A Confederacy of Dunces – John Kennedy Toole

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Dieser Roman und sein Protagonist, Ignatius J Reilly, sind in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Es ist das mit Abstand witzigste, skurrilste erste Kapitel das ich jemals gelesen habe. Ich habe hysterisch gelacht, Tränen weggewischