#WomeninSciFi (31) Legend Trilogie – Marie Lu

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Frau Wonnie von den Münchner Küchenexperimenten ist in Raumstationen eher für das realistisch-bodenständige zuständig und es ist gar nicht so einfach, sie Science Fiction-technisch aus ihrem Orbit zu locken.

Dystopien schaffen das aber immer mal wieder und natürlich lauerte ich schon darauf, wann sie endlich mal wieder zu entsprechender Lektüre einer Autorin griff, um sie für die #WomeninSciFi Aktion zu gewinnen.

Mit „Legend“ und „Prodigy“ stellt sie die ersten beiden Bände der Young Adult Triologie von Marie Lu vor, die mit dieser Dystopie, die in einer düsteren militärischen Zukunft spielt, ihren Durchbruch erzielte und die aktuell gerade verfilmt wird.

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Wir befinden uns in der ehemaligen USA, die nun eine Republik ist, die sich im Krieg mit ihren Nachbarn befindet. Die Hauptakteure sind June, die eine Elite-Familie geboren wurde und in einem der reichsten Bezirke der Republik aufwächst, und Day, der das genaue Gegenteil darstellt – arm und aufgewachsen im Slum.

Day ist einer der meistgesuchtesten Kriminellen – seine Beweggründe sind jedoch keinesfalls schlechte: Er versucht einfach nur, seine Familie zu ernähren und sich um  seinen kranken Bruder zu kümmern.

Man erfährt nicht viel, wie es zu der “neuen Welt” kam und das Buch ist eine klare Dystopie, wie sie auch heute schon oft zu spüren ist: Arm gegen reich. An einer tödlichen Seuche erkrankte und Gesunde. Jugendliche nehmen an Tests teil, die ihre Fähigkeiten beweisen sollen.  Die besten werden zu einer Elitearmee ausgebildet. Die schlechtesten… nun ja.

June gehört zu einer der besten. Als ihr Bruder, dem sie sehr nahe steht, weil sie quasi ohne Eltern aufwächst, getötet wird, fällt der Verdacht auf Day. June will nur eins – Rache. An Day.

Dafür begibt sie sich auf die dunkle, arme Seite und “mischt sich unters Volk”. Und gerät direkt in eine gefährliche Situation, aus der ihr herausgeholfen wird. Von Day, aber das weiß sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Sie schläft mit Day und seiner Ziehschwester Tess unter einer Brücke und lernt die zwei dort besser kennen. Ein Science-Fiction-Element darf natürlich auch nicht fehlen – June, 15 Jahre, kann in fünf Sekunden ein fünfstöckiges Haus hochklettern und Kugeln ausweichen. Day verfügt über spidermanartige Fähigkeiten.

Am Ende kriegen sie Day aber doch.

Im zweiten Band der Trilogie „Prodigy“ hat June zwischenzeitlich erfahren, dass es nicht Day war, der ihren Bruder getötet hat, und das seine Motive eigentlich ganz nobel sind. Es hilft sicher auch, dass sie sich zwischenzeitlich in ihn verliebt hat.  Deswegen unterstützt June Day bei seiner Flucht aus der Gefangenschaft der Republik. Das funktioniert nicht ohne Hilfe. Diese suchen sie ausgerechnet bei den Patrioten, einer rebellischen Gruppe. Sie machen sich auf den Weg nach Las Vegas, um sich diesen anzuschließen.

Als sie dort ankommen erfahren sie, dass der alte Elector, Oberhaupt der Republik gestorben ist und sein Sohn Anden die Nachfolge antritt. Die Patrioten jedoch planen, den Nachfolger auszuhalten, damit eine Rebellion losgetreten wird wird. Sie spannen June und Day für ihre Zwecke ein. Dazu wird June wieder in die Republik geschickt, um sich “einzuschmeicheln” und Reue zu bekennen. June kommt Anden nahe, vielleicht zu nahe…

Den dritten Band hebe ich mir noch etwas auf. Die Bücher lassen sich flüssig lesen, die Geschichte ist zeitweise recht spannend, aber man merkt schon, dass die Zielgruppe eher Teenager sind.

Auf deutsch erschien die Serie unter dem gleichnamigen Titel im Loewe Verlag.

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Meine Woche

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Gesehen: „The Drop“ (2014) von Michael Roskam mit Tom Hardy und Noomi Rapace. Atmosphärische Krimi Verfilmung von Dennis Lehane.

Hitchcock“ (2012) von Sacha Gervasi mit Anthony Hopkins, Helen Mirren und Scarlett Johansson. Hitch hatte diese Woche Geburtstag daher hatte ich Lust auf dieses BioPic. Da hat er besseres verdient. Hopkins spielt einfach nur eine Karikatur.

Babylon Berlin“ 2. Staffel von Tom Tykwer. Dauer-Drama und viel Action, keine Sekunde Ruhe. War nicht schlecht, aber ich bin froh, dass die Serie jetzt vorbei ist. Falls es eine 3. Staffel geben sollte bin ich raus.

Debbie Harry – Atomic Blonde“ (2017) von Pascal Forneri. Spannende Doku über eine sehr coole Musikerin.

Gehört: „Respect“ – Aretha Franklin,  „Bullet“ – Stasney Mav, „Evoking Paradise“ – Summer Effect, „Desert Bloom“ – Gargle, „Heal“ – Soap & Skin, „Heart of Glass“ – Blondie

Gelesen: Yuval Noah Harari darüber was 2050 uns bringen wird, Katharina Herrmans grandioser Text „Alles super in der Abstiegsgesellschaft„, über den berühmten Wikingerkrieger der eine Frau war, how to edit a human, David Graeber on bullshit jobs und über die Geschichte hinter diesem seltsamen Skulpturenpark

Getan: den indischen Unabhängigkeitstag mit indischem Essen gefeiert, aus Dortmund mit einer fetten Erkältung zurückgekommen und seitdem liege ich flach

Geplant: einen Workshop geben und den Bookclub besuchen

Gegessen: Zucchini Pasta

Getrunken: Becks Blue

Gelacht: Sometimes I feel useless but then I remember that I breathe out carbondioxide for plants.

Geweint: über den Tod von Aretha Franklin und Kofi Annan

Gefreut: über die guten Nachrichten beim Telefonat mit Michelle

Geklickt: auf die Gewinner des iphone Photography Awards und 60 times Madonna changed our culture

Gewünscht: diese Lampe, dieser Arbeitsplatz und so stelle ich mir meinen idealen Feierabend vor 😉

Gekauft: zwei zusätzliche Bücherregale

Gestaunt: über diese futuristischen Tokyo Fotos

Gefunden: nix

Gedacht: Having a word for something helps spread awareness of it (Nassim N Taleb)

Canada by the Book I

 

Montréal hat uns gleich bei der Landung mit einer absoluten Hitzewelle empfangen. Von dem eher skandinavischen Klima, das ich aus irgendeinem Grund mit Kanada assoziierte keine Spur. Wie froh waren wir über unsere klimatisierte AirBnB Wohnung im italienischen Viertel von Montreal.

Das erste, was uns auffiel, überall Matratzen auf der Straße und Umzugswagen und Möbel und wenn ich sage überall, dann meine ich wirklich überall. Das war irgendwann so exzessiv, dass ich Twitter befragte, was es damit auf sich haben könnte und ich habe zum Glück schlaue Twitter Bekannte, die umgehend antworteten: 1. Juli ist National Moving Day in Montréal. In der ganzen Provinz Québec werden Mietverträge überwiegend bis zum 30.6. abgeschlossen, was am 1. Juli zu wilden Umzugsorgien führt. Abends sah man eine Menge erschöpfter, frisch umgezogener Menschen glücklich zwischen Matratzen und Möbeln auf ihren Balkonen, Terrassen oder einfach vor der Haustür sitzen und feiern….

 

Eine tolle Stadt mit viel Streetart, jeder Menge Bibliotheques gratuite, sehr leckerer französischer Küche und sehr entspannten Menschen. Montréal ist die zweitgrößte Stadt Kanadas und war bis vor kurzem nach Paris die zweitgrößte Stadt der Welt, in der französisch als Muttersprache gesprochen wird. Französisch ist allgegenwärtig, aber man kommt auch problemlos mit Englisch weiter. Das mußte ich auch öfter als mir lieb war, denn so ganz einfach war das in Montréal gesprochene Französisch nicht immer.

Unbedingt ansehen sollte man sich Buckminster Fullers Biosphère. Ein unglaublich aufregendes Gebäude mit toller Aussicht auf die Stadt und einer sehr spannenden Ausstellung. Ich bin großer „Bucky“-Fan und kann diese Lektüre zu ihm und seinem Werk nur empfehlen.

 

Kanada ist in der Liste der weltweit 20 schönsten Bibliotheken gleich dreimal vertreten (Toronto, Montréal und Vancouver) und ich hatte mich schon riesig auf einen Besuch in der BAnQ Grande Bibliotheque gefreut, doch aufgrund der Feierlichkeiten zum Canada Day war sie leider geschlossen und ich konnte sie nur von außen bewundern und bei den Boquanistes daneben ein paar Trostbücher kaufen.

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Die passende Lektüre hatte ich natürlich auch dabei: „Last Night in Montreal“ von Emily St. John Mandel.

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Lilia Albert hat ihr ganzes Leben lang Menschen verlassen, die ihr nahestehen. Ihre Kindheit und Jugend hat sie mit ihrem Vater im Auto verbracht, unentwegt von einer Stadt zur nächsten reisend, mit wechselnden Identitäten. Als Erwachsene kann sie einfach nicht mehr damit aufhören. Kann einfach nicht an einem Ort bleiben und hinterlässt Liebhaber in fast jeder Stadt, durch die sie reist und noch immer ist ihr ein Privatdetektiv auf den Fersen, der sie seit ihrem traumatischen Kindheitserlebnis zu finden versucht.

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“Forever is the most dizzying word in the English language. The idea of staying in one place forever was like standing at the border of a foreign country, peering over the fence and trying to imagine what life might be like on the other side, and life on the other side was frankly unimaginable.” 

Sie wird von bruchstückhaften Erinnerungen an ihre Kindheit verfolgt, kann sich aber nicht wirklich erinnern, was genau ihr in frühester Kindheit passierte. Ihr letzer Liebhaber bleibt allerdings hartnäckig, will sie nicht einfach so gehen lassen. Er folgt ihr von New York nach Montréal, wo er versucht, mehr über Lilia zu erfahren und sicherzustellen, dass es ihr gut geht.

„Last Night in Montreal“ ist eine Geschichte über Liebe, Trauma, Gedächtnisverlust und über Besessenheit. Mit diesem Buch ist Emily St. John Mandel ein bemerkenswertes Debüt gelungen, mit wunderschöner Sprache, einer mysteriösen Atmosphäre, die einen gar nicht mehr aufhören lässt zu lesen.

“She moved over the surface of life the way figure skaters move, fast and choreographed, but she never broke through the ice, she never pierced the surface and descended into those awful beautiful waters, she was never submerged and she never learned to swim in those currents, these currents: all the shadows and light and splendorous horrors that make up the riptides of life on earth.” 

Eine großartige Schriftstellerin, deren Roman „Station Eleven“ zu einem meiner absoluten Lieblingsbüchern gehört und von der ich unbedingt noch viel mehr lesen möchte.

Einzig die Szenen im verschneiten Montreal, während wir bei 38 Grad im Schatten vor uns hinschmolzen, waren etwas schwierig 😉

Wer nach Montréal reist sollte dieses Buch unbedingt im Gepäck haben, egal wie die Temperaturen sind.

Ich hoffe ihr kommt mit, wenn es im nächsten Teil in die kanadischen Rockies geht…

Meine Woche

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Gesehen: „Nanette“ (2018) Stand up Comedian Hannah Gadsby mit einem unglaublichen Programm. Überhaupt nicht mein Genre ansonsten, aber das ist erstklassig. Ist mir sehr nahe gegangen.

Stand by Me“ (1986) Stephen King Verfilmung von Rob Reiner mit River Phoenix und Wil Wheaton. Immer noch einer der schönsten Sommerfilme. Klassiker

Oktapodi“ (2007) animierter Kurzfilm über zwei Okopi auf der Flucht – sehr putzig.

Gehört: „Noises for Angela“ – Petrolio, „No Qualms“ – Helena Hauff, „Wading in shallow waters“ – Gargle, „Wear your wounds“ – Dunedevil

Gelesen: Capitalism killed our climate not human nature; Patchwork und was die Zeit daran nicht kapiert; über die riesige antike Bibliothek die in Köln gefunden wurde; was in unserem Hirn passiert, wenn wir schlafen; die Welt ertrinkt in Plastik

Getan: eine tolle Party im Norden verpasst aufgrund des blöden Sturmtiefs „Nadine„, ein leckeres Dino-Dinner genossen und mit Freunden das Pfälzer Weinfest besucht

Geplant: ein Kurztrip nach Dortmund und das Kettcar Konzert

Gegessen: Zucchini in allen Variationen

Getrunken: Riesling aus der Pfalz

Gelacht: Big Brother is not watching you. No one is. You are boring.

Geärgert: ein Jahr warten bis zur nächsten Staffel von OITNB 7 😦

Gefreut: Ruby Rose wird Batwoman

Geklickt: auf die Reportage „Kulenkampffs Schuhe“ eine Doku über die Showmaster der goldenen Nachkriegszeit, auf diese Karte mit literarischen Roadtrips in den USA und auf diese Antwort von James Baldwin „must we always concentrate on color?“

Gewünscht: dieses Cottage, diese Bücherschränke, dieses Regal

Gekauft: nix

Gestaunt: What Plants talk about

Gefunden: Zeit zum Schlafen

Gedacht: Anyone who isn’t embarassed about who they were last year is probably not learning enough (Alain de Botton)

#WomeninSciFi (30) Company Town – Madeleine Ashby

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Foto: Tor

Woohooo mit Madeleine Ashbys “Company Town” gab es endlich mal wieder Cyberpunk und es wird Zeit für ein Comeback. In ihrem Roman, der in der näheren Zukunft spielt, hat sich nahezu jeder den Körper pimpen lassen mit Implantaten die sie stärker, schlauer und grundsätzlich anpassungsfähiger an ihre Umwelt machen. Fast alle, aber nicht unsere Protagonistin Go Jung-Hwa, eine Halb-Koreanerin/halb Neufundländerin und Tochter eines verbitterten ehemaligen K-Pop Sternchens. Sie arbeitet als Bodyguard für die Gewerkschaft der Sex-Arbeiterinnen auf einer Ölplattform-Stadt in der Nähe der neufundländischen Küste.

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Hwa leidet am Sturge-Weber-Syndrom, das einen portweinfarbenen Fleck quer über ihr Gesicht verursacht und sie unter gelegentlichen Krampfanfällen leiden lässt. Sie hätte schon auch gerne die entsprechenden Implantate die ihre Krankheit heilen, aber ihr fehlt das notwendige Geld dazu. Auf der anderen Seite macht es sie als komplett organischer Mensch auch absolut un-hackbar. Gerade dadurch, dass sie ein ganz stinknormaler old-school Mensch ist, ohne Chips und Implantate, sieht sie keiner kommen und es macht sie zwischen den ganzen genetisch aufgepeppten Cyborgs um sie herum zu einer Wildcard. Dies erweist sich im Laufe der Geschichte als äußerst vorteilhaft für sie, insbesondere als sie den Auftrag erhält, als Bodyguard für den reichen Sprößling eines mächtigen Tycoons zu arbeiten, der gerade die Ölplattform-Stadt auf dem Wasser gekauft hat.

Doch noch während ihrer Tätigkeit als Beschützerin der Sexarbeiterinnen beginnt jemand, die Sexarbeiterinnen im Jack-the-Ripper-Style umzubringen…

Hier geht es aber nicht so sehr um eine „echte“ Person im Kampf gegen eine Welt voller Cyborgs, sondern viel mehr um die Zukunft unserer posthumanistischen Welt. Hwa wird in einen Kampf zwischen unterschiedlichen Zukunftsvisionen hineingezogen und man gerät insbesondere zum Ende des Buches hin schon recht tief in die abgefahrenere Ecke des Futurismus, wie zum Beispiel Rokos Basilisk…

The dance took place on a viewpoint level of Tower Four. Each hour, the whole floor would make a single revolution, so couples at tables could see both the city and the ocean. This was by far its lowest-tech feature. The Synth-Bio Club had engineered all manner of plants and animals just for the occasion: grabby little tentacular vines that climbed up the walls, twirling maple keys that danced and spun in the air like pixies and spiralled up from whatever surface they touched, butterflies that dampened signal by flapping their Faraday wings.“

Der rote Faden und Ankerpunkt in all der Abgefahrenheit bleibt die Protagonistin Hwa, die man sich als Mischung aus Jessica Jones und Lisbeth Salander vorstellen kann. Sie ist kein happy Bunny. Genervt von ihrer anstrengenden Mutter, von Schuldgefühlen geplagt ihre Sexarbeiter-Freundinnen im Stich zu lassen und sie schrammt mit ihrer Einstellung ihrem Aussehen gegenüber auch nur sehr knapp an Selbsthass vorbei. Die meisten Menschen/Cyborgs um sie herum haben Implantate die sie davor schützen hässliches sehen zu müssen, so dass fast niemand Hwas Gesicht sehen kann, sie sehen an dessen Stelle sowas wie eine Bildstörung, was natürlich auch nicht gerade dazu führt ihr Selbstbewußtsein zu stärken.

“She had been invisible—or blurred, or filtered, or hidden—for so long that whether she wanted to be seen rarely came up.”

Ein wiederkehrendes Motiv für Hwa ist der Master Control Room, etwas, dass sie sich immer wieder vorstellt wenn sie sehr wütend ist, Angst hat oder kurz davor ist einen Krampfanfalls zu bekommen. Sie sieht einen Raum voller Schalter, Knöpfe und Regler, die sie bedienen kann, um sich selbst zu kontrollieren und sie davon abhalten, sich oder andere zu verletzen. Sehr faszinierend die Idee, dass einer der wenigen, nicht durch Implantate verbesserte Mensch sich selbst als Maschine mit komplexem Regulierungssystem sieht.

Ashby hat eine unglaublich dichte Welt erschaffen voll technischer Möglichkeiten, die uns in Zukunft teilweise sehr wahrscheinlich begegnen werden. Die Charaktere sind greifbar, entwickeln sich und die verschiedenartigen Beziehungen werden auf spannende Weise beleuchtet. Hwa ist gleichzeitig der Inbegriff von Stärke und doch so fragil. Ihre Entwicklung insbesondere ist tiefgründig, sehr persönlich, aber nie überzeichnet.

Ein etwas komplizierter Pageturner, über den man noch lange nachdenken kann – ein ganz großes Highlight für mich.

Hier noch ein interessantes Interview mit der Autorin:

Auf deutsch erschien das Buch unter dem Titel „Company Town – Keiner ist mehr sicher“ im Arctis Verlag.

Meine Woche

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Gesehen: „Too Late“ (2015) von Dennis Hauck mit John Hakes and Crystal Reed. Spannendes sehr ungewöhnliches Los Angeles Noir-Drama. Tolle Bilder.

Gehört: „Kong“ – Neneh Cherry, „16 Psyche“ – Chelsea Wolfe, „Spacelab“ – Kraftwerk, „Breaking Bones“ – Vök, „Infinite Horizon“ – Dan Caine, „For the summer or forever“ – Balm, „Recomposition“ – Pleq

Gelesen: Losing Earth – the decade we almost stopped climate change, diese bisher unveröffentlichte Kurzgeschichte von Ernest Hemingway, über mangelnde Gleichberechtigung im Kino, Open offices make you less open, What if people were paid for their data , 

Getan: mit Chelsea Wolfe geschwitzt, geschwommen, mit Freunden auf dem Balkon gegrillt, an der Isar gepicknickt

Geplant: die Bingereader in den „Bilder vom Lesen“ im Franz Marc Museum bewundern

Gegessen: unglaublich lecker im Tian

Getrunken: Le Roc des Anges

Gelacht: Deutsch-Rechts / Rechts-Deutsch

Geärgert: immer wieder die AFD Idioten

Gefreut: dass die Geburtstagsgeschenke gefallen haben und über einen überraschenden Kontakt nach langer Zeit  (nach Meppen winkt)

Geklickt: noch mehr tolle Bibliotheken, Bird Watching von Anne Hollowday

Gewünscht: diesen Pool, diese Leiter für Hängepflanzen, dieses Haus

Gekauft: 2 Tshirts

Gestaunt: BBC Earth 10 Hours of relaxing Oceanscapes

Gefunden: tolle Bücher im offenen Bücherschrank

Gedacht: „Das ist ein alter Konflikt in mir: der zwischen meiner gesellschaftspolitischen Liberalität und meiner ästhetischen Belastbarkeit“ (Silvia Bovenschen)

#WomeninSciFi (29) Vom Ende An – Megan Hunter

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WAS WIR ANFANG NENNEN, IST OFT DAS ENDE,
UND EIN ENDE MACHEN HEISST EINEN ANFANG MACHEN
AM ENDE BRECHEN WIR AUF.“
(T. S. ELIOT, VIER QUARTETTE)

Das hier ein Dystopie-Fan zu Hause ist, dürfte man wahrscheinlich bereits bemerkt haben, vielleicht aber auch das ich da nicht einfach zu kriegen bin, denn Atmosphäre, Sprache, dahinter liegende Philosophie müssen stimmen, damit ich auch wirklich drauf anspringe.

Megan Hunters Debut hat zuerst durch das wunderschöne Cover neugierig gemacht. Aber nicht nur. Das sie mit einem Gedichtband auf der Shortlist des Bridport Prizes stand, merkt man dem Roman an, erinnern die kurzen Sätze allein vom Druckbild her eher an Gedichte als an einen Roman.

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Während die steigenden Meeresspiegel ganz London zu überfluten drohen und damit eine Bedrohung katastrophalen Ausmasses auslösen, treffen wir auf eine namenlose junge Frau die kurz davor ist ein Kind zu gebären.

„Mein üblicher Zynismus ist von Angst vertrieben worden, der Angst vor Schmerzen, vor Kontrollverlust, vor allem, was blutig ist und sich dehnt.

Der Augenblick der Geburt steht mir bevor wie früher meine Entjungferung, wie der Tod. Das Unvermeidliche, im Innern verborgen und irgendwo draußen auf der Lauer.“

Zeitgleich fast mit ihrer Fruchtblase reißen auch die Dämme und nur Tage nach der Geburt ihres kleinen Jungen Z ist die kleine Familie gezwungen ihre Wohnung zu verlassen und sich in Sicherheit zu geben. Sie wandern von Ort zu Ort, auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe. Die Mutter ist hin- und her gerissen zwischen Angst und Staunen ob der ersten Berührungen und Entdeckungen ihres kleinen Sohnes in diese beunruhigende Welt hinein. Glücklich und neugierig, trotz aller Unsicherheiten.

Es ist die Geschichte einer jungen Mutter die nicht nur mit ihrer neuen Rolle zurecht kommen muss, sondern sich auch in einer zunehmend fremden Welt wider findet. Megan Hunter hat ein überaus poetisches seltsam schönes Buch geschrieben, das ein mögliches Zukunftszenario beschreibt – realistisch und bedrohlich und doch voller Liebe und Hoffnung.

„Vom Ende an“ erinnert gelegentlich an Cormac McCarthy’s „The Road“ wobei das ja nahezu jedem dystopischen Roman mittlerweile nachgesagt wird. Es ist ähnlich distanziert, hat für mich aber deutlich mehr Poesie und Hoffnung. Es ist aus der Sicht der Mutter geschrieben, der Vater bleibt eine Randfigur und wir erleben nur den Anfang dieser bedrohlichen Katastrophe.

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Die Charaktere bleiben durchweg namenlos, einzig durch ein Initial erkennbar, dadurch fällt es dem Leser schwerer eine Bindung zu den Protagonisten aufzubauen. Dadurch aber wird die Katastrophe selbst umso realistischer. Jeder von uns könnte R oder S oder Z sein, das macht die Geschichte so greifbar, lässt die Bedrohung und den Horror ganz langsam einsickern und vorstellbar werden.

„Ich bewege meine Hand über die Wege der fleckigen Wand, geäderte Wasserpfade als Aufzeichnung all der Tage, die wir nicht erlebt haben.“

Vielleicht hätte ich mir die Protagonisten etwas dreidimensionaler gewünscht, aber es lebt auch ganz klar von seiner spartanen spröden Schönheit. „Vom Ende an“ ist ein besonderer, einzigartiger Roman, den ich sehr gerne gelesen habe. Vielleicht sollte man den Roman wie Gedichte mehrfach lesen, um ihn Schicht für Schicht freizulegen und ihm immer mehr seiner Geheimnisse zu entlocken.

Es wundert mich nicht, dass Benedict Cumberbatch sich hier die Filmrechte gesichert hat, ich bin schon sehr auf die Verfilmung gespannt und caste zwischenzeitlich schon mal die Hauptdarstellerin 😉

Ich danke dem C. H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar.