A Room of One’s Own – Virginia Woolf

“Lock up your libraries if you like; but there is no gate, no lock, no bolt that you can set upon the freedom of my mind.” 

Virginia Woolf

Virginia Woolfs Essay „A Room of One’s Own“ ist ein Herzensbuch, bei dem ich aus dem Unterstreichen nicht herausgekommen bin und auch bei wiederholtem Lesen verliert es nichts von seiner Faszination. Sie untersucht die Limitierungen von Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts und es hat meines Erachtens gar nichts an Aktualität und Wichtigkeit verloren.

“A woman must have money and a room of her own if she is to write fiction.” 

Virginia Woolf plädiert präzise und poetisch für die Freiheit der Frau, sie betont wie wichtig ein unabhängiges Einkommen und der titelgebende „eigene Raum“ sind, der die meisten Frauen davon abhält ihr literarisches Potential voll zu entfalten. Ihre Einsichten und die daraus resultierende Empörung ob dieser Tatsachen ist auch heute noch relevant und „A Room of One’s Own“ bleibt für mich eines der schönsten und treffendsten Analysen zur Rolle der Frau.

Wer Angst hat vor Virginia Woolf (um mal zu kalauern) und das sind leider gar nicht so wenige, dem lege ich dieses Büchlein ans Herz. Nirgendwo sonst zeigt sie so viel Humor, Herz und Klarheit wie hier und für mich war es damals die Einstiegsdroge, ich liebe ihre Bücher und finde es so schade, wie viele Menschen sie zitieren und grundsätzlich toll finden aber leider nicht lesen.

“One cannot think well, love well, sleep well, if one has not dined well.”

Ein Buch das ich wieder und wieder lese, gerade einmal 111 Seiten lang und jede Seite ist voller kostbarer Einsichten und man spürt die jahrelange Arbeit, ihre Gedanken, ihre Recherche, ihre Schlussfolgerungen und ihre Ansichten.

Dieser Essay ist eine Hommage an die unbekannten Heldinnen der Vergangenheit die vielleicht Gedichte, Lieder, Romane schrieben aber in die Anonymität gezwungen waren, einfach, weil es für Frauen unakzeptabel war zu schreiben. Wie furchtbar muss das sein, unbedingt schreiben zu wollen und nicht zu dürfen, nur, weil man dem “falschen” Geschlecht angehört und die Gesellschaft Frauen die geschlechtsspezifische Rolle der Mutter und Ehefrau aufgedrückt hat, aber kein Interesse daran hatte, Frauen den Zugang zu Bildung zu gewähren. Man spürt Virginia Woolfs Wut über dieses Ausgeschlossen sein und das gilt nicht nur für die Literatur, die für Frauen nicht zugänglich war.

Besonders spannend fand ich Woolfs Gedankenspiel was wäre, wenn Shakespeare eine ähnlich talentierte Schwester gehabt hätte, die ihr Talent nie hätte ausleben können, die ausgelacht worden wäre, hätte sie Interesse daran bekundet zu schreiben.

“Anon(ymus), who wrote so many poems without signing them, was often a woman.” 

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Jane Austen sieht Woolf ganz klar als sehr sehr clevere Autorin, da sie nie versuchte einen männlichen Stil zu kopieren, sondern sich sehr selbstbewusst für einen ganz eigenen Stil entschied. Sie konnte nur über einen sehr limitierten Ausschnitt ihrer Welt schreiben, denn sie hätte einfach nicht über Politik oder Kriege schreiben können, das waren Sphären die einer Frau einfach nicht zugänglich waren. Sie schrieb über das was sie sah und erlebte, während sie in den Ecken der Herrschaftshäuser saß und alles still beobachtete. Ich muss mich einfach mal wieder mit Jane Austen beschäftigen, ich habe sie immer ein wenig vernachlässigt.

“Women have sat indoors all these millions of years, so that by this time the very walls are permeated by their creative force, which has, indeed, so overcharged the capacity of bricks and mortar that it must needs harness itself to pens and brushes and business and politics.” 

Am Ende ihres Essays fordert sie Männer und Frauen auf zu schreiben, sie betont wie wichtig es ist die Limitierungen von Geschlechtsidentitäten hinter uns zu lassen und einen androgynen Geist zu entwickeln.

“It is fatal to be a man or woman pure and simple; one must be woman-manly or man-womanly.

“Anything may happen when womanhood has ceased to be a protected occupation.” 

“Women have served all these centuries as looking glasses possessing the magic and delicious power of reflecting the figure of man at twice its natural size.” 

 “The history of men’s opposition to women’s emancipation is more interesting perhaps than the story of that emancipation itself.” 

Ich bin überaus dankbar dafür, dass Virginia Woolf 500 Pfund im Jahr aus einer Erbschaft zur Verfügung standen (was heutzutage etwa 200,000 GBP entsprechen dürfte) und sie diesen wichtigen eigenen Raum hatte. Ohne wäre dieser wunderbare Essay und ihr Werk vielleicht gar nicht zustande gekommen. Ich habe Virginia Woolf als Teenager entdeckt, ihre Lektüre machte mich mutiger, neugieriger und vielleicht sogar ein bisschen klüger.

Dieser Essay sind 100 Seiten Anfeuerung voller Eleganz, Poesie und Wissen und ihr werdet die Lektüre nicht bereuen, versprochen.

Wem ich noch ein wenig mehr Lust auf Ms Woolf machen darf, der könnte hier weiterleiten, da findet ihr eine Besprechung zu ihrem Buch „Jacob’s Room“ und meinem Besuch in „Monks House“ wo sie zeitweise lebte.