Meine Woche

Gesehen: Blue My Mind (2017) von Lisa Brühlmann mit Luna Wedler. Coming-of-Age Body Horror. Die 15jährige Mia erfährt eine überwältigende Veränderung, die ihre gesamte Existenz in Frage stellt. Ihr Körper verändert sich radikal, und trotz verzweifelter Versuche, den Prozess aufzuhalten, ist Mia bald gezwungen zu akzeptieren, dass die Natur viel mächtiger ist als sie selbst.

Into the Night Season 2 (2021) von Jason George mit Pauline Etienne. Belgische apokalyptische SciFi Serie um eine Gruppe von Menschen die versuchen tötliche Sonnenstrahlung zu überleben. Düster und spannend.

Gehört: Blue my mind Soundtrack, Light End – Minru, I am you – Principe Valiente, Riverbed – Matt Ryder ft Birdy, Piggy – St. Vincent

Gelesen: Do we need a new theory of evolution?, The 7 types of rest that every person needs, The future of remote work, Naomi Oreskes zum Klimawandel und warum es fatal ist nur auf den Markt zu setzen, diesen Artikel über Waldorfschulen, Maria Konnikova on the limits of friendship

Getan: mit der Bingereader Gattin Geburtstag gefeiert in der Werdenfelserei, durch die Partnach Klamm gewandert, geschwommen und viel gelesen

Gefreut: der kleine Neffe ist zum ersten Mal geschwommen

Geärgert: über das unfassbare Urteil für Brittney Griner

Getrauert: um Nichelle Nichols die unsterbliche Lt. Ohura – RIP 😦

Gegessen: Schnitzel

Geklickt: A history of illustration through the images, illustrators and events of the past 175 years und Reading Outdoors

Gestaunt: über die Cartwheel Galaxy

Gelacht: When a man wants to tell a woman how to do things

Gewünscht: diesen Wasserhahn, diese Hose, diesen Sessel

Gefunden: nix

Gekauft: Bücher

Gedacht: When you hit a wrong note, it’s the next note that makes it good or bad. // Miles Davis

Lektüre Juli 2022

Im Juli waren wir mit lieben Freund*innen in Berlin zum Billie Eilish Konzert und haben es auch fast bis auf die Pfaueninsel geschafft, leider fiel unser Besuch dort für den ich das Buch als Berlin Lektüre dabei hatte im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Es fing so unfassbar heftig an zu regnen, dass wir die Fähre ohne uns fahren liessen und uns ins Wirtshaus zur Pfaueninsel flüchteten, in der Hoffnung es läßt nach. Tat es aber nicht. Dafür habe ich aber sehr liebe Freundinnen in Berlin getroffen, das hat mich dann wieder versöhnt und wir haben sogar einen kleinen Ausflug in den Spreewald gemacht.

Ansonsten war der Juli sehr heiß, von leider vielen Bruder-Dramen geprägt, ich war aber auch ganz wunderbar mit dem kleinen Neffen Karussell fahren, habe eine Arbeitswoche im Rheinland verbracht und habe daher viel in Zügen, in Hotelzimmern, auf dem Balkon und im kühlen Bettchen gelesen. War ein guter Lesemonat.

Den Anfang machen zwei Bücher, die ich von lieben Freund*innen bekommen habe, die literarisch Abhilfe oder zumindest doch Unterhaltung für meine schlaflosen Nächte schaffen sollten:

Anders Bortne – Schlaflos übersetzt von Sabine Richter erschienen im Mairisch Verlag

Anders Bortne leidet seit 16 Jahren an Schlaflosigkeit. Viele Nächte schläft er überhaupt nicht, manchmal findet er für wenige Stunden Ruhe auf der Couch. Teilweise ist er so müde, dass er seine Kinder nicht im Auto zur Kita bringen kann, aus Angst davor, am Steuer einzuschlafen. Wie er selbst leiden auch seine Familie und sein Umfeld unter seinen Stimmungsschwankungen. Bortne erkennt, dass es so nicht weitergeht, er will eine dauerhafte Lösung für sein Schlafproblem finden und zwar ohne Medikamente.

Und so nimmt uns der Autor mit auf eine Odyssee, bei der er Wissen über Schlaf und Insomnie aus der ganzen Welt zusammenträgt, Ärzte und Schlafforscher besucht und an deren Ende er wirklich eine Lösung für seine Schlafprobleme findet. Ein klug und unterhaltsam erzähltes Buch für alle, die ihren Schlaf besser verstehen und vielleicht endlich einmal wieder fest schlafen möchten.

Habe ich sehr gerne gelesen und auch den einen oder anderen Tipp für mich in den Alltag integriert.

Alle anderen schlafen, jede Nacht, das ganze Leben über. Fünf Stunden, sechs, sieben, acht, neun…
Wäre es nicht Schlaf, sondern Essen, das mir so über sechzehn Jahre hinweg genommen worden wäre, würde ich jetzt aussehen wie eine wandelnde Leiche.

Bernd Brunner – Das Buch der Nacht erschienen im Galiani Verlag

Bernd Brunner streift durch die wundersamen Stunden zwischen Dämmerung und Morgengrauen und beleuchtet unser Verhältnis zur Nacht auf dem Grenzgebiet zwischen Geschichte, Mythologie, Biologie und Literatur.

Jahrtausendelang gab die Natur einen festen Rhythmus vor. Am Tag herrschte rege Geschäftigkeit – doch nach Sonnenuntergang sank alles in die Welt des Schlafs und der Träume. Nur nachtaktive Geschöpfe und leidenschaftliche Noctivaganten wie Goethe, der bei Mondschein schwimmen ging, genossen die Dunkelheit.

Echte Finsternis finden wir heutzutage nur an entlegenen Orten oder paradoxerweise in künstlich geschaffenen Umgebungen, die den Tag zur Nacht machen: Nachttierhäuser oder Dunkelrestaurants, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

In Bernd Brunners »Buch der Nacht« begegnen wir mystischen Nachtgestalten, Aberglaube und Bräuchen und begeben uns auf eine Entdeckungsreise, die uns darüber staunen lässt, welche Geheimnisse die Nacht bis heute birgt.

Für den Schriftsteller Alberto Manguel entwickeln die Bücher seiner Bibliothek bei Nacht „Stimmen“, die viel über die Welt, den Platz der Bücher in derselben sowie die Menschen erzählen, die die Bücher geliebt, verteufelt, verbannt oder sogar verbrannt haben. „Bei Licht lesen wir das, was andere ersonnen haben; in der Dunkelheit erfinden wir unsere eigenen Geschichten.“ Und er schrieb: „Die Bibliothek, die in den Morgenstunden die Sehnsucht nach einer streng an Vernunftprinzipien orientierten Weltordnung widerspiegelt, taucht nachts voller Freude ein in das elementare, fröhliche Durcheinander der Welt.“

Emily M. Danforth – Plain Bad Heroines erschienen im William Morrow Verlag mit Illustrationen von Sara Lautman

Mein Hörbuch diesen Monat. Hat mir richtig gut gefallen. Ein düster atmosphärisches Sommerbuch, eine seltene Kombination.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1902 an der Brookhants School for Girls. Flo und Clara, zwei Schülerinnen, sind hin und weg: voneinander und von einer spannendenden jungen Schriftstellerin namens Mary MacLane, deren Werk sie verschlingen. Um ihre Verehrung für Mary zu zeigen, gründen die Mädchen ihren eigenen Club und nennen ihn „The Plain Bad Heroine Society“. Sie treffen sich heimlich in einer nahe gelegenen Apfelplantage, dem Ort an dem sie die schönsten Stunden erleben, am Ende aber leider auch auf schreckliche Weise zu Tode kommen. Ihre Leichen werden neben einem Exemplar von Marys Buch gefunden wo sie Opfer eines Schwarms von wütenden Wespen wurden. Weniger als fünf Jahre später schließt die Brookhants School for Girls für immer ihre Pforten – nach dem drei weitere Menschen auf mysteriöse Weise auf dem Gelände sterben, jede auf höchst beunruhigende Weise.

Eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte und mit wunderbaren Schwarz-Weiß-Illustrationen die ich zum Glück im Internet finden konnte, die beim Hörbuch natürlich fehlen. Toller Sommer-Gothic-Noir-Thriller mit einigen gruseligen Momenten, einem leider etwas schwachen Ende und nach der Lektüre hat man noch weniger Lust auf Wespen als eventuell vorher schon.

Emily M. Danforths erstes Buch „The Miseducation of Cameron Post“ wurde ein riesiger Erfolg der auch verfilmt wurde – Buch und Film stehen ganz weit oben auf meiner Liste…
Große Lust hat mir der Roman auch auf Mary MacLanes Buch „Ich erwarte die Ankunft des Teufels“ – würde sich sicherlich perfekt in Kombination mit „Plain Bad Heroines“ lesen.

Eleanor Faderman knew many books. But never before had she read a book that seemed to know her.

Adeline Dieudonné – Bonobo Moussaka übersetzt von Sina de Malafosse erschienen im dtv Verlag

Weihnachten ist das Fest der Familie. Daher nimmt sie ihre beiden Kinder mit zu ihrem Cousin, der die alleinerziehende Mutter großmütig eingeladen hat, sich mit seiner Musterfamilie und der Familie eines befreundeten Bankers an den üppig gedeckten Tisch zu setzen. Ein Essen in seliger Eintracht? Nicht ganz … Denn lauscht man dieser jungen Frau von heute (die Adeline Dieudonné gar nicht so unähnlich ist), offenbart sich, was sie angesichts der virulenten Themen unserer Gesellschaft fühlt und denkt. Doch sie wird sich nicht unterkriegen lassen. Schließlich hat sie zwei Kinder in diese Welt gesetzt und wird alles dafür tun, dass sie eine Zukunft haben.

Selten wechseln Lachanfälle und Momente in denen einem krass das Lachen im Hals stecken bleibt so rasant wie in diesem kleinen Büchlein. Definitiv eines das noch lange nachhallt und sich hartnäckig in den Gehirnwindungen festsetzt und von dem ich sicher bin, dass es demnächst auf der Theaterbühne zu sehen sein wird.

Lustigerweise entspricht das Haus genau der Definition von einem „sehr hübschen Haus am Stadtrand“. Es würde sich sehr gut auf dem Werbebanner einer Immobilienfirma machen, die eine neue Wohnsiedlung plant. Auf mich macht das Haus allerdings eher einen eher traurigen Eindruck

Viktor E. Frankl – Man’s search for meaning auf deutsch unter dem Titel „Trotzdem ja sagen zum Leben“ im Penguin Verlag.

Mehrere Jahre musste der österreichische Psychologe Viktor E. Frankl in deutschen Konzentrationslagern verbringen. Doch trotz all des Leids, das er dort sah und erlebte, kam er zu dem Schluss, dass es selbst an Orten der größten Unmenschlichkeit möglich ist, einen Sinn im Leben zu sehen. Seine Erinnerungen, die er in diesem Buch festhielt und die über Jahrzehnte Millionen von Menschen bewegten, sollen weder Mitleid erregen noch Anklage erheben. Sie sollen Kraft zum Leben geben.

Viktor E. Frankl, geboren 1905, war Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Universität Wien und Professor für Logotherapie u. a. in San Diego, Kalifornien. Er war Inhaber von 29 Ehrendoktoraten, und seine Bücher wurden in 22 Sprachen übersetzt. Die Erinnerungen an seine Zeit im Konzentrationslager – haben seit Erscheinen 1946 Millionen von Lesern bewegt. Viktor E. Frankl starb 1997 in Wien.

Wir haben das Buch gemeinsam im Bookclub gelesen und sind gemeinsam zu dem Schluß gekommen, dass das wirklich eines der wichtigsten Bücher unserer Zeit ist. Unfassbar wieviel ein Mensch aushalten kann.

Everything can be taken from a man but one thing: the last of the human freedoms—to choose one’s attitude in any given set of circumstances, to choose one’s own way.

Thomas Hettche – Pfaueninsel erschienen im Kiepenheuer & Witsch Verlag

Eine Insel außerhalb der Zeit

Die Pfaueninsel in der Havel ist ein künstliches Paradies. In seinem opulenten, kundigen und anrührenden Roman erzählt Thomas Hettche von dessen Blüte, Reife und Verfall aus der Perspektive des kleinwüchsigen Schlossfräuleins Marie, in deren Lebenslauf sich die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts verdichtet.Es mutet an wie ein modernes Märchen, denn es beginnt mit einer Königin, die einen Zwerg trifft und sich fürchterlich erschrickt. Kaum acht Wochen nach dieser Begegnung auf der Pfaueninsel, am 19. Juli 1810, ist die junge Königin Luise tot – und der kleinwüchsige Christian und seine Schwester Marie leben fortan weiter mit dem entsetzten Ausruf der Königin: »Monster!« Damit ist die Dimension dieser Geschichte eröffnet.

Am Beispiel von Marie, die zwischen den Befreiungskriegen und der Restauration,zwischen Palmenhaus und Menagerie, Gartenkunst und philosophischen Gesprächen aufwächst und der königlichen Familie bei deren Besuchen zur Hand geht, erzählt Thomas Hettche von der Zurichtung der Natur, der Würde des Menschen, dem Wesen der Zeit und der Empfindsamkeit der Seele und des Leibes.Dabei geht es um die Gestaltung dieses preußischen Arkadiens durch den Gartenkünstler Lenné und um all das, was es bevölkerte: Palmen, Kängurus und Löwen, Hofgärtner, Prinzen, Südseeinsulaner, Riesen, Zwerge und Mohren – und es geht um die Liebe in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen.Thomas Hettche ist das Kunststück gelungen, mit dem historisch verbürgten Personal seiner Geschichte von uns Heutigen zu erzählen. Atmosphärisch, detailgetreu und voller Lust an der phantasievollen Ausschmückung.

Wundervoller Roman, der zurecht vor ein paar Jahren den Deutschen Buchpreis gewonnen hat. Habe ich sehr gerne gelesen und nun fehlt nur noch der Besuch auf der Pfaueninsel, aber das wird sicherlich irgendwann einmal klappen.

Alles Künstliche verschwand in dem Moment, in dem der Wille verschwand, es zu erhalten, und was eben noch modern gewesen war und Versprechen einer neuen Zeit, sank lautlos und kraftlos als Mode zurück ins Vergessen. Das Vergehen der Zeit, dachte sie, war ja vor allem ein Vergehen von Zukunft und ein Sieg der Vergangenheit.

Irene Vallejo – Papyrus. Die Geschichte der Welt in Büchern übersetzt von Maria Meinel und Luis Ruby erschienen im Diogenes Verlag

„Papyrus“ erzählt die Geschichte des Buches, eines Artefakts, das die Menschheit seit fast dreitausend Jahren fasziniert und das es in den unterschiedlichsten Formen gegeben hat: aus Rauch, Stein, Ton, Schilf, Seide, Leder, Holz und neu auch aus Kunststoff und Licht. Auf ihrer Entdeckungsreise führt uns Irene Vallejo von den Schlachtfeldern Alexanders des Großen und den Palästen der Kleopatra über die ersten Buchhandlungen bis in das unterirdische Labyrinth des heutigen Oxford und verbindet dabei gekonnt klassische Werke mit der Gegenwart: Seneca mit postfaktischer Wahrheit, Aristophanes mit der Provokation durch Karikaturen oder Sappho mit dem weiblichen Blick. Ein Sachbuch, das sich liest wie ein Abenteuerroman – und eine leidenschaftliche Hommage an die Welt der Bücher.

Die Leidenschaft des Büchersammlers gleicht der eines Reisenden. Jede Bibliothek ist eine Reise; jedes Buch ist ein Fahrschein mit unbegrenzter Gültigkeit. Alexander zog durch Afrika und Asien, ohne sich von seinem Exemplar der Illias zu trennen; Historikern zufolge suchte er darin Rat und nährte seine Sehnsucht nach höherer Bedeutung. Die Lektüre eröffnete ihm, wie ein Kompass, Wege ins Unbekannte

Große Empfehlung für alle Bücher-Verrückten und Menschen mit Interesse für die Antike. Eine außergewöhnliche Weltgeschichte die meine Leseliste wieder immens befüllt hat. Ein Buch das sich auch ganz wunderbar verschenken läßt.

Klaus Cäsar Zehrer – Das Genie erschienen im Diogenes Verlag

1886 landet der junge ukrainische Einwanderer Boris Sidis in New York. Er hat keinen Cent in der Tasche, aber einen brillanten Geist und den großen Ehrgeiz, die Welt von Dummheit und Krieg zu befreien – durch Bildung. Wenige Jahre später, Boris ist inzwischen Harvard-Absolvent und ein berühmter Psychologe, wird sein Sohn geboren. Boris will an ihm demonstrieren, dass sich jedes Kind zum Genie erziehen lässt, wenn es von Anfang an die richtige Förderung bekommt. Der Erfolg ist durchschlagend: Der kleine William James bricht alle Rekorde, macht mit acht Jahren seinen High-School-Abschluss und wird als »Wunderjunge von Harvard« gefeiert. Doch als Erwachsener hat William nur noch einen Wunsch: ein selbstbestimmtes Leben nach seinen Vorstellungen zu führen, auch wenn er dafür mit den Erwartungen seiner Eltern und der Gesellschaft brechen muss. Kein einfaches Ziel in einer Zeit, in der Unangepasstheit nicht sonderlich geschätzt wird und zwei Weltkriege sowie eine schwere Wirtschaftskrise die Welt erschüttern. Ein biographischer Roman über die faszinierende, wahre Lebensgeschichte des exzentrischen Genies William James Sidis (1898–1944), bewegend und verblüffend aktuell.

Am besten, dachte er, wäre es, wenn man für jede wiederkehrende Situation im Leben eine eindeutige Handlungsanweisung hätte. Dann müsste man nie mehr überlegen, was man tun soll und wie. Er nahm ein Notizbuch und schrieb auf, wie er sich künftig verhalten wollte.

Krasse Geschichte und hätte ich nicht gewusst, dass es sich um einen biografischen Roman handelt, ich hätte niemals geglaubt, dass irgendjemand sein Kind erzieht wie es Boris Sidis mit seinem Sohn gemacht hat. Habe ich ebenfalls sehr gerne gelesen und kann es absolut empfehlen.

Das war ein sehr guter Lesemonat mit keinerlei Enttäuschungen.

Welches der Bücher kennt ihr bereits, auf welches konnte ich euch Lust machen? Freue mich immer sehr, von Euch zu hören.

Meine Woche

Gesehen: And then we danced (2019) von Levan Akin mit Levan Gelbakhiani und Bachi Valishvili. Großartiger Film um ein georgisches Tanzensemble und die Liebesgeschichte zweier Tänzer.

His House (2020) von Remi Weekes mit Sope Dirisu und Wummi Mosaku. Haunted House Horror um ein Pärchen das aus dem Sudan nach England geflohen ist. Sehr bedrückend.

Gehört: Both Sides Now – Joni Mitchell, The 30th – Billie Eilish, Viola Concerto – Helmut Krausser, Jerusalem – Hubert Parry, Cruel Summer – Bananarama, Nothing – Santigold, Spitting off the end of the world – Yeah Yeah Yeahs ft Perfume Genius, Flood – Stella Donnelly

Gelesen: über Sexismus im Fußball, With Rising Book Bans, Librarians Have Come Under Attack, The end of ambition?, Why Are Americans Still Uncomfortable with Atheism?

Getan: im Rheinland gearbeitet, mit meinem tollen Team essen gegangen, ein Probezeitend-Gespräch im Biergarten geführt, aufwühlende familiäre Problem-Telefonate ausgehalten, viel Bahn gefahren

Gefreut: was für eine tolle EM – was für ein Team! Chapeau.

Geärgert: über die unsäglich lange Bahnverspätung auf dem Heimweg

Gegessen: Ramen

Geklickt: auf den Wiki Eintrag über das älteste Frauenfußball Team UKs von 1917, auf diese Ex Libris Stempel von verschiedenen Schriftsteller*innen und auf das Bravo Archiv von 1956 bis heute

Gestaunt: immer wieder über die Bilder vom Webb Teleskop, über tote Spinnen als Roboterarme, Evolution of an office desk (1980-2014)

Gelacht: Give me coffee to change the things I can and wine to accept those that I cannot

Gewünscht: diese Villa, bepflanzte Telefonhäuschen, diese Lampe

Gefunden: nix

Gekauft: nix

Gedacht: Man muß die Nacht gesehen haben, bevor man den Tag begreift //Anne Sexton

Meine Woche

Gesehen: Top Gun Maverick (2022) von Joseph Kosinksi mit Tom Cruise, Miles Teller und Jennifer Connelly. Unterhaltsame Fortsetzung, die mega Kritiken konnte ich nicht ganz nachvollziehen, aber ein schöner Sommerfilm. Ans Original reicht er für mich nicht ran.

