9 Stories – J. D. Salinger

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Für viele Leute ist Salinger’s “Catcher in the Rye” der absolute Höhepunkt seines Werkes, für mich war es bislang „Franny und Zooey“ und auch die wundervollen oft wehmütigen „9 Stories“ sind einfach grandios. Nicht falsch verstehen, der „Catcher in the Rye“ ist klasse, aber für mich sind diese Stories einfach so etwas wie Gebrauchsanleitungen zum Schreiben perfekter Kurzgeschichten und Dialoge.

Den „Catcher in the Rye“ habe ich vor vielen Jahren in London von einem guten Freund bekommen, der damals bei der Renovierung der Amerikanischen Uni tütenweise Bücher für mich gerettet hat. Eine Weile habe ich damals überwiegend von Krimi-Junkfood gelebt, das ohne groß nachzudenken konsumiert werden konnte und diese Tüten voller literarischer Schätze von Tennessee Williams, Virginia Woolf, F. Scott Fitzgerald, George Orwell, Daphne du Maurier, Graham Greene, über James Joyce bis u.a eben zu J. D. Salinger haben mir Lust auf die literarische Haute Cuisine gemacht, Literatur Junk Food gibts jetzt nur noch hin und wieder. (Wobei James Joyce für mich nach wie vor der Rosenkohl unter den Autoren geblieben ist – wir nähern uns nur millimeterweise einander an, aber vielleicht wird es ja noch).

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Aber zurück zu den „9 Stories“: Bei Salinger sind die Menschen meist entweder Helden oder Heuchler. So liebevoll und sensibel er seine Helden zeichnet – häufig reine und unschuldige, authentische Kinder – so gnadenlos geht er teilweise mit den Phonies, den Heuchlern ins Gericht. Fast schon böse zeichnet er die Portraits der Heuchler, die sich mit Banalitäten wie ihren Jobs, ihrem sozialen Status und ihrer billigen Durchschnittlichkeit beschäftigen und nicht erkennen wie armselig dieses materialistische Hinterherhecheln ist. Er beschreibt die traumatisierten Einzelgänger, die diese Heuchelei nicht mehr ertragen und nicht wissen wie und ob sie weitermachen können.

“Poets are always taking the weather so personally. They’re always sticking their emotions in things that have no emotions.”

„The fact is always obvious much too late, but the most singular difference between happiness and joy is that happiness is a solid and joy a liquid.”

“I mean they don’t seem able to love us just the way we are. They don’t seem able to love us unless they can keep changing us a little bit. They love their reasons for loving us almost as much as they love us, and most of the time more.”

Von außen wirken seine Geschichten oft lustig, auch wenn sie häufig tief drinnen unsentimental und ehrlich von Enttäuschungen und Herzschmerz handeln. Er verurteilt nicht, er beobachtet und seine Beschreibungen haben oft eine unglaubliche Eleganz. Ich kenne keinen Autor der so dermassen elegant beschreibt, wie jemand eine Zigarette hält, graziös einen Cocktail trinkt aber auch scharfzüngig sein Gegenüber aus dem Takt bringt.

„Perfect Day for Bananafish,“ „For Esme – With Love and Squalor,“ und „The Laughing Man“ sind glaube ich meine Lieblingsgeschichten dieses Bandes, obwohl sie mir fast alle so gut gefallen haben, dass es schwierig ist, eine Auswahl zu treffen.

“You asked me how to get out of the finite dimensions when I feel like it. I certainly don’t use logic when I do it. Logic’s the first thing you have to get rid of.”

“She was a girl who for a ringing phone dropped exactly nothing. She looked as if her phone had been ringing continually ever since she had reached puberty.”

Salinger ist ein Autor, der mir mit jedem Buch das ich lese besser gefällt und dessen Kurzgeschichten für mich mit zu den besten dieses Genre gehören. Lest mehr Salinger kann ich nur sagen, ich wette er steckt voller Vitamine 😉

“You know that apple Adam ate in the Garden of Eden, referred to in the Bible?‘ he asked. ‚You know what was in that apple? Logic. Logic and intellectual stuff. That was all that was in it. So—this is my point—what you have to do is vomit it up if you want to see things as they really are….‘

„The trouble is,‘ Teddy said, ‚most people don’t want to see things the way they are. They don’t even want to stop getting born and dying all the time, instead of stopping and staying with God, where it’s really nice.‘ He reflected. ‚I never saw such a bunch of apple-eaters,‘ he said. He shook his head.”

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Ein Kommentar zu “9 Stories – J. D. Salinger

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