#WomeninSciFi (43) Wandernde Himmel – Hao Jingfang

Ich freue mich schon jetzt auf unseren nächsten Besuch im hohen Norden, so dass ich endlich einen Abstecher in die Buchhandlung „Almut Schmidt – Der Leuchturm im Büchermeer“ von „Leseschatz„-Blogger Hauke Harder machen kann.

Vielen lieben Dank an Hauke, dass er uns mit der Hugo-Award Gewinnerin Hao Jingfang  auf den nächsten Trip in die Zukunft mitnimmt.

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„Wandernde Himmel“ erzählt von zwei Welten und ist durch die Fremdartigkeit eine überspitzte Gegenwart. Ein ruhiger Science-Fiction-Roman, der sich des Genres und der Zukunft bedient, um die jetzige Zeit mit den technologischen Entwicklungen, den politischen Ränkespielen und dem Kapitalismus aus chinesischer Sicht zu kritisieren.

Der Roman zeigt eine Gesellschaft, die durch den abgenutzten Slogan „Die da Oben und die da Unten“ nicht nur als bildliches Konzept vorgestellt wird. 2096 haben die Menschen eine Kolonie auf dem Mars gegründet, um weiteren Lebensraum zu erschließen. Anfänglich gab es zwischen der Erde und dem Mars eine Handelsbeziehung. Doch dann tauchten auf der Strecke zwischen Mars und Erde Kriegsschiffe auf. Es begann der marsianische Unabhängigkeitskrieg. Die Marsianer wollten unabhängig sein und verdammten den Raubtierkapitalismus der Erde. Die Erden-Bewohner hielten dahingegen den Staat des roten Planeten für eine Diktatur.

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Hundert Jahre hat diese Fehde gedauert und es beginnt nun zaghaft eine Verständigung zwischen den Menschen auf den beiden Planeten. Die Handlung fängt mit dem Flug des althergebrachten Raumschiffs Maerde an. Ein Schiff, das mit seiner kleinen Besatzung die Route Mars und Erde aufrechterhält und dessen Name sich aus den Namen der beiden Planten zusammensetzt. Die Maerde ist auf dem Heimflug zum Mars und hat Besucher einer Marsmesse, Erdenmenschen, die den Mars erstmalig aufsuchen, und eine Schülergruppe als Passagiere. Diese Gruppe von Jugendlichen, die sich Merkur nennt, wurde zur Verständigung zwischen den Völkern auf die Erde als eine Art Schüleraustausch gesendet. Unter ihnen ist Luoying, die nun als fast Erwachsene auf ihren Heimatplaneten zurückkehrt. Sie ist eine begabte Tänzerin und die Zeit auf der Erde setzte ihr durch die dortige Schwerkraft sehr zu. Sie beginnt, ihre Rolle in diesem Austausch rückblickend in Frage zu stellen. Während des Heimflugs unterhalten sich die Teilnehmer über die damaligen Testaufgaben. Luoying erinnert sich an ihre sehr mauen Testergebnisse und wundert sich, dass sie dennoch für diesen Austausch ausgewählt wurde. Hat ihr Großvater, der oberste politische Machtinhaber des Planeten, etwas mit ihrer Auswahl zu tun? Nun nach fünf Jahren kehrt sie heim und fährt zu ihrem Bruder Rudy. Sie beginnt, die Rolle ihres Großvaters immer mehr in Frage zu stellen. Durch eine Verletzung ist ihre Karriere als Tänzerin beendet. Was soll sie nun machen? Welchen Beruf kann und will sie ausüben? Sie beginnt durch diesen neuen Lebensabschnitt, immer mehr die Systeme miteinander zu vergleichen. Auf der Erde erlebte sie den täglichen Kampf ums Überleben und hier auf dem Mars wird alles reglementiert. Kunst wird gefördert, steht dann zum Wohle aller zur Verfügung. Auch ist die Architektur auf dem Mars sehr gläsern. Aber ist alles wirklich so durchsichtig? Ihre Eltern sind vor langer Zeit verstorben, d.h. umgekommen. War die Mutter von Luoying auch dem System gegenüber kritisch eingestellt? Sie möchte endlich Klarheiten haben, über ihren Lebensweg, die Macht, die ihr Großvater ausübt und den Tod ihrer Eltern. Sie muss sich entscheiden, ob sie das Leben auf dem Mars weiterhin gut heißen kann. Sie als Weltenwanderin hat eine andere Art des Lebens kennenlernen können, das nicht ganz so starr ist. Hat aber die Sehnsucht nach Freiheit tödliche Konsequenzen?

Eine alternde Welt, die sich eine neue aufgebaut hat, welche nun von alternden Machtinhabern kontrolliert wird. Auf dem Mars wird soziale und wirtschaftliche Sicherheit versprochen. Auf der Erde herrscht der Kapitalismus. Doch beide Systeme haben ihre Kehrseiten. Das Leben sucht meist den unvorhersehbaren Weg und wünscht sich individuelle Freiheit. Dies ist nach den Werken von Cixin Liu der nächste chinesische Science-Fiction-Clou. Die Autorin, Hao Jingfang, gewann als erste Chinesin 2016 den Hugo Award.

