Naxos by the Book

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Das Erste, was auf Naxos überrascht, ist der Wind. Ein stürmischer Wind, der schon Odysseus im Ägäischen Meer so einigen Ärger bereitete, uns aber überwiegend wohltuende Abkühlung brachte und der so ganz anders ist, als die Stürme hier bei uns, ohne dunkle Wolken, Regen und bei strahlend blauem Himmel.

Nach dem eher abenteuerlustigen Urlaub in Kanada im letzten Jahr wollten wir dieses Jahr wieder einfach ein kleines weißes Häuschen am Meer mieten, jede Menge Bücher einpacken und planlos in den Tag hineinleben.

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Naxos ist die größte der Kykladen-Inseln mit etwa 6500 Einwohnern, sie ist recht bergig und da es an den Berggipfeln regelmäßig Niederschläge gibt, ist die Insel auch verhältnismäßig grün. Schon Herodotus (zu dem gibt es in den nächsten Tagen einen gesonderten Beitrag hier) beschrieb die Insel als eine der Reichsten.

Berühmt sind insbesondere die Kartoffeln auf Naxos und ich muss ehrlich zugeben, die haben wirklich sehr gut geschmeckt, denn eigentlich mag ich Kartoffeln überhaupt nicht und habe die Bingereader-Gattin ziemlich überrascht, als ich freiwillig des Öfteren Kartoffeln bestellte.

Es gedeihen aber nicht nur Kartoffeln sehr gut auf Naxos, auch sonst gibt es sehr leckeres Obst, Gemüse und frische Kräuter, daher erschien uns ein Kochkurs eine überaus gute Idee. Die Zutaten kamen direkt von Dimitris Farm und seine bezaubernde Mama, die Kochlehrerin, freute sich sehr über die Erfolge ihrer Kochschützlinge – diese wurden großzügig mit Umarmungen und Bussis belohnt. Wir kochten:

Yemista: mit Reis gefülltes Gemüse
Kolokythokeftedes: Zucchinibällchen mit Feta
Sfougata: Zucchini-Omelette
Tzatziki und
Hühnchen in Tomatensauce

Wir haben gelernt, das Geheimnis guter Küche ist auf jeden Fall immer eine Menge Olivenöl 😉

 

Naxos hat traumhafte Strände, wir fühlten uns teilweise fast in die Karibik versetzt und es gab auch ein paar interessante antike Ruinen zu erwandern. Insgesamt ein rundum perfekter Urlaub.

 

Die passende Lektüre kam auch nicht zu kurz – dieser Urlaub war für mich auch zeitgleich meine Entdeckung der Christa Wolf und die beiden Bücher die ich las – Medea und Kassandra – haben mich umgehend in ein riesiges Christa Wolf-Fangirl verwandelt – ich möchte unbedingt alle Bücher dieser großartigen und von mir viel zu spät entdeckten Autorin lesen.

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Was für eine tragische unheimliche Geschichte – unglaublich wild und brutal, die einem noch lange nachgeht. Die Handlung ist eine Nacherzählung der alten Geschichte des Apollonius von Rhodos und Euripides. Medea, die sonst immer als rachsüchtige Hexe, Kindsmörderin und Inbegriff abgrundtiefen Hasses präsentiert wird erfährt bei Christa Wolf eine Wandlung. Sie zeigt Medea als Opfer politischer Intrige, die einem paranoiden Idioten als Feindbild dienen musste. Ja sie ist wütend – auch in dieser Geschichte – aber immer rational und kein bisschen durchgeknallt.

„Weiß ich doch lange: In dem großen Getriebe spielt auch der seine Rolle, der es verhöhnt..“

„Für den gewöhnlichen Menschen mit seinen Schwächen lebt es sich besser unter Menschen, die auch ihre Schwächen haben“

Das Buch ist eine Reihe von elf Monologen, eine Mischung verschiedener Stimmen doch Medea beherrscht das Narrativ und ist verzweifelt darum bemüht, die letztgültige Version ihres eigenen Lebens zu erzählen.

Christa Wolf schrieb dieses Buch nach dem Zusammenbruch der DDR, Anfang der 1990er Jahre, nach einigen Jahren der Depression und Stille, verursacht wohl durch den Schock über die untergegangene Heimat und die kurz danach einsetzende Hexenjagd, die durch arrogante westdeutsche Journalisten auf sie veranstaltet wurde.

