Ein Tropfen Zeit – Daphne du Maurier

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Daphne du Maurier, der Meisterin des dunklen Suspense und tiefer seelischer Abgründe, wird in dieser Ausgabe mit Illustrationen von Kristina Andres ein wundervolles Denkmal gesetzt. Hitchcocks „Die Vögel“, „Rebecca“ sowie Nicolas Roegs „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ gehen auf ihre Erzählungen zurück und auch „Ein Tropfen Zeit“ hätte durchaus Verfilmungs-Potential.

„Ein Tropfen Zeit“ erschien bereits 1969 und wurde jetzt von der Büchergilde Gutenberg neu aufgelegt. Der Protagonist Dick Young (von du Maurier als sehr unsympathischer Zeitgenosse angelegt – ein echter Dick, sorry for the pun) läßt sich von seinem alten Studienfreund Magnus, in dessen Cornwaller Strandhaus er seine Ferien verbringt, dazu überreden eine Zeitdroge zu testen, die dieser entwickelt hat.

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Natürlich hat diese Droge auch so ihre Nebenwirkungen. Er landet immer wieder im 14. Jahrhundert, stets in naher Umgebung des Strandhauses, in dem er für einige Zeit lebt. Er beobachtet die Geschehnisse, Intrigen, Geheimnisse um Isolda Carminowe, ihren heimlichen Liebhaber Otto Bodrugan, dessen böse Schwester Joanna und den Verwalter Roger Kylmerth. Allerdings kann er weder den genauen Zeitpunkt bestimmen, an den er transportiert wird, noch kann er die Geschehnisse in irgendeiner Weise beeinflussen. Berührungen, auch zufällige mit den Personen im 14. Jahrundert, haben heftige Nachwirkungen. Er wird sofort in seine Zeit zurückgeschleudert und Übelkeit, Desorientierung und zeitweilige Paralyse sind die unangenehmen Folgen.

Während er auf der Droge ist, bewegt er sich benommen durch die Gegend und ist für die äußeren Bedingungen des 20. Jahrhunderts nicht mehr zugänglich, was durch Züge, Autos etc. durchaus gefährlich werden kann. Zudem macht die Droge natürlich auch noch süchtig und Dick wird der Gegenwart und auch seiner Familie gegenüber immer gleichgültiger. Der nächste Zeitreisetrip ist alles, was ihn noch interessiert, und dass das alles nicht gut enden wird, wird einem ziemlich bald klar.

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Die beiden Erzählstränge waren für mich jetzt keine absoluten „page-turner“. Ich habe nicht vor lauter Spannung und Atemlosigkeit ins Kopfkissen gebissen, aber die Atmosphäre und die Stimmung des Buches haben mich voll und ganz eingefangen.

Neben den in du Mauriers Werk immer wiederkehrenden Themen Wahnsinn, Manie, Besessenheit, Sucht und wissenschaftliche Experimente, spürt man auch den Einfluß Carl Jungs, den sie sehr schätzte, und der sich stark mit dem „kollektiven Unbewussten“ beschäftigt hat.

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Man spürt in „Ein Tropfen Zeit“ du Mauriers große Liebe zu Cornwall, der Landschaft, der Geschichte und den Menschen dieser Region. Der Roman heißt im englischen „The House on the Strand“. Die Vorlage für Magnus‘ Haus „Kilmarth“ war ihr eigenes, in dem sie ihre letzten Lebensjahre verbrachte, nachdem sie gezwungen war, ihr geliebtes „Menabilly“ 1967 zu verlassen.

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Die besten Buchblogs und Literaturblogs: 50 Empfehlungen (Links)

Ich werde vor Freude glaube ich gleich ein wenig ohnmächtig!
Ich kann es gar nicht glauben – bin völlig überrascht – ohne Worte.
Danke an alle meine Leser und Kommentatoren und Unterstützer und überhaupt.

Meine Lieben, das muss gefeiert werden: Dosenbier für alle! Ich fächel mir dann mal noch etwas Luft zu ….

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Stefan Mesch - Buchblogs, Literaturblogs, Foto von Achim Reibach

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Im Sommer 2014 habe ich Krimiblogs empfohlen:

Im Sommer 2013 Buch- und Literaturblogs:

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Ich bin mit vielen Buchblogger*innen auf Facebook oder Goodreads befreundet, mag ihre Lektüretipps, ihre Leidenschaft und Anregungen:

Der Austausch, die Dialoge und Gespräche sind mir wichtig.

Die Blogs selbst lese ich sporadischer.

Mir sind viele Blogger oft zu höflich, vorsichtig, schüchtern.

Trotzdem gibt es ca. 50 Blogs (und, wichtiger: Köpfe HINTER diesen Blogs), deren Auswahl, Engagement und Texte mir sehr gefallen.

Meine Favoriten, im deutschsprachigen Raum. Ergänzungen und Tipps sind willkommen!

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Buchblogs Screenshots Startseiten

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Gefunden habe ich die meisten Buchblogs auf Gesine von Prittwitz‘ tollem „SteglitzMind“-Blog, auf dem Buchblogger regelmäßig ihre Lieblingsblogs vorstellen und empfehlen:

Im Mai 2015 öffnete ich dann alle ca. 950 Links der „Lesestunden“-Toplist von Tobias Zeising:

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Unterwegs machte ich auch ein paar Screenshots von bunteren… barockeren… Buchblogs:

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Schlachthof 5 – Kurt Vonnegut

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Jaaa schon klar, dass man von der wunderbaren Ms Vause auf diesem Bild mehr sieht als vom Buch über das ich hier schreiben möchte, aber hey – da müßt ihr jetzt durch Freunde der Sonne, Bingereader hat nun mal a crush on her. Aber zur meiner Ehrenrettung: Sie ist eine der größten Bücherwürmer die je auf dem Bildschirm zu sehen waren und ich bin mir sehr sicher, Vonnegut wäre genau ihr Fall. Aber jetzt mal zur Geschichte, die alles andere als einfach in Worte zu fassen ist.

Schlachthof 5 ist eine wilde Mischung aus Krieg, Zerstörung, Liebe und Hass, Vernunft und Wahnsinn, Dresden, Außerirdische, posttraumatische Belastungsstörungen, Zynismus und Zuversicht und vor allen Dingen Liebe und Tod. So it goes.

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Schlachthof ist eine verstörende, stark autobiografische Satire auf den Krieg. Auf die Unvermeidlichkeit des Krieges, die Gleichgültigkeit in Anbetracht des Todes, die Abstumpfung, die Millionen von Toten hervorrufen. Er veranschaulicht das in seinem Buch anhand der Bombardierung von Dresden während des 2. Weltkrieges, die Vonnegut als sehr junger amerikanischer Kriegsgefangener miterlebte.

Er erzählt die Geschichte seines Protagonisten Billy Pilgrim in gänzlich unstrukturierter Weise. Im Englischen würde man sagen: it is all over the place. Es beschäftigt sich mit den Fragen „warum bekriegen wir uns? Warum zerstören wir alles? Gibt es so etwas wie freien Willen?“ Er versucht nicht einmal, so zu tun als gäbe es Antworten auf diese Fragen. Er erzählt die Geschichte der Bombardierung Dresdens, so wie ein Mensch, der mittendrin war, dessen Wesen sich seit diesem Erlebnis beständig im Fluss befindet, dessen Verstand wie ein Blatt im Wind zwischen Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit hin- und herdriftet.

Er überlebt einen Flugzeugabsturz, wird von Außerirdischen entführt (oder auch nicht). Die Tralfamadorianer zeigen ihm,  dass Zeit etwas ist, das permanent und gleichzeitig passiert. Alles ist immer passiert und wird immer passieren (so it goes on and on and on), aber auch, wenn die Welt zerstört wird wieder und wieder, sie entscheiden sich, die Dinge von einer positiven Warte aus zu sehen.

Tatsächlich ist Billy Pilgrim eine verlorene Seele, von posttraumatischen Belastungsstörungen verfolgt, der durch seine Erinnerungen lebt und nur durch seine Zeitsprünge irgendwie Sinn in das Ganze bekommt. In jedem Moment ist er gleichzeitig im Schlachthof in Dresden, heiratet, ist er der einzige Überlebende eines Flugzeugabsturzes und Zeuge, wie sein Freund Derby erschossen wird.

„Der Fehler in den Christus-Geschichten, sagte der Besucher aus dem äußeren Weltraum, war, daß Christus, der nicht nach viel aussah, in Wirklichkeit der Sohn des mächtigsten Wesens im Universum war. Die Leser verstanden das, wenn sie daher zur Kreuzigung kamen, dachten sie natürlich, was Rosewater nun wieder laut vorlas: Junge! Junge! Diesmal haben sie bestimmt den Falschen ausgesucht, um ihn hinzurichten! 
Und dieser Gedanke hatte einen Bruder: „Es gibt die richtigen Menschen zum Hinrichten.“ Welche? Leute ohne gute Beziehungen. So geht das.

Billy hat keine Angst mehr vor dem Tod, der ist nur eine Illusion, hat schon stattgefunden und findet wieder statt. Billy weint um die misshandelten Pferde, die er am Tag nach der Vernichtung Dresdens sieht. Die Zerstörung Dresdens hat mehr Menschenleben gefordert, als Hiroshima und doch wissen viele Amerikaner nicht einmal davon. Vonnegut konterkariert mit tiefschwarzer Komik den unfassbaren Horror.

„Alles war schön und nichts tat weh“
„Everything was beautiful and nothing hurt“

Schlachthof 5 ist eines der bizarrsten Bücher, die ich gelesen habe und ich kann nur jeden ermuntern, dranzubleiben. Ja, es ist nicht immer einfach zu folgen und sehr realistische Menschen mögen ihre Schwierigkeiten haben mit Zeitreisen und entführenden Außerirdischen, aber es ist ein phantastisches Buch und eines der vehementesten Abrechnungen mit dem Krieg. And so it goes.

Eine tolle Rezension findet ihr auch hier

Meine Woche

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Gesehen: „Les petits mouchoirs“ (Kleine wahre Lügen) mit der wundervollen Marion Cottilard – toller Film, sehr empfehlenswert. Macht Lust auf den nächsten Frankreich-Urlaub

Ex Machina“ Science Fiction Thriller von Alex Garland. Das Haus ist der absolute Wahnsinn. Der Film hat mir gut gefallen, ein dunkles Kammerspiel.

Gehört:  Janis And The Artists „Nightmare„, Rabia Sorda „Deaf„, The Crüxshadows „Marilyn My Bitterness„, The Birthday Massacre „Beyond„, X-Rx „Stage 2„, Aganoize „Staatsfeind

Gelesen: diesen Artikel aus der Paris Review über Tove Jansson, diesen Artikel im Forbes Magazin über die Einführung der Agile Prinzipien im Unternehmen, diesen Artikel in der Zeit über E. L. Doctorow

Getan: meine „Shaper“ Meetings erfolgreich losgekickt, eine Freundin nach ihrem Radl-Unfall im Krankenhaus besucht und in Köln das Amphi Festival besucht.

Gegessen: Johannisbeeren aber sonst wenig gescheits

Getrunken: Kölsch

Gefreut: wir haben den Balkon wieder schön

Geärgert: das der erste Festivaltag sturmbedingt draußen komplett abgesagt werden musste.

Gelacht: There are two kinds of people in the world. Morning People and People who wanna shoot Morning People.

Geplant: das Björk Konzert in Berlin nächste Woche besuchen

Gewünscht: dieses Regal, diese Schuhe, diese Hängematten

Gekauft: 2 Tshirts

Gewonnen: „Vampire sind unter uns“ von Mark Benecke – man darf gespannt sein 😉

Geklickt: diesen gerade entdeckten Essay von Charles Dickens

Gelächter im Dunkel – Vladimir Nabokov

Habe gerade ein wenig sehnsüchtig an das Amphi Festival vom letzten Jahr zurückgedacht, denn da schien die Sonne und gerade zeigt sich Köln nicht von seiner besten Seite. Aber vielleicht wird es ja. Und an den Nabokov mußte ich denken, den ich da gelesen habe. Deshalb hol ich den doch heute mal aus den Untiefen hervor. Schönes Wochenende allen und drückt mal die Däumchen, der olle Regen soll aufhören. Will ein sonniges Festival 😉

Binge Reading & More

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Selbst das schlechteste Buch von Nabokov ist wahrscheinlich noch immer um Klassen besser, als die besten manch anderer Autoren.  Womit ich auf keinen Fall sagen will, dass dieses Buch hier schlecht ist, nur eben nicht ganz so genial wie „Lolita“. Dieses schmale Bändchen hat es in sich. Die gesamte Geschichte wird im Grunde bereits im ersten Satz erzählt:

„Es war einmal ein Mann, der hieß Albinus und lebte in Berlin in Deutschland. Er war reich, angesehen und glücklich; eines Tages verließ er seine Frau um eines jungen Mädchens willen; er liebte, wurde nicht wiedergeliebt und endete im Unglück.

Eigentlich eine Geschichte wie man sie schon tausendfach gehört, gelesen und gesehen hat, aber WIE Nabokov das erzählt ist einfach genial. Die Geschichte „Gelächter im Dunkel“ gibt Einblick nehmen in die Weimarer Republik mit seinen Filmstars und Sternchen, Künstler und halbseidene Figuren, viele von ihnen in der Hoffnung den Weg nach oben zu finden.

Dieses kleine…

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Alles was ich bin – Anna Funder

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Eine Ungarin, eine Deutsche und eine Tasmanierin sitzen in einer Bar in Luang Prabang morgens um 1, trinken Liquid Cocaine und unterhalten sich über …. ja genau, Ernst Toller ! Und die Deutsche muss hier gesagt werden, hatte leider die wenigste Ahnung von allen, da sie noch nie etwas von ihm gelesen, zumindest aber schon von ihm gehört hatte.

Ein großes Indianerehrenwort folgte, dieses schnellstmöglich nachzuholen, aber auch gut 2-3 Jahre später muß ich zu meiner Schande gestehen, it just hasn’t happened yet. Aber zumindest habe ich mit Anna Funders „Alles was ich bin“ einen Roman gelesen, in dem Ernst Toller eine sehr große Rolle spielt, ich nähere mich ihm also langsam, aber stetig. Das wird noch mit Ernst und mir – ich schwöre!

Das Buch handelt von einer Gruppe deutscher Dissidenten rund um Ernst Toller und ihren Aktivitäten in den Anfangsjahren von Hitlers Machtübernahme. Ihre Aktivitäten führen dazu, dass sie schließlich aus Deutschland flüchten müssen und sich größtenteils in London niederlassen, wo sie ihre Widerstandsaktivitäten im Untergrund weiterführen. Funder hat über diese Gruppe Freunde und deren Aktivitäten hauptsächlich durch Ruth Blatt erfahren, der einzigen Überlebenden aus der Gruppe, die nach Australien ausgewandert war und sich in Sydney mit Anna Funder anfreundete.

Schon Toller ist jemand, mit dem ich vage einen Namen und seine Rolle im Widerstand in Verbindung brachte, die anderen Protagonisten, wie zum Beispiel die Politikerin Mathilde Wurm, Anna Blatts Ehemann, der Journalist Hans Wesemann oder die charismatische Journalisten Dora Fabian, sie noch viel tiefer ins Dunkel der Geschichte abrutscht und ich bin froh, dass dieses Buch sie zumindest ein Stückchen weit einer breiteren Öffentlichkeit bekannt macht.

„Als Hitler an die Macht kam, lag ich in der Badewanne“. (was für ein erster Satz …)

Mir hat diese persönliche Verbindung eher gefallen, auch die Vermischung von Biografie und Roman, könnte mir aber vorstellen, dass es einige Menschen gibt, denen der Sinn nach mehr Sortenreinheit steht. Ich hatte das Gefühl, dass das Persönliche schnell in den Hintergrund geraten ist und die fiktive Dramatisierung von Ruths Leben und ihren Freunden im Mittelpunkt steht.

Ruth Blatt und ihre Freundin Dora Fabian, die sie von Kindesbeinen an kennt, sind unglaublich mutig in ihren Bemühungen, sich den überall schnell aufsteigenden Nazis zu widersetzen. Ihre Gruppe besteht überwiegend aus Intellektuellen, deren berühmtestes Mitglied der Dramatiker Ernst Toller ist. Sie bekämpfen die Nazis durch Zeitungsartikel und lassen sich durch physische und psychische Gewalt nicht von ihrer Arbeit abhalten. Auch nach ihrer Flucht nach London stellen sie ihre Bemühungen nicht ein, obwohl ihnen die Abschiebung nach Deutschland droht, machen sie unermüdlich weiter. Sie leben in einer unerträglichen Atmosphäre aus Angst, Verrat, Einsamkeit und Unsicherheit, die langsam aber sicher die Feundschaften und Liebschaften der Freundesgruppe untergräbt.

Diese Sorgen und Ängste sind keineswegs unbegründet. Einige werden aufgrund ihrer Aktivitäten zurück nach Deutschland geschickt, es gibt Verräter innerhalb der Gruppe und die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Das Ruth diese Torturen und Gefahren tatsächlich überlebt hat, grenzt für mich an ein Wunder.

Dora und ihre Freundin Mathilde Wurm fand man 1935 tot in ihrer Londoner Wohnung. Ein höchstwahrscheinlich von der Gestapo inszenierter „Selbstmord“. Die britischen Untersuchungsbehörden beschäftigten sich eher oberflächlich mit den Ermittlungen und bestätigen am Ende den vermeintlichen Selbstmord.

Die Geschichte bildet sich aus zwei Erzählsträngen. Da ist einmal Ruth und die Geschichte ihrer Freundschaft mit Dora, erzählt aus heutiger Sicht und Tollers Geschichte seiner Beziehung zu Dora erzählt in New York im Jahr 1939 kurz vor seinem Selbstmord.

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Aus heutiger Sicht und mit dem Wissen was geschehen würde, kann man nur schwer nachvollziehen, dass die mutigen Menschen, die schon so früh vor Hitler warnten und die das Nazi-Regime von Anbeginn an bekämpften, international so wenig Gehör erhielten.

Ein wirklich schön geschriebener Roman, die Sprache einfach und von leiser Melancholie durchzogen. Spannend wie ein Thriller, eine Geschichte über Mut, Selbstlosigkeit, Beharrlichkeit, Verrat, Einsamkeit und Exil, die ich so schnell nicht werde vergessen können. In extremen Situationen sind manche Menschen zu Erstaunlichem fähig, bringen Mut auf, den sie sich wohl selbst so nicht zugetraut hätten. Anna Funder hat diesen heute nahezu vergessenen Menschen ein verdientes Denkmal gesetzt.

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Jetzt gibt wirklich keine Entschuldigung mehr. Ernst Tollers „Eine Jugend in Deutschland“ wird jetzt bestellt und gelesen, mit tasmanischen Teufeln ist nicht zu spaßen und ich bin auch noch neugieriger auf diesen mutigen Toller geworden, als ich es in Laos schon war.

„Am Ende unseres Lebens erinnern wir uns am lebhaftesten an jene, die wir geliebt haben, weil sie es sind, die uns geformt haben. Mit ihrer Hilfe sind wir zu dem geworden, was wir sind, wie eine Pflanze mit der Hilfe eines stützenden Pfahls wächst.“

„Toller beherrschte keinen Smalltalk, keine Kommunikationsebene für Bekannte. Er fixierte dich ein wenig zu lang mit diesen dunklen Augen. Seine einzige Umgangsart, mit jedem, war die vertrauliche. Die Frauen liebten ihn dafür. Er übersprang das ganze quälende Geplänkel, das vage Flirten, und redete, als kenne er sie und sei schon intim mit ihnen gewesen. Wer möchte sich nicht voll und ganz einem Mann hingeben, der sich jederzeit aufopfern würde, um die Welt zu retten?“

„Schmerz ist ebenso egoistisch wie Liebe. Er überwältigt Körper und Geist und nimmt Besitz von ihnen: du bist der Fleisch gewordene Schmerz – es bleibt nichts von dir übrig, das an einen anderen denken kann.“

„Behalte den Kopf oben. Lass die Schweine nicht sehen, wie fertig du bist.“

The Man who Fell to Earth – Walter Tevis

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Auf den ersten Blick ist „The Man who Fell to Earth“ ein Science-Fiction Roman über den Außerirdischen Thomas Jerome Newton vom Planeten Anthea, der zur Erde geschickt wird, um seine sterbende Spezies zu retten, die sich durch Kriege und Umweltkatastrophen nahezu komplett vernichtet haben. Mit letzten Energiereserven haben sie ein Raumschiff mit Newton an Bord losgeschickt, um auf der Erde ein Rettungsraumschiff zu bauen und die restlichen Antheaner zur Erde zu bringen.

Unser erster Science-Fiction Roman im Bookclub ist dann aber doch kein ganz sortenreiner Science Fiction Roman, was der Geschichte aber in keinster Weise schadet. Es gibt keine Laserschwerter, keine Dreiphasendrehkonverter und auch keine intergalaktischen Luftkämpfe und auch, wenn ich an all diesen Dingen üblicherweise schwer interessiert bin und anfangs noch auf den einen oder anderen Einblick ins Raumschiff oder die Gesellschaftsstruktur der Antheanter zu erfahren hoffte, ist die eigentliche Geschichte eine der Entfremdung, der gnadenlosen Einsamkeit, die Newton empfindet und die Art und Weise wie unsere Welt ihn physisch und psychisch beeinflusst.

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Es ist eine ruhige melancholische Geschichte. Die Desillusionierung einer Person, auch wenn sie nicht humanoid ist, der so unendlich einsam ist, der die weitgehende Zerstörung seines Planeten erlebt hat und ahnt, dass auch dieser Planet dem Untergang geweiht ist.

Newton ist ein großer zerbrechlich wirkender Humanoid, sein Wissen über die Erde hat er sich durch Fernsehübertragungen angeeignet, die auf Anthea empfangen werden konnten. Was die Antheaner aus Werbeblöcken, TV Serien und Nachrichten zu erkennen glauben ist ein Planet, der wie ein grünes Paradies mit ausreichenden Wasser- und Energievorräten erscheint.

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Der Roman ist keine 200 Seiten lang und ich will nicht zu viel verraten, Newton entdeckt auf jeden Fall die dunklen Ecken der menschlichen Gesellschaft. Die Laster und Süchte, die Ignoranz, die Einsamkeit und das Mißtrauen der Menschen und so einiges anderes, was die Antheaner über das Fernsehen nicht mitbekommen konnten.

„The bartender had come over and when Bryce looked up the bartender said, „I’m afraid that fellow needs help.“ „Yes“, Bryce said. „Yes, I guess he does.“

Thomas Jerome Newton ist ein Protagonist, den man von Anfang an mag. Man leidet mit ihm und das Ende ist unglaublich traurig. Erstaunlich wie vorausschauend dieser Roman aus dem Jahr 1963 ist. Kulinarisch richten wir uns im Bookclub oft nach den Ess- und Trinkgewohnheiten der Protagonisten (nicht immer, aber oft) und in diesem Fall stand – wie bei Newton – bei unserer Diskussion der Gin im Mittelpunkt. Vielleicht hat der unserer Phantasie auf die Sprünge geholfen, als wir uns mit den Namen beschäftigt haben, die im Buch vorkommen.

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Thomas Jerome Newton könnte eine Referenz auf die beiden Wissenschaftler Thomas Edison und Sir Isaac Newton sein. Bei Jerome mussten wir ein wenig mehr um die Ecke denken, haben uns da mehr an Tevis‘ Biografie orientiert. Tevis soll in einem Interview gesagt haben, dass der Roman starke autobiographische Züge habe. Unsere Gin-geschwängerte Diskussionsrunde kam zur Überlegung, dass sich Jerome auf den Heiligen Sankt Jerome beziehen könnte, der der Schutzpatron der Bibliothekare, Gelehrten und eben auch der verlassener Kinder ist.

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Tavis wurde von seinen Eltern, als er 10 Jahre alt war, für ein Jahr in ein Erholungsheim geschickt, während sie ihren Umzug von San Francisco nach Kentucky durchführten. Nach dem Jahr reiste er alleine im Zug zurück zu seinen Eltern. Wie Newton in der Geschichte war auch Tavis immer ein kränkliches, zartes Kerlchen. Er litt unter Alkoholismus und starb mit nur 52 Jahren an Krebs.

Erstaunlich finde ich, dass drei von Tevis‘ sechs Romanen verfilmt wurden – neben „The Man who Fell to Earth“, „The Hustler“ von 1961 mit Paul Newman und „The Color of Money“ aus dem Jahr 1984 ebenfalls mit Paul Newman und Tom Cruise – kaum aber jemand kennt den Namen Walter Tevis.

Die Verfilmung mit David Bowie möchte ich unbedingt demnächst sehen, auch wenn der Film von der Romanvorlage stark abweicht. Den Roman fand ich grandios und kann ihn auch Leuten ans Herz legen, die üblicherweise nicht viel mit Science-Fiction am Hut haben.

Bowies Album „Low“ war ursprünglich als Filmmusik zu „The Man who Fell to Earth“ gedacht. Am Ende wurde die Musik aber nicht dafür verwendet, wie schade. Low ist ein phantastisches Album.