Meine Woche

Gesehen: Apostle (2018) von Gareth Evans mit Dan Stevens und Lucy Boynton. Okkult-Horror der auf einer abgelegenen Insel vor Wales spielt. Hat mir gut gefallen.

Civilisation (1969) BBC Mini-Serie von Michael Gill mit Kenneth Clarkson. Doku über das das kulturelle Erbe der westlichen Welt, vom Zusammenbruch des Römischen Reiches bis zur Entstehung der Moderne. Grundsätzlich spannend, aber es kommt nicht eine Frau vor.

Your Inner Fish (2014) von David Dugan mit Paläontologen Neil Shubin. Verfilmung des gleichnamigen Buches – eine Reise durch die Evolution und die unerwartet große Verwandtschaft zwischen Fisch und Mensch.

Gehört: Morning Star – King Woman, Flowers of Herself – Max Richter, Sonate G-Moll BWV 1020 – Johann Sebastian Bach, Sonate in B KV 15 – Wolfgang Amadeus Mozart, Ave verum corpus – William Byrd, Spem In Alium – Thomas Tallis, Falling Free

Gelesen: Von falschen Konsum-Versprechungen, Judith Butler: We need to rethink the category of woman, It’s Time to Replace Ambition with Adaptation

Getan: einen kurzen Zwischenstopp in München gemacht und Ex-Arbeitskolleg*innen im Biergarten getroffen, in Garmisch noch ein paar Tage entspannt, viel geschwommen und sauniert, spontan ein sehr schönes Klassik-Konzert besucht

Gegessen: Schwammerl Gulasch

Gefreut: über das tolle Wetter in Garmisch

Geweint: nein

Geärgert: nein

Geklickt: Climate Change & Star Trek

Gestaunt: Male giraffes will headbutt females in the bladder until they pee. They then drink the urine, tasting it to determine whether the female is ovulating. There. That’s something you know now.

Gelacht: immer wieder über den Laschet-Clown

Gewünscht: dieses Tiny House, diese Kabel-Halterung, dieser bayrische Strandkorb

Gefunden: nix

Gekauft: nix

Gedacht: Don’t hope that events turn out the way you want, welcome events in which ever way they happen: this is the path to peace //Epictetus

Meine Woche

Gesehen: Blue Velvet (1986) von David Lynch mit Kyle MacLachlan, Isabella Rossellini, Laura Dern und Dennis Hopper. Nach wie vor einer meiner liebsten Lynch-Filme und ein unwiderstehlich guter Soundtrack.

Gehört: Blue Velvet Soundtrack, Don’t shut me down – ABBA, Siren Songs – Ben Lukas Boysen, Happiness does not wait – Ólafur Arnalds, Ouvertüre Talestri – Maria Antonia Walpurgis, Live to Survive – MØ, Isn’t everyone – Health & Nine Inch Nails, Etemen Ænka – DVNE, Magik – Glasgow Coma Scale

Gelesen: Teresa Bücker: Ist es radikal, das Land sein zu wollen, das in uns steckt? Clarissa Ward of CNN Looks Back on the Afghanistan War, City of Bees: Notes of an Urban Beekeeper, Hannah Steinkopf-Frank: Solarpunk Is Not About Pretty Aesthetics. It’s About the End of Capitalism, work has morphed into a religious identity and it’s making people miserable

Getan: über 260km am Rhein entlang geradelt, Weinberge und Burgen bewundert, viel Riesling getrunken, meinen Papa und liebe Freundinnen getroffen und trotz Bahnstreiks problemlos mit dem Zug/Rad nach Hause gekommen

Gegessen: Spundekäs und Meenzer Fleischwurst

Gefreut: über das tolle Wetter während unseres Radl-Urlaubs

Geweint: nein

Geärgert: über das unsägliche Abtreibungsgesetz in Texas

Geklickt: auf Rezos Video Teil 2 zur Klima Katastrophe, dieses Interview mit SciFi Autor Kim Stanley Robinson,

Gestaunt: über Schneekanonen die zum Feuer löschen genutzt werden, über das Double Slit Experiment,

Gelacht: pre internet chat room using an old version of windows

Gewünscht: dieses Kochbuch, dieses Toilettenpapier-Regal, diesen Glenlivet, dieses Schreibetui

Gefunden: nix

Gekauft: ein Mainzelmännchen-Schlüsselanhänger, Postkarten und ein Buch

Gedacht: For a seed to achieve its greatest expression, it must come completely undone. The shell cracks, its insides come out and everything changes. To someone who doesn’t understand growth, it would look like complete destruction.” //Cynthia Occelli

Erlesener Sommer – die August Bücher

Draußen war nicht immer so viel Sommer, wie ich es mir gewünscht hätte, aber ich habe mir den Sommer auf jeden Fall mit einer ganzen Reihe Bücher herbeigelesen. Der August war ein guter Lesemonat mit interessanten Entdeckungen, erneuten Begegnungen und ohne Ausfälle.

Ich starte gleich mal mit einer meiner größten überraschenden Entdeckungen. Ein Buch, das mir garantiert durch die Lappen gegangen wäre, hätte mich die wunderbare Susanne vom Diogenes Verlag nicht zu einer Autorinnen-Lesung/Zoom-Runde eingeladen. Leseexemplar bestellt, aufgrund vom Klappentext erst mal gar nicht so viel erwartet und dann war ich aber – peng – komplett umgehauen, von diesem überraschenden, ungewöhnlichen, bild- und sprachgewaltigen Werk:

Ohne Fürsorge und Liebe wächst der 11-jährige Martin am Rande eines Dorfes auf. Er hat nur seinen schwarzen Hahn und wird gemieden von den Dörflern, die das Tier für den Teufel halten. Doch nutzen sie den Jungen aus, wann immer sich die Möglichkeit bietet. Martin jedoch verfügt über ein reines Herz und einen wachen Verstand, der ihn Verbrechen erkennen lässt. Als er mit ansehen muss, wie ein schwarzer Reiter, der der Legende nach jedes Jahr Kinder entführt, ein Mädchen raubt, steht für ihn fest, dass er die verschwundenen Kinder finden und dem Spuk ein Ende setzen muss. Mit dem Maler verlässt Martin sein Dorf und bricht auf zu einer Odyssee, auf der er nicht nur menschlichen Abgründen nachspürt, sondern auch seinen Fähigkeiten.

Ein Roman über die Hoffnung in einer dunklen Welt, über Mut und den Sieg der Rationalität über Aberglauben und Hass. Großartige Sprache – unvergessliche Bilder, dieses Buch wird, glaube ich, durch die Decke gehen und ich würde mich für die sympatische Autorin von Herzen freuen.

Witziger Zufall war die Verknüpfung, die in meinem Hirn passierte zwischen dem Maler in diesem Buch, der irgendwann im Mittelalter in einer Kirche ein Wandgemälde anfertigt und dem Roman „Ein Monat auf dem Land“, in dem ein junger Restaurateur in den 1920er Jahren ein Wandgemälde aus dem Mittelalter in einer Kirche freilegt. Was für ein witziger Zufall…

„Alles an ihm wirkt ruhig und bedacht. Und das macht ihn den Leuten im Dorf unbequem. Sie haben es nicht gern, dass einer zu lebendig ist oder zu ruhig.“

Ich danke dem Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ein wunderschöner Roman über eine besondere Freundschaft, die Ruhe auf dem Lande und den Einfluss der Vergangenheit. Die junge Sally ist von zu Hause weggelaufen und trifft auf Liss, die einen eigenen Bauernhof betreibt. Liss nimmt Sally bei sich auf und zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine Beziehung, die sie nicht erwartet hatten.

Vor allem die Beschreibungen der Landschaft und des Geschehens auf dem Hof schaffen eine gewisse Ruhe beim Lesen. Die Langsamkeit, mit der Liss und Sally mit ihren Händen Birnen und Trauben pflücken, Kartoffeln ausgraben und all die anderen Arbeiten verrichten, spiegelt sich auch im Schreibstil des Romans wider. In aller Ruhe. Der ruhige Bauernhof, das friedliche Dorf mit seinen Kirchenglocken, das Tal, in dem der Nebel verweilt… Die Atmosphäre der Umgebung ist wunderschön wiedergegeben.

Ein Buch, das garantiert blutdrucksenkende Wirkung hat und man es kaum abwarten kann zum Markt zu kommen, um verschiedene Birnensorten zu kaufen, die man während des Lesens verzehrt. Das perfekte Spätsommerbuch und ein Autor, von dem ich sehr gerne noch mehr lesen möchte.

Vielleicht würde Sonnenlicht so schmecken, wenn es durch das Laub alter Bäume direkt auf die Zunge fiele.

Tom Birkin wird beauftragt, ein mittelalterliches Wandgemälde in einer Kirche freizulegen und zu restaurieren, das vor über vierhundert Jahren verdeckt wurde. Als er die Kalk- und Schmutzschichten fachmännisch abblättert, findet er an den Wänden unerwartete Motive von berauschender Qualität. Auch was er über die Menschen, insbesondere über sich selbst, erfährt, ist unerwartet: Der Prozess der Restaurierung ist für ihn der Beginn einer Transformation und wunderbar erholsam.

Und Erholung hat er bitter nötig. Der 1. Weltkrieg hat ihn an Leib und Seele zerstört, er kehrt entfremdet in sein altes ziviles Leben zurück. Während seine Gefühle in der heutigen Zeit auf eine posttraumatische Belastungsstörung zurückgeführt werden können, hatte Birkin 1920 kein Ventil für seine Gefühle. Seine Frau Vinny hatte ihn wegen eines anderen Mannes verlassen, desillusioniert vom Leben als ungewollter Single in London nimmt Birkin den Restaurantions-Job in einem kleinen Dörfchen namens Oxgodby an.

J.L. Carr schafft es auf elegante Weise, eine große Bandbreite und Tiefe auf nur 102 Seiten zu vereinen: Geheimnisse, Liebe, Tragödie, Humor, soziologische Analysen, verlorene Chancen, Freundschaft, Kunst und allgemeine Schönheit. Es ist eine nuancierte Mischung, die geschickt ein paar dunkle Untertöne in eine ländliche Idylle einwebt.

Ja, es wird ein einziger Monat beschrieben, mit wenig Plot und es passiert auch nicht viel, aber Birkin verlässt Oxgodby verwandelt, verändert und auch verbessert und ich hatte das Gefühl tatsächlich auch. Ein Buch, das einen ein kleines bisschen besser macht.

Ein wunderbarer leiser Roman, der ganz große Lust auf Sommerabende in der englischen Countryside macht.

Das mag ein bisschen nach Larifari klingen, aber genau darum geht es: Wenn man sehen oder sich ausmalen kann, was für ein Kommen und Gehen an einem Ort vom ersten Tageslicht bis zur Abenddämmerung geherrscht hat, wie die Menschen vor den Bildern niederkauerten und andächtig nickend Brüste und Köpfe mit Fingern berührten, die gerade noch mit schmutzigen Kochtöpfen hantiert hatten, wie sie mit ihren ungewaschenen Gesichtern zu dem einzigen Gemälde hinaufstarrten, das sie ihr Leben lang zu Gesicht bekommen würden – nun, dann legt man sich noch ein bisschen mehr ins Zeug, dann macht man sich nicht nur mit alkoholischer Salzsäurelösung, sondern auch mit Gefühl ans Werk.

Als Iris zur Beerdigung ihrer Großmutter nach Hause zurückkehrt, stellt sie erstaunt fest, dass diese ihr das Haus vererbt hat, obwohl ihre Mutter und ihre beiden Schwestern noch leben. Während sie in dem Haus wohnt und versucht zu entscheiden, ob sie es behalten will, wird sie von den Erinnerungen an die Sommer, die sie dort verbracht hat, überrollt.

Eine Geschichte über das Erinnern und das Vergessen, denn vor ihrem Tod litt ihre Großmutter an Alzheimer. Ein trauriger und ergreifender Blick auf eine Frau, die sich jeden Tag ein bisschen mehr verliert.

Schillernd und magisch sind die Erinnerungen an die Sommerferien bei der Großmutter, geheimnisvoll die Geschichten der Tanten. Katharina Hagena erzählt von den Frauen einer Familie, mischt die Schicksale dreier Generationen.

Ein genussvoller kluger Roman der nach Sommer duftet und Lust auf Äpfel, Johannisbeeren und Marmeladekochen macht und mich sehr an lange warme Sommertage mit meiner Oma erinnert hat.

Wer wie ich ohne Vater aufwächst, muß erst durch Beobachtung lernen, was das eigentlich ist, so ein Vater. Als Kind studierte ich neugierig, aber mit sicherem Abstand die Väter in den Familien meiner Freundinnen. Insgeheim fand ich sie interessant, aber auch ein wenig unheimlich.

Da, wo bei anderen der Vater einfach angewachsen ist, stehe ich stets aufs Neue vor einem fremden Geräteteil, von dem man nicht weiß, wo es in meinem Apparat hingehört. Es fällt bei jeder Erschütterung von mir ab. Im Grunde brauche ich es nicht.

Mely Kiyak schreibt darüber was Frausein bedeutet, sie erzählt von den Gesprächen über Weisheit und Nichtwissen, die sie als Mädchen mit dem Vater führte. Von den Cousinen, die vom Begehren erzählten. Vom Aufwachsen zwischen Ländern und Klassen, zwischen „Herkunftsgepäck“ und Neugier auf unbekannte Erfahrungen. Vom Alleinsein, von Selbsterkundung, von Familie. Was ist Weiblichkeit, wenn man den öffentlichen Blick überwindet und zurückbleibt mit sich selbst? Aufrichtig, lebenslustig, zärtlich und entwaffnend klug erinnert Mely Kiyak daran, dass es die Verhältnisse sind, die einem beibringen, wie man liebt und lebt.

Wieviel man in einem so schmalen Buch anstreichen kann, was für eine poetische Sprache – ein Buch das klüger macht, dem ich wunderbare Gedanken verdanke und das einen gleichzeitig beglückt und tieftraurig zurück läßt. Eines meiner Lese-Highlights 2021.

Das Erlesen der Welt stürzte mich regelmäßig in gedankliche Krisen. Das eigene Erleben hingegen hatte kaum Auswirkung auf meine psychische Stabilität.

Das Lesen der Bücher aus der Stadtbibliothek war ein Vergnügen. Das Lesen der Seminarliteratur ist eine Qual. Ich hätte jemanden gebraucht, der mich betreut und mir die Sätze erklärt, die ich las. Ich war mit Sufismus aufgewachsen, mit altorientalischer Dichtung, mit politischen Theorien, mit einer Kultur, verwoben mit Elementen, die nicht einmal als Schatten in den Fächern vorkamen, die ich studierte. Plötzlich war ich umgeben von Studenten, die immer alles bereits kennen. Sie sind gebildete Kinder gebildeter Eltern.

Ich weiß, jede Silbe in diesem Satz ist wahr: Wer eine Schule eröffnet, schließt ein Gefängnis.

Ein Haus an einem märkischen See ist das Zentrum, fünfzehn Lebensläufe, Geschichten, Schicksale von den Zwanzigerjahren bis heute ranken sich darum. Das Haus und seine Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR, die Wende und die Zeit der Nachwende. Jedem einzelnen Schicksal gibt Jenny Erpenbeck eine eigene literarische Form, jedes entfaltet auf ganz eigene Weise seine Dramatik, seine Tragik, sein Glück. Alle zusammen bilden eine Art kollektives literarisches Gedächtnis des letzten Jahrhunderts, geformt in einer Literatur, die nicht nur großartige Sätze und Bilder zu bieten hat, sondern die auch Wunden reißt, verstört, beglückt, verunsichert und versöhnt.

Ein Roman, den ich gemeinsam mit Miss Booleana auf Goodreads gelesen habe, was mir wieder großen Spaß gemacht hat. Der Roman selbst konnte mich allerdings nicht so in seinen Bann ziehen, wie ich es aufgrund des Themas eigentlich erwartet hätte und auch im Vergleich zu Erpenbecks „Gehen, Ging, Gegangen“, das mich förmlich umgehauen hatte.

Ich wurde nicht warm mit dem Buch. Es springt durch die Zeiten, ich wußte oft nicht wo ich mich gerade befinde, wer gerade spricht und die einzelnen Hausbewohner blieben mir leider fast alle recht fremd und distanziert.

Wo der neue Mensch anfangen soll, kann er nur aus dem alten wachsen.“

Jana hat ihren Vater nie kennengelernt. Alles, was sie über ihn weiß, ist, dass er als Kapitän auf der MS Mozart arbeitet, einem eher wenig glamourösen Kreuzfahrtschiff auf der Donau. Also bucht sie sich kurzerhand eine Woche dort ein. Ob sie sich ihm zu erkennen geben wird, weiß sie noch nicht. Mit knapp hundert Gästen im Seniorenalter und der trinkfesten Bordbesatzung beginnt die Fahrt von Passau nach Wien. Mit großer Sensibilität erzählt Ilona Hartmann die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach den eigenen Wurzeln. Ein Roman voller Situationskomik und ungewöhnlicher Begegnungen, aber auch der Beginn einer zärtlichen, emotionalen Annäherung zwischen Vater und Tochter, die gerade erst lernen, was es heißt, einander Familie zu sein.

„Emanzipation war im Dorf eine Freizeitbeschäftigung. Eine, der man sich als Frau nur zuwandte, wenn man im klassischen Modell versagt oder sich bewusst dagegen verweigert hatte, also selber Schuld war. “

Noch eine große positive Überraschung. Der Autor war mir völlig unbekannt, wieder ein Roman, der seltsam zeitlos wie „Der Junge mit dem schwarzen Hahn“ irgendwo in einer unbestimmten Zeit im Mittelalter spielt und von Anfang an an einen Folk-Horror Film erinnert.

Ein abgelegenes, von Wäldern umschlossenes Dorf. Einige Bauern führen hier ein einsames und zufriedenes Dasein, das von Ereignissen kaum berührt wird. Eines Tages geschieht etwas vermeintlich Belangloses: Einer der Bauern findet auf einer Wiese am Dorfrand ein Seil. Er geht ihm nach, ein Stück in den Wald hinein, kann jedoch sein Ende nicht finden. Neugier verbreitet sich im Dorf, ein Dutzend Männer beschließt, in den Wald aufzubrechen, um das Rätsel des Seils zu lösen. Ihre Wanderung verwandelt sich in ein ebenso gefährliches wie bizarres Abenteuer: Das Ende des Seils kommt auch nach Stunden nicht in Sicht – und die Existenz des ganzen Dorfes steht auf dem Spiel.

Konnte es gar nicht aus der Hand legen, spannend, atmosphärisch, düster und wunderbar.

Wenn das Glück zu groß wird, wird es zu einem Leid.

Ein verhafteter französischer Rechtsanwalt im besetzten Paris des II. Weltkriegs versucht der willkürlichen Hinrichtung zu entgehen. Jean-Pierre Chavel kann sich während der Besatzungszeit durch die Deutschen sein Leben von einem Mithäftling, der sich für ihn hinrichten läßt, erkaufen. Dafür überschreibt er der Familie des todkranken Mithäftling Geld und Besitz. Nach Kriegsende kehrt Chavel auf sein Gut zurück und verdingt sich unter falschem Namen bei den neuen Besitzern. Er verliebt sich in die Schwester des für ihn Hingerichteten, die ihm von ihrem Hass auf Chavel berichtet. Als ein gesuchter Kollaborateur auftaucht und sich als Chavel ausgibt, führt das zur Katastrophe.

“An artist paints his picture not in a few hours but in all the years of experience before he takes up the brush, and it is the same with failure.”

„The Tenth Man“ war unsere August Lektüre im Book Club und es war wieder eine spannende und durchaus kontroverse Diskussion. Wir wissen jetzt, welche unserer Bookclub Kolleginnen uns eher geopfert hätten in einem ähnlichen Szenario, wer sich hingegen für die anderen aufgeopfert hätte 😉

Man merkt diesem schmalen Roman an, dass er ursprünglich als Film-Script für MGM gedacht war und dort aus welchen Gründen auch immer in einer Schublade vor sich hinmoderte, bis er in den 1980er Jahren zufällig entdeckt und endlich veröffentlicht wurde. Mir hat er gut gefallen, ein klassischer Graham Greene – allerdings kommt er nicht an meine Lieblingsbücher von ihm „The End of the Affair“ und „Stamboul Train“ heran.

Das Buch wurde 1988 mit Anthony Hopkins und Kristen Scott Thomas verfilmt und ist derzeit in ganzer Länge auf YouTube zu finden. Mir hat er gut gefallen:

OK – jetzt ihr: Welches der Bücher kennt ihr bereits, teilt ihr meine Begeisterung, konnte ich euch auf irgendwas besonders Lust machen? Lasst doch mal hören:

Hier noch mal die Bücher im Überblick:

  • Junge mit dem schwarzen Hahn – Stefanie vor Schulte erschienen im Diogenes Verlag
  • Alte Sorten – Ewald Arenz erschienen im Dumont Verlag
  • Ein Monat auf dem Land – J. L. Carr erschienen im Dumont Verlag
  • Der Geschmack von Apfelkernen – Katharina Hagena erschienen im Kiepenheuer & Witsch Verlag
  • Frau sein – Mely Kiyak erschienen im Hanser Verlag
  • Heimsuchung – Jenny Erpenbeck erschienen im Penguin Verlag
  • Land in Sicht – Ilona Hartmann erschienen im Blumbenbar Verlag
  • Das Seil – Stefan aus dem Siepen erschienen bei DTV
  • The Tenth Man – Graham Greene erschienen im Penguin Verlag

Meine Woche

Gesehen: Blood Red Sky (2021) von Peter Thorwarth mit Peri Baumeister und Carl Anton Koch. Eine Frau mit einer mysteriösen Krankheit wird zum Handeln gezwungen, als eine Gruppe von Terroristen versucht, einen transatlantischen Nachtflug zu entführen. Nette Unterhaltung, toller Soundtrack.

Der Ornithologe (2016) von Joao Pedro Rodrigues mit Paul Hamy. Surrealer portugiesischer Film um einen Ornithologen voller Symbolik, Mystik und schwuler Erotik sowie großartigen Landschaftsaufnahmen. Ein wilder Fiebertraum.

Balance (1989) von Christoph und Wolfgang Lauenstein. Oscar prämierter animierter Kurzfilm der in knapp 8 Minuten eine unheimliche, surreale Atmosphäre erzeugt und dabei noch eine universal verständliche Botschaft vermittelt. Großartig.

Gehört: Crème Brûlée – King Hannah, Three Oh Nine – Fenne Lily, Innocence – Mono, Lousy T-shirt – OSKA, Mother & Son – Dascha Dauenhauer, New Auburn – Big Red Machine

Gelesen: dieses Interview mit Stefanie vor Schulte, The Corona Virus is here to stay, diesen Artikel über die Astronomin Vera Rubin, über einen irischen Death Metal Baron der sein Anwesen renaturiert, The Tyranny and Misogyny of Meal Planning, Finland is winning the war on fake news. What it’s learned may be crucial to Western democracy

Getan: mit dem kleinen Neffen Memmingen erkundet, einen schönen Abend mit Freund*innen bei der eine Teil-Selbständigkeit geplant wurde, einer spannenden Buch-Diskussion mit Stefanie vor Schulte beim Diogenes-Zoom-Abend beigewohnt und ein paar langwierige Arbeitsprojekte abgeschlossen.

Gegessen: Chicken Tikka

Gefreut: über meinen „Openness Value Badge“ und über Ruth Birdy Ginsbird

Geweint: um LGBTQ+ Menschen in Afghanistan

Geärgert: über die unnötige Lastenrad Diskussion

Geklickt: auf die großartige Rede von Annalena Baerbock zur Lage in Afghanistan

Gestaunt: über Bagworm Caterpillar,

Gelacht: über den „Click to pray Rosary“ und diesen zugegebenermaßen flachen Witz (hab mich trotzdem weggeschmissen) The CEO of IKEA was elected president of Sweden. He’s still assembling his cabinet.

Gewünscht: diese Wandtapete, dieses Regal, dieses Bad

Gefunden: ein paar DVDs im Bücherschrank

Gekauft: Geburtstagsgeschenke

Gedacht: Wealth consists not in having great possessions, but in having few wants. //Epictetus

Meine Woche

Artist: Shamsia Hassani

Gesehen: Fear Street 1978 und Fear Street 1666 (2021) von Leigh Janiak mit Kiana Madeira, Ashley Zukerman, Sadie Sink (Max aus Stranger Things :)) und Emily Rudd. Gut gemachter supernatural Slasher mit tollem Soundtrack und LGBTQ+ Einfluß.

Jodie Foster, Hollywood dans la peau (2021) von Camille Juza und Yal Sadat. Spannende Doku über eine absolute Ausnahme-Schauspielerin. Gleich mal noch ein paar Filme zum Wieder-Gucken auf die Liste gepackt.

Gehört: Eyes without a face – Angel Olsen, Joel – Apparat, Come heave sleep – John Dowland, Everlasting Light – Mono, Megitsune – Babymetal, Þórsmörk – VAR, Potface – 24/7 Diva Heaven, Those Words – Mattiel, Oh Ballerina – Traitrs, Celestial Blues – King Woman

Gelesen: Emanzipation ist kein Exportgut, Black holes surrounded by massive, energy-harvesting structures could power alien civilizations, Why are so many knowledge workers quitting?, World without work, Frauenrechte in Afghanistan – der Abschied von der Freiheit.

Getan: eine Sucht-Angehörigen-Selbsthilfegruppe besucht, die Bookclub-Ladies nach über einem Jahr endlich wieder live gesehen, liebe Freund*innen getroffen, auf dem Balkon gelesen und unseren Urlaub geplant.

Gegessen: Portugiesischen Karottensalat

Gefreut: dass dem afghanischen all-girls-Robotics-Team die Flucht gelang,

Geweint: über die ausweglos scheinende Bruder-Situation

Geärgert: über die zur Inkompetenz der CDU

Geklickt: auf dieses Interview mit Archäologin Rebecca Wragg zu Neanderthalern, Jet Streams gut erklärt, A Cosmic Web Connects Everything in the Universe

Gestaunt: über die tollen Auto weg-Videos von Jan Kamensky, über diesen fliegenden Zug ohne Schienen oder Röhren,

Gelacht: auch Roboter sind nicht perfekt

Gewünscht: diese Wandtapete, diese Lautsprecher, dieser Sekretär

Gefunden: einen wundervollen Tutenchamun-Bildband

Gekauft: ein Schlafshirt

Gedacht: There is nothing in a caterpillar that will tell you it will be a butterfly //Buckminster Fuller

Meine Woche

Gesehen: Call me by your name (2017) von Luca Guadagnino mit Timothée Chalamet und Arnie Hammer. Immer noch einer der schönsten Sommer-Liebe-ComingofAge-Filme ever. Und ich möchte unbedingt bei Gewitter und Stromausfall aus Klassikern vorgelesen bekommen.

The Tenth Man (1988) von Jack Gold mit Anthony Hopkins und Kristin Scott-Thomas. Solide Verfilmung des gleichnamigen Romans von Graham Greene.

A Classical Horror Story (2021) von Roberto de Feo und Paolo Strippoli mit Matilda Anna Ingrid Lutz. Fing ganz unterhaltsam an, wurde aber mit der Zeit irgendwie immer nerviger. Die Hauptdarstellerin fand ich gut, den Film echt mittelmäßig.

Gehört: Zion hört die Wächter singen – Johann Sebastian Bach, Mistress Violet – Violet Chachki & Allie X, Like I used to – Sharon Van Etten & Angel Olsen, Nothing else matters – Phoebe Bridgers, Yoko Ono – The Jesus & Mary Chain, Cosmic Dancer – The Kills, Symphonie No 40 – Wolfgang Amadeus Mozart

Gelesen: Darum dürfen wir die Pflege auch nach Corona nicht vergessen, Siri Hustvedt on the weaponization of free speech, Hätten sich Ökonomen nicht eingemischt wären wir bei der Klimakrise 20 Jahre weiter, warum ihr Bio Einkauf nicht die Welt rettet, Frauen im Jemen – die Bürde mädchenhaft auszusehen

Getan: eine Kollegin nach 8 Monaten das erste Mal getroffen und gemeinsam gegessen und Wein getrunken, viel auf dem Balkon gesessen, unzählige nervenaufreibende Gespräche und Nachrichten mit dem Bruder geführt, mit lieben Freunden getroffen und den Balkon abgeerntet

Gegessen: sehr leckeres Curry im Madam Chutney und Spaghetti Aglio e olio im Stemmerhof

Gefreut: über unseren geplanten Trip mit dem Nachtzug nach Venedig und die neu installierte Jalousie im Wohnzimmer

Geweint: über die verdammten Taliban in Afghanistan

Geärgert: siehe oben

Geklickt: auf die Poetry-App Wayfinder, die besten Orte zum Sternegucken

Gestaunt: Toilette erzeugt Strom aus Exkrementen, die neuesten UNESCO Weltkulturerbe Orte, Massive hawk wasp carries off spider twice its size

Gelacht: über Söder in Impflaune

Gewünscht: diesen Anzug, dieses Haus, diesen Kleiderschrank

Gefunden: nix

Gekauft: weiße Tshirts, Unnerbüxen und Radlerhose

Gedacht: Asking for feedback creates a critic. Asking for advice creates a partner.

Meine Woche

Gesehen: Black Holes: The Edge of all we know (2020) von Peter Galison. Mega spannende Doku um Stephen Hawking und das Event Horizon Telescope Team und ihre Forschung rund um das Black Hole Paradox. Aufregender als jeder Thriller und toller Soundtrack von Zoe Keating. Unbedingt anschauen.

Ema (2019) von Pablo Larraín mit Mariana di Girolamo. Ein Tänzer-Ehepaar muss sich mit den Folgen einer Adoption auseinandersetzen, die schief gelaufen ist. Schräge story, tolle Atmosphäre und großartige Musik.

Gehört: Ema – Nicolas Jaar, Hardline – Julien Baker, Deshta (Forever) – Lisa Gerrard & Jules Maxwell, Temptation – Imminence, New World – Soman, End– Ryuishi Sakamoto

Gelesen: This is how we radicalized the world, diesen Artikel über die Black Hole Dokumentation und das Online Harrassment das Katie Bouman anschließend traf, die Jugend in Taiwan sieht mit Sorge nach Hong Kong, You can only maintain so many close friendships, über die Geldgeber der rechtskonservativen Plattform „Citizen Go„, every child on their own trampoline

Getan: ein sehr leckeres Geburtstagsdinner gegessen und mit lieben Freund*innen gefeiert, viele nervenaufreibende Bruder-Telefonate, Schränke aufgeräumt, auf dem Balkon gelesen und viel geschrieben

Gegessen: ein leckeres Menu im Pageou und Tomaten-Zucchini-Tarte mit Feta

Gefreut: über die gelungenen Geburtstagsüberraschungen und mein Buch-Geschenk von der lieben Schwiegermama, damit ich auch was zum auspacken habe 🙂

Geweint: über die brennende, ertrinkende Welt und dass wir weiterhin lieber über Fußnoten oder anderen Schwachsinn diskutieren

Geärgert: siehe oben

Geklickt: auf „Great Art explained„, The first 2 hours of MTV, virtual Angkor Wat,

Gestaunt: How many robots does it take to run a grocery store?, immer wieder über die großartigen Bilder von Coldwater „Underwater Photography“, The Opposite Of Design Fails: 50 Of The Most Brilliant Design Ideas,

Gelacht: über kopflose Olympioniken

Gewünscht: ein Stringbike, einen Dyson Omni-Glide, diese komplett aus Pflanzen hergestellten Schuhe

Gefunden: nix

Gekauft: nix

Gedacht: Man sieht die Welt in dem Licht, das man auf sie wirft //Francoise Giroud

Die Juli Bücher im Schnelldurchlauf

Habe gerade eine ziemliche Schreibflaute. Lesen geht immer, aber mich hinsetzen und sehr ausführlich über ein Buch schreiben, dafür ist es mir momentan zu warm, ist zu anstrengend, ich mag nicht, in der Zeit könnte ich ja schon wieder ein weiteres Buch lesen. Daher einfach ein Überblick ganz kurz und knapp über das im Juli gelesene und gehörte und ganz ohne schlechtes Gewissen – los geht’s 🙂

Korede ist verbittert. Und wär wäre es nicht? Ihre Schwester Ayoola steht immer im Mittelpunkt: sie ist das Lieblingskind, die Schöne, möglicherweise ist sie aber auch eine Serienkillerin, denn Ayoolas dritter Freund in Folge ist tot. Koredes praktische Fähigkeiten retten ihrer Schwester mehrfach den Hintern. Ob bei der Reinigung von Blut, mit einem Kofferraum der groß genug ist für eine Leiche, oder indem sie ihre leichtsinnige Schwester davon abhält, Bilder von ihrem Abendessen auf Instagram zu posten, wenn sie eigentlich um ihren „verschwundenen“ Freund trauern sollte… Aber wirklich Anerkennung bekommt sie dafür nicht…

Ein freundlicher, gut aussehender Arzt in dem Krankenhaus, in dem Korede arbeitet, ist der Lichtblick in ihrem Leben. Sie träumt von dem Tag, an dem er erkennen wird, dass sie perfekt füreinander sind. Doch als Ayoola eines Tages uneingeladen im Krankenhaus auftaucht, verfällt auch er sehr schnell ihrem Aussehen und begibt sich damit unter Umständen in tötliche Gefahr.

Oyinkan Braithwaite hat ein wunderbares, tödliches Debüt geschrieben, das zugleich unterhaltsam und schockierend ist, voller Scharfsinn und trockenem Humor.

Korede, ich habe ihn umgebracht.
Ich hatte gehofft, diese Worte nie wieder zu hören

Judith Hermann erzählt von einem Aufbruch: eine alte Welt geht verloren und eine neue entsteht.

Ihre Tochter ist eine Reisende, unterwegs in der Ferne. Ihrem Ex-Mann schreibt sie kleine Briefe, in denen sie erzählt, wie es ihr geht, in diesem neuen Leben am Meer und im Norden. Sie richtet sich ein Haus ein, schließt vorsichtige Freundschaften, versucht eine Affäre, fragt sich, ob sie heimisch werden könnte oder ob sie weiterziehen soll. Judith Hermann erzählt von einer Frau, die vieles hinter sich lässt, Widerstandskraft entwickelt und in der intensiven Landschaft an der Küste eine andere wird. Sie erzählt von der Erinnerung. Und von der Geschichte des Augenblicks. Melancholisch mit viel Atmosphäre, ein Buch das für mich viel zu schnell zu Ende war. Wäre sehr gerne noch ein wenig im Haus am Meer geblieben…

Wir sind Trabanten, denke ich, wir kreisen um unsere Sonnen, jeder um seine eigene.

Warwickshire im Jahr 1580. Agnes ist eine Frau, die wegen ihrer ungewöhnlichen Gaben ebenso gefürchtet wie begehrt ist. Sie lässt sich mit ihrem Mann in der Henley Street in Stratford nieder und bekommt drei Kinder: eine Tochter, Susanna, und dann Zwillinge, Hamnet und Judith. Der Junge, Hamnet, stirbt 1596 im Alter von elf Jahren. Etwa vier Jahre später schreibt der Ehemann ein Stück namens Hamlet.

Dies ist das herzzerreißende Drama hinter Shakespeares berühmtestem Stück. Und das alles, ohne den Namen William Shakespeare auch nur einmal zu erwähnen!

Unsere Juli-Lektüre im Bookclub und es hat fast durch die Bank weg von allen höchste Punktzahl bekommen.

Mehr Shakespeare Inspirationen findet ihr übrigens hier.

What is given may be taken away, at any time. Cruelty and devastation wait for you around corners, inside coffers, behind doors: they can leap out at you at any time, like a thief or brigand. The trick is never to let down your guard. Never think you are safe. Never take for granted that your children’s hearts beat, that they sup milk, that they draw breath, that they walk and speak and smile and argue and play. Never for a moment forget they may be gone, snatched from you, in the blink of an eye, borne away from you like thistledown.

Jean McClellan verbringt ihre Zeit in fast völliger Stille und beschränkt sich auf nur hundert Worte pro Tag. Wenn sie mehr sagt, fließen tausend Volt Strom durch ihre Adern.

Jetzt, wo die neue Regierung an der Macht ist, hat sich alles geändert. Frauen sind auf das Haus beschränkt, dürfen nicht arbeiten, müssen sich nur um ihre Männer und Kinder kümmern und dürfen vor allem nicht mehr als hundert Worte pro Tag sprechen. „Armband“ nennen sie das Gerät, das ihre Worte zählt und elektronische Schocks aussendet, wenn sie die festgelegte Zahl überschreiten. Dr. Jean McClelland, einst eine erfolgreiche und renommierte Wissenschaftlerin, sieht sich in ihrem Leben stark eingeschränkt und bereut all die Märsche, an denen sie nicht teilgenommen hat, die Petitionen, die sie nicht unterschrieben hat, und die Zeichen, die sie falsch gedeutet hat. Als der Bruder des Präsidenten fast tödlich verunglückt, wird sie als fähigste Ärztin und Wissenschaftlerin gebraucht und so gerät Jean unverhofft in die Lage, möglicherweise Bedingungen zu stellen und einen Fluchtweg aus dem Land zu finden.

Diese Dystopie ist in vielerlei Hinsicht höchst beunruhigend, irgendwie kann man sich leicht ausmalen, dass eine solche Situation Realität werden könnte. Nicht wenige Männern fühlen sich ihrer Überlegenheit beraubt und würden alles dafür tun, um die Zeit zurückzudrehen.

Eine Dystopie, die sehr an Margaret Atwoods „The Handmaid’s Tale“ erinnert und die ich sehr gerne gelesen habe.

Denk darüber nach, was du tun musst, um frei zu bleiben. Tja, mehr zu tun als rein gar nichts, hätte ein guter Anfang sein können.

Think Again ist ein Buch über den Nutzen des Zweifels und darüber, wie wir besser darin werden können, das Unbekannte zu akzeptieren und durchaus auch mal Freude am Irrtum und an Ambivalenz zu haben. Es ist erwiesen, dass überdurchschnittlich kreative Menschen nicht an einer Identität festhalten, sondern ständig bereit sind, ihre Positionen zu überdenken und das Führungskräfte, die zugeben, dass sie etwas nicht wissen, und sich um kritisches Feedback bemühen, produktivere und innovativere Teams haben.

Umdenken ist eine Fähigkeit, die erlernt werden kann, und Grant erklärt, wie man die dafür notwendigen Qualitäten entwickelt. Im ersten Teil wird untersucht, warum es uns schwerfällt, umzudenken, im zweiten Teil wie wir unsere „Argumentationskompetenz“ ausbauen können und im letzten Teil geht es darum, wie Schulen, Unternehmen und Regierungen es aktuell noch versäumen, eine Kultur zu fördern, die zum Umdenken ermutigt.

Neue Informationen müssen dazu führen, dass wir unsere Glaubenssätze hinterfragen und auch liebgewonnene Überzeugungen müssen immer wieder auf den Prüfstand. Scientific Method for President 😉

If knowledge is power, knowing what we don’t know is wisdom.

Die weltfremde junge Effi Briest wird mit dem Baron von Innstetten verheiratet, einem strengen und ehrgeizigen Beamten, der doppelt so alt ist wie sie und nur wenig Zeit für seine neue Frau hat. Isoliert und gelangweilt findet Effi Trost und Ablenkung in einer kurzen Liaison mit Major Crampas, einem verheirateten Mann mit einem gefährlichen Ruf.

Doch Jahre später, als Effi ihre Affäre schon fast vergessen hat, holt sie das Geheimnis wieder ein – mit fatalen Folgen. In straffer, ironischer Prosa schildert Fontane eine Welt, in der die Sexualität und der Wille, das Leben zu genießen, durch gesellschaftliche Enge und die Verpflichtungen der Umstände erstickt werden. Dieser Roman, der als sein größter gilt, ist ein menschliches, unsentimentales Porträt einer jungen Frau, die zwischen ihren Pflichten als Ehefrau und Mutter und den Instinkten ihres Herzens hin- und hergerissen ist.

Mit „Effi Briest“ hat Fontane eine spannende Sozialstudie über gesellschaftliche Konventionen und die Folgen eines Ausbruchs aus diesen Zwängen geliefert. Ein zeitloser Klassiker der deutschen Literatur und insbesondere des bürgerlichen Realismus. Habe ich sehr gerne gelesen.

Wir müssen verführerisch sein, sonst sind wir gar nichts.

Eine faszinierende Einblick in die Welt der Erinnerung, warum wir vergessen und was wir tun können, um unsere Erinnerungen zu bewahren und uns zumindest ein wenig vor Alzheimer zu schützen.

Jeder hat vermutlich schon mal einen Moment der Panik erlebt, wenn man sich partout nicht mehr an den Namen des Schauspielers erinnern kann aus dem Film, den man vor ein paar Tagen gesehen hat, oder wenn man einen Raum betritt und nicht mehr weiß was man da eigentlich wollte? Vielleicht hat man sogar Schiss, dass diese Gedächtnislücken ein frühes Anzeichen von Alzheimer oder Demenz sein könnten. In Wirklichkeit sind diese Fälle von Vergesslichkeit für die große Mehrheit von uns völlig normal. Und warum? Weil das Gedächtnis zwar ziemlich bemerkenswert, aber bei weitem nicht perfekt ist. Unser Gehirn ist nicht darauf ausgelegt, sich an jeden Namen zu erinnern oder an jeden Tag, den wir erleben. Nur weil das Gedächtnis manchmal versagt, heißt das nicht, dass es kaputt ist oder an einer Krankheit leidet. Vergessen gehört zum Menschsein dazu.

In Remember geht die Neurowissenschaftlerin Lisa Genova – deren Buch „Leben ohne Gestern“ ich hier gemeinsam mit Claudia vom Blog „Das graue Sofa“ in der Reihe „Women in Science schon mal vorgestellt hatte – der Frage nach, wie Erinnerungen entstehen und wie wir sie abrufen. Sie erklärt, wann vergessene Erinnerungen vorübergehend unzugänglich sind oder für immer gelöscht werden und warum manche Erinnerungen nur für ein paar Sekunden bestehen (wie ein Passcode), während andere ein ganzes Leben lang halten können (zB der Tag, an dem man heiratet). Sie erklärt den Unterschied zwischen normalem Vergessen (wo man das Auto geparkt hat) und Vergessen aufgrund von Alzheimer (dass man ein Auto besitzt).

Darüberhinaus erfährt man viel darüber, wie sehr das Gedächtnis durch Bedeutung, Emotionen, Schlaf, Stress und Kontext beeinflusst wird. Wenn man die „Sprache“ des Gedächtnisses und seine Funktionsweise, seine unglaublichen Stärken und verrückten Schwächen, seine natürlichen Schwachstellen und potenziellen Superkräfte verstanden hat, kann man ggf. seine Erinnerungsfähigkeit deutlich verbessern und vor allem auch viel weniger beunruhigt sein, wenn man wieder einmal verzweifelt überlegt, wie die eine oder andere Schauspielerin heißt. Sie können gebildete Erwartungen an Ihr Gedächtnis stellen und so eine bessere Beziehung zu ihm aufbauen. Sie müssen es nicht mehr fürchten. Und das kann lebensverändernd sein.

These declines in memory creation, retrieval, and processing speed aren’t all inevitable, are they? You’re not gonna like this, but appears the answer is ultimately yes. If you eat a daily diet of doughnuts, only go for a run if someone is chasing you, regularly sacrifice sleep by binge watching entire seasons of the latest show on Netflix until 3 AM, and are chronically stressed, you’ll most definitely accelerate the ageing of your memory.

In „Mutation der Menschheit“, ging es Bertaux um die „Überlebenschancen der Menschheit“ angesichts der vom Menschen selbst bewirkten waffentechnologischen Entwicklung; damit befassten sich in den 1950er Jahren recht viele Philosophen und Physiker, die Originalität von Bertaux lag darin, wie sehr er den Grundgedanken durchzog, „dass die biologische Entwicklung nicht abgeschlossen ist, dass in ihrem Verlauf die gegenwärtige Menschheit nur ein Durchgangsstadium darstellt, dass aus den Menschen etwas hervorgehen wird, das sich zwar von ihm herleitet, aber dem nicht mehr genau entsprechen wird, was wir uns unter dem Wort ‘Mensch’ vorstellen.“

Der Mann, der von einer biologischen Mutation des Menschen der „neotechnischen Ära“ überzeugt war, kombinierte ein Leben lang Wissenschaft, Praxis und unbefangene Neugier. Womit er eigentlich überall aneckte. Pierre Bertaux (1907 bis 1986), war kein „Futurologe“, sondern Germanist und ist heute weitgehend unbekannt. Eventuell ist er Hölderlin-Forschern noch ein Begriff, da er die These vertrat, Hölderlin sei gar nicht verrückt gewesen, sondern habe nur simuliert.

Ein Zufallsfund aus dem Bücherschrank, wollte eigentlich nur mal kurz reinlesen, blieb dann aber hängen. Waren ein paar sehr spannende Gedanke enthalten und ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen.

Vielleicht der reinste, größte und originellste Ausdruck der europäischen Kultur und Weisheit ist: Daß ich recht habe, will noch lange nicht sagen, daß die unrecht hätten, welche anders denken als ich. Toleranz ist nicht nur eine Tugend, sie ist auch eine hohe Form der Klugheit. Das geistige Entgegenkommen, die Bemühung, das Bezugssystem derer zu verstehen, die nicht so denken wie wir, ist eine – und zwar die fruchtbarste – Form der Überlegenheit.

Verstehen bedeutet nicht unbedingt übernehmen; vielmehr handelt es sich darum, „unser“ Bezugssystem und das des „anderen“ in ein Bezugssystem höheren Grades zu integrieren, das beide umfaßt, und so kommt man einen Schritt weiter.

Hier noch mal die Bücher im Überblick:

  • Meine Schester die Serienmörderin von Oyinkan Braithwaite erschienen im Blumenbar Verlag
  • Daheim von Judith Hermann erschienen im Fischer Verlag
  • Hamnet von Maggie O’Farrell auf deutsch erschienen unter dem Titel „Judith und Hamnet“ im Piper Verlag
  • Vox von Christina Dalcher erschienen im Fischer Verlag
  • Think Again von Adam Grant bisher noch nicht auf deutsch erschienen
  • Remember von Lisa Genova bisher noch nicht auf deutsch erschienen
  • Effie Briest von Theodor Fontane erschienen im Fischer Verlag
  • Mutation der Menschheit von Pierre Bertaux erschienen im Suhrkamp Verlag

Wie war Euer Lesemonat? Was waren Eure Highlights?

Meine Woche

Foto: Masaaki Komori

Gesehen: Sputnik (2020) von Egor Abramenko. Russischer Horror-SciFi der mich so gar nicht vom Hocker gehauen und sich irgendwie selbst viel zu ernst genommen hat.

Gehört: If you have Ghosts – Chelsea Wolfe, The Red Violin – Elina Vähälä, Sunlight – Max Richter, Songs for an empty world – Cryo Chamber, For the Light – Lea Porcelain

Gelesen: Building a more honest internet, dieses Interview mit der Physikerin Sabine Hossenfelder, Fast Food Arbeiter sprechen über Burnout

Getan: mit lieben Freundinnen getroffen und lecker gegessen, den Babybauch einer guten Freundin bewundert, mit dem kleinen Neffen im Zoo gewesen, ein Meetingtag im Büro und letzte Geburtstagsgeschenke in der Stadt gekauft

Gegessen: jede Menge leckere selbstgemacht Tapas

Gefreut: über den entzückenden kleinen Neffen

Geweint: nein

Geärgert: nein

Geklickt: das Straßennetz römischer Straßen als U-Bahn Karte

Gestaunt: über das Radl-Wunder das Anna Kiesenhofer in Tokio geschafft hat

Gelacht: Eleanor Morton als schottischer TourGuide

Gewünscht: diese Wäscheständer, diesen Inside-Out Planter, diese Bibliothek

Gefunden: nix

Gekauft: ein Bilderbuch für den kleinen Neffen

Gedacht: “Women have served all these centuries as looking glasses possessing the magic and delicious power of reflecting the figure of man at twice its natural size.” //Virginia Woolf

Meine Woche

Foto: Ivana Bilz

Gesehen: Fear Streat 1994 (2021) von Leigh Janiak mit Kiana Madeira, Olivia Scott Welch und Benjamin Flores. Amerikanischer Teen Slasher Film mit coolem Soundtrack, die Geschichte selbst und die Umsetzung hat mich jetzt nicht vom Hocker gehauen. Kann man schauen, muss man aber nicht.

David Attenborough: A life on our planet (2020) von Alistair Fothergill. Großartige Doku die hoffentlich genug Menschen dazu aufrüttelt die Erderwärmung ernst zu nehmen und endlich die Natur in den Mittelpunkt zu stellen und nicht die Wirtschaft. Unbedingt anschauen.

Gehört: Smells like teen spirit – Malia J, Recoil, Ignite – Mono, Good Girls – Chvrches, Creep 2021 Rmx – Thom Yorke, Perpetual flame of Centralia – Lingua Ignota, Canopy – Lauge, Surrender – Birdy, After the bombs silence – Echo says Echo, So why not save the world – Pink turns Blue, A carefully controlled space – Soft Generator

Gelesen: Anna Sauerbrey on german politicans on autopilot, Leave the Billionaires in Space, Armin Laschet wird zum Problem für die CDU, Warum so viele im Altbau wohnen wollen, Luxury Surveillance, dieses Interview mit Ali Smith, E-Autos sind besser als ihr Ruf, The Making of „Carol

Getan: mit lieben Freunden getroffen, lecker gegessen und den großen orangenen Mond bewundert, mein Radl aus der Reparatur geholt, Geburstagsgeschenke besorgt und viel gelesen

Gegessen: Vegane Zucchinispaghetti mit Pfifferlingen

Gefreut: wie sehr einem Princess Charming den Glauben an die Menschheit zurückgeben kann 😉 und über den Mut tausender Menschen bei der LGBTQ+ Pride in Budapest

Geweint: nein

Geärgert: nein

Geklickt: auf diese 6-teilige Podcast Reihe „WTF happened to Ken Jebsen„, hier eine Sammlung von Medien die in Murakami-Büchern vorkommen

Gestaunt: über diese Cymatic/Resonanz Experimente, Riesige DNA-»Borg«-Strukturen verblüffen Wissenschaftler, Menschen können am Gesicht von Erkrankten ablesen, dass diese nicht gesund sind, in Finland werden die Geweihe von Rentieren mit Leuchtfarbe bemalt, Velella velella

Gelacht: People making fun with statues

Gewünscht: diesen aufblasbaren Pool, diese Fototapete, diese Boxhandschuhe

Gefunden: nix

Gekauft: alkoholfreien Gin

Gedacht: We really have to stop expecting the ultra-wealthy to also be benevolent philanthropists. They didn’t get rich because they’re inherently good or smart. And it’s a fallacy that billionaires are genius innovators. They’re not.

They’re billionaires because they got really good at a really bad game: late-stage capitalism. It’s a game you win by breaking laws, abusing the labor force, and manipulating governments. It’s a game that rewards venality, and it’s a game that values not having any values. Because no one earns a billion dollars. Billionaires exist because something went horribly wrong on our watch.
So our rage is misdirected. Our collective anger should be laser-focused on the people who built and maintain the system that allowed these flaccid Bond villains to thrive. //Sarah Stockdale