Levels of Life – Julian Barnes

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Vor einigen Jahren hatte ich mich an „Flauberts Parrot“ und „The story of the World in 10 ½ chapters“ versucht, aber es war wohl der falsche Zeitpunkt, ich wurde einfach nicht warm mit den Büchern und habe Mr Barnes daher eine ganze Weile lang eher links liegen lassen. Bis wir im Bookclub vor einer Weile „The Sense of an Ending“ lasen, für mich eines der besten Bücher 2011. „Levels of Life“ ist ein ähnlich schmaler Band und so dünn das Buch auch ist, so schwer habe ich mich doch mit der Rezension getan.

Der Roman ist in drei Teile geteilt und liest sich wie drei verschiedene Bücher in einem dünnen kombiniert. Es geht um die verschiedenen Level an Emotionen und die unterschiedlichen physikalischen Formen von Höhe. Metaphern an allen Ecken und Enden und Barnes schafft ein paar wunderschöne.

Julian Barnes‘ Frau, die Literaturagentin Pat Kavanagh, starb 2008 nur wenige Wochen nach einer Gehirntumor-Diagnose. Barnes verweigerte jegliche Interviews, stürzte sich in die Arbeit, brachte Romane heraus und erst im dritten Teil des Romans lässt er den Leser wissen, wie es ihm ergangen ist in den 5 Jahren  seit dem Tod seiner Frau. Er tut das in schonungsloser Offenheit, beschönigt nichts, lässt uns teilhaben an seinen berührenden Gedanken, seinen Fragen, seiner Trauer, seiner stillen Wut, ohne jemals ins Sentimentale abzurutschen. Es zeigt noch einmal deutlich, wie sehr wir heute darauf getrimmt sind, nach kurzer Zeit wieder zu funktionieren. Dem Trauernden wird keine Zeit mehr gegeben, innerhalb kürzester Zeit soll er wieder funktionieren.

Wie bei einer Erkältung sind wir von dem „kommt drei Tage, bleibt drei Tage geht drei Tage“ und einer Behandlung aus Schlaf, Tee trinken und vielleicht noch ein paar Wickeln weit entfernt. Heute schlucken wir Medikamente die verhindern sollen, dass wir im Alltag nicht einfach weiterfunktionieren und unsere Trauer ähnelt dem sehr. Wir schlucken Pillen, um nichts mehr zu spüren und nach ein paar Tagen, wenn die Trauer keine News und kein Event mehr ist, erwarten wir, dass der Trauernde nun aber bitte wieder funktioniert. Ich finde es bewundernswert von Barnes, sich die Zeit zu nehmen, die es braucht.

“Every love story is a potential grief story.”

“What happiness is there in just the memory of happiness?”

“Early in life, the world divides crudely into those who have had sex and those who haven’t. Later, into those who have known love, and those who haven’t. Later still – at least, if we are lucky (or, on the other hand, unlucky) – it divides into those who have endured grief, and those who haven’t. These divisions are absolute; they are tropics we cross.”

Die ersten Teile des Buches „Sin of Height“ und „On the Level“  – ein historisches Essay über das Ballonfahren und eine Metapher für die Höhen und Tiefen im Leben und die Liebe zwischen Himmel und Erde, sind ein eher unkonventioneller Einstieg in das Buch und ich könnte mir fast vorstellen, dass es einige Leute gibt, die es gar nicht bis zum überragenden dritten Teil schaffen, was sehr schade wäre. Die elegante Sprache und die Atmosphäre haben mich weiterlesen und auch die ersten Teile durchaus geniessen lassen, aber ich glaube mir hätte nicht wirklich etwas gefehlt, wenn „Levels of Life“ nur aus dem dritten Teil bestanden hätte. Ich denke er braucht die ersten Teile als Reflexionsraum, sie sind Vorbereitung für den schwierigen dritten Teil.

“You put together two things that have not been put together before. And the world is changed…”

“There is a German word, Sehnsucht, which has no English equivalent; it means ‚the longing for something‘. It has Romantic and mystical connotations; C.S. Lewis defined it as the ‚inconsolable longing‘ in the human heart for ‚we know not what‘. It seems rather German to be able to specify the unspecifiable. The longing for something – or, in our case, for someone.”

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Vor einer Weile habe ich Joan Didion’s „Blue Nights“ gelesen, die den Verlust ihrer Tochter ebenfalls in einem Buch verarbeitet hat – stilistisch ganz anders als Julian Barnes, aber genauso  eloquent und berührend. Jeder von uns wird irgendwann einmal im Leben Verluste verarbeiten müssen, „Levels of Life“ und auch „Blue Nights“ sind Bücher, die einem dabei helfen können.

Meine Woche

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Gesehen: Garden State das Regie-Debüt von Scrubs-Darsteller Zach Braff und Nymphomaniac I. von Lars von Trier. Beide Filme fand ich interessant, aber nicht grandios, aber tolle Musik in beiden Filmen.

Gehört: Rammstein – Führe mich, Blur – Go out, Thievery Corporation – Lebanese Blonde

Gelesen: dieses Interview mit Christiane Nüsslein in der ZEIT und „The Best of Haruki Murakami’s Advice Column

Getan: Freundschaften gepflegt, das Yak und Yeti besucht, mich viel mit Leadership und Strategie beschäftigt

Gegessen: sehr leckere Bärlauch-Spaghetti und ein tibetisches Thali-Gericht

Getrunken: die erste Biergarten-Mass dieses Jahr

Gefreut:  über einen spontanen Kurz-Besuch

Geärgert: puh hab ich mich gar nicht geärgert diese Woche (ein Flugzeugabsturz fällt einfach nicht in diese Kategorie – das ist eine Tragödie und mehr schreibe ich dazu nicht)

Gelacht: über verspocktes Geld

Geplant: ein tolles Oster-Dinner und die zwei Orphan-Black-Staffeln nochmal gucken bevor es im April weitergeht

Gewünscht: dieses Shirt und diese Lampe

Gekauft: Kajal und Wimperntusche – jaaa wer mich kennt, weiß das ist eine Sensation 😉

Gefunden: Axolotl Roadkill als Hörbuch in einer Verschenk-Kiste

Geklickt: auf diese Dokumentaton mit J. D. Salinger und auf diesen TED Talk

Gewundert: wie glücklich Sonne macht

9 Stories – J. D. Salinger

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Für viele Leute ist Salinger’s “Catcher in the Rye” der absolute Höhepunkt seines Werkes, für mich war es bislang „Franny und Zooey“ und auch die wundervollen oft wehmütigen „9 Stories“ sind einfach grandios. Nicht falsch verstehen, der „Catcher in the Rye“ ist klasse, aber für mich sind diese Stories einfach so etwas wie Gebrauchsanleitungen zum Schreiben perfekter Kurzgeschichten und Dialoge.

Den „Catcher in the Rye“ habe ich vor vielen Jahren in London von einem guten Freund bekommen, der damals bei der Renovierung der Amerikanischen Uni tütenweise Bücher für mich gerettet hat. Eine Weile habe ich damals überwiegend von Krimi-Junkfood gelebt, das ohne groß nachzudenken konsumiert werden konnte und diese Tüten voller literarischer Schätze von Tennessee Williams, Virginia Woolf, F. Scott Fitzgerald, George Orwell, Daphne du Maurier, Graham Greene, über James Joyce bis u.a eben zu J. D. Salinger haben mir Lust auf die literarische Haute Cuisine gemacht, Literatur Junk Food gibts jetzt nur noch hin und wieder. (Wobei James Joyce für mich nach wie vor der Rosenkohl unter den Autoren geblieben ist – wir nähern uns nur millimeterweise einander an, aber vielleicht wird es ja noch).

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Aber zurück zu den „9 Stories“: Bei Salinger sind die Menschen meist entweder Helden oder Heuchler. So liebevoll und sensibel er seine Helden zeichnet – häufig reine und unschuldige, authentische Kinder – so gnadenlos geht er teilweise mit den Phonies, den Heuchlern ins Gericht. Fast schon böse zeichnet er die Portraits der Heuchler, die sich mit Banalitäten wie ihren Jobs, ihrem sozialen Status und ihrer billigen Durchschnittlichkeit beschäftigen und nicht erkennen wie armselig dieses materialistische Hinterherhecheln ist. Er beschreibt die traumatisierten Einzelgänger, die diese Heuchelei nicht mehr ertragen und nicht wissen wie und ob sie weitermachen können.

“Poets are always taking the weather so personally. They’re always sticking their emotions in things that have no emotions.”

„The fact is always obvious much too late, but the most singular difference between happiness and joy is that happiness is a solid and joy a liquid.”

“I mean they don’t seem able to love us just the way we are. They don’t seem able to love us unless they can keep changing us a little bit. They love their reasons for loving us almost as much as they love us, and most of the time more.”

Von außen wirken seine Geschichten oft lustig, auch wenn sie häufig tief drinnen unsentimental und ehrlich von Enttäuschungen und Herzschmerz handeln. Er verurteilt nicht, er beobachtet und seine Beschreibungen haben oft eine unglaubliche Eleganz. Ich kenne keinen Autor der so dermassen elegant beschreibt, wie jemand eine Zigarette hält, graziös einen Cocktail trinkt aber auch scharfzüngig sein Gegenüber aus dem Takt bringt.

„Perfect Day for Bananafish,“ „For Esme – With Love and Squalor,“ und „The Laughing Man“ sind glaube ich meine Lieblingsgeschichten dieses Bandes, obwohl sie mir fast alle so gut gefallen haben, dass es schwierig ist, eine Auswahl zu treffen.

“You asked me how to get out of the finite dimensions when I feel like it. I certainly don’t use logic when I do it. Logic’s the first thing you have to get rid of.”

“She was a girl who for a ringing phone dropped exactly nothing. She looked as if her phone had been ringing continually ever since she had reached puberty.”

Salinger ist ein Autor, der mir mit jedem Buch das ich lese besser gefällt und dessen Kurzgeschichten für mich mit zu den besten dieses Genre gehören. Lest mehr Salinger kann ich nur sagen, ich wette er steckt voller Vitamine 😉

“You know that apple Adam ate in the Garden of Eden, referred to in the Bible?‘ he asked. ‚You know what was in that apple? Logic. Logic and intellectual stuff. That was all that was in it. So—this is my point—what you have to do is vomit it up if you want to see things as they really are….‘

„The trouble is,‘ Teddy said, ‚most people don’t want to see things the way they are. They don’t even want to stop getting born and dying all the time, instead of stopping and staying with God, where it’s really nice.‘ He reflected. ‚I never saw such a bunch of apple-eaters,‘ he said. He shook his head.”

Archive @Muffathalle München

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Foto: Pressfoto Archive

Archive ist eine Band die ich mag seit mir das 1996 erschienene Album „Londinium“ in die Hände fiel und zack war ich dem Trip-Hop verfallen und von da an habe ich eine Weile fast ausschließlich Portishead, Massive Attack, Tricky etc gehört und höre das auch heute noch wahnsinnig gerne.

Archive hat sich zwar auch etwas von ihren ursprünglichen Trip-Hop Wurzeln entfernt, aber sie sind stets auf spannenden elektronischen Wegen unterwegs gewesen.

Die Muffathalle in München ist ein Venue das ich gerne mag, die Akkustik ist ok, man kann meistens ganz gut sehen und gut zu erreichen ist es auch. Archive trat ohne Vorband auf, stattdessen lief der Kurzfilm zum Axiom Album, der mir total gut gefallen hat. Wer düstere Trip-Hop-Dystopien mag in der Menschen durch Glockenklänge kontrolliert und das herrschende System von Distorted Angels (eine Gruppe Taubstummer) bekämpft wird, der ist auf einem Archive Konzert richtig.

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Das Konzert war ein hochkomplexes intensives Klangerlebnis. Da hämmern in einem Moment Gitarrenwände auf einen los um glich beim nächsten Song radikal das Tempo zu drosseln. Tolle Gesangspassagen die für Gänsehaut sorgen und die facettenreich zwischen den langsamen atmospherischen Songs und den schnellen rhythmischen Songs variieren.

Auch wenn ich den Gassenhauer „Fuck you“ schon gerne einmal live gehört hätte, hatte ich einen ganz tollen Abend und kann jedem empfehlen sich Archive mal live anzusehen, auch nicht als Riesen-Fan. Eine großartige Band – ein ganz toller Abend. Archive werde ich nicht zum letzten Mal live gehört haben denke ich.

The Paying Guests – Sarah Waters

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Wenn Sarah Waters einen neuen Roman veröffentlicht, muss ich den nicht einfach nur haben, wenn ich zu lesen beginne, bin ich im Regelfall vom Erdboden verschwunden. Telefon auf silent, die Türklingel wird abgestellt und ich sorge für ausreichend Snacks und Getränke, damit nichts aber auch gar nichts zwischen mich und meinen neuen Sarah Waters Roman gerät, sobald ich das Buch geöffnet habe. So läuft das, ok ? Um so erfreuter war ich, als klar war, dass „The Paying Guests“ unser März-Bookclub Buch wird. Wir ahnen aber, dies wird vermutlich nicht meine objektivste Rezension werden, die ich je geschrieben habe. Stört mich das? Hell no.

Aber auch wenn ich nicht die objektivste bin, wenn es um Ms Waters Romane geht, ich habe ganz klar eine Messlatte, die bislang noch nicht wieder von ihr gerissen werden konnte. „Fingersmith“ ist und bleibt eines meiner absoluten Lieblinge und für mich hat „The Paying Guests“ die Latte nicht gerissen, aber es hat ordentlich gewackelt.

Wir schreiben das Jahr 1922 und befinden uns in einem eher unspannenden Londoner Vorort. Frances, Ende Zwanzig lebt mir ihrer verwitweten Mutter in einem jetzt viel zu großen Haus. Ihr Wohlstand bröselt nach Fehlinvestitionen des verstorbenen Vaters, ihre beiden Brüder sind im ersten Weltkrieg gefallen und neben dem Wohlstand und ihrem Haus bröseln auch die gesellschaftlichen Klassen mehr und mehr auseinander.

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Frances Leben dreht sich nur noch darum, sich um ihre unselbständige Mutter zu kümmern, den Haushalt zu führen, den Schein zu wahren und einzig ihre wöchentlichen Ausflüge in die Stadt und der Kinobesuch bringen etwas Abwechslung in die nicht enden wollenden Haushaltspflichten und permanenten Geldsorgen.  Die Möglichkeiten, die sich Frauen während des Krieges boten, während die Jungs an der Front waren, sind verschwunden und Frances trauert diesen beruflichen und sozialen Perspektiven, die der Krieg bot, nach und ist frustriert darüber, wieder auf Haushaltsführung und Heimchen am Herd reduziert zu werden.

Um die ständige Geldnot etwas zu lindern, lassen sie sich auf eine weitere Ehrenkränkung ein – sie nehmen Untermieter auf, die etwas vornehmer von den Nachbarn als „paying guests“ bezeichnet werden.

Mit dem Einzug dieses Arbeiterpärchens kommt Leben in die Bude. Lilian und Leonard Barber sind jung, modern und frei von den affektierten Manieren und Zwängen, an die Frances gewohnt ist. Frances selbst hatte zwar im Krieg ihren Flirt mit unangebrachtem Verhalten, der sie nicht nur im Knast, sondern auch in den Armen einer Frau landen ließ, doch das ist nun Vergangenheit und Frances versucht verzweifelt, ihrer neuen Rolle gerecht zu werden.

Die Unannehmlichkeiten, die das Teilen eines Hauses mit sich bringen – der Weg durch die Küche zur Toilette im Hof, das Naseputzen und die knarzenden Türen oder auch die zufälligen Begegnungen im Morgenmantel auf der Treppe – Sarah Waters fängt diese kleinen, qualvollen Momente wunderbar ein und der Leser empfindet die Enge dieses Lebens genauso unsäglich wie Frances selbst. Aber so wie wir beim Lesen durch müssen, so muss auch Frances es aushalten, um die niemals enden wollenden Gas-, Lebensmittel- und andere Rechnungen zu bezahlen. Als Leser ist man einfach komplett in dieses Leben der 20er Jahre hineintransportiert. Man glaubt, den Rauch ihrer selbstgedrehten Zigarette zu riechen, die Frances sich nachts im Bett gönnt, oder den feuchten Garten in der Nacht, oder aber auch die immer elektrisierender werdenden Berührungen zwischen Frances und Lilian.

“I barely knew I had skin before I met you.”

“Some things are so frightful that a bit of madness is the only sane response. You know that, don’t you?”

Frances hat einen hohen Preis zahlen müssen für ihre vorherige Liebe zu einer Frau und einen noch höheren für ihren späteren Verzicht auf diese Liebe, um sich ihrer Verpflichtung ihrer Mutter und ihrem Heim zu beugen. Sich einzugestehen, sich entgegen aller Vernunft und Voraussicht noch einmal verliebt zu haben, fällt Frances unglaublich schwer, aus Angst, ihr Leben und ihren Ruf endgültig zu ruinieren.

„The Paying Guests“ ist aber nicht einfach nur eine Liebesgeschichte. Etwa in der Mitte des Buches ändert sich das Tempo und wir stecken in einem Kriminalfall, die letzten Kapitel sind dann eher ein Gerichtsdrama – eigentlich aber ist Waters Roman hauptsächlich eine Erkundung von Frances Innenleben und ein Einblick in die Situation der Frau kurz nach dem ersten Weltkrieg.

Wie stark auch nach dem Krieg noch das Klassendenken in den Köpfen vorherrschte, zeigt sich auch in der Reaktion von Frances‘ Exfreundin, die schockiert ist, dass sich Frances ausgerechnet in eine Frau aus der Arbeiterklasse verliebt hat. In Bloomsbury Kreisen war Homosexualität kein größeres Problem, in den Vororten ist das schon schwieriger zu leben, aber fast unmöglich wird es, wenn sich die Klassen vermischen.
“I’m sorry you aren’t as brave as you thought you were. But don’t punish me because of it.”

“She said, ‚It’s real, isn’t it?‘ Lilian answered after a pause, with a bowed head, in a murmur. ‚Yes, it’s real. It’s the only real thing.”

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Ich habe absichtlich nicht viel zum Plot geschrieben, da ich Spoiler vermeiden möchte. „The Paying Guests“ ist ein wundervoller Roman, man fiebert mit Frances und Lily, ist nicht immer einverstanden mit ihren Entscheidungen und bleibt bis zum Schluß atemlos gespannt, wie es wohl ausgeht. Nicht ganz so plot-twisting wie Fingersmith, aber auf jeden Fall ein Roman den ich sehr empfehlen kann.

Es sind ja schon einige ihrer Romane von der BBC verfilmt worden und ich würde mich sehr freuen, wenn dieser hier auch verfilmt wird. Sarah Waters hat im Übrigen in einem Interview gesagt, dass die Inspiration zu dem Haus und insbesondere den Szenen im Treppenhaus von ihrer eigenen Wohnung in einem viktorianischen Gebäude in Kennington stammt.

Meine Woche

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Gesehen: The Blue Dahlia – Raymond Chandler Verfilmung aus dem Jahr 1946 – ich liebe diese Film Noir Reihe.
Bad Lieutnant von Werner Herzog mit Nicolas Cage. Neu-Verfilmung und eine irre Performance von Cage. Unbedingt ansehen!

Gehört: die Filmmusik aus Bad Lieutnant besonders diesen Track, Archive um mich für das Konzert heute abend in Stimmung zu bringen „Again“ zB und  „End of our Days“ und die Neuentdeckung der Woche für mich „Pucker“ von Hard Ground – so schön !

Gelesen: diesen Artikel über fehlende Bücher über Freundschaft und diesen Artikel über Schriftsteller und wie sie Writing Block überwinden (haben Bäcker auch mal Baking Block oder kann ich als HR Mensch mal People Block haben? Sollte nicht jeder mal ein Anrecht auf Blockage haben 😉 )

Getan: unser Team Event in Berlin überlebt und  die Schnitzeljagd dort sogar als schnellstes Team geschafft, eine sehr liebe Freundin nach langem wieder getroffen, die Stefan Zweig Ausstellung besucht und den Bookclub zu Besuch gehabt

Gegessen: ein Bookclub Picknick passend zu Sarah Water’s „The Paying Guests“ und ein super leckeres vegetarisches Gulasch

Getrunken: äh ja, ich sage nur Teamevent – kein weiterer Kommentar 😉

Gefreut:  über die viele Streetart in Berlin, endlich die Erkältung so gut wie los zu sein, über unseren Saugroboter „Spock“ und meine neue Brille

Geärgert: das ich vergessen habe meine Indie-Book-Käufe gestern zum Indie-Booktag hochzuladen, dann halt heute

Gelacht: über Spiderman beim Frühstück und die Blicke seiner Sitznachbarin im Flugzeug 😉

Geplant: einen Zeitmanagementkurs zu geben

Gewünscht: diesen Plattenspieler und diese Bank

Gekauft: Konzertkarten für Björk in Berlin im August

Gefunden: nix

Geklickt: auf diese Q&A session mit Alice Walker und auf diesen Roadtrip durch Amerika mit Karl-Ove Knausgard – Achtung macht itchy feet 😉

Gewundert: wie schnell man jegliche Fitness verlieren kann

Meistererzählungen – Stefan Zweig

IMG_1104 Pünktlich zur Erröffnung der fabelhaften Zweig Ausstellung im Literaturhaus in München, wollte ich endlich die „Meistererzählungen“ von Stefan Zweig in Angriff nehmen, die schon seit ein paar Jahren in meinem Bücherregal stehen, ich aber aus irgendeinem Grund bislang noch nicht gelesen habe. Auch in der Schule bin ich ihm leider nicht begegnet und um es gleich vorweg zu nehmen, da ist mir in wirklich eine Menge durch die Lappen gegangen. Ich habe mich sofort in Stefan Zweigs Sprache verliebt. Die Geschichten haben mich wirklich vollkommen aus den Schuhen gehauen. Jetzt möchte ich alles von ihm lesen und erfreulicherweise habe ich zumindest seinen einzigen zu Lebzeiten veröffentlichten Roman „Ungeduld des Herzens“ noch hier stehen, bevor ich wieder die Buchhändler beglücke. FullSizeRender2 Die Schachnovelle hat mich am tiefsten beeindruckt. Zweig’s finales Werk –  beendet im Brasilianischen Exil, nur Tage vor seinem Selbstmord an seinen Verleger verschickt ist ein beklemmendes beeindruckendes Werk. Es ist die einzige Geschichte in der sich Zweig mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzt. FullSizeRender4 Die Geschichte handelt von einem Reisenden auf einem Schiff das auf dem Weg ist von New York nach Buenos Aires. An Bord befindet sich auch der amtierende Schachweltmeister ein dumpfer, unfreundlicher arroganter Typ. Unser Reisender lässt sich zusammen mit einem anderen Passagier auf eine Schachpartie mit dem Weltmeister ein, die dieser sich recht teuer zahlen lässt. Natürlich werden sie umgehend und unprätentiös besiegt, entschliessen sich aber, sich auf eine weitere Partie einzulassen. Es sieht wieder nicht gut für sie aus als ein mysteriöser Passagier ihnen Ratschläge gibt die dazu führen, dass sie den Weltmeister tatsächlich besiegen können. IMG_1102 Wie der unbekannte geheimnisvolle Fremde zu seinem unglaublichen Schachwissen gekommen ist, ist das Herzstück der Schachnovelle. Ob das Schachspiel den Machtkampf zwischen Hitler und dem Rest der Welt darstellen soll, ich weiß es nicht genau. Zweig hat den ungewissen Ausgang des Schachspiels auf jeden Fall nicht ausgehalten. Er hat sich der Verzweiflung hingegeben, sich in seiner „Zelle“ Brasilien aufgegeben. Hätte er doch nur durchgehalten. Ein paar Jahre später war Hitler schachmatt. FullSizeRender5 FullSizeRender3 Besonders beeindruckt hat mich neben der Schachnovelle auch der „Amokläufer“. Wieder eine Geschichte die auf einem Ozeandampfer spielt, wieder ein Mensch der unbedingt eine Beichte ablegen möchte. Überhaupt spielen Geständnisse in Zweig’s als psychologische Studienangelegte Geschichten eine große Rolle. Auch in „Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau“ und „Brief einer Unbekannten“ zum Beispiel – immer die große Lebensbeichte und diese immer wieder in einer Sprache die einen fast dazu bringt, nie wieder etwas schreiben zu wollen, denn nichts wird jemals so gelungen klingen wie ein Satz von Zweig. Mich beschäftigt insbesondere die Frage warum ein weltberühmter, reicher Mann wie Stefan Zweig in den USA kein Visum bekommen konnte. Er war einer der ersten die 1933 ins Exil gingen, zunächst nach London wo er sich eine Wohnung gekauft hatte. Als sechs Jahre später Krieg erklärt wird zwischen Deutschland und England, flüchtet er weiter nach New York. Er wäre gerne dort geblieben, konnte allerdings kein Visum bekommen. Seltsam wenn man bedenkt, dass er zu dieser Zeit der wohl berühmteste und am meisten übersetzte deutschsprachige Autor war. FullSizeRender6 Glücklicherweise konnte er ein Visum für Brasilien bekommen und er hat sich dort auch sehr wohl gefühlt. Ihm war wichtig, dass sein Selbstmord nichts damit zu tun hat, dass er sich in Brasilien nicht wohl gefühlt hat. Ich glaube er war einfach müde, depressiv, hat seine Sprache und seine Heimat vermisst und nur wenige Tage vor seinem Selbstmord war ein brasilianisches Schiff von den Deutschen torpediert worden, vielleicht hatte er das Gefühl einfach nie mehr in Sicherheit zu sein, Angst die Nazis könnten auch nach Brasilien kommen. Ich bin auf jeden Fall froh, Stefan Zweig für mich entdeckt zu haben und kann nur jedem die Ausstellung des Münchner Literaturhauses ans Herz legen und lest Stefan Zweig! IMG_1105

WIR BRAUCHEN EINEN ANDEREN MUT !