Große gemischte Tüte

Es ist zu warm für lange Rezensionen, daher ein sommerlich kurzer Überblick über die Bücher der letzten Wochen:

An diesem wunderbaren Buch habe ich ein paar Monate hingelesen. Alle paar Tage ein paar Seiten – ein echtes Schmuckstück:

Dieses Buch zeigt Objekte, die frühere Zivilisationen – oft zufällig – hinterlassen haben, um diese als Prismen zu verwenden, durch die der Leser vergangene Welten erkunden kann. Die Bandbreite des Buches ist enorm. Es beginnt mit einem der frühesten erhaltenen, von Menschenhand hergestellten Objekte, einem Hackwerkzeug aus der Olduvai-Schlucht in Afrika, und endet mit einem Objekt aus dem 21. Jahrhundert, das die Welt repräsentiert, in der wir heute leben.

Neil MacGregors Ziel ist es, diese Dinge nicht einfach nur zu beschreiben, sondern uns ihre Bedeutung zu zeigen – wie eine Steinsäule von einem großen indischen Kaiser erzählt, der seinem Volk Toleranz predigte, wie spanische Münzen vom Beginn einer globalen Währung erzählen oder wie ein frühes viktorianisches Teeservice von den Auswirkungen des Imperiums erzählt. In jedem Kapitel taucht man in eine vergangene Zivilisation ein und erlebt Geschichte als Kaleidoskop – sich ständig verändernd, miteinander verbunden, oft überraschend und unsere heutige Welt prägend, wie man es sich kaum vorstellen konnte. Ein intellektuelles und visuelles Fest, eines der fesselndsten und ungewöhnlichsten Geschichtsbücher die seit Jahren veröffentlicht wurden.

Kann man ganz wunderbar in Kombination mit Noah Yuval Hararis „Sapiens“ lesen.

Der Roman spielt größtenteils in einem fiktiven zukünftigen New York City, das durch zwei große Anstiege des Meerwasserspiegels, die durch den Klimawandel verursacht wurden, permanent überflutet ist. Der größte Teil von New York City steht permanent unter Wasser, jedoch leben die Menschen noch in den oberen Etagen der Gebäude, ähnlich wie im Venedig von heute.

Der größte Teil Manhattans unterhalb der 46. Straße ist überflutet und hat den Spitznamen „SuperVenedig“ erhalten. Einige der Charaktere des Buches leben im MetLife Tower in der 23. Straße, den die Mietervereinigung mit Mechanismen zum Schutz vor Überschwemmungen und einem Bootslager ausgestattet hat. Robinson wählte das Gebäude als prominenten Schauplatz, da es dem Campanile di San Marco in Venedig nachempfunden wurde.

Die Wohlhabenden leben in neu errichteten Wolkenkratzern in Uptown Manhattan und in der Nähe von The Cloisters, da beide Orte über Wasser bleiben. Denver hat New York als Zentrum des amerikanischen Finanzwesens und der Kultur abgelöst und ein Großteil der Vereinigten Staaten wurde absichtlich von Menschen verlassen, um Platz für Wildtiere zu schaffen.

Der Roman befasst sich mit Klimawandel, Kapitalismuskritik, den unregulierten Finanzsystemen und sich immer schneller ausbreitenden Artensterben.

“We’ve been paying a fraction of what things really cost to make, but meanwhile the planet, and the workers who made the stuff, take the unpaid costs right in the teeth.”

Habe den Roman als Hörbuch gehört und es war anfangs nicht so leicht reinzufinden durch die vielen vielen Charaktere. Ich habe einiges gelernt, stellenweise ist es jedoch ein bisschen lang geraten.

Kaiserslautern in den neunziger Jahren: Christian Baron erzählt die Geschichte seiner Kindheit, seines prügelnden Vaters und seiner depressiven Mutter. Er beschreibt, was es bedeutet, in diesem reichen Land in Armut aufzuwachsen. Wie es sich anfühlt, als kleiner Junge männliche Gewalt zu erfahren. Was es heißt, als Jugendlicher zum Klassenflüchtling zu werden. Was von all den Erinnerungen bleibt. Und wie es ihm gelang, seinen eigenen Weg zu finden.

Nach dem Tod der Mutter trifft Christian seinen Vater vor dessen Tod noch einmal. Da fällt ihm dieser plötzlich unvermittelt in die Arme: „Ich fühlte mich wie ein Boxer, an den sich der erschöpfte Gegner klammert, aber nicht, um ihn zu umarmen, sondern um ihn kampfunfähig zu machen, um im Spiel zu bleiben, obwohl er genau wissen musste, dass er diesen Kampf nicht gewinnen konnte.“

Als Christian übrigens in die Pubertät kommt, kümmert sich eine andere Tante um ihn, die durch Heirat in ein Bildungsmilieu aufgestiegen ist. Sie versorgt ihn mit Büchern, ein Lehrer wird auf ihn aufmerksam, Christian entdeckt die Lust am Schreiben und wird noch als Schüler Sportreporter für die Rheinpfalz.

Ich mochte das Buch sehr, auch wenn ich persönlich damit gehadert habe, wieviel Raum und Wohlwollen er seinem Vater einräumt, der sich so gut wie nie um ihn gekümmert hat, seine Mutter und Tante werden dagegen viel kürzer abgehandelt.

Wenn sie zu hören ist, werden die Radios lauter gedreht und stocken die Gespräche: Nora Tewes hat die perfekte Radiostimme – und einen Plan: Auf 100.7, einem Sender, den sie mit zwei Freunden gegründet hat, will sie einen lange davongekommenen Täter in die Enge treiben.
Überstürzt ist Nora in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, um ihrer Mutter, die im Sterben liegt, nahe zu sein. Unter der Last des viel zu frühen Abschiednehmens bricht eine nur oberflächlich verheilte Wunde auf und ein Verbrechen, dessen Opfer ihre Mutter als Kind geworden ist, wird offenbar. Nora erstattet Anzeige und erhält eine niederschmetternde Antwort: Verjährt.

Temporeiche Geschichte mit interessantem Personal – Karin Kalisa beschäftigt sich in ihrem neuesten Roman mit der Frage, wie beherztes Handeln die Suche nach Gerechtigkeit vorantreibt.

Der perfekte Krimi für eine lange Autofahrt – auch wenn er jahreszeiten technisch so gar nicht gepasst hat:

Dieser Debütroman verbindet Gothic Elemente mit einem Locked-Room-Mysterium, das in den Schweizer Alpen spielt und das Ergebnis ist ein spannender Thriller voller Atmosphäre, schaurigen Intrigen und durchaus spannend. THE SANATORIUM folgt einer Frau, die sich vor kurzem von ihrer Arbeit als Polizistin beurlauben ließ, die gegen einen gruseligen Killer, der in einem hochklassigen, minimalistischen Hotel in den Schweizer Alpen am Werk zu sein scheint ermittelt.

“Her body is reacting to something here; something living, breathing, woven into the DNA of the building, as much a part of it as its walls and floors.”

Als ein Schneesturm die Zufahrt zum und vom Hotel abschneidet, liegt es an der Protagonistin Elin, eine Reihe von verstörenden Vorkommnissen im Hotel zu untersuchen und dem Fall auf den Grund zu gehen, bevor noch mehr Menschen zu Tode kommen. Ich lese nur selten Krimis, dieser hat mich ganz gut unterhalten, ein Meisterwerk ist er sicherlich nicht, aber wer im nächsten Winter Lust auf einen atmosphärischen Schnee-Krimi hat, der kann hier eigentlich nicht viel falsch machen.

Sie heißen Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde. Sie kennen sich, weil das Schicksal ihre Lebenslinien überkreuzt. Sie sind aufgewachsen in den Grenzen der DDR, nun, nach der Wende, wollen sie alles, bekommen vieles, doch immer sticht der Stachel ihrer Rolle als Frau: Muss man gefallen? Muss man gefällig sein? Ist allein zu sein eine Option, oder ist man nur mit Mann oder Familie eine wirkliche Frau? Und wie kann sie gehen, die Liebe in Zeiten wie diesen?

Scharf beobachtet und voller Empathie berührt dieser Roman so vieles im Leben einer Frau in ihrer Rolle als Mutter, Tochter, Schwester, Geliebte und Ex-Frau. Ist Liebe ein Gefühl oder ist sie ein Akt, betrachtet aus der Perspektive der Krise?

„Liebe ist kein Gefühl. Liebe ist keine Romantik. Liebe ist eine Tat. Man muss die Liebe vom Ernstfall aus betrachten.“

Ich bin mir aber immer noch nicht sicher, wie ich das Buch jetzt wirklich gefunden habe. Vielleicht kam ich nicht wirklich rein, weil all diese Frauen so gar nichts mit meiner Lebenswirklichkeit zu tun haben, ich hatte auf jeden Fall ein bisschen Mühe dran zu bleiben, wobei ich wirklich anerkenne, wie gut Daniela Krien schreiben kann.

Von kleinen Schritten bis hin zu riesigen Sprüngen: A Galaxy of Her Own erzählt fünfzig Geschichten von inspirierenden Frauen, die für die Geschichte des Menschen im Weltraum von grundlegender Bedeutung waren, von Wissenschaftlerinnen bis hin zu Astronautinnen, aber auch die Näherinnen der ersten Raumanzüge werden vorgestellt.

Von Ada Lovelace im 19. Jahrhundert bis zu den Frauen hinter den Apollo-Missionen, von den Astronauten, die auf der Internationalen Raumstation Rekorde brechen, bis zu denjenigen, die den Weg zum Mars bahnen – A Galaxy of Her Own enthüllt außergewöhnliche Geschichten, setzt sich für unbesungene Helden ein und feiert bemerkenswerte Leistungen aus aller Welt.

Geschrieben von Libby Jackson, einer führenden britischen Expertin auf dem Gebiet der bemannten Raumfahrt, und illustriert mit wunderschönen Illustrationen von Studenten des London College of Communication, ist dies ein Buch, das kleine und große Space Cowboys inspirieren wird und ihnen Lust macht, selbst nach den Sternen zu greifen..

Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und mochte das Bild, das es von einem Mann zeichnet, der an Gerechtigkeit in einem Staat glaubt, in dem die Gerechtigkeit allzu oft den Bedürfnissen des Regimes zum Opfer fällt. Das Buch spielt kurz vor dem Beginn des Bürgerkriegs – das letzte spezifische Ereignis, das erwähnt wird, ist der Aufstand in Tunesien, der den Arabischen Frühling auslösen würde – und der Held Zacharia Barudi, der leitende Ermittler der konventionellen Polizei, bekommt den Fall des Mordes an einem Kardinal, der zu Besuch ist, etwa zwei Monate bevor Barudi in den Ruhestand gehen soll.

„Das Elend ernährt sich von der Genialität der armen Kinder“

Einerseits handelt es sich um einen geradlinigen, polizeilichen Kriminalroman, andererseits geht es aber auch um das Leben und Arbeiten in einer Diktatur, in der die Launen und Bedürfnisse der herrschenden Elite nur allzu oft an erster Stelle stehen. Die Alawiten, Syriens Christen, die Sekte, der Barudi angehört, konventionelle Muslime, muslimische Extremisten und hier und da sogar Menschen mit einem ausgeprägten synkretistischen Religionsverständnis sind alle Teil der Geschichte, während Schami über den Konflikt zwischen den Gläubigen nachdenkt. Ich weiß nicht viel über Syrien, aber ich habe das Gefühl, dass ich es jetzt ein kleines bisschen besser verstehe.

Ich habe mich gefreut, Rafik Schami wieder entdeckt zu haben für mich, ein Autor, den ich vor Jahren regelmäßig gelesen habe und den ich überaus sympatisch finde.

»70 and female is the new cool«, schrieb jüngst die New York Times über diese großartige Generation der Frauen 70+ Frauen, die sich mit Energie und Kraft Gehör verschaffen und durch ihre Haltung inspirieren: Sie sind längst in der zweiten Lebenshälfte angekommen – und aufrecht, ehrgeizig, willensstark. Sie bringen den amerikanischen Präsidenten aus der Fassung wie Nancy Pelosi, sie sind entschieden in ihrer Haltung wie die Richterin Ruth Bader Ginsburg, und für sie alle ist das Attribut »unbequem« ein Kompliment für ihr Engagement. Viele der Frauen sind Kult, sie sind Wegbereiterinnen und immer Vorbilder. Frauen, die wissen, wer sie sind, was sie geleistet haben und morgen noch bewegen können. Frauen, die cool, rebellisch und klug oder manchmal auch »schräg« sind, die ihren eigenen Kopf haben. Sie alle sind Frauen, die uns viel zu sagen haben.

Mit Juliette Gréco, Ruth Bader Ginsburg, Jane Fonda, Charlotte Knobloch, Letizia Battaglia, Erika Pluhar, Herlinde Koelbl, Margaret Atwood, Tina Turner, Vivienne Westwood, Nancy Pelosi, Annie Ernaux, Élisabeth Badinter, Elfie Semotan, Alice Nkom, Marina Abramović, Helen Mirren, Carla Del Ponte, Shirin Ebadi, Marianne Birthler. Mit einem Vorwort von Iris Berben.

1945 flüchteten die Menschen aus ihrer Heimat. Häuser wurden bombardiert und Dörfer dezimiert. Hildegard von Kamcke war eine von vielen Frauen, die ihr sterbendes Baby in einem Wagen zurücklassen und fliehen mussten. Als sie mit der fünfjährigen Vera auf einem Bauernhof in Atland ankam und von Ida Eckhoff aufgenommen wurde, zogen Mutter und Kind in eine eiskalte Dienstbotenunterkunft. Ida weigerte sich, Essen und Kleidung zu geben. Hildegard stiehlt heimlich Äpfel und melkt die Kuh, um Vera zu ernähren. Zwei Jahre später kehrt Karl, Idas Bruder, ein ehemaliger Kriegsgefangener, nach Atland zurück.

Hildegard heiratet Karl, kommt aber mit seinen nächtlichen Angstzuständen, Überbleibseln seiner Internierung, nicht zurecht. Jahre später, nach Idas Selbstmord durch Erhängen und Hildegards Verlassen des Hofes, bewohnen Vera und Karl das große, triste Haus. Obwohl sie Karl treu ergeben ist, ist Vera nicht in der Lage, außerhalb ihrer florierenden Zahnarztpraxis eine tragfähige Beziehung aufzubauen. Sie interessiert sich weder für die Instandhaltung des Hauses noch für die Pflege ihrer Apfel- und Kirschbäume. Sie lässt zu, dass das Haus und das Grundstück verwahrlosen und viele Apfel- und Kirschbäume aufgrund von Vernachlässigung keine Früchte mehr tragen. Vera ahnt nicht, dass eine Veränderung in der Luft liegt. Da kommt Anne, die Tochter von Veras Halbschwester Marlene.

Anne Hove hat eine Tischlerlehre absolviert und drei Jahre lang als Tischlergesellin gearbeitet. Diese Erfahrung kommt ihr sehr gelegen, als die alleinerziehende Mutter Anne mit ihrem Vorschulsohn Leon im Schlepptau auf Veras Farmhaus ankommt und Zuflucht sucht. Vera und Anne kommen zu einer Übereinkunft, das Leben ändert sich überraschend und nach und nach entsteht sowas wie eine Familienstruktur unabhängig von tatsächlichen Verwandtschaftsgraden und die beiden Frauen lernen, sich aufeinander zu verlassen.

„Sie hatten mit dem Haus auch Heinrich renoviert, so kam es Vera vor. Er spielte Skat mit ihnen bis tief in die Nacht und stellte sich am nächsten Morgen nicht den Wecker, er brauch auf einmal seine eigenen Gesetze. Vielleicht spürte Heinrich Lührs, dass er der Knecht gewesen war und nicht der Herr in seinem Leben, und dass die strengen Regeln nicht viel taugten“

Ich war anfangs skeptisch, ob „Altes Land“ ein Buch für mich ist, da ich alles andere als ein Dorfkind bin und ich irgendwie Sorge hatte, es geht in Richtung „Zurück zur Scholle und zum Apfelkuchen“ – aber das Buch ist wirklich komplett klischeefrei, großartig und hat mich total in seinen Bann gezogen. Ich freue mich schon auf weitere Bücher von Dörte Hansen.

Wie können wir jenseits von Wachstumszwang eine nachhaltige und gerechte Gesellschaft gestalten?

Der Nachhaltigkeitsforscher Niko Paech liefert dazu die passende Streitschrift, die ein »grünes« Wachstum als Mythos entlarvt. Dabei gelten »grünes« Wachstum und »nachhaltiger« Konsum als neue Königswege. Doch den feinen Unterschied – hier »gutes«, dort »schlechtes« Wachstum – hält Paech für Augenwischerei.

In seinem Gegenentwurf, der Postwachstumsökonomie, fordert er industrielle Wertschöpfungsprozesse einzuschränken und lokale Selbstversorgungsmuster zu stärken. Diese Art zu wirtschaften wäre genügsamer, aber auch stabiler und ökologisch verträglicher. Und sie würde viele Menschen entlasten, denen im Hamsterrad der materiellen Selbstverwirklichung schon ganz schwindelig wird.

Aus dieser Perspektive dienen zum Beispiel die europäischen Agrarsubventionen keineswegs dazu, die Verfügbarkeit andernfalls knapper Nahrungsmittel zu steigern. Die Subventionen tragen vielmehr dazu bei, den Ausgabenanteil für Nahrung zu marginalisieren, damit mehr Kaufkraft für Smartphone, Urlaubsreisen oder zur Finanzierung von Eigenheimen frei wird.“

Ich fand seinen aggressiven Schreibstil ziemlich anstrengend beim Lesen, aber häufig muss ich mich beim Lesen auch erstmal ordentlich reiben, konnte aber auf jeden Fall sehen, dass Paech prägnante Argumente hat und den Finger definitiv in die Wunde legt.

Ein Buch das kratzt und beißt, aber mega wichtig ist und ich wünsche ihm möglichst viele aufgeschlossene Leser.

Hier noch mal die Übersicht:

  • Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten – Neil MacGregor erschienen im Beck Verlag
  • New York 2140 – Kim Stanley Robinson auf deutsch unter dem gleichen Titel im Heyne Verlag erschienen
  • Ein Mann seiner Klasse – Christian Baron erschienen im Claasen Verlag
  • Radio Activity – Karin Kalisa erschienen im Beck Verlag
  • The Sanatorium – Sarah Pearse (bislang nicht auf deutsch erschienen)
  • Die Liebe im Ernstfall – Daniela Krien erschienen im Diogenes Verlag
  • A Galaxy of her own – Libby Jackson (bislang nicht auf deutsch erschienen)
  • Die geheime Mission des Kardinals – Rafik Schami erschienen im Hanser Verlag
  • Frauen 70+ – Rita Kohlmaier erschienen im Elisabeth Sandmann Verlag
  • Altes Land – Dörte Hansen erschienen im Knaus Verlag
  • Befreiung vom Überfluß – Niko Paech erschienen im Oekom Verlag

Habt ihr irgendwelche dieser Bücher gelesen – wie fandet ihr sie oder plant ihr vielleicht das eine oder andere zu lesen? Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen Lust drauf machen.

#Women in SciFi (54) Die Sternenkrone – James Tiptree Jr.

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Diese Kurzgeschichtensammlung enthält die letzten Werke von Alice Sheldon alias James Tiptree Jr, kurz bevor sie 1987 ihrem eigenen und dem Leben ihres Ehemannes ein Ende setzte. Die Schwierigkeiten, die sie durch die Erkrankung ihres Mannes sowie ihrer eigenen Depression hatte, haben in diesem Band die wohl düstersten ihrer Geschichten hervorgebracht.

Aber trotz aller Düsternis und Depression, Sheldon/Tiptree war stets in der Lage, ihre spekulativen Ideen mit den größtmöglichen Hypothesen zu verbinden. So treffen wir auf den Teufe, auf blaue Oktopus-Aliens, konzernbetriebenen Kannibalismus sowie Zeitreisende und tödliche Langeweile.

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Sheldon wagt sich mit ihren Ideen weit vor und kommt zu bewegenden und schockierenden Ergebnissen, wohin es die Menschheit so treiben könnte. Sheldon ist eine Autorin, die dem Leser viel zumutet, die ihn zwingt, alles aus komplett anderer Perspektive zu betrachten.

Die Sternenkrone, die selbst nie im Text vorkommt, gebührt ganz eindeutig Alice Sheldon, der Königin unter den Science Fiction Kurgeschichten-Autoren.

Besonders gefielen mir die Geschichten „Non Angli Sed Angli“ eine melancholische Geschichte, in der die Menschheit Kontakt zu blauen Oktopus-Aliens aufnimmt, die sich als Ersatz für die alten, leeren Götter der Erde sehen sowie die Geschichte „Fleisch“, die in einer nahen dystopischen Zukunft angesiedelt ist, in der ähnlich wie in Atwoods „The Handmaid’s Tale“ konservative Gruppen die Abtreibungsrechte abschaffen, der Großteil der Menschheit in bitterer Armut lebt und die vom Staat betriebenen Babyklappen wie Tierheime aufgezogen sind.

Der Band enthält folgende Kurzgeschichten:

01. „Non Angli Sed Angeli“ („Second Going“) 9/10
02. „Der residierende Teufel“ („Our Resident Djinn“) 7/10
03. „Fleisch“ („Morality Meat“) 10/10
04. „All dies und den Himmel dazu“ („All This and Heaven Too“) 7/10
05. „Yanqui Doodle“ („Yanqui Doodle“) 8/10
06. „Komm, leb mit mir“ („Come Live with Me“) 6/10
07. „Diese Nacht und alle Nächte“ („Last Night and Every Night“) 5/10
08. „Zurück! Dreh’s Zurück!“ („Backward, Turn Backward“) 10/10
09. „Schlangengleich erneuert die Erde sich“ („The Earth Doth Like a Snake Renew“) 7/10
10. „Mitten im Leben“ („In Midst of Life“) 6/10

Ich bin übrigens jetzt so angefixt von Sheldon/Tiptree, daß ich andere von ihr lesen möchte und auf jeden Fall auch die Biografie dieser sehr faszinierenden Frau. Die nächsten Bände werde ich mir im Septime Verlag kaufen, die eine wunderschöne Gesamtausgabe herausgegeben haben.

Constanze, vom Blog Zeichen & Zeiten hat für die Reihe „Women in SciFi“ ein spannendes Interview mit dem Verleger Jürgen Schütz geführt, das man hier nachlesen kann.

Habt ihr schon etwas von Alice Sheldon/James Tiptree Jr gelesen bzw. welches ist eure Lieblingsgeschichte von ihr?

Gemischte Tüte

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Der ambitionierte Schönling Julien Sorel ist fest entschlossen, seine einfache Provinz-Herkunft hinter sich zu lassen. Er merkt bald, dass man nur dann Erfolg hat, wenn man die subtile Heuchelei beherrscht, mit der die Gesellschaft operiert und er erlangt durch Betrug und viel Egoismus erste Erfolge.

Seine erfolgreiche Karriere bringt ihn ins Herz der glamourösen Pariser Gesellschaft und auf dem Weg dorthin erobert er die sanfte, verheiratete Madame de Rênal und die arrogante, schwierige Mathilde. Als Julien ein unerwartetes, verheerendes Verbrechen begeht, bringt er seine Karriereleiter ins Wanken.

Rot und Schwarz ist ein großartiges satirisches Portät der französischen Gesellschaft nach Waterloo, voller Korruption, Gier, Ennui und einem überaus machiavellisch agierenden Julien, dem irgendwann die eigenen Gefühle in die Quere zu kommen scheinen.

Ich habe sehr viel über Frankreich, Napoleon und die diffizilen gesellschaftlichen Bewegungen gelernt. Ich habe etwas gebraucht, bis ich in der Geschichte drin war, aber dann konnte ich es fast nicht weglegen. Stendhal hat mit Rot und Schwarz einen der ersten psychologischen Romane überhaupt geschrieben und auch wenn wir im Bookclub bei der Diskussion nur zu viert waren (der dicke Schmöker hat doch einige abgeschreckt) hatten wir eine überaus lebendige Diskussion.

Kann den Roman definitiv empfehlen.

Auf Deutsch erschien der Roman unter dem Titel Rot und Schwarz zuletzt im Hanser Verlag.

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Dieser Band versammelt die besten Interviews aus vier Jahrzehnten mit der großartigen Joan Didion. Sie erzählt von ihrer Kindheit in Sacramento, ihrer Studienzeit in Berkeley, den Jahren in New York und Los Angeles. Sie spricht über ihre Ehe mit dem Schriftsteller John Gregory Dunne, seinen unerwarteten Tod und den ihrer Tochter Quintana, nur zwei Jahre später – Schicksalsschläge, die sie in ihren Erinnerungsbüchern „Das Jahr magischen Denkens“ und „Blaue Stunden“ verarbeitete.

Natürlich spricht sie auch über das Schreiben, die Literatur und den Unterschied im Schreiben von Romanen und nicht-fiktionalen Texten. Ein spannendes Leben einer wegweisenden Frau, die auch mit über 80 Jahren noch immer eine Stilikone ist und für das Modelabel Céline das Postergirl gibt.

Lifegoals: Mit über 80 nur ansatzweise so cool sein wie Joan Didion. Was für eine Frau.

 Dinge zurechtrücken – Gespräche mit Joan Didion aus 40 Jahren erschien im Kampa Verlag.

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Vor etwa zwei Jahren hatte ich mit den Freunden des Literaturhauses in München die Gelegenheit, einer privaten Führung durch die Musikhochschule München beizuwohnen, dem früheren „Führerbau“. Der Dekan der Hochschule hatte ein paar Tage vorher Robert Harris durchs Haus geführt, der Recherchen zu seinem Roman „Munich“ durchführte.

Während wir anfangs eine Powerpoint Präsentation mit Informationen zum Haus anschauten, blieb mir plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke weg. Das Bild auf der Leinwand zeigte Hitler mit Mussolini, Chamberlain und Daladier in Hitlers Arbeitszimmer und dieses Zimmer war zweifelsohne das, in dem wir gerade saßen. Das war ein zutiefst unangenehmes, gruseliges Gefühl.

Aber nun zum Roman, den ich natürlich dann doch irgendwann einmal lesen wollte, auch wenn Spionageromane üblicherweise nicht wirklich meins sind. Guy Legat ist der aufstrebende Star im britischen diplomatischen Dienst, der als Privatsekretär Chamberlains in 10 Downing Street agiert.

Richard von Holz ist Mitarbeiter im Auswärtigen Amt und heimlich im Anti-NSDAP Widerstand. Die beiden Männer waren in den 1920er Jahren Freunde in Oxford, aber hatten seit Längerem keinen Kontakt mehr. Als Guy gemeinsam mit Chamberlain von London nach München fliegt, ist Richard zur gleichen Zeit mit Hitler im Zug aus Berlin nach München unterwegs und die Wege der beiden werden sich definitiv wieder kreuzen.

Ein überaus spannender, historisch akkurater und sehr gut recherchierter Roman, den ich sehr gerne gelesen und viel dabei gelernt habe.

Auf deutsch erschien „Munich“ unter dem Titel „München“ im Heyne Verlag.

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Herman Kochs „Angerichtet“ führt uns in ein vornehmes Restaurant in Amsterdam. Zwei Brüder mit ihren jeweiligen Ehefrauen treffen sich dort und anfangs dreht sich die Unterhaltung eher um Banalitäten: die Arbeit, die letzten Filme, die sie gesehen haben, etc. Aber hinter diesen leeren Worten verbergen sich ziemliche Abgründe und mit jedem gezwungenen Lächeln und jedem neuen Gang des schicken Abendessens werden langsam aber sicher die Messer gewetzt.

Beide Paare haben einen jeweils 15jährigen Sohn. Die beiden Jungen haben gemeinsam ein schreckliches Verbrechen begangen, die eine polizeiliche Untersuchung angestoßen hat und das gemütliche, behütete Leben der Familien gründlich auf den Kopf stellt. Während Höflichkeit und Anstand langsam den Bach runtergehen, zeigen die Paare, wie weit sie zu gehen bereit sind, um die zu beschützen, die sie lieben.

Ein krasser Roman, der einen von der ersten Seite an packt, mich hat er aber letztendlich irgendwie etwas unbefriedigt zurückgelassen. Zuviele Leerstellen, ähnlich wie auf den vornehmen Tellern.

Angerichtet“ erschien im Kiepenheuer & Witsch Verlag.

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Literary Places nimmt den Leser auf eine aufschlussreiche Reise an die wichtigsten literarischen Orte mit, begleitet von unglaublich schönen Illustrationen.

Sarah Baxter beschreibt umfassend und atmosphärisch 25 literarische Orte rund um den Globus und die dazugehörigen Werke. Die ganzseitigen Illustrationen transportieren einen umgehend in der richtigen Stimmung an den jeweiligen Ort.

Die Reise führt uns mit Don Quixote’s durch die sonnenverbrannten Ebenen La Manchas, mit Cathy und Heathcliffe durch die wilden Yorkshire Moore und mit Holden Caulfield durch den Central Park. Wir erforschen Arundhati Roys Kerala, Joan Lindsay’s Hanging Rock in Australien, die Straßen und Kanalisation von Victor Hugos Paris und noch viele weitere Plätze.

Ein Buch, in das man eintaucht und sofort Lust bekommt, Reisen zu buchen, die passende Lektüre aus dem Regal zu holen und der Autorin Listen mit weiteren Orten zu schicken, die doch bitte bitte im nächsten Band bereist werden sollen.

Auf Deutsch ist das Buch unter dem Titel „Atlas der literarischen Orte: Entdeckungsreisen zu den Schauplätzen der Weltliteratur“ im Brandstätter Verlag erschienen.

Ich hoffe hier war heute für jeden was dabei – auf welches Buch konnte ich euch am meisten Lust machen?

Große gemischte Tüte

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Rendezvous mit Rama – Arthur C. Clarke

Als ein riesiges mysteriöses zylindrisches Objekt im Orbit auftaucht, senden die Bewohner des Sonnensystems ein Raumschiff, um herauszufinden, was oder wer zur Hölle das ist. Die Menschen sind mittlerweile zwar multiplanetar, aber nach wie vor die einzigen Lebewesen im All – sollte sich das jetzt ändern? Und falls ja, ist das Objekt in friedlicher Absicht da oder droht Gefahr?

Die Astronauten, die mit der Aufgabe der Erkundung des riesigen Hohlzylinders beautragt sind, können zwar einige, aber längst nicht alle der Rätsel lösen, die ihnen das mysteriöse Raumschiff aufgibt. Es ist komplett leer, woher kommt es? Wer hat es gebaut und was war die Absicht dahinter?

Rama behält seine Geheimnisse erst einmal für sich, aber klar ist schnell, man hat es mit einer weit überlegenen Zivilisation zu tun.

“But at least we have answered one ancient question. We are not alone. The stars will never again be the same to us.” 

Rendezvous with Rama ist ein spannender, faszinierender Science Fiction Roman, der auch fast 50 Jahre nach seinem Erscheinen noch ungemein fesselt. Ich freue mich schon auf den nächsten Band „Rama II“.

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Convenience Store Woman – Sayaka Murata

Keiko Furukura war schon ein seltsames Kind und ihre Eltern hatten stets Sorge, wie und ob sie später in der richtigen Welt zurecht kommen würde. Als sie während ihres Studiums einen Job in einem kleinen Supermarkt annimmt, freuen ihre Eltern sich sehr und hoffen, es ist der erste Schritt in die Normalität.

Vom ersten Moment an liebt Keiko den Supermarkt, in dem sie eine vorhersehbare routinierte Welt findet, die streng nach dem Supermarkt-Handbuch gelebt wird. Dort wird genaustens festgelegt, wie die Mitarbeiter sich zu verhalten haben, was sie anziehen sollen, was sie sagen sollen und wann neue Ware bestellt wird.

Alles, was nicht im Handbuch festgelegt ist bzw. was den Feierabend betrifft, erarbeitet sich Keiko, in dem sie ihre Kollegen kopiert. Sie ahmt ihre Sprachmuster nach, ihre Art sich zu kleiden und zu essen. Kurzum, sie spielt die Rolle einer normalen Person im Supermarkt und in ihrer Freizeit.

“This society hasn’t changed one bit. People who don’t fit into the village are expelled: men who don’t hunt, women who don’t give birth to children. For all we talk about modern society and individualism, anyone who doesn’t try to fit in can expect to be meddled with, coerced, and ultimately banished from the village.” 

Doch langsam machen ihre Eltern sich wieder Sorgen. Denn sie arbeitet auch mit 36 noch im Supermarkt, hatte noch nie eine Beziehung und auch nur ein paar wenige Freunde. Keiko gefällt ihr Leben so wie es ist, doch sie merkt, dass sie etwas tun muss, damit die ständigen Nachfragen aus ihrem Umfeld aufhören…

The normal world has no room for exceptions and always quietly eliminates foreign objects. Anyone who is lacking is disposed of. So that’s why I need to be cured. Unless I’m cured, normal people will expurgate me.”

Sayaka Murata hat die Atmosphäre der kleinen japanischen Supermärkte perfekt eingefangen, die eine große Rolle in Japan spielen. Sie wirft einen scharfen Blick auf die japanische Gesellschaft und den unmenschlichen Druck, sich stets anzupassen und bloß nicht aufzufallen. Das Buch ist stellenweise irre komisch und man schließt Keiko sehr schnell tief ins Herz.

Convenience Store Woman ist ein ungewöhnlicher Roman mit einer unvergesslichen Protagonistin. Für alle Fans von Banana Yoshimoto oder Han Kang.

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Der Klavierschüler – Lea Singer

Im Frühling 1986 plant ein Mann seinen Selbstmord, doch ein bestimmtes Musikstück (Schumanns Träumerei) verhindert die Vollendung. Danach wandelt sich der Roman in ein Road Movie, in dem ein Barpianist den Mann auf eine Reise in seine Vergangenheit mitnimmt.

Hat der geplante Selbstmord etwas mit dem ängstlich gehüteten Geheimnis des weltberühmten Pianisten Vladimir Horowitz zu tun? Dieser hatte 1937 in der Schweiz eine Affäre begonnen, die sowohl seine Ehe mit der Tochter des Dirigenten Toscanini aufs Spiel setzte sowie seine gesamte Karriere.

„Aber Ehefrauen von schwulen Männern vermännlichen fast immer. Proust hat das erkannt, sagte Kaufmann. Ich weiß nicht mehr genau in welchem Teil aber irgendwo steht es in der Suche nach der Verlorenen Zeit. Wenn eine Frau auch zunächst keine männlichen Züge hat, nimmt sie die nach und nach sogar unbewusst an, um ihrem Mann durch jene Art von Mimikry zu gefallen, wie gewisse Blumen sich das Aussehen von Insekten geben, die sie anlocken wollen.“

„Angst kommt von eng, sagte mein Großvater, sie verengt den Blick und hindert einen dran, den Ausweg zu sehen. Deswegen wetterte er ein Leben lang gegen die Kirche mit ihrer Höllendrohung und ihrem Sündenhammer.“

Lea Singer stieß vor einigen Jahren auf brisante unveröffentlichte Briefe von Vladimir Horowitz an einen jungen Schweizer namens Nico Kaufmann.

50 Jahre später erzählt Kaufmann dem Barpianisten von dieser Liebe, zu der sich Horowitz nie bekennen sollte. Er sicherte damit eventuell seine Karriere, vergab sich aber auch die Chance, jemals zu sich selbst zu stehen.

Wie viel Mut fordert die Liebe? Und was geschieht mit dem, der seine Sehnsucht verleugnet?

Ein eleganter Roman, der mir sehr gefallen hat und den man ganz unbedingt bei klassischer Musik und mit einem Glas Rotwein in der Hand genießen sollte.

 

 

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Frida – Sébastien Pérez

Dieses Buch ist ein Festschmaus für die Augen. Ein Buch, das den Leser in die Welt der großen Frida Kahlo entführt. Wunderschön wie dieses Buch es schafft, den Leser in den künstlerischen Schaffensprozess der Malerin einzubinden und dabei die Themen, die Kahlo so wichtig waren (wie Leben, die Liebe, Mutterschaft, Schmerz und Tod) zu durchdringen.

 

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Dieses Buch ist ein Augenschmaus, den man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte.

 

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Sandra Petrignani – Wo Dichterinnen zu Hause sind

Sollte ich einmal im Lotto gewinnen, wäre genau das mein Plan: so wie die italienische Autorin und Journalistin Sandra Petrignani um die Welt reisen und die Häuser und Wohnungen von großen Autorinnen und Dichterinnen besuchen und erkunden.

Durch die Beschreibung der Wohn- und Arbeitsräume von Grazia Deledda, Marguerite Yourcenar, Colette, Alexandra David-Néel, Tanja Blixen und Virginia Woolf gelingt ihr ein spannender Einblick in das Leben und die Gefühlswelten dieser einzigartigen Autorinnen.

Für alle Fangirls und -boys der oben genannten Autorinnen natürlich ein absolutes Muss – welche Autorinnen oder Autoren hättet ihr gerne besucht?

Hier noch mal alle Bücher im Überblick:

Arthur C. Clarke – „Rendezvous mit Rama“ erschienen im Heyne Verlag.
Sayaka Murata – „Die Ladenhüterin“ erschienen im Aufbau Verlag.
Lea Singer – „Der Klavierschüler“ erschienen im Kampa Verlag.
Sébastien Pérez – „Frida“ erschienen im Jacoby & Stuart Verlag.
Sandra Petrignani – „Wo Dichterinnen zu Hause sind“ erschienen im btb Verlag.

Große gemischte Tüte

Bei permanent 100 Grad in der Wohnung und einer fetten Sommererkältung ist mein Hirn zu matschig für lange Rezensionen. Der Stapel der nicht rezensierten Bücher muß aber endlich mal aufgeräumt werden, es wird daher Zeit für eine ganz große gemischte Tüte, damit die Seele hier endlich mal wieder Ruhe hat…

Ein Ire in Paris – Jo Baker

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Dieser Roman basiert auf dem Leben Samuel Becketts und konzentriert sich auf seine Zeit während des zweiten Weltkrieges in Paris und auf die Beziehung zu seiner Liebhaberin Suzanne. Als der 2. Weltkrieg erklärt wird, ist Samuel gerade zu Hause in Irland. Seine Mutter versucht vergeblich, die Familie zusammen zu halten, trotzdem zieht es den einen Teil der Familie nach London, Samuel zurück nach Paris.

Obwohl Beckett den Krieg zu Hause in Irland in relativer Sicherheit hätte verbringen können, bleibt er im besetzten Paris und wird Teil der Resistance. Das Buch zeichnet aber kein romantisches auf Heldentum basiertes Bild vom Krieg, sondern zeigt den Mut, aber auch die verzweifelte Ermüdung, die Angst, die Zwänge und die Anspannung, die mit dieser Tätigkeit zusammenhängen. Immer weiter laufen, immer weiter machen selbst wenn man ein Telegramm bekommt, dass die Verhaftung eines weiteren Freundes durch die Gestapo verkündet … und man eigentlich keine Ahnung hat, wohin man sich wenden soll, wo es Sicherheit gibt und ob du der nächste bist, an dessen Tür es nachts klopft…

“He stares now at the three words he has written.They are ridiculous. Writing is ridiculous. A sentence, any sentence, is absurd. Just the idea of it; jam one word up against another, shoulder-to-shoulder, jaw-to-jaw; hem them in with punctuation so they can’t move an inch. And then hand that over to someone else to peer at, and expect something to be communicated, something understood. It’s not just pointless. It is ethically suspect.” 

Es geht aber auch um seine Beziehung zu Suzanne und Becketts Bewunderung für James Joyce. Ein sehr spannendes interessantes Porträt eines Ausnahme-Schriftstellers, der mir während der Lektüre immer symphatischer wurde. Ein aufrüttelndes nachdenklich stimmendes Buch, dass ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte und das eigentlich perfekte Bookclub Lektüre gewesen wäre. Große Empfehlung!

Ready Player One – Ernest Cline

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Wir schreiben das Jahr 2044 und die Welt ist kein wirklich schöner Ort mehr. Es gibt kein Öl mehr, wir haben das Klima versaut und Dürre, Armut, Krankheiten und Hungersnöte sind weit verbreitet.

Der größte Teil der Menschheit entkommt der deprimierenden Realität in dem sie sich den ganzen Tag an die OASIS anschließen, ein immer größer werdendes virtuelles Paradies, wo man wunderbar leben und sich verlieben kann auf einem der 10000 Planeten. So verbringt auch Wade Watts seine Zeit und, wie der Rest der Menschheit auch, ist er genau so obsessiv auf der Jagd nach dem ominösen Lotterie-Ticket, das irgendwo in der OASIS versteckt sein soll und unglaubliche Reichtümer verspricht. Der OASIS Gründer James Halliday, der ohne Nachfahren starb, verspricht dem Ticketfinder die Kontrolle über die OASIS – inklusive seines immensen Vermögens….

“I created the OASIS because I never felt at home in the real world. I didn’t know how to connect with the people there. I was afraid, for all of my life, right up until I knew it was ending. That was when I realized, as terrifying and painful as reality can be, it’s also the only place where you can find true happiness. Because reality is real.”

Die Rätsel, die gelöst werden müssen, basieren auf popkulturellem Wissen des späten 20. Jahrhunderts, das Spezialgebiet Wanes. Als er das erste Rätsel knackt, ist er plötzlich inmitten eines gnadenlosen Konkurrenzkampfes, der bald nicht nur in der virtuellen Welt echte Gefahren birgt.

Das Buch wurde kürzlich verfilmt, habe den Film aber bislang noch nicht gesehen. Möchte ich aber auf jeden Fall nachholen.  Ein tolles Buch für Nerds und Cyberpunks, die Spaß an den zig Zitaten und Hinweis der Popkultur haben werden. Es hat mich nicht umgehauen, aber es ist definitiv gute Unterhaltung.

Das Buch ist auf deutsch unter dem gleichnamigen Titel im Fischer TOR Verlag erschienen.

Midnight at the Bright Ideas Bookshop – Matthew Sullivan

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Lydia Smith ist Buchhändlerin im Bright Idea Book Store in Denver. Sie liebt ihre Bücher und ihre Kunden, insbesondere ihre exzentrischen Book Frogs, meist etwas seltsame einsame Männer, die stundenlang im Buchladen herumhängen. Joey Molina ist einer dieser Book Frogs.

Eines Nachts kurz vor Feierabend findet Lydia den erhängten Joey im Buchladen. Als sie ihn auf den Boden legt, merkt sie, dass aus seiner Hosentasche ein Foto herausschaut, das sie selbst als auf ihrem 10. Geburtstag als Kind zeigt. Ein Bild, das sie an ein schreckliches Ereignis ihrer Kindheit erinnert, an ihre Nacht mit dem Hammermann. Woher hat Joey dieses Bild und warum hat er es in der Nacht seines Suizids in der Hosentasche stecken?

“Something’s wrong in the air, you know, when a book costs less than a bullet. Or a Coke. Values-wise.”

Sie war immer Joeys Lieblingsbuchhändlerin und sie erbt seine wenigen weltlichen Besitztümer: ein paar Kisten voller Bücher und einen ungetragen Anzug. Lydia entdeckt, dass in sämtlichen Büchern unerklärlicherweise kleine Rechtecke herausgeschnitten wurden, die seltsame Nachrichten enthalten.

Ein spannender Kirmi für buchverrückte Bibliophile, die Spaß an literarischen Rätseln haben.  Das Buch war die Juli-Lektüre im Bookclub und es wurde durch die Bank weg von allen gemocht. Nix weltbewegendes, aber durchaus unterhaltsam.

Das Buch erschien auf deutsch unter dem Titel „Der Tod kommt nach Mitternacht“ im Random House Verlag.

The Idle Traveller – Dan Kieran

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A good traveller has no fixed plans
And is not intent upon arriving
(Lao Tzu)

The Idle Traveller ist ein Buch, das Lust auf das langsame Reisen macht, bei dem der Weg genauso wichtig ist wie das Reiseziel. Wir hetzen durch die Gegend, von einem Flughafen zum nächsten, eine Hotel-Lobby ist der nächsten zum Verwechseln ähnlich und je mehr wir versuchen, unserem langweiligen Alltag zu entkommen, desto schwieriger wird es eine Antwort darauf zu finden, was zur Hölle wir da eigentlich machen.

Kieran macht nicht nur Lust aufs Reisen, er macht auch Lust aufs Daheimbleiben  – „staycation“ im Englischen. Wenn wir reisen, dann sollten wir uns treiben lassen. Einfach mal drauf los laufen und nicht auf Google Maps nach dem kürzesten Weg von Sehenswürdigkeit A zu Sehenswürdigkeit B und der Top Empfehlung des Restaurants in 50m Umgebung suchen. Einfach mal blind drauflos bummeln, der Nase nach. Nicht wissen, was nach der nächsten Ecke kommt und dabei vielleicht weniger aber dafür intensiver sehen.

„I was reading The World of Yesterday by Stefan Zweig ,who had become one of my slow travel heros after I read his astounding 1926 essay To Travel or Be Traveled. Zweig was someone whose views on travel echoed my own.“

Kieran ist außerdem ein großer Fan vom Reisen per Schlafwagen – meine absolut liebste Art der Fortbewegung. Ein schönes Buch mit spannenden Lektüretipps, das man auf dem heimischen Balkon genauso gut lesen kann, wie auf dem Bahnhof während man auf seinen Zug wartet.

Auf deutsch erschien das Buch unter dem Titel „Slow Travel – die Kunst des Reisens“ im Heyne Verlag.

Älter werden – Silvia Bovenschen

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Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich irgendwo über Silvia Bovenschen stolperte. War es eine Talkshow oder ein Zeitungsartikel? Wollte immer mal etwas von dieser klugen Dame lesen und als ich kürzlich im öffentlichen Bücherschrank dieses Buch von ihr fand nahm ich es umgehend mit, trotz pinkfarbenem Cover und einem Titel, der mir Angst vor Selbsthilfe-Lektüre machte 😉

Von Selbsthilfe keine Spur, eine sehr lohnendes Essay über das Älter werden und das Erinnern. Fällt es Menschen, die stets einen schönen und funktionstüchtigen Körper hatten, schwerer zu altern, als jemandem wie Silvia Bovenschen, die immer schön war, aber von frühester Jugend an durch Multiple Sklerose lernen musste, einen Körper zu haben, auf den sie sich nicht immer verlassen konnte?

Bovenschen schreibt über ihre Kindheit, Jugend und Ereignisse aus späteren Jahren, sinniert über die Vergänglichkeit, das Glück und mißtraut stets ihren eigenen Erinnerungen, die allzu gerne die Welt durch die rosarote Brille sieht.

Ein elegantes Büchlein, das ich sehr gerne gelesen habe und dessen stellenweise wunderbar fieser Humor mich sehr entzückt hat. Von dieser Dame möchte ich noch viel viel mehr lesen.

„Das ist ein alter Konflikt in mir: der zwischen meiner gesellschaftspolitischen Liberalität und meiner ästhetischen Belastbarkeit“

jPOD – Douglas Coupland

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Ethan ist ein 28 Jahre alter Entwickler von Computerspielen, der seine Tage mit dem Programmieren virtueller Welten, dem Erfinden von Spitznamen für seine Kollegen und dem Auffüllen der Büro Snackbar verbringt. In seiner Freizeit hilft er seiner Mutter dabei, ermordete Drogendealer zu verstecken und illegale Einwanderer in seiner Wohnung zu füttern und ihnen seine Klamotten zu geben.

Sein neuer Boss Steve befielt Ethan und seinen 5 Kubikel-Kollegen, deren Namen alle mit J beginnen, daher J-POD, eine Schildkröte, in das aktuelle Computerspiel einzubauen, die einem Fernsehmoderator ähnelt. Sie beschließen, das zu sabotieren, in dem sie statt dessen einen durchgeknallten dämonischen Clown einbauen.

Irgendwo zwischen den lesbischen Kultmitgliedern und der Rettungsaktion in China von Ethans früherem Boss habe ich den Faden verloren. Vielleicht wurde dieses Buch ein Opfer meines vor Hitze dahinschmelzenden Hirns oder ich habe einfach nicht so wahnsinnig viel Bezug zu computerspielprogrammierenden Entwicklern, irgendwann wollte ich nur noch, das der Wahnsinn endet. Es war unterhaltsam genug, um nicht in der Rubrik „Connection with Reader could not be established zu landen“, aber für eine Weile brauche ich jetzt eine Coupland Pause.

Mein Hirn ist jedenfalls beim Lesen des Buches mehrfach abgestürzt.

So, seid ihr noch da? Ziemlich lang geraten dieser Artikel. Angefangen habe ich mit 100 Grad in der Wohnung, den letzten Satz hier schreibe ich bei Dauerregen und 14 Grad, die verf*** Erkältung habe ich immer noch.

War was dabei für Euch? Kennt ihr eines der Bücher? Lust bekommen eines zu lesen?

#WomeninSciFi (20) Bloodchild & Parable of the Sower – Octavia E. Butler

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Als waschechter Murakami-Fan erkennt man in Herrn Aufziehvogel vom Blog „Am Meer ist es wärmer“ natürlich sofort einen fellow Murakaminista 😉

Sein Blog ist eine echte Schatztruhe, bis zum Rand gefüllt mit viel, aber nicht ausschließlich japanischer Kultur, Buchrezensionen, Filmbesprechungen abseits vom Mainstream und ich kann nur jeden ermuntern, es sich auf einer virtuellen Liege am Strand des Herrn Aufziehvogels bequem zu machen.

Er stellt uns heute zwei Romane einer Autorin vor, auf die ich ganz besonders gespannt bin: Octavia Butler mit der wir endlich auch eine Vertreterin der afroamerikanischen Science Fiction Kultur vorstellen:

Als Sabine mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, einen Beitrag für ihre Women in SciFi Reihe zu schreiben hatte ich bedenkenlos zugesagt. Bevor ich denke, antworte ich meistens schon und die erste Freude über den Beitrag wurde getrübt, als ich nicht wusste, über welche Dame ich überhaupt schreiben sollte. Die Verdutztheit wich schnell der Freude, denn ich betrat hier absolutes Neuland. Ich kann nicht das allgemeine Klischee bestätigen, Science-Fiction sei eine reine Männerdomäne. Der erste Weg führt meistens, vielleicht aber auch immer, zu Ursula K. Le Guin (1929-2018). Ihr bekanntestes Werk dürften zwar die Erdsee-Bücher sein und gehören dem Fantasy-Genre an, aber ein Großteil ihres Werkes umfasste die wundervolle Welt der Science-Fiction Geschichten. Ursula K. Le Guin war für meinen Beitrag keine Option, denn ich selbst wollte über eine Autorin schreiben, die ich selbst noch gar nicht kannte.

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Foto: Nikolas Coukouman

Nach einigen tollen Vorschlägen fiel meine Wahl jedoch überraschend auf Octavia E. Butler (1947-2006). In Fachkreisen geschätzt und verehrt war Octavia Butler für mich völlig unbekannt, doch ihr schriftstellerisches Werk umso reizvoller. Denn hier bekommt der Leser es nicht nur mit einer echten Woman in SciFi zu tun, zusätzlich repräsentierte Octavia Butler auch die afroamerikanische Kultur da sie eine farbige Schriftstellerin war. Und hier wird es interessant: Octavia Butler und Ursula K. Le Guin unterscheiden sich thematisch gar nicht mal so dramatisch voneinander. Das besondere an Octavias Geschichten sind jedoch die Einflüsse der afroamerikanischen Kultur. Diese Einflüsse waren der Autorin immer wichtig und sie verleihen ihren Geschichten einen einzigartigen Twist. Neben renommierten Science-Fiction Awards wie dem Hugo oder Nebula Award erhielt Octavia Butler sogar die MacArthur Fellowship, eine Premiere für schriftstellerische Leistung in der Gattung Science-Fiction.

Die Bibliographie von Octavia Butler ist reichhaltig, aber besonders auch aufgrund ihres frühen Todes von 58 Jahren noch recht überschaubar. Die meisten Werke von ihr sind Mehrteiler, oftmals aber auch inhaltlich voneinander unabhängig.

Über „Bloodchild“ und „Parable of the Sower“

Meine erste Station war „Bloodchild“. Eine Kurzgeschichte von gerade mal etwas über 30 Seiten, jedoch mit erheblicher Wirkkraft. Bloodchild entstand 1984 und heimste Nebula, Hugo und Locus Award ein. Die Geschichte kommt relativ schnell auf den Punkt und wird aus der Sicht des Jungen Gan erzählt. Um die geheimnisvolle Art der Geschichte zu bewahren hält sich die Autorin mit detaillierten Hintergründen zurück. Vor einer langen Zeit verließ eine Gruppe von Menschen die Erde um neues Glück auf einem anderen Planeten zu finden. Viele Generationen später leben die Nachfahren dieser „Aussteiger“ auf dem Heimatplaneten der Tlic, einer außerirdischen Rasse, die selbst um ihren Fortbestand kämpft. Es existiert ein Geben und Nehmen zwischen beiden Rassen. Die Tlic gewähren den Menschen eine erstaunlich lange Lebenszeit, ausgewählte Menschen hingegen tragen die Eier der Tlic aus, ein Unterfangen, nicht ganz ungefährlich und Stoff für zahllose Alpträume derer, die Zeuge einer Geburt werden. Gan, unser Erzähler, soll die Eier von T’Gatoi austragen, einer mächtigen und einflussreichen Tlic. Als gute Freundin der Familie und besonders Gans Mutter, versprach diese ihrer außerirdischen Freundin, ihren Sohn später einmal bereitzustellen (eine alternativlose Entscheidung, da er sonst die Eier einer fremden Tlic austragen müsste). Als der besagte Tag näher rückt und Gan Zeuge einer solchen „Geburt“ wird, kommt er allmählich ins Grübeln…..

Octavia Butler bestätigte mehrmals, dass die Geschichte keine Allegorie auf die Sklaverei ist. Stattdessen, so die Autorin im Nachwort, sei es gar eine romantische Geschichte. Gemeint ist hier das Verhältnis zwischen Gan und T’Gatoi, welches vielleicht beim ersten lesen der Geschichte nicht wirklich deutlich wird. Die beiden verbindet mehr als Freundschaft und Verpflichtungen. Es ist eine besondere Beziehung und besonders im letzten Teil der Geschichte zaubert Octavia Butler hinreißende Dialoge zwischen den beiden Protagonisten aufs Papier. Wer außerdem danach noch wissen möchte, wie so ein Tlic aussehen könnte, der sollte mal die Bildersuche bei Google aufsuchen!

Meine zweite Station in Octavia Butlers Werk war „Parable of the Sower“ (dt. „Die Parabel vom Sämann“) aus dem Jahr 1993. Bei den „Parable“ Büchern handelt es sich um einen Zweiteiler. Beide Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden. Die Fortsetzung aus dem Jahr 1998 „Parable of the Talents“ ist bisher nicht in deutscher Sprache erschienen. Ein geplantes drittes Buch war geplant, wurde aber selbst zu Lebzeiten von Octavia aufgrund mehrerer gescheiterter Versuche nicht mehr realisiert.

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Foto: Heyne Verlag

„Parable oft he Sower“ ist eine Dystopie, die in den 2020ern spielt und aus der Sicht einer jungen Frau namens Lauren Oya Olamina erzählt wird, die von ihrem Vater, einem Baptisten, religiös erzogen wurde aber nie seine Sichtweise auf die Religion teilte. Relativ schonungslos führt uns Lauren in ihre Kindheit in einem völlig desolatem Los Angeles ein. Ihr Vater und andere Erwachsene berichten wehmütig von Zeiten, in denen die Welt noch nicht im Chaos versunken war. Leid, Tod und Chaos herrscht auf den Straßen und selbst an normale Spaziergänge ist nicht mehr zu denken. Jeder Weg wird zu einem Abenteuer. Lauren gründet einige Zeit  und Schicksalsschläge später anschließend ihre eigene Kommune -Earthseed- und durchstreift mit ihrer Gefolgschaft den amerikanischen Norden. Schon bald kommt Lauren zu der Erkenntnis, dass die Zukunft der Menschheit nicht auf der Erde liegt.

Genau wie Bloodchild greift Parable of the Sower ähnliche Thematiken auf. Es geht um Aussteiger, die die Zukunft ihrer Rasse auf einem anderen Planeten sehen (könnte genauso gut auch die Vorgeschichte zu Bloodchild darstellen). Die Trümmerhaufen verlassen um noch einmal neu anfangen zu können. Auch geht es ums Zusammenleben, der Bewältigung schwieriger Zeiten, Emotionen sowie Rassenhass und Feminismus. All das sind Zutaten, die schnell zur eigenen Bürde werden können doch Octavia Butler meistert diese Hürden makellos. Im Internet verfolgte ich einige Debatten über den Roman und wie beispielsweise Leser, die nicht viel über das Werk wussten (nämlich gar nichts im Vorfeld) und für einen Roman hielten, der nur in der Ära Trump entstanden sein konnte. Diese Meinung revidierten einige Leser schnell als sie recherchierten und erfuhren, dass die Autorin bereits 2006 verstarb. Doch genau solche Aussagen der Leser unterstreichen noch einmal die Aktualität nicht nur von Parable of the Sower, sondern diese Aussagen kann man auch auf das gesamte Werk von Octavia Butler anwenden.

„Parable of the Sower“ erscien auf deutsch unter dem Titel „Die Parabel vom Sämann“ im Heyne Verlag.

Die Kurzgeschichte „Bloodchild“ erschien auf deutsch unter dem Titel „Blutsbrut“ oder auch „Blutbande“ und ist derzeit (soweit ich sehe) nur antiquarisch erhältlich.

 

#WomeninSciFi (12) Die Maschinen – Ann Leckie

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Dank Alex und Nadine vom Literaturblog „Letusreadsomebooks“ geht es für die #WomeninSciFi heute endlich wieder einmal in die Weiten des Weltalls. Die beiden Germanistikstudenten aus dem Ruhrpott decken auf ihrem Blog neben Belletristik auch gern dystopisches, Phantasy, Lyrik und mehr ab und wir haben jede Menge Überschneidungen bei unserer Lektüre. Ein gefährlicher Blog für mich, der mir regelmässig neue Bücher auf den SUB haut und den ich euch sehr ans Herzen legen möchte.

Danke, dass ihr dabei seid beim #WomeninSciFi Projekt, eure Teilnahme hat mich riesig gefreut und ich hoffe, wir laufen uns vielleicht bei einer Buchmesse mal über die Füße. Jetzt aber bitte anschnallen, wir heben ab:

Als Sabine uns fragte, ob wir Zeit und Lust hätten, an ihrem Projekt #WomeninSciFi teilzunehmen, war die spontane Reaktion sofort JA. Dabei ist es dann auch geblieben. Allerdings hat ein Blick in unser Bücherregal schnell gezeigt, dass dort generell eher männliche Autoren und ihre Werke stehen und im Sci-Fi Bereich außer Margaret Atwood keine Schriftstellerin zu finden ist. Dann ist mir die Autorin Ann Leckie mit ihrer Reihe Imperial Radch eingefallen, die mich schon länger interessierte. Sabines Anfrage war also die perfekte Möglichkeit, sich mit diesem Werk zu beschäftigen.

Es ist beeindruckend, dass Ann Leckie mit ihrem Debütroman Die Maschinen (Originaltitel: Ancillary Justice) einen großen Preis und eine Nominierung nach der anderen erhielt. So wurde der Roman mit dem Arthur C. Clarke, dem Hugo Award und dem Nebula Award ausgezeichnet. Dazu kamen Nominierungen für weitere Preise. Vor ihrem Debüt veröffentlichte die 1966 geborene Amerikanerin bereits mehrere Kurzgeschichten in verschiedenen Zeitschriften.

Die Maschinen erzählt die Geschichte von Breq. In der Zukunft hat das Imperium der Radch große Teile der Galaxis erobert und unterworfen. Einen großen Anteil daran hatte die weiter entwickelte künstliche Intelligenz. Dabei wäre es besser hier von Intelligenzen zu sprechen, denn dabei handelt es sich um große Truppentransporter mit mehreren Hilfseinheiten, die in Form von weiblich-menschlichen Gestalten auftreten. Breq ist die letzte einer solchen Hilfseinheit. Der Weg, mit dem die Radch andere menschliche Kulturen in ihr Reich eingliedern, ist immer derselbe und parallelen zum Vorgehen des römischen Reiches sind nicht zu übersehen. Unterwirft sich eine Welt nicht freiwillig, wird sie mit Gewalt erobert, wobei jeder Widerstand rücksichtslos unterdrückt und die politische Führung hingerichtet wird. Die Durchsetzung des Ordnungssystems der Radch wird mithilfe der riesigen Truppentransporter gesichert. Nachdem die Radch ihr System eingeführt und gefestigt haben, können sich die Bewohner der eroberten Welten zu vollwertigen Bürgern des Imperiums entwickeln. Wer sich gegen die Radch zur Wehr setzt, wird eingefroren und mit einem Implantat ausgestattet, das sämtliche Erinnerungen löscht, und danach als Köper für KI-Soldaten verwendet.

Ann Leckie

Ann Leckies Roman ist aber keine Space-Opera voller Actionsequenzen. Zu Beginn ist Breq als letzter Teil einer KI-Schiffsintelligenz auf der Suche nach einer besonderen Waffe. Mit der Waffe will sie sich für die Zerstörung ihres Schiffes, der Gerechtigkeit der Torren, rächen. Dabei trifft sie auf Seivarden, die als Leutnantin auf der Gerechtigkeit der Torren diente. In Rückblenden wird zudem das gesellschaftliche System der Radch, das vor allem auf Abstammung und Abhängigkeiten beruht, erklärt, sowie die Geschichte der Gerechtigkeit der Torren. Dabei entwickelt sich ein Netz aus politischen Intrigen, in dem auch Breq und Seivarden gefangen sind.

Innerhalb des ersten Teils der Trilogie entwickelt sich Breq von einem Kollektivwesen zu einer einzelnen KI-Einheit, die immer mehr Individualität entwickelt und so gleichzeitig menschlicher wird – sowohl in ihrem Handeln als auch in ihren Gefühlen. Gefühle sind wesentlich, um ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Dabei sind ihr Emotionen und Gedanken als künstliche Intelligenz alles andere als fremd. Als Gerechtigkeit der Torren hatte sie eine besondere Bindung zu ihrer Kapitänin und zu den anderen menschlichen Besatzungsmitgliedern. Der Tod ihres Kapitäns kann ein Schiff in den Wahnsinn treiben. Aus der ehemaligen KI wird in Breq mithilfe von Gefühlen, Musik und Loyalität eine eigenständige Individualität und Wesenheit. Sie ist sowohl Breq, als auch die Gerechtigkeit der Torren und die letzte Hilfseinheit Eins Esk.

Ann Leckie lässt sich viel Zeit, um ihre Hauptprotagonistin Breq zu entwickeln und die unterschiedlichen Stufen darzustellen. Wir erleben sie als KI mit zwanzig Körpern, was Ann Leckie ermöglicht, mit den Erzählperspektiven zu spielen, als Gerechtigkeit der Torren und letztlich als verbliebene Hilfseinheit, die sich immer menschlicher verhält. Die Darstellung der verschiedenen Entwicklungsschritte beschreibt Ann Leckie sehr eindringlich und mit ihren aufeinanderfolgen Schritten auch glaubwürdig und aufeinander aufbauend.

„Dadurch wird es schwierig, die Geschichte zu erzählen. Denn obwohl ich immer noch ich war, eins und einheitlich, handelte ich gegen mich selbst, im Widerspruch zu meinen Interessen und Wünschen, manchmal insgeheim, und täuschte mich selbst in Bezug auf das, was ich wusste und tat. Und es ist für mich sogar jetzt noch schwierig zu erkennen, wer welche Handlung ausführte oder wer welche Informationen hatte. Weil ich die Gerechtigkeit der Torren war. Selbst wenn ich es nicht war. Selbst wenn ich es jetzt nicht mehr bin.“

Neben der ungewöhnlichen Protagonistin und Ich-Erzählerin weist das Buch auf der stilistischen Ebene eine Besonderheit auf. Wer das Vorwort des Übersetzers einfach überspringt, wird sich vermutlich schnell fragen, ob das Imperium der Radch nur von Frauen bewohnt wird. Dem ist nicht so. In der Sprache der Radch, dem Radchaai, sind keine unterschiedlichen Genus-Markierungen vorgesehen und es wird ausschließlich die weibliche Form verwendet. Breq bereitet es immer wieder Schwierigkeiten, Personen, die keine Radch sind, richtig anzusprechen. So kann es schon mal passieren, dass sie Menschen, die einen Bart haben, mit der weiblichen Form bezeichnet. In der Kultur der Radch spielen geschlechtliche Unterschiede keine Rolle, was es für Breq zusätzlich erschwert, das Geschlecht fremder Personen zu erkennen.

In der deutschen Übersetzung wird das Ganze nochmal deutlicher als im englischen Original. So hat sich der Übersetzer Bernhard Kempen dazu entschieden, immer wenn es zum Beispiel „visitor“ oder „friend“ heißt, daraus konsequent immer eine „Besucherin“ oder eine „Freundin“ zu machen. Laut Vorwort ist Die Maschinen damit der erste (literarische) Text in Form eines Romans, der durchgehend im generischen Femininum geschrieben ist und dieses konsequent beibehält. Ausnahmen bilden nur Gespräche mit Personen, die eben nicht der Radch-Kultur angehören und die auf der sprachlichen Ebene zwischen den Geschlechtern unterscheiden. Vermutlich hat dieser Stil auf jeden Leser eine ganz eigene Wirkung und so wird die Space-Opera auch zu einer Art Gender-Geschichte.

In einem Interview mit wired.com (https://www.wired.com/2016/07/wired-book-club-ann-leckie-interview/) wurde Ann Leckie auf die Verwendung der weiblichen Form angesprochen und antwortete: “[…]I honestly thought—and I was told by a number of my friends and thought they were right—that this would make the book unsalable, that nobody would want it. The thing about writers is, you have to keep writing no matter what, even though you get tons of rejection all the time. It really is a world-building detail. They biologically have their gender, they’re human, they have the same range of gender expressions as any group of humans would. But they don’t care. They think about gender the same way we would think about hair color […]”. Gleichzeitig ist sie aber auch genervt davon, dass einige Leser den Roman einzig auf diesen Aspekt reduzieren: „It’s moderately annoying, because it’s not what the book is about. On the other hand, what it’s meant is that everybody and their pet monkey is talking about my book. And every time people get agitated in public about it, I sell more copies.”

Die Maschinen ist alles andere als ein einfacher Science-Fiction Roman, den man mal eben nebenbei lesen kann. Ann Leckie hat den Mut, ihre Ideen konsequent umzusetzen und dabei auf Massentauglichkeit zu verzichten. Dafür liefert sie ein Buch, das herausfordert und seine Konzepte ohne Scheu zu Ende denkt. Die Themen beschäftigen sich mit der Frage des Seins, mit Moral, der Frage nach Identität und mit der (möglichen) Menschlichkeit einer KI. Dabei gibt der Roman immer wieder Rätsel auf, fesselt gleichzeitig mit seiner Spannung und bietet ein Ende, das die Folgebände rechtfertigt. Mit ihrer Imperial-Radch Reihe hat Ann Leckie eines der interessantesten und innovativsten Science-Fiction Projekte der letzten Jahre geschaffen.

#WomeninSciFi (4) The Power – Naomi Alderman

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Miss Booleana, die diese Woche Naomi Aldermans „The Power“ vorstellt, hat höchstwahrscheinlich selbst eine heimliche Powerbank irgendwo, an die sie sich regelmässig anschließt. Anders kann ich mir ihren irren Output auf ihrem Blog fast nicht erklären. Ich kenne wenige Menschen mit einem derart großen Wissen über Manga, Anime, Filmen, Serien und den Bereich IT, über die sie auf ihrem Blog spannend, differenziert und intensiv schreibt. Als sei das nicht genug, kann sie auch noch richtig gut zeichnen und illustrieren, woran sie uns auf ihrem zweiten Blog teilhaben läßt.

Warum habe ich sie eigentlich nicht gefragt, ob sie diesen Artikel illustrieren könnte? Ein echter Booleana auf meinem Blog hätte mir sehr gefallen. Aber was (noch) nicht ist …

Aber jetzt gebe ich ihr und Naomi Alderman das Wort:

Zuerst ist da das Hören-Sagen und die Handy-Videos, die auf einzelnen Netzen geteilt werden. Frauen, die elektrische Ladungen erzeugen können. Ein paar wenige. Doch was anfangs für Zufall, später für einen Virus und lange Zeit nur für einen Trick gehalten wird, greift bald um sich. Immer mehr Frauen haben sie – The Power. So ist auch der Titel von Naomi Aldermans 2016 erschienen Buch, das die Geschlechterrollen auf den Kopf stellt.

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In der Welt, die sie schildert, existiert ausschließlich am Schlüsselbein von Frauen ein Muskel, das sogenannte Skein, das elektrische Ladungen provoziert. Es greift um sich, immer mehr Frauen entdecken, dass sie die Fähigkeit haben und lernen sie zu kontrollieren. Es ist kontroverser denn je, da Männer scheinbar nicht über diesen Muskel verfügen. Auch bei den Frauen muss das Skein lange inaktiv gewesen sein. Es gibt Theorien, warum ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt die Kraft entdeckt wurde. Das globale Phänomen löst verschiedenste Emotionen aus. Während andere sich über die Entdeckung freuen, es schlicht cool finden und sich wie bei den X-Men fühlen, sind andere schockiert und empört. Befreiung und Emanzipation – Frauen können sich durch die (sofern sie wollen) sogar tödlichen elektrischen Ladungen gegen Gewalt zur Wehr setzen. Sie fühlen sich stark, während andere sich benachteiligt fühlen. Wer als Mann mit Skein zur Welt kommt oder als Frau ohne oder es nicht kontrollieren kann, wird ausgegrenzt.

Aldermans Roman streut all diese Erscheinungen und Informationen nebenbei. Es sind eine handvoll Personen aus deren Perspektive sie die Geschichte erzählt beginnend bei den ersten Sichtungen von Frauen, die ihre Fähigkeiten öffentlichen zeigen bis hin zu einem Tag X, an dem sich alles verändert. Der Roman ist der Countdown. Bis dahin wird alles durch die Augen der Tochter eines Gangsters erzählt, die nun die im wahrsten Sinne des Wortes schlagkräftigste Waffe ihrer Familie wird. Und aus der Sicht des angehenden Reporters Tunde, der nicht selten Angst vor Frauen haben muss, die von ihrer Vormacht profitieren und die es nun sind, die diese missbrauchen.

Eine junge Frau erkennt gar die Chance das erste Mal in ihrem Leben eine Anführerin zu sein und wird Gründerin einer religiöse Bewegung – rund um die Macht. Eine Politikerin muss verstecken, dass sie über die Macht verfügt, weil sie ansonsten als beeinflussbar gilt. Schließlich gibt es anhand der Veränderungen im zarten Gefüge der Welt nun einige politische Entscheidungen zu treffen. Dass Jungen und Mädchen in getrennten Bussen zur Schule fahren ist eine der ersten Forderungen, die klar macht, dass das bisher als starke Geschlecht angesehene, seine Rolle verloren hat. Der Umsturz der Gesellschaft wie wir sie kennen und in der man sich in vielen Teilen der Welt lange um Gleichberechtigung bemüht hat, zieht krasse Veränderungen nach sich. In einigen Teilen der Welt schlägt die Befreiung der Frauen aus den Zwängen der Gesellschaft um in ein Regime, das nun Männer zu den Opfern macht, so als ob man von der Gewalt der Vergangenheit nichts gelernt hätte.

„Men are no longer permitted to drive cars.

Men are no longer permitted to own businesses.

Foreign journalists and photographers must be employed by a women.

Men are no longer permitted to gather together, even in the home […].“

In den Teilen der Welt in der Gleichberechtigung schon vorher mühsam aufrecht erhalten und oftmals trotzdem noch verfehlt wurde, ist es jetzt die Frau, die dem Mann die Hand auf das Knie legt und im Vertrauen sagt, dass er jetzt besser den Mund zu halten hat. Alderman zeichnet aber nicht nur Feindbilder, sondern auch von Frauen, die diese drastische Entwicklung früh bemerken. So wie die Leserin, die die Lektüre anfangs noch genießt, sich aber bald fragen muss: Das würde ich doch besser machen oder? Trotzdem lässt sich nicht von der Hand weisen, dass Alderman ihre Geschichte um Ausnahme-Personen herum gebaut hat. Ein investigativer Journalist, eine Gangsterbraut, eine Politikerin, eine religiöse Führerin. Wo sind die Ottonormal-Frauen und -Männer? Auch in dieser Gesellschaft muss es sie geben. Somit fühlt sich Aldermans Geschichte sehr exklusiv, aber eben nicht sehr natürlich an.

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Der Roman ist neben den Science-Fiction-Aspekten aber v.A. auch ein Gesellschaftsroman. Man könnte fast meinen, dass Science hier v.A. Der Rahmen ist, der die Fiction kleidet, die uns zu einem Gesellschaftsroman führt. Die Erklärungen, woher das Skein plötzlich kommt, sind zum Großteil biologisch und genetisch bedingt. Zu was die Frauen in der Lage sind, erscheint plausibel und das Grundszenario ebnet den Weg für eine spannende gesellschaftliche Studie. Es ist Science-Fiction ohne Raumschiffe, ohne massenhaft Physik oder Chemie, aber es ist ein ausgeklügeltes Was-wäre-wenn unserer Gesellschaft, wenn sich umkehrt, was man als normal angenommen hatte. Geschichtliche Fragmente weisen durch das Buch verteilt darauf hin, dass The Power die Welt für immer verändert hat. Die Rahmenhandlung des Buches und die eigentlich durchschlagende Wirkung des Szenarios erschließen sich dem Leser und der Leserin aber erst ganz zum Schluss. Und das sitzt. Wieviel sind wir bereit dafür zu geben alte Gesellschaftsbilder aus den Köpfen der Menschen zu bekommen?

„I feel instinctively – and I hope you do, too – that a world run by men would be more kind, more gentle, more loving and naturally nurturing.“

Auf deutsch erschien der Roman unter dem Titel „Die Gabe“ im Heyne Verlag.

Vielen lieben Dank, liebe Miss Booleana fürs Mit- und Lust machen auf „Women in SciFi“ nächste Woche stellt uns Birgit von Sätze & Schätze Jeanette Wintersons „Die steinernen Götter“

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Die nächste SciFi Protagonistin die ich euch vorstellen möchte, ist Sarah Connor aus der Terminator-Reihe. Ein Charakter der sich von der schüchternen Jungfrau in Nöten aus dem ersten Film zur aufopfernden Mutter, gesuchten Terroristin und stählernen Kämpferin weiterentwickelt hat.

Die bekannteste Darstellerin ist Linda Hamilton die Sarah Connor in den ersten beiden Filmen darstellte.

 

#WomeninSciFi (3): Saga of the Exiles – Julian May

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I’m so happy and proud to have the incredibly knowledgeable Paul Graham Raven, a researcher in infrastructure futures and theory at the University of Sheffield, join the series. They way I met Paul was in a way where the internet functioned in such a positive way that we all always wanted the internet to be: One of my favorite SciFi and Comic writers is Warren Ellis who sends out a weekly newsletter that I enjoy reading. In this newsletter he recommended a futurism conference in Munich that I had not heart about before (shame on me) and that I immediately registered for. That was Zündfunk where Paul gave a really interesting talk on „Transhumanism„.

Later outside in the sunshine we chatted about his talk and also about Sci-Fi books we both love and recommend to each other. I’m still thankful for him recommending „Roadside Picnic“ to me. I mentioned that I plan to do a series on my blog about „Women in SciFi“ and was so happy when he joined in. Check out his website or follow him on Twitter, but first dive into the Exile series he features for the WomeninSciFi series:

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Julian May – Saga of the Exiles

(The Many-Coloured Land / The Golden Torc / The Non-Born King / The Adversary)

Julian May was not quite the first science fiction author I read; that was Anne McCaffery. A colleague of my father’s – a die-hard sf reader, as was often the way with programmers and other such computer people in the mid-80s, and still is today – spotted racing my way through McCaffery’s Pern novels (which, now I come to think about it, may have come from his collection, too) and gave me what I now recognise as the classic pusher’s pitch: “Hey, kid – if you like those, then these are gonna blow your mind.” Maybe he started me on the female authors because I was so young; maybe because he just thought they were good. Whatever the reason, he did me a great favour.

He was not wrong about the blowing of my mind – not least because, at 8 ½ years old (the half mattered a whole lot at the time) I had to keep a dictionary handy for the big words. I was a precocious reader, but not that precocious.

It took me the best part of a year to make it all the way through the first volume of Saga of the Exiles (titled The Many-Coloured Land), at which point, sensing that I’d kinda levelled up as a reader in the interim, I went right back to the beginning and started again, McCaffery all but forgotten, along with the insipid boarding-school fictions and Enid Blyton derivatives that a child of my age and social background was supposed to be reading. Suddenly I had a new benchmark for what a book could do, what a book could be.

That benchmark has lasted, too – though it bears admitting that Exiles is showing its age a bit, just like I am. For instance, Exiles was perhaps the last big hoorah for science fiction that took the notion of psychic powers as one of its major tropes. And with the benefit of hindsight, the near-total lack of characters of colour in such a vast ensemble cast of humans is pretty hard to defend. (Though far from unusual at the time – and in May’s defence, it’s much more international a cast than was common in much USian sf of the same era. But my word, it’s pretty white… and the smattering of non-hetero characters have a tendency to either be broken from the outset, or to meet a sticky end, or both.)

But holy crap, the scale of it – the ambition, the audacity, and the water-tight synthesis of what were by then already hokey fantasy tropes with a grand sf concept. (And yeah, OK, also the wordcount; it’s a big series, though admittedly dwarfed by the latest advances in the manufacture of Extruded Fantasy Product.) Indeed, it’s way too big to summarise – and while I hold no brief for the Spoiler Police, the grand arc of Exiles is just too majestic to give away ahead of time.

(That said, anyone else raised in an environment saturated with Christian narratives, particularly the USian flavour of Roman Catholicism, or anyone who really knows their Jung, will probably see a good deal of it coming anyway – which is part of the satisfaction for an adult reader, I’d argue. Don’t let it put you off, in other words… but if you’re really allergic to Christian subtexts, I’d avoid the subsequent Galactic Milieu series like the plague; it’s far from being a bad set of books, but it’s weak sauce compared to Exiles.)

So, no summary – but here’s the opening hook:

Some time in the 21st Century, Earth has been semi-successfully onboarded into a kind of federation of alien species known as the Galactic Milieu, and humans are busily levelling themselves up (psychically, but also politically and socially) to become equal partners in it all. Or at least most of them are – but humans, it transpires, are not as integrated and psychically well-balanced a species as their new exotic peers, and Team Homo Sapiens still harbours a goodly selection of oddballs, misfits, screw-ups, recidivists and ne’er-do-wells of various types, for whom life in the rather happy-clappy and hyper-conformist Milieu is an experience frustrating, infuriating or downright intolerable. Furthermore, refusing to integrate is the one thing that the Milieu cannot tolerate; psychic readjustment, incarceration or euthanasia are pretty much the only options for such hardcore refuseniks.

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Foto: Julian May Fanpage

There’s one other option, however: a fairly well-kept secret which can nonetheless be discovered, whether by luck, or through connections of the very lowest or very highest sort. See, a few decades earlier, a human scientist based somewhere in the French countryside managed to invent a time-gate – a portal to the Pliocene era of prehistoric Earth, going back six million years or so. It’s not the sort of discovery you’d think would go unnoticed, but for its one serious flaw: it’s a one-way trip, and anything organic trying to make the reverse journey from the Pliocene to the present instantly ages every single one of the six million years it just leapt over. (This is not a survivable process.) So the time-gate ends up relegated to being an obscure scientific curiosity, of interest to paleonaturalists and temporal physicists only.

But of course, if you find the present intolerable – or if the present finds you intolerable – the whole one-way thing is actually an advantage for atavists of all kinds. It’s an escape hatch into the deep past, to a world devoid not only of the Milieu’s alien do-gooders, but of homo sapiens itself: an idyllic, low- to no-tech past in which to live out your stubborn or broken outsiderdom without anyone giving you grief or hassle (other than your fellow outsiders, natch). And so, slowly at first, and with a conveniently blind eye turned by the Milieu authorities – who, while righteous and idealistic, are far from being fools, particularly when it comes to dealing with difficult humans – the late scientist’s wife starts letting people pass through the gate into the past, on the condition that they’re sterilised (so no booting up homo sapiens ahead of schedule) and take no advanced technologies (so no leaving anachronistic indications of their presence, or otherwise meddling with causality and history as currently understood from the geological record).

As the Saga starts, we follow one such rag-tag group of burn-outs and rejects as they make their own one-way trip into the deep past… where they discover that, while humans (other than those who went ahead of them) have very definitely not yet arrived on Earth, someone else is nonetheless already there.

That’s barely the first quarter of the first volume (of a total of four) I’ve summarised – which would be an impressive plot for a novel or set of novels, even absent all the other wild and crazy shit that turns up in May’s masterpiece of a series. It’s an epic adventure in every sense, populated (quite purposefully) with characters who are avatars for all the classic Jungian archetypes, plus a crafty twist on elves, goblins, orcs and all the rest – oops, I just went and gave the game away there, didn’t I? – and bulging with incredible set-pieces (one of which takes up almost half a volume on its own), prehistorical landscapes and critters, humour and horror and pathos, and buckets and buckets and buckets of sensawunda. It’s a staggering achievement, and quite unique.

It’s also – or so I have argued – the first real extended work of transhumanist fiction, albeit one written before that term entered the lexicon in any significant way. (Those creeps were still calling themselves “extropians” back then, those of them that were even born.) Like I said at the start, Saga of the Exiles is a little dated now, but it’s still a very substantial work, and written so deftly that you should be easily able to overlook the anachronisms and cliches. If you do – and I really recommend you try – you’ll get to experience one of the most ambitious and epic works the genre has ever produced.

„Julian Clare May (July 10, 1931 – October 17, 2017) was an American science fiction, fantasy, horror, science and children’s writer who also used several literary pseudonyms. She was best known for her Saga of Pliocene Exile.“ (Quelle Wikipedia)

Auf deutsch erschien die Serie unter dem Namen „Pliozän-Zyklus“ im Heyne Verlag ist aber leider momentan nur gebraucht erhältlich.

#WomeninSciFi: The Left Hand of Darkness by Ursula LeGuin (1)

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Vermutlich bin ich nicht die erste, die eine Weile lang dachte, es handle sich bei dem Blog Vorspeisenplatte.de um einen Kochblog. Er wurde mir wiederholt als „Lieblingsblog“ genannt, wenn ich mich entsprechend erkundigte. Tatsächlich handelt es sich vermutlich um einen der ersten Tagebuchblogs.

So mancher Blog-Empfehlung folge ich schon lange nicht mehr, der Kaltmamsell bin ich jedoch treu geblieben, denn sie versorgt mich regelmäßig mit spannenden Artikeln, Links und Twitterlieblingen. Ihr beeindruckendes Sportprogramm ist eine Art Master Yoda für meinen inneren Schweinehund.

Zudem habe ich gelernt, dass „mein“ Buchclub nicht der einzige in München ist. Gut zu wissen…

Ich freue mich sehr, dass sie die #WomeninSciFi Reihe heute mit Ursula LeGuins „The Left Hand of Darkness“, der Grande Dame der Science Fiction Literatur, eröffnet:

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Eine unersättliche Leserin war ich von Kindesbeinen an, doch an Science Fiction geriet ich nicht von selbst. Zwar ließ ich mir als Erwachsene gezielt die Klassiker des Genres reichen, mochte vor allem die alternativen Gesellschaftsentwürfe. Doch erst in den letzten Jahren trafen sich eine wachsende Abneigung gegen alles „based on a true story“ (Erinnerungen sind schließlich auch Konstruktionen und Fiktionen – doch diese Literatur trägt angebliche Wahrhaftigkeit vor sich her) und genauso wachsende Freude an sehr Ausgedachtem bis hin zu speculative fiction.

Es war dann ein Essay von Laurie Penny, der mir zu einer konkreten Leseliste verhalft: „Fear of a Feminist Future“. Darin listet Penny Science-Fiction-Autorinnen auf, die Alternativen zu einer patriarchalen Gesellschaft entwarfen. Und so geriet ich an die Ikone Ursula K. Le Guin. Der Roman der US-amerikanischen Autorin The Left Hand of Darkness von 1969 stand in einer schönen Neuauflage von 1980 im Regal des Science-Fiction-Experten an meiner Seite.

Sie enthält Le Guins „Introduction“ von 1976 – für mich ein Teil des Werks. Darin legt sie klug dar, warum Erfundenes einen tieferen Blick auf die Wirklichkeit ermöglichen kann – und genau das tut sie mit ihrem Roman The Left Hand of Darkness. Der erste Satz des Romans lautet dann auch: „I’ll make my report as if I told a story, for I was taught as a child on my homeworld that Truth is a matter of the imagination.“

Wir werden von Anfang an in eine völlig fremde Welt geworfen; das erste Kapitel heißt „A Parade in Erhenrang“, und vor dem ersten oben zitierten Satz der Handlung steht die vierzeilige Archivkennzeichnung des folgenden Berichts. Die Ortsnamen sind fremd, die Zeitangaben haben nichts mit unseren zu tun, die geografischen Gegebenheiten und Gesellschaftsstrukturen sind unerwartet. Manches davon wird erklärt, denn, so stellt sich heraus, wir lesen den Bericht eines Besuchers oder einer Besucherin namens Genly Ai auf dieser Welt, dem Planeten Gethen, selbst von ganz woanders kommend – allerdings aus einer Welt, die uns Leserinnen genauso fremd ist.

Diese große Fremdheit zeichnet den gesamten Roman aus, viele Wörter und Konzepte bleiben bis zum Schluss unerklärt. Zwischenkapitel („hearth tales“) wechseln komplett die Perspektive und geben Gethens Mythologie wieder, ohne offensichtlichen Zusammenhang. Das Lesen erfordert Offenheit und Aufgeben von Erwartungen – genau das braucht Le Guin für den alternativen Gesellschaftsentwurf, den sie hier vorlegt.

Denn es stellt sich heraus, dass der größte Unterschied zu unserer gewohnten Erdenwelt des 20. Jahrhunderts nicht das Klima, die Technik oder die politischen Prozesse sind, sondern der Umstand, dass die Bewohner Gethens nicht einem von zwei Geschlechtern angehören. Zwar wird unsere Leseerwartung zunächst in die Irre geführt, weil alle das Personalpronomen „he“ tragen. Doch es stellt sich heraus, dass das nur eine Hilfskonstruktion des Berichtenden Genly Ai ist. Die Erzählfigur wurde als Botschafter des Ekumen geschickt, eines losen Zusammenschlusses von Planeten, und soll die Staaten des Planeten Gethen dazu bringen, dem Ekumen beizutreten. Dazu muss die Erzählfigur aber damit zurecht kommen, dass die Bewohner von Gethen im Normalzustand kein fixes Geschlecht haben; sie sind nur einmal im Mondzyklus fruchtbar, und erst wenn es an die Fortpflanzung geht, vereinbart ein Paar, wer welchen Part übernimmt.

Das ist allerdings nicht das einzige Detail auf Gethen, das die Erzählfigur überfordert: Sie wird unbemerkt zum Spielball politischer Ränke, und das mehrfach auf verschiedene Weise, gerät in Gefangenschaft, wird dort durch Medikation unbeabsichtigt fast umgebracht. Ich bezeichne sie hier absichtlich als „Erzählfigur“: Le Guin schaffte es sehr lange unklar zu lassen, welchem menschlichen Geschlecht diese Ezählstimme eigentlich zugehört, unter anderem durch die Erzählung in Ich-Form. Und als dieses Detail klar wird, ist es schon lange unwichtig.

Gleichzeitig ist The Left Hand of Darkness die Geschichte einer großen Freundschaft und einer großen Liebe (ohne Geschlechtlichkeit auf Gethen deckungsgleich), der zwischen Genly Ai und Estraven. Estraven ist zu Anfang der Handlung eine wichtige politische Figur auf Gethen – und gibt alles auf, um der Erzählfigur beizustehen. Es braucht den Großteil der Geschichte, bis Genly Ai das überhaupt bemerkt, denn Verhaltenscodes und Kommunikation sind auf Gethen so völlig anders – werden auch uns Leserinnen nicht erklärt.

Ich kenne keine Utopie, die so vielschichtig ist wie The Left Hand of Darkness. Le Guin erfindet nicht nur zwei Universen und lässt aus ihrem Zusammentreffen Erkenntnis erwachsen, sie erfindet auch eine neue Sprache, neue Gefühle, neue Kommunikationstechnik, stellt eine Vielzahl von gewohnten Konzepten in Biologie und Gesellschaft in Frage. Ihre sprachlichen Mittel dafür sind dicht und schnörkellos, sie wechselt kapitelweise die Klangfarbe, je nach dem ob die Berichtsfigur spricht, ob Estraven sein/ihr Tagebuch schreibt oder ob der heimische Mythos wiedergegeben wird. Und so erleben wir die Gesellschaft ohne Geschlechterzuschreibung subtil durchgespielt mehr als Hintergrund denn als propagandistischen Vordergrund.

The Left Hand of Darkness gilt als einer der ersten feministischen Science-Ficition-Romane. Er gehört zu Le Guins Hainish Cycle, in dem noch zwei weitere ihrer Romane und einige Kurzgeschichten spielen. Ihr umfassendes Werk aus Romanen und Kurzgeschichten in Fantasy und Science Ficiton, aus Gedichten und Essays beeinflusste Generationen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern.

Weiterführende Lektüre:

Ligaya Mishan, „First Contact: A Talk with Ursula K. Le Guin“ – Ein Interview von 2009 über The Left Hand of Darkness. „In the spirit of the novel, our questions are a collaboration between a male and a female; we leave it up to our readers to determine who wrote which“. Darin die schöne Aussage Le Guins: „What is the metaphorical significance? I don’t know. The theme was just there. A given. Writing a story, I generally take what’s given and run with it. Then the critics can tell me what it Means.“

Maria Popova, „Ursula K. Le Guin on Being a Man“ – erklärt die konsequente Verwendung von „he“ für alle Personen des Romans.

Justine Jordan, „Winter reads: The Left Hand of Darkness by Ursula K Le Guin“ – über die lange Sequenz des Romans, die die dreimonatige Reise der Protagonisten durch eisige Landschaft beschreibt.

Sarah LeFanu, „The king is pregnant“ – über die Rolle von Angst und Vertrauen in dem Roman.

„The Left Hand of Darkness“ erschien auf deutsch unter dem Titel „Die linke Hand der Dunkelheit“ im Heyne Verlag.

Liebe Kaltmamsell, vielen Dank für diese gelungene Eröffnung der „Women in SciFi“-Reihe. Weiter geht es hier im nächsten Beitrag in Kürze mit einer Spaceopera. Thursdaynext vom Blog „Feiner reiner Buchstoff“ stellt uns Becky Chambers „The long way to a small, angry planet“ vor.