Kiwi Musikbibliothek

 

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Thees Uhlmann – Die Toten Hosen

Mit den Toten Hosen kam ich das erste Mal in Berührung, als der Nachbarsjunge im Sommer 1991 mit seinem Ghettoblaster vor unserem Haus saß und lautstark „Opelgang“ abspielte. Einen Tag später hatte er, wie man es damals noch so machte, mir die Kassette überspielt.

1994 durfte ich zum ersten Mal auf ein Toten Hosen Konzert. Meine Liebe zu den Hosen hält seit 1991 an. Mein persönliches Highlight war Anfang der 2000er Jahre das Konzert in einem Flugzeughangar auf Sylt mit nur 500 Personen, wenn überhaupt. Neues Hosen T-Shirt? Oder das letzte Geld lieber in die Bahnfahrkarte zurück investieren? Das war da die große Frage.

Thees Uhlmann blickt in seinem Buch ebenso zurück auf seine Hosen-Zeit. An sein erstes Konzert hat er allerdings viel weniger Erinnerungen als ich an meines – es fing an mit einer Liste, die am schwarzen Brett in seiner Schule hing, als er in die 9. Klasse ging. Überraschenderweise genehmigten seine Eltern den organisierten Konzertausflug aus dem kleinen Hemmoor nach Hamburg und schon stand er vor der Konzertlocation im mega Gedrängel (wie es auch heute noch immer ist!). Ab Lied 4 oder 5 hatte er bereits einen Filmriss – die Erinnerung an das erste Hosenkonzert fällt also eher spärlich aus…

Es sollten sich im Verlauf seines Lebens aber noch viele weitere Gelegenheiten bieten, die Hosen live zu erleben. Das Buch ist kurzweilig und gut zu lesen. Wer eine Biographie der Hosen erwartet, ist hier fehl am Platz, es ist viel mehr eine kurze Geschichte des turbulenten Lebens des Thees Uhlmann, der es vom Filmriss zur Freundschaft mit den Hosen gebracht hat. Mit Fortschritt des Buches und seines Lebens nahmen auch die Hosen einen größeren Stellenwert ein. Für einen echten Hosen-Fan, der ein Buch über die Hosen erwartet, nimmt das Buch dann auch bis zum bitteren Ende etwas an Fahrt auf. Hat mir insgesamt gut gefallen und vor allem – schönes Format, lässt sich auch mal gut in die Tasche stecken und schnell unterwegs lesen.

Weiter geht es hier demnächst mit Nick Cave – jetzt krame ich erst mal die alten Hosen Platten wieder raus…

Ich danke dem Kiepenheuer & Witsch Verlag für die Rezensionsexemplare und Wonnie von den Münchner Küchenexperimenten für diesen Beitrag.

Kein Teil der Welt – Stefanie de Velasco

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Der zweite Roman von Stefanie de Velasco, die mich schon mit „Tigermilch“ sehr begeistern konnte, macht seine Leser*innen mit einer Parallelwelt vertraut, die mir bislang ziemlich unbekannt war. Esther und Sulamith sind beste Freundinnen seit sie klein sind, sie gehen nicht nur nach dem Kindergarten auch in die gleiche Schule, sie verbringen auch ihre gesamte Freizeit miteinander, die wirkliche freie Zeit und die organisierte Freizeit, die bei beiden eng mit den Zeugen Jehovas verwoben ist.

Esthers Familie war schon vor ihrer Geburt bei den Zeugen Jehovas, Sulamith flüchtete mit ihrer Mutter aus Rumänien und diese tritt aus Dankbarkeit für die erbrachte Unterstützung für sie und ihre Tochter ebenfalls den Zeugen Jehovas bei. Die Kindheit der beiden Mädchen unterscheidet sich gravierend von der ihrer Mitschüler. Wie fundamentalistisch und komplett nicht Teil dieser Welt diese Glaubensgemeinschaft ist, war mir bislang nicht klar.

Was de Velasco in ihrem Buch gut gelingt, ist aufzuzeigen, wie eng die Welt in einer solchen Glaubensgemeinschaft ist. Wie nebensächlich es ist, ob das woran geglaubt oder nicht geglaubt wird einen Sinn ergibt, es erscheint fast, je widersinniger die Ansichten, desto eifriger glauben die Gemeindemitglieder. In erster Linie bieten die Zeugen Jehovas – wie wahrscheinlich auch viele andere Sekten und strengen Glaubensgemeinschaften – Halt, Zusammengehörigkeitsgefühl, Unterstützung, aber eben auch enge Kontrolle, viel Autorität und wenig Freiheit.

Ich fand es interessant, dass man an Sulamith sieht, dass gerade diejenigen, die wirklich nach etwas Höherem suchen, die wirklich glauben wollen, die sich ernsthaft mit dem beschäftigen, wofür ihr Glaube steht, in Schwierigkeiten geraten und oft den Glauben verlieren bzw. die Glaubensgemeinschaft verlassen. Wem es hauptsächlich um die Gemeinschaft geht, hinterfragt weniger, glaubt, was geglaubt werden soll und versucht, einfach nicht anzuecken.

Beim Lesen hab ich mich manchmal regelrecht beklemmt gefühlt. Ich fühlte mich stellenweise an Tara Westovers „Educated“ erinnert, zwischen dem Fundamentalismus der Mormonen und dem der Zeugen Jehovas habe ich keinen großen Unterschied gesehen. Krass war für mich, wie sehr sich diese Glaubensgemeinschaft für die einzig Auserwählten hält, im Gegensatz zu all den anderen draußen in der Welt. Die Ungläubigen, die sich nicht auf ihre Bekehrensversuche einlassen, sind eigentlich nur unverständliches Hintergrundrauschen.

De Velasco, die selbst mit 15 Jahren aus der Gemeinschaft austrat, spricht schonungslos darüber, wie es ist , in einer Glaubensgemeinschaft wie den Zeugen Jehovas aufzuwachsen, ohne je eine reine klassische Aussteigergeschichte zu schreiben. Interessant fand ich auch die geschichtliche Entwicklung zu sehen, die die Zeugen Jehovas durchlaufen haben. Als absolute Pazifisten wurden sie während der NS-Zeit ins KZ gebracht, auch in der DDR wurde ihnen die Glaubensausübung untersagt und sie waren eher auf der Seite der Verfolgten. Heute, wo sie keinerlei Zwängen unterliegen, kommen die Zeugen Jehovas deutlich mehr als Verfolger rüber, die Andersgläubigen wenig Symphatie entgegenenbringen.

Wenn ich das nächste Mal in der Innenstadt Menschen mit ihren „Wachturm“ oder „Erwachet“-Hefterln sehe, muss ich aufpassen, dass ich nicht ein Fachgespräch starte, jetzt wo ich soviel weiß über den treuen und verständigen Slaven, Harmagedon und den Gemeinschaftsentzug…

Ich danke dem Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar.

Meine Woche

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Gesehen: Ms 45 (1981) von Abel Ferrara mit Zoë Lund. Stylischer Thriller um die Verwandlung einer jungen Frau auf Rachefeldzug. Großartig.

Dark“ (2018) von Baran bo Odar. Großartige deutsche Mystery-Serie, bei der man nicht eine Sekunde unaufmerksam sein darf. Tolle Bilder und Atmosphäre aber gelegentlich verursacht sie Knoten im Kopf.

The Unbelievers“ (2013) Dokumentation von Gus Holwerda über die Atheismus-Diskussions-Tour von Richard Dawkins und Lawrence Krauss. Die Doku ist echt langweilig, da gibt es deutlich bessere Vorträge der beiden auf youtube. Kann man sich sparen.

Gehört: „Closer to Grey“ und „Kill for Love“ – Chromatics, „Nisi Dominus“ – Antonio Vivaldi,  „God’s gonna cut you down“ – Marilyn Manson, „At the end of all time“ – April Larson, „Night swept the forest“ – Hilyard, „Melody X“ – Bonaparte, „Goodbye“ – Apparat & Agnes Obel, „Twisted Olive Branch“ – Asaf Avidan, „Icy“ – Kim Petras

Gelesen: Zadie Smith in defense of fiction, dieses Interview mit Ursula LeGuin, Stephen Kings Haus wird Archiv und Writers‘ Retreat, Why you never see your friends anymore, Tokarczuk oder Handke – wie political correctness als Männerquote fungiert, Adventures in Psychedelia und mit Rechten im Stuhlkreis

Getan: mir ne fette Erkältung eingefangen

Geplant: wieder fit werden und den Bookclub besuchen

Gegessen: Persischer Knusperreis und gerösteter Kürbis mit Schafskäse

Gefreut: über das traumhaft schöne Herbstwetter

Geweint: über eine junge Frau in den USA die in ihrem Haus erschossen wurde

Gestaunt: über diese Jetpacks, gehäkelte Seegurken und über die Hunters Point Library in New York

Geärgert: Stell dir vor, du bekommst den Nobelpreis für Literatur und kein Mensch spricht über dich, weil ein anderer Preis-Dude seine Ego-Show abzieht. (Fräulein Elfe)

Gelacht: #ichkommevonhomer und all my passwords are protected by amnesia

Gewünscht: diese Lego-Dinos, Stroodles – Strohhalme aus Nudeln, dieses Outfit

Gefunden: nix

Gekauft: das neue Philosophie Sonderheft „Philosophinnen

Gedacht: “To a disciple who was forever complaining about others, the Master said, ‘If it is peace you want, seek to change yourself, not other people. It is easier to protect your feet with slippers than to carpet the whole of the earth.’” — Anthony de Mello

Women in Science (23) Sonja Kowalewski

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Sonja Kowalewski wurde als Sofya Vasileyevna Kovalevskaya 1850 in Rußland geboren. Wie üblich bei russischen Namen, wurde ihr Name in vielen Varianten übersetzt, ich belasse es der Einfachheit halber hier bei der in Deutschland gängigen Variante Sonia Kowalewski.

Sie war eine Pionierin auf dem Gebiet der Mathematik und die erste Frau, die einen Doktor in Mathematik machte, sowie die erste Professorin für Mathematik in Nordeuropa.

Ihr Interesse für Mathematik wurde durch mathematische Unterlagen geweckt, die sie in ihrem Kinderzimmer enteckte. Da die Tapete in ihrem Zimmer nicht ausreichte, wurde der Rest der Wand mit Unterlagen einer mathematischen Vorlesung von Michail Ostrogradski zu Differential- und Integralrechnung tapeziert. Die Unterlagen gehörten ursprünglich ihrem Vater.

Mit diesen Berechnungen beschäftigte sich die kleine Sonja intensiv und ihr Interesse an der Mathematik wurde besonders von einem Onkel gefördert, der sich als Nichtmathematiker selbst in die Höhen der Mathematik eingearbeitet hatte.

Der Unterricht, den sie zu Hause erhielt, wurde ihr schnell langweilig und als ihr Interesse an Algebra und Geometrie stärker wurde, verbot ihr Vater ihr zunächst den Unterricht. Sie verfolgte ihre Interessen daher heimlich weiter.

Mit 15 begann sie, sich selbst Physik sowie die trigonometrischen Formeln, auf die sie beim Studium der Optik stieß, beizubringen. Sie korrespondierte mit dem Verfasser des Physik-Lehrbuchs und dieser setzte sich dafür ein, dass sie Unterricht in höherer Mathematik bekam.

Diesen bekam sie bei einem Professor in Sankt Petersburg, wo sie auch auf Dostojewski traf, für den sie von Jugend an schwärmte. Dieser interessierte sich allerdings mehr für ihre Schwester Anna.

Da Frauen zu dieser Zeit in Russland weder studieren, noch als Gasthörerinnen an Vorlesungen teilnehmen durften, gingen sie häufig zum Studium in den Westen (Marie Curie zum Beispiel nach Paris).

Es war gar nicht einfach für Frauen in Russland auszureisen, denn sie besaßen zu dieser Zeit keinen eigenen Reisepass. Eine Auslandsreise war ihnen daher nur in Begleitung des Vaters oder Ehemanns möglich. Ihr Vater war gegen ihr Auslandsstudium, sie aber setzte sich gegen seinen Willen durch und ging 1868 mit dem Studenten Wladimir Kowalewski eine Scheinehe ein. Im darauffolgenden Jahr reisten beide nach Wien, wo Sonja die Genehmigung eines Physikprofessors erhielt, an seinen Vorlesungen teilzunehmen.

Das Leben in Wien war teuer und  es gefiel ihr dort auch nicht sonderlich, so dass sie beschloss, nach Heidelberg zu gehen, wo sie im Sommer 1869 ihr Studium der Mathematik (bei Paul du Bois-Reymond und Leo Koenigsberger), Physik (bei Helmholtz) und Chemie (bei Bunsen) aufnahm.

Im Winter 1870 wechselte Sonja auf Anraten von Professor Koenigsberger nach Berlin, zu Karl Weierstraß, dem bedeutendsten Mathematiker seiner Zeit. Nach vier Jahren begann sie, an ihrer Dissertation zu arbeiten, teilweise arbeitete sie 16 Stunden am Stück. Dazwischen war sie hin- und wieder in Paris bei ihrem Mann und ihrer Schwester, die beide auf Seiten der Aufständischen aktiv in der Pariser Kommune waren. Nach der Niederschlagung der Kommune konnte ihre Schwester fliehen, ihr Mann wurde dabei verletzt. Kowalewski pflegte ihn und andere Verletzte in dieser Zeit im Hospital, nahm jedoch nicht am Aufstand selbst teil.

Obwohl ihr Lehrer Weierstraß selbst gegen das Studium von Frauen war, unterstützte er sie bei der Promotion, die sie 1874 an der Universität in Abwesenheit und ohne mündliche Prüfungen absolvieren konnte. Sie machte ihren Abschluss mit summa cum laude.

Nach ihrer Promotion ging sie mit ihrem Mann nach Russland zurück, wo sie jedoch keine Möglichkeit hatte zu unterrichten, außer in den untersten Klasse an einer Mädchenschule. Aus diesem Grund beschloss sie, der Mathematik den Rücken zu kehren und ihre Scheinehe zu einer richtigen zu machen. Im Jahr 1878 brachte sie eine kleine Tochter zur Welt.

Doch schon nach kurzer Zeit gerieten sie in finanzielle Bedrängnis und sie mussten vor Gläubigern nach Moskau fliehen. Dort begann sie, sich wieder mit der Mathematik zu beschäftigen. Nachdem ihr Mann durch irrsinnige Spekulationen finanziell immer weiter abrutschte, trennte sie sich von ihm und ging zurück nach Berlin, später nach Paris, wo sie in die Mathematische Gesellschaft gewählt wurde. Ihre Tochter schickte sie zurück nach Rußland, wo sie von einer Freundin aufgezogen wurde.

1883 erhielt sie eine Stelle als Privatdozentin an der Universität Stockholm. Eine Position, die ihr als getrennt lebende Frau lange verwehrt war, die ihr aber durch den Selbstmord ihres Gatten und ihrer somit neuen Rolle als ehrbare Witwe nun offen stand.

Ihre Ankunft in Stockholm war ein großes Ereignis, so ungewöhnlich war die Vorstellung einer weiblichen Professorin. August Strindberg bekleckerte sich auch nicht gerade mit Ruhm als er folgende Zeilen in einem Artikel veröffentlichte:

„…eine Frau als Mathematikprofessor eine schädliche und unangenehme Erscheinung sei, ja, daß man sie sogar ein Scheusal nennen könnte. Die Einladung dieser Frau nach Schweden, das an und für sich männliche Professoren genug habe, die sie an Kenntnissen bei weitem überträfen, sei nur durch die Höflichkeit der Schweden dem weiblichen Geschlecht gegenüber zu erklären.“

1887 lernte Kowalewski Alfred Nobel kennen, der ihr den Hof machte, den sie aber abblitzen ließ. Es gibt Gerüchte, dass seine gekränkte Eitelkeit der Grund dafür seien, dass es bis heute keinen Nobelpreis für Mathematik gäbe.

Im Juni 1889 wurde ihr in Stockholm eine Professur auf Lebenszeit übertragen und sie wurde in Frankreich zum Officier de l’Instruction publique ernannt, was allerdings keine nennenswerten Vorteile mit sich brachte. In Russland wurde sie nun immerhin zum „korrespondierenden Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften“ gewählt.

Leider hatte Kowalewski nicht mehr viel von ihrer Stellung auf Lebenszeit, da sie 1891 an den Folgen einer Lungenentzündung starb. Sie wurde nur 41 Jahre alt. Die Nachricht ihres frühen Todes erschütterte die Mathematiker in ganz Europa.

Seit 1992 wird von der Russischen Akademie der Wissenschaften für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Mathematik der Kowalewskaja-Preis verliehen. Erste Preisträgerin war Olga Ladyschenskaja.

Persepolis – Marjane Satrapi

Foto: Ueberreuter Verlag

Persepolis ist eine wunderbare Graphic Memoir. Witzig, weise und teilweise herzzerreißend. Marjane Satrapi erzählt von ihrer Kindheit im Iran, wo sie während der Islamischen Revolution aufwuchs. In kraftvollen schwarz-weiß Bildern erzählt Satrapi von ihrem Alltag in Teheran zwischen ihrem sechsten und vierzehnten Lebensjahr. Jahre, in denen das Regime des Schah gestürzt wurde, die Islamische Revolution triumphierte und über die verheerenden Folgen des Krieges mit dem Irak.

Das intelligente, offene Mädchen ist die einzige Tochter überzeugter Marxisten und die Ururenkelin des letzten iranischen Kaisers. Marjane Satrapis Kindheit ist eng verbunden mit der Geschichte ihres Landes.

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Persepolis zeigt in unvergesslichen Bildern den Alltag im Iran während der Islamischen Revolution und den verwirrenden Widersprüchen zwischen dem öffentlichen und dem privaten Leben. Marjane erlebt die staatlich sanktionierten öffentlichen Auspeitschungen, die Absetzung der bisherigen Herrscher sowie die Helden der Revolution und man versteht durch sie und das Leben ihrer Familie die Geschichte dieses außergewöhnlichen Landes.

Eine Graphic Memoir, die unglaublich intensiv, persönlich und politisch ist, ist gleichzeitig eine Coming-of-age Geschichte und eine Erinnerung daran wie hoch der Preis ist, den die Menschen für Kriege und politische Unterdrückung zahlen müssen.

 Satrapi spricht über die Schmerzen als Frau in ein Land geboren zu werden, dass eines der strengsten unterdrückerischsten islamischen Regime der Welt ist. Sie tut dies, ohne je moralisierend zu klingen oder ins melodramatische abzudriften.

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Marjani hat richtig tolle Eltern, die es problemlos in die Top 10 der coolsten Eltern in Büchern schaffen, über die ich jemals gelesen habe.

Ein Buch, das ein wirklich originelles und wahrhaftiges Bild der Revolution und seiner Konsequenzen schafft und auch die schiere Absurdität religiöser Dogmen aufzeigt.