Gehört: Thee Silence – Farce, Through the Fires – Angel Olsen, Nina, o sia la Pazza per Amore – Giovanni Paisiello, Dreaming of – Phoebe Green, Want Want – Maggie Rogers, Forever in sunset – Ezra Furman, Deep in the woods – Hayley Kiyoko

Gelesen: über das ikonische BMW Gebäude das 50 wird, über Mormonen und Magic Mushrooms, diesen Artikel über die Krypto-Kritikerin Molly White, We’re killing ourselves with work, Humans have always been wrong about Humans

Getan: mit kanadischen Student:innen über New Work diskutiert, mit Kolleg:innen im Hirschgarten gegrillt, beim Frisör und im Kino gewesen, mit Annalena Baerbock im Amerikahaus zum Thema Sicherheitskonzept diskutiert, Mein Radl zur Inspektion gebracht, auf dem Balkon und im Biergarten gesessen und Pizza gegessen

Gefreut: über meine Sommerfrisur

Geärgert: nö

Gegessen: Sommerliche Aglio e Olio Variante

Geklickt: David Wengrow: A new understanding of human history and the roots of inequality, The world’s top thinkers 2022

Gestaunt: Future Mobility Competition finalists, Urban Wildlife Photography Awards 2022

Gelacht: Give me coffee to change the things I can and wine to accept those that I cannot

Gewünscht: diesen Ventilator, dieses Shirt, diese Dusche

Gefunden: spannende Bücher im Bücherschrank

Gekauft: Geburtstagsgeschenke und alkoholfreien Gin

Gedacht: It is not necessary to change a person in order to change their behavior.
Just change their environment. //James Clear

New York by the Book – Part II

Oops jetzt habe ich euch aber länger auf die Fortsetzung unserer New York Reise warten lassen als geplant. Es ist einfach zu heiß – für alles. Zum schreiben, zum denken, zum Bilder sortieren. Aber done is better than perfect – also auf geht’s, ich nehme euch mit ins brütend heiße New York, allerdings haben wir immer wieder gut gekühlte Ecken gefunden.

Zum Beispiel direkt neben dem Chelsea Hotel – wo wir uns zur Premiere von Kristen Stewarts neuestem Film „Crimes of the Future“ in ein eisgekühltes Kino begaben. Das war eine recht tragische Entscheidung wie sich später rausstellen sollte. Zwar war es fantastisch das Chelsea Hotel zu erleben, in dem Patti Smith so lange lebte, allerdings hätten wir nur wenige Straßen entfernt die echte Kristen Stewart an der Premierenfeier des Films erleben können, was die Bingereader-Gattin als weltgrößtes Fangirl in tiefste Verzweiflung stürzen sollte, als wir unseren Fehler ein paar Tage später bemerkten.

Jetzt aber erst mal zur nächsten Buchempfehlung für New York – natürlich „Just Kids“ von Patti Smith

NYC ist eine Stadt, die sich für mich eigentlich nur zu Fuß so richtig begreifen läßt. Auch wenn die Subway bei den tropischen Temperaturen mit ihren eisgekühlten Wagen oft verlockend schien, haben wir die meisten Strecken zu Fuß oder im Taxi zurückgelegt, um möglichst viel von der Stadt zu sehen. Was mich bei den gelegentlichen Subway Fahrten überraschte waren die Ratten, die es immer schon gab, die aber mittlerweile so derart ihre Scheu verloren haben, dass sie selbst tagsüber auf vollbesetzten Bahnsteigen den Leuten über die Füße laufen.

Wir haben jeden Tag so einige Kilometer abgelaufen, hier ein paar Impressionen unserer Touren:

Ich empfehle dringend einen Spaziergang durch den Big Apple. Gehen ist die beste Form der Fortbewegung und Bewegung tut gut. Die Stadt ist relativ eben, mit wenigen Höhen und Tiefen in Midtown gang im Gegensatz zu „Manahata“ wie die Delawaren Manhatten nannten, was so viel wie „Insel der vielen Hügel“ bedeutet.

Die Bürgersteige in New York City können von Touristen und Einheimischen verstopft sein. Touristen, die meist im Gegensatz zu den Einheimischen Schwierigkeiten haben sich auf den überfüllten Bürgersteigen zurechtzufinden.

Die Fifth Avenue ist der Mittelpunkt des 1811 eingeführten Straßenrasters von Manhattan. Von diesem Mittelpunkt aus verlaufen die nummerierten Straßen in Ost-West-Richtung. Der Verkehr auf der Fifth Avenue fließt in Richtung Innenstadt.

Wir sind an einem Vormittag auf Wunsch unserer enthusiastischsten Lauf-Freundin 1,5 Std quer durch die Stadt gelaufen um in einem bestimmten Diner zu frühstücken. Der Magen hing dann auf halb 8, aber es war eine tolle Tour und selten hatten wir uns eine warme Mahlzeit mehr verdient als an diesem Morgen.

Die perfekte Lektüre für Spaziergänge durch New York die ich euch hier ans Herz legen möchte, sind Teju Coles „Open City“ und Miles Davis „If Beale Street could talk“

Aber ich hatte euch ja einen Boots-Trip versprochen, der uns auch tatsächlich etwas Abkühlung brachte, wenngleich für einen deutlich kürzeren Zeitraum, als vermutet.

Wir hatten uns von AirBnB Experiences dazu verführen lassen eine Bootstour zu machen die im Brooklyn Harbour am frühen Nachmittag starten sollte. Wir warfen uns in unsere segeltauglichsten Klamotten und begaben und mit einem türkischen Pärchen als einzige weitere Passagiere gemeinsam mit dem Skipper an Bord. Der Sekt war kaltgestellt, die Segel gesetzt – allerdings gingen dem Skipper schon nach den ersten paar Hundert Metern das Diesel aus, wir wurden in die Kabine hinunter geschickt, wo wir sechs verzweifelt versuchten bei gefühlten 200 Grad, den einströmenden Diesel-Dämpfen die beim Nachtanken entstanden und dem mächtigen Seegang nicht die Fische zu füttern.

Nach etwa 15 Minuten gab der Skipper dann auf. Der Motor wollte partout nicht wieder anspringen, wir wurden an Land zurückgebracht. Es war zwar ein kurzer Trip, aber wir haben immerhin ein paar hübsche Fotos von der Skyline und der Brooklyn Bridge gemacht, ein sehr nettes Pärchen kennengelernt und den Sekt haben wir dann einfach später auf der Hotelterrasse getrunken.

Auch wenn mir hier der passende Übergang fehlt, möchte ich euch Sylvia Plaths „The Bell Jar“ ans Herz legen, der Roman beschreibt das Leben von Esther Greenwood, einer College-Studentin, die davon träumt, Schriftstellerin zu werden. Sie wird für ein einmonatiges Sommerpraktikum als Gastredakteurin des Magazins Ladies‘ Day ausgewählt, aber ihre Zeit in New York City ist schwierig, da sie gegen gesellschaftliche Normen ankämpft und nach einem Selbstmordversuch in der Psychiatrie landet.

Es gäbe noch so viel zu erzählen, wir haben Sarah Jessica Parker am Broadway in „Plaza Suite“ gesehen, sind die Highline vom Angang bis zum Ende lang gelaufen, haben Buchläden gestürmt, einen lieben Freund nach vielen Jahren zum Dinner in Chinatown getroffen, viele leckere Cocktails getrunken und überaus gut gegessen.

Das kulturelle Highlight war für mich aber der Besuch der New York Library und die Dinos im Natural History Museum

Mein abschließender New York Buchtipp ist ein ziemlicher Ziegelstein und daher wahrscheinlich eher in der ebook-Version als Reiselektüre zu empfehlen: Donna Tartts „The Goldfinch“ ein Roman bei dem zwar ein Museum eine große Rolle spielt, allerdings das Metropolitan Museum – dahin haben wir es dieses Mal nicht geschafft.

Das war ganz sicher nicht unser letzter Besuch im Big Apple. Ich liebe die Stadt, auch wenn ich mir mittlerweile nicht mehr so gut vorstellen kann dort zu leben, für einen Besuch ist sie immer wieder gut. Samuel Pepys Zitat „If you are tired of London, you are tired of life“ kann man absolut genauso auf New York beziehen. Eine Stadt die nie schläft, die oft stinkt, schmutzig ist und einem das Geld aus der Tasche zieht und die dennoch die aufregendste und anregendste Metropole der Welt ist.

Ich hoffe ihr hattet etwas Spaß und Lust auf das eine oder andere Buch bekommen, dass entweder euren nächsten New York Trip begleiten könnte oder mit dem ihr einfach auf dem Sofa durch die Stadt reist, auf jeden Fall die umweltschonendere Methode.

Meine Woche

Gesehen: Ich bin dein Mensch (2021) von Maria Schrader mit Maren Eggert und Dan Stevens. Die Wissenschaftlerin Alma muss zu Forschungszwecken 3 Wochen mit einem humanoiden Roboter zusammenleben, dessen künstliche Intelligenz so konzipiert ist, dass er sich in den idealen Lebenspartner verwandeln kann. Intelligent und witzig, habe ich sehr gerne gesehen.

Gehört: A promise – Madeleine Cocolas, Living Torch – Kali Malone, Greenwich – Interpol, Robot Riot – Stereolab, The Beginning of the End – God is an Astronaut

Gelesen: über den Dichter, Mathematiker und Fields Medal Gewinner June Hue, Über Needle Spiking in Berliner Clubs, Wirtschaftswissenschafter: „Männer verursachen enorme Kosten„, Rage against the Machine spenden 475,000 $ für Abtreibung in den USA

Getan: Karussell gefahren mit dem kleinen Neffen, in der Dachgeschoß-Wohnung und auf dem Balkon geschwitzt, den Bookclub bewirtet, mit einer lieben Freundin gefrühstückt und Sterne geschaut mit dem Teleskop

Gefreut: über meinen Master Yoda und Bookstores Are Booming and Becoming More Diverse

Geärgert: dass ich den CSD in München verpasst habe

Gegessen: sehr lecker im Romans

Geklickt: auf die Astronomie-Fotos des Jahres und über diese großartigen Fotos vom James Webb Sapce Teleskop

Gestaunt: über Elefantenrüssel-Muscheln, über die riesige antike Untergrund-Stadt die in der Türkei entdeckt wurde, über die Kidney Garden Spider die aussieht wie das Pringles Logo und über diese ältere Dame die Krafttraining macht – großes Vorbild

Gelacht: über die eindeutig bessere Besetzung als UK Prime Minister

Gewünscht: mehr Zeit, weniger Arbeit

Gefunden: nix

Gekauft: Konzertkarten für Archive, neue Brillengläser

Gedacht: Knowledge is making the right choice with all the information.
Wisdom is making the right choice without all the information.

Meine Woche

Gesehen: The Wretched (2019) von Drew & Brett Pierce mit John-Paul Howard und Piper Curda. Ein Teenie ist überzeugt die Nachbarin ist von einer Hexe besessen und nährt sich von kleinen Kindern. Erinnert an Stranger Things in deutlich gruseliger.

Seances (2016) von Guy Maddin. Zufällige per Algorithmus erzeugte Generierung von Filmsequenzen. Jede dieser Geschichten existiert nur für den Moment – ohne Pause, Scrubbing oder Teilen – und bietet dem Publikum eine einzige Chance, den generierten Film zu sehen. Spannend.

Tamara de Lempicka – Die Königin des Art Déco (2022) von Sylvie Kürsten. Interessante Doku über eine außergewöhnliche Malerin, deren Werk ich sehr mag.

Gehört: Desire – Zola Jesus, Eye in the wall – Perfume Genius, Cirrus – Motion Sickness of Time Travel, Black Sleep und Are we bored dear – Slut, Spring 1 – Max Richter, GMT – Oliver Sim, Spectral Organ – Antti Tolvi, Free – Florence & The Machine

Gelesen: Robin Sloans Kurzgeschichte „The Writer & The Witch„, Why Was Erotic Art So Popular in Ancient Pompeii? The power of narrative, Nassim N. Taleb on the differences between Ukraine and Russia und Maggie Appleton on Digital Gardens

Getan: einen Biergarten-Abend mit einer lieben Freundin, den Keller aufgeräumt aber überwiegend wieder Nerven und Kraft aufgebraucht, durch die nie enden wollenden Bruder-Dramen

Gefreut: über den wunderschönen Blumenstrauß diese Woche und die schöne Date Night zum versöhnlichen Abschluß der Woche

Geärgert: siehe oben

Gegessen: ein 5-Gang Menü im Green Beetle

Geklickt: Andrew Yang & Yuval Noah Harari: Tech, Public Policy & the Future of Work

Gestaunt: Aleksandr Dugin: ‚We have our special Russian truth‚, Who made these circles in the Sahara?

Gelacht: When they said „History repeats itself,“ I wasn’t expecting all of the twentieth century in two years und über die Zugvögel

Gewünscht: dieses Shirt, eines dieser Bilder, diese Buchstützen

Gefunden: nix

Gekauft: ein Regal für den Keller

Gedacht: I didn’t leave you I passed you the baton. It’s your turn now. Get up and fight //Ruth Bader Ginsburg

Lektüre Juni 2022

Der Lesemonat Juni war insbesonders von unserer Reise nach New York geprägt, nicht nur was die entsprechende New York Lektüre betrifft, sondern auch die damit verbundene gestiegene Lesezeit, die dem Flug und dem Jetlag geschuldet war. Ich habe mich darüberhinaus intensiv mit Mary Shelley und Mary Wollstonecraft beschäftigt, mich bei einem CliFi Roman mit unserer Zukunft beschäftigt und durch einen danach folgenden Zeitreise Thriller ein bisschen dem Escapismus hingeben können. Ein guter Lesemonat, einzig Anne Tyler unsere Bookclub Lektüre des Monats konnte mich nicht ganz so in ihren Bann ziehen.

Aber jetzt zum Einblick in die Bücher die ich letzten Monat gelesen haben und welche davon wem ans Herz legen möchte:

Doris Dörrie – Die Heldin reist erschienen im Diogenes Verlag

Döris Dörrie erzählt in ihrem autofiktionalen Buch von drei Reisen – nach San Francisco, nach Japan und nach Marokko – und davon, als Frau in der Welt unterwegs zu sein. In Anlehnung an Joseph Campbells berühmtem „Der Heros in tausend Gestalten“ beschäftigt sie sich mit der Heldin die in die Welt hinaus muss und Abenteuer erleben um eben eine Heldin zu werden.

Dörries Bücher sind immer wie eine wunderbare elegante Sommerbrise, ich lese sie so so gerne, komischerweise kommt sie mir nie in den Sinn, wenn ich von meinen Lieblingsautorinnen spreche. Vielleicht weil ihre Bücher meist schmal sind, sich nicht zu ernst nehmen und nicht schwergewichtig daherkommen und das macht eigentlich einen großen Teil ihres Zaubers aus.

Der Held muss also aus dem Haus, um ein Held zu werden. Und die Heldin? Sie ist gar keine Heldin, sondern die Frau des Helden, sie bleibt, wo sie ist, und beschützt das Haus. Sie ist die Hausfrau, die Frau im Haus. Sie auch deshalb dableiben, damit jemand zu Hause ist, wenn der siegreiche Held zurückkehrt. Sie darf nicht ausziehen, um das Fürchten zu lernen, aber das muss sie auch gar nicht, denn sie hat ja sowieso permanent Angst. Sie macht sich ständig Sorgen, am meisten um den Helden. Der Held wiederum macht sich keine um sie, denn er kann sich darauf verlassen, dass sie geduldig auf seine Rückkehr wartet und in seiner Abwesenheit kratzige Pullover webt.

Passende Lektüre für alle die Lust haben sich Herz und Horizont erweitern zu lassen.

Teju Cole – Open City, übersetzt von Christine Richter-Nilsson im Suhrkamp Verlag

Julius, ein junger Psychiater, durchstreift die Straßen Manhattans, allein und ohne Ziel, stundenlang. Die Bewegung ist ein Ausgleich zur Arbeit, sie strukturiert seine Abende, seine Gedanken. Er lässt sich treiben, und während seine Schritte ihn tragen, denkt er an seine kürzlich zerbrochene Liebesbeziehung, seine Kindheit, seine Isolation in dieser Metropole voller Menschen. Fast unmerklich verzaubert sein Blick die Umgebung, die Stadt blättert sich vor ihm auf, offenbart die Spuren der Menschen, die früher hier lebten. Mit jeder Begegnung, jeder neuen Entdeckung gerät Julius tiefer hinein in die verborgene Gegenwart New Yorks – und schließlich in seine eigene, ihm fremd gewordene Vergangenheit.

Anfänglich erlebte ich die Straßen als eine unaufhörliche Geräuschkulisse, ein Schock nach der Konzentration und relativen Ruhe des Tages, so als zerrisse jemand die Stille einer abgeschiedenen Kapelle mit einem dröhnenden Fernseher

Passende Lektüre, insbesondere in dem kleinen Suhrkamp Format, um es in die Tasche zu stecken, während man durch New Yorks Straßen läuft und es morgens um 5 bei schwarzem Kaffee in einem Diner zu lesen.

Bill Hayes – Insomniac City erschienen im Bloomsbury Verlag

Bill Hayes kam 2009 mit einem One-Way-Ticket nach New York City und hatte nur eine vage Vorstellung davon, wie er zurechtkommen würde. Aber mit 48, nach Jahrzehnten in San Francisco und dem Tod seines Partners, brauchte er einfach Veränderung und fand Trost im unaufhörlichen Rhythmus der Stadt, dem Anblick des Empire State Buildings im Nachthimmel und die New Yorker die der an Insomnia leidende Hayes bei seinen nächtlichen Spaziergängen traf.

Und ganz unverhofft verliebt er sich wieder. In seinen Freund und Nachbarn, den Schriftsteller und Neurologen Oliver Sacks. Hayes zeichnet ein liebevolles Porträt Oliver Sacks‘ und zeigt ihn von seiner persönlichsten und liebenswertesten Seite. Er beschreibt wie sich Sacks im Alter von fünfundsiebzig Jahren zum ersten Mal im Leben verliebt, über die glücklichen gemeinsamen Jahre bis zur Auseinandersetzung mit Oliver Sacks Krankheit und seinem Tod im August 2015.

I suppose it’s a cliché to say you’re glad to be alive, that life is short, but to say you’re glad to be not dead requires a specific intimacy with loss that comes only with age or deep experience. One has to know not simply what dying is like, but to know death itself, in all its absoluteness. After all, there are many ways to die—peacefully, violently, suddenly, slowly, happily, unhappily, too soon. But to be dead—one either is or isn’t. The same cannot be said of aliveness, of which there are countless degrees. One can be alive but half-asleep or half-noticing as the years fly, no matter how fully oxygenated the blood and brain or how steadily the heart beats. Fortunately, this is a reversible condition. One can learn to be alert to the extraordinary and press pause—to memorize moments of the everyday.

Für alle Insomniacs die Spaß an skurillen Begegnungen haben die sich gerne von einer berührenden Liebesgeschichte verzaubern lassen.

Charlotte Gordon – Romantic Outlaws: The extraordinary lives of Mary Wollstonecraft & Mary Shelley erschienen im Penguin Verlag

Romantic Outlaws ist das erste Buch, das die Geschichte des leidenschaftlichen und außergewöhnlichen Lebens von Mary Wollstonecraft – englische Feministin und Autorin des bahnbrechenden Buches „The Vindication of the Rights of Women“ – und ihrer Tochter Mary Shelley, Autorin von Frankenstein, erzählt.

Obwohl sie Mutter und Tochter waren, haben sich diese beiden brillanten Frauen nie gekannt – Wollstonecraft starb 1797 im Alter von 38 Jahren, eine Woche nach ihrer Geburt, an einer Infektion. Dennoch waren ihre Leben so eng miteinander verwoben, ihre Entscheidungen, Träume und Tragödien so unheimlich ähnlich, dass es unmöglich scheint, die eine ohne die andere zu betrachten.

