Ruhm – Daniel Kehlmann

Ach so, Episodenfilm. Hätte ich das woher gewusst, hätte ich vielleicht nicht ganz so krampfhaft versucht, die verschiedenen Protagonisten und Szenen miteinander in Einklang zu bringen. Ein Film basierend auf Daniel Kehlmann’s Roman.

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(Bildquelle: Videobuster)

Der Kampf des modernen Menschen um und mit der mobilen Kommunikation. Aufgefahren wurde die Creme de la Creme der deutschen Schauspielprominenz. Die Gesichter kannte ich fast alle, die dazugehörigen Namen habe ich dann brav ergoogelt. Da hätten wir den deutschen Bruce-Willis-Verschnitt Heino Ferch, der sich irgendwie immer ein bißchen selbst zu spielen scheint, als arroganten, Frauen verschleissenden Schauspieler-Herzensbrecher auf der Höhe seines Erfolges, dessen Mobiltelefon-Nummer versehentlich doppelt vergeben wird und bei einem leberkäsfarbenen Angestellten landet, der sich sein erstes Handy kauft und mit der falschen Nummer auch gleich Einblick in ein sehr viel spannenderes Leben erhält.

Die Nummern vertauscht ein fettleibiger, verspulter Comic-Freak der in Internet-Foren herumtrollt und daher wohl versehentlich immer mal wieder Mobil-Nummern doppelt vergibt. Dann gibt es da noch einen Schriftsteller, der jedes Detail seines Lebens und das seiner Frau als künftiges Romanmaterial ausschlachtet und Senta Berger als eine seiner Romanfiguren, die er plant sterben zu lassen und die sich aus dem Buch in sein Leben drängt, um ihn von diesem Plan abzubringen.

Langweilig war er nicht der Film, stellenweise sogar komisch, aber der Großeinsatz der deutschen Schauspielgarde hat ständig eine gewisse furchtsame Besorgtheit in mir ausgelöst, gleich in der nächsten Aufnahme werde Veronica Ferres mit einem Handy-Problem auftauchen. Es wurde heftigst hin- und hergesprungen, Plotlinien verliefen gelegentlich auch mal im Nichts, aber für einen deutschen Film, an einem verregneten Feiertag im Bett war er ganz ok.

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Brighton Rock – Graham Greene

Brighton Rock

Unterwelt und Gangster Ästhetik der 60er Jahre – eine BBC Verfilmung die sich wirklich sehen lassen kann. Aus irgendeinem Grund hatte ich Sam Riley immer als den Hobbit auf dem Schirm, mit dem Franka Potente mal zusammen war, aber ganz falsch. Er ist mit einer anderen deutschen Schauspielerin zusammen und bekannt kam er mir wohl aus „On the Road“ vor, denn ansonsten habe ich bewusst noch keinen Film mit ihm gesehen.

Sam Riley hat mir in dem Film gut gefallen. Er sieht ein wenig wie die finstere bösere Variante von Leonardo di Caprio aus finde ich. Auch Helen Mirren war wirklich grandios. Wie sie in ihrem irre roten Mantel versucht die naive, verblendete Rose vor dem absolut rücksichtslosen Pinky – Wahnsinn.

Aber hier kommen wir jetzt auch zu dem Teil, der mich hat wach liegen lassen heute nacht. Die jungen zornigen Männer und ihre verblendeten leidenden Mäuschen. Waaah nicht zum Aushalten. Wenn ich noch mal auf die Welt komme, dann garantiert nur als zorniger junger Mann. Kannst ein Arschloch vor dem Herrn sein, die Frauen behandeln wie der letzte Dreck, alles egal, solange du nur die Aura des lonesome Cowboys hast, der tief drinnen ja ganz sensibel ist und den die selbstlose Frau vor sich und der Welt retten muß. Ich werde es einfach nie verstehen. Sonnenbrille, Kippe, Tattoos natürlich und ein paar Drogen nach Wahl, Minimum aber Koks, Bier eher weniger weil das ist ja nicht gut für die Figur und so ein zorniger junger Mann muß ja ein bisserl leidend aussehen, da machen sich Mopsbacken nicht gut.

Und schon haben sie reihenweise Ladies am Start die ihnen alles verzeihen, sie unbedingt retten wollen und ihnen permanent mit dem lebensgroßen Nußknacker hinterher rennen, damit sie endlich dahinterkommen, was denn das zu Grunde liegende Problem ist. Das müssen die zornigen jungen Männer natürlich unbedingt vermeiden, denn dann könnte ja rauskommen, das da gar kein nebelumwobenes großes Mysterium ist, vor dem sie gerettet werden müssen, also entziehen sie sich unentwegt dem Nußknacker, was die zur Hilfe verdammten Weibchen natürlich nur noch mehr anspornt. Seufz.

Wo sind denn mal die zornigen jungen Frauen ? Denen die Jungs hinterher rennen um sie zu retten ? Ach nee zornige junge Frauen sind ja Zicken. War ja schon vor über 2000 Jahren so. Xanthippe war keine zornige junge Frau sondern eine keifende Hyäne. Die haben ja auch viel schönere Stimmen die zornigen jungen Männer 😉

Meine freiheits- und gerechtigkeitsliebende innere Superheldin hüllt sich genervt in ihren schwarzen Superheldinnen-Umhang, packt die Füße auf den Schreibtisch und zischt ein Dosenbier – auch wenns fett macht. Und wir warten auf die zornigen jungen Frauen mit schöner Stimme.