„So ist es Brauch gewesen in den alten Zeiten, auf die auch wir uns ja berufen hatten, weil wir uns einen Vorteil davon versprachen. Und seitdem ist mir ein Schauder geblieben vor diesen alten Zeiten und vor den Kräften, die sie in uns freisetzen und derer wir dann nicht mehr Herr werden können.“

Medea scheint ihre Katharsis gewesen zu sein, ihre Art, den Schmerz darüber zu verarbeiten, keine wirkliche Heimat mehr zu haben. Die alte Heimat – Kolchis im Roman – ist untergegangen im brutalen Showdown omnipotenten männlichen Egos. Ihre neue Heimat – Korinth – braucht einen Sündenbock, um von ihren eigenen immanenten Problemen abzulenken.

Die wilde Frau, die sich weigert, ihre Ambitionen zu beschränken und sich arroganten Männern zu unterwerfen wird gejagt und verurteilt… Das gilt für Medea wie auch für Christa Wolf.

Was ist Wahrheit? Wahrheit ist vermutlich das, was die Leute glauben wollen.
Medea, die versucht wahrhaftig zu leben, muss ihre Heimatlosigkeit akzeptieren in einer Welt voller kindischer egomanischer Männer, die von skrupellosen Beratern voller Opportunismus umringt sind.

„Große schreckliche Kinder, Medea. Das nimmt zu, glaub mir. Das greift um sich.“

Christa Wolfs Sicht auf die Welt (und das Patriarchat) ist kristallklar, desillusioniert und ehrlich. Diese Version der Medea ist schrecklicher als die antike Version, da sie erschreckend aktuell, das Oper einer Fake News Maschine erster Güte wird.

Agameda meint, es sei eine Form von Hochmut, auf Haß nicht mit Haß zu antworten und sich so über die Gefühle der gewöhnlichen Menschen zu erheben, die Haß genauso brauchen wie Liebe, eher mehr.“

Chapeau Christa Wolf – wilde Frau!

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Direkt weiter ging es mit einer weiteren Neufassung eines antiken Klassikers. Kassandra, die Seherin, in einer Welt voll blindem Patriotismus und Machismo, die Kämpferin für die Rechte der Frauen in einer Gesellschaft, die Frauen per Tauschgeschäft gegen Gold oder Ehre eintauscht. Kassandra ist ein zeitloser Mythos und gleichzeitig so aktuell, wie ein Protagonist nur sein kann.

„Wann Krieg beginnt, das kann man wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg. Falls es da Regeln gäbe, müßte man sie weitersagen. In Ton, in Stein eingraben, überliefern. Was stünde da?
Da stünde, unter andern Sätzen: Laßt euch nicht von den Eignen täuschen.“

Kassandra ähnelt der Autorin sehr, die zu ihren Lebzeiten ebenfalls gegen  desillusionierende machthungrige Politik ankämpfte, die versuchte, der Stimme der Vernunft Gehör zu verschaffen und die damit genauso wenig Erfolg hatte wie Kassandra.

„Das alte Lied: Nicht die Untat, ihre Ankündigung macht die Menschen blaß, auch wütend, ich kenn es von mir selbst. Und daß wir lieber den bestrafen, der die Tat benennt, als den, der sie begeht: Da sind wir, wie in allem übrigen, alle gleich. Der Unterschied liegt darin, ob mans weiß.“

Am Ende sieht Kassandra die Mauern ihrer Gesellschaft von innen her zerstört und wie die trojanische Prinzessin so sah auch Christa Wolf, dass ihre eigene Gesellschaft dabei war, zu zerbrechen. Der Roman erschien 1983 und die DDR zeigte bereits jede Menge Anzeichen des beginnenden Zerfalls.

Kassandra beklagt, wie die Rhetorik der Herrschenden lauter und lauter wird, je schwächer Troja wird, ein Spiegelbild zur DDR Propaganda und mit Eumelos hatte Troja sogar seinen eigenen fanatischen Stasi-Agenten.

„… auf einmal war es nicht mehr ratsam für uns Frauen, alleine unterwegs zu sein. Wenn man es recht betrachtete – nur traute niemand sich, es so zu sehn – , schienen die Männer beider Seiten verbündet gegen unsere Frauen. Entmutigt zogen die sich in die winterlichen Höhlen der Häuser, an die glimmenden Feuer und zu den Kindern zurück.“ 

Sie hat mich auch sehr überrascht mit der Wendung der Geschichte, dass Helena gar nicht in Troja ist. Das der ganze Grund für den Trojanischen Krieg auf einer Illusion, einem Betrug beruht. Aber egal, ob Helena da ist oder nicht, zwei kriegswütige Demagogen brauchen keinen wirklichen Grund für einen Krieg. Helena ist einfach nur eine Ausrede.

Fake News treffen auf griechische Mythen. Christa Wolf hat mich wirklich umgehauen. Ein Roman, der wieder und wieder gelesen werden muss, denn die Trojanischen Kriege werden auch heute noch geführt. Und sie werden solange weitergehen, bis gewalttätige Helden nicht mehr angesagt sind. Bis Frauen nirgendwo auf der Welt mehr als Objekte gesehen werden, die man als Kriegsbeute erobert oder die man beim Spiel gewinnen oder verlieren kann.

„Was dann kam, sah ich vor mir, als wär ich dabeigewesen. Achill der Griechenheld schändet die tote Frau. Der Mann, unfähig, die Lebende zu lieben, wirft sich, weiter tötend, auf das Opfer. Und ich stöhne. Warum. Sie hat es nicht gefühlt. Wir fühlen es, wir Frauen alle. Was soll werden, wenn das um sich greift. Die Männer, schwach, zu Siegern hochgeputscht, brauchen, um sich überhaupt noch zu empfinden, uns als Opfer. Was soll da werden.“

Noch bleiben die Stimmen von Frauen wie Kassandra weiterhin zu oft ungehört.

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Aus Vernunftgründen hatte ich auf Stephen Frys „Mythos“ verzichtet, da der Stapel an Reiselektüre schon beachtlichen Umfang hatte. Um so mehr habe ich mich gefreut, das Buch in der Bibliothek unseres Ferienhauses zu entdecken.

“Gaia visited her daughter Mnemosyne, who was busy being unpronounceable.” 

Meine letzte Stephen Fry Lektüre liegt lange zurück, aber meine Erwartung an beste Unterhaltung mit viel Witz wurde absolut erfüllt.  Seine Nacherzählungen der griechischen Mythen sind einfach brillant. Ich habe sehr viel über die griechische Mythologie gelernt und einiges an verschüttetem Wissen aus der Kindheit wieder ausgegraben.

Er ist ein geborener Geschichtenerzähler, nie langweilig oder dröge und man verliert nie den Faden. Er schreibt mit viel Witz, seine Kommentare sind sehr hilfreich und sorgen dafür, dass man viel mitnimmt und den Kosmos der Götter besser versteht.

“For the world seems never to offer anything worthwhile without also providing a dreadful opposite.”

Das Buch enthält ein paar meiner liebsten Mythen, insbesondere Persephone und Hades fand ich spannend. Die Geschichte um Arachne hat leider nicht geholfen, mich mit den zahlreichen großen Arachne-Vertretern auf Naxos anzufreunden, ich mag sie immer noch nicht.

Ich kann Stephen Frys Nacherzählungen nur jedem empfehlen. Ein großartiger Spaß.

“Brooding, simmering and raging in the ground, deep beneath the earth that once loved him, Ouranos compressed all his fury and divine energy into the very rock itself, hoping that one day some excavating creature somewhere would mine it and try to harness the immortal power that radiated from within. That could never happen, of course. It would be too dangerous. Surely the race had yet to be born that could be so foolish as to attempt to unleash the power of uranium?”

Hier die Bücher noch einmal in der Übersicht:

Medea und Kassandra von Christa Wolf erscheinen heute im Suhrkamp Verlag
Mythos von Stephen Fry erschein auf deutsch im Aufbau Verlag.

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Meine Woche

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Gesehen: „The Handmaiden“ (2016) von Park Chan-wook. Großartige atmosphärische Liebesgeschichte nach Sarah Waters „Fingersmith“. Hat mir beim 2x noch besser gefallen.

The Salesman“ (2016) von Asghar Faradi. Iranischer Film um eine durch einen Einbruch traumatisierte Frau und die dramatischen Folgen, als der Ehemann den Täter findet.

Melaza“ (2012) von Carlos Lechuga. Kubanisches Drama um eine Familie die versucht dem wirtschaftlichen Abstieg zu entkommen.