Beide Frauen wurden berühmte Schriftstellerinnen, verliebten sich in brillante, aber unmögliche Männer, waren alleinerziehende Mütter, die außereheliche Kinder bekamen, lebten im Exil, kämpften um ihre Stellung in der Gesellschaft und machten sich unentwegt Gedanken darüber, wie sie leben sollten. Und beide Frauen brachen mit fast allen starren Konventionen, die es zu brechen gab: Wollstonecraft verfolgte Piraten in Skandinavien. Shelley nahm es in Neapel mit Banditen auf. Wollstonecraft segelte nach Paris, um die Revolution mitzuerleben. Shelley brannte auf einem Fischerboot mit einem verheirateten Mann durch. Wollstonecraft verkündete, dass die Freiheit der Frauen für jeden von Bedeutung sein sollte.

Wollstonecraft setzte sich nicht nur für die Rechte der Frauen ein, sondern entfachte mit ihrem Werk auch die Romantik. Sie inspirierte Coleridge, Wordsworth und eine ganze neue Generation von Schriftstellern, darunter auch ihre eigene Tochter, die – zusammen mit ihrem jungen Liebhaber Percy Shelley – Wollstonecrafts Werk an ihrem Grab laut vorlas. Mit gerade einmal neunzehn Jahren und als frischgebackene Mutter schrieb Mary Shelley Frankenstein, während sie mit Percy und Lord Byron (der prompt ein Kind von Marys Stiefschwester zeugte) durch Italien reiste. Es ist ein bahnbrechender Roman, der die Grenzen der menschlichen Natur und die Macht der Erfindungen in einer Zeit großer religiöser und wissenschaftlicher Umwälzungen erkundet. Darüber hinaus wurde Mary Shelley nach dem frühen Tod ihres Mannes zur Herausgeberin seiner Gedichte – eine wissenschaftliche Leistung, die seinen literarischen Ruf begründete.

Romantic Outlaws bringt zwei visionäre Frauen zusammen, die eigentlich ein gemeinsames Leben hätten führen sollen, stattdessen aber ein starkes literarisches und feministisches Vermächtnis hinterlassen haben. Dieses Buch war mein Highlight im Juni, ich kann es euch gar nicht genug ans Herz legen.

Both women were what Wollstonecraft termed “outlaws.” Not only did they write world-changing books, they broke from the strictures that governed women’s conduct, not once but time and again, profoundly challenging the moral code of the day. Their refusal to bow down, to subside and surrender, to be quiet and subservient, to apologize and hide, makes their lives as memorable as the words they left behind. They asserted their right to determine their own destinies, starting a revolution that has yet to end.

Perfekte Lektüre für alle die zwei wahnsinnig inspirierende, spannende Frauen kennenlernen möchten, die schon BadAss waren bevor es dieses Wort überhaupt gab und für die dieser Begriff wahrscheinlich erfunden wurde.

Mary Wollstonecraft – Eine Verteidigung der Rechte der Frau übersetzt von Edith Schotte

Bildung und freie Entfaltung für Frauen aller Schichten, das war die wichtigste Forderung von Mary Wollstonecraft. Sie war eine feministische Aufklärerin und maßgebliche Vordenkerin der Frauenbewegung. Ohne Frauen wie sie, hätte sich die Lage der Frauen nie entscheidend verbessern können.

Lehrt sie zu denken!“ Diese Aufforderung richtete Wollstonecraft an Lehrer, an Gouvernanten, an Mütter und Väter, an alle, die für die Erziehung von Mädchen verantwortlich waren. Denn sie wollte die Frauenbildung ihrer Zeit revolutionieren. Ungebildet, hinterhältig und oberflächlich, so sah Wollstonecraft ihre Zeitgenossinnen. Schuld daran war eine verlogene Gesellschaft, die den Frauen intellektuelle Bildung verwehrte. Als feministische Aufklärerin kämpfte Wollstonecraft für die Bildung und die freie Entfaltung von Frauen aller Schichten. Mit ihrem Anliegen hat sie Maßstäbe gesetzt und war eine wichtige Vordenkerin für die kommenden Frauenbewegungen.

Männer besitzen mehr Körperkräfte, doch gäbe es nicht diese falschen Schönheitsauffassungen, dann würden die Frauen ihren Körper genügend stärken, um sich ihren Lebensunterhalt verdienen zu können, da allein dies die wahre Unabhängigkeit bedeutet.

Mich hat die Aktualität, Radikalität und Präzision von Wollstonecrafts Gedanken total umgehauen. Wir stehen in der Tat auf Schultern von Riesinnen.

Für alle die das tatsächliche Werk hinter der berühmten Frau kennenlernen wollen.

Sylvia Taschka – Wiederkunft erschienen im Prinzengarten Verlag

Im Jahr 2187 bestimmen Wasserknappheit und Wetterextreme den Alltag in den noch bewohnbaren Teilen der Erde.
Die brilliante Klimatologin Elli Pryce lebt zurückgezogen in der greeneuropäischen Hauptstadt Berlin. Sie kümmert sich lieber um den vernachlässigten Nachbarsjungen Aadalish als um ihre Beraterstelle der northernamericanischen Regierung.

Clif-Fi trifft SciFi trifft Fantasy. Ein interessanter Roman, den ich gerne gelesen habe, der zum nachdenken anregt, allerdings hätte ich auf den fantastischen Anteil (Wiederkehrer/Engel) gut verzichten können. Ich hätte mich gerne noch intensiver mit der Realität der Welt im Jahr 2187 beschäftigt.

Ein Buch über dessen Ideen man wunderbar bei einem Glas Wein philosophieren kann – ich werde den Roman demnächst in meiner „Women in SciFi“ Reihe noch etwas genauer vorstellen.

Im Innenhof waren zahlreiche Bäume gestanden. Diese waren mittlerweile alle wegen der zahlreichen Stürme und der Unfallgefahr gefällt. Statt der Bäume hatte man als Sonnenschutz eine Art durchsichtige Haut über den ganzen Hof gespannt, die an den Seiten von gigantischen, stählernen Pfosten gehalten wurde

Ein Buch für Fantasy-Fans mit Interesse für CliFi und Lust am spekulieren darüber haben, wohin sich unsere Welt in näherer und fernerer Zukunft entwickelt.

Das Buch habe ich im Übrigen als Rezensionsexemplar erhalten.

Lauren Beukes – The Shining Girls übersetzt von Karolina Fell erschienen im Rowohlt Verlag

Chicago zur Zeit der Großen Depression. Harper Curtis lebt auf der Straße. Er ist kaltblütig, hochgefährlich, von Wahnvorstellungen getrieben. Seit er die strahlend schöne Tänzerin Jeanette sah, träumt er von seinen «Shining Girls». Er will nur eines: ihr Licht für immer auslöschen. Eines Tages fällt ihm der Schlüssel zu einem alten Haus in die Hände – ein Portal. Von nun an reist Harper durch die Zeit, um zu töten. Niemand kann ihn stoppen, keiner vermag die Spuren zu deuten, die er am Tatort hinterlässt. Dinge, die noch nicht oder nicht mehr existieren. Doch dann überlebt eines von Harpers Opfern. Der jungen Kirby gelingt es, die seltsamen Puzzleteile zusammenzusetzen. Und sie beginnt, den Killer durch die Zeit zu jagen.

The problem with snapshots is that they replace actual memories. You lock down the moment and it becomes all there is of it.

Für Fans von intelligenten Thrillern mit Zeitreise-Thematik, die allerdings nicht allzu zart besaitet sein sollten. Wurde auch als Mini-Serie verfilmt. Hier der Trailer:

Anne Tyler – Digging to America auf deutsch unter dem Titel „Tag der Ankunft“ übersetzt von Christine Frick-Gerke, erschienen im List Verlag

Zwei ganz verschiedene Familien, eine amerikanische und eine iranische, lernen sich auf dem Flughafen in Baltimore kennen. Hätten sie nicht beide ein koreanisches Kind adoptiert, sie wären sich wohl nie begegnet. Es entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den ungleichen Familien, die fast alle Mitglieder auf immer verändern wird.

Jedes Jahr am Jahrestag des „Ankunftstages“ feiern die beiden Großfamilien gemeinsam mit immer aufwändigeren Partys, und begleiten Susan und Jin-ho dabei wie sie Wurzeln schlagen und zu Amerikanerinnen werden.

Anne Tyler kann definitiv gut schreiben, aber das Buch war nichts für mich. Ich empfand die ständigen Parties als repetitiv und konnte mit keinem der Protagonist*innen viel anfangen. Da ich grundsätzlich nicht so der Typ „Familienroman“ bin, muss das nicht gegen das Buch sprechen, allerdings wurde es auch im Bookclub von einer Hälfte heiß geliebt, die andere war zu Tode gelangweilt.

Isn’t it odd,” Maryam said. “Just like that, a completely unknown person is a part of their family forever. Well, of course that’s true of a birth child, too, but … I don’t know, this seems more astonishing.” “To me, both are astonishing,” Dave said. “I remember before Bitsy was born, I used to worry she might not be compatible with the two of us. I told Connie, ‘Look at how long we took deciding whom we’d marry, but this baby’s waltzing in out of nowhere, not so much as a background check or a personality quiz. What if it turns out we don’t have any shared interests?

So meine Lieben – das war mein Lese-Juni. Welche Bücher kennt ihr bereits? Auf welche konnte ich euch Lust machen?

Freue mich wie immer sehr von Euch zu hören.

Meine Woche

Herakut

Gesehen: L-Word Generation Q Season 2 (2021) mit Jennifer Beals, Katherine Moennig und Leisha Hailey. Diese Show erweckt die LGBTQ+-Gemeinschaft wieder zum Leben und ich habe diese LA Ladies schwer vermisst.

Gehört: Bad Guy, Happier than ever & TV – Billie Eilish, Are we bored my dear -Slut, Heart Attack – Editors, Malade – Miss Kittin, Toni – Interpol, Wide Awake – Odesza

Gelesen: über E. T. A. Hoffmanns Musikverständnis, The trauma of fighting California’s wildfires, Collapse won’t reset society, What magic teaches us about misinformation

Getan: Billie Eilish in Berlin gesehen, sehr anregende Gespräche in Nikolassee geführt, einen wunderbaren Streetart Spaziergang samt Frühstück durch Kreuzberg gemacht, die Schwiegermama zufällig auch in Berlin getroffen, der Pfaueninsel im Regen von Weitem gewunken, viel Auto gefahren (Danke an die Shuttle-Captains), an der Spree gesessen und die Cocktails getrunken

Gefreut: über das wunderbare Berlin Wochenende

Geärgert: nö

Gegessen: Kebap

Geklickt: Frameworks provide clarity in complex situations

Gestaunt: über diese willensstarke Schnecke

Gelacht: wenn man zuviel Heidi Klum geschaut hat

Gewünscht: immer noch dass das Supreme Court dieses beschissene Urteil zurücknimmt

Gefunden: nix

Gekauft: jede Menge Bücher

Gedacht: „Ich muss eine Erholung haben. Ich bin vom Nichtleben rein vernichtet.“
Rahel Varnhagen

Meine Woche

Gesehen: Nocturne (2020) von Zu Quirke mit Sydney Sweeney und Madison Iseman. Eine schüchterne Musikstudentin, beginnt ihre aufgeschlossenere Zwillingsschwester in den Schatten zu stellen, als sie ein mysteriöses Notizbuch entdeckt, das einer kürzlich durch Suizid gestorbenen Studienkollegin gehörte. Black Swan meets Whiplash. Gerne gesehen.

L-Word Generation Q Season 2 (2021) mit Jennifer Beals, Katherine Moennig und Leisha Hailey. Diese Show erweckt die LGBTQ+-Gemeinschaft wieder zum Leben und ich habe diese LA Ladies schwer vermisst.

Gehört: Why Pourqui, For the soul there is no hospital, Die Seeräuber-Jenny – Slut, Devil’s Trill – Giuseppe Tartini, Matthäus Passion – Johann Sebastian Bach, Show me love – Robyn, Vertigo – Alice Merton, One way or another – Blondie, Damn I wish I was your lover – Sophie B Hawkins, Robot Riot – Stereolab

Gelesen: Wechselkröte der Bachmannpreis-Gewinnerin Ana Marwan, Sinn und Unsinn von Waldorfschulen, dieses Interview mit Opern- und Theaterregisseur Barrie Kosky, Do we need a better understanding of progress, Photographer Alice Austen Is Finally Being Recognized as an LGBTQ Icon, The death of Philip K Dick brought to life

Getan: unsere Payroll automatisiert, eine Weinprobe durchgeführt bei Garibaldi, das Slut Konzert im Strom besucht, mit lieben Freund:innen getroffen und gegessen, die Nachbarin-Blumen gegossen und auf dem Balkon gesessen und gelesen

Gefreut: über wunderbare nachträgliche Geburtstags-Geschenke: eine Mitgliedschaft in der Bayerischen Volkssternwarte München, mein Seifenblasen-Wal, ein überraschendes Buch-Geschenk aus Berlin – habe mich riesig gefreut und zwei sehr edle Flaschen Wein vom Chef der Bingerader-Gattin

Geärgert: Roe vs Wade. What Does the End of Roe Mean? Key Questions and Answers.

Gegessen: Tomatenbrot und Gazpacho

Geklickt: The Danger of Minimalist Design, auf die LitHub Sommer Leseliste

Gestaunt: Farming metal from plants, The new wildlife in town: Sharks, Lebewesen die Plastik vernichten können

Gelacht: über Eve & Villanelle (danke Miss Booleana) 🙂

Gewünscht: dass das Supreme Court dieses beschissene Urteil zurücknimmt

Gefunden: nix

Gekauft: weiße Chucks und Wein

Gedacht: The English language failed when it did not call a group of squid a squad //Vicki Lines