Women in Science (23) Sonja Kowalewski

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Sonja Kowalewski wurde als Sofya Vasileyevna Kovalevskaya 1850 in Rußland geboren. Wie üblich bei russischen Namen, wurde ihr Name in vielen Varianten übersetzt, ich belasse es der Einfachheit halber hier bei der in Deutschland gängigen Variante Sonia Kowalewski.

Sie war eine Pionierin auf dem Gebiet der Mathematik und die erste Frau, die einen Doktor in Mathematik machte, sowie die erste Professorin für Mathematik in Nordeuropa.

Ihr Interesse für Mathematik wurde durch mathematische Unterlagen geweckt, die sie in ihrem Kinderzimmer enteckte. Da die Tapete in ihrem Zimmer nicht ausreichte, wurde der Rest der Wand mit Unterlagen einer mathematischen Vorlesung von Michail Ostrogradski zu Differential- und Integralrechnung tapeziert. Die Unterlagen gehörten ursprünglich ihrem Vater.

Mit diesen Berechnungen beschäftigte sich die kleine Sonja intensiv und ihr Interesse an der Mathematik wurde besonders von einem Onkel gefördert, der sich als Nichtmathematiker selbst in die Höhen der Mathematik eingearbeitet hatte.

Der Unterricht, den sie zu Hause erhielt, wurde ihr schnell langweilig und als ihr Interesse an Algebra und Geometrie stärker wurde, verbot ihr Vater ihr zunächst den Unterricht. Sie verfolgte ihre Interessen daher heimlich weiter.

Mit 15 begann sie, sich selbst Physik sowie die trigonometrischen Formeln, auf die sie beim Studium der Optik stieß, beizubringen. Sie korrespondierte mit dem Verfasser des Physik-Lehrbuchs und dieser setzte sich dafür ein, dass sie Unterricht in höherer Mathematik bekam.

Diesen bekam sie bei einem Professor in Sankt Petersburg, wo sie auch auf Dostojewski traf, für den sie von Jugend an schwärmte. Dieser interessierte sich allerdings mehr für ihre Schwester Anna.

Da Frauen zu dieser Zeit in Russland weder studieren, noch als Gasthörerinnen an Vorlesungen teilnehmen durften, gingen sie häufig zum Studium in den Westen (Marie Curie zum Beispiel nach Paris).

Es war gar nicht einfach für Frauen in Russland auszureisen, denn sie besaßen zu dieser Zeit keinen eigenen Reisepass. Eine Auslandsreise war ihnen daher nur in Begleitung des Vaters oder Ehemanns möglich. Ihr Vater war gegen ihr Auslandsstudium, sie aber setzte sich gegen seinen Willen durch und ging 1868 mit dem Studenten Wladimir Kowalewski eine Scheinehe ein. Im darauffolgenden Jahr reisten beide nach Wien, wo Sonja die Genehmigung eines Physikprofessors erhielt, an seinen Vorlesungen teilzunehmen.

Das Leben in Wien war teuer und  es gefiel ihr dort auch nicht sonderlich, so dass sie beschloss, nach Heidelberg zu gehen, wo sie im Sommer 1869 ihr Studium der Mathematik (bei Paul du Bois-Reymond und Leo Koenigsberger), Physik (bei Helmholtz) und Chemie (bei Bunsen) aufnahm.

Im Winter 1870 wechselte Sonja auf Anraten von Professor Koenigsberger nach Berlin, zu Karl Weierstraß, dem bedeutendsten Mathematiker seiner Zeit. Nach vier Jahren begann sie, an ihrer Dissertation zu arbeiten, teilweise arbeitete sie 16 Stunden am Stück. Dazwischen war sie hin- und wieder in Paris bei ihrem Mann und ihrer Schwester, die beide auf Seiten der Aufständischen aktiv in der Pariser Kommune waren. Nach der Niederschlagung der Kommune konnte ihre Schwester fliehen, ihr Mann wurde dabei verletzt. Kowalewski pflegte ihn und andere Verletzte in dieser Zeit im Hospital, nahm jedoch nicht am Aufstand selbst teil.

Obwohl ihr Lehrer Weierstraß selbst gegen das Studium von Frauen war, unterstützte er sie bei der Promotion, die sie 1874 an der Universität in Abwesenheit und ohne mündliche Prüfungen absolvieren konnte. Sie machte ihren Abschluss mit summa cum laude.

Nach ihrer Promotion ging sie mit ihrem Mann nach Russland zurück, wo sie jedoch keine Möglichkeit hatte zu unterrichten, außer in den untersten Klasse an einer Mädchenschule. Aus diesem Grund beschloss sie, der Mathematik den Rücken zu kehren und ihre Scheinehe zu einer richtigen zu machen. Im Jahr 1878 brachte sie eine kleine Tochter zur Welt.

Doch schon nach kurzer Zeit gerieten sie in finanzielle Bedrängnis und sie mussten vor Gläubigern nach Moskau fliehen. Dort begann sie, sich wieder mit der Mathematik zu beschäftigen. Nachdem ihr Mann durch irrsinnige Spekulationen finanziell immer weiter abrutschte, trennte sie sich von ihm und ging zurück nach Berlin, später nach Paris, wo sie in die Mathematische Gesellschaft gewählt wurde. Ihre Tochter schickte sie zurück nach Rußland, wo sie von einer Freundin aufgezogen wurde.

1883 erhielt sie eine Stelle als Privatdozentin an der Universität Stockholm. Eine Position, die ihr als getrennt lebende Frau lange verwehrt war, die ihr aber durch den Selbstmord ihres Gatten und ihrer somit neuen Rolle als ehrbare Witwe nun offen stand.

Ihre Ankunft in Stockholm war ein großes Ereignis, so ungewöhnlich war die Vorstellung einer weiblichen Professorin. August Strindberg bekleckerte sich auch nicht gerade mit Ruhm als er folgende Zeilen in einem Artikel veröffentlichte:

„…eine Frau als Mathematikprofessor eine schädliche und unangenehme Erscheinung sei, ja, daß man sie sogar ein Scheusal nennen könnte. Die Einladung dieser Frau nach Schweden, das an und für sich männliche Professoren genug habe, die sie an Kenntnissen bei weitem überträfen, sei nur durch die Höflichkeit der Schweden dem weiblichen Geschlecht gegenüber zu erklären.“

1887 lernte Kowalewski Alfred Nobel kennen, der ihr den Hof machte, den sie aber abblitzen ließ. Es gibt Gerüchte, dass seine gekränkte Eitelkeit der Grund dafür seien, dass es bis heute keinen Nobelpreis für Mathematik gäbe.

Im Juni 1889 wurde ihr in Stockholm eine Professur auf Lebenszeit übertragen und sie wurde in Frankreich zum Officier de l’Instruction publique ernannt, was allerdings keine nennenswerten Vorteile mit sich brachte. In Russland wurde sie nun immerhin zum „korrespondierenden Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften“ gewählt.

Leider hatte Kowalewski nicht mehr viel von ihrer Stellung auf Lebenszeit, da sie 1891 an den Folgen einer Lungenentzündung starb. Sie wurde nur 41 Jahre alt. Die Nachricht ihres frühen Todes erschütterte die Mathematiker in ganz Europa.

Seit 1992 wird von der Russischen Akademie der Wissenschaften für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Mathematik der Kowalewskaja-Preis verliehen. Erste Preisträgerin war Olga Ladyschenskaja.

Women in Science (22) Williamina Fleming

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Im Jahr 1881 hatte der Direktor des Harvard Observatoriums, Edward Charles Pickering, ein Problem: die Menge an Daten, die im  Observatorium eintrafen, konnten von seinen Angestellten überhaupt nicht mehr analysiert werden. Außerdem hatte er ziemlich Zweifel an der Kompetenz seiner Mitarbeiter, insbesondere an der seines Assistenten, den er für ineffizient hielt beim Katalogisieren. Daraufhin tat Pickering etwas ziemlich ungewöhnliches: er feuerte seinen männlichen Assistenten und ersetzte ihn mit seinem Zimmermädchen, Williamina Fleming. Diese war ihm von seiner Frau wärmstens empfohlen worden und sie zeigte sich als derart begabt im Berechnen und Katalogisieren der Daten, dass sie 34 Jahre lang in Harvard arbeitete und eine der Gründerinnen der „Harvard Computers“, einer rein aus Frauen bestehenden Truppe, die angestellt war, um die mathematischen Berechnungen durchzuführen und die Veröffentlichungen des Observatoriums zu editieren. 1886 wurde Fleming Chefin dieser Truppe.

Williamina war die Frau aus Dana Sobels „The Glass Universe“, die den stärksten Eindruck auf mich machte. Mit ihr begann die Ära der Frauen – teilweise mehr als 80 – die während Pickerings Amtszeit in Harvard astronomische Daten berechneten und katalogisierten. Einige dieser Frauen produzierten eigene signifikante Arbeiten und waren durchaus berühmt in wissenschaftlichen Kreisen. Der Großteil blieb allerdings nicht individuell im Gedächtnis, sondern als Gruppe mit dem nicht sehr einfallsreichen Namen „Pickerings Harem“.

 

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Der dämliche Spitzname zeigt den Status, den Frauen zu dieser Zeit hatten. Von Ihnen wurde mit seltenen Ausnahmen erwartet, dass sie ihre Energie darauf verwenden, sich um den Gatten zu kümmern, Kinder zu bekommen und den Haushalt zu machen. Die Wissenschaft zu dieser Zeit warnte Frauen regelrecht davor, sich weiterzubilden und zu arbeiten in der Annahme, sie seien zu zart für den Stress.

Edward Pickering war ein fortschrittlicher, progressiver Denker – zumindest wenn es um gleiche Bildungsmöglichkeiten ging. Bei der Arbeitseinteilung war er dann doch wieder sehr Kind seiner Zeit, die Frauen wurden überwiegend für administrative Tätigkeiten eingesetzt.

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Die Arbeit war überwiegend sehr monoton. Die Frauen saßen sechs Tage in der Woche über Fotografien für 25 – 50 cent pro Stunde (etwa die Hälfte von dem, was ein Mann verdiente). Sie klassifizierten die Sterne, in dem sie sie mit den Fotografien im Katalog abglichen bzw. katalogisierten die Sterne selbst. Ihre Notizen wurden händisch in Tabellen eingetragen, in denen die genaue Ortsbezeichnung des Sternes angegeben wurde und die jeweilige Helligkeit. Das war eine ganz schöne Schinderei. Williamina notierte diesbezüglich in ihrem Tagebuch:

„In the Astrophotographic building of the Observatory, 12 women, including myself, are engaged in the care of the photographs…. From day to day my duties at the Observatory are so nearly alike that there will be little to describe outside ordinary routine work of measurement, examination of photographs, and of work involved in the reduction of these observations.“

Fleming startete als administrative Kraft und begann ab 1886 mit der Klassifikation von Sternen. „Sie ersann ein System zur Klassifizierung von Sternen und half, es einzuführen. Das System basierte darauf, jedem Stern einen Buchstaben zuzuordnen in Abhängigkeit davon, wie viel Wasserstoff in seinem Spektrum beobachtet werden konnte. A-Sterne hatten am meisten Wasserstoff, B-Sterne etwas weniger, und so weiter. Insgesamt gruppierte Fleming die Sterne in 17 Kategorien ein“ (Wikipedia)

1888 entdeckte sie den Horsehead Nebel auf einer Teleskop-Fotoplatte die William Pickering, der Bruder des Direktors, gemacht hatte. Doch in den darauffolgenden Publikationen wurde ihr Name nicht genannt. Der erste Dreyer Index Katalog ließ ihren Namen ebenfalls aus der Liste der Mitarbeiter heraus und schrieb all ihre Entdeckungen dem Direktor des Observatoriums zu. Im zweiten Katalog, der 1908 erschien, wurde Fleming aber gemeinsam mit ihren weiblichen Kolleginnen als Mitarbeiterinnen genannt und sie bekamen die ihnen zustehende Anerkennung.

Fleming war darüberhinaus die Entdeckerin des ersten weißen Zwerges. Sie veröffentlichte dazu 1910 ein wissenschaftliches Papier.

Williamina Fleming war eine glühende Befürworterin für mehr Frauen in der Wissenschaft und sie hielt 1893 auf der Weltausstellung in Chicago eine entsprechende Rede und forderte dazu auf, mehr Frauen als Astronomie-Assistentinnen zu engagieren. In ihrer Rede stimmt sie der vorherrschenden Meinung zunächst zu, dass Frauen Männern unterlegen sind, führt aber danach aus, dass Frauen, wenn sie mehr Möglichkeiten bekommen, durchaus mit den Männern gleichziehen können.

1906 wurde sie als erste Amerikanerin Ehrenmitglied der Royal Astronomical Society von London und kurz vor ihrem Tod 1906, ausgelöst durch eine Lungenentzündung, erhielt sie eine Medaille der Astronomischen Gesellschaft Mexikos.

Ein Wort zum Abschluß noch zu Dana Sobels „The Glass Universe“. Ich habe es als Audiobuch gehört und fand die Geschichte ungewöhnlich dröge. Wer – wie ich – ihre Bücher „Longitude“ oder „Galileo’s Daughter“ kennt, wird überrascht sein, wie wenig plastisch die Figuren rüberkommen, oft hatte ich das Gefühl jemand würde einfach nur Wikipedia-Einträge vorlesen. Das scheint auch nicht nur am Audiobook zu liegen, denn auf Goodreads fanden sich eine ganze Reihe Kritiken von Leuten, die das Buch gelesen haben, die ebenfalls die mangelnde Ausarbeitung der Figuren beklagten.

Ich werde sicherlich auch weiterhin Bücher von Dana Sobel lesen (habe zum Beispiel „The Planets“ noch hier liegen) aber was „The Glass Universe“ angeht, würde ich raten vielleicht vorher reinzulesen.

Ich verspreche auch die Astronominnen jetzt eine Weile pausieren zu lassen, die haben sich doch etwas gehäuft in letzter Zeit. Der nächste Beitrag wird vermutlich ein Ausflug in die Mathematik mit sich bringen.

Women in Science (21) Maria Mitchell

„We have a hunger of the mind which asks for knowledge of all around us, and the more we gain, the more is our desire,”

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Die bahnbrechende Astronomin und Sklavereigegnerin Maria Mitchell (1818 – 1889) war eine der ersten amerikanischen Wissenschaftlerinnen, die es schon zu Lebzeiten zu relativ großer Berühmtheit brachte.

Sie wuchs in den ersten Tagen des Liberalismus auf, als Sozialreformer zwar begannen, sich darum zu bemühen, den Armen zu helfen, in der aber nach wie vor mehr als die Hälfte der Bevölkerung – Frauen und People of Color – weder wählen, noch Eigentum besitzen oder höhere Schulbildung genießen konnten. Dieser Tatsache war Maria Mitchell sich ein Leben lang stets bewusst und es schmerzte sie zu sehen, wie der intellektuelle und kreative Hunger so vieler Menschen unterdrückt wurde.

Maria Mitchell wurde in Nantucket, Massachusetts in eine Quäker-Familie hineingeboren. Einer der Grundsätze der Quäker beruht in der intellektuellen Gleichstellung von Männern und Frauen und Maria erhielt daher die gleiche Schulbildung wie die Jungen in ihrem Umfeld. Ihr Vater war ein hingebungsvoller Lehrer, der früh ihr Interesse an Mathematik und Astronomie erkannte. Überhaupt war Nantucket ein Ort, in dem Frauen ein recht unabhängiges Leben führten, wahrscheinlich auch der Tatsache geschuldet, dass der Ort überwiegend vom Walfang lebte und die Männer oft monatelang auf See waren, so dass die Frauen sich selbständig um die Dinge des Alltags kümmerten.

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Mit 12 Jahren berechnete Maria gemeinsam mit ihrem Vater die bevorstehende Sonnenfinsternis. 1835 öffnete sie ihre eigene Schule und ließ auch nicht-weiße Kinder am Unterricht teilnehmen, eine kontroverse Entscheidung, die für einige Diskussionen sorgte. Ein Jahr später wurde ihr der Job als Bibliothekarin im Nantucket Atheneum angeboten, ein Job, den sie über 20 Jahre lang behalten sollte.

Mitchell war die erste Frau, die die Goldmedaille gewann, die der dänische König Frederick ausgelobt hatte, für alle die, die Kometen entdeckten, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind.  Insgesamt war sie nach Caroline Herschel und Maria Margarethe Kirch die dritte Frau überhaupt, die einen Kometen entdeckte. Ihre Entdeckung verhalf der amerikanischen Astronomie zu größerer Bedeutung, die bis dahin von den europäischen Astronomen eher belächelt wurde.

“In my younger days, when I was pained by the half-educated, loose and inaccurate ways women had, I used to say, „How much women need exact science“. But since I have known some workers in science, I have now said, „How much science needs women.”

Ab 1865 begann sie im Vassar College zu unterrichten. Sie fing an Sonnenflecken zu beobachten und ab 1873 mit ihren Studentinnen täglich Fotografien von der Sonne anzufertigen. Es war die erste systematische Untersuchung der Sonne überhaupt.

Mit Mitte 40 machte Maria Mitchell eine Reise durch Europa, wo sie die berühmtesten Wissenschaftler und Künstler der alten Welt besuchte. Bei ihrer Rückkehr erwartete sie das für sie größte Geschenk: In einer der ersten Crowdfunding-Kampagnen überhaupt wurde Geld für sie gesammelt, um ihr ein Teleskop mit 12 cm Durchmesser zu schenken.

Foto: Brainpickings

Sie hatte schon während ihrer Europa-Tour von einem eigenen Observatorium geträumt und das Teleskop war eine phantastische Überraschung für sie. Hinter der ehemaligen Schule ihres Vaters errichtete sie eine Kuppel mit knapp 3,5 m Durchmesser.

Privat war sie mit Nathaniel Hawthorne, Ralph Waldo Emerson, Herman Melville, Frederick Douglass und Sojourner Truth befreundet. 1888 begab sie sich in den Ruhestand und starb nur ein Jahr später mit 70 Jahren an einer Gehirnerkrankung.

Das Observatorium in Nantucket ist nach ihr benannt und sie bleibt weiterhin eine der bekanntesten und bahnbrechensten Astronominnen der USA.

Wer mehr über diese faszinierende Frau erfahren möchte, Maria Popova  schreibt ausführlich über Maria Mitchell in ihrem Buch „Figuring

Women in Science (20) Maria Sibylla Merian

Als ich diese Reihe begann hätte ich niemals damit gerechnet, wie schwierig es ist unter meinen Blogger-Kolleginnen und Kollegen Mitstreiter für diese Reihe zu finden. Um so mehr freue ich mich, mit Birgit von Sätze und Schätze eine „Wiederholungstäterin“ zu haben, die auch schon bei den „Women in SciFi“ dabei war. Heute stellt sie uns eine sehr spannende Frau vor, die aufgrund ihrer genauen Beobachtungen und Darstellungen zur Metamorphose der Schmetterlinge sie als wichtige Wegbereiterin der modernen Insektenkunde gilt. Vorhang auf für

Maria Sibylla Merian – Die Frau der Metamorphosen

Surinam! Schon der Name klingt wie eine exotische Verheißung. Zwar steht das kleinste unabhängige Land Südamerikas nicht auf der Top Ten der Reiseländer, doch ist es für Touristen inzwischen relativ bequem zu besuchen. Doch was bewegte im Jahre 1699 eine Frau, die sich von Amsterdam zu einer nicht ungefährlichen Seereise aufmachte, dazu, die Strapazen und Gefahren solch eines Unternehmens auf sich zu nehmen? Es war, um es kurz zu machen, der reine Forschungstrieb.

Der Aufenthalt in der niederländischen Kolonie Surinam, den sie wegen gesundheitlicher Beschwerden 1701 vorzeitig beenden musste, das war sicher das größte Abenteuer im Leben der Maria Sibylla Merian, die aber auch sonst nicht über mangelnde Beschäftigung und Abwechslung klagen konnte. Mit der erstmaligen Erforschung der Flora und Fauna Surinams war die gebürtige Frankfurterin im Grunde die Wegbereiterin für Alexander von Humboldt und andere, die naturwissenschaftliches Interesse nach Südamerika zog.

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Welche Bedeutung die Forscherin heute noch für das kleine Land hat, zeigt sich das Geschenk, dass die Niederlande der ehemaligen Kolonie 1975 zur Unabhängigkeit machte: Surinam erhielt eine der raren Originalausgaben der „Metamorphosis insectorum Surinamensium“. Das opulente Werk mit Kupferstichen und Texten, das als Folioausgabe erschien und von Merian zum Teil handkoloriert wurde, gilt als ihr Hauptwerk, die wenigen erhaltenen Originalbände sind inzwischen bibliophile Kostbarkeiten.

Wer aber war diese Frau, die sich wegen einiger Insekten und Raupen, um es salopp auszudrücken, in solche Abenteuer stürzte?

Maria Sibylla Merian wird am 2. April 1647 in Frankfurt geboren. Sie stammt aus der berühmten Verlegerfamilie, jedoch aus der zweiten Ehe von Matthäus Merian dem Älteren. Der Vater stirbt bereits drei Jahre nach ihrer Geburt, die Mutter heiratet erneut, den Maler Jacob Marrel. Die künstlerische Ader ist ihr bereits als Talent schon durch die väterliche Familienseite mitgegeben, der Stiefvater wird dieses Talent fördern und ihr den Weg für ihre spätere berufliche Karriere bereiten.

Der Name Merian nutzt der kleinen Familie zunächst wenig: Maria Sibyllas Halbbrüder übernehmen die Verlagsgeschäfte, die Stiefmutter, nun verwitwet, wird gemieden und finanziell abgespeist. Maria Sibylla geht also schon in frühen Jahren beim Stiefvater Marrel sozusagen in die Lehre, arbeitet in dessen Atelier – oder besser Kunstwerkstatt – mit. Nichts Ungewöhnliches zu dieser Zeit, wie die Merian-Biographin Barbara Beuys hervorhebt:

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„Zu sehr hat das 19. Jahrhundert, als Bürgertöchter keinen Beruf erlernen durften, weil standesgemäßes Frauenleben sich nur mit Kindern, am Herd und im häuslichen Salon abspielte, den Blick dafür verstellte, dass in ferneren Epochen Gleichberechtigung Realität war – bei Handwerkern wie bei Kaufleuten. (…) Die mittelalterliche Stadt hatte die Frau aus der Vormundschaft ihrer Verwandten und ihres Mannes befreit; sie wurde eine Person eigenen Rechts und war geschäftsfähig. Finster dagegen war die moderne Zeit.“

Diese hohe Selbständigkeit und Unabhängigkeit wird sich Maria Sibylla Merian auch im weiteren Lauf ihres ungewöhnlichen Lebens bewahren. Von ihrer Herkunftsfamilie bekommt sie dafür das nötige Rüstzeug mit: Neben ihrem künstlerischen Talent die entsprechende Ausbildung und kaufmännisches Geschick. Später wird sie dies als Verlegerin ihrer Werke – heute wäre sie „Selfpublisherin“ – gut gebrauchen. Neben der künstlerischen Ader ist die junge Merian jedoch auch noch von einer anderen Eigenschaft geprägt: Einer unbändigen Neugier auf alles, was kreucht und fleucht.

Aus den wenigen Quellen geht nicht eindeutig hervor, warum sich die 13-jährige plötzlich mit Seidenraupen beschäftigte – ein doch etwas ungewöhnliches Hobby zu jener Zeit. Barbara Beuys, die 2016 ihre ebenso kenntnisreiche wie unterhaltsame Merian-Biographie veröffentlichte, verweist auf den damals gängigen Handel mit Seide und Seidenraupen, der Bruder von Merians Stiefvater ist ebenfalls in diesem Metier tätig. Im Vorwort zu ihrem Surinam-Buch schreibt sie:

„Ich habe mich von Jugend an mit der Erforschung der Insekten beschäftigt. Zunächst begann ich mit Seidenraupen in meiner Geburtsstadt Frankfurt am Main. Danach stellte ich fest, dass sich aus anderen Raupenarten viel schönere Tag- und Eulenfalter entwickelten als aus Seidenraupen. Das veranlasste mich, alle Raupenarten zu sammeln, die ich finden konnte, um ihre Verwandlung zu beobachten. Ich entzog mich deshalb aller menschlichen Gesellschaft und beschäftigte mich mit diesen Untersuchungen.“

Woher auch immer das Interesse kam, „das junge Mädchen füttert in einer Spanschachtel, die geschlossen, aber mit Luftlöchern versehen ist, über Tage und Wochen eine Seidenraupe. Es beobachtet, wie das Tier mit dem Spinnen des Seidenfadens beginnt und nach acht Tagen von einem festen Seidenkokon umgeben ist.“ Es ist der Beginn einer Karriere, die Maria Sibylla Merian in den Rang einer der wegweisenden Insektenforscherinnen erheben wird, auch wenn sie manchmal einseitig nur als „Künstlerin“ wahrgenommen wird. Tatsache aber ist, dass sie durch ihre jahrzehntelange Beobachtung und Protokollierung der Entwicklung von Raupen, deren Nahrungsgewohnheiten, deren Entwicklungsstadien usw., die Grundlagen für die moderne Insektenforschung mitbestimmte. Barbara Beuys betont:

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„Forschung und Kunst, Kunst und Forschung sind bei Maria Sibylla Merian nach ihrer eigenen Auskunft von Anfang an eine ausgewogene Partnerschaft eingegangen. Es gab keinen Bruch. Sie war nicht hin- und hergerissen, sondern führte die beiden Begabungen auf ideale Weise zusammen.“

1665 heiratet Maria Sibylla den Maler Johann Andreas Graff, ebenfalls ein Schüler ihres Vaters. Das Paar bekommt zwei Töchter, die das naturwissenschaftliche Interesse der Mutter später teilen, sie in ihrer Arbeit unterstützen und das Ganze zu einem Familienunternehmen ausbauen. Doch zunächst ist ein Ortswechsel angezeigt: 1670 zieht die Familie nach Nürnberg, wo die junge Frau durch Zeichenunterricht und den Handel mit Malutensilien zum Lebensunterhalt der Familie beiträgt. In Nürnberg entstehen zudem ihre ersten Bücher. Das „Neue Blumenbuch“, ein Musterbuch für stickende Damen, und das zweiteilige „Raupenbuch“. Es muss recht eigenartig ausgesehen haben in diesem Haushalt: Neben den Handwerksutensilien der Maler standen wohl allerorten Schachteln mit Raupen und es konnte, wie Barbara Beuys hinweist, durchaus geschehen, dass die Hausfrau beim Bearbeiten von Geflügel mehr Interesse für Maden aufbrachte, die sie im Inneren der Vögel fand, als für die Zubereitung des Mittagessens.

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Foto: Wikipedia

Daran ist die Ehe wohl nicht gescheitert – die eigentlichen Gründe dafür werden für immer im Dunkeln bleiben. Allerdings ist das Geschehen, wie Briefzeugnisse zeigen, vor allem für Johann Andreas Graff dramatisch: Nach zwanzig Jahren Ehe beschließt die Merian, gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren Töchtern in eine urchristliche Kolonie im niederländischen Friesland zu ziehen. Was Barbara Beuys über das Leben der Labadisten schreibt, erinnert an strenges, engherziges Sektierertum – dennoch aber scheint Maria Sibylla Merian hier den nötigen Abstand und die Ruhe für ihre Arbeiten zu finden. 1692 wird die Ehe geschieden.

1691 zieht sie nach Amsterdam, damals das Tor zur Welt. Es gelingt ihr auch dort wieder, ein eigenes Leben, eigene Geschäftstätigkeit und Beziehungen aufzubauen. Mit ihrem anschließenden Umzug nach Amsterdam habe sich Merian wiederum „genau die internationalen Kontakte“ gesucht, die sie für ihre weitere Forschungsarbeit benötigt habe, meint Barbara Beuys:

„Amsterdam war damals die Weltmetropole. Dort kamen Schiffe an aus aller Welt, mit exotischen Gewürzen aber auch Pflanzen und Tieren. Und dort ist sie ein- und ausgegangen bei den Gelehrten, sie war befreundet mit dem Bürgermeister, auch das in damaliger Zeit kein Problem.“ 

Und vielleicht trieb sie auch dabei die Neugier auf ein fernes Land namens Surinam an: Denn die frühpietistische niederländische Sekte, der sie angehörte, war eng mit dem Gouverneur von Surinam verbunden, schon in Friesland muss sie viel über die Kolonie erfahren haben. Dennoch: Von der Neugierde bis zur selbstfinanzierten Forschungsreise ohne männlichen Begleitschutz ist es ein weiter Weg. Das ganze Vorhaben war seinerzeit die reinste Sensation, viele Freunde rieten der Merian von der Reise ab. Ohne Erfolg: 1699 schiffte sie sich ein.

Zwar von der Malaria und anderen Krankheiten geschwächt nahm die Forscherin nach ihrer Rückkehr zu den Grachten 1701 ihr geschäftiges Leben wieder auf. Auch nach einem Schlaganfall arbeitete sie noch bis zu ihrem Tod 1717 trotz der körperlichen Einschränkungen weiter. Zumal ihr auch nichts anderes übrig blieb: Trotz ihrer guten Kontakte und vielfältigen Beziehungen, trotz ihres Handels mit Malutensilien und dem Verkauf ihrer Bilder und Präparate sowie anderer geschäftlicher Unternehmungen: Maria Sibylla Merian verstarb unvermögend. Viel Geld wird in die von ihr mit viel Aufwand und Liebe zum Detail erstellten Bücher geflossen sein.

Und gerade deshalb, weil sie sich diese Neugier an einem bis dahin unbeachteten Element der Natur – Insekten waren für die Forscher jener Zeit kein bemerkenswerter Gegenstand – von ihren Mädchenjahren bis ins hohe Alter bewahrte, weil sie sich von der Lust an der Erkenntnis leiten ließ, gerade deshalb kann man von einem erfüllten Leben sprechen. Barbara Beuys schreibt:

„Was von Maria Sibylla Merian bleibt, ist das Bild einer Persönlichkeit, deren Leben trotz der selbstgewählten Umbrüche und inmitten des dramatischen Übergangs von mittelalterlichen Gewissheiten in eine moderne, ungewisse Zeit, gelassen und beständig verlief. Maria Sibylla Merian behauptet sich neben ihren eindrucksvollen Büchern als eine Frau, die verwirklichte, was sie früh als ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten erkannte. Die mit konzentriertem Ernst und Ehrgeiz bei der Sache war.“

 

Women in Science (19) Siri Hustvedt

„Ich liebe Kunst, Geistes- und Naturwissenschaften. Ich bin Schriftstellerin und Feministin“

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Wenn Gefühle auf Worte treffen

Siri Hustvedt fing sich ihren Schreibvirus mit 13 Jahren ein. Ihr Vater, ein Professor für Norwegisch-Amerikanische Geschichte, nahm seine Frau und die vier Töchter mit nach Reykjavík, wo er die isländischen Sagen studierte. Dort konnte sie wegen der fehlenden Dunkelheit im Sommer und dem Jetlag nicht schlafen und begann, angeregt durch die intensive Lektüre von Klassikern wie „Der Graf von Montechristo“ oder „David Copperfield“, mit dem Schreiben.

Wenn es das ist, was Bücher machen können, dann ist es das, was ich machen will“

Und das hat sie dann auch getan. Insgesamt gibt es 7 Romane, einen Gedichtband, 6 Sachbücher zu ihren Spezialgebieten Kunst und Neurologie sowie diverse Veröffentlichungen, unter anderem in neurologischen Fachzeitschriften.

Was mich von jeher an Siri Hustvedt faszinierte, ist neben ihrem glühenden Intellekt ihre Begeisterung sowohl für naturwissenschaftliche Themen als auch für geisteswissenschaftliche, denn diese Verbindung ist nach wie vor viel zu selten. Sie sucht stets das Verbindende und beleuchtet jedes Thema aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Sie sucht nicht nach Gewissheiten, sondern fühlt sich gerade wohl in den Zwischenbereichen, in den sowohl-als-auch-Momenten.

In dem Gespräch mit der Literaturwissenschaftlerin und Professorin für Anglistik an der Universität Zürich, Elisabeth Bronfen, spricht Siri Hustvedt über ihre Anfänge, ihre Zeit in New York, ihr Engagement für den Feminismus, den Zauber der Malerei, über das magische Reich der Fiktion, über das verwundete Selbst und ihr Engagement für eine Kultur der Sorgsamkeit im politischen Handeln.

Hustvedt hat ihr Leben lang daran gearbeitet, sich als intellektuelle Schriftstellerin in einer von Männern dominierten Welt zu behaupten. Im Gespräch mit Elisabeth Bronfen erzählt sie, warum man Autoren nicht trauen kann und wie sehr sie sich der Zeit bewusst wird, die ihr davon zu laufen scheint, wo sie doch noch so unglaublich viele Pläne hat wie, z.B. ein philosophisches Buch zu schreiben oder ihre diversen Essays zu kuratieren und in einem Band herauszugeben.

Ihren Tag beginnt sie üblicherweise sehr früh und sitzt nach einer Meditationseinheit in der Regel schon gegen 7 Uhr am Schreibtisch. Den Nachmittag verbringt sie meist lesend, in der Regel liest sie wissenschaftliche Papiere, die die Basis ihrer vielen Vorträge bilden, die sie zu Neurologie und Psychologie weltweit hält.

Sie ist seit 38 Jahren mit Paul Auster verheiratet und sie lesen einander noch immer nahezu täglich vor. Beide lieben Märchen, genauso wie ihre Tochter Sophie, die als Singer-Songwriterin relativ berühmt ist. Es gibt sicherlich noch andere Schriftsteller-Ehepaare, aber die wenigsten sind so lange zusammen wie Siri Hustvedt und Paul Auster.

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Siri  Hustvedt hatte wie die meisten Schriftstellerinnen häufig mit Vorurteilen zu kämpfen. Sie hat einen Doktor in Literaturwissenschaft, hat kürzlich die Ehrendoktorwürde der Universität Oslo erhalten, hat Artikel im European Journal of Epilepsy, Neurophychoanalysis, and Clinical Neurophysiologie veröffentlicht, ist Dozentin am Dewitt Wallace Institut für Psychiatrie an der Cornell Universität und erhielt 2012 den International Gabarron Prize for Thought and Humanities, aber immer wieder wollen Journalisten ihr erklären, ihr Mann habe ihr Neurowissenschaft oder Psychologie „beigebracht“.

„… Ich erzählte ihm, mein Mann wisse nicht viel darüber (Neurowissenschaft und Psychologie), weder über das eine noch über das andere. Paul habe etwas Freud gelesen, sich aber nie in die Pychoanalyse vertieft wie ich, und nie einen einzigen neurowissenchaftlichen Aufsatz angerührt. Der Journalist war schockiert. Ihm fiel der Unterkiefer runter. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen wie er meine Lernbegierde als direkten Angriff auf den Status meines Ehemannes empfinden. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft man mir ihn als großen Kenner von Jacques Lacan angepriesen hat. ..“

Das Interview von Hustvedt mit Elisabeth Bronfen ist das Gespräch zweier Universalgelehrter, die ein immens großes Interesse und Wissen haben. Die beiden wirken wie die Gelehrten des 18. Jahrhunderts, die zufällig Frauen des 21. Jahrhunderts sind. Solche Universalgelehrten gibt es heute leider nicht mehr so häufig.

Ich konnte diesen Interviewband überhaupt nicht aus der Hand legen. Ich fand das Gespräch so spannend und anregend, habe seitenweise unterstrichen, Sätze rausgeschrieben, Namen nachgeschlagen.

Egal wie viel man von Hustvedt schon gelesen hat, dieses Buch gibt einen spannenden Einblick in das stets brodelnde Hirn einer faszinierten Gelehrten, die eine großartige Bereicherin für die „Women in Science“-Reihe ist.

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The Shaking Woman – A History of My Nerves

Als Siri Hustvedts Vater stirbt, hielt sie die Grabrede auf seiner Beerdigung mit fester Stimme und ohne Tränen. Zweieinhalb Jahre später, als sie bei einem Vortrag vor einem College-Publikum wieder auf ihren Vater zu sprechen kommt, fängt sie plötzlich an, unkontrollierbar vom Genick abwärts zu zittern, so heftig, dass sie sich kaum auf den Beinen halten konnte. Ihre Sprache war von diesem Anfall gänzlich unberührt und sie konnte den Vortrag unter Zittern weiterführen, ihre Mutter, die im Publikum saß, fühlte sich schrecklich an Hinrichtung auf einem elektrischen Stuhl erinnert.

In „The Shaking Woman – A history of my nerves“ versucht sie herauszufinden, wer diese zitternde Frau ist und woher ihre Symptome kommen könnten. Es ist eine persönliche Suche, eine philosophische Ermittlung, die auch in Augenschein nimmt, wie sich sowohl die Psychiatrie als auch die Neurologie in den letzten zwei Jahrhunderten entwickelt hat.

Kann ihr Zittern auf eine anatomische Ursache zurückgeführt werden oder ist diese abstrakter, weniger fassbar? Sie unterzieht sich Gehirnscans, die nichts aufzeigen, begibt sich in eine Psychoanalyse, die sie als Thema ohnehin schon lange fasziniert. Wie hätten Ärzte im Laufe der Jahrhunderte ihre Symptome klassifiziert?

Im 19. Jahrhundert wäre ihr wahrscheinlich Hysterie attestiert worden, im 20. Jahrhundert eher eine dissoziative Störung – eine Störung, die ihre Ursache im Bewußtsein hat, sich aber im Körper manifestiert. Unter Stress werden manche Menschen depressiv, andere brechen zusammen.

Macht es eigentlich Sinn, Erkrankungen als entweder psychisch oder körperlich zu klassifizieren? Welchen Einfluß hat Physiologie auf die Persönlichkeit? Wo beginnt das Selbst und wo endet es? Was ist Schmerz und kann man es vom Körper trennen, der ihn erleidet oder vom kulturellen Kontext in dem er stattfindet? Auf diesem verflochtenen Gebiet fühlt Siri Hustvedt sich durchaus wohl, da wo einfache oder singuläre Erklärungen nicht einmal ansatzweise ausreichen.

Hustvedt gelingt es, den Leser bei dieser anspruchsvollen Suche bei der Stange zu halten, ihre Untersuchungen von Geist und Körper und ihre glasklare Intelligenz fräsen sich durch Unmengen an interdisziplinärem Material. Ihr Referenzrahmen ist weit und sie nimmt sich mehr Zeit für Freud, als das heutige Wissenschaftler üblicherweise noch tun. Wenn Teile einer Theorie nicht perfekt sind, bedeutet das noch lange nicht, dass die gesamte Theorie falsch ist. Es ist sicherlich menschlich, allem einen Namen geben zu wollen, es einteilen und klassifizieren zu wollen, aber durch die Klassifizierung verweigern wir den Dingen teilweise ihre Komplexität.

„Science needs to be rigorous in defining a field of study, or evidence will be worthless; at the same time, there are disciplinary windows that narrow the view. Knowledge does not always accumulate; it also gets lost.“

Das Buch hat keine Kapitel und die haben mir ein wenig gefehlt, ich hätte gerne etwas mehr Struktur begrüßt. Ich nehme an, es war eine bewußte Entscheidung das Buch nicht in Kapitel aufzuteilen, denn wie Hustvedt abschließend bemerkt, Menschen leben ihr Leben auch nicht in sorgfältig sortierten Boxen, sondern eher total unorganisiert. Ein Neuronenfunke genügt und wir schalten vom Verstand auf Emotion um und innerhalb von Sekunden wieder zurück, wieder und wieder.

Wer Oliver Sacks gerne liest, wird an diesem Buch Spaß haben, denn wie er schafft sie es hervorragend, Wissenschaft und Empathie miteinander zu verbinden.

Lust auf mehr Siri? Hier findet ihr die Rezension zu ihrem Roman „The blazing world“ und hier einen Artikel über einen Abend mit ihr im Münchner Haus der Kunst wo sie einen Vortrag zu Louise Bourgeois hielt.

„The shaking woman – a history of my nerves“ erschien unter dem Titel „Die zitternde Frau – eine Geschichte meiner Nerven“ im Rowohlt Verlag.

Ich bedanke mich beim Kampa Verlag für das Rezensionsexemplar von „Wenn Gefühle auf Worte treffen“.

Women in Science (18) Cordelia Fine

Geschlechterdiskriminierung möchten uns viele glauben machen, ist ja ein Ding der Vergangenheit. Heute ist ja alles absolut ausgeglichen und wenn Mädchen Prinzessinnen werden wollen und Jungs sich beim Spielen dreckig machen, dann ist das halt biologisch schon so vorgesehen, das sind halt die unveränderlichen Unterschiede zwischen dem weiblichen und dem männlichen Gehirn. Jede Menge Artikel erscheinen auch heute noch, die wissenschaftlich erklären wollen, warum es so wenig Frauen in der Naturwissenschaft oder in technischen Berufen gibt.

Cordelia Fine ist eine kanadisch-britische Wissenschaftsautorin, Forscherin und Journalistin. 2001 promovierte Fine im Fach Psychologie am Institut für kognitive Neurowissenschaften des University College London. Sie ist Research Associate im Centre for Value, Agency & Ethics der Macquarie University in Australien und Ehrenmitglied in der Fakultät der psychologischen Wissenschaften der Universität Melbourne.

Basierend auf neuesten Forschungsergebnissen aus der Entwicklungspsychologie, den Neurowissenschaften und der sozialen Psychologie, räumt Cordelia Fine mit diesen Mythen auf und zeigt, wie hier alter Wein in neue angeblich wissenschaftliche Schläuche gefüllt wurde, um den geschlechterdiskriminierenden Status Quo zu erhalten.

Fines Buch bietet eine Fülle an spannenden Informationen, besonders spannend fand ich diesen Punkt:

Wir haben wahrscheinlich alle (mehrfach) die folgende Geschichte gehört: „Ich wollte meine Kinder wirklich geschlechtsneutral erziehen, aber an einem bestimmten Punkt hat der Bub einfach ganz natürlich angefangen, mit den Autos zu spielen und die Mädchen haben sich in rosafarbene Prinzessinnen verwandelt. Obwohl ich doch alles dafür getan habe, dass die Mädchen Autos spielen und die Jungs mit Puppen. Das muss also biologisch sein, an meiner Erziehung lag es jeden Falls nicht.“ Dieses Phänomen ist unter Soziologen als „biology as fallback“ bekannt.

„The frustration of the naively nonsexist parent has become a staple joke. An all but obligatory paragraph in contemporary books and articles about hardwired gender differences gleefully describes a parent’s valiant, but always comically hopeless, attempts at gender-neutral parenting“

Fine berichtet dann über über das Experiment von Sandra und Daryl Bem (Bem Sex-role inventory), die in den 1970er versuchten, Kinder geschlechtsneutral zu erziehen – und was sie dabei alles beachten mussten. Sie bearbeiteten sämtliche Kinderbücher, in dem sie Bärte wegretuschierten, die Haarlänge anglichen und Brüste hinzufügten oder übermalten (übrigens selbst heute ist sind Männer mit einer Ratio von 2:1 gegenüber Frauen repräsentiert). Sie überarbeiteten die Texte die Männer und Frauen in geschlechterspezifischen Stereotypen beschrieben und so weiter und so fort.

Foto: Wikipedia

Das zeigt, wie schwer es ist, ein Kind geschlechterneutral erziehen zu wollen. Fine erklärt, dass die Vergeschlechtlichung (manchmal wünschte ich, ich hätte diesen Artikel auf Englisch geschrieben und könnte einfach gendern schreiben 😉 ) so omnipräsent in unserer Kultur vorhanden ist und unglaublich intensiv. Nicht einmal die Kinder der Bems konnten sich dem komplett entziehen. Und Kinder reagieren unglaublich sensibel auf die unterschiedlichen Anleitungen, die sie bekommen, mit Blick darauf, wie sie sich ihrem Geschlecht entsprechend verhalten sollen.

Children randomly assigned at preschool to a ‘red’ group or a ‘blue’ group, and wearing the appropriate colored T-shirts to school each day, after three weeks, with no further reinforcement, will find themselves conforming to what they take to be the norms for their respective groups. One needs little imagination to see how much more intrusive the pressures on gender conformity will be, even if the parents are like the Bems.“

Fines Angriffsziel im Buch ist das, was sie mit „Neurosexismus“ bezeichnet – die Misinterpretation der modernen Neurowissenschaften, die bestehende Stereotypen bekräftigen und Diskriminierungen weiter aufrechterhalten. Frauen sind angeblich emphatischer, Männer analytischer, Frauen können nicht führen und Männer keine Kinder erziehen etc. etc.

Die Wurzeln dieser Überzeugungen finden sich aber nicht in inhärenten biologischen Limitationen, sondern in kulturellen Vorurteilen, in der Erziehung, der Bildung und darin, wie wir unsere Kinder prägen.

Wissenschaft existiert nicht in einem Vakuum. Fine zeigt jede Menge Fehler auf, in der grundlegenden Methodologie wie Experimente durchgeführt werden oder zeigt wilde Extrapolationen auf die auf dem Verhalten von Säuglingen basieren. Auch wenn Ergebnisse auf solidem Wege generiert wurden, werden die Interpretationen oft so hingebogen, wie man sie gerne hätte.

Cordelia Fine ist aber keine Dogmatin, sie akzeptiert, dass es medizinische Forschungsergebnisse gibt, die bestimmte biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen erkennen lassen (zum Beispiel im Vergleich von Lupus oder Haarausfall) aber es wäre völliger Unsinn zu behaupten, dass diese erkennbaren Unterschiede eine Basis bieten würden, um stereotypes Verhalten und gesellschaftliche Rollenverteilungen zu rechtfertigen.

Große Empfehlung für alle, die sich für Feminismus, Neurowissenschaften, Psychologie und Gender Studies interessieren.

Auf deutsch erschien das Buch unter dem Titel: „Die Geschlechterlüge: Die Macht der Vorurteile über Mann und Frau“ im Klett Cotta Verlag.

Hirngymnastik Neurologie – Oliver Sacks

”I am a storyteller, for better and for worse. I suspect that a feeling for stories, for narrative, is a universal human disposition.”

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Ich war und bin ein großer Oliver Sacks Fan, habe eine ganze Reihe seiner Bücher vor ein paar Jahren verschlungen und habe keine rechte Erklärung dafür, wie es passieren konnte, dass er für eine Weile von meinem Radar verschwand. 2015 dann erinnerten mich eine Reihe von Blogs durch die Rezension seiner Autobiografie „On the Move“ an ihn und ich habe seit geraumer Zeit wieder einige Bücher von ihm auf dem SUB.

Jetzt endlich habe ich sie also auch gelesen, die überaus spannende Biografie eines Mannes, der sowohl Neurologe, Arzt, Motorradfahrer und fast professioneller Gewichtheber war. Entsprechend munter geht es in der 82 Jahre umfassenden Geschichte seines Lebens auch her.

Sacks war das jüngste von vier Kindern, die in eine wohlhabende jüdische Familie im Norden Londons hineingeboren wurden. Sein Vater war Arzt, seine Mutter Chirurgin. Während der Londoner Bombenangriffe wurde er als Sechsjähriger mit seinen Brüdern aus London evakuiert und in einem Internat in den Midlands untergebracht, wo sie bis 1943 blieben.

Schon als junger Mann in Oxford, wo er 1954 seinen Bachelor in Physiologie und Biologie und später seinen MA und MB in Chemie macht, weiß Oliver, dass er schwul ist. Sein Coming-out insbesondere der geliebten Mutter gegenüber ist ziemlich traumatisch. Sie ist zutiefst schockiert und sagt ihm, sie wünschte er wäre nie geboren. Ein großer Schock für ihn und vielleicht mit ein Grund, warum er nach seinem 40. Lebensjahr sexuell enthaltsam lebte. Das hat auf der anderen Seite aber wahrscheinlich auch dazu geführt, dass er von der AIDS Epidemie der 1980er Jahre verschont blieb, die auch – wenn ich mich recht erinnere – mit keiner Silbe erwähnt wird.

Beim Lesen lernt man einen sehr komplexen, zurückhaltenden, brillianten Mann kennen, der es schaffte, seine vielen Talente auszuleben. In den 1950/60er Jahren in Kalifornien war er unter der Woche der Neurologe Dr. Sacks und am Wochenende verwandelte er sich in einen muskulösen Biker, der Drogen nahm und sich auf Abenteuer mit anderen Männern einließ – wenn er nicht gerade am Muscle Beach an Wettkämpfen im Gewichtheben teilnahm.

Er führt ein geschäftiges, faszinierendes Leben und berichtet von seinem Studium in Oxford, seinem navigieren zwischen Forschung und klinischer Arbeit, seinen Reisen (unter anderem lebte er eine Weile in einem israelischen Kibbuz) und seinem Umzug in die USA, wo er seine Leidenschaft für das Schreiben und seine ihm eigenen Themen in der Arbeit und der Literatur entdeckte.

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Foto: Wikipedia

Oliver Sacks Fähigkeit, die Menschen hinter den neurologischen Erkrankungen zu sehen und seinem Lesepublikum zu vermitteln, ist seine größte Begabung. Ganz in der Tradition Sigmund Freuds oder Charles Darwins kann er wunderbar schreiben und separiert zwischen dem Menschen und seiner Erkrankung. Vor ihm sitzt kein Schizophrener, sondern ein Mensch mit Schizophrenie. Kein Autist, sondern ein Mensch mit Autismus. Er sieht den ganzen Menschen, sie sind für ihn nicht einfach nur anonyme Fälle, die es zu untersuchen gilt. Er behandelte seine Patienten oft eher als Co-Wissenschaftler, die mit ihm gemeinsam an der Erforschung ihrer Erkrankungen arbeiten.

Sacks selbst hatte sein Leben lang Schwierigkeiten damit, dass er unter Prosopagnosie (Gesichtsblindheit) litt. Man merkt es den Menschen nicht an und wird daher häufig für arrogant oder unhöflich gehalten, wenn man Bekannte auf der Straße nicht grüßt. Er hatte es nicht permanent, sondern nur hin und wieder, was die Sache für ihn nicht einfacher machte.

Sacks geht in seiner Biografie auf nahezu all seine Bücher ein und es war sehr interessant, die Entstehungsgeschichte der Bücher zu lesen. Er war ein komplexer, verletzlicher, emphatischer Mensch und ein sehr innovativer Wissenschaftler, Arzt und Schriftsteller. Er pflegte tiefe Freundschaften (unter anderem mit den Dichtern Thom Gunn und W. H. Auden) und stand seiner Familie sein Leben lang sehr nahe. Ich habe mich sehr gefreut, dass er als Mittsiebziger seine späte große Liebe im Leben traf und er mit Bill ein paar wenige, aber sehr glückliche Jahre erleben konnte.

Eine der spannendsten Biografien, die ich seit Langem gelesen habe und eine große Empfehlung auch für Leute, die sich vielleicht nicht primär für Neurologie, Psychologie etc. interessieren.

Ich konnte dann nicht gleich wieder lassen von Mr. Sacks und wollte ihn einfach noch eine Weile begleiten, daher griff ich gleich danach zu seinem Buch „Die Insel der Farbenblinden“

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Auszug auf dem Klappentext:

Das neue Buch von Oliver Sacks entführt in die Welt der Südseeinseln. Die Menschen, die dort wohnen, ihre Gebräuche, Riten und Mythen, die exotische Landschaft und die nicht minder exotische Flora und Fauna bilden die Kulisse, vor deren Hintergrund der Autor seine Forschungen betreibt – in deren Mittelpunkt „insuläre“, in der Abgeschlossenheit jener Inseln entstandene neurologische Erkrankungen stehen.

Die erste der beiden geschilderten Reisen führt uns zu den Inseln Pingelap und Pohnpei, wo ein überdurchschnittlich hoher Bevölkerungsanteil an einer bestimmten Form der totalen Farbenblindheit erkrankt ist. Die Begegnungen mit den Betroffenen, ihre Lebensgeschichten, die Untersuchungen, die Sacks und seine beiden Begleiter, ein New Yorker Augenarzt und ein – selbst farbenblinder – Mediziner aus Norwegen, durchführen, aber auch die Theorien zur Herkunft der erblichen Farbenblindheit und die Auswirkungen dieser Störung auf das Leben der Erkrankten stehen im Vordergrund des kunstvoll gewobenen Berichts.

„Marie Stopes, die zu den Heldinnen meiner Mutter gehörte (und Dozentin für Paläobotanik war, bevor sie sich dem Kreuzzug für Empfängnisverhütung verschrieb), hatte ein Buch mit dem Titel „Ancient Plants“ geschrieben, das eine seltsame Faszination auf mich ausübte. In ihren Ausführungen übe die „sieben Zeitalter“ des Pflanzenlebens bekam ich einen ersten Eindruck von der unerforschlichen Tiefe der Zeit, den vielen Millionen, vielen hundert Millionen Jahren, die die meisten urzeitlichen Pflanzen von denen unserer Epoche trennen.“

Der zweite Teil „Die Insel der Palmfarne“ beschreibt Sacks‘ Reise zu den Inseln Guam und Rota, auf denen viele Menschen an einem bislang unheilbaren Syndrom leiden – dem Lytico-Bodig. Es manifestiert sich entweder in einer fortschreitenden Lähmung oder in Parkinsonismus und Demenz oder in bizarren Vermischungen beider Symptomkomplexe, die, von äußert seltenen Fällen abgesehen, zum baldigen Tod führen. Ist die Erkrankung auf den Genuß von Früchten, Blättern und Samen der zahllosen Farne zurückzuführen, jener teilweise über tausend Jahre alt werdenden „Dinosaurier unter den Pflanzen“, die auf diesen Inseln in üppiger Varietät wachsen?

Mich hat „Die Insel der Palmfarne“ an einen Artikel erinnert, den ich kürzlich in der New York Times las. Es gibt anscheinend in Indien eine mysteriöse Erkrankung die hauptsächlich Kinder unter 10 Jahren trifft. Sie scheinen gesund schlafen zu gehen, wachen am Morgen mit hohem Fieber und Hirnschwellungen auf verbunden mit Krampfanfällen und ein Drittel stirbt innerhalb von 36 Stunden. Die Ursache ist noch unklar, allerdings bringen einige Wissenschaftler die Erkrankung mit dem Verzehr von Lychees in Zusammenhang:

Ich habe beide Berichte äußerst gespannt verfolgt und fühlte mich an die Reiseberichte von Alexander von Huboldt, Charles Darwin oder James Cook erinnert.

Für die meisten Menschen wird Oliver Sacks wahrscheinlich immer ein Stück weit Robin Williams sein, der ihn im Film „Awakenings“ (basierend auf dem gleichnamigen Buch) spielte. Hier der Trailer zum Film, den ich sehr empfehlen kann:

Auf jeden Fall habe ich jetzt wieder extrem Blut geleckt und möchte unbedingt das Gesamtwerk von Oliver Sacks lesen, macht euch also darauf gefasst, dass ich hier noch so einiges von ihm vorstellen werde.

„On the Move“ sowie „Die Insel der Farbenblinden“ erschienen im Rowohlt Verlag.