Meine Woche

Gesehen: A Quiet Place 2 (2021) von John Krasinski mit Emily Blunt, Cillian Murphy und Millicent Simmonds. Zweiter Teil der Apokalypse um geräusch-sensitive Aliens die den Großteil der Menschheit ausgelöscht haben.

Come True (2020) von Anthony Scott Burns mit Julia Sarah Stone. Kanadischer SciFi Horror um eine Schlafstudie die unfassbar schief geht.

Gaia (2021) von Jaco Bouwer mit Monique Rockman und Anthony Oseyemi. Südafrikanischer Öko-Fantasy-Film mit Horror-Elementen.

Gehört: No Gods, No Masters – Garbage, The Devil – BANKS, Doomed – Moses Sumney, live at dunk!fest 2019 – Sistemas Inestables, live at dunk!fest 2021 – We stood like Kings

Gelesen: Farewell Millenial Lifestyle subsidy, Why did so many Victorians try to speak to the Dead?, We deserve better dystopias, How to deal with revenge bedime procrastination

Getan: mit lieben Freund*innen im Biergarten den Geburtstag nachgefeiert, im Bookclub „Frankissstein“ diskutiert und viel über Sexbots gelernt, das Fantasy-Filmfest besucht, 2 Tage im Büro und viele Abende auf dem Balkon verbracht

Gegessen: Wassermelonen Salat mit Feta

Gefreut: über den schönen Biergarten-Abend und tolle Geschenke und die neueste Ausgabe des Happy Readers

Geweint: nein

Geärgert: über den dämlichen Shitstorm den Carolin Emcke für ihren angeblichen Holocaust Vergleich erlebt hat

Geklickt: Samantha the Sexbot im englischen Frühstücksfernsehen, inside a cryonics facility, Meet Sophia: The first robot declared a citizen by Saudi Arabia

Gestaunt: über diese mordlustige Werwolf-Maus, Crabs trade shells in the strangest ways, Biochemistry for Dummies, Re-entry eines Satelliten

Gelacht: IKEA confesses that Kötbullar are made of people who could not find the exit

Gewünscht: diese Kommode, dieser Pool, dieses Gewächshaus

Gefunden: nix

Gekauft: Bücher

Gedacht: Your best and wisest refuge from all troubles is in your science // Ada Lovelace

Brüssel sehen und lesen

Belgien war mein allererstes Ausland. Seit frühester Jugend hatte ich fiebernd auf diesen Moment hingewirkt, in dem ich endlich einmal ausländischen Boden betreten würde. Ich sammelte Briefmarken aus aller Welt, die ich sehr konzentriert über Stunden in Alben packte, die jeweiligen Länder im Atlas und auf dem Globus suchte, im Radio nach Sendern suchte, die möglichst weit weg waren und deren Stimmen verrauscht durch den Äther drangen. Ich las mich mit Jules Verne um die Welt und lange war mein Berufswunsch reisende Reporterin. Der Radius, in dem ich mich in meiner Kindheit und Jugend bewegte bei meiner Oma war irre klein. Rund um die Wohnung vielleicht 4km, gelegentliche Straßenbahn- oder Busfahrten vom Vorort in die Stadt, wenn ich eine neue Hose brauchte und dreimal gab es richtigen Urlaub: Einmal Schwarzwald, in einem Werksurlaub noch mit dem Opa, zweimal Ferien auf dem Bauernhof im Odenwald und ein paar Mal ging es in die DDR, um Verwandte zu besuchen. Ich fieberte auf Klassenfahrten und hatte da irres Pech, denn der Klassenlehrer machte keine, für die Skifreizeit fehlte das Geld und es sollte bis zur Abschlußfahrt der 10. Klasse dauern, als eine Fahrt nach Belgien auf dem Programm stand. Ich war unfaßbar aufgeregt und kann mich noch sehr gut an den Moment erinnern, als ich das erste Mal das Meer sah und mir klar wurde, ich stehe tatsächlich auf ausländischem Boden.

Blankenberge, Brügge und Gent standen auf dem Programm – eine Reise, die ich mit allen Sinnen aufsog und bei der ich mir den lebenslangen Reisevirus einfing. Von Brüssel hörte ich dann ein paar Jahre später recht viel, durch eine Arbeitskollegin, die Abgeordnete im Europäischen Parlament wurde, viel von ihren Erlebnissen in Brüssel und Straßburg berichtete und häufig leckerste Pralinen mitbrachte.

Brüssel habe ich dann ein paar Jahre später zum ersten Mal besucht. Ich wohnte mittlerweile in London, dort war ich chronisch pleite und hatte selten Geld für Urlaub, daher freute ich mich sehr über die Einladung einer Kollegin nach Antwerpen für ein verlängertes Wochenende mit Abstecher nach Brüssel. Atomium, Pralinen, Männeken Piss und die berühmten Moules et Frites dürfen bei einem Besuch natürlich nicht fehlen.

Foto

Foto: Laura Cleffmann

Es blieb nicht mein letzter Besuch, denn irgendwann zog es meine beste Freundin dorthin und tatsächlich haben wir meinen Geburtstag damals im Restaurant Belga Queen gefeiert. Perfekte Überleitung also zum Buch, das ich für die Read & Eat Folge besprechen möchte: Robert Menasses „Die Hauptstadt“ Selten habe ich einen Roman gelesen, zu dem ich soviel unterschiedliche Bezugspunkte hatte. Die Rahmenhandlung um Bürokratie und Innenansichten zur Arbeit der Europäischen Kommission konnte ich gut mit den Berichten meiner Abgeordneten-Kollegin zusammenbringen und „mein“ Restaurant kam auch vor

Robert Menasse spannt einen weiten Bogen zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen. Es gibt es großes Ensemble an Akteuren, die wild in bunte Szenen geworfen werden, die mich anfangs etwas überforderten, ein durch die Stadt laufendes Schwein, das Projektionsobjekt des Romans, und mir war eine ganze Weile nicht klar, wie aus all dem Gewusel ein Roman werden soll. Robert Menasse bringt all das aber am Ende gekonnt zusammen, vielleicht ein wenig wie die verwirrende EU-Bürokratie, die am Ende vielleicht doch besser funktioniert, als viele glauben.

Wir treffen im Roman auf Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission, die vor einer schwierigen Aufgabe steht, da sie das Image der Kommission aufpolieren soll. Dann gibt es den Referenten Martin Susman, der von ihr damit beauftragt wird, sich was zu überlegen. Er reist nach Polen, wo er tatsächlich eine Idee hat, die für ziemliche Unruhe in den EU-Institutionen sorgen wird. Dann gibt es noch David de Vriend, der in einem Altenheim gegenüber dem Brüsseler Friedhof auf seinen eigenen Tod wartet. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Und dann ist da noch Kommissar Brunfaut, der auch vor einer schwierigen Aufgabe steht. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen, sowie Alois Erhart, ein Volkswirtschaftler und Schweinezucht-Lobbyist.

Foto: Sinitta Leunen

Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und er ist perfekte Begleitlektüre für einen Städtetrip. Manchmal fühlte ich mich von der Fülle erschlagen, zuviel Gewusel und Gehetze – aber das war natürlich so gewollt und Robert Menasse ist ein spannender oft witziger Roman über ein eigentlich sautrockenes Thema gelungen.

„Er hatte sich geärgert, als er den Flug buchte, er hatte sich geärgert, als er den Koffer packte, geärgert im Taxi zum Flughafen, im Flugzeug gekocht vor Wut über sich selbst, er war aggressiv zu der flötenden jungen Frau an der Rezeption beim Einchecken in das Hotel Atlas, weil ihm alles so furchtbar auf die Nerven ging, dieses wichtigtuerische Trolley-Rollen in Brüssel, dieses bedeutsame Eilen zu Meetings, dieses Beantworten von Floskeln mit Floskeln, die raunende Transformation von keinen Ideen in ein babylonisches Kauderwelch, es erschien ihm sinnlos, völlig aussichtlos, es war verbrannte Zeit.“

Belgien ist immer eine Reise wert, ein kleines Land das viel mehr zu bieten hat als Männeken Piss und Pommes. Ob TinTin, Maigret oder Amélie Nothomb, ein kleines Land mit großer Literatur und wer sich filmisch auf die Reise vorbereiten möchte, dem empfehlen ich den Film „Blau ist eine warme Farbe“ bei dem man immer wieder interessante Ecken in Brüssel zu sehen bekommt.

Von Brüssel reisen wir als nächstes nach Amsterdam – ich hoffe ihr seid wieder dabei? 🙂

Meine Woche

Gesehen: The Visit (2015) von M. Night Shyamalan. Amerikanischer low budget „found-footage“-Horror vom The Six Sense Regisseur um einen Besuch bei der Großeltern der so ganz anders abläuft, als die Geschwister Jamison sich das erhoffen.

A Monster Calls (2016) von J. A. Bayona mit Lewis MacDougall und Sigourney Weaver. Ein Monster hilft einem kleinen Jungen sich seinen Ängsten zu stellen. Heartbreaking.

Gehört: How not to drown – Chvrches ft Robert Smith, Morning Tsunami – Hante, Wolves – Garbage, All is violent, all is bright – God is an Astronaut, Rituals – Noveller, Magdalene – Traitrs

Gelesen: The rampant fatphobia of boomers, Do Brain implants change your identity, How the wealthiest people avoid income tax, Why Do Some People See Inequality Where Others Don’t? Voll optimiert und stark erschöpft, dieses Interview mit Martina Navratilova,

Getan: unseren 10jährigen Hochzeitstag mit einem sehr leckeren Abendessen gefeiert, die erste Arbeitswoche überstanden, einen wunderschönen Grillabend auf dem Balkon verbracht und die zweite Impfung bekommen

Gegessen: ein leckeres Sommermenü im Tian

Gefreut: über Dino-Origami und ein sehr spannendes Buch

Geweint: nein

Geärgert: über die unsägliche Hetzkampagne gegen Annalena Baerbock und dass sich selbst Zeitungen wie SZ und Zeit nicht zu schade waren diese Anzeigen zu schalten

Geklickt: auf die interaktive Van Gogh Ausstellung

Gestaunt: über rechteckige Eisberge

Gelacht: If you’re opposed to gay marriage, you can simply say „no“ if a gay person proposes to you. Follow me for my life tips.

Gewünscht: dieses Haus, diesen Anzug, diese Balkonbar

Gefunden: nix

Gekauft: Wein

Gedacht: die einzigen Ungereimtheiten in Lebensläufen, die mich interessieren, sind von deutschen Unternehmern zwischen ’33 und ’45 //Ole Kracht

Meine Woche

Gesehen: Mary Shelley (2017) von Haaifa al-Mansour. Biopic mit Elle Fanning um die Erfinderin des wohl berühmtesten literarischen Monsters. Hat mir gut gefallen.

Das Phänomen Blade Runner (2021) von Boris Hars-Tschachotin. Empfehlenswerte Doku für alle, die mehr über den Kult-Film erfahren möchten. Momentan bei ARTE zu sehen.

Unlocked (2017) von Michael Apted mit Noomi Rapace, Orlando Bloom und Michael Douglas. Noomi Rapace als CIA Agentin – why not. Unterhaltsam.

Gehört: Lost Cause – Billie Eilish, Beacon – Amiina, Ósýnileg – Kælan Mikla, Change – Anika, Losing Momentum – Kurt Vile, Fit back in – BOY, Personality Girlfriend – Desperate Journalist, Brandenburgische Konzerte 1-6 – Johann Sebastian Bach

Gelesen: dieses Interview mit Mary Beard, dieses mit Christian Drosten, dieses mit Sharon Dodua Otoo und dieses mit Jim Jarmusch, Why Misinformation Is About Who You Trust, Not What You Think, diesen Artikel über Yoga Queen Adriene Mishler’s Hund Benji, I can’t believe the sexism in Bridget Jones’s world, says Helen Fielding, Hunting for books in the ruins: how Syria’s rebel librarians found hope

Getan: sehr lange Auto gefahren, die letzten Urlaubstage genossen, gelaufen und eine schlimme Migräne überstanden

Gegessen: Spargel-Erdbeer-Salat mit Scarmoza

Gefreut: über ein Bücherpaket

Geweint: nein

Geärgert: 30 Grad in der Arktis aber über Benzinpreise streiten

Geklickt: The mystery of green and blue colored honey, Beira – als Schwammstadt gegen den Klimawandel, In Wien wird reparieren gefördert

Gestaunt: über diese mutige junge Frau, wie Jonglieren von oben aussieht, über die erste Schwimmstunde einen Baby Seehunds

Gelacht: Don’t fuck this up

Gewünscht: diesen Sonnenschirm, dieses Bild, dieses Gewächshaus

Gefunden: Bücher

Gekauft: nix

Gedacht: “Courage doesn’t always roar. Sometimes courage is a quiet voice at the end of the day saying, ‘I will try again tomorrow.’”
— Mary Anne Radmacher

Hirngymnastik Zukunft I

Es wird mal wieder Zeit für eine Hirngymnastik und ich beschäftige mich dieses Mal ausführlich mit der Zukunft. „Future Studies“ ist ein Studiengang, mit dem ich immer mal liebäugele.

Von einem Fokus auf die Vorhersage der Zukunft hat sich die moderne Disziplin der Zukunftsforschung zu einer Erforschung alternativer Zukünfte ausgeweitet und vertieft, um die Weltanschauungen und Mythologien zu untersuchen, die möglichen, wahrscheinlichen und bevorzugten Zukünften zugrunde liegen.

Da die Welt zunehmend risikoreicher geworden ist – zumindest in der Wahrnehmung, vielleicht aber auch in der Realität – werden Zukunftsworkshops bei Führungskräften und Strategieabteilungen in Organisationen, Institutionen und Nationen auf der ganzen Welt immer beliebter. So einem Workshop war auch Auslöser meines ersten Buches dieser Hirngymnastik.

Das Buch ist Teil eines Projekts der Management-Beratung A.T Kearney. Dort verdient Walker sein Geld, wenn er keine Bücher schreibt. Zum fünfzigjährigen Jubiläum des deutschen Büros Ende 2014 versammelte die Firma führende deutsche Politiker, Unternehmer und Wissenschaftler und stellte ihnen die Frage: Wie entwickelt sich Deutschland in Europa in den nächsten 50 Jahren? „Germany 2064“ ist der Versuch, die Ergebnisse dieses intellektuellen Abenteuers einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Walkers Buch greift viele Themen auf: TTIP ist Realität und Deutschland steht wirtschaftlich sehr gut da. Aufgeteilt in urbane High-Tech Zonen auf der einen und auf der anderen zurück-zur-Natur „Freie Gebiete“ in Gegenden wie Mecklenburg-Vorpommern, in denen es zunehmend gesetzloser zugeht, nimmt Deutschland eine vorbildliche Rolle in Europa ein. Die Transaktionssteuer wurde eingeführt, selbstfahrende Autos sind das neue Normal und Roboter spielen überall eine zentrale Rolle. Und Walker sinniert ganz im Sinne Philip K. Dicks darüber, was eine Maschine zum Menschen macht.

„Wir spielen Gott, indem wir emphatische Wesen hervorbringen, mit denen wir Beziehungen eingehen und für die wir auch Zuneigung entwickeln können. Wir vertrauen ihnen unsere Kranken und unsere Alten an. Als deren Schöpfer tragen wir Verantwortung für sie.“

Als Krimi eher schwach, da die Figuren allesamt wirklich hölzern und leblos sind – aber als Gedankenexperimente definitiv spannend und interessant und zum Nachdenken anregend. Walker beschreibt eine Deutschland-Vision voller Optimismus. Seltsam fand ich allerdings, dass fast alle Deutschen bei ihm auch in knapp 50 Jahren Vornamen haben wie die aktuelle Boomer-Generation 😉 Aber vielleicht hat er ja recht und Namen wie Horst, Klaus, Thilo, Fred, Dieter oder Gerd sind dann wieder en vogue.

