Meine Woche

IMG_5236

Gesehen: „Advantageous“ von Jennifer Phang – großartiger intelligenter und sozialkritischer Sci-Fi Film. Wunderschöne Atmosphäre.

Naked Lunch” von David Cronenberg mit Peter Weller. Abgefahrene Verfilmung von William S Burroughs gleichnamigen Kultroman. Hat mir gefallen, nur die Musik war ätzend.

Jessica Jones“ mit Krysten Ritter. Staffel 1 fertig geschaut. Klasse, freue mich schon auf Staffel 2.

Gehört: Soap & Skin „Mawal Jamar„, Maximilian Hecker „Love Hotel Hill„, Beak> „Broken Window„, Lena Platonos „Markos„,  The Haywains „Let’s twist the knife in my heart„, The Libertines „You’re my Waterloo„, Sam Cooke „Bring it Home to me

Gelesen: über diese 10 Frauen die die Science-Fiction Welt veränderten, warum unser Leben eher wie Tetris als Schach ist, dieses Interview mit Miranda July und diesen sehr amüsanten Artikel zu Detox und unser neues Pastell-Biedermeier

Getan: einen neuen Blog gestartet „Working Future Working„, die Januar Challenge „Celebrating Alcohol by not drinking it“ erfolgreich gemeistert und gespendet habe ich an „Room to Read„, auf Umwegen zur Arbeit gelaufen und dabei spannende Dinge in der Nachbarschaft entdeckt und ziemlich viel aufgeräumt und mal wieder mit einer guten Freundin in Paris telefoniert

Gegessen: Pho im Charlie und ich habe eine ganz leckere Zucchini-Lasagne gebastelt

Getrunken: Tee aus frischer Minze und Ingwer

Gefreut: alles verheilt

Geärgert: nö

Gelacht: Sometimes I think the surest sign that intelligent life exists elsewhere in the universe is that none of it has tried to contact us

und über diesen kleinen Fuchs

Geplant: Buchclub im Literaturhaus besuchen und eine Cocktailparty mit Freunden

Gewünscht: diese Lampe, diesen Fitness-Raum, dieses Outfit

Gekauft: Comics

Gefunden: einen wunderen Glitzer-Elch

Geklickt: auf diese Dokumentation über Karen Blixen – very gothic, dieses Video der London School of Life zum Thema „One Reason why Homes cost so much“, auf diesen TED-Talk über leuchtende Haie, auf diesen Comic zum Thema Privilegien, dieses Interview mit Orphan Black Star Tatiana Maslany

Gewundert: warum ich eigentlich so viel lieber auf englisch als auf deutsch schreibe und lese …

Advertisements

Carmilla – Joseph Sheridan Le Fanu

IMG_5138

Le Fanu hat mit seiner Vampirin „Carmilla“ nicht nur Stoker zum wohl berühmtesten Vampir der Welt „Dracula“ animiert, in vielerlei Hinsicht hat er mit Carmilla auch das absolute Gegenstück zum heterosexuellen, adretten Grafen erschaffen.

„Carmilla“ ist eine von Frauen dominierte Geschichte, sie ist homoerotisch, mehrdeutig, vielschichtig und rätselhaft. Bei Le Fanu ist der Vampir nicht das absolut böse, verblühte Etwas, sondern eine wunderschöne, geheimnisvolle Fremde, die überall gerne nach Hause eingeladen wird und die Herzen ihrer Gastgeber gewinnt.

Carmilla wird ähnlich wie in Mulholland Drive ein Spiegelbild der jungen Laura, die sich mehr und mehr zu Carmilla hingezogen fühlt, wodurch eine ganz andere Art von Horror entsteht, wenn es eben nicht um die Zerstörung eines abgrundtief bösen verwelkten Monsters geht, sondern jemanden, den man irgendwie auch liebt.

vampires_love_graffiti_by_rawgraff-d2yb4fx

Foto: Rawgraff

Die letzten Jahre haben uns mit Vampirgeschichten ziemlich überrollt. Von Buffy über Twilight zur wundervollen Jim Jarmusch Verfilmung „Only Lovers left alive“ und daher erscheint einem vieles schnell als Cliché. Eine junge Frau wird Tag für Tag schwächer, sie schläft schlecht, ist nervös – klar, da muß ein Vampir in der Nähe sein. Daher musste ich mich gelegentlich daran erinnern, dass all das für Le Fanus Leser absolut neu war und nichts mit Cliché zu tun hatte.

“But to die as lovers may – to die together, so that they may live together.”

Überrascht hat mich, dass es durchaus richtig gruselig zugeht in dem Buch. Da waren ein paar Absätze, die fand ich wirklich unheimlich. Nicht das ich Autoren des 19. Jahrhunderts das nicht zutraue, aber einige Szenen hatte ich so nicht erwartet. Die Szenen wenn Carmilla Blut saugt, waren gleichzeitig erotisch, aber auch verdammt krass.

Was mich aber vielleicht am meisten überrascht hat war die, wenn überhaupt nur äußerst knapp verstecke, homoerotische Sexualität. Das muß beim Erscheinen des Buches für ziemliches Aufsehen gesorgt haben. Le Fanu gehört ja doch eher zu den englischsprachigen Mainstream Autoren und bei Sätzen wie hier

… my strange and beautiful companion would take my hand and hold it with a fond pressure, renewed again and again; blushing softly, gazing in my face with languid and burning eyes, and breathing so fast that her dress rose and fell with the tumultuous respiration. It was like the ardour of a lover; it embarrassed me; it was hateful and yet overpowering; and with gloating eyes she drew me to her, and her hot lips travelled along my cheek in kisses; and she would whisper, almost in sobs, „You are mine, you shall be mine, and you and I are one for ever“

dachte ich einfach nur – Wow. Hätte nicht erwartet, dass ich in dem Buch die Jagd- und Verführungstechniken weiblicher Vampire von jungen Frauen präsentiert zu bekommen. Oder Le Fanus Erklärung, dass, wie bei dieser Art von Liebe und Lust nicht anders zu erwarten sei, der Vampir nicht allein nach dem Blut, sondern auch nach Körperlichkeiten hungert. Noch mal wow.

Jetzt aber auch nicht falsch verstehen, anzüglicher als in dem Zitat oben wird es nicht, aber für die Zeit denke ich trotzdem eine kleine Sensation.

„Carmilla“ ist eine wundervolle unheimliche, verführerische kleine Novelle, die sich meines Erachtens hinter Bram Stoker’s Dracula nicht verstecken muß. Mir tat Carmilla ein wenig leid. Aber gut, man kann wohl nicht unbegrenzt junge Edeldamen aussaugen, auch wenn die noch so abgelegen leben, ohne das irgendwann das Gerede anfängt …

„Carmilla“ ist mehrfach verfilmt worden. Die vielleicht beste Verfilmung dürfte die von Roger Vadim aus dem Jahr 1961 sein:

Things Fall Apart – Chinua Achebe

IMG_5189

„Turning and turning in the widening gyre
The falcon cannot hear the falconer,
Things fall apart; the center cannot hold
Mere anarchy is loosed upon the world.

– W. B. Yeats, „The Second Coming“

Chinua Achebe’s „Things Fall Apart“, ein Buch das fast jeder kennt, aber das in meinem Bekanntenkreis zumindest noch niemand gelesen hatte, war die Januarlektüre des Buchclubs.

„Things Fall Apart“ erzählt die Geschichte von Okonkwo. Ein junger Mann, der ziemliche Probleme mit seinem Vater hat, den er schwach und ambitionslos findet. Auf keinen Fall will er einmal so werden wie er. Daher gilt es, um jeden Preis jedes Anzeichen von Schwäche und Herzlichkeit im Keim zu ersticken.

Okonkwo ist ein ziemlicher Tyrann, der seine Ehefrauen und Kinder über das seiner Kultur und Zeit übliche Mass traktiert. Er ist erfolgreich und angesehen, doch das Blatt scheint sich für ihn zu wenden, als er sich mit der geplanten Ermordnung eines Jungen konfrontiert sieht, der wie ein Sohn seit ein paar Jahren in seiner Familie lebt.

Die britische Kolonialisierung und insbesondere die Missionare bringen immer größere Veränderungen mit sich. Achebe macht diesen Effekt sehr deutlich, ohne je in Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen. Denn es gibt niemals nur Verlierer durch Veränderungen. In einer Gesellschaft, in der Stärke irgendwann nicht mehr das Einzige ist, das zählt, haben auch Frauen irgendwann die Möglichkeit, sich durch mehr auszuzeichnen als durch Schönheit und Gehorsam. Auch Zwillinge wären in der Kultur der Igbo irgendwann nicht mehr automatisch zum Tode verurteilt.

“The white man is very clever. He came quietly and peaceably with his religion. We were amused at his foolishness and allowed him to stay. Now he has won our brothers, and our clan can no longer act like one. He has put a knife on the things that held us together and we have fallen apart.”

Ich fand das Buch interessant, aber mehr wie beim Lesen eines Artikels im National Geographic, wirklich gefesselt hat es mich nicht. Der Roman enthält relativ viele unübersetzte Igbo-Worte, was sicherlich zur Authentizität der Geschichte beigetragen hat, für mich hat es den Fluß der Geschichte allerdings wieder und wieder unterbrochen.

„The world has no end, and what is good among one people is an abomination with others.”

Ich bin den Protagonisten nicht wirklich näher gekommen, das liegt aber vielleicht mehr an mir als an Achebe.

Passend zum Buch wurde beim Bookclub-Dinner Yam serviert – schmeckt interessant. Hier ein Bild vom Rest der Wurzel, vor der Zubereitung:

IMG_5174

Bin über die Crash Course Videos auf YouTube (die ich nur empfehlen kann) auf das „Things Fall Apart“-Video von John Green gestolpert, das ich sehr sehenswert fand:

 

Robert Burns Night

Burns by Iain McIntosh

Foto: Ian McIntosh

Yes Ladies and Gentlemen, tonight is the Night. It’s Burns Night and I wonder why I haven’t relived the tradition of Burns Night for so long. When I lived in Scotland there was no way to not celebrate Burns Night and maybe my months of „Celebrating Alcohol by not drinking it“ made me think about it again.

Traditionally the Burns Night is celebrated on January 25th not just in Scotland but wherever there was a high population of Scottish Migrants. You meet for supper and have Haggis with Neeps and Tatties (Kartoffeln und Steckrüben) and wash that down with generous amounts of Whisky.

Burns is probably best known outside of Scotland for his song „Auld Lang Syne„.

My favourite Burns Night happened in Dundee actually, one of the most unattractive areas of Scotland also called the armpit of Scotland. Working for United Distillers in Perth served me with a constant supply of alcohol which might have helped expanding my circle of friends. Dundee has a university and I had met some Spanish guys there who I was giving English lessons to. Their accent was terrible, they could hardly be understood for the life of it. Beard, Bird, Birth – it all sounded the same. So once a week I would take the bus from Perth to Dundee and we worked on their pronunciation and they were pretty unsuccessfully trying to install some Economics into my brain. We usually ended the tuition with wonderful Spanish food and complicated European art movies.

On this Burns Night my backpack was full with little Whisky Bottles, that my boss allowed me to take. They were „old stock“ meaning the labels were damaged or something and could not be used any more. I remember it was a year of heavy snow for Scotland, I stumbled through the snowy armpit and was welcomed by my Spaniards with the Traditional Haggis Supper. I love Haggis. When you forget what it is made of it’s totally fine. I had prepared a Burns Poem for each of them and we were in the middle of the merry Haggis&Whisky Supper when suddenly the electricity went out.

Not for the first time nobody had remembered to get coins for the coin operated meter so we had plenty of candles. It was such a romantic night somehow. Snowing outside, inside we were sitting in the kitchen in candlelight drinking gallons of Whisky reciting Burns poems in terrible Scots and had a great time.

A Red, Red Rose

Unfortunately no great time the next morning. Of course I had missed the last bus, had cuddled up on the Sofa in the kitchen with a blanket. No electricity also meant no heating and I had frozen stiff during the night. And then the walk of shame to work the next day but hey it was worth it and Scottish Employers especially in the Alcohol business are pretty understanding towards young girls late and hangover for work. I mean it was Burns Night after all 😉

So – the plan is: Next Year I will be organizing a Burns Night with my friends. Because of my no alcohol in January Resolution no Burns Dinner tonight but next year.

I make sure there will be Poems, Haggis, candles, no heating, hopefully some snow and definitely gallons of Whisky. Will you join ? 🙂

slàinte mhath

p1000478

Meine Woche

IMG_5191

Gesehen: „Blade Runner“ von Ridley Scott – immer noch klasse

Bullit“ mit Steve McQueen – ganz toller Film und grandiose Autos.

Das Salz der Erde“ von Wim Wenders. Dokumentarfilm über den Fotografen Sebastiao Salgado, dessen Ausstellung wir kürzlich besuchten. Absolut sehenswert!

Unbreakable Kimmy Schmidt“ Staffel 1. Comedyserie von Tina Fey. Sehr witzig, mochte ich.

Gehört: Soft Moon „Breath the Fire„, Vangelis „Blade Runner Theme„, Fever Dream with Laura K „The Squall„, Pinkshinyultrablast „Umi„, Motorama „Write to Me„, The School „He’s gonna break your heart one day

Gelesen: Why Men have to Manspread mansplains a Scientist, dieses Interview mit Margaret Atwood, über die Vorteile der Prokrastination, über die online Silk Road und die Top 10 der Eichhörnchen-Romane.

Getan: Modul 2 meines Leadership Programms durchgeführt und einen sehr schönen Abend mit Kollegen am chinesischen Buffet verbracht, Zug gefahren und geflogen und den Bookclub besucht

Gegessen: Tomatenauflauf mit weißen Bohnen und Yam-Wurzel im Bookclub

Getrunken: Alkoholfreies Radler

Gefreut: über den Musikmix aus Hagen

Geärgert: hmm fällt mir nix ein

Gelacht: Hipster – is what happens when you tell every child they’re special

Geplant: uns mit dem Japan erfahrenen Freund zu treffen

Gewünscht: dieses Arrangement für meine Leseecke, diese Jacke, dieses Tshirt und dieses Auto

Gekauft: einen Blumenstrauß für die wunderbare Bingereader-Gattin 🙂

Gefunden: nix

Geklickt: auf diesen Vortrag von Frederic Laloux zum Thema „Reinventing Organizations“ und auf diesen TED Talk von Brian Robertson zu „Holocracy

Gewundert: wie ich wohl an diesen Zauberspruch gelange 😉

She Past Away – Katzenclub

12278976_10153767171974222_5841374192417658168_n

Foto: She Past Away Facebook Page

She Past Away ist eine türkische Post Punk, Dark Wave Band aus Bursa die es seit 2006 gibt. Mit ihrem 2012 erschienen Album „Belindri Gece“ wurden sie erstmals einem größeren Publikum bekannt. Ich habe sie zum ersten Mal auf dem Amphi Festival vor zwei Jahren in Köln gesehen und bei der Konzertankündigung für München mußte ich nicht lange nachdenken.

Ob es sich bei „She Past Away“ nun um einen Schreibfehler handelt und sie eigentlich „passed away“ meinten, oder ob es tatsächlich Absicht war, lässt sich nicht wirklich mehr nachvollziehen. Fremdsprachen sind allerdings nicht ihre Stärke. Schon für kürzeste Ansagen in Deutsch oder Englisch  musste eine Übersetzungssoftware her, aber egal, eine Band soll gute Musik machen und nicht mit Sprachkenntnissen glänzen.

FullSizeRender1

Und gute Musik machen sie. Sie klingen wie The Cure on Speed, erinnern gelegentlich an die Joy Division und die Herren Volkan Caner/Doruk Ozturkcan arbeiteten sich mit dunkel melodischen Synths, wummernden Bässen und Drumcomputer durch ihr Repertoire. Volkans tiefe Stimme erinnert auch immer mal wieder an „The Sisters of Mercy“.

Das Konzert selbst wirkte stellenweise etwas amateurhaft, aber dank Songs wie „Ruh“, „Ritüel“ oder auch „Kasvetli Kutlama“ verzeiht man allerlei.

„She Past Away“ sind ein erfrischender Neuzugang in der von Neuheiten nicht gerade verwöhnten Darkwave Szene.

Michael Kohlhaas – Heinrich von Kleist

IMG_5095

Nein, mit Herrn Kohlhaas sollte man sich besser nicht anlegen. Eigentlich der absolute Musterbürger des 16. Jahrhunderts. Gläubig, fleißig, aufrichtig, gütig – bis er es eines Tages nicht mehr ist. Bis er einfach nicht mehr kann, sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn ihn so antreibt und aufreibt, bis er gar zum Räuber und Mörder wird. So kann es gehen. Er möchte doch nur zwei Pferde transportieren, wird vom Junker, dem Landeigentümer, gestoppt, der eine Steuer von ihm verlangt für das Betreten seines Landes. Kohlhaas kann nicht zahlen, die Pferde müssen beim Junker bleiben als Pfand. Aber diese Steuer, von der Kohlhaas noch nie gehört hat, die gibts auch gar nicht, die hat sich der Junker einfach einfallen lassen und dann richtet er die armen Pferde auch noch so zugrunde, kein Wunder, dass Kohlhaas versucht, dagegen auf juristischem Wege vorzugehen.

Dabei könnte man es fast schon belassen, der Inhalt dieser kurzen Novelle ist schnell wiedergegeben, aber ich würde dieser Geschichte damit nicht gerecht werden. Denn so banal es vielleicht klingt, dass einer irgendwann durchdreht, vor lauter Ausgeliefertsein und dem Gefühl der Ungerechtigkeit, so großartig und zeitlos hat Kleist das beschrieben.

Er hat ja Recht, der Kohlhaas, mit seinen Anschuldigungen und das Recht wird ihm verweigert. Die spannende Frage für mich ist, was hätte ich getan, wenn ich alle legalen Wege versucht hätte und ich einfach kein Recht bekommen hätte. Wäre ich eventuell auch einfach irgendwann stur ins Unglück gerannt und hätte alle mitgerissen, die mir in den Weg kommen? Hätte ich die Sache einfach auf sich beruhen lassen, der Klügere gibt nach, Ende der Geschichte oder hätte ich mich auch vollkommen reingesteigert und darin verbissen wie der Kohlhaas?

Er lässt die Geschichte nicht auf sich ruhen, er beginnt eine unermüdliche Schlacht gegen seinen Feind, den Junker Wenzel von Tronka (sehr cooler Name by the way), und als er ihn einfach nicht erwischt, dann kämpft er irgendwann gleich gegen den ganzen Staat Sachsen. Kohlhaas wird zum Staatsfeind. Er stellt eine Armee auf, überfällt Dörfer und selbst Martin Luther versucht, zwischen der Kirche, dem Staat und Kohlhaas zu vermitteln.

8280784678_4f4a929a34_c

Foto: horsesofgrassdale.com

Kleists Kunst liegt für mich darin, wie er es schafft nachvollziehbar zu machen, wie eine eigentlich triviale Sache wie die Auseinandersetzung um zwei Pferde einen immensen Schneeballeffekt verursachen kann und riesige unabsehbare Folgen haben kann. Kleist ist ein Meister in der Darstellung menschlicher Beweggründe.

„An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Roßhändler, namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit. – Dieser außerordentliche Mann würde, bis in sein dreißigstes Jahr, für das Muster eines guten Staatsbürgers haben gelten können….“

Ich war überrascht wie actionreich diese Novelle ist, habe ich partout nicht erwartet. Kleist habe ich mir immer als zartes Kerlchen vorgestellt, der leise Gedichte vor sich hinmurmelt. Weit gefehlt. Die Geschichte ist so spannend, verblüffend und regt lange nach Beendigung der Lektüre zum Nachdenken an.

Ich würde mich nicht wundern, wenn Michael Kohlhaas demnächst ein „Buch als Magazin“ wird. Mark my words 😉

Es gibt eine interessante Verfilmung aus dem Jahr 2013 mit Mads Mikkelsen, habe bislang nur den Trailer gesehen, der sieht sehr vielversprechend aus: