Meine Woche

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Gesehen: “Lost River“ von Ryan Gosling. Wurde total zerrissen von der Kritik, ich fand ihn klasse, vor allem auch den Soundtrack.

Woman in Gold“ mit Helen Mirren. Wirklich toller Film, spannendes Thema. Unbedingt sehenswert und ein schönes Wiedersehen mit Orphan Black Tatiana Maslany.

Gehört: „China“ – The Pains of Being Pure at Heart, „Blackstar“ – David Bowie, „Earthshine + Impervious“ – M‡яc▲ll▲, „Ombra mai fu“ – Vesselina Kasarova, „Cool Water“ – Johnny Jewel, „Yes“ – Chromatics, „I come with knives“ – IAMX

Gelesen: diesen Artikel über den Untergang der Marshall-Inseln, was Teams erfolgreich macht, über LSD Microdosing im Business Umfeld, diesen Artikel über interaktive Literatur, diesen Artikel über Melancholie,

Getan: einen wirklich spannenden Workshop zum Thema Agile HR in Hamburg besucht, mehr Sales Assessments, den Bookclub entertaint und IAMX gesehen

Gegessen: Fischbrötchen und dieses Auberginen-Gericht das einem das Wasser im Mund zusammenlaufen läßt

Getrunken: Astra

Gefreut: über meinen grandiosen Adventskalender

Geärgert: das ich Tickets für das Pauli Heimspiel hätte bekommen können, aber der Rückflug war gebucht 😦

Gelacht: I’d rather live small in the city, than big in the suburbs

Geplant: more agile wagen

Gewünscht: diese Nudeln, dieses Bild, dieses Outfit

Gekauft: diesen Mantel, Baileys & Schokolade am Flugenhafen

Gefunden: den Spiegel im Flugzeug

Geklickt: auf dieses wunderschöne schwarze Loch und auf diese tollen Desktop Hacks

Gewundert: das es das Clochard auf St. Pauli tatsächlich noch gibt

Faust – Johann Wolfgang von Goethe

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Ghetto-Faust

Wem das Bildungsbürgertum – warum auch immer – das Asyl verweigert hat, hat mit dem „Buch als Magazin“ die beste Möglichkeit, so einiges nachzuholen. Gerade „Faust“ war für mich im Grunde das Synonym für „muss man gelesen haben, zitieren und inhalieren, wenn man dazugehören will“ und hab lange einen Bogen drum gemacht, was ziemlich dämlich war, denn Faust ist richtig gut.

„Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen;
Ein Werdender wird immer dankbar sein“

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Foto: Heike Neudeck

Aber bevor es hier um den gefrusteten Wissenschaftler und seinem Bund mit dem Teufel geht, muss ich erst noch mal das unglaublich wundervolle Cover loben. Ich liebe Bilder von Planeten,  Mond (wie zB der Blutmond kürzlich) etc und daher ist das Mars-Cover perfekt für mich.

„Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube;
Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.“

„Nun gut, wer bist Du denn?
Ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.
Was ist mit diesem Rätselwort gemeint?
Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was ensteht,
Ist wert, dass es zugrunde geht;
Drum besser wär’s, dass nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.“

OK – Faust also. Wahrscheinlich ist es jetzt vermessen, hier überhaupt über den Inhalt zu schreiben, weil das ja jeder gelesen hat, aber ich wage mich trotzdem mal dran. Der brilliante Faust, der der Wissenschaft und Theologie irgendwie müde geworden ist, versucht es daraufhin mit Magie, aber auch das läßt ihn ziemlich unbefriedigt zurück. Frustriert will er seinem Leben ein Ende bereiten, aber im letzten Moment entscheidet er sich dagegen. Zack – Auftritt Mephistopheles (als Pudel(s) Kern), der Lust, Genuss und  Chaos mit sich bringt.

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Mephistopheles hat eine Wette laufen mit Gott, das er den guten alten Bücherwurm Faust auf die dark side ziehen kann und er bietet Faust einen Handel bzw den berühmten Teufelspakt an: Sollte es Mephistopheles gelingen, Faust mit dem Leben zu versöhnen, wird Faust dem Teufel gehören. Und damit nimmt das ganze höllische Drama aus Arroganz, unerfüllten Wünschen und Selbsttäuschung seinen Lauf.

Hallo Existentialismus !

Faust war anfangs gewöhnungsbedürftig für mich. Die Sprache, die Poesie, hat mich von der ersten Zeile an begeistert, trotzdem dauerte es einen Moment, bis ich im Flow war. Wenn man dann aber „drin“ ist, ist es ein ein wundervoll düsterer, mystischer, einfallsreicher, eloquenter und teilweise abgefahrener Höllenritt.

Faust is totally badass und ich werde auf jeden Fall auch den zweiten Teil lesen. Es war ein spannender Zufall, dass ich „Faust“ genau vor unserem Bookclub November-Buch „The Master and Margerita“ las, sehr passend, kann ich nur sagen.

Im zweiten Teil des Heftes gibt es Reportagen und Interviews, die mit dem Klassiker aus dem ersten Teil mehr oder weniger in Verbindung stehen, gerade in der Faust-Ausgabe fand ich diese Kombi sehr gelungen.

Das Buch als Magazin macht richtig Lust auf Klassiker, daher los, los, los kaufen und Faust lesen oder nochmal lesen und irgendwo auf der Welt wird bestimmt immer gerade das Stück aufgeführt. Da will ich jetzt auch hin.

Zwei Jahre Acht Monate und Achtunzwanzig Nächte – Salman Rushdie

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Selten erschien mir ein Roman und die Lesung dazu aktueller als diese. Nur ein paar Tage nach den fürchterlichen Anschlägen des IS las Salman Rushdie im Münchner Cuvilliés-Theater aus seinem kürzlich erschienen Roman „Zwei Jahre Acht Monate und Achtundzwanzig Nächte“. Weder Dennis Scheck, der durch den Abend führte, noch unser nahezu kompletter Bookclub ließen sich von Regen, erhöhten Sicherheitsmaßnahmen oder Salman Rushdies Schnupfen erschrecken und wir wurden in jeder Hinsicht belohnt. Es war ein großartiger Abend, nur die deutsche Leseeinheit hätte etwas kürzer und vielleicht einen Hauch weniger theatralisch ausfallen dürfen.

Rushdie selbst kommt aus einer Familie und aus einer Zeit, die nicht religiös war. Er hätte sich in den Sechziger Jahren nie träumen lassen, Romane über Religion zu schreiben, doch leider ist das Thema in der Welt so stark gewachsen, dass er sich jetzt gezwungen sieht, darüber zu schreiben.

Nicht nachgeben, keinen Zentimeter. Wir müssen unser Leben weiterleben wie vorher und unsere Freiheit genießen und ausleben,  ist die Message von Salman Rushdie, der es wissen muss, dem der Terror selbst durch die jahrelange Todes-Fatwa viele Freiheiten genommen hat. Die Fatwa ist offiziell aufgehoben, doch noch immer ist ein Kopfgeld von rund 3,3 Mio Dollar auf ihn ausgesetzt.

Doch er hält es ganz mit Charlie Hebdo:

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Bild: Tagesschau

Ihr habt die Waffen, aber WIR haben den Champagner!

Im Roman geht es um Ibn Ruschd alias Averroës,  den aufklärerischen Moslem  des 12. Jahrhunderts, den es wirklich gab. Rushdies Vater benannte sogar seine Familie um, nach eben diesem Denker, um diesem seinen Respekt zu zollen. Aufklärung ist Rushdies Lebensthema und ihm ein Stück weit wohl in die Wiege gelegt worden. Er ist allen Religionen gegenüber skeptisch, denn die große Kraftquelle der Religionen ist die Angst.

Die zweite Person ist ein persischer Gelehrter namens Abu Hamid Muhammad Ibn Muhammad al-Ghazali, ein strenger Gläubiger, der Ibn’Ruschd, den Philosphen der Vernunft, bekämpft. New York wird zum symbolischen Schauplatz im Kampf der Welten. Auf beiden Seiten bekriegen sich Dämonen und Zauberwesen.

Ist Gott die Liebe oder die Angst? Darüber streiten sich die beiden Philosophen.  Furcht verändert die Furchtsamen und ist eine Waffe die wir auf uns selbst richten.

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Der Roman hat eine unglaubliche Fülle an Personal und es nicht einfach, immer den Überblick zu behalten. Eine Dschinnya namens Dunia spielt eine große Rolle in diesem Roman. Sie ist ein verführererisches Geisterwesen, dass sich im 12. Jahrhundert in den Gelehrten Ibn’Ruschd verliebt und eine unglaubliche Menge Kinder mit ihm bekommt.

Ein paar hundert Jahre später ist sie in unserer Welt unterwegs, um ihre Nachkommen um sich zu versammeln, die allesamt, ohne es zu wissen, ebenfalls Dschinns und Dschinnyas sind. Diese, die guten, die hellen Dschinns, führt sie in den Kampf und ist dabei alles andere als zimperlich. Dunia ist eine toughe Kämpferin und keine devote Dienerin.

„Die menschliche Vernunft ist doch bestenfalls ein armseliges, anfälliges Ding, dachte Dunia. Hass, Dummheit, Fanatismus, Habgier, das waren die vier Reiter der neuen Apokalypse. Doch sie liebte diese kaputten Leute und wollte sie vor den dunklen Dschinn retten, die die innere Dunkelheit in ihnen nährten, tränkten und offenbarten.“

Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte,was der magischen Zahl „1001“ entspricht, dauert dieser Kampf zwischen den guten Dschinns angeführt von Dunia und den dunklen, die dem fundamentalistischen Ghazali folgen. Wobei der Roman weniger an die Märchen aus 1001 Nacht erinnert, als an X-Men und bei Dunia mußte ich immer an „Storm“ denken 😉

Mit Sturm und Sintflut beginnt die Zeit der Seltsamkeiten. 1001 Nacht der dunklen Geschehnisse.  Das Wetter spielt verrückt, die Stürme sind so mächtig, dass die Übergänge zwischen der Welt der Dschinns und unserer aufbrechen und großes Unheil anrichten. Rushdie nutzt das Märchenhafte zur Verarbeitung unserer Gegenwart, all des Terrors im Namen des Glaubens, aber auch die Gefahren des Klimawandels, die unser Wetter zum Durchdrehen bringen. Mit Hilfe der Komödie und der Fabel zeigt uns Rushdie, dass es möglich ist über die dunklen Seiten zu schreiben und zu lachen.

„Ein Kind begreift nichts und klammert sich, weil es ihm an Wissen gebricht, an den Glauben. Den Kampf zwischen Vernunft und Aberglauben kann man als die lange Jugendzeit der Menschheit betrachten, und der Sieg der Vernunft wird ihr Mündigwerden sein. „

Als hätte er es vorausgesehen. was passieren würde, als er vor vier Jahren mit dem Schreiben des Romans begann. Was könnte seltsamer sein als das was heute aktuell passiert?

Am Ende siegt die Vernunft, auf der Strecke bleiben die Religion und die Träume. Der Geist der Religion ist wieder in der Flasche und wir brauchen keine Träume mehr, denn wir leben im Hier und Jetzt. Es lebe der Existentialismus!

„Du wirst schon sehen, dass im Lauf der Zeit letztendlich die Religion selbst die Menschen zu veranlasst, sich von Gott abzuwenden, entgegnete Ibn Ruschd. Die Frommen sind Gottes schlechteste Sachwalter. Mag sein, dass es eintausendunein Jahr dauert, doch am Ende wird die Religion verdorren, und erst dann werden wir beginnen, in Gottes Wahrheit zu leben.“

Bei Gerhard vom Kulturforum findet sich ein sehr schöner Bericht über Herrn Rushdies Besuch auf dem Bayern2-Diwan.

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Meine Woche

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Gesehen: „The Black Dahlia“ von Brian De Palma – toller Neo-Noir Thriller. Unbedingt sehenswert.

Marnie“ von Alfred Hitchcock mit Sean Connery. Perfekter Film für einen verregneten Sonntag

Tomboy“ von Céline Sciamma. Sehr realistischer Film, der mir nahe ging.

Jurassic World“ von Colin Trevorrov. Nein keine große Kunst aber DINOS 🙂

Gehört: „God was never on your side“ – Motörhead, „Immunity“ – Jon Hopkins, „Lime Habit“ – Polica, „Walk in the Park“ – Beach House, „Kindred“ – Burial

Gelesen: diesen Artikel im New Yorker, ob uns Lesen glücklicher macht, diesen Artikel über Patricia Highsmith‘ „The Price of Salt (Carol)“, und diese Reportage über Menschen in einer Fernbeziehung,

Getan: brav eine weitere Woche rekonvalesziert und es tatsächlich zu Salman Rushdies Lesung geschafft

Gegessen: Buchstabensuppe

Getrunken: Tee, Tee, Tee und einen rheinhessischen Riesling

Gefreut: das ich wieder fit bin

Geärgert: das ich es nicht zum Motörhead Konzert geschafft habe

Gelacht: über den Selfish

Geplant: Japan Mai 2016 – yeah!

Gewünscht: diesen Mantel, dieses Bad, diesen Arbeitsplatz

Gekauft: dieses Shirt und diesen Schal

Gefunden: eine verschollenes Buch im eigenen Regal 🙂

Geklickt: auf diesen TED-Talk, auf dieses wunderschöne Video zum Overview-Effekt,  dieses Ikea Küchen-Konzept 2025, auf dieses faszinierende interaktive Video zu verschiedenen physikalischen Theorien und dieses Hamlet-Interview mit Benedic Cumberbatch

Gewundert: über den plötzlichen Schnee heute morgen

Francoise Gilot Die Frau, die nein sagt – Malte Herwig

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Francoise Gilot war eine junge 21-jährige Malerin in Paris, als sie dem 62-jährigen Picasso zum ersten Mal begegnete. Sie sollte 10 Jahre lang seine Geliebte, sein Model und seine Muse bleiben, sowie die Mutter zweier seiner Kinder werden, Claude und Paloma. Außerdem war auch die einzige Frau, die Picasso jemals verlassen hat. Üblicherweise war das sein Job und er hat auch bis zuletzt nicht wirklich geglaubt, sie würde es durchziehen. „Keine Frau verlässt einen Mann wie mich“, hatte Picasso selbstsicher behauptet. „Einen Mann, so reich und berühmt“. Francoise bewies das Gegenteil und erwiderte, „dann sei sie eben die erste Frau, die es fertigbrächte“.

„Picasso tobte. Beladen mit Koffern, zwei Kindern und einer jungen Frau fuhr das Taxi vor der Villa La Galloise in Vallauris an. Bald war der Wagen nur noch eine Staubwolke auf der südfranzösischen Landstraße in Richtung Paris, und Picasso stampfte wütend zurück in das leere Haus. Sie hatte es tatsächlich getan, hatte Wort gehalten und war mit den beiden Kindern – seinen Kindern! – fortgefahren für immer. Es war ein Unding, nicht vorgesehen und nicht vorhersehbar im Lebensplan des alten Meisters.“

Kein geringerer als Robert Capa setzte dem außergewöhnlichen Paar mit diesem weltberühmten Foto ein Denkmal:

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Gilot ist ein unabhängiger Geist, die selbst ihren Liebhabern und engsten Vertrauten gegenüber stets undurchschaubar blieb.

„Selbst Picasso kannte mich trotz unserer zehn gemeinsamen Jahre nie, denn ich habe mich verschlossen. Ich enthülle mich nie, warum sollte ich das? Ich drücke mich in meinen Bildern aus“

Ihr Lebensmotto, das irgendwie zu ihren „accont circonflexe Augenbrauen“ passt, lautet: „Wenn du etwas riskierst, erlebst Du auch schlimme Dinge, aber du lebst und verstehst immer mehr. Vor allem wirst du nicht langweilig. Das ist das Allerschlimmste: langweilig werden“

Gilot ist 90 Jahre alt, als sich der SZ-Reporter Malte Herwig bei ihr meldet und sie um ein Interview bittet.

Aus einem geplanten Interview werden über Jahre andauernde fast freundschaftliche Gespräche. Sie philosophieren gemeinsam über den Zauber des Schreibens mit Tinte, über das Kunstgeschäft, die Rolle der Frauen in der Kunst und natürlich immer wieder um das Malen.

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Sie erzählt ihm von ihrem Leben an Picassos Seite und zeigt einen cholerischen, herrschsüchtigen Picasso, der liebevoll aber auch äußerst grausamsein konnte. Lange hat die zarte Gilot seine Ausbrüche ertragen. Picasso verstand sich darauf, seine Frauen auch finanziell von ihm abhängig zu machen. Dies sollte ihm bei Gilot nicht gelingen, der Ausdruck „Die Frau, die nein sagt“ ist ein fast resigniert klingendes Zitat Picassos über Francoise.

Malte Herwig ist sicherlich nicht immer objektiv in seinem Buch, denn er ist ganz verzaubert von der weisen, junggebliebenen Gilot. Ich kann es ihm nicht verdenken, mir wäre es genauso gegangen. Sie wächst einem ans Herz, diese zarte starke Frau.

Ich habe unglaublich viel aus dem Buch herausgeschrieben. Francoise Gilot hat sehr viel zu sagen und ich habe dieses Buch mit ganz unglaublichem Genuß gelesen – es ist wirklich grandios.

In den Museen sind nur verhältnismässig wenige Bilder von Gilot zu finden. Viele befinden sich in Privatbesitz. Sie ersteigert hin und wieder eines ihrer Bilder zurück.

In den 6oer Jahren schrieb sie eine Art Enthüllungsbuch über Picasso – „Leben mit Picasso“ – das den Meister gründlich erboste und sie eine zeitlang im Kunstbetrieb ziemlich aufs Abstellgleis beförderte.

 

Geblieben war Francoise Gilet aus ihrer Zeit mit Picasso eine Zeichnung und das berühmte Femme-Fleur Porträt, das er von ihr angefertigt hatte (allerdings erst als Matisse Gilot bat, ihm Modell zu sitzen). Der Verkauf des Bildes hat ihr die Atelierswohnung in New York in der Nähe des Central Parks beschert, ein weiterer Garant ihrer Unabhängigkeit.

Interessant fand ich auch, wie sehr auch heute noch Künstlerinnen im Schatten ihrer männlichen Kollegen stehen. Das teuerste Nachkriegsgemälde des Künstlers Marc Rothko erzielte 86,9 Millionen Dollar, das teuerste Kunstwerk einer Frau – Louise Bourgeois – dagegen nur 10,7 Millionen. Krass. Das Verhältnis in Ausstellungen, Museen und Galerien möchte ich gar nicht genau wissen.

Der für mich wichtigste Satz in dem Buch war einer, der meiner Lebensphilosophie entspricht und den ich selbst leider nie so auf den Punkt hätte bringen können:

„Du darfst nie etwas ausradieren! Du zeichnest eine Linie und Du mußt dafür sorgen, dass sie etwas bedeutet. Wenn sie da ist, ist sie da, und du mußt etwas daraus machen.

Aber wenn ich einen Fehler mache?

Dann mußt du damit arbeiten, bis der Fehler einen Sinn bekommt.

Am Ende ist ein Fehler kein Fehler mehr, weil du ihm einen Platz und eine Bedeutung im großen Ganzen gegeben hast.“

Ich bin so froh, auf der Buchmesse nicht nur den Ankerherz-Verlag, sondern auch dieses Buch entdeckt zu haben. Es ist nicht nur inhaltlich schön, es ist auch gestalterisch wundervoll. Der helltürkisgrüne Leinenumschlag mit Goldprägung – so so schön.

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Und wenn ein Verlagsgründer dann auch noch so wunderschöne inks hat, dann hat der Bingereader wohl einen neuen Lieblingsverlag gefunden 😉

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Hier ist ein interessantes kurzes Video über einen Besuch in Francoise Gilots Studio:

Listmania – Die liebsten Filme

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Foto: JPS

Diese Filme sehe ich immer wieder gerne – nicht alles cineastische Wunder, aber mir sehr wichtig. Da fehlen bestimmt noch welche 😉

2046 – Wong Kar-Wai
Abre los ojos/Öffne die Augen – Alejandro Amenabar
Ai
Alien – Ridley Scott
Amadeus – Milos Forman
Bandits – Katja von Garnier
Better than Chocolate – Anne Wheeler
Blade Runner – Ridley Scott
Blue Velvet – David Lynch
Bound – A + L Wachowski
Cinema Paradiso – Guiseppe Tornatore
Dead Poets Society – Peter Weir
Der Himmel über Berlin – Wim Wenders
Delicatessen – Jean Pierre Jeunet
Drive – Nicolas Winding Refn
El Laberinto del Fauno/Pans Labyrinth – Guillermo del Toro
Eyes wide shut – Stanley Kubrick
Far from Heaven – Todd Haynes
Fight Club – David Fincher
French Connection – William Friedkin
Fried Green Tomatoes – Jon Avnet
Gattaca – Andrew Nicol
Hablo con ella/Sprich mit ihr – Pedro Almodovar
Hamlet – Michael Almereyda
Il Postino/Der Postmann – Michael Radford
Imagine Me & You – Ol Parker
Im Juli  – Fatih Akin
Inception – Christopher Nolan
In the Mood for Love – Wong Kar-Wai
Jurassic Park – Steven Spielberg
Kill Bill – Quentin Tarantino
La Grande Bellezza/Die große Schönheit – Paolo Sorrentino
La Piscine/Der Swimmingpool – Jacques Deray
Les Filles du botaniste/Die Töchter des chinesischen Gärtners – Dai Siije
Lola Rennt – Tom Tykwer
Lost Highway – David Lynch
Lost in Translation – Sophia Coppola
Loving Annabelle – Katherine Brooks
Lost & Delirious – Lea Pool
Manhattan – Woody Allen
Magnolia – Paul Thomas Anderson
Melancholia – Lars von Trier
Memento – Christopher Nolan
Metropolis – Fritz Lang
Mies vailla menneisyyttä/Der Mann ohne Vergangenheit – Ari Kaurismäki
Midnight in Paris – Woody Allen
Mulholland Drive – David Lynch
Nina’s Heavenly Delights –  Pratibha Parmar
Night on Earth – Jim Jarmsch
Only Lovers left alive – Jim Jarmusch
Pi – Darren Arofonsky
Prospero’s Books – Peter Greenaway
Psycho – Alfred Hitchcock
Reality Bites – Ben Stiller
Romeo + Juliet – Baz Luhrman
Serpico – Sidney Lumet
Skyfall – Sam Mendes
Smoke – Paul Auster/Wayne Wang
Shutter Island – Martin Scorsese
The Big Sleep – Howard Hawks
The Children of Men – Alfonso Cuaron
The Dark Knight – Christopher Nolan
The Machinist – Brad Anderson
The Matrix – A + L Wachowski
The Tree of Life – Terrence Malick
The Virgin Suicides – Sophia Coppola
Troi couleurs bleu/Drei Farben blau – Krzysztof Kieslowski
Vanilla Sky – Cameron Crowe
XXY – Lucia Phenzo

The Hunger Games – Suzanne Collins

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Keine Ahnung, warum ich so lange einen Bogen um diese Trilogie gemacht habe. War es der Hype vor ein paar Jahren oder war es mein Gefühl Shirley Jacksons Kurzgeschichte „The Lottery“ verteidigen zu müssen, bei der für meinen Geschmack doch ganz ordentlich gewildert worden war? Was immer es war, spätestens meine diesjährige Reading Challenge verlangte nach einer Trilogie, „The Hunger Games“ stand schon seit ein paar Jahren im Regal, auch von meiner Herzdame in den höchsten Tönen empfohlen, es sollte also einfach sein. Somit habe ich als vermutlich so ziemlich letzter Mensch auf diesem Planeten die Tribute von Panem gelesen.

Was soll ich sagen? Ich war überrascht. Es hat mir so viel besser gefallen als erwartet, auch wenn ich nach wie vor der Überzeugung bin, Ms Jackson hätte zumindest eine Erwähnung verdient und niemand sollte die Trilogie lesen, ohne der vielleicht besten Kurzgeschichte der Welt davor oder danach Tribut zu zollen.

Das Reich Panem, früher Nord-Amerika, entstand, nachdem die Bevölkerung aufgrund des Klimawandels und den danach folgenden Kriegen erheblich dezimiert wurde. Panem ist aufgeteilt in zwölf Distrikte, die die Aufgabe haben, die reiche und technisch weit fortgeschrittene Hauptstadt mit Lebensmitteln und allen notwendigen Gütern zu versorgen. Vor vielen Jahren gab es einmal 13 Bezirke, im dreizehnten startete irgendwann eine Revolution, die von der Hauptstadt mit aller Macht niedergeschlagen und der Distrikt und seine Einwohner zerstört wurden.

In Erinnerung an dieses Ereignis und um seine Macht zu demonstrieren veranstaltet die Hauptstadt jedes Jahr die „Hunger Games“: Der Todeskampf von 24 gegeneinander antretenden Teenagern (jeweils ein Mädchen und ein Junge aus jedem Distrikt, die per Lotterie ausgelost werden) in einer riesigen Todesarena, die voller sadistischer Fallen und Fernsehkameras steckt. Big Brother goes Dschungelcamp goes Hunger Games. Die ganze Nation sieht der bizarren Todesshow zu, die Kostüm- und Maskenbildner der Todeskandidaten bringen es zu zweifelhaftem Starkult und der Gewinner – und es kann nur einen Überlebenden geben – kehrt ebenfalls als Star reich und berühmt in seinen Heimatdistrikt zurück.

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Foto: giantfreakinrobot

Die sechzehnjährige Katniss Everdeen lebt in Distrikt 12, einem der ärmsten Distrikte. Seit ihr Vater bei einem Minenunglück ums Leben gekommen ist, kümmert sie sich um ihre Mutter und ihre Schwester. Sie geht mit einem Freund illegal zur Jagd und versorgt die Familie so mit Nahrung, ihre Mutter agiert aufgrund ihrer Kräuter- und Heilkenntnisse als Ärztin. Katniss ist tough, die geborene Überlebenskünstlerin und Kämpferin, dabei aber gutherzig und gerecht.

“You don’t forget the face of the person who was your last hope.”

“Destroying things is much easier than making them.”

Bei der Auslosung in Distrikt 12 wird nicht Katniss gewählt, obwohl ihre Chancen hoch waren durch die Anzahl der Lose die sie bereits im Topf hatte, sondern ihre kleine Schwester. Katniss entscheidet, sich für ihre Schwester zu opfern, fest davon überzeugt, dass sie sich damit einem Todesurteil ausliefert, da es seit Jahrzehnten keinen Gewinner mehr aus dem ärmsten Distrikt 12 gegeben hat.

“District 12: Where you can starve to death in safety.”

Ihre Jagderfahrung, ihr guter Menschenverstand und ihre Intelligenz zeigen sich als großer Vorteil im Wettkampf und sie besiegt vieler ihrer reicheren, besser in Kampftechniken und besser ernährten Kontrahenten aus den reicheren Distrikten. Im Laufe des Wettkampfs kommt sie auch dem Jungen aus ihrem Distrikt immer näher ohne sich darüber klarzuwerden, ob sie wirklich in ihn verliebt ist oder ob sie die Liebesgeschichte nur für die Kameras spielt.

„Winning will make you famous. Losing means certain death.

“Kind people have a way of working their way inside me and rooting there.”

“At some point, you have to stop running and turn around and face whoever wants you dead.The hard thing is finding the courage to do it.”

Auch wenn das Konzept nicht wirklich bahnbrechend neu ist und auch die Sprache nicht umwerfend literarisch, für mich kam die Stärke des Buches durch die komplexen Charaktäre, die Collins kreeiert. Sie schafft eine Welt, die erschreckend realistisch ist und eine Heldin, die von der ersten Seite an fasziniert, auch wenn sie oft fürchterlich anstrengend ist. Die Bände zwei und drei beschäftigen sich mit der Revolution, die sich nach Katniss‘ und Peetas Sieg in den Distrikten ausbreitet. Die Folgebände können es an Tempo und Spannung mit dem ersten Band gut aufnehmen.

Wie gerne hätte ich als Jugendliche solch eine Trilogie gelesen, die mir aber auch als Erwachsene viel mehr gegeben hat, als ich es erwartet habe.

Ich habe den ersten Teil der Verfilmung vor Jahren im Kino gesehen, ohne die Bücher zu kennen und stieg nicht wirklich durch. Ich überlege, ob ich mir die Verfilmung jetzt noch einmal anschauen möchte?

Falls jemand zweifelt, ob sich die Trilogie lohnt, klare Empfehlung von mir. Die perfekte Lektüre für stürmische Herbst-Sonntage.

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Foto: coinworld