Wer sind eigentlich die Menschen, die an Verschwörungserzählungen glauben? Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Alter, Geschlecht oder Ausbildung. Nur ein Kriterium ist den meisten Anhängern von Verschwörungserzählungen gemein: Sie haben in der Vergangenheit eine Form des Kontrollverlusts erlebt. Das kann zum Beispiel eine Trennung sein, der Verlust des Arbeitsplatzes oder ein Missbrauch, zudem sind Männer empfänglicher für solche Erzählungen als Frauen. Auch ein formal niedriger Bildungsgrad macht etwas anfälliger als ein hoher.

Es gibt Interkontinentalflüge, eine internationale Raumstation und ausgefeilte Modelle darüber, wie das Weltall aufgebaut ist. Und trotzdem sind zunehmend mehr Menschen davon überzeugt, dass die Erde flach ist. Wie kann das sein? Wie kann man Logik und Wissenschaft so derart hinter sich lassen? Menschen, die an Verschwörungsmythen glauben, werden auf jeden Fall nicht von logischen Argumenten überzeugt, ihre Annahmen gründen sich hauptsächlich auf psychologische Aspekte, auf das, was ihnen ein gutes Gefühl verschafft. Verschwörungstheorien geben unsicheren Menschen Halt und bieten Erklärungen und teilweise Entschuldigungen für die Dinge die in ihrem Leben schief gegangen sind.

Wie aktuell das Buch ist zeigen die Autorinnen, in dem sie auch auf die Mythen rund um Covid-19 präzise eingehen. Die absurden Thesen und Phänomene wie „Hygiene-Demos“ oder „Corona-Rebellen“. Dass Pandemien mit Verschwörungserzählungen einhergehen, ist kein neues Phänomen. Das gab es schon zu Zeiten der Pest oder auch der Spanischen Grippe. Covid-19 hat die Verschwörungsgläubigen in einen Rausch versetzt und die wirren Theorien verbreiten sich ähnlich rasant wie das Virus selbst.

„Während Verschwörungserzählungen in ihren Erklärungen oft deutlich komplizierter sind als der tatsächliche Ablauf eines Ereignisses, reduzieren diese Erzählungen zugleich die Komplexität auf der Ebene der Verantwortlichkeiten beziehungsweise der Gründe, warum etwas so und nicht anders passiert ist“

„Dadurch, dass ein Mensch an etwas glaubt, das gängigen Erklärungsmustern widerspricht, kann er auch sein Bedürfnis danach befriedigen, sich einzigartig zu fühlen und sich von der Masse abzuheben“

„Insbesondere in rechtsextremen Kreisen“, betonen die Autorinnen, „wurden Erklärungsansätze für die Coronakrise mit antisemitischen Ideologien angereichert“. Die Holocaustleugnung stellt nach wie vor eine zentrale Verschwörungstheorie in der extremen Rechten dar. Was aber nicht bedeutet, dass linke Kreise gegen Verschwörungstheorien gefeit sind, wie sie am Beispiel der Blockupy-Bewegung belegen. Sie waren auch unterwegs auf einer Esoterik-Messe in einer Freimaurerloge in Berlin-Wilmersdorf und stellen die 1997 in Zentralrussland gegründete Anastasia-Siedlerbewegung vor, eine ganz besondere Spezies im Sumpf der braunen Verschwörungsideologien, die sich später auch im deutschsprachigen Raum ausbreitete.

Katharina Nocun und Pia Lamberty haben einen sehr guten, umfassenden Überblick entworfen, über das Phänomen der Verschwörung und seine Entwicklung, Empfehlenswert!

Der ambitionierte Titel dieses Buches legt die Messlatte für den Autor Patrick Dixon hoch. Der Arzt und ehemalige Krebsspezialist gründete die internationale Aids-Agentur ACET, die Programme in 18 Ländern unterhält. Er ist zudem Gründer von Global Change Ltd, einem Unternehmen für Wachstumsstrategien und -prognosen, und zählt Giganten wie Google, Microsoft oder auch die eine oder andere Weltbank zu seinen Kunden.

Er hat also durchaus das Rüstzeug, um Prognosen für die Zukunft zu wagen, die von Technologie, Demografie, zu Politik, Gesundheitswesen und sozialem Wandel reichen. Von dem was aktuell als Innovationen in der IT Branche gefeiert wird, hält er wenig. Die Verbindung zwischen unseren Gehirnen und Geräten ist viel zu schwerfällig und langsam. Unsere Lese- und Tippgeschwindigkeiten sind sogar gesunken und erst,, wenn es hirngesteuerte Displays gibt oder auch Steuerungen durch Gesten wird es zu einem wirklichen Wachstum unserer Hirnschnittstellen kommen.

Menschen sind dann selbst Teil des so genannten „Internets der Dinge“, ein Trend, der seiner Ansicht nach noch weiter zunehmen wird. Geräte zur Radiofrequenz-Identifikation (RFID) werden von Menschen unter die Haut gespritzt, um Zugang zu sicheren Einrichtungen zu erhalten, während tragbare Geräte zur Überwachung von Gesundheitsindikatoren, „Wearables“, weite Verbreitung finden werden.

Diese Entwicklungen haben aber auch Schattenseiten. Hacking wird eine zunehmend größere Bedrohung werden. Was passiert, fragt Dixon, wenn sich ein Terrorist in 100.000 fahrerlose Autos hackt, während sie auf der Straße sind? Ein durchschnittliches autonomes Fahrzeug enthält bereits jetzt 60 Prozessoren und 10 Millionen Zeilen Softwarecode. Der Schaden den ein solcher Angriff auslösen würde, wäre unvorstellbar groß.

Die Bedrohung durch einen Cyber-Krieg zieht sich durch das ganze Buch. Abgesehen von terroristischen und kriminellen Angriffen könnte es auch zu riesigem Chaos kommen, durch gezielte Angriff auf das Bankwesen, in der Telekommunikation, Energiewirtschaft und auf andere Versorgungseinrichtungen.

Auf der einen Seite wird der medizinische Fortschritt den Menschen eine höhere Lebenserwartung bringen, wobei Dixon sich mit einer möglichen Lebenserwartung von 140 Jahren für die heute Geborenen meines Erachtens ganz schön aus dem Fenster lehnt. Auf der anderen Seite wird das Klonen von Menschen technisch machbar sein und große ethische Bedenken aufwerfen. Wir sind bereits kurz davor, ausgestorbene Tiere zu klonen, indem wir Gene in gefrorenem Gewebe verwenden. Ein an Krebs sterbendes Kind könnte „wiederhergestellt“ werden, so dass die Eltern einen eineiigen Zwilling zur Welt bringen können.

„Scientists have also created a goat with genes from a spider, so that spider web proteins are excreted into the milk. These proteins can be extracted to create a kind of textile fibre which is highly elastic and alsmost as strong as Kevlar“

Paradoxerweise ruiniert der Wohlstand aber auch unsere Gesundheit. Eines von drei Kindern, die heute in New York geboren werden, wird aufgrund von Übergewicht im Laufe seiner Kindheit an Diabetes erkranken, so Dixon. Da im Jahr 2030 etwa 50 Prozent der Weltbevölkerung stark übergewichtig sein werden, wird eine neue Lebensmittelindustrie entstehen, die Anti-Food verkauft – Lebensmittel, die aus Molekülen bestehen, die der Körper nicht verdauen kann und die den Körper durchlaufen, so dass die Menschen essen können, ohne tatsächlich Nährstoffe und Kalorien zu sich zu nehmen.

Dixon beendet das Buch mit einem Kapitel über Werte und Ethik. All die großartige neue Technologie bedeutet gar nichts, wenn die Menschen den Sinn im Leben verlieren. Wenn die Menschen Zeit und Geld haben, wird diese Sinnsuche zunehmen und großen Einfluss auf Unternehmen und die Gesellschaft haben.

Glück ist nicht an ein hohes Einkommen gebunden – Menschen mit mittlerem Einkommen, die gute Freunde, einen liebevollen Partner, einen Beruf oder ein Hobby haben, das ihnen Spaß macht, werden weiterhin am zufriedensten sein. Interessanterweise sind die glücklichsten Menschen und die, die am Optimistischsten in die Zukunft blicken, aktuell diejenigen, die in Afrika leben.

Ein interessanter Blick in die Zukunft, stellenweise ging mir die Selbstbeweihräucherung des Autors und seine religiös-konservative Sicht auf die Welt etwas auf die Nerven.

Ich bin kein großer Krimi-Fan, ab und an habe ich aber mal Lust darauf, aber eher selten. Wenn, dann darf es gerne ab und zu ein Wissenschaftskrimi sein und vor ein paar Jahren hatte mich „Blackout“ von Marc Elsberg sehr begeistern können. Daher möchte ich den ersten Teil meiner Hirngymnastik „Zukunft“ gerne mit einem Techno-Thriller beenden bei dem der gläserne Mensch im Zentrum des Geschehens steht.

„Daten sind das Gold der Zukunft

„Die Menschen lebten ganz gut ohne Privatsphäre, bis sie ein raffinierter Anwalt vor 100 Jahren erfand. – Er erfand sie nicht, sie wurde bloß damals in die Gesetze aufgenommen. Gesetze kommen und gehen, die Privatsphäre wohl auch

London. Bei einer Verfolgungsjagd wird ein Junge erschossen. Sein Tod führt die Journalistin Cynthia Bonsant zu der gefeierten Internetplattform Freemee. Diese sammelt und analysiert Daten – und verspricht dadurch ihren Millionen Nutzern ein besseres Leben und mehr Erfolg. Nur einer warnt vor Freemee und vor der Macht, die der Online-Newcomer einigen wenigen verleihen könnte: ZERO, der meistgesuchte Online-Aktivist der Welt. Als Cynthia anfängt, genauer zu recherchieren, wird sie selbst zur Gejagten. Doch in einer Welt voller Kameras, Datenbrillen und Smartphones kann man sich nicht verstecken …

Spannend, erschreckend und immens informativ – Marc Elsberg bleibt eine gute Adresse für rasante wissenschaftliche speculative fiction.

Das war der erste Schwung Bücher für die Hirngymnastik „Zukunft“ – ich hoffe ihr habt Lust auch beim zweiten Teil der Hirngymnastik dabei zu sein.

Meine Woche

Gesehen: The Devil’s Doorway (2018) von Aislinn Clarke. Im Herbst 1960 werden Pater Thomas Riley und Pater John Thornton vom Vatikan ausgesandt, um ein wundersames Ereignis in einem irischen Heim für „gefallene Frauen“ zu untersuchen, nur um etwas viel Schrecklicheres aufzudecken.

Gehört: Diana – Chelsea Wolfe, I am woman – Helen Reddy, O Antonis – Maria Farantouri, Einmal sehen wir uns wieder – Lale Andersen, Ein Schiff wird kommen – Dalida, Lady D’Arbanville – Cat Stevens, Der Mond ist aufgegangen – Tangerine Dream, Somebody to love – Valerie June, Hiraeth – Karin Park & Lustmord, Cello Concerto in D minor, RV 407 – Antonio Vivaldi, Elementals – Paulina Fae

Gelesen: Reden bedeutet Risiko, diesen Artikel über Society Re-Entry, dieses Interview mit Kelly Marie Tran, Every child on their own trampoline, Jill Lepore on Burnout, Ezra Klein interviews Ted Chiang, What happens when investment firms acquire trailer parks

Getan: im Strandkorb auf die Ostsee geschaut, Lübeck bewundert, gelaufen und etwas Yoga gemacht, meinen Geburtstag ganz wunderbar romantisch am Bistensee gefeiert

Gegessen: jede Menge Fisch

Gefreut: über die vielen lieben Glückwünsche zu meinem Geburtstag und die tollen Geschenke

Geweint: nein

Geärgert: nö

Geklickt: Awesome, Hypnotic Photos of Swirling, Crystal Chemistry

Gestaunt: Earth restored und über diesen Parasite who drugs his host

Gelacht: How I’m arguing in 2021: You’re right, goodbye.

Gewünscht: diese Whisky-Gläser, dieses Radio

Gefunden: nix

Gekauft: Bücher, Niederegger Marzipan und ne Pulle Helbing

Gedacht: Ignorance allied with power is the most ferocious enemy justice can have //James Baldwin

Meine Woche

Gesehen: Revenge (2017) von Coralie Fargeat mit Mathilda Anna Ingrid Lutz und Kevin Janssens. Ein romantisches Wochenende verwandelt sich in eine tötliche Menschenjagd. Brutal, fesselnd und tolle Bilder.

After Midnight (2019) von Jeremy Gardner & Christian Stella mit Jeremy Gardner und Brea Grant. Rom Com mit Monster hat mir überraschend gut gefallen.

The Wild Boys (2017) von Bertrand Mandico. Surreal fiebrige Verfilmung des gleichnamigen Romans von William S. Burroughs. Die Jungs wurden allesamt von Mädchen gespielt und ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal derart viele Penisse sah. Durchgeknallt klasse.

Gehört: Dance like Machines – Brodinksi, Like I used to – Sharon Van Etten & Angel Olson, Blank Page – Smashing Pumpkins, Take me home Country Roads – Brandi Carlisle, Concerto for String Orchestra – Grażyna Bacewicz, Prelude and Fugue BWV 894 – (J. S. Bach) Kit Armstrong, Prism – I like trains, Belly Call – Slut, If it happens – We were promised Jetpacks

Gelesen: Was heißt heute links sein, Horror and working class identity, Saudi Arabien baut eine lineare Stadt, dieses Interview mit Alison Bechdel, We’re going to radically transform our cities, Deadly Fungi Are the Newest Emerging Microbe Threat All Over the World, David Graeber: After the pandemic we cannot go back to sleep, How the Pentagon started to take U.F.O.s seriously

Getan: viele Videocalls, gelaufen, zu wenig Yoga gemacht, zum Frisör gegangen, einen Cappuccino draußen im Café getrunken, mit lieben Freunden gegessen und gequatscht

Gegessen: Feuriges Ofengemüse

Gefreut: Forstämter pflanzen 1,6 Millionen Bäume im Harz

Geweint: über das Gondelunglück in Italien

Geärgert: wie kompliziert Mobilnummern-Portierung 2021 immer noch ist und ich jetzt eine Woche nicht angerufen werden kann

Geklickt: A message from the future, How to stop worrying what other people think about you, über ein Familienunternehmen das nach 1400 Jahren aufgelöst wurde, Window Swap, Travel remotely, How to pretend you are in Dakar for the day, How Working From Home Changed Wardrobes Around the World

Gestaunt: ein Haus das dem Lauf der Sonne folgt, über diese Tiefsee-Bewohner, Smart magnetic soft materials to develop artificial muscles and therapeutic robots, Nordic Pavilion at Venice Architecture Biennale is a full-scale co-housing model, Enhancing Photo Realisms Enhancement, Elon Musk hat eine Schule gegründet und über diese versehentliche Entdeckung

Gelacht: Erwischt

Gewünscht: einen Hydrokultur Garten, dieses Model, dieses Gewächshaus

Gefunden: nix

Gekauft: nein

Gedacht: What you risk revals what you value //Jeanette Winterson

Meine Woche

Gesehen: Tropical Malady (2014) von Apichatpong Weerasethakul. Thailändischer Film über zwei junge Männer die sich in einander verlieben und ein Tiger der die Gegend unsicher macht. Surreal, fiebrig, skurril – hat mir sehr gefallen.

Contagion (2011) von Steven Soderbergh mit großer Starbesetzung. Zum (hoffentlich) absehbaren Ende der Pandemie, ein packender Pandemie-Thriller mit teilweise überraschend treffenden Beschreibungen „unserer“ Pandemie. Sehenswert.

Gehört: The Mother Road – Chelsea Wolfe, Worry with you – Sleater-Kinney, Californian Soil – London Grammar, All is violent, all is bright – God is an Astronaut, Asymmetry + Tommorowd – 65daysofstatic, Menneskekollektivet – Lost Girls, Sounds of Blue – Morcheeba, Silk Road – Kitaro, Down– St. Vincent

Gelesen: der Preis der Autonomie im Homeoffice, die verachtete Jugend, do coronavirus genes slip into human chromosomes? Caring about who cares, Geschlechterklischees machen auch vor dem Tod nicht halt, der Israel-Palästina-Konflikt verständlich erklärt, James Suzman: Weniger arbeiten, öfter faulenzen, über die wunderbare Beziehung von Sarah Paulson und Holland Taylor, The miracle of the commons, Sarah Schurmanns offener Brief zur Klimakrise

Getan: viele Videocalls, gelaufen, Yoga gemacht, ausgeschlafen am Feiertag, EIN RESTAURANT BESUCHT und mit lieben Freundinnen zu Abend gegessen

Gegessen: Saltimbocca und selbstgebackenes Brot

Getrunken: Rose

Gefreut: Forest the size of France regrown worldwide over 20 years, swearing-in ceremony at the Scottish Parliament, resisting an immigration raid in Glasgow

Geweint: nein

Geärgert: über den drohenden Krieg in Israel

Geklickt: NY lawmakers want to ban Bitcoin mining for 3 years to study environmental impact, Proving the ‘shifting baselines’ theory: how humans consistently misperceive nature, Nature reclaims abandoned structures, auf diesen Artikel über Seesterne und Holzarchitektur gegen die Klimakrise

Gestaunt: Nuclear reactions are smoldering again at Chernobyl, A New Brain Implant Translates Thoughts of Writing Into Text, Arabian cult may have built 1000 monuments older than Stonehenge, We now have the technology to develop vaccines that spread themselves, 3 D printed Wood

Gelacht: Vaccine research vs anti-vaccine research

Gewünscht: diese Terrasse, dieses Bild, diese Bettwäsche

Gefunden: nix

Gekauft: Brand Eins

Gedacht: We’ve begun to raise daughters more like sons…but few have the courage to raise our sons more like our daughters //Gloria Steinem

From Paris with Love

Mit dem Schiff von Havanna nach Frankreich und dann per TGV nach Paris – bequemer und perfekter geht es gar nicht. Draußen zischt die Welt vorbei und drinnen sind wir in unserer Lese-Bubble und tauchen ein in meinen Bücherkoffer. Ganz bin ich nicht durchgekommen, aber für einen Coup de Chapeau hat es immerhin gereicht.

Begonnen haben wir unsere Stadtführung mit Roland Barthes „Der Eiffelturm“ – ein dünnes wunderschönes Bändchen, das einen perfekt einstimmt auf die Paris-Woche. In seinem Essay betrachtet Barthes liebevoll eines der beliebtesten Symbole der Welt. Er entdeckt den Eiffelturm für uns auf ganz neue Art, macht ihn sicht- und greifbar.

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Es macht Spaß, mit Barthes gemeinsam die Welt zu entdecken, macht mir mit diesem Essay Lust, noch mehr von der Welt durch seine Augen zu entdecken. Er schreibt charmant, bleibt zugänglich bei gleichbleibend hohem Niveau und hat Humor . Ich liebe Barthes‘ Exaktheit in der Betrachtung und seine Ästhetik.

Der Eiffelturm ist so sehr Sinnbild für Paris geworden, dass man sich partout nicht vorstellen kann, wie groß die Ablehnung war, als der Turm anlässlich der Weltausstellung 1887 gebaut wurde. Es gab unzählige Proteste, eine Gruppe Künstler entwarf gar einen Protestbrief der in der Zeitschrift „Le Temps“ veröffentlicht wurde und der die Welt vor der unfranzösischen „tragischen Straßenlaterne“ bewahren sollte:

„Wir, Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Architekten und leidenschaftliche Liebhaber der bis jetzt noch intakten Schönheit von Paris, protestieren hiermit mit all unserer Kraft und aus all unserer Empörung, im Namen des falsch verstandenen französischen Geschmacks, im Namen der Kunst und der bedrohten französischen Geschichte, gegen die Errichtung des nutzlosen und monströsen Eiffelturms im Herzen unserer Hauptstadt, den die Bösartigkeit der Öffentlichkeit – die oft über gesunden Menschenverstand und Gerechtigkeitssinn verfügt –, bereits den ‚Turm zu Babel‘ nennt.“

Wer damit leben kann, in einer Schlange zu stehen, dieses Büchlein hat die perfekte Anstehlänge und ist sicherlich das Beste und Anspruchsvollste, womit man sich die Zeit vertreiben kann, bis man von oben die Aussicht über die Stadt der Liebe bewundern kann.

Mit Djuna Barnes Biografie ausgestattet sind wir dann durch das Paris der 20er Jahre spaziert. Das ist die Zeit, die ich wohl wählen würde, sollte mich eine Zeitreisemaschine mal per Anhalter mitnehmen.

Djuna Barnes (1892 – 1992) war eine bekannte Persönlichkeit der Pariser Left Bank und in lesbischen Kreisen der Zwanziger und Dreißiger Jahre. Fields Autobiografie beschäftigt sich ausführlich mit Barnes Familienleben, ihrer Herkunft und es ist vielleicht auch notwendig, soviel über ihre Wurzeln zu erfahren, um die Schriftstellerin, Journalistin, Dichterin besser verstehen zu können.

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Foto: Rhys Tranter

Heute ist sie hauptsächlich für ihren Roman „Nightwood“ bekannt, den ich ehrlich gesagt nie fertig gelesen habe, da ich damals zumindest partout keinen Zugang zu dem Werk gefunden habe. Bei einem der vielen Umzüge ist mir „Nightwood“ leider abhanden gekommen, es wäre die passende Begleitlektüre gewesen. Trotz meiner Schwierigkeiten mit ihrem Werk (bei ihren Gedichten tue ich mich sichtlich leichter) übt Barnes auch heute noch eine ziemliche Faszination auf mich aus.

Die Biografie ist die faszinierende Dokumentation einer inspirierenden Persönlichkeit, die eine Vorreiterin des modernen Feminismus war in vielerlei Hinsicht. Die Frauen der Left Bank, zu denen auch Djuna Barnes gehörte, glaubten an ihr Recht auf kreative Selbstbestimmung und auf ihr Recht so zu leben, wie sie es für richtig hielten.

Wer speziell an Djuna Barnes interessiert ist, dem kann ich Andrew Fields‘ Biografie empfehlen, wobei ich ihn stellenweise dröge fand. Zugänglicher und spannender geschrieben fand ich Andrea Weiss‘ Buch „Paris was a Woman„, das ich vor einigen Jahren gelesen habe.

Natürlich kann man nicht durch Paris spazieren ohne den Cafés einen Besuch abzustatten, die Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre, Albert Camus und all die anderen aus der Existentialisten-Clique frequentierten. Ein literarischer Spaziergang entlang der rive gauche ist natürlich auch für uns ein absolutes Muss.

Nach so viel Spaziergang musste dann aber jetzt dringend ein Glas Rotwein und eine Baguette her. Wie gut, dass die Muenchner Kuechenexperimente stets genau dann Proviant hervorzaubern können, wenn die Truppe schon halb am verhungern ist:

Zutaten für 2-3 Baguettes (je nach Größe):

500 g Weizenmehl

350 ml lauwarmes Wasser

10g frische Hefe oder 1 Päckchen Trockenhefe (ich habe Trockenhefe genommen)

1,5 TL Salz

Zubereitung:

Alle Zutaten miteinander vermengen und in der Küchenmaschine zu einem glatten Teig kneten. Den Teig abgedeckt 1 Stunde lang bei Zimmertemperatur gehen lassen.

Anschließend in 2 oder 3 gleichgroße Stücke teilen, je nachdem, wie groß ihr eure Baguettes haben wollt. Ich habe 2 Stücke draus gemacht. Die Stücke jeweils zu gleich langen Rollen formen und entweder auf ein Baguette-Backblech oder ein mit Backpapier ausgelegtes normales Backblech geben. Die Baguettes nochmal 30 Min. gehen lassen. Mit einem Messer anschließend mehrfach schräg leicht einschneiden. 

Den Backofen auf 230 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Auf die unterste Stufe eine Fettpfanne einhängen, die mit Wasser gefüllt ist. Diese kurz mit aufheizen lassen. Das Blech mit den Baguettes auf zweite Schiene von unten einhängen und für 10 Minuten backen. Dann die Fettpfanne mit Wasser entfernen und die Baguettes nochmal für 10 Minuten weiter backen

Unsere Film-Empfehlung für das passende Paris-Feeling ist Amélie:

Morgen geht es mit dem TGV weiter nach Brüssel. Wir hoffen, ihr seid wieder dabei ?

Meine Woche

Foto: Ariil Davydov

Gesehen: Run (2020) von Aneesh Chaganty mit Sarah Paulson und Kiera Allen. Chloe, die im Rollstuhl sitzt, wird von ihrer Mutter Diane zu Hause unterrichtet. Chloe beginnt irgendwann zu vermuten, dass ihre Mutter ein dunkles Geheimnis hat. Spannend.

As above, so below (2014) von John Erick Dowdle mit Perdita Weeks. Mischung aus Tomb Raider und Gonnies gone Paris mit einer Prise Horror die irgendwie nicht wirklich gelungen ist. Habe mich ziemlich gelangweilt.

Fleabag (2016) Season 1 von und mit Phoebe Waller-Bridge und Olivia Coleman. Bitterböse und wirklich witzige Show um eine junge Frau die mehr oder weniger chaotisch ihren Alltag in London meistert. Wirklich sehenswert.

Gehört: Sleep Walk – Marissa Nadler, I feel you everywhere – Austra, Serotonin – Girl in Red, Club der Liebenden – Klee, Isn’t Everyone – Health & Nine Inch Nails, The Dream – Motion Sickness of Time Travel, Isolering -Northumbia, One Year of KeithFem – Angstkiste, Earthlight – Polly Fae, Insight – Dobrinka Tabakova

Gelesen: Mai Thi Nguyen-Kim – Wissenschaft ist keine Demokratie, Why I am not a maker, The weird science of the placebo effect, In defense of doing nothing, Uncovering The Lost Works Of Female Renaissance Artists, The Newsletter Boom, 300 Years before Substack

Getan: eine Radltour zum Starnberger See gemacht, auf dem Balkon gegrillt, unseren Urlaub organisiert (Ostsee + Spreewald), eine Büro-Zukunftswerkstatt besucht, gelaufen und Yoga gemacht.

Gegessen: Aprikoseneis

Gefreut: über das sonnige Wochenende und diese Webseite auf der man einen Sofort-Impftermin bekommt und so Impfstoff nicht verfällt

Geweint: nein

Geärgert: nein

Geklickt: auf CityGuesser – in einer Stadt rumlaufen und raten wo man ist, auf das „Learn Your Philosophical Beliefs“ Quiz, auf diese Stellenanzeige: MI6 sucht einen neuen Q

Gestaunt: über diese Frucht die aussieht wie ein explodierter Planet und aus Biertreber wird Brot

Gelacht: Honey I shrunk the Carters und über diese Logik

Gewünscht: dieses Haus, diese Vase, diese Sporttasche

Gefunden: eine Ladung toller Bücher im Bücherschrank

Gekauft: nix

Gedacht: You can tell more about a person by what he says about others than you can by what others say about him //Audrey Hepburn