Kurzgeschichten für lange Nächte

Ich bin kein großer Kurzgeschichten-Fan, ich glaube das ist – wie bei Gedichten auch – so ein „aquired taste“ wie Rotwein, Whisky, Blauschimmel-Käse. Kurzgeschichten haben es nicht leicht bei mir, drohen immer mal wieder in die Ecke zu fliegen, wenn ich in die Geschichten nicht reinkomme (wie kürzlich beispielsweise bei George Saunders), daher wiegen die hier aufgelisteten für mich um so mehr, denn die haben mich in der Regel von der ersten Zeile nicht mehr losgelassen.

Eine liebe Freundin hat mir vor kurzem einen Kurzgeschichten Band zugeschickt: Victoria Hislops Sammlung mit Kurgeschichten von Frauen und zu meinem Entzücken fand ich dort meine Lieblingsgeschichte „The Lottery“ wieder, was mich auf den Gedanken brachte, meine Bibliothek zu durchforsten, um meine persönliche Sammlung aus den für mich besten Kurzgeschichten der Welt hier zu präsentieren.

Einige kann man im Internet finden, da habe ich den link ensprechend angehängt und bin jetzt sehr gespannt, ob Euch meine Sammlung gefällt, welche ihr davon kennt und vielleicht auch mögt oder eben auch nicht. Fehlt euch etwas? Freue mich sehr auf Eure Kommentare und etwaigen Ergänzungen. So long äh short 😉

Isaac Asimov – The Martian Way
Margaret Atwood – Torching the Dusties
Margaret Atwood – Death by Landscape
Paul Auster – Augie Wren’s Christmas Story
James Baldwin – The Outing
Karen Blixen – The Monkey
Wolfgang Borchert – Nachts schlafen die Ratten doch
Jorge Luis Borges – Die Bibliothek von Babel
Octavia Butler – The Morning, and the evening and the night
TC Boyle – Dogology
Ray Bradbury – The Veldt
Ray Bradbury – A sound of Thunder
Ray Bradbury – The Million-Year Picnic
Albert Camus – The Artist at Work
Truman Capote – Handcarved Coffins
Truman Capote – Miriam
Raymond Carver – Neighbors
Angela Carter – The Bloody Chamber
Ted Chiang – Story of Your Life
Roald Dahl – Lamb to the Slaughter
Philip K Dick – The Golden Man
Philip K Dick – The Minority Report
Charles Dickens – The Signal-Man
Charles Dickens – A Christmas Carol
Denis Diderot – Gründe meinem alten Nachtrock nachzutrauern
Joan Didion – On Self-Respect
Emma Donoghue – Words for Things
Fjodor Dostojewski – Weihnachtsbaum und Hochzeit
Fjordor Dostojewski – Weiße Nächte
Arthur Conan Doyle – The Adventure of the Blue Carbuncle
Agatha Christie – The Witness for the Prosecution
Jennifer Egan – Safari
Harlan Ellison – I have no mouth and I must scream
Sheridan Le Fanu – Green Tea
William Faulkner – A Rose for Emily
F Scott Fitzgerald – The Curious Case of Benjamin Button
Gillian Flynn – The Grownup
EM Forster – The Machine Stops
Neil Gaiman – Der Fluch der Spindel
Neil Gaiman – Snow, Glass, Apples
Ursula LeGuin – Coming of Age in Karhide
Ursula LeGuin – The ones who walk away from Omelas
Graham Greene – The Third Man
Ernest Hemingway – The Snows of Kilimanjaro
O. Henry – The Robe of Peacej
Patricia Highsmith – The stuff of Madness
Aldous Huxley – Young Archimedes
Washington Irving – The Legend of Sleepy Hollow
Mary Gaitskill – The Other Place
Charlotte Perkins Gilman – The Yellow Wallpaper
Maria Dahvana Headley – See the Unseeable, Know the Unknowable
Judith Hermann – Kaltblau
Siri Hustvedt – Mr. Morning
Henry James – The Turn of the Screw
Shirley Jackson – The Lottery
Franz Kafka – Die Verwandlung
Franz Kafka – In der Strafkolonie
Stephen King – Rita Hayworth and Shawshank Redemption
Stephen King – Children of the Corn
Heinrich Kleist – Die Marquise von O
Lautréamont – Die Gesänge des Maldoror
Stanislaw Lem – Test
HP Lovecraft – Cool Air
HP Lovecraft – The Dunwich Horror
Guy de Maupassant – Der Horla
Herman Melville – Bartleby, the Scrivener
Laurie Moore – How to become a writer
Daphne Du Maurier – Don’t look back
Daphne Du Maurier – The Birds
Haruki Murakami – Kinos Bar
Haruki Murakami – Yesterday
Haruki Murakami – The Elephant Vanishes
Vladimir Nabokov – Terra Incognita
Joyce Carol Oates – Where are you going, where have you been?
Dorothy Parker – Sentiment, A Telephone Call
Sylvia Plath – Johnny Panic and the Bible of Dreams
Edgar Allan Poe – The Tell-Tale Heart
Edgar Allan Poe – The Pit and the Pendulum
Annie Proulx – Brokeback Mountain
Karen Russell – Vampires in the Lemon Grove
Karen Russell – Reeling for the Empire
JD Salinger – For Esme
JD Salinger –  A Perfect Day for a Banana-Fish
Oliver Sacks – Altered States
Jean-Paul Sartre – The Room
Jean-Paul Sartre – The Wall
Arthur Schnitzler – Traumnovelle
Ali Smith – Free Love
Robert Louis Stevenson – The Body Snatcher
Bram Stoker – Dracula’s Guest
Donna Tartt – The Ambush
James Tiptree Jr – And I awoke and found me here on the Cold Hill’s side
Mark Twain – Cannibalism in cars
Jules Verne – Der ewige Adam
Kurt Vonnegut – Harrison Bergeron
HG Wells – Empire of the Ants
Jeanette Winterson – Days like this
Virginia Woolf – A mark on the wall
Richard Yates – Saying Goodbye to Sally
Banana Yoshimoto – Lizard
Stefan Zweig – Die Schachnovelle
Stefan Zweig – Brief einer Unbekannten

Trick or Treat ?

halloween

Dieses Jahr hatte ich Lust, mich Halloween thematisch stärker zu widmen. Mir ist gerade unabhängig von diesem „Feiertag“ gerade nach einer Prise Horror, Grusel, Düsterkeit. Daher gibt es bei momentan nicht nur mehr Vampir- und Horrorfilme als sonst, sondern auch entsprechende Lektüre.

Vampire dürfen zu Halloween nicht fehlen, auch wenn ich dieses Jahr keinen gelesen habe, filmisch habe ich mich von ihnen verführen lassen. Listen sind immer gut (habe ich auch gerade wieder bei Emily the Strange gemerkt, dazu aber später). Hier also eine Liste mit meinen liebsten Vampirfilmen:

  1. Only Lovers left alive von Jim Jarmusch
  2. The Hunger von Tony Scott
  3. Let the Right One in von Tomas Alfredson
  4. A Girl walks home alone at night von Ana Lily Amirpour
  5. Dracula von Francis Ford Coppola
  6. Interview with a Vampire von Neil Jordan
  7. Underworld von Len Wiseman
  8. From Dusk Till Dawn von Robert Rodriguez
  9. The Lost Boys von Joel Schumacher
  10. Gothic von Ken Russell
  11. Blade von Stephen Norrington
  12. Twilight von Catherine Hardwicke (ja ja I know, aber ich mag Kristen Stewart)
  13. Daybreakers von den Spierig Brothers

Neben Bram Stokers „Dracula“ darf bei einem Halloween-Special keinesfalls „Carmilla„, von Joseph Sheridan Le Fanu fehlen, den ich bereits Anfang des Jahres gelesen hatte. Würde ich jedem Vampirfreund ans Herz legen, ist mittlerweile auch als Web-Serie verfilmt worden.

Auch ohne Vampire habe ich es dunkel-schaurig angehen lassen und habe den dunklen Marathon mit der ausgezeichneten Graphic Novel „Black Hole“ von Charles Burns gestartet.

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Black Hole beschäftigt sich mit einer Gruppe Jugendlicher, die sich mit einer Art Virus anstecken, der sexuell übertragbar ist und die sie auf krasse Art mutieren lässt (den einen wachsen Schwänze, ein Mädchen häutet sich wie eine Schlange etc). Es geht um die Frage, wie eine Gesellschaft mit ihren Außenseitern umgeht und wie der Virus die Jugendlichen beeinflusst, die ohnehin überaus gehemmt und unsicher sind, was ihren Pubertätskörper so betrifft.

Ich fand die Frage spannend was passiert, wenn irgendwann keiner mehr makellos und selbstsicher ist.

Eine ziemlich düstere Graphic Novel mit phantastischen wuchtigen Bildern. Unbedingt lesen.

Die schwarz-weiß Zeichnungen erinnerten mich beim Lesen an eine ganz alte Liebe: „Emily the Strange“ von Rob Reger und zack waren alle literarisch-wertvollen Anwandlungen erstmal aus dem Fenster und ich habe mich Stunden am Stück Emily und ihren Abenteuern gewidmet.

In „Die verschwundenen Tage“ taucht Emily in einer Stadt namens Blackrock auf und kann sich an absolut nichts erinnern. Nicht wie sie heißt, wo sie wohnt – gar nix. Sie hat einzig ein Notizbuch und einen Stift und versucht zu rekonstruieren, was ihr wohl passiert sein könnte und warum sie in Blackrock ist.

Das Buch hat mich wirklich überrascht. Einfach, weil ich nicht wirklich großartig was erwartet hatte, außer etwas exzentrischer Unterhaltung, aber das Buch ist ein richtiger Roman mit spannender Story und interessanten Charakteren und Listen. Jede Menge davon. Ich hatte solchen Spaß mit dem Buch, mit den Listen und Emily, ich habe mir in der Bibliothek gleich zwei weitere Bände ausgeliehen, die große Literatur muss also noch ein paar Tage warten, ich muss erst noch ein paar Abenteuer mit Emily bestehen, dann bin ich wieder bereit.

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13 Elements you will find in the first Emily the Strange novel:
1. Mystery
2. A beautiful golem
3. Souped-up slingshots
4. Four black cats
5. Amnesia
6. Calamity Poker
7. Angry ponies
8. A shady truant officer
9. Top-13 lists
10. A sandstorm generator
11. Doppelgängers
12. A secret mission
13. Earwigs

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Bevor ich jetzt aber Vorwürfe bekomme, dass weder „Emily the Strange“ noch „Black Hole“ gruselig genug seien und man für Halloween schon andere Kaliber benötigt, den versuche ich jetzt mit einem Klassiker der amerikanischen Horror- und Gruselliteratur zu besänftigen. Schon seit ein paar Jahren befindet sich die wunderschöne Büchergilden-Ausgabe von Ambrose Bierce „Hinter der Wand“ in meinem Besitz.

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Ambrose Bierce ist neben Edgar Allen Poe der Meister des amerikanischen Gothics und war wohl nicht wirklich ein heiterer Zeitgenosse. Bekannt als „Bitter Bierce“ und Misanthrop erster Güte sind seine düsteren, schrägen Geschichten auch heute noch zeitgemäß. Sie haben einen sehr amerikanischen Touch, der Bürgerkrieg spielt in einigen Geschichten eine Rolle, die Expansion Richtung Westen und ab und an hatte ich Bilder aus dem Film „There will be Blood“ vor den Augen.

Die Büchergilden-Ausgabe ist ein absolutes Schmuckstück. Die Zeichnungen von Klaus Böttger geben dem Buch eine ganz besondere morbide Note. Hier passen Illustrationen und Geschichten perfekt zueinander.

Die Geschichten werden nahezu immer aufgeklärt, man fühlt sich gelegentlich an Sherlock Holmes erinnert, auch wenn diese Erklärungen weitaus weniger von Logik und Deduktion bestimmt sind, als von Horror, Übersinnlichem und Unerklärbarem.

Bierce eigenes Ende könnte einer seiner düsteren Kurzgeschichten entsprungen sein. Mit 70 unternimmt er noch einmal eine Reise nach Mexiko, gerät dort in die Revolution und scheint sich dem Revolutionär Pancho Villa angeschlossen zu haben. Um die Jahreswende 1913/14 verliert sich jede Spur von ihm, in seinem letzten erhaltenen Brief rechnet er mit seiner standrechtlichen Erschießung. Aber genaues weiß man nicht. Man hat nie eine Spur von ihm finden können.

Am besten haben mir die Geschichten „Der Tod Halpin Fraysers“, „Moxons Meister“, „Das Verfluchte Ding“ und „Die mondhelle Straße“ gefallen.

 

Zum Abschluss noch ein wunderschön illustriertes Märchen von Neil Gaiman.

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Ich bin kein großer Märchen-Fan. Der ganze niedliche Prinzessinnen-böse Stiefmütter-treudoofe Königinnen war nie meins, daher hatte ich keine übergroßen Erwartungen  für „Der Fluch der Spindel“, Neil Gaiman als Autor und die wunderschönen Zeichnungen waren allerdings Grund genug, dem ganzen zumindest eine Chance zu geben.

Die Geschichte ist eine Mischung aus Schneewittchen und Dornröschen. Die junge Königin erfährt von ihren drei treuen Gefolgsleuten , den Zwergen, dass das Nachbar-Königreich schon von Jahrzehnten von einer seltsamen Schlafkrankheit heimgesucht wurde, die sich jetzt auch in ihrem Königreich ausbreitet.

Im Gegensatz zu den ganzen Weichei-Königinnen bekannter Märchen nimmt diese junge Königin die Lösung des Problems selbst in die Hand und zieht mit den Zwergen los, um der Seuche Einhalt zu gebieten und ihrem Ursprung auf den Grund zu kommen.

Gaiman mischt hier die ursprünglich deutliche dunkleren Töne alter Märchen mit einigen progressiveren Elementen und bastelt daraus ein wunderbar melancholisch unheimliches  Märchen mit zauberhaften Bildern.

Ein letzter Tipp, weil ich sie euch einfach nicht vorenthalten kann: Shirley Jackson, die sowas wie die Urmutter des finsteren Horror/Gruselromans, was einem irgendwie ulkig vorkommt, wenn man bedenkt, dass sie eine Mittelklasse-Hausfrau aus Vermont war, deren erster Roman 1948 erschien. Besonders bekannt wurde sie mit ihre Kurzgeschichte „The Lottery“, die erstmals in der New York Times erschien und bergeweise Leserpost bescherte, die die Bedeutung der Geschichte zu erfassen versuchten. Sie hat nach wie vor großen Einfluss in diesem Genre, die „Tribute von Panem“-Trilogie zeigt beispielsweise große Parallelen zu der Kurzgeschichte auf.

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Ihr Roman „The Haunting of Hill House“ ist eines meiner Lieblingsbücher, unbedingt lesen, meine Rezension dazu findet ihr hier.

Hoffe ich konnte Euch etwas Lust machen auf die etwas dunkler melancholisch gruseligeren Seiten des Oktobers. Von wem lasst ihr euch gerne gruseln?

Trick or Treat? Happy Halloween allerseits 🙂

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The Hunger Games – Suzanne Collins

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Keine Ahnung, warum ich so lange einen Bogen um diese Trilogie gemacht habe. War es der Hype vor ein paar Jahren oder war es mein Gefühl Shirley Jacksons Kurzgeschichte „The Lottery“ verteidigen zu müssen, bei der für meinen Geschmack doch ganz ordentlich gewildert worden war? Was immer es war, spätestens meine diesjährige Reading Challenge verlangte nach einer Trilogie, „The Hunger Games“ stand schon seit ein paar Jahren im Regal, auch von meiner Herzdame in den höchsten Tönen empfohlen, es sollte also einfach sein. Somit habe ich als vermutlich so ziemlich letzter Mensch auf diesem Planeten die Tribute von Panem gelesen.

Was soll ich sagen? Ich war überrascht. Es hat mir so viel besser gefallen als erwartet, auch wenn ich nach wie vor der Überzeugung bin, Ms Jackson hätte zumindest eine Erwähnung verdient und niemand sollte die Trilogie lesen, ohne der vielleicht besten Kurzgeschichte der Welt davor oder danach Tribut zu zollen.

Das Reich Panem, früher Nord-Amerika, entstand, nachdem die Bevölkerung aufgrund des Klimawandels und den danach folgenden Kriegen erheblich dezimiert wurde. Panem ist aufgeteilt in zwölf Distrikte, die die Aufgabe haben, die reiche und technisch weit fortgeschrittene Hauptstadt mit Lebensmitteln und allen notwendigen Gütern zu versorgen. Vor vielen Jahren gab es einmal 13 Bezirke, im dreizehnten startete irgendwann eine Revolution, die von der Hauptstadt mit aller Macht niedergeschlagen und der Distrikt und seine Einwohner zerstört wurden.

In Erinnerung an dieses Ereignis und um seine Macht zu demonstrieren veranstaltet die Hauptstadt jedes Jahr die „Hunger Games“: Der Todeskampf von 24 gegeneinander antretenden Teenagern (jeweils ein Mädchen und ein Junge aus jedem Distrikt, die per Lotterie ausgelost werden) in einer riesigen Todesarena, die voller sadistischer Fallen und Fernsehkameras steckt. Big Brother goes Dschungelcamp goes Hunger Games. Die ganze Nation sieht der bizarren Todesshow zu, die Kostüm- und Maskenbildner der Todeskandidaten bringen es zu zweifelhaftem Starkult und der Gewinner – und es kann nur einen Überlebenden geben – kehrt ebenfalls als Star reich und berühmt in seinen Heimatdistrikt zurück.

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Foto: giantfreakinrobot

Die sechzehnjährige Katniss Everdeen lebt in Distrikt 12, einem der ärmsten Distrikte. Seit ihr Vater bei einem Minenunglück ums Leben gekommen ist, kümmert sie sich um ihre Mutter und ihre Schwester. Sie geht mit einem Freund illegal zur Jagd und versorgt die Familie so mit Nahrung, ihre Mutter agiert aufgrund ihrer Kräuter- und Heilkenntnisse als Ärztin. Katniss ist tough, die geborene Überlebenskünstlerin und Kämpferin, dabei aber gutherzig und gerecht.

“You don’t forget the face of the person who was your last hope.”

“Destroying things is much easier than making them.”

Bei der Auslosung in Distrikt 12 wird nicht Katniss gewählt, obwohl ihre Chancen hoch waren durch die Anzahl der Lose die sie bereits im Topf hatte, sondern ihre kleine Schwester. Katniss entscheidet, sich für ihre Schwester zu opfern, fest davon überzeugt, dass sie sich damit einem Todesurteil ausliefert, da es seit Jahrzehnten keinen Gewinner mehr aus dem ärmsten Distrikt 12 gegeben hat.

“District 12: Where you can starve to death in safety.”

Ihre Jagderfahrung, ihr guter Menschenverstand und ihre Intelligenz zeigen sich als großer Vorteil im Wettkampf und sie besiegt vieler ihrer reicheren, besser in Kampftechniken und besser ernährten Kontrahenten aus den reicheren Distrikten. Im Laufe des Wettkampfs kommt sie auch dem Jungen aus ihrem Distrikt immer näher ohne sich darüber klarzuwerden, ob sie wirklich in ihn verliebt ist oder ob sie die Liebesgeschichte nur für die Kameras spielt.

„Winning will make you famous. Losing means certain death.

“Kind people have a way of working their way inside me and rooting there.”

“At some point, you have to stop running and turn around and face whoever wants you dead.The hard thing is finding the courage to do it.”

Auch wenn das Konzept nicht wirklich bahnbrechend neu ist und auch die Sprache nicht umwerfend literarisch, für mich kam die Stärke des Buches durch die komplexen Charaktäre, die Collins kreeiert. Sie schafft eine Welt, die erschreckend realistisch ist und eine Heldin, die von der ersten Seite an fasziniert, auch wenn sie oft fürchterlich anstrengend ist. Die Bände zwei und drei beschäftigen sich mit der Revolution, die sich nach Katniss‘ und Peetas Sieg in den Distrikten ausbreitet. Die Folgebände können es an Tempo und Spannung mit dem ersten Band gut aufnehmen.

Wie gerne hätte ich als Jugendliche solch eine Trilogie gelesen, die mir aber auch als Erwachsene viel mehr gegeben hat, als ich es erwartet habe.

Ich habe den ersten Teil der Verfilmung vor Jahren im Kino gesehen, ohne die Bücher zu kennen und stieg nicht wirklich durch. Ich überlege, ob ich mir die Verfilmung jetzt noch einmal anschauen möchte?

Falls jemand zweifelt, ob sich die Trilogie lohnt, klare Empfehlung von mir. Die perfekte Lektüre für stürmische Herbst-Sonntage.

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Foto: coinworld

Meine Woche

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Gesehen: „Django Unchained“ für einen Western war der gut. Tarantino halt. Aber irgendwie war alles ein bisserl altbekannt. Nicht schlecht, muss man aber nicht gesehen haben.

Non-Stop“ Flugzeug-Action-Thriller-Gedöns mit Liam Neeson. Ganz unterhaltsam, aber auch kein unbedingter must-see.

Und dann noch diese Star Trek NGT Folgen „Timescape“ und „Schisms„- ich bin und bleibe ein Trekie 😉

Gehört:  Reese Witherspoon liest das erste Kapitel aus Harper Lee „Go set a Watchmen„, Eagles „Lyin Eyes“ – Eagles hör ich immer bei Gewitter 😉 Hayley Kiyoko „Girls Girls Girls„,

Gelesen: diesen Artikel über Nelly Sachs, diesen Artikel von Joan Didon zu „Self Respect“ und diesen Artikel über Shirley Jackson „The Queen of American Gothic“

Getan: im Meer geschwommen, Nizza besucht, im Garten gelegen und gelesen

Gegessen: Tomatenrisotto mit Petersilie und Pizza Napoli

Getrunken: mein erster Campari – interessant!

Gefreut: über ein wunderbares Überraschungspäckchen das gestern nach der Heimfahrt aus dem Urlaub im Briefkasten war

Geärgert: Stau und nicht funktionierende Autobahngebühr-Automaten und angeblich verursachte Kratzer an Mietwagen – und dann auch noch ein Wespennest auf dem Balkon. Schönen Dank auch. Grrrr.

Gelacht: „Dear Boyfriend. I can make your Girlfriend scream a lot louder than you can. Sincerely, Spiders.

Geplant: Wespen loswerden, erste Arbeitswoche überstehen und dann die Zeit geniessen mit liebem Besuch

Gewünscht: diesen Hoody, diesen Sessel und diese Bettwäsche

Gekauft: ein Tshirt

Gefunden: nix

Geklickt: auf diesen Ted-Talk und diesen Artikel wie wir Entscheidungen treffen

Gewundert: wie schnell 2 Wochen Urlaub rum sind

The Haunting of Hill House – Shirley Jackson

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Shirley Jackson ist sowas wie die Urmutter des finsteren Horror/Gruselromans, was einem irgendwie ulkig vorkommt, wenn man bedenkt, dass sie eine Mittelklasse-Hausfrau aus Vermont war, deren erster Roman 1948 erschien. Besonders bekannt wurde sie mit ihre Kurzgeschichte „The Lottery“, die erstmals in der New York Times erschien und bergeweise Leserpost bescherte, die die Bedeutung der Geschichte zu erfassen versuchten. Sie hat nach wie vor großen Einfluss in diesem Genre, die „Tribute von Panem“-Trilogie zeigt beispielsweise große Parallelen zu der Kurzgeschichte auf.

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„The Haunting of Hill House“, 1959 erschienen, wurde von Stephen King zu Recht als eine der bedeutensten Horrorgeschichten des 20. Jahrhunderts bezeichnet.

Dr. Montague, ein Anthropologe, der sich leidenschaftlich für Übernatürliches interessiert, mietet Hill House für ein paar Wochen an, um vor Ort die Existenz übernatürlicher Phänomene zu untersuchen. Er lädt dazu Gäste ein, die ihn bei diesen Untersuchungen unterstützen sollen. Dies sind Luke, ein bohemehafter Künstler und Erbe des Hauses und zwei Frauen, Theodora, die nach einem Streit mit dem Mitbewohner/in? mit sich ins Reine kommen muß und Eleanor, eine zurückgezogen lebende junge Frau, die ihr Leben mit der Pflege ihrer kürzlich verstorbenen Mutter verbrachte. Die beiden Frauen haben früher bereits paranormale Erfahrungen gemacht und sind aufgrund dessen von Dr. Montague ausgesucht.

“Am I walking toward something I should be running away from?”

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Die vier verstehen sich wunderbar, aber schnell beginnen Ängste erste Risse entstehen zu lassen. Die Geschichte wird aus der Sicht Eleanors geschildert und dem Leser fallen ihre kleinen subtilen Lügen auf, die sie den anderen über sich erzählt. Ist das Haus tatsächlich böse und spukt es darin? Verändert das Haus die Gruppendynamik und beginnt die Persönlichkeiten der Bewohner zu verändern?

Es gibt da einiges an unterschwelligen Äußerungen, die man meines Erachtens nicht zweifelsfrei interpretieren kann. Gibt es da „romantische Schwingungen“ zwischen Theodora und Eleanor oder ist mein Gaydar ein bißchen zu sensibel eingestellt? Und ist dieser „flatmate“, mit dem Theodora sich gestritten hat, ein Mann oder eine Frau? Ist Luke an beiden Frauen gleichermassen interessiert oder an gar keiner?

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Ich bin gespannt, ob die Verfilmung da näheren Aufschluss gibt, ansonsten empfehle ich dieses Buch unbedingt für Buchclubs, man kann wunderbar darüber diskutieren.

“Within, walls continued upright, bricks met neatly, floors were firm, and doors were sensibly shut; silence lay steadily against the wood and stone of Hill House, and whatever walked there, walked alone.”

„The Haunting of Hill House“ ist ein erstklassiger Horror-Roman. Natürlich sind wir heute abgehärteter und bei „Ring“ von Koji Suzuki oder „The House of Leaves“ von Mark Z. Danielewski habe ich mich schon nochmal mehr gefürchtet, aber Jackson schreibt einfach richtig gut, die Charaktere sind vielschichtig , die Dialoge erstklassig. Der eigentliche Horror im Buch ist nicht so sehr im Haus zu finden oder in dem was im Haus passiert, sondern was in den dunklen unerforschten Schlupfwinkeln des Geistes passiert. In den Hirnwindungen der Hausbewohner und der Leser.

Gibt es im Deutschen eigentlich den wunderbar passenden Ausdruck des „unreliable Narrators“ des unzuverlässigen Erzählers? Traut der Erzählerin auf keinen Fall, denn sie kann nicht einmal sich selbst trauen. Dieses plötzliche Schaudern das einen manchmal ohne Grund überkommt, von dem meine Oma immer sagte, es komme daher, dass gerade ein Verstorbener an einen denkt oder durch den Raum geht, sowas verursacht der Roman. And I like it 😉

„The Haunting of Hill House“ ist für mich die ultimative Spukhaus-Geschichte (die ich ohnehin sehr liebe). Also besorgt Euch diesen Roman, packt euch an einem dunkelen stürmisch-verregneten Abend aufs Sofa, zündet ein paar Kerzen an, den guten Rotwein rausholen und dann rein ins schauderhaft-schöne Lesevergnügen. Und immer schön aufpassen, denn wir wissen, der Erzählerin kann man nicht trauen.

Ich weiß noch nicht welche der beiden Verfilmungen ich mir anschauen möchte, hat jemand eine Empfehlung? Oder gleich beide?

Die Verfilmung aus dem Jahr 1963 von Robert Wise

oder die aus dem Jahr 1999 mit Catherine Zeeta-Jones ?