Meine Woche

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Foto: Amy von Einfallsreich

Gesehen: „Synchronicity“ Indie-Zeitreise-Film von Jacob Gentry. Interessanter Low-Budget Sci-Fi der mich nicht komplett überzeugt hat, erinnert an Blade Runner aber durchaus sehenswert.

The Bling Ring“ von Sophia Coppola mit einer überragenden Emma Watson. Eine Teenie-Krimi-Satire die  auf der wahren Geschichte von fünf Upper Class Jugendlichen beruht, die in Villen von Hollywood-Prominenten einbrachen

Cosmos“ Doku-Serie über die Entstehung des Weltraums mit dem von mir sehr verehrten Neil de Grasse Tyson. Erinnert an Carl Sagans Serie aus den 70ern – einfach nur klasse. Unbedingt angucken.

Gehört: „Schwanengesang“ – Xotox, „Industrial Madness“ – Xotox, „Time Travel“ – Ben Lovett, „Crown on the Ground“ – Sleigh Bells, „Suicide Landscapes“ – The Beauty of Gemina, „Ouroboros“ – Oneohtrix Point Never, „Freeze“ – Klaus Schulze, „FML“ – Deadmau5

Gelesen: warum Menschen Neues so oft ablehnen, wie „Environmental Grief“ uns daran hindert aktiv zu werden, über die Man Booker Prize Longlist, über Laurie Pennys „Wohlfühllüge„, Gero von Ranows Artikel „Erhitzte Zeiten“, wie uns die Rating-Kultur in fürchterliche Chefs verwandelt und was man vor und nach Salingers „Franny und Zooey“ lesen sollte.

Getan: einen Abstecher ins Dortmunder Büro gemacht und den Beer Bash dort sehr genossen, einen Küchen-Dosenbier-Klönabend mit einer Freundin verbracht, ein Interview gegeben und dabei ein wunderbares Gespräch gehabt, am See gelegen und gelesen

Geplant: den neuen Star Trek Film gucken

Gegessen: Bohnen-Mozzarella-Salat mit Korianderpesto

Getrunken: Dosenbier

Gelacht: The idea is to die young, as late as possible

Geärgert: das unser Coup nicht 6 Wochen früher gelungen ist und Lieblingsvase kaputt gemacht 😦

Gewünscht: diese Flip Flops, diese Lautsprecher, diesen Toaster, diesen VW Käfer

Gefunden: nix

Gekauft: Geburtstagsgeschenke und für mich ein Buch über „Bucky“ Buckminster Fuller

Geklickt: „The long reach of reason“ – TED Talk von Steven Pinker & Rebecca Newberger Goldstein, auf diese Lösung für ein schlimmes Problem, auf die Timemachine der Tate Gallery und auf diesen Artikel über Cyborgs.

Gewundert: das Tatiana Maslany aus Orphan Black sogar ihre Bloopers „in character“ macht.

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Hirngymnastik Part I – Philosophie

“The search for something permanent is one of the deepest of the instincts leading men to philosophy.” 

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Bei allem, was mit Wissen und Lernen zu tun hat, bin ich ein echter Serientäter. Immer wieder packt mich ein Thema und dann beschäftige ich mich ein paar Wochen lang damit von allen Seiten. Ich lese darüber, höre mir Vorträge im Internet oder im Radio an und fülle seitenweise Notizbücher mit meinen Erkenntnissen. Philosophie war etwas, das mich als Kind schon interessierte und ich weiß nicht, wie oft ich mich mit Lehrern angelegt habe, die mir nicht erklären konnten, warum ich Religion aber keine Philosophie in der Schule lernen sollte.

Als ich in Kobe in dem einzigen kleinen Secondhand-Buchladen mit englischen Büchern Bertrand Russells „History of Western Philosophy“ entdeckte, hat mich das erwartungsgemäß auf direkten intensiven Philosophie-Kurs gebracht. Nach ein paar Wochen wurde das Fieber jetzt durch „Genetik“ abgelöst, aber dazu in einem späteren separaten Post mehr. Jetzt erst einmal zu Russells Buch.

Er beschäftigt sich in  “History of Western Philosophy” nicht nur mit Philosophie-Geschichte, sondern auch wie die Hauptströmungen der Philosophie in ihrer jeweiligen Zeit und Kultur verankert waren. Das hilft sehr bei der Einordnung  und beim Verständnis. Die für mich größte Erkenntnis war, das keine der Philosophie-Schulen in sich komplett logisch konsistent ist. Das Buch teilt sich in drei Teile: Antike Philosophie, Katholische Philosophie und Moderne Philosophie. Geschrieben hat er das Buch während des zweiten Weltkrieges und ab und an merkt man das auch, besonders in den Teilen, wo er sich mit Nietzsche beschäftigt. Der mittlere Teil zu „katholischer Philosophie“ hat mich erwartungsgemäß am wenigsten berührt, darüber gelesen zu haben ist aber sicherlich nicht das Schlechteste.

“Two things are to be remembered: that a man whose opinions and theories are worth studying may be presumed to have had some intelligence, but that no man is likely to have arrived at complete and final truth on any subject whatever. When an intelligent man expresses a view which seems to us obviously absurd, we should not attempt to prove that it is somehow true, but we should try to understand how it ever came to seem true. This exercise of historical and psychological imagination at once enlarges the scope of our thinking, and helps us to realize how foolish many of our own cherished prejudices will seem to an age which has a different temper of mind.” 

Das Schöne ist, dass man für das Buch weder ein großes Grundwissen an Philosophie noch an Geschichte mitbringen mus, um es zu verstehen und sich wunderbar darin zu verlieren. Russell ist ein unglaublich klarer, exzellenter Schriftsteller, was man bei Philosophen ja nun nicht immer unbedingt voraussetzen kann. Grandios wie er abstrakte Ideen eindringlich und klar rüberbringt, man merkt, dass er verstanden werden möchte. Es gibt so viele Autoren, bei denen man immer den Eindruck hat, sie wollen partout Eindruck schinden, bei den Lesern die Spreu vom Weizen trennen, was in meinen Augen häufig etwas mit mangelndem Selbstbewußtsein zu tun hat. Russell hat das nicht nötig und ich liebe seinen trockenen Humor.  Mir ist schon klar, dass Anhänger von Marx, Nietzsche oder Hegel höchstwahrscheinlich anders sehen. Denen verpasst er schon immer wieder mal eine im Vorbeigehen. Er geht auch Plato ziemlich an und ihn als „any contempary advocate of totalitarianism“ zu sehen, fand ich schon etwas hart, hat Plato doch meiner Ansicht nach im Grunde komplett allein die Grundlagen der politischen Philosophie geschaffen.

Ich glaube, ob man Russells Philosophie-Geschichte mag, hängt auch ein wenig davon ab, wie sehr einem Russells Theorien selbst gefallen, denn seine Ideen, seine Ansichten und Meinungen scheinen immer wieder durch an einigen Stellen. Ich mag Russell und daher hat mich das weniger gestört, es gibt aber sicherlich Leute, die ihn dafür kritisieren. Wobei ich finde, er schiebt seine Meinung nicht still und heimlich ein, sondern es ist eigentlich immer kristallklar wann und wo er das tut.

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Wo ich mich Russell wieder sehr verbunden gefühlt habe, war in seiner Ansicht, das die Aufklärung und Bildung der Menschen in Naturwissenschaft, Geistesweissenschaft, rationalem und kritischem Denken ein wichtiger Schritt ist, um künftige Kriege und Gräueltaten zu vermeiden. Auch wenn wir über 70 Jahre nach der Veröffentlichung seines Buches noch immer umringt sind von Kriegen, Terror und Schrecken, bleibe ich bei dieser Überzeugung.

“Almost everything that distinguishes the modern world from earlier centuries is attibutable to science, which achieved its most spectacular triumphs in the seventeenth century.” 

“Mathematics, rightly viewed, possesses not only truth, but supreme beauty—a beauty cold and austere, like that of sculpture, without appeal to any part of our weaker nature, without the gorgeous trappings of painting or music, yet sublimely pure, and capable of a stern perfection such as only the greatest art can show.” 

Ich wünschte, es gäbe noch viel mehr Bertrand Russells in der Welt. Das Buch zu lesen fühlt sich teilweise an, als würde man mit ihm eine wahnsinnig intelligente, spannende Unterhaltung führen. Russell war ganz bestimmt einer dieser Menschen, in deren Gegenwart man sich etwas intelligenter und größer fühlte. Eine Eigenschaft, die ich wie keine andere bewundere.

“A stupid man’s report of what a clever man says can never be accurate, because he unconsciously translates what he hears into something he can understand.” 

Ein sehr interessantes Interview mit Bertrand Russell findet ihr hier:

 

Passend zum Thema Philosophie habe ich mir das Buch „Aufklärung – Das europäische Projekt“ geschnappt das schon lange ungelesen und daher vorwurfsvoll aus dem Regal geschaut hat.

Vor 300 Jahren begann der Versuch, den Geist von religiösen Denk-Dogmen zu befreien und jeglichem Fundamentalismus die Freiheit des Verstandes entgegenzusetzen. Das Streben nach Wissen, nach Bildung und Erkenntis ist leider (noch?) keine Geschichte mit Happy End. Der Terror ist ein Kampf gegen aufklärerische Freiheitsgedanken und selten habe ich mich um die Freiheit so sehr gesorgt, wie im Moment. Der Ruf nach mehr Kontrolle, mehr Härte und weniger Liberalität wird immer lauter. Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, für Freiheit und Aufklärung zu kämpfen.

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Manfred Geier bringt dem Leser klar und gut lesbar eine Einführung in die Epoche der Aufklärung nahe. In sieben Kapiteln zeigt er die Entwicklungen in Form von Lebensbildern bedeutender europäischer Denker und einer Denkerin auf. Von den Engländern John Locke und Earl Shaftesbury geht es über die Franzosen Voltaire, Dideor und Rousseau zu Geier Moses Mendelsohn und Kant. Mit Olympe de Gouge stellt er eine – mir bis dahin unbekannte Persönlichkeit vor – die für ihren Freiheitskampf unter der Guilletoine endete. Den Abschluss bildet der Humanist und Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt.

Mir hat besonders der Teil zu Immanuel Kant gefallen, hat er mich doch Karl Popper entdecken lassen und auch Hannah Arendts Ansichten werden zu aktuellen weltgeschichtlichen Ereignissen in Kontext gesetzt.

Ein gelungener Einsteig in die europäische Aufklärung, die definitiv Lust auf mehr macht. Ein wunderbares Buch, das heute aktueller ist denn je.

„1961 hielt Popper im Bayrischen Rundfunk eine Rede zum Thema „Der Sinn der Geschichte“. Wieder erinnerte er einleitend an Kant, der die „Selbstbefreiung durch das Wissen“ zur Leitidee der Aufklärung erklärt hatte. Auch mit diesem „sapere aude!“ war keine geschichtliche Notwendigkeit verbunden. Kants Appel an den Mut, selbst zu denken, beschrieb keine Tatsache. Er war ein Hinweis auf das Denken mündiger Menschen, die sich selbst ein Ziel setzen und ihrem Leben einen vernünftigen Sinn geben können.“

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„Vor allem Kants erweiterte Denkungsart wurde als Prototyp des kritischen Denkens reflektiert, jene Fähigkeit des Menschen nämlich, sich in den Standpunkt anderer Menschen versetzen und die Welt auch aus deren Perspektive betrachten zu können.“

„Die reflektierende Urteilskraft. Die Urteilskraft ist das Vermögen, das Besondere im Verhältnis zum Allgemeinen denken zu können. Dann gilt es, selbst ein Gesetz oder eine Regel zu finden, um sich so das Besondere verständlich zu machen. Die Urteilskraft wird nicht zum Bestimmten, sondern zum Reflektieren angeregt. Es ist die Fähigkeit Besonderheiten zu beurteilen, ohne sie unter jene allgemeinen Regeln zu subsumieren, die gerlehrt und gelernt werden können, bis sie sich zu Gewohnheiten entwickeln, welche von anderen Gewohnheiten und Regeln ersetzt werden können.“

Falls ich Euch jetzt auch Lust auf mehr gemacht habe, hier zwei Philosophie-Kurse im Netz, die ein erster Aperitiv sind und einen guten Einstieg bilden, mehr geht immer. Das Internet ist voll von kostenlosen Kursen von Universitäten wie Harvard, Yale, Stanford etc und ich wünschte mir, jeder Tag hätte 72 Stunden, damit ich das alles absaugen kann 😉

 

Tamar Gendler: Philosophy and the Science of Human Nature

http://oyc.yale.edu/philosophy/phil-181#overview

Und wer sich bei diesem Gespräch nicht ein wenig in Karl Poppers Hirn verliebt dem ist nicht zu helfen:

 

 

Philosophie ist cool und macht wirklich Spaß, ich finde es immer wieder schade, wie viele Leute keine Lust darauf haben, es unzugänglich und verstaubt finden. Das muss echt nicht sein. Die Philosphie guckt dem Leben unter den Rock, habe ich mal irgendwo gelesen und das brauchen wir.

Wer Lust auf mehr Hirngymnastik hat, dem kann hier demnächst geholfen werden, wenn ich Euch von meinen Genetik-Abenteuern berichte 🙂

  • Bertrand Russell „History of Western Philosophy“ ist auf deutsch unter dem Titel „Philosophie des Abendlandes“ im Europa Verlag erschienen
  • Manfred Geier „Aufklärung das europäische Projekt“ ist im Rowohlt Verlag erschienen
  • Wolfgang Röd – „Der Weg der Philosophie“ ist im Beck Verlag erschienen

Meine Woche

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Foto: https://strassenfotografien.wordpress.com/2016/07/20/rust-and-graffiti/

Gesehen: „Leon der Profi“ von Luc Besson mit Jean Reno und Natalie Portman, die noch Eierschale hinterm Ohr hatte. Keine Ahnung warum ich den bislang noch nicht gesehen habe. Toller Film.

Gehört: „Stage 2“ – [x] – Rx, „Existence“ – Solitary Experiments, „Engel“ – Rammstein, „Munich“ – Editors, „The Dead Flag Blues“ – Godspeed You! Black Emporor, „SOS“ – Portishead

Gelesen: „Das Ende der Meritokratie„, über den Duisburger Bücherbus, wie man durch Waterstones  Bücher-Tweets die große Liebe findet,  was nach dem Zusammenbruch des Kapitalismus passiert, diesen Reisebericht über Alaska

Getan: wahnsinnig viele Meetings durchgeführt, den Bookclub besucht und zum Amphi Festival nach Köln gefahren

Geplant: endlich ein Geburtstagsgeschenk für die Bingereader-Gattin zu finden

Gegessen: sehr leckeres Bookclub-Curry

Getrunken: Kölsch

Gelacht: I’ve always assumed that ironing boards were surfboards that stopped pursuing their dreams and got real jobs

Geheult: über den Amoklauf in München, es hört einfach nicht auf

Gewünscht: diesen Stift, diesen Grill, diese Teller

Gefunden: nix

Gekauft: 1 CD und 1 Tshirt

Geklickt: „It’s simple“ von Adrian Cockcroft, Clay Shirky „Institutions vs Collaboration„, TED Radio Hour „What makes you you

Gewundert: wie nervig das Anstehen und Nicht reinkommen ins Theater auf dem Amphi-Festival war. Ich glaub wir brauchen jetzt mal eine Pause vom Amphi

Maggie and Me – Damian Barr

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„Maggie and Me“ ist eine der ehrlichsten, realistischsten und treffensten Biografien, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Barr schildert seine Kindheit im Arbeiterviertel eines Vorortes im schottischen Motherwell, die alles andere als einfach war. Margaret Thatcher war und ist bis heute eine der kontroversesten Persönlichkeiten Großbritanniens.

Ohne sie jemals persönlich zu treffen, beinflusst ihn die Premierministerin Margaret Thatcher enorm. Die Schwierigkeiten, mit denen die Erwachsenen um ihn herum zu kämpfen haben, die unter Thatchers Regierung leiden und sie um ihre Existenz kämpfen lässt, werfen Damian oft auf sich selbst zurück.

Barr beginnt seine Geschichte mit dem Bombenattentat in Brighton auf Mrs Thatcher im Oktober 1984. Es ist der erste Abend für ihn in fremder Umgebung in der Wohnung des neuen Freundes seiner Mutter. Im Fernsehen werden die Bilder des Attentats in Endlosschleife gezeigt und sie beeindruckt ihn, die Frau mit der eisernen Frisur, die ohne jeden Kratzer aus den Trümmern eines zerbombten Hotels hervortritt „this blonde woman rises from rubble again and again like a Cyberman off Dr Who„. Alles um ihn herum löst sich auf, nur Mrs Thatcher kann nichts umwerfen.

Barrs Vater arbeitet in der Stahlindustrie, eine Industrie, die unter Thatcher sukzessive zurückgebaut wurde. Seine Eltern trennen sich, als er gerade in die Grundschule gekommen ist, seine Schwester Teenie in den Kindergarten. Sie ziehen mit der Mutter zu ihrem neuen Freund Logan und geraten damit in eine Nachbarschaft, die gezeichnet ist von Arbeitslosigkeit, Antriebslosigkeit und Alkohol. Die Linie zwischen den „anständigen“ Arbeitslosen und denen, die eher als „unanständig“ gelten, löst sich mehr und mehr auf, in einer Zeit, in der die Regierung Arbeitslosigkeit und Armut per se als unanständig brandmarken. Einem Fakt, dem man in North Lanarkshire nur schwer entkommen konnte.

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Foto: Daily Telegraph

„All the women are crying and the headstones are more expressive than the men.“

Damian leidet unter seinem brutalen und gewaltätigen Stiefvater. Als seine Mutter mit Gehirnblutungen ins Krankenhaus kommt, nimmt die Gewalt lebensbedrohliche Formen an für Damian. Der schlaksige, asthmatische Junge ist sich von klein auf bewusst, dass er schwul ist, eine Tatsache, die er vor Logan nicht verstecken kann, der sich provoziert fühlt und Damian das Leben zur Hölle macht.

Er hält sich bei den Misshandlungen nicht auf, beschreibt sie schon fast unbeschwert „and that’s the last of my baby teeth“). Logans Disziplinierungsmaßnahmen haben keinen tieferen Sinn und schon gar keine Konsistenz: „Just when I think I’ve mastered eating – no clanking cutlery, no seconds, no complaining of feeling hungry – I’ll chew the wrong way and …“ 

„I’m not naturally clumsy but I’ve learnt to be“

„Maggie and Me“ könnte eine deprimierende qualvolle Biografie sein und trotz aller dunklen Momente ist sie eigentlich fast genau das Gegenteil. Damians Erfahrungen springen zwischen traurigen und glücklichen Momenten, er beschreibt lustige und komplett verrückte Momente. Er schafft es, seine Kindheitserfahrungen auf eine sensible und zurückhaltende Art zu beschreiben, die es ihm und uns erlauben, für die Menschen Sympathie aufzubringen, die ihn teilweise im Stich gelassen haben. Er kann gut erzählen und schafft es selbst schwierigen Themen wie Scheidung, körperliche und seelische Mißhandlungen,  betrunkene Familienmitglieder, Armut und die generellen Schwierigkeiten, die es mit sich bringt schwul zu sein und in einem bildungsfernen, armen Teil Schottlands aufzuwachen,  positive Seiten abzugewinnen.

Egal was passiert, Damian bleibt glaubhaft, humorvoll und hoffnungsvoll. Das er überlebt und später so erfolgreich ist, grenzt fast an ein Wunder.

Für einen unsportlichen schwulen Jungen sind Schule und Bibliotheken wahrscheinlich immer schon die natürlichen Rückzugsreservate gewesen. Er war jemand, der immer auf die Gunst von Lehrern und Förderern hoffen mußte, der solche Gunst dann aber auch zu nutzen wusste.

Heute ist Damian Barr Autor und Gastgeber des ultra hippen Shoreditch Literary Salon. Ich habe das Glück gehabt, zwei Reading Weekends in Sussex mit ihm verbringen zu können und es hat mich schon hin und wieder etwas sentimental gemacht, den früheren kleinen „Gaymian“ im heute coolen und beschwingten Damian zu sehen.

Mich persönlich hat diese Biografie sehr berührt,  Damians Buch macht Mut, zeigt, dass man seinen Weg machen kann, ich wünsche dem Buch viele Leser, insbesondere aber nicht nur junge Menschen, die jetzt gerade irgendwo sitzen, sich isoliert, unverstanden und seltsam vorkommen und tyrannisiert werden. Selbst aus eher homophonen bildungsfernen ärmere Umgebungen findet sich ein Ausweg.  It will get better – definitely*

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*LGBT teens and young adults have one of the highest rates of suicide attempts. The „It Gets Better Project„is an Internet-based campaign founded in the US by Dan Savage and his partner Terry Miller in September 2010 in response to the suicides of teenagers who were bullied because they were gay or because their peers suspected that they were gay. Its goal is to prevent suicide among LGBT youth by having gay adults convey the message through social media videos that these teens‘ lives will improve

Meine Woche

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Gesehen: „The Four Faced Liar“ von Jacob Chase. Nette amerikanische LGBT Rom-Com, muss man aber nicht unbedingt gesehen haben.

Sherlock – A scandal in Belgravia“ ich liebe Cumberbatch als Sherlock Holmes. Keine Serie die süchtig macht, aber ab und an sehe ich mir sehr gern eine Folge an.

Gehört: „Fragile“ – God is an Astronaut, „Helios“ – God is an Astronaut, „Bodyline“ – Peaches, „Tell me does she like the bass“ – Lesbians on Ecstasy, „Eating Tootpaste“ – Bratmobile, „Dream Baby Dream“ – Alan Vega, „To know I’m ok not sorry“ – Terra Naomi

Gelesen: warum lesen glücklich macht erklärt der New Yorker, warum WAS man liest wichtiger ist als man denkt, warum man Statistiken nicht glauben sollte, wie man in Unternehmen Kreativität fördert, Harvard Business Review erklärt, warum soviele inkompetente Männer dennoch Führungskräfte werden

Getan: knietief durchs Gesellschaftsrecht gewatet, ein Gin-Tasting im „Wuid“ mit guten Freunden besucht, „God is an Astronaut“ im Ampere gesehen, den Beck-Verlag besucht und ein tolles Wochenende „Heimaturlaub“ verbracht

Geplant: trotz der vielen Arbeit zum Schreiben zu kommen

Gegessen: verrückte Pasta und Death by Chocolate durch einen etwas zu groß geratenen Eisbecher

Getrunken: Gin (The Botanist, Gordons Crisp Cucumber, Tanqueray)

Gefreut: liebe Freunde wiedergetroffen zu haben

Geheult: Nizza 😦 ich will hier nicht ständig was schreiben müssen

Gelacht: über das Pokemon-Fieber

Gewünscht: dieses Haus, diesen Barschrank

Gefunden: nix

Gekauft: 2 CDs und 2 Tshirts

Geklickt: „Begin with the end in mind“ von Ryan Carson, „Chemical scum that dream of distant quasars“ von David Deutsch

Gewundert: Erdogan der macht mich einfach nur noch sprachlos

God Is An Astronaut @ Ampere, München, 2016-07-13

Weil ich es besser nicht schreiben kann, reblogge ich den wunderbaren Text vom Konzertbesuch. God is an Astronaut war ein phantastisches Konzert, das ich sehr genossen habe und nächstes Mal schaffen wir es auch ein Bier zusammen zu drinken, oder Gerhard ? 🙂

KULTURFORUM

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Im Song „Going Against Your Mind“ erzählt Doug Martsch von einem Alien, der sich bei näherer Betrachtung als Gott offenbart, die Kinsella-Zwillinge Torsten und Niels, Lloyd Hanney und Jamie Dean vom Glen Of The Downs/County Wicklow halten den Allmächtigen für einen Astronauten, womit sie vom Erklärungsansatz des Built-To-Spill-Chefs nicht allzu weit entfernt liegen. Thematisch passt das hüben wie drüben allemal zum Space-Rock der irischen Postrock-Größen, mit dem sie am Mittwoch Abend das Münchner Ampere-Publikum schwerst begeisterten.
Draußen vor der Tür kamen zwar keine Raumfahrer angeflogen, dafür hat es in Strömen die Wassermassen vom Himmel geschmissen, das dazu passende Blitzen und Donnern lieferten God Is An Astronaut mittels optischer und akustischer Vollbedienung im komplett inklusive Balkongalerie gefüllten Saal. Die knapp einhundert-minütige Show, die die Band derzeit abliefert, darf man getrost als Gesamtkunstwerk bezeichnen, selten gehen glasklar abgemischter Sound, eine visuell berauschende Illumination und ein gekonnt in Szene gesetzter Stilmix aus instrumentalem Post-Rock…

Ursprünglichen Post anzeigen 176 weitere Wörter

Ich bin zum Schweigen verdammt – Michail Bulgakow

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Zu Lebzeiten wurde Michail Bulgakow so gut wie nicht publiziert. Erst ein gutes Vierteljahrhundert nach seinem Tod wurde sein Roman „Der Meister und Margarita“ zum absoluten Weltbestseller. Sein zweiter großer Roman „Hundeherz“, den er 1925 schrieb, wurde erstmals 1967 im englischsprachigen Ausland veröffentlicht, in Russland erst nach der Auflösung der Sowjetunion 1987.

Der Band „Zum Schweigen verdammt“ gibt in Form von Briefen und Tagebüchern Einblick in das tragische Leben des Autors. Die sowjetische Presse führte eine unglaublich hysterische Denunzierungskampagne gegen ihn, die zum fast vollständigen Veröffentlichungsverbot führten. Der wohl einzige Grund warum Bulgakow nicht in einem der gefürchteten Gulags endete, war wohl die Tatsache, dass Stalin ihn aus irgendeinem Grund mochte. Was ihn aber nicht davor bewahrte, ein sehr isoliertes, ärmliches und oft einsames Leben zu führen.

Seine Tagebucheintragungen enden im Februar 1925, als er nach einer Wohnungsdurchsuchung beschließt, keine etwaigen kompromittierenden Einträge mehr zu machen. Sie konfiszieren seine Notizbücher und uns bleiben dann nur noch die Briefe, die er zwischen 1925 und 1940 verschickte.

So tragisch sein Leben ist, in den Tagebüchern gibt es immer wieder auch humorvolle Momente.

„Ein schrecklicher Zustand: Ich verliebe mich immer mehr in meine Frau. Ärgerlich – zehn Jahre habe ich mich gewehrt gegen meinen … Die Frauen sind doch alle gleich. Jetzt erniedrige ich mich sogar bis zu leichter Eifersucht. Sie ist lieb und süß. Und dick.“

Überwiegend zeigen Tagebucheinträge und Briefe allerdings eher einen Einblick in seinen Kampf ums Überleben als Schriftsteller. Je heftiger er von der Kritik als anti-sowjetischer Autor gebrandmarkt wird, desto leichtsinniger wird er. Während eines Verhörs gibt es zu Protokoll:

„… Meine Symphatien gehörten ganz und gar den Weißen, deren Abzug ich mit Entsetzen und Verständnislosigkeit aufnahm…“

Sich zu Verbiegen um zu Gefallen oder auch nur, um endlich publizieren zu können, kam ihm nicht in den Sinn. Hochachtung vor so viel Rückrat. Er gibt im gleichen Verhör weiter zu Protokoll:

„Über landschaftliche Themen kann ich nicht schreiben, weil ich das Dorf nicht mag. Es kommt mir viel mehr vom Kulakentum geprägt vor, als gemeinhin angenommen wird. Über den Alltag der Arbeiter zu schreiben, fällt mir auch schwer: zwar habe ich davon eine bessere Vorstellung als von dem der Bauern, weiß aber nicht genug, interessiere mich auch kaum dafür, aus folgendem Grund: Ich bin beschäftigt, mich interessiert brennend das Leben der russischen Intelligenz, die ich liebe.“

Nicht gerade diplomatische Worte, die im Arbeiter und Bauernstaat auf wohlwollende Ohren stoßen.

Er schreibt Briefe an Stalin, in dem er ihm seine 10-jährige Leidengeschichte als Schriftsteller vor Augen führt und ihn bittet, ihn doch aus der UdSSR zu verbannen. Wiederholt schreibt er an verschiedenste sowjetische Behörden mit der Bitte, ihn doch ausreisen zu lassen, als Autor, der im eigenen Heimatland zu nichts Nutze ist.

Das war aber nun genau die Art Logik, die die Technokraten und Betonköpfe in der UdSSR überhaupt nicht mochten. Sie verweigerten ihm die Ausreise, er blieb bis zu seinem Tod in der UdSSR. Er hat nicht ein einziges Mal das Ausland besuchen können.

Bulgakow bleibt es verwehrt, sich als echter Schriftsteller zu fühlen, denn er hadert mit der Tatsache, als unveröffentlichter Autor nicht wirklich ein Autor zu sein. Seine Öffentlichkeit besteht fast ausschließlich in den Empfängern seiner Briefe. Das „Der Meister und Margarita“ einmal ein solcher Welterfolg werden würde, damit hätte er wohl nicht wirklich rechnen können.

Eine private Lesung seines Romans im Jahr 1939 entsetzte die anwesenden Zuhörer derart, weil sie fürchteten, sich durch bloßes Zuhören schon zu kompromittieren. Er stirbt Anfang 1940 an einer erblichen Nierenkrankeit mit nur knapp 50 Jahren, noch auf dem Krankenbett diktiert er seiner Frau Manuskript-Änderungen.

Wer sich für den Schriftsteller hinter „Der Meister und Margarita“ interessiert, bekommt einen guten Einblick in das Leben des Schriftstellers, die Lektüre ist allerdings durchzogen von tiefer Traurigkeit, Hoffungslosigkeit und Wut.

Wie schade, dass er seinen Erfolg nicht erleben konnte. Was für ein trauriges Schicksal eines großen russischen Schriftstellers, der sich fraglos als Erbe Tolstois, Gorky oder Gogol sehen darf.

 

Ich danke dem Luchterhand Verlag für das Rezensionsexemplar.