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WomeninSciFi (39) Speak – Louisa Hall

 

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Verrückt eigentlich, dass die „Gefahr“, die von den „Maschinen“ ausgeht, viel weniger darin liegt, dass diese sich irgendwann wie in Terminator z.B. gegen uns erheben, sondern vielmehr, dass wir einfach partout die Finger nicht mehr von ihnen lassen können. Sie sind nicht so sehr eine Gefahr unserer motorischen Fähigkeiten, da Roboter uns alles mögliche abnehmen, sondern sie haben sich tief in unser Nervensystem eingegraben. Wir wollen nicht mehr ohne. Wir haben uns so daran gewöhnt permanent „online“ zu sein, stets und ständig unsere Meinungen und Ansichten zu äußern, Bilder zu posten, Informationen abzurufen, uns zu messen und zu optimieren.

“And what if they took over? What if they relieved us of power? We tend to assume that sentient machines would be inevitably demonic. But what if they were responsible leaders? Could they do much worse than we’ve done? They would immediately institute a system of laws. The constitution would be algorithmic. They would govern the world according to functions and the axioms their programmers gave them.”

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Louise Hall hat in ihrem intelligenten fesselnden Roman tief in unser Innerstes gesehen und sich mit unseren Süchten und Sehnsüchten auseinandergesetzt. Wir befinden uns im Jahr 2040, die Menschheit ist in Rehab und versucht, einem ernsten Fall von weltweiter Roboter-Abhängigkeit Herr zu werden. Der Roman beginnt damit, dass die Babybots, die puppengleichen Roboter,  die für diese Sucht-Seuche verantwortlich waren, den Kindern abgenommen wurden. Die Babybots werden in riesigen Warenlagern abgeladen, die Algorithmen zucken noch ein wenig, bis die Batterien alle sind und sie in Vergessenheit geraten.

Fünf unterschiedliche Stimmen werden von Hall elegant miteinander verwoben und beschäftigen sich mit der philosophischen Frage was ist Erinnerung? Was macht eine Person tatsächlich aus?  Wo verlaufen die Grenzen zwischen Mensch und Maschine ?

“Our primary function is speech: questions, and responses selected from memory according to a formula. We speak, but there is little evidence of real comprehension.”

Die Charaktere sind über Raum und Zeit miteinander verbunden, da gibt es Ausschnitte aus dem Tagebuch eines englischen Mädchens aus dem 16. Jahrhundert, die auf dem Weg nach Amerika ist. Briefe von Alan Turing an die Mutter seiner ersten großen Liebe, die Briefe eines Artificial-Intelligence-Programmierers namens Carl Dettman und seiner Frau, Auszüge einer Biografie eines Mannes namens Stephen Chinn der im Gefängnis sitzt und Auszüge der Unterhaltungen eines jungen Mädchens mit ihrem Babybot.

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Eine dystopische Atmosphäre durchzieht den Roman, die Menschheit kämpft mit sich immer weiter ausbreitenden Wüsten, steigendem Meeresspiegel und nicht näher erklärten Reisebeschränkungen. Der Roman beschäftigt sich intensiv mit Artificial Intelligence, einem Thema, um das man aktuell kaum herumkommt. Alan Turing vertrat die Ansicht, dass man einen Computer intelligent nennen könne, wenn ein Fragesteller nicht unterscheiden könne, ob die Antworten von einem Menschen oder einer Maschine gegeben werden. Die Protagonisten der Geschichte versuchen AI zu nutzen, um Erinnerungen zu bewahren an geliebte Menschen (oder Tiere), die sie verloren haben. Lange wurde in der Philosophie über den Unterschied von Mensch und Tier diskutiert, eine ähnliche Diskussion die wir führen werden, wenn es um den Unterschied zwischen Mensch und Maschine geht. Wenn Erinnerungen Teil des Bewusstseins ausmachen, sind Menschen mit Gedächtnisverlust dann einer Maschine gleicher als ein Computer mit nahezu unbegrenztem Erinnerungsvermögen.

“Speak” ist eine bewegende Geschichte mit spannenden Protagonisten und Fragestellungen, die mich noch lange beschäftigt haben und beschäftigen werden. Besonders zu empfehlen für Fans von David Mitchells „Cloud Atlas“ oder Margaret Atwoods „Madaddams“ Trilogie.

So verwachsen ich selbst auch hin- und wieder mit meinen technologischen Gadgets bin, kommt so ein süßes Hündchen um die Ecke und will spielen, dann haben die Maschinen zum Glück auch weiterhin keine Chance.

„Are you there?“

„Can you here me?“

Hier noch ein interessantes Interview mit der Autorin auf NPR.

WomeninSciFi (38) Rooster’s Garden – Oliva A. Cole

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Ich freue mich sehr über eine weitere Wiederholungstäterin 🙂 Marion von Schiefgelesen läßt uns an den weiteren Abenteuern von Tasha Locket teilnehmen, die sie uns schon im ersten Teil „Panther in the Hive“ ans Herz gelegt hat. Ich verrate nur soviel, es geht mindestens so spannend weiter, wie im ersten Teil:

In The Rooster’s Garden setzt Tasha Locket, die wir aus Panther in the Hive schon kennen, ihre Flucht aus der zerstörten Stadt Chicago fort. Noch immer erzittern die USA unter einer Zombie-Apokalypse, ausgelöst durch einen Chip, der seine Träger in hirnlose Mutanten verwandelt. Zwar ist es Tasha und ihren FreundInnen gelungen aus Chicago zu fliehen, doch das angeblich sichere Kalifornien ist noch in weiter Ferne. Und ob es wirklich sicher ist, kann auch niemand sagen.

Zu allem Überfluss hat es nun auch die Chip-Gesellschaft Cybranu auf Tasha abgesehen und sieht in ihr eine Terroristin. Dank eines ausgesetzten Kopfgelds jagen nun nicht nur Mutanten nach ihr, sondern auch die wenigen Überlebenden der Katastrophe. Hilfe scheint die kleine Gruppe in einer Aussteiger-Community zu finden, die ebenfalls gegen Cybranu kämpft. Aber stimmt das? In Zeiten der Katastrophe kann man noch weniger Menschen trauen als zuvor.

The Rooster’s Garden überzeugt ebenso wie der erste Teil der Trilogie. Cole zieht ihre Idee der Apokalypse konsequent durch. Anders als in vielen anderen Geschichten dieses Genres sind nicht die Underdogs die ersten Opfer, sondern es sind die Reichen und Mächtigen, die dem Chip zum Opfer fallen. Besonders LeserInnen, die Wert auf diversity legen, werden Gefallen am Personal des Romans finden. Es gibt kaum Weiße, die die Apokalypse überstanden haben und wer von ihnen noch lebt, ist unsympathisch (und lebt auch nicht mehr lange). Die Unterdrückten, die jetzt erst recht um ihr Überleben kämpfen müssen, sind die ewigen Anstrengungen schon gewohnt. Die Navajos, die Tasha auf ihrer Reise trifft, erklären schulterzuckend es sei ja nun nicht das erste mal das man versuche, sie auszurotten. Ebenso ergeht es vielen Schwarzen. Dass die Polizei unbarmherzig Jagd auf sie macht, kann sie kaum erschüttern, nur der Mutanten-Chip ist jetzt neu.

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Die Geschichte spielt etwa 70 Jahre in der Zukunft doch vieles von dem, was Cole sich ausdenkt, scheint erschreckend nahe an der Realität zu sein. Das Leben in den USA wird gesteuert von zwei, drei großen Organisationen, die alles über die Bevölkerung wissen. Personalisierte Werbung ist nicht nur überall verfügbar, sondern beobachtet die Umworbenen auch, zeichnet Reaktionen und Bewegungsmuster auf. Der mächtige Chip, den sich viele Menschen implantieren lassen, hat großen gesundheitlichen Nutzen, macht aber auch von einem Unternehmen abhängig und birgt unkalkulierbare Gefahren. Kritisch hinterfragt wird das nur von wenigen, zu verlockend ist das Versprechen ewiger Schönheit und Gesundheit. Sogar der Anbau von Gemüse steht unter Strafe. Die Menschen sollen in jedem Punkt abhängig sein von den Konzernen, jede Anstrengung, sich davon zu befreien, wird kritisch beäugt und sanktioniert. Die „Glasses“, Tablet-ähnliche Geräte, die beinahe alle immer bei sich führen, dienen den Konzernen dabei als willkommene Überwachungshilfen. Ein großer Teil der Bevölkerung stört sich daran nicht. Solange des dem eigenen Komfort dient, werden persönliche Daten bereitwillig geteilt.

Der Roman ist eine spannende Zombie-Geschichte, die in den Grenzen des Genres bleibt, aber einige sehr coole Besonderheiten hat, vor allem was das bereits erwähnte Personal angeht. Der Roman ist voller Gesellschaftskritik, die aber nicht mit erhobenem Zeigefinger daher kommt und Waffen, Blut und Knochenbrüche gibt es auch noch genug. Wie viele Romane mit actiongeladenen Plots hat auch dieser hier ein paar Wendungen und Elemente, bei denen der glückliche Zufall dann doch ein bisschen konstruiert scheint, aber vielleicht sollte man bei einem Zombie-Apokalypse-Roman auch nicht „realitätsgetreu und glaubwürdig“ als Bewertungskriterium zugrunde legen. In jedem Fall ist der Roman extrem spannend, stilsicher geschrieben und hat eine Protagonistin, mit der man gerne noch mindestens ein weiteres Abenteuer erleben würde.

Olivia A. Cole: The Rooster’s Garden. Teil II der Tasha-Trilogy. Fletchero Publishing 2016. ca. € 18,-. ISBN 978-0991615544.

#WomeninSciFi (36) He, She and It – Marge Piercy

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Die Erde in nicht allzu ferner Zukunft ist ein Ort, der durch Krieg und Umweltzerstörung weitestgehend zerstört ist. Die Welt wird von riesigen Konzernen geführt, deren ausgewählte Mitarbeiter sich einer strengen Ordnung unterwerfen müssen, die nicht nur für die Art zu arbeiten, sondern auch für die Kleidung gilt, die sie tragen müssen und die Art, wie sie ihr Leben zu führen haben. Die meisten Menschen leben jedoch in riesigen, gefährlichen, ärmlichen Slums, die „The Glop“ genannt werden. Nur einige wenige Städte bleiben erhalten und frei, die in der Lage sind, benötigte Technologie an die Konzerne zu verkaufen.

Die Menschen haben Zugang zu einem riesigen Computernetzwerk, in das sie sich hinein projizieren können um zu recherchieren, Spiele zu spielen, um zu kommunizieren, einzukaufen etc. Die Nutzer dieses Netzwerks können jedoch jederzeit Cyberattacken erleiden und sogar getötet werden, daher sind Verteidigungssysteme mächtig gefragt.

Das Buch hat zwei parallel verlaufende Erzählstränge. Der erste folgt Shira, einer frisch geschiedene Frau, die für eine der mächtigen Konzerne arbeitet und das Sorgerecht für ihren Sohn verloren hat. Sie geht zurück in ihre Heimatstadt Tikva, eine freie jüdische Stadt, wo sie mit ihrer lesbischen Mutter, einer Freiheitskämpferin, und ihrer Großmutter, einer Genetikerin, zusammenlebt. Dort verliebt sie sich in einen heimlich erschaffenen Cyborg, der die freie Stadt verteidigen soll.

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Die zweite Geschichte, die von ihrer Großmutter erzählt wird, handelt von der Tochter eines Rabbis im jüdischen Ghetto in Prag im 17. Jahrhundert. Aus Angst um das Leben der Ghetto-Bewohner erschafft der Rabbi einen Golem, um sie zu verteidigen. Seine freiheitsliebende und intellektuelle Tochter verliebt sich in diesen Golem.

„He, She and It“ ist ein spannender Mix aus jüdischer feministischer Fiktion, Dystopie und Cyperpunk mit einem Schuss Roboter-Romantik und Soziologie. Das Buch ist wunderbar geschrieben, großartige, vielschichtige Charaktere, mit denen man mitfiebert und deren Schicksal einem am Herzen liegt.

Das Buch beschäftigt sich mit der Frage, was es heißt eine „wirkliche Person“ zu ein und welche Rechte künstlich erschaffenes Leben hat. Das Ende fand ich ein bisschen unspektakulär, aber ein wirklich gutes Buch, das ich insbesondere Cyperpunk Fans ans Herz lege, die Wert auf literarisch anspruchsvolle Texte legen.

Marge Piercy schrieb das Buch 1991. Ihre Dystopie mit Umweltzerstörungen, riesigen, sich immer weiter ausbreitenden Städten, Mega-Konzernen, die die Welt regieren und dem futuristischen Internet ähnelt unserer Welt in einigen Teilen mehr, als mir lieb ist.

Hier ein kurzes Interview mit der Autorin, in dem es zum Teil um ihre Bücher, aber auch um ihre illegal durchgeführte Abtreibung geht:

#WomeninSciFi (27) Solitaire – Kelly Eskridge

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„Solitaire“ von Kelly Eskridge entführt uns in eine nicht all zu weit entfernte Zukunft, in der es tatsächlich endlich Weltfrieden gibt. Als Symbol der Hoffnung wurden alle Kinder, die genau in der Sekunde geboren wurden, als die Friedensverhandlungen beendet wurden, zu „Hopes“ ernannt und werden auf ihre Rolle als künftige Aushängeschilder der globalen Administration vorbereitet.

Die „Hope“ des weltweit einzigen Konzernstaates ist Ren „Jackal“ Seguara. Als Ren für eine fürchterliche Katastrophe die Schuld gegeben wird, bricht die Ko Corporation, ihr Heimatland sozusagen, jegliche Verbindung mit ihr ab und verurteilt sie zu einer fürchterlichen Strafe. Sie wird im Rahmen eines Experiments in eine Virtual Reality Isolationshaft gebracht, wo sie die nächsten 8 Jahre allein in ihrem Geist eingesperrt wird, ohne jeglichen Kontakt von außen.

„When we are left all alone is that when we find out who we truly are?“

Was mir an diesem stylischen Sci-Fi Roman unter anderem gut gefallen hat, war die absolute Selbstverständlichkeit mit der Ren eine Freundin hat und das auch ohne große Liebesdramen oder Dreiecksgeschichten, sondern von der ersten Seite an war klar, dass sie mit Snow zusammen ist. Eine willkommene Abwechslung.

#WomeninSciFi (26) Lagune – Nnedi Okorafor

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Eine Weile lang war ich ganz überrascht, dass niemand über Nnedi Okorafor schreiben wollte und nun gibt es kurz hintereinander zwei Beiträge über Bücher der afrikanischen Autorin. Ich freue mich sehr, dass Kathrin von Phantásienreisen dabei ist! Wie der Blogname vermuten lässt findet man hier Besprechungen von Phantasie-Romanen, aber das ist lange nicht alles. Insbesondere ihre Besprechungen von besonderen Buch-Schmuckausgaben sind sehr gefährlich für mich und ich liebe die wöchentliche Rubrik „Sonntagsleserin“. Jetzt aber ab in die „Lagune“:

Nnedi Okorafor spaltet mit ihrer Science Fiction immer wieder die Meinungen der Leserinnen und Leser: Die einen empfinden ihre Geschichten als innovativ und loben die Einflechtung afrikanischer Mythen und Schauplätze, andere bemängeln, dass Okorafors Geschichten hinsichtlich Handlung und Charakteren schwächeln. Daher nahm ich #WomeninSciFi zum Anlass, mich Nnedi Okorafors Roman „Lagune“ zu widmen und herauszufinden, woher all das Lob und die Kritik rühren.

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In „Lagune“ entführt uns die US-Autorin in die Heimat ihrer Eltern: Nigeria. Genauer gesagt nach Lagos, die Lagunen-Stadt, die – nach Ansicht der Autorin – so viel Schönes und Hässliches vereint wie kein anderer Ort dieser Welt. Okorafors Liebe zu dieser Stadt wird in jeder Zeile des Buches spürbar. Sie fängt gekonnt die Stimmung und das Leben in dieser Stadt auf, ohne auf detaillierte Beschreibungen zurückgreifen zu müssen. Als Leserin fühlte ich mich zeitweise, als befände ich mich mitten unter den Einwohnern diese Stadt. Ich spürte die Hitze auf meiner Haut, roch das salzige Meer und atmete die schmutzige Luft ein, welche die „Fahr-Lahms“[1] verursachten. In der Schaffung von Atmosphäre liegt dabei Nnedi Okorafors größte Stärke. Das zeigt sich bereits im Prolog, in dem sie einen Schwertfisch erzählen lässt. Wir sehen, denken und bewegen uns wie der Fisch durch das Meer vor Lagos, werden wütend angesichts der Menschen, die mit ihrem Öl unseren Lebensraum verseuchen und fühlen uns plötzlich magisch angezogen zu etwas Neuem, Fremden im Meeresgrund, etwas, das uns und die anderen Meeresbewohner größer und stärker macht und uns damit etwas schenkt, womit wir uns den Menschen zur Wehr setzen können. Dieser intensive, alle Sinne ansprechende Prolog gehört wohl zu den besten Buchbeginnen, die ich je gelesen habe und setzte damit die Messlatte für den Rest des Romans hoch.

Leider ist es Okorafor jedoch nicht gelungen, dieses Niveau zu halten. Das fängt bereits bei der dürftigen Handlung an, die uns Altbekanntes an einem lediglich neuen Schauplatz präsentiert: Außerirdische sind in den Tiefen des Ozeans gelandet, um auf unserem Planeten eine neue Heimat zu finden. Eine von ihnen, die später unter dem Namen Ayodele bekannt sein wird, nimmt den Erstkontakt zur Menschheit auf. Sie führt drei Menschen am Strand von Lagos zusammen, die zwischen den Außerirdischen und der nigerianischen Bevölkerung vermitteln sollen. Zu ihnen gehören die Meeresbiologin Adaora, der erfolgreiche, ghanaische Rapper Anthony und der Soldat Agu. Drei Menschen, die durch ihren Sachverstand, ihre Wortgewandtheit und ihre Kontakte zu Militär und Politik auf verschiedenen Ebenen agieren können. Doch die Menschen reagieren, wie sie dies fast immer bei etwas Fremdem, Unbekannten tun: mit Panik, Angst und Vorurteilen. Binnen 24 Stunden versinkt Lagos in Chaos und Gewalt, während gleichzeitig verschiedene Institutionen und Personenkreise versuchen, aus diesen Entwicklungen einen Vorteil zu ziehen. Man kennt das. Nur ist der Schauplatz dieses Mal nicht Nordamerika, sondern Afrika. Lässt sich dadurch das schon tausendfach durchgespielte Szenario einer Begegnung zwischen Menschheit und außerirdischen Lebensformen neu erzählen? Theoretisch ja. Praktisch hat Nnedi Okorafor diese Chance aber vertan. Stellt man sich die Frage, ob Okorafors Geschichte in dieser Weise auch an jedem beliebigen anderen Ort der Welt hätte spielen können, muss man diese leider eindeutig mit Ja beantworten.

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Foto: Litnet

Dabei hätten afrikanische Erzähltraditionen und Mythen durchaus zu einer neuen Perspektive und individuellen Umsetzung der Erstkontaktthematik führen können. Okorafor hat dies im Laufe des Buches ein paar Mal versucht, in dem sie Gottheiten oder übernatürliche Wesen einführt. Leider sind diese zu lose mit der Geschichte verflochten; ihre Handlungsstränge werden kurz aufgegriffen und anschließend für lange Zeit oder gar für immer fallen gelassen. Ähnlich verhält es sich mit anderen Grundgedanken und Ideen, die sich in „Lagune“ finden lassen, beispielsweise der schmale Grat zwischen Glauben und Fanatismus, die Eigendynamik gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen oder der Hang der Menschheit zur Zerstörung. „Lagune“ hätte somit leicht als Spiegel aktueller politischer und gesellschaftlicher Missstände wie Xenophobie fungieren können: Obwohl die Menschen in Lagos noch nichts über die Absichten der Außerirdischen wissen, sehen sie sie direkt als Bedrohung an – aus Angst vor den Fremden, aus Sorge darüber, dass ihre Ankunft Nachteile für die in Lagos lebenden Menschen mit sich bringt. Doch Nnedi Okorafor greift diese Parallelen nicht weiter auf. Sie lässt auf episodenhafte Weise verschiedene Figuren zu Wort kommen, um uns einen breitgefächerten Überblick über die Ereignisse in der Stadt zu geben, springt  dabei allzu oft hin- und her und verstrickt sich in einem Potpourri aus Figuren und gut gemeinten Ideen, für die in diesem Ausmaß auf den rund 400 Seiten nicht genug Platz ist. Nnedi Okorafor hat viel gewollt und genau deshalb zu viele Abstriche gemacht, um alles zumindest kurz einbinden zu können.

Das geht nicht nur auf Kosten der spärlichen Handlung, sondern auch auf Kosten der Charaktere, die zu einem großen Teil recht blass oder gar stereotyp bleiben und deren tiefer liegende Beweggründe kaum deutlich werden. So sieht sich Meeresbiologin Adaora nach über zehn Jahren ihrem radikal veränderten Ehemann gegenüber: Einst ein liebevoller Mensch, der sie in all ihren Zielen und Träumen unterstützte, agiert er scheinbar aus dem Nichts heraus zornig, gewalttätig und intolerant. Okorafor begründet diesen Wandel mit einem traumatischen Erlebnis während eines Fluges und einem dadurch erweckten religiösen Fanatismus. Eine Erklärung, mit der es sich die Autorin einfach gemacht hat und die im Ausmaß der Veränderungen doch noch zu dürftig erscheint, insbesondere da Adaoras Ehemann im weiteren Verlauf des Buches noch einmal einen solchen Wandel um 180 Grad vollzieht.

Kann „Lagune“ dann wenigstens hinsichtlich der Science Fiction-Elemente überzeugen? Nicht, wenn man wirklich Wert auf die Science legt. „Lagune“ ist ein Roman über uns Menschen an sich, in dem zufällig auch Außerirdische und eine Meeresbiologin eine Rolle spielen. Wissenschaftliche Konzepte, Phänomene oder Ideen werden quasi gar nicht aufgegriffen, weshalb auch Adaoras Profession der Meeresbiologin überflüssig ist und sie jeden anderen Beruf hätte ausüben können, ohne dass dies Auswirkungen auf die Geschichte gehabt hätte.

Für den ein oder anderen Lesenden mag es erfrischend wirken, Altbekanntes und Bewährtes an einem Schauplatz zu erleben, der in der Literatur noch verhältnismäßig wenig bedient wird. Wer jedoch gezielt auf der Suche nach etwas wirklich Neuem und Innovativem ist oder sich auch nur eine Handlung mit Tiefgang und wissenschaftlichen Schwerpunkten wünscht, ist mit Nnedi Okorafors „Lagune“ falsch bedient. Für mich entpuppte sich „Lagune“ daher nach einem starken Start und hohen Erwartungen zu einer großen Enttäuschung

[1] Staus bzw. stockender Verkehr durch zu stark befahrene Straßen

 

#WomeninSciFi (25) Die gleißende Welt – Margaret Cavendish

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Die heutige Ausgabe kommt von einem waschechten Bibliothekar und ziemlich berühmten Koch, der es bis ins Fernsehen geschafft hat 😉 Ich freue mich sehr, dass Marius vom Blog „Buch-haltung“ uns heute eine ganz besonders spannende Dame vorstellt, die sich mit Mary Shelley die Ehre teilt, als heimliche Gründerinnen der Science-Fiction Literatur zu gelten.

Ich freue mich schon jetzt darauf Marius mal wieder auf einer Buchmesse, einer Literaturveranstaltung oder auch einfach nur auf ein Bier zu treffen, schließlich liegen München und Augsburg nicht weit auseinander und das sollten wir hinbekommen. Jetzt reisen wir aber erst einmal ins Jahr 1623 bevor wir mit Ms Cavendish in eine utopische Parallelwelt verschwinden…

Was die Gleißende Welt im Innersten zusammenhält

Es gibt Geschichten, die sind eigentlich zu tolldreist, um sie zu glauben. Das Werk Die gleißende Welt und seine Erschafferin Margaret Cavendish sind genau solch ein Fall.

MCMargaret Cavendish wird 1623 in England geboren, zu einer Zeit also, in der der 30-jährige Krieg ganz Europa beherrscht. Im Schoß ihrer Familie wächst die junge Frau heran, während Oliver Cromwell gerade dazu ansetzt, die Monarchie unter dem englischen König Charles I. zu stürzen. Höchst turbulente Zeiten also, die von den Konflikten zwischen Krone und Parlament gekennzeichnet sind.

Auch die Familie von Margaret Lucas (so der Mädchenname der Autorin) bleibt von diesen Turbulenzen nicht verschont. Der Familiensitz der Lucas‘ wird zweimal von anti-royalistisch gesinnten Bürgern angegriffen und schlussendlich sogar zerstört. Etwas Ruhe verheißt da der Antrag von William Cavendish, der um die Hand von Margaret anhält.

Cavendish, der Herzog von Newcastle-upon-Tyre ist frisch verwitwet und mit 50 Jahren ganze dreißig Jahre älter als Margaret. Er gilt als Unterstützer und Förderer von Geistesgrößen wie etwa Thomas Hobbes (und nebenbei auch als berüchtigter Frauenheld). Margaret willigt in die Ehe mit dem Herzog von Newcastle-upon-Tyre ein und wird folglich selbst zur Herzogin. Ihre neuen Freiheiten weiß sie geschickt zu nutzen. Obwohl sie kaum eine nennenswerte Schulbildung genossen hat, setzt sie dazu an, sich mit den Ideen der Philosophen und Forscher ihrer Zeit auseinanderzusetzen. Sie beginnt Briefe, Gedichte und Schriften zu veröffentlichen – zu der damaligen Zeit ein absolutes Unding. Das Verfassen von Schriften war den Männern vorbehalten und zudem eher für die interne Verbreitung in den privaten Zirkeln vorgesehen. Mit diesen Traditionen bricht Margaret Cavendish und beginnt ihr schriftstellerisches Ouevre zu veröffentlichen. Unterstützung erfährt sie dabei auch von ihrem Mann, der den Werken gerne ein selbst verfasstes Gedicht voranstellte, um zu zeigen, dass seine Frau seinen Rückhalt genoß.

Äußerst standesbewusst weiß sie sich zu inszenieren. Gerne trägt sich auch Männerkleidung und besucht Experimente der Royal Society. Sie mischt sich in Debatten ein und setzt sich mit den Forschungen ihrer Zeit auseinander und legt dabei ein großes disziplin-übergreifendes Interesse an den Tag. Margaret Cavendish aufgrund ihrer Unangepasstheit und ihrem Kampf um einen Platz in der Gesellschaft für Frauen als frühe Feministin zu bezeichnen, wäre allerdings falsch. Ihre eigene Position und persönliche Freiheiten galten der Herzogin von Newcastle weitaus mehr als sich mit anderen Frauen niederer Stände zu solidarisieren.

Mit ihrer Haltung und ihrem Gestaltungsdrang eckte die exzentrische Dame natürlich auch an. Mit ihren Briefen und ihrer Prosa zog sie viel Häme und Kritik ihrer ZeitgenossInnen auf sich. Beispielhaft sei hier eine Bemerkung von Dorothy Osborne genannt, einer Zeitzeugin, deren Urteil über Margaret Cavendish wie folgt ausfiel:

Bestimmt ist die arme Frau ein wenig verwirrt, sie könnte sich sonst nie so lächerlich machen, sich zu erlauben Bücher zu schreiben und noch dazu in Versen. Wenn ich vierzehn Tage nicht schlafen würfe, sollt es nicht so weit mit mir kommen. (Briefe von Dorothy Osborne an William Temple, Hg. vom G. C. Moore Smith. Oxford, 1928)

Nach ihrem Tod 1673 fiel Margaret Cavendish und ihr literarisches Ouevre alsbald dem Vergessen anheim. Die zumeist vernichtende Kritik sorgte für ein schnelles Ende ihres Nachruhms. Erst Virginia Woolf setzte Anfang des 20. Jahrhunderts wieder dafür, dass das Erbe von Margaret Cavendish nicht ganz vergessen wurde, wobei Woolfs Urteil über Margaret Cavendish recht ambivalent ausfiel. Erst im Zuge der aufkommenden Frauen-Forschung der 80er Jahre wurde Margaret Cavendish und ihr literarisches Schaffen wieder neu entdeckt. Und nun bekommt sie auch einen Platz in der Reihe #WomeninSciFi. Ein Platz, der der Engländerin als einer der Urmütter der Science Fiction fraglos mehr als zusteht.

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Denn Margaret Cavendish verbindet als eine der ersten die Positionen Science und Fiction. Während London 1666 beim Großen Brand in weiten Teilen zerstört wird, erschafft die Herzogin von Newcastle in diesem Jahr ebenfalls ein gleißendes Ereignis – die Rede ist von ihrem Werk The Description of a New World Called the Blazing World. Diese Fiktion erscheint in Verbindung mit ihrer Schrift Observations upon Experimental Philosophy, beide Schriften stehen in enger Verbindung – hier die philosophischen Betrachtungen, auf der anderen Seite ihre Phantasie einer Welt, in der die Philosophie eine tragende Rolle spielt. Science und Fiction at it’s best quasi.

Die Autorin selbst bemerkt dazu im Vorwort ihres Buchs:

Es ist die Beschreibung einer Neuen Welt, nicht wie die bei Lukian oder die Welt im Mond des Franzosen (Cyrano de Bergeracs , Anmerkung meinerseits), sondern eine Welt, die ich selbst geschaffen habe und die ich die Gleißende Welt nenne. Der erste Teil ist romanzenhaft, der zweite philosophisch und der dritte bloße Laune oder (wie ich es nennen würde) phantastisch. Wenn dich dies erfreut, werde ich mich als glückliche Schöpferin betrachten ; wenn nicht, muß ich mit einem melancholischen Leben in meiner eigenen Welt Vorlieb nehmen. (Cavendish, Margaret: Die Gleißende Welt, S. 9)

Hier schlägt dem Leser schon der selbstbewusste Ton der Herzogin entgegen, die sich selbst als Hauptfigur in ihre Erzählung verpflanzt. Ein Kniff, den auch etwa ihr Landsmann Thomas Morus in Utopia anwendet (beide Bücher weisen nicht von ungefähr zahlreiche Berührungspunkte auf). Die Grundgeschichte ist ihrer Erzählung ist dabei schnell umrissen:

Ein Kaufmann möchte eine junge Dame in einem fremden Land erobern und raubt sie kurzerhand. Doch das Boot wird abgetrieben und gerät an den Nordpol. Nur die junge Frau überlebt an Bord und gelangt vom Nordpol durch einen Übergang in eine fremdartige Welt. Dort trifft sie auf Bären- Fuchs- und Vogelmenschen, sowie dergleichen mehr. Die Dame wird von den verschiedenen Bewohnern dieser Gleißenden Welt bewundert, sodass sie sogar zur Kaiserin des Reichs aufsteigt. Mit den verschiedenen Gattungen ihrer Welt tritt sie in den Dialog und lässt sich von ihnen die Welt erklären und führt unzählige wissenschaftliche Dispute. So gibt es Gespräche über die Philosophie, Syllogismus oder naturwissenschaftliche Themen (die auch immer Cavendish‘ zahlreiche Interesse widerspiegeln).

Der Ton ihrer Erzählung ist dabei manchmal märchenhaft, dann aber auch wieder forschend und nachbohrend wie der Wissensdurst eines kleinen Kindes. Die royalistische Grundhaltung lässt sich ebenso klar aus dem Text ablesen wie ihre Verachtung für manche Philosophen, die nicht von ungefähr etwa als Wurmmenschen auftreten lässt. Auch enthält ihre Erzählung weitere Themen wie etwa den Krieg (sogar zu einer Schlacht kommt es in ihrem Roman) oder die Suche nach der idealen Staatsform. Die von ihr kreierte Welt ist eine Utopie, bei der alle verschiedenen Rassen und Gattungen friedlich miteinander leben, geeint durch eine Religion und ein Staatsoberhaupt.

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Diese ganzen Ansätze und Ideen machen eine Lektüre von Die gleißende Welt auch heute noch interessant, auch wenn die Lektüre manchmal etwas zäh gerät, besonders in den vielen wissenschaftlichen Diskussionen. Das Durchkämpfen durch diese Passagen lohnt sich aber, besonders wenn man sich für einen weiblichen Blick auf die damaligen Machtverhältnisse und Schreiben als Abbild oder Eskapismus der Wirklichkeit interessiert. Weitere Einblicke in das Leben und Wirken Margaret Cavendishs liefert zudem das Nachwort der Übersetzerin Virginia Richter, die zahlreiche Informationen über diese besondere Autorin zusammengetragen hat.

Ein außergewöhnliches Buch, eine noch außergewöhnlichere Autorin!

(Cavendish, Margaret: Die Gleißende Welt. Scaneg-Verlag, Reihe punctum, Bd. 15. Erscheinungsjahr 2001. ISBN 3-89235-115-5. Preis: 15,00 €)

 

Abb. 1: Margaret Cavendish Quelle: Wikimedia

Abb. 2: Frontispiz “The Blazing World”

Abb. 3: Buchcover “Die gleißende Welt”