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Foto: Ueberreuter Verlag

Im zweiten Band ihrer Memoiren begegnen wir Marjane in Österreich. Ihre Eltern ermöglichten ihr, dem Fundamentalismus und dem Krieg im Iran zu entkommen, in dem sie sie zu Verwandten nach Wien schickten. Dort angekommen, ist sie ziemlich allein mit ihren Problemen in der Pubertät und es gelingt ihr nur langsam, einen Platz für sich in einer Gruppe von Außenseitern zu finden. Immer wieder kämpft sie darum, irgendwo dazuzugehören.

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Nach ihrem Abschluss beschließt Marjane, trotz der Repressalien in den Iran zurückzukehren, da sie ihre Heimat und ihre Familie immer mehr vermisst. Ihre schwierige Rückkehr zwingt sie dazu, sich den Veränderungen zu stellen, die sie und ihr Land mittlerweile vollzogen haben. Marjane leidet sehr unter ihrem „Versagen“ in Österreich und verkriecht sich zunächst bei ihren Eltern. Es dauert eine ganze Weile, bis sich gleichgesinnte Freunde findet, sich verliebt und beginnt Kunst zu studieren.

Doch die immerwährenden Unterdrückungen und der staatlich sanktionierte religiöse Fundamentalismus und Chauvinismus ihres Landes bringt sie irgendwann dazu, sich wieder zu fragen, ob sie im Iran wirklich eine Zukunft hat….

Ich habe die beiden Bände verschlungen, kann sie nur jedem ans Herz legen und bin schon sehr gespannt auf die Verfilmung.

Hier der Trailer:

Welche Graphic Novels/Memoirs könnt ihr empfehlen?

Meine Woche

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Gesehen: „Columbus“ (2017) von Kogonada mit Haley Lu Richardson und John Cho. Wunderschöner intellektueller Film mit tollen Bildern, viel Architektur und perfektem Soundtrack. Unbedingt ansehen.

Ad Astra“ (2019) von James Gray mit Brad Pitt. Philosophischer Sci-Fi mit wunderschönen Bildern. Den sollte man auf jeden Fall auf der großen Leinwand sehen. Der Soundtrack ist ebenfalls großartig.

28 Days Later“ (2002) von Danny Boyle mit Cillian Murphy und Naomie Harris. Ein Killer-Virus der in England ausbricht und nahezu alle Menschen in zombieartige Killer verwandelt. Klingt nach Brexit-Wahn, ist aber ein wirklich guter Film.

Gehört: „Columbus Soundtrack“ – Hammock, Ad Astra Soundtrack,  „House of Cards“ – Radiohead, „Virðulegu Forsetar“ – Jóhann Jóhannsson, „Narcosis“ – Kokomo, „Trauma“ – Terpentine Valley, „Requiescene“ – Random Forst

Gelesen: über die frisch gebackene Literatur-Nobelpreisträgerin Olga TokarczukGoogle and their contributions to climate change deniers, the women who take the alt-right to court, to be a genius think like a 94 year old, Marina Abramovic on Yugonostalgia und a silent act of resistance: the hidden tattoo studios of Teheran

Getan: ein gutes Bootcamp durchgeführt, an der Isar entlang spaziert und einen schönen Abend beim Geburtstagsgeschenks-Dinner mit lieben Freundinnen verbracht

Geplant: Konzerte besuchen und Yoga machen

Gegessen: Kartoffel-Paneer-Salat und leckere Strozzapreti in der Goldmarie

Gefreut: über diese fröhlichen Damen auf dem Laufsteg und den Literaturnobelpreis für Olga Tokarczuk

Geweint: über den schrecklichen Anschlag in Halle

Gestaunt: A short film about two small spacecraft, an epic journey, taking risks and falling in love. Also Carl Sagan. By Penny Lane.

Gelacht: über Maren Kroymanns „Der Geburtstag“ und über diese ältere Dame und Trevor Noah die was zu Boris Johnson haben

Gewünscht: dieses Outfit, diese Decke, diesen Kalender und diesen Fitness-Guide

Gefunden: ein wunderschönes Foto in einem Buch

Gekauft: Bücher und eine Books-that-Matter-Box

Gedacht: Das Talent gleicht dem Schützen, der ein Ziel trifft, welches die übrigen nicht erreichen können; das Genie dem, der eins trifft, bis zu welchem sie nicht einmal zu sehen vermögen – Arthur Schopenhauer

Eine Liebe Swanns – Marcel Proust

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Eine Liebe Swanns ist eine Liebeserklärung auf 300 Seiten, bei der man irgendwann merkt, dass das Objekt dieser Liebe überhaupt keine Wichtigkeit hat, nur das Lieben an sich ist wichtig.

Ich bin primär einmal froh, dass ich dieses Buch tatsächlich geschafft habe. Es war zu gleichen Teilen ein beglückendes Erlebnis aber auch wahnsinnig frustrierend.

Es ist der erste Teil – wenn ich mich nicht täusche – von Prousts Monumentalwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ und kann als Novelle für sich stehen. Dennoch hatte ich beim Lesen oft das Gefühl, mir fehle der Kontext.

Die Sprache ist natürlich wunderschön, da sind brilliante Sätze, aber ganz ehrlich – Swann ist ein ziemlicher Idiot. Das, was er Liebe nennt, hat für mich nicht wirklich etwas mit Liebe zu tun, es handelt sich eher um eine ungesunde Besessenheit, eine eifersüchtige, unehrliche, ja kranke Liebe.

Mich nervte, dass er von Odette nicht lassen konnte, dass sie beide dieses irrsinnige Spiel permanent weiterführen. Aber gut, dass ist wohl die Macht der Liebe, auch wenn es sich um eine ziemlich korrumpierte Form handelt. Menschen können sich auf abenteuerlichste Weise selbst hinters Licht führen und wenn sie genug Zeit haben, finden sie dennoch rationale Erklärungen für ihr Verhalten.

„Von allen Arten der Erzeugung von Liebe, von allen Wirkkräften zur Verbreitung der heiligen Krankheit, ist sicher dieser gewaltige Erregungssturm, der uns manchmal erfasst, eine der zuverlässigsten. Dann fällt das Los unweigerlich auf die Person, mit der wir im Augenblick gerade gern zusammen sind; sie ist es, die wir lieben werden. Es ist dabei gar nicht nötig, dass sie uns bis dahin mehr oder auch nur ebensosehr wie andere gefiel. Es musste nur dazu kommen, dass unsere Neigung für sie plötzlich ausschließlich wurde.“

Bewundernswert ist Prousts Gabe, die sozialen Feinheiten herauszuarbeiten, die Beschreibung des Salons der Verdurins und die vielen feinen Haarrissen gleichenden Brüchen in den Begegnungen der Salonbesucher, ihrer Konflikte, Geheimnisse und wie er vorsichtig und fast zärtlich ihre jeweiligen Schwächen herausarbeitet.

Proust, der Chirurg mit der Feder, spielt natürlich auch auf vielschichtige Weise mit der Macht der Erinnerung. Mal unabhängig vom berühmten Madeleine Beispiel, ist es in „Eine Liebe Swanns“ die Macht der Musik, die kaum versteckten Tiefen im Bewußtsein des Protagonisten freizulegen. Das Freisetzen von Erinnerungen durch die Kunst ist das eigentliche Herz dieser Geschichte.

Ich freue mich, endlich etwas von Proust gelesen zu haben, brauche jetzt aber dringend etwas Abstand vom „Fin de Siecle“, wobei so einen Salon hätte ich ja schon auch gerne 😉

Habt Ihr Proust gelesen? Wie war euer Leseerlebnis?