Day 23 Book-a-Day Challenge: Favorite fictional Character

… and the winner is: Lisbeth Salander 🙂

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I would love to be a Hacker like her and the dragon tattoo is also cool. I prefer books where I can identify with somebody in the book. It doesn’t have to be the main protagonist and it is not so much that they need to be very similar to me, but something needs to resonate with me.

Either the way they think, the way they act or their ideas.

To learn more about Lisbeth I recommend Stig Larssons trilogy who died far too young a few years ago and the follow-up by David Lagercrantz „The Girl in the Spider Web“. You can find my review here:

https://bingereader.org/2015/10/01/the-girl-in-the-spiders-web-david-lagercrantz/

What is your favorite fictional character ?

S. – J.J. Abrams & Doug Dorst

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Selten habe ich mich derart schwer getan eine Rezension zu schreiben, wie bei diesem Buch. Nicht weil es mir nicht gefallen hätte, sondern weil ich während und auch nach dem Lesen so geflasht war, mir fehlten die Worte.

Dieses Buch ist während des Lesens lebedig geworden. Ich werde gar nicht erst großartig versuchen, die verschiedenen Ebenen der Geschichten zusammen zu fassen, ich kann mir das nur schwer vorstellen, ohne zu spoilern, möglich wäre es sicher, aber mir gelingt das meist nicht.

Da ist einmal die mysteriös-düster-schräge Geschichte von S. und Sola auf dem seltsamen Schiff, mit der noch seltsameren Crew (puh die zugenähten Lippen fand ich schon krass), die Suche nach dem wahren Autor dieser Geschichte und in den Randbemerkungen die Geschichte von Jen und Eric. Ich kam mir beim Lesen als deren Komplize vor, hab mit ihnen Texte entschlüsselt, Zeitungsausschnitte durchforstet und hätte zu gerne die Möglichkeit gehabt, die beiden tatsächlich zu schütteln, damit sie sich doch endlich mal in Wirklichkeit treffen.

Diese drei Ebenen im Buch sind alle miteinander verwoben. Es sind jede Menge Foren und Webseiten, entstanden rund um das Buch, die sich unter anderem mit der besten Lese-Methode für das Buch beschäftigen.

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Ich habe jetzt nicht erst die Geschichte „Ship of Theseus“ gelesen und dann die handschriftlichen Notizen, wie häufig empfohlen wurde. Ich habe erst ein Kapitel „Schiff“ gelesen, bin dann zurückgegangen und habe dann die dazugehörigen Randbemerkungen von Jen und Eric gelesen. Ich habe die jetzt auch nicht unbedingt in chronologischer Reihenfolge gelesen, wie einige Hardliner empfohlen haben (also erst Eric’s ursprüngliche Notizen, dann die „Unterhaltungen“ von Jen und Eric, dann deren spätere Notizen in einer anderen Farbe) das war mir doch eine Spur zu umständlich. Ich fand es war durchaus möglich, den Geschichten auf den unterschiedlichen Ebenen zu folgen, wenn man es Kapitel für Kapitel gelesen hat.

Mir geht so viel durch den Kopf zu diesem Buch, es war ein ganz besonderes Leseerlebnis, eigentlich nur mit Danielewskis „House of Leaves“ vergleichbar. Lost-Fans haben sicherlich auch deutlich gespürt, dass Abrams bei beidem seine Hände im Spiel hatte. Ich bin der totale „sucker“ für solche non-linearen, experimentellen, rätselhaften Mystery-Geschichten. Ich wünschte es würde mehr Bücher in dieser Richtung geben.
Tipps, anybody ? 🙂

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Das Buch ist so liebevoll zusammengestellt, die verschiedenen Geschichten so kunstvoll miteinander verwoben und es war so spannend. Manchmal wußte man schon teilweise was kommen würde, was der Spannung aber überhaupt keinen Abbruch getan hat.

„The Ship of Theseus“ ist im Grunde ein philosophisches Experiment (siehe Theseus‘ Paradox) bei dem es darum geht, ob das Schiff eigentlich noch immer das gleiche Schiff ist, wenn das alte Holz des Schiffes Stück für Stück durch neues ersetzt wurde. Ist es das gleiche, das es vorher war, oder ein ganz anderes? Und wenn du aus dem alten Holz dann wieder ein Schiff baust, welches der beiden Schiffe ist dann das Original?

So wie das Schiff in S. sich ständig verändert, verändert sich auch unsere Identität und die Identität von S. – oder ist er ein anderer, da er sich an seine Vergangenheit nicht mehr erinnern kann?

Verändern wir uns nicht auch jeden Tag ein bisschen und werden wir dann zu einer anderen Person oder bleiben wir immer derselbe Mensch, nur mit anderen Gedanken versehen und stetigen Um- und Neu-„Dekorationen“ unseres Selbst? Ist mein „Ich“ heute noch das gleiche wie mit 18 oder bin ich eigentlich ein komplett anderer Mensch?

Da kann man wunderbar stundenlang drüber nachdenken, ohne zu einem wirklichen Ergebnis zu kommen, was für mich aber einwandfrei feststeht ist, dass dieses Buch eine wunderbare Liebeserklärung ist an das gedruckte Buch. Da können Audio- oder ebook-Versionen einfach nicht mithalten.

Allein das Buch zu öffnen, das Durchtrennen des „Siegels“ aus Papier mit dem Brieföffner, das Durchblättern und die vielen Postkarten, beschriebenen Servietten, Zeitungsausschnitte, Fotos etc. treibt den Blutdruck in ungeahnte Höhen. Gelegentlich schlich sich das Gefühl ein, ein Buch in den Händen zu halten, das man auf dem Flohmarkt oder in der Papiermülltonne gefunden hat. Dann ist es besser, sich nicht zu genau an Danielewskis „House of Leaves“ zu erinnern, denn sonst konnte es einem Nachts beim Lesen schon mal etwas mulmig werden.

Ein „Must-Have“ für alle Buchliebhaber. Für manche vielleicht mehr ein haptisches Lesevergnügen, Freunde von Akte X, Lost, House of Leaves etc. werden sicherlich auch an den miteinander verwobenen Geschichten großen Spaß haben. Einfach zu lesen ist es nicht, aber es lohnt sich auf jeden Fall.

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Hier noch eine sehr schöne Rezension bei Zeilensprünge.

The Behaviour of Moths – Poppy Adams

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Auch wenn ich Motten Ü-BER-HAUPT nicht leiden kann, ich hatte mir von diesem Buch einiges versprochen. Ich mag es „Gothic“, der Klappentext klang interessant, das Cover war ansprechend und wann hat man schon mal Gelegenheit, etwas über Lepidopterologen (cooles Wort) zu erfahren, also Leute, die sich der Studie der Motten, Schmetterlinge und ähnlichem Flatterzeug widmen. Hm? Genau, eher sehr selten. Daher dachte ich, es sei eine gute Wahl für den Flug ins nebelige London und habe auf angenehme Gothic-Spannung gehofft. Vielleicht hat mich aber auch der Typ beeinflusst, der sich im Tattoo-Studio vor ein paar Wochen neben mir eine riesige Motte auf den Rücken hat tätowieren lassen. Wer weiß…

Jaaaa, also um es kurz zu machen – war nicht. Der Anfang war noch einigermaßen vielversprechend. In einer runtergekommenen viktorianischen Villa in Dorset wartet Ginny, die Erzählerin, auf ihre Schwester, die sie seit 40 Jahren nicht gesehen hat und es gibt jede Menge Andeutungen, was sich in diesem Haus so unheilvolles zugetragen habe, das nicht zuletzt zu Vivis langer Abwesenheit führte.

Ginny Stone, die komplett zurückgezogen lebt auf ihre plötzlich zurückkehrende Schwester wartet, erinnert sich an ihre gemeinsame Zeit als Kinder, vergessen geglaubte Geschehnisse werden ihr wieder bewußt und unter den Teppich gekehrte Geheimnisse scheinen sich selbständig zu machen.

“I love her and hate her at the same time. I even love the parts of her that I hate, her vitality and her colour, her disruption and disorder, her humour and her despair, her conceit and her narcissism, her everything that isn’t me.”

Ginny und Vivi sind die Töchter eines berühmten Lepidopterologen. Ginny führt diese Familientradition weiter und in der Tat, der interessierte Leser erfährt wirklich eine Menge über Motten und deren Verhalten. Es gibt wohl kaum ein Tier, das so extrem den Determinismus veranschaulicht wie die Motte. Motten sind eigentlich so etwas wie kleine Automaten oder Roboter, einzig dazu programmiert, auf Stimuli zu reagieren ohne jede Wahlmöglichkeit. Die Frage, die sich natürlich stellt, ist wie ähnlich sind wir Menschen den Motten? Die berühmte Nature vs Nurture Frage. Unterscheidet uns wirklich hauptsächlich unsere Selbstwahrnehmung?

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“A moth is such a simple machine in the animal world – the go-kart to the modern car – and it takes a lot of glitches to prevent it going. It’s this intriguing simplicity, the idea that you could pull it into its constituent parts and put it back together in the same rainy day, that if you pulled back the skin, you could watch the inner workings, that makes a moth such an absorbing creature to study. Moths have a universal character: there are no individuals. Each reacts to a precise condition or stimulus in a predictable and replicable way. They are pre-programmed robots, unable to learn from experience. For instance, we know they will allways react to a smell, a pheromone or a particular spectrum of light in the same way. I can mimic the scent of a flower so that a moth will direct itself towards that scent …”

Dieser Teil des Buches war der interessanteste für mich. Eine wirklich gute Mystery/Sensational Autorin ist sie nicht. Sie baut Spannung auf, reisst jede Menge Ermittlungswege auf, schafft es aber nicht, diese auch nur einigermassen vernünftig wieder zusammen zu bringen. Der Plot ist löchrig, keine Ahnung, ob sie keine Lust dazu hatte oder es einfach nicht ihre Stärke ist. Ich fand das sehr schade, denn das Buch hatte durchaus Potential mit seiner Mischung aus Goth Suspense, unzuverlässiger Erzählerin, Enthüllungen, die nach und nach offenbart werden und mit den Motten eher außergewöhnlichen Nebendarstellern.

Wer Lust hat auf gute Schauerliteratur, der greife doch eher zu Wilkie Collins, Mary Wollstonecraft oder Sheridan Le Fanu.

The Girl in the Spider’s Web – David Lagercrantz

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”Shut up and listen,” she said.

Das war die Stelle, an der ich wusste, ahhh alles gut. Das ist meine Lisbeth. Wie wir sie kennen und lieben. Die Stieg Larsson Trilogie hat mich vor ein paar Jahren wirklich umgehauen und ziemlich süchtig gemacht. Als ich hörte, es gibt eine Fortsetzung, habe ich in etwa so reagiert:

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Als Fan von Stieg Larssons schrägem Ermittlerduo, der genialen Punk Hackerin Lisbeth Salander und ihrem Ermittlungspartner Mikael Blomkvist, dem investigativen Journalisten des Magazins Millenium, wird man absolut nicht enttäuscht von dieser Fortsetzung, die aufgrund von Larssons Herztod im Jahr 2004 vom schwedischen Journalisten David Lagercrantz weitergeschrieben wurde und es hätte ja durchaus auch ordentlich in die Hose gehen können.

In „The Girl in the Spider’s Web“ werden die beiden in den Fall des geheimnisvollen Informatikers Frans Balder verwickelt. Er ist ein Experte auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz, der in eine globale Verschwörung verstrickt wird, die von der schwedischen Geheimpolizei, über die russische Mafia und Industriespione aus dem Silicon Valley bis zur NSA reicht.

Lisbeth hackt wieder und nicht irgendwen, sondern als stolze Hackerin natürlich niemand geringeren als die NSA. Als gäbe es nichts einfacheres und als sei die NSA der Kegelverein von gegenüber, gleitet sie durch deren Abwehrsysteme wie ein Messer durch die Sahnetorte. Das hetzt ihr erwartungsgemäss die Höllenhunde der  NSA auf den Hals und der Roman nimmt ordentlich Fahrt auf.

Auch Balder gerät in das Fadenkreuz der NSA und einer zwielichtigen Firma namens Solifon, die an sein Computerprogramm heran wollen, das auf seiner Forschung zur künstlichen Intelligenz basiert. Balder ist alleinerziehender Vater, der sich um seinen kleinen autistischen Sohn mit Savant-Syndrom kümmert. Der kleine August ist ein mathematisches Genie und zusätzlich noch in der Lage, unglaublich präzise Zeichnungen anzufertigen, die eine wichtige Rolle in der Geschichte spielen.

Erwartungsgemäß denkt man das Salander, die super-intelligente Hackerin/Problemlöserin in der Geschichte, alles auflösen wird, aber es ist dann tatsächlich August, der den entscheidenden Hinweis geben kann. Die Interaktion zwischen August und der wahrscheinlich selbst irgendwo auf dem autistischen Spektrum angesiedelten Lisbeth gehören zu den berührensten Momenten im Roman.

Salander und Blomkvist treffen lange nicht aufeinander. Zehn Jahre sind seit ihrem letzten Zusammentreffen vergangen und es dauert bis etwa zum Ende des ersten Drittel des Buches, bis es ein Aufeinandertreffen der beiden gibt. Im ersten Teil geht es um Mikael und sein Magazin „Millenium“, das er mitgegründet hat und das in Schwierigkeiten gerät. Er ist die Art Journalist, die einem wirklich Hoffnung für diesen Berufsstand gibt.

Lisbeth hat dann mit „Shut up and listen“  ihren Auftritt und das macht er dann auch der Herr Blomkvist. Lange bleibt es bei kurzen email-Sequenzen und Telefonaten und lange fragt man sich, ob sie überhaupt aufeinander treffen werden in der Geschichte.

David Lagercrantz versteht es meiner Ansicht nach ganz ausgezeichnet, sich in Stieg Larssons Charaktere hineinzuversetzen. Er erfasst ihre Verletzlichkeiten, ihren Widerwillen und ihre Müdigkeit. Beide wollen Gerechtigkeit, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen. Salander aufgrund ihrer unbändigen Entschlossenheit, sich an denen zu rächen, die unterdrücken und missbrauchen. Typen, die es sexuell erregt, wenn sie Frauen oder Kinder schlagen, sollten hoffen, dass Salander niemals dahinter kommt, denn es könnte sonst schnell mit einem Stiefel am Hals oder einem Messer am Brustkorb enden und ihnen wird unweigerlich die Frage durch den Kopf gehen, wie zur Hölle ausgerechnet ein so zierliches Wesen ihnen das antun konnte.

Blomkvist dagegen kämpft für Gerechtigkeit, weil er einfach ein idealistischer Mensch ist, jemand der aus intrinsischen Motiven handelt und stets so, als hätte er nichts zu verlieren.  Das Millennium und sein Erfolg bei schönen Frauen entschädigen ihn für seinen Mut gelegentlich.

“we live in a twisted world where everything, both big and small, is subject to surveillance, and where anything worth money will always be exploited.”

“it’s always the wrong people who have the guilty conscience. Those who are really responsible for suffering in the world couldn’t care less. It’s the ones fighting for good who are consumed by remorse.”

Einige Kritiken beschweren sich über den Techie-Jargon im Buch und den vielen verschiedenen Hacker-Typen, die man nur schwer auseinanderhalten könnte, dies war für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Lagercrantz hat meiner Meinung nach alles gut erklärt, den Kontext dargelegt und man erfährt eine Menge über künstliche Intelligenz, Autismus, das Savant-Syndrom, White und Dark Hat Hacking und vieles mehr.

Hier ein link zu „White Hat Hacking for Beginners“ falls ihr auf den Geschmack gekommen seid 😉

“Money talks, bullshit walks.”

Habe das Buch in nur zwei Tagen verschlungen. Tolle Geschichte, gut geschrieben, Lisbeth ist einfach nur verdammt cool und ich bin weiterhin ein bisschen verliebt 😉
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Foto: Weheartit

Der Buchhändler von Archangelsk – Georges Simenon

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Jonas Milk, ein vierzigjähriger jüdischer Flüchtling aus Russland lebt in einer französischen Kleinstadt und betreibt ein Buch-Antiquariat. Er liebt Briefmarken, Bücher und seine junge untreue Ehefrage Gina – die eines Tages zusammen mit seinen wertvollsten Briefmarken verschwindet. Eine dumme, unnötige Lüge seinerseits führt dazu das er immer stärker in den Verdacht gerät, mit dem Verschwinden seiner Frau etwas zu tun zu haben. Und dann meldet sich, kurz bevor es zu seiner Verhaftung kommt, doch noch jemand, der ihn ganz und gar von jeglicher Schuld reinwaschen könnte, aber er nutzt die Gelegenheit nicht.

Ein ganz typischer Non-Maigret ist das. Die Schreibweise ist wie immer sehr nüchtern und einfach, aber voll psychologischer Finesse. Er erinnert mich immer ein wenig an Patricia Highsmith, denn so einfach diese Krimis wirken, sie haben es in sich. Die Protagonisten in den Non-Maigret’s sind fast immer männlich, sind häufig sehr in ihren Routinen gefangen und verspüren oft aber nicht immer, dass in ihrem Leben etwas fehlt und werden durch ein außergewöhnliches aus ihrem Leben geworfen und plötzlich gelten Regeln dann nicht mehr. Die äußere Handlung spielt nur eine sekundäre Rolle. Simenon’s Beobachtungsgabe und Gespür für Atmosphäre sind außergewöhnlich.

Simenon wurde für seine Fließband-Schreibe häufig kritisiert. Im Laufe seines Lebens verfasste Simenon über 100 Romane etwa 150 Erzählungen und knapp 200 Groschenromane und über 1000 Kurzgeschichten unter verschiedenen Pseudonymen. Ironie war nicht seins und gelegentlich spürt man die mangelnde Qualität durch seine Hast beim Schreiben, aber seine Krimis sind trotzdem einfach gut und er hatte auch eine Menge berühmter Bewunderer. Von Andre Gide mit dem er eng befreundet war, über Walter Benjamin, Ernest Hemingway, Patricia Highsmith, Kurt Tucholsky, Dashiell Hammett, Thornton Wilder bis hin zu Gabriel Garcia Marquez, der ihn sogar für „den wichtigsten Schrifsteller unseres Jahrhundert“ hielt.

Seinen eigenen Angaben zufolge war er als Liebhaber ähnlich produktiv wie als Schriftsteller. Fellini gegenüber behauptete er einmal mit über 10000 Frauen geschlafen zu haben. Er ist nicht unbedingt liebevoll mit seinen Frauen umgegangen und zumindest eine seiner vier Ehefrauen landete nicht zuletzt auch seinetwegen vorübergehend in der Psychiatrie.

„Er log, und das war ein Fehler. Es wurde ihm in dem Augenblick klar, als er den Mund öffnete, um Fernand Le Bouc zu antworten; und aus Schüchternheit, letztlich aus einem Mangel an Kaltblütigkeit ließ er die Worte unverändert, die ihm über die Lippen kamen.“

Hier ein interessantes kurzes Interview mit Monsieur Piepeau:

The Murder of Roger Ackroyd – Agatha Christie

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Mord in der Bibliothek 😉

Früher habe ich tonnenweise Agatha Christie’s verschlungen und bin eigentlich nie so ganz sicher, welche ich schon gelesen habe und welche nicht. Deutsche Titel, Englische Titel, Verfilmungen, Miss Marple und M Poirot – alles durcheinander. Aber eigentlich ist das auch ganz egal. So wirklich geht es doch bei einem Agatha Christie Krimi um das Feeling. Cozy Krimis nennt man sie auch oder Häkelkrimi.

Idealerweise liest man diese Krimis an einem verregneten Sonntag, einen Pott Tee neben sich auf dem Sofa liegend und sich bei einbrechender Dunkelheit so ein ganz ganz klein wenig wohlig schauernd rekelt, während man die kleinen grauen Zellen mit der Lösung des Kriminalfalls betätigt.

Diesen speziellen Krimi habe ich vorgekramt, weil er als einziger Christie-Roman auf der berühmten Liste der 1001 Bücher gelandet war und ich mehrfach gelesen habe, der sei nun Christie’s Meisterwerk gewesen und ein Meilenstein der Kriminalliteratur.

Der Inhalt ist einigermaßen schnell erzählt und er enthält so die typischen Zutaten eines guten Häkelkrimis. Die Geschichte spielt in einem fiktiven englischen Ort und wir treffen hier im Laufe der Geschichte zum allerersten Mal auf Hercule Poirot, der sich als Frührentner zum Gemüseziehen in selbigen Ort zurückgezogen hat, aber beim ersten Anzeichen eines Verbrechens natürlich auf den Plan gerufen wird. Dr. Sheppard, der Dorfarzt, erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive und er agiert wie sein berühmter Kollege Dr. Watson als Poirot’s Assistent. Eine Rolle, die in späteren Krimis zumeist Arthur Hastings übernimmt. Alles beginnt mit dem Selbstmord einer reichen Witwe, die Dr. Sheppard’s Patientin war. Über sie wird gemunkelt ihren gewalttätigen Ehemann vergiftet zu haben. Sie war mit dem reichen Witwer Roger Ackroyd verlobt, der kurz nachdem er den Abschiedsbrief der Verstorbenen in den Händen hält, der ihn davon in Kenntnis setzt, sie sei aufgrund dieses Giftmordes erpresst worden, halte es nicht mehr aus und scheide daher aus dem Leben, ebenfalls ermordet wird.

Der Brief scheint den Erpresser zu nennen, doch bevor Ackroyd diesen publik machen kann wird auch er ermordet, man findet ihn erdolcht in seiner Bibliothek. Nun gibt es einen ganzen Reigen an Verdächtigen: eine neurotische und verschuldete Schwägerin, einen Großwildjäger (die Captains und Majors aus ehemals Indien, die immer unverheiratet sind und aus irgendwelchen Gründen stets und ständig bei irgendwelchen Familien mithausen, ohne mit denen verwandt zu sein – seltsames Konzept – die gibts echt in jedem ihrer Krimis), snobistische Butler und schlitzorige Sekretäre, ebenfalls verschuldete Stiefsöhne und undurchsichtige Hausmädchen – ach seufz – alles so schön wie immer 🙂
Ein jeder verbirgt etwas und fast jeder hat eigentlich auch ein Motiv aber ein Hercule Poirot lässt sich nicht beirren und findet am ende natürlich die Lösung.

Dr. Sheppard hat eine wahnsinnig neugierige jungfernhafte Schwester namens Caroline Sheppard, die M Poirot in kriminalistischen Dingen annähernd das Wasser reichen kann. Eine sehr spannende, witzige Figur und man bekommt den Eindruck, hier taucht der Prototyp der späteren Miss Marple auf.

Der Plot ist gut, das Ende absolut überraschend und ich kann den Krimi nur jedem ans Herz legen, der Lust auf gute, einfache Unterhaltung hat, die sich anfühlt wie eine Spritztour ins England der 20er Jahre.

Als der Roman 1926 erschien hat er für ziemliches Aufsehen gesorgt, aufgrund seines sehr ungewöhnlichen Endes. Die Leser liebten oder hassten den Roman dafür. Frau Christie hat damit aber auf jeden Fall eine literarische Spezialität zumindest miterfunden.

Das Ms Christie der Todesstrafe nicht abgeneigt war, zeigt sich häufig in ihren Krimis, wo man es den überführten Tätern am Ende gerne überläßt, sich doch bitte fein säuberlich selbst aus dem Weg zu räumen. Diskret und ohne Aufssehen und natürlich mit einer stiff upper lipp 😉

Poirot’s allererster Auftritt ist einfach so wunderschön beschrieben:

„I demand of you a thousand pardons, monsieur. I am without defense. For some months now I cultivate the marrows. This morning suddenly I enrage myself with the marrows. I send them to promenade themselves – alas! not only mentally but physically. I seize the biggest. I hurl him over the wall. Monsieur, I am ashamed. I prostrate myself.“

Und noch ein schönes Zitat:

“The truth, however ugly in itself, is always curious and beautiful to the seeker after it.”

When Will There Be Good News – Kate Atkinson

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Der dritte Band aus der Reihe um Ex-Soldat, Ex-Polizist und nun durch einen Zufall sehr reichgewordenen Privatdetektiv Jackson Brodie. Dieser Band war der bislang düsterste. Eine Mutter wird mit ihren 3 Kindern und einem Hund an einem Sommertag mitten in einem Feld von einem vorbeikommendem Fremden scheinbar wahllos abgemetzelt. Nur die kleine Joanna kann sich verstecken und entkommt. 30 Jahre später ist Joanna mit samt ihrem Baby zur gleichen Zeit verschwunden, in der der Fremde nach seiner abgesessenen Haftstrafe wieder frei kommt. Zufall ? Auch scheint Joanna fast niemand zu vermissen. Nur die kleine Reggie, die 16jährige „Help“, die sich um das Baby kümmert und Joanna alles mögliche abnimmt, versucht verzweifelt das Verschwinden ihrer Arbeitgeberin aufzuklären. So schnell möchte Reggie ihre kleine Ersatzfamilie nicht wieder aufgeben. Selbst mutterlos und ohne Vater aufgewachsen, nur noch einen kriminellen, gewalttätigen Bruder als Familienersatz – Reggie erkennt was sie braucht und liebt und macht sich als Privatdetektivin an die Rettung der Vermissten.

Steckt ihr nichtsnutziger Bruder mit seinen Drogengeschäften irgendwie mit unter der Decke ? Oder hat das Verschwinden doch eher mit dem Mörder von Joannas Familie zu tun, oder hat Joannas Ehemann, ein charmanter, aber auch leicht halbseidener Geschäftsmann mit Geldproblemen, seine Finger im Spiel ?

Eine Geschichte die soviel mehr als ein Krimi ist. Vielschichtige Protagonisten, die nachvollziehbar sind und nie einfach schwarz-weiß. Ich freue mich schon auf den letzten Band. Kate Atkinson hat es einfach drauf.