext der rein instrumentalen Musik passen mochte.

Überpünktlich noch vor offiziellem Konzertbeginn stand die fesche Engländerin Jo Quail mit ihrer Solo-Performance am elektrisch verstärkten Cello auf der Bühne, für drei ausgedehnte Instrumental-Nummern tauchte die klassisch ausgebildete Musikerin aus London den Strom-Saal in dunkle Klangfarben. Quail erwies sich wie bereits zu früherenGelegenheiten als versierte Grenzgängerin zwischen minimalistischer Neo-Klassik und experimenteller Electronica. Die Rhythmik eingangs gesampelt über das Klopfen des Takts auf die Saiten des Streichinstruments, loopte die Musikerin den so erzeugten Beat und ließ ihn in Endlosschleifen zu finsterem Industrial-Pochen aus den Tiefen der geheimnisvollen Maschine mutieren, darüber legte sie in bewährter Manier ihre…

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#WomeninScience

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Ich finde, die Pause war lange genug, es wird Zeit für eine neue Reihe. Nachdem #WomeninSciFi hier ein Jahr lang jedes Wochenende in die Weiten des Weltalls entführt hat, möchte ich euch jetzt gerne mit #WomeninScience in die Labore, an die Messgeräte, die Teleskope, Ausgrabungsstätten, Schreibtische usw. von Frauen in der Wissenschaft entführen.

Ungeachtet der Fortschritte mit Blick auf die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Förderung von Frauen seit dem letzten Jahrhundert, ist die Entwicklung doch ziemlich langsam und Ungleichheiten halten sich hartnäckig überall in der Welt. Leider ist auch der Bereich der Wissenschaft keineswegs immun gegen solche Ungleichheiten und nach wie vor sind nur ein Drittel aller Forscher weltweit weiblich und sie sind häufig Diskriminierungen ausgesetzt bzw. sind nicht selten strukturell benachteiligt.

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Daher möchte ich den Scheinwerfer gerne auf Frauen in den Natur- und Geisteswissenschaften richten und freue mich über ähnlich rege Beteiligung wie bei der „Women in SciFi“ Reihe.

Den Auftakt wird die zweifache Nobelpreisträgerin Marie Curie machen und ich bin schon sehr gespannt auf all die Chemikerinnen, Physikerinnen, Historikerinnen, Neurowissenschaftlerinnen, Astronominnen, Zoologinnen, Philosophinnen, Ärztinnen, Paläontologinnen, Biologinnen usw. die uns begegnen werden.

Wer sich von Wissenschaftlerinnen im Film inspieren lassen möchte findet hier einen entsprechenden link.

Seid ihr wieder dabei?

Esben And The Witch + Nyos @ Ampere, München, 2019-02-11

Schon ein paar Tage her, aber das Konzert geht mir immer noch nach. Keiner kann Konzerte so schön in Worte fassen wie Gerhard 🙂

KULTURFORUM

Emotionales Wechselbad wie intensive Beschallung zum Wochenstart, in jedweder Ausprägung Herz-Erwärmendes zur flüchtigen Lockerung des winterlichen Würgegriffs am vergangenen Montagabend im gefälligen Doppelpack, einem gut gefüllten Auditorium im Münchner Ampere dargereicht:

Mittlerweile keine Unbekannten mehr im hiesigen Konzertbetrieb sind die beiden Finnen von Nyos, unter anderem durften sie erst vor Kurzem im vergangenen November einen Abend im Feierwerk für die Schweizer Black-Metal/Gospel-Crossover-Formation Zeal & Ardor eröffnen. Diejenigen, die vor Ort waren, wussten seinerzeit ausschließlich Erfreuliches vom Support-Gig der beiden jungen Nordländer zu berichten, und so war die Erwartungshaltung zum erneut Abend-eröffnenden Auftritt für die im Anschluss aufspielenden Headliner von Espen And The Witch durchaus eine anspruchsvolle, von Vorfreude geprägte. Das Duo aus der Universitätsstadt Jyväskylä hat dahingehend auch nichts an Enttäuschung aufkommen lassen und die zugestandenen 40 Minuten zum Anheizen der eingefrorenen Besucherschar für sich einnehmend genutzt.
Drummer Tuomas Kainulainen befeuerte mit angespannter Uptempo-Rhythmik die ausladenden Instrumental-Breitseiten von Gitarrist…

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Stella – Takis Würger

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Nein, die Welt braucht nicht wirklich die 10.000 Rezension zu Takis Würgers unglaublich widersprüchlich diskutiertem Roman „Stella“. Nun rezensiere ich hier aber alles, was ich lese und daher nur ganz kurz mein ganz persönlicher Eindruck:

Mich hat die Geschichte überrascht. Ich habe sie gerne und mit Spannung gelesen, kannte die Protagonistin Stella Goldschlag vorher nicht. Der Entrüstungssturm hat mich völlig überrascht und ich möchte den Roman hier jetzt auch nicht im Einzelnen auseinandernehmen.

Die Diskussion hat bei mir sehr positive Dinge ausgelöst. Ich habe gemerkt, dass ich gelegentlich dazu neige, solche Diskussionen im ersten Moment als unnötig, elfenbeinturmig oder übertrieben abzutun. Habe aber viele Diskussionsbeiträge gelesen und je mehr ich gelesen habe, desto mehr habe ich gelernt und ich kann sehr viele Kritikpunkte gut nachvollziehen. Ich finde Freiheit in der Kunst und Literatur sehr wichtig und glaube, dass der Kontroverse um das Buch durchaus positive Seiten abgewonnen werden können.

Auf Anke Gröners Blog habe ich vor ein paar Tagen einen sehr spannenden Gedanken gelesen, den ich so gerne unterschreiben möchte:

Ich musste bei dieser Aufarbeitung an die weiße Künstlerin Dana Schutz denken, der cultural appropriation und Unsensibilität vorgeworfen wurde, weil sie ein Bild des offenen Sargs von Emmett Till malte. Die New York Times schreibt:

„Now, Ms. Schutz admits that she is “guarded” about the controversy and is most wary discussing her motivations for painting the scene in the first place, saying only that it was an attempt to “register this monstrous act and this tragic loss.” But she acknowledged that may have been an “impossible” task.“

When asked if she regretted making the work, she paused and said, “No, I don’t wish I hadn’t painted it.”

The long-term effect of the controversy, she said, is that she has internalized the viewpoints of the protesters even when making new work.

“I’ve had so many conversations with people who were upset by the painting,” Ms. Schutz said, adding that she has included them in “my imagined audience when I’m painting. It’s good those voices were heard.”“

Ich glaube, das ist der Knackpunkt an diesen Kontroversen und das Neue in der Diskussion um Freiheit der Kunst. Es werden auf einmal Stimmen laut und gehört, denen jahrzehnte-, jahrhundertelang keine Beachtung geschenkt wurde. Schwarze, Frauen und viele andere. Diese neuen Stimmen tragen zu einer neuen Sensibilität bei, und die scheint sich ganz langsam niederzuschlagen, siehe bildende Kunst, siehe Literatur.“

Da steckt so viel Wahres drin, das hat mich sehr berührt.

Die zum Teil aber sehr persönliche Kritik am Autor finde ich nach wie vor völlig daneben.

Die Kontroverse und die Diskussion sind für mich das eigentlich zentrale Thema, gar nicht so sehr das Buch, um das es eigentlich gehen soll. Wir müssen lernen, vernünftig miteinander zu diskutieren. Ob früher weniger oder genau so viel Filterbubble war wie heute, kann ich nicht beurteilen, aber Diskussionen fanden vor dem Internet oder in dessen Anfangszeit häufiger persönlich statt.

Im echten Leben haben wir als Menschheit in jahrtausendelanger Übung – mehr oder weniger gut – gelernt miteinander zu reden und zu diskutieren. Das müssen wir jetzt online noch einmal lernen.

Ohne Mimik und Gestik klingt vieles gleich viel schärfer und verletzender und ich merke auch an mir, dass ich dann unnötig schnell in eine Verteidigungshaltung gehe, die der Diskussion keinen Gefallen tut.

Vielleicht müssen wir alle lernen, weniger empfindlich und gleichzeitig weniger umbarmherzig im Urteil zu sein. Auch mal gute Absicht/unabsichtliches Handeln und nicht immer Vorsatz voraussetzen und trotzdem weiterhin zu kritisieren und nicht alles abzunicken. Dies hier soll auf keinen Fall als Aufruf zum Kuschelkurs verstanden werden oder als Verzicht auf Kontroversen.

Ich glaube es ist durchaus möglich, in der Sache hart zu diskutieren, ohne das Gegenüber persönlich anzugreifen. Auch wenn es ein Klischee sein mag: mit ausgestreckten Fäusten wird man niemanden zur Einsicht bringen.

Ich wünsche Takis Würger, dass er heil durch diese heftige Zeit kommt, bin all denen dankbar, die mir in Diskussionen gezeigt haben, was durchaus kritikwürdig ist an dem Roman und für viele neue Einsichten, die ich dadurch gewonnen habe.

Frauenleserin Blogparade

 

Schuld sind Frau Schiefgelesen und Frau Buchpost. Ganz klar. Sie haben mich zur Teilnahme an dieser großartigen Blogparade animiert und mich noch dazu auf den sehr spannenden Blog „Frauenleserin“ aufmerksam gemacht, der mir bislang durch die Lappen gegangen war. Also auf zum Bekenntnis ablegen:

 

  • Wie hoch ist Deine „Frauenquote“? Wieviele Bücher hast Du in diesem Jahr gelesen und/oder rezensiert? Wieviele davon wurden von Autorinnen verfasst?Ich habe erstaunliche 110 Bücher gelesen in diesem Jahr, soviele wie noch nie. Keine Ahnung wie ich das geschafft habe, ich fürchte nach wie vor den Preis zahlt der nächtliche Schlaf.Von den 110 Büchern habe ich laut meiner Goodreads Analyse nur 41 Bücher von Autorinnen gelesen, das kann und soll definitiv im nächsten Jahr besser werden. Aber die meisten meiner Lesehighlights waren Bücher von Autorinnen:
    – Siri Hustvedt „A Woman looking at men looking at women
    – Mary Beard „Women and Power
    – Tara Westover „Befreit
    – ML Rio „If we were Villains
    – Chimamanda Ngozi Adiechie – A Feminist Manifesto
    – Ottessa Moshfegh „Eileen
    – Sibylle Anderl „Das Universum und ich“
    – Lily King „Euphoria“
    – Yaa Gyasi „Homecoming
    – Elizabeth Gilbert „Das Wesen der Dinge und der Liebe

  • Welches Buch einer Autorin ist Dein diesjähriges Lesehighlight? (Warum?)Finde es sehr schwer eines rauszupicken, aber wenn ich unbedingt wählen müsste dann wäre es wohl Siri Hustvedts Buch „A Woman looking at men looking at women„. Ich lerne durch ihre Bücher so viel und liebe ihre Art zu schreiben, wie sie es schafft Wissenschaft und Kultur so mühelos miteinander zu vereinen. Sie ist eine begnadete Brückenbauerin und es gibt wenige Menschen neben denen ich lieber einmal bei einer Dinnerparty sitzen möchte.
  • Welche Autorin hast Du in diesem Jahr für Dich entdeckt und was macht Sie für Dich so besonders?Ich bin da wahrscheinlich etwas spät auf der Party erschienen, aber ich habe tatsächlich erst dieses Jahr Mary Beard und Chimamanda Ngozi Adichie entdeckt und kann mir ein Leseleben ohne sie jetzt gar nicht mehr vorstellen. Ihre Wucht und Präzision Dinge auszudrücken, die mir irgendwie im Kopf rumgehen ich aber im Leben nicht so auf Papier bringen könnte. Das sie die Dinge beim Namen nennen, nicht um den heißen Brei rumreden und enthusiastisch für ihre Themen brennen.OK  – meine Traum Dinnerparty besteht aus Siri Hustvedt, Chimamanda Ngozi Adichie, Ursula LeGuin und Mary Beard 🙂
  • Welche  weibliche Lebensgeschichte bzw. Biografie hat Dich in diesem Jahr besonders beeindruckt (und warum?)Tara Westovers „Befreit“ ganz klar und ohne großartig nachdenken zu müssen. Ich fand es so bewundernswert wie sie ihren Weg gemacht hat. Es aus einem derart fundamentalistischen bildungsfernen Umfeld bis nach Cambridge zu schaffen ist schon eine immense Leistung. Von der Dame könnte sich mein Schweinehund gelegentlich eine Scheibe abschneiden.
  • Welches Buch einer Autorin möchtest Du in 2019 unbedingt lesen?
    Ich glaube es wird Zeit Toni Morrisons „Beloved“ mal wieder zu lesen und außerdem endlich die „Beschreibung einer Krabbenwanderung“ von Karosh Taha und Washington Black von Esi Edugyan.

Eine umfassende Liste meiner liebsten Bücher 2018 wird es dieses Jahr nicht geben. Mein Entscheidungsmuskel ist erschlafft 😉

Ich wünsche Euch allen einen richtig guten Rutsch und ein wunderbares 2019!

100 Jahre Frauenwahlrecht

100 Jahre dürfen Frauen in Deutschland wählen. Eine Selbstverständlichkeit, das jeder Mensch wählen kann, sollte man meinen und doch hat es ewig gedauert, bis Frauen wählen durften und es gingen jahrezehntelange ermüdende Kämpfe voraus. Deutschland liegt mit der Einführung des Wahlrechts für Frauen im Jahr 1919 im guten Mittelfeld. Eines der ersten Länder war Finnland, wo Frauen ab 1906 wählen durften, Länder wie Griechenland (1952) oder gar die Schweiz (1971) waren ziemliche Spätzünder. Liechtenstein ist gar erst im Jahr 1984 aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Unfassbar.

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Foto: AddF

Überhaupt spannend, dass sich häufig gerade die Länder, die alte bestehende Männerdemokratien waren, mit der Einführung des Frauenwahlrechts besonders schwer taten, siehe Griechenland oder auch Frankreich, das mit 1948 auch nicht gerade bei der ersten Welle dabei war. Nur in wenigen Ländern wurde das allgemeine Wahlrecht für beide Geschlechter zum selben Zeitpunkt eingeführt. Liberale Parteien sympatisierten am ehesten mit der Idee des Frauenwahlrechts, aber für sie war politische Beteiligung vom sozialen Stand abhängig. Das fand sich auch entsprechend in der Frauenbewegung wieder, wo sich bürgerliche Frauen vehement für ihr Wahlrecht einsetzten, dies aber durchaus auf bürgerliche Frauen beschränkt wissen wollten.

Die Parteien jeglicher Couleur fürchteten negative Konsequenzen. Soziale und Liberale fürchteten, die Stimmen der Frauen würden überwiegend zu den Konservativen wandern, die Konservativen glaubten, Frauen würden überwiegend Linke und Liberale stützen. Einig waren sich die Herren der unterschiedlichen Parteien auch, dass das Wahlrecht der erste Schritt zu einer vollständigen Emanzipation sei und das wollte keiner. Die Aufhebung der Klassenbarriere ließ sich daher einfacher und schneller durchsetzen als das Frauenwahlrecht.

Eine der bekanntesten deutschen Frauenrechtlerinnen, der wir nicht nur mit Blick auf das Wahlrecht viel verdanken, war die erste deutsche Juristin, Anita Augspurg. Sie gründete 1902 in Hamburg gemeinsam mit anderen Aktivistinnen den Deutschen Verein für Frauenstimmrecht.

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„Im Ersten Weltkrieg nahmen Augspurg und Heymann an internationalen Frauen-Friedenskonferenzen teil und hielten illegale Versammlungen in ihrer Münchner Wohnung ab und verteilten Flugschriften gegen den Krieg. Anita Augspurg kooperierte mit Kurt Eisner und wurde nach der Proklamation der Bayerischen Republik 1918 in München Mitglied des provisorischen bayerischen Parlaments. Bei den bald folgenden Wahlen kandidierte sie auf Listen der sozialistischen USPD, erlangte aber kein Mandat.

Während der Machtübernahme der NSDAP weilten Augspurg und Heymann auf einer Auslandsreise, von der sie nicht nach Deutschland zurückkehrten. Der Grund war, dass sie Repressalien befürchteten, da sie unter anderem 1923 beim bayerischen Innenminister die Ausweisung des Österreichers Adolf Hitler wegen Volksverhetzung beantragt hatten. Ihr Besitz wurde beschlagnahmt; ihre Bibliothek und alle Aufzeichnungen aus ihrer jahrzehntelangen Arbeit in der nationalen und internationalen Frauenbewegung gingen verloren“ (Zitat Wikipedia)

Eine Menge spannender Informationen zur Geschichte des Frauenwahlrechts findet ihr im Übrigen hier.

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Foto: Wikipedia

Bei meinem letzten London Besuch entdeckte ich dieses spannende Buch, das ich euch in diesem Zusammenhang ans Herz legen möchte:

„The Periodic Table of Feminism“ – Marisa Bate

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Kurze Biografien über entscheidende Figuren im Feminismus angelehnt an das Periodische System. Aufgeteilt in die 4 Wellen des Feminismus gibt es folgende Aufschlüsselung:

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Precious Metals: the leaders, the face of the movements
Catalysts: pioneers, fire-starters
Conductors: bringing people together, the organisers
Diatomic: women working together
Stabalizers: peaceful, pacificsts
Explosives: radicals, anarchists, violent

Es liest sich leicht, ist ein guter Einstieg in das Thema und bietet eine Übersicht über weiterführende Literatur. Das Büchlein macht Spaß und man bleibt leicht hängen, wenn man eigentlich nur mal kurz reinblättern möchte. Allerdings hätte ich dem Buch einen besseren (oder überhaupt einen) Korrekturleser gegönnt, es sind schon einige Tippfehler im Buch. Mir hat das die Freude am Entdecken und Wiederentdecken nicht genommen. Es ist etwas angloamerikanisch geprägt, Anita Augspurg war aber ebenfalls vertreten. Bislang gibt es das Buch nur in Englisch und ich weiß nicht, ob eine Übersetzung geplant ist, falls ja würde es sicherlich Sinn machen, es dann etwas stärker zu europäisieren.

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Vieles, was wir heute für selbstverständlich halten, musste von tapferen Menschen hart erkämpft werden. Wir dürfen das nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen. Ich bin dankbar, dass es so mutige Frauen wie  Frauen wie Anita Augspurg, Emmeline Pankhurst und Chimamanda Adichie gibt und gegeben hat, die Herzblut, Kraft und viel Verstand in den Feminismus investiert haben und geholfen haben, die Welt etwas gleichberechtigter zu machen.

Es bleibt noch viel zu tun und wir brauchen Feminismus heute mehr denn je!