Gehört: „Jupiter 4“ – Sharon van Etten, „Barricades“ – Editors, „Meditations“ – Temple of Saturn, „Rylan“ – The National, „Bombs Away“ – Charlotte Gainsbourgh, „Durdu Dünya“ – She Past Away, „Work It“ – Marie Davidson

Gelesen: Mary Oliver on attention is the beginning of devotion, the revival of the medieval guilds, Oliver Sacks on the machine stops, diese Interviews mit Women in Science, the mindfulness conspiracy

Getan: Naxos erkundet, viel geschwommen, gelesen, gekocht, gewandert und gelesen

Gegessen: Stangenbohnensalat mit Halloumi

Getrunken: Griechischen Wein

Gefreut: wie gut erholt wir wieder zu Hause angekommen sind

Geärgert: dass die deutschen Ladies leider nicht ins Halbfinale gekommen sind.

Geklickt: auf den TED Talk von Brittany Packnet: „How to build your confidence and spark it in others“

Gestaunt bzw etwas gegruselt haben uns die mega großen Spinnen nachts auf Naxos

Gewünscht: diesen Pool, diese Garderobe, diese Küchenregale

Gefunden: leider kein Naxos Eye

Gekauft: 2 Oktopus Tshirts

Gedacht: Denn ich ohne Bücher bin nicht ich (Christa Wolf)

Athen by the Book

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Nach mehreren Besuchen in Griechenland stand endlich auch Athen auf dem Programm und die Stadt hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen.

Über das Tourist Office kann man Stadtführungen mit einheimischen Nachbarschafts-Tourguides buchen und wir hatten mit unserer Stadtführerin richtig Glück. Katarina war so enthusiastisch und wusste unglaublich viel über die Geschichte und die Mythologie und ich glaube, hätte ich nicht für einen Call gegen 5 im Hotel sein müssen, wir würden noch immer mit ihr durch die Stadt laufen und keine Ecke unentdeckt lassen.

 

Leider weigerte sie sich standhaft, von uns ein Trinkgeld zu nehmen, sie sind sehr stolz, die Frauen in Athen 🙂

Ich konnte natürlich nicht ohne entsprechende Lektüre nach Athen reisen und um die Akropolis entsprechend würdigen zu können, packte ich Mary Beards „Partheon“ ein. Unser Aufstieg bei gefühlten 40 Grad im Schatten mit 10000 anderen Touristen ließ nicht viel Feierlichkeit aufkommen, aber interessant war es auf der Akropolis auf jeden Fall und man hat natürlich auch eine großartige Aussicht.

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Mary Beard nimmt uns in dem Buch auf die fast 2500 Jahre lange Geschichte mit, die das weltberühmte Gebäude hinter sich hat. In einem Wettstreit um die Vorherrschaft in Athen rangen Athene und Poseidon um die Gunst der Athener, die zu diesem Zeitpunkt natürlich noch keine Athener waren. Poseidon versprach Wasser, Athene Oliven und wir wissen, wie die Stadtbewohner sich entschieden.

Zur Ehre ihrer Schutzpatronin bauten die Athener der Göttin Athene den Parthenon mit einer über 10m hohen Statue der Göttin, von der leider kein Stückchen mehr übrig ist. Die Römer übernahmen später den Tempel und ehrten darin ihre eigenen Götter und nur wenig später verwandelten die Christen den Tempel in eine Kirche.

Während des Ottomanischen Reiches wurde das Gebäude in eine Moschee verwandelt und dummerweise lagerten sie dort ihr Schießpulver. Als die Venetianer die Akropolis befeuerten, um die Türken aus Athen zu befreien, gingen Teile davon in die Luft und zerlegten den Tempel zu großen Teilen. Als nächster kam Lord Elgin und „rettete“ die Trümmer und den wunderschönen Marmor-Fries und brachte ihn nach London, wo wir ihn heute im Britischen Museum bewundern können.

Durch das Buch wurde mir klar, dass ein Gebäude nur dann so lange existieren kann wie zB der Parthenon, wenn es in Gebrauch ist. Man sollte sich also eher freuen, dass die Christen und die Muslime den Tempel für ihre Zwecke nutzten, denn wäre der Parthenon schon deutlich früher eine Ruine gewesen, wäre heute wahrscheinlich überhaupt nichts mehr da.

„For to study the Parthenon is to be brought face to face with the very fragility of our grip on the Greek and Roman world, and with the challenges that are involved in even the simplest attempts to describe it, let alone explain or make sense of it.

The Parthenon in other words, offers an object lesson in those tantalizing processes of investigation, deduction, empathy, reconstruction and sheer guesswork that must be the hallmarks of any study of classics and the classical past.“

 

Besonders gut gefallen hat mir Zeus‘ Tempel und das Hadrianstor. Der Tempel wurde ca 680 BC zu Ehren des Göttervaters errichtet und seine 16 übrig gebliebenen Säulen korinthischen Stils lassen ahnen, wie beeindruckend dieser Tempel einst aussah. Er war einer der größten Tempel des antiken Griechenlands.

Das Hadrianstor wurde im Jahr 132 Kaiser Hadrian gewidmet. Es war kein Stadttor sondern ein Ehrenmonument. Hadrian hatte die Stadt wesentlich vergrößern und neue Viertel erbauen lassen. Es gibt zwei Inschriften auf der Seite zur Altstadt: „Dies ist Athen, einst Theseus Stadt“ und auf der anderen Seite „Dies ist Hadrians, nicht Theseus’ Stadt“.

Ein Buch das ebenfalls auf keiner Griechenland-Reise fehlen darf, ist die großartige Neuerzählung des Trojanischen Krieges aus weiblicher Sicht von Natalie Haynes.

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Die Geschichte von der Belagerung Trojas war nie nur die Geschichte von einer oder zwei Frauen, Haynes gibt allen Frauen in der Geschichte eine Stimme.

Als Creusa mitten in der Nacht erwacht, steht Troja in Flammen. Zehn endlose Jahre des Krieges und der Belagerung durch die Griechen gehen in Troja in dieser Nacht zu Ende. Die Griechen haben durch eine List gewonnen und in den nächsten Stunden wird sich das Leben, wie Creusa es kannte, in Asche verwandeln…

Die schrecklichen Konsequenzen des Falls der Stadt Troja erstrecken sich vom Berg Olympus bis zum Berg Ida, über griechische Inseln und über den Ozean hinweg. Die Geschichten der Frauen erzählen vom Krieg, von den Schrecken der anschließenden Sklaverei und auch davon, wie dieser schreckliche Krieg überhaupt anfing.

„A Thousand Ships“ gibt den Frauen, Mädchen und Göttinnen eine Stimme, die für so lange Zeit still waren. Ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen – große Empfehlung.

Wer etwas Zeit mitbringt, sollte sich in Athen unbedingt mit dem Shuttle-Bus zum neuen großen Kulturzentrum SNFCC bringen lassen. Dort finden eine ganze Reihe kultureller Veranstaltungen statt, die Architektur der Gebäude ist beeindruckend und auch wer kein griechisch lesen kann, sollte unbedingt einen Abstecher in die dortige Bibliothek machen, die ist umwerfend.

 

Athen ist eine aufregende, pulsierende Stadt, die sehr viel mehr zu bieten hat als nur die Akropolis, die man sich aber auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Ganz lieben Dank noch einmal an Katarina, unsere tolle Stadtführerin und für den nächsten Besuch in der Stadt haben wir auch noch ein paar Sachen offen gelassen, die wir uns dann anschauen wollen.

So – hab ich euch jetzt Lust auf Griechenland gemacht? Dann kommt einfach mit, wenn ich euch in ein paar Tagen mit nach Naxos nehme.

 

Meine Woche

 

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Gesehen: „Drei Farben: Blau“ (1993) von Kryzstof Kieslowski mit Juliette Binoche. Nach langer Zeit wieder gesehen und nach wie vor einer meiner liebsten Filme.  Blue is the saddest color.

Mustang“ (2015) von Deniz Gamze Ergüven. Türkisches Drama um fünf Schwestern. Erinnert an Suicide Virgins. Toller Film.

„Basic Instinct“ (1992) von Paul Verhoeven mit Sharon Stone und Michael Douglas. Funktioniert immer noch. Klassiker.

„The spy who came in from the cold“ (1965) von Martin Ritt mit Richard Burton. Ich glaube ich bin einfach nicht der Spionagefilm-Typ. Kam nicht wirklich rein in den Film.

Gehört: „Drei Farben Blau Soundtrack“, „Aqualung“ – Jethro Tull, „Altered States“ – Pool of Light, „Blood Year“ – Russian Circles,

Gelesen: The evils of bad economics, Libraries are improving public housing, How to regain wisdom

Getan: Naxos erkundet, einen Kochkurs gemacht, viel geschwommen, gelesen, gekocht, gewandert und gelesen

Geplant: vielleicht einen Abstecher nach Paros

Gegessen: Kritharaki-Salat und eine sehr leckere Fischplatte

Gefreut: wie schön diese Insel ist

Geärgert: über lästige Ameisen in der Küche

Geklickt: auf den TED Talk „We’re building a dystopia to make people click on ads“ von Zeynep Tufekci

Gestaunt: über den Sternenhimmel über Naxos

Gewünscht: diesen Teller, dieses Haus, dieses Buch

Gefunden: wunderschöne Streetart

Gekauft: eine Flasche Kitron

Gedacht: Ein Schriftsteller ist ein Mensch, dem das Schreiben schwerer fällt als anderen Leuten (Thomas Mann)

Große gemischte Tüte

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Rendezvous mit Rama – Arthur C. Clarke

Als ein riesiges mysteriöses zylindrisches Objekt im Orbit auftaucht, senden die Bewohner des Sonnensystems ein Raumschiff, um herauszufinden, was oder wer zur Hölle das ist. Die Menschen sind mittlerweile zwar multiplanetar, aber nach wie vor die einzigen Lebewesen im All – sollte sich das jetzt ändern? Und falls ja, ist das Objekt in friedlicher Absicht da oder droht Gefahr?

Die Astronauten, die mit der Aufgabe der Erkundung des riesigen Hohlzylinders beautragt sind, können zwar einige, aber längst nicht alle der Rätsel lösen, die ihnen das mysteriöse Raumschiff aufgibt. Es ist komplett leer, woher kommt es? Wer hat es gebaut und was war die Absicht dahinter?

Rama behält seine Geheimnisse erst einmal für sich, aber klar ist schnell, man hat es mit einer weit überlegenen Zivilisation zu tun.

“But at least we have answered one ancient question. We are not alone. The stars will never again be the same to us.” 

Rendezvous with Rama ist ein spannender, faszinierender Science Fiction Roman, der auch fast 50 Jahre nach seinem Erscheinen noch ungemein fesselt. Ich freue mich schon auf den nächsten Band „Rama II“.

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Convenience Store Woman – Sayaka Murata

Keiko Furukura war schon ein seltsames Kind und ihre Eltern hatten stets Sorge, wie und ob sie später in der richtigen Welt zurecht kommen würde. Als sie während ihres Studiums einen Job in einem kleinen Supermarkt annimmt, freuen ihre Eltern sich sehr und hoffen, es ist der erste Schritt in die Normalität.

Vom ersten Moment an liebt Keiko den Supermarkt, in dem sie eine vorhersehbare routinierte Welt findet, die streng nach dem Supermarkt-Handbuch gelebt wird. Dort wird genaustens festgelegt, wie die Mitarbeiter sich zu verhalten haben, was sie anziehen sollen, was sie sagen sollen und wann neue Ware bestellt wird.

Alles, was nicht im Handbuch festgelegt ist bzw. was den Feierabend betrifft, erarbeitet sich Keiko, in dem sie ihre Kollegen kopiert. Sie ahmt ihre Sprachmuster nach, ihre Art sich zu kleiden und zu essen. Kurzum, sie spielt die Rolle einer normalen Person im Supermarkt und in ihrer Freizeit.

“This society hasn’t changed one bit. People who don’t fit into the village are expelled: men who don’t hunt, women who don’t give birth to children. For all we talk about modern society and individualism, anyone who doesn’t try to fit in can expect to be meddled with, coerced, and ultimately banished from the village.” 

Doch langsam machen ihre Eltern sich wieder Sorgen. Denn sie arbeitet auch mit 36 noch im Supermarkt, hatte noch nie eine Beziehung und auch nur ein paar wenige Freunde. Keiko gefällt ihr Leben so wie es ist, doch sie merkt, dass sie etwas tun muss, damit die ständigen Nachfragen aus ihrem Umfeld aufhören…

The normal world has no room for exceptions and always quietly eliminates foreign objects. Anyone who is lacking is disposed of. So that’s why I need to be cured. Unless I’m cured, normal people will expurgate me.”

Sayaka Murata hat die Atmosphäre der kleinen japanischen Supermärkte perfekt eingefangen, die eine große Rolle in Japan spielen. Sie wirft einen scharfen Blick auf die japanische Gesellschaft und den unmenschlichen Druck, sich stets anzupassen und bloß nicht aufzufallen. Das Buch ist stellenweise irre komisch und man schließt Keiko sehr schnell tief ins Herz.

Convenience Store Woman ist ein ungewöhnlicher Roman mit einer unvergesslichen Protagonistin. Für alle Fans von Banana Yoshimoto oder Han Kang.

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Der Klavierschüler – Lea Singer

Im Frühling 1986 plant ein Mann seinen Selbstmord, doch ein bestimmtes Musikstück (Schumanns Träumerei) verhindert die Vollendung. Danach wandelt sich der Roman in ein Road Movie, in dem ein Barpianist den Mann auf eine Reise in seine Vergangenheit mitnimmt.

Hat der geplante Selbstmord etwas mit dem ängstlich gehüteten Geheimnis des weltberühmten Pianisten Vladimir Horowitz zu tun? Dieser hatte 1937 in der Schweiz eine Affäre begonnen, die sowohl seine Ehe mit der Tochter des Dirigenten Toscanini aufs Spiel setzte sowie seine gesamte Karriere.

„Aber Ehefrauen von schwulen Männern vermännlichen fast immer. Proust hat das erkannt, sagte Kaufmann. Ich weiß nicht mehr genau in welchem Teil aber irgendwo steht es in der Suche nach der Verlorenen Zeit. Wenn eine Frau auch zunächst keine männlichen Züge hat, nimmt sie die nach und nach sogar unbewusst an, um ihrem Mann durch jene Art von Mimikry zu gefallen, wie gewisse Blumen sich das Aussehen von Insekten geben, die sie anlocken wollen.“

„Angst kommt von eng, sagte mein Großvater, sie verengt den Blick und hindert einen dran, den Ausweg zu sehen. Deswegen wetterte er ein Leben lang gegen die Kirche mit ihrer Höllendrohung und ihrem Sündenhammer.“

Lea Singer stieß vor einigen Jahren auf brisante unveröffentlichte Briefe von Vladimir Horowitz an einen jungen Schweizer namens Nico Kaufmann.

50 Jahre später erzählt Kaufmann dem Barpianisten von dieser Liebe, zu der sich Horowitz nie bekennen sollte. Er sicherte damit eventuell seine Karriere, vergab sich aber auch die Chance, jemals zu sich selbst zu stehen.

Wie viel Mut fordert die Liebe? Und was geschieht mit dem, der seine Sehnsucht verleugnet?

Ein eleganter Roman, der mir sehr gefallen hat und den man ganz unbedingt bei klassischer Musik und mit einem Glas Rotwein in der Hand genießen sollte.

 

 

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Frida – Sébastien Pérez

Dieses Buch ist ein Festschmaus für die Augen. Ein Buch, das den Leser in die Welt der großen Frida Kahlo entführt. Wunderschön wie dieses Buch es schafft, den Leser in den künstlerischen Schaffensprozess der Malerin einzubinden und dabei die Themen, die Kahlo so wichtig waren (wie Leben, die Liebe, Mutterschaft, Schmerz und Tod) zu durchdringen.

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Dieses Buch ist ein Augenschmaus, den man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte.

 

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Sandra Petrignani – Wo Dichterinnen zu Hause sind

Sollte ich einmal im Lotto gewinnen, wäre genau das mein Plan: so wie die italienische Autorin und Journalistin Sandra Petrignani um die Welt reisen und die Häuser und Wohnungen von großen Autorinnen und Dichterinnen besuchen und erkunden.

Durch die Beschreibung der Wohn- und Arbeitsräume von Grazia Deledda, Marguerite Yourcenar, Colette, Alexandra David-Néel, Tanja Blixen und Virginia Woolf gelingt ihr ein spannender Einblick in das Leben und die Gefühlswelten dieser einzigartigen Autorinnen.

Für alle Fangirls und -boys der oben genannten Autorinnen natürlich ein absolutes Muss – welche Autorinnen oder Autoren hättet ihr gerne besucht?

Hier noch mal alle Bücher im Überblick:

Arthur C. Clarke – „Rendezvous mit Rama“ erschienen im Heyne Verlag.
Sayaka Murata – „Die Ladenhüterin“ erschienen im Aufbau Verlag.
Lea Singer – „Der Klavierschüler“ erschienen im Kampa Verlag.
Sébastien Pérez – „Frida“ erschienen im Jacoby & Stuart Verlag.
Sandra Petrignani – „Wo Dichterinnen zu Hause sind“ erschienen im btb Verlag.

Meine Woche

Gesehen: „Dirty Computer“ (2018) von und mit Janelle Monaé. Geniales Musikvideo meets Sci-Fi mit phantastischen Bildern.

Our Planet“ (2019) von Adam Chapman. David Attenborough der Meister des Naturfilms in einer der besten Naturdokus die ich je gesehen habe. Atemberaubend

Girlfight“ (2000) von Karyn Kusama mit Michelle Rodriguez. Drama um eine junge Boxerin.

Gehört: „A 300 year old slit throat“ – Wrekmeister Harmonies, „This destroys everything“ – This patch of sky, „Putea sa ma prinda – Am Fost La Munte si mi-a Placut

Gelesen: Keep your augmented reality, give me a secret garden; about a very long walk in Japan, about the hidden history of women in psychedelics, diesen Artikel von Carolin Emcke zu Identitätspolitik, über die Bibliotheken der Zukunft

Getan: eine großartige Stadtführung von Katerina durch Athen bekommen, antike Säulen und Tempel bewundert, mit lieben Kollegen richtig gut zu Abend gegessen, im Pool auf der Dachterasse geschwommen und mit der Fähre nach Naxos gefahren

Geplant: Naxos zu erkunden, viel wandern, schwimmen, lesen und schreiben

Gegessen: sehr zarten Oktopus, eingelegte Zucchini, griechischen Salat und viel Melone

Gefreut: endlich die Akropolis gesehen, Naxos und unser Häuschen hier sind noch schöner als ich dachte und dass die US Botschaft in Tel Aviv das von Trump verhängte Verbot von Rainbow-Flaggen so kreativ umgangen hat

Geärgert: nö

Geklickt: auf den Meteor der in Adeleide in die Atmosphäre eindrang

Gelacht und Gestaunt: über diese kleinen Bronto

Gewünscht: wunschlos glücklich

Gefunden: Stephen Frys „Mythos“ in unserem Ferienhaus

Gekauft: ein Notizbuch und Postkarten

Gedacht: „Alle Autorität die ich besitze, beruht einzig darauf, dass ich weiß, was ich nicht weiß.“ (Sokrates)

#WomeninScience (11) Lisa Randall

Meine Hoffnung, Lisa Randall würde es mir mit „Knocking on Heavens Door“ in irgendeiner Weise einfach machen, flog schon nach den ersten paar Kapiteln fröhlich aus dem Fenster. Die Harvard-Dozentin ist mittlerweile ein ziemlicher Star unter den theoretischen Physikern, insbesondere für ihre Forschung im Bereich Hochenergie Physik. Sie hat einen unglaublichen Enthusiasmus für ihr Feld und man möchte ihr einfach folgen und sich mit ihr an Themen wie dem Large Hadron Collider, der Suche nach dem Higgs Boson, bis hin zur  Theorie um das Geheimnis fehlender Antimaterie abzuarbeiten. Ihre Begeisterung kombiniert mit einem sehr angenehmen Schreibstil helfen enorm, wenn man sich auf das schwierige Terrain der Teilchenphysik begeben will.

“Despite my resistance to hyperbole, the LHC belongs to a world that can only be described with superlatives. It is not merely large: the LHC is the biggest machine ever built. It is not merely cold: the 1.9 kelvin (1.9 degrees Celsius above absolute zero) temperature necessary for the LHC’s supercomputing magnets to operate is the coldest extended region that we know of in the universe—even colder than outer space. The magnetic field is not merely big: the superconducting dipole magnets generating a magnetic field more than 100,000 times stronger than the Earth’s are the strongest magnets in industrial production ever made.“

And the extremes don’t end there. The vacuum inside the proton-containing tubes, a 10 trillionth of an atmosphere, is the most complete vacuum over the largest region ever produced. The energy of the collisions are the highest ever generated on Earth, allowing us to study the interactions that occurred in the early universe the furthest back in time.”

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Mir gefiel das Kapitel, in dem sich sich ausgiebig mit der Skalierung beschäftigt – vom Universum zu den kleineren Atomen, zu den noch kleineren Protonen bis hin zu den Quarks. Ich fand es spannend, ich habe mich tapfer durchgekämpft, aber ehrlich gesagt hat Ms Randall mein Hirn mit einem derart hohen Datenstrom beschossen, dass die Teilchenphysik teilweise doch zur Antimaterie wurde und mein Hirn irgendwann einem schwarzen Loch glich.

Ich habe eine Menge gelernt, dass Neutrinos sich nicht den physikalischen Gesetzen unterwerfen und sich zumindest für kurze Zeit schneller als das Licht bewegen können, dass auf künftige Zeitreisen hoffende noch immer keinen Grund zum Jubeln haben und auch das Wissenschaftler jede Theorie – und sei es die eigene – immer wieder versuchen zu widerlegen, alles zu hinterfragen, bis eine Theorie nicht länger nur Theorie ist.

Hier noch ein interessanter Vortrag von Lisa Randall zu „Dark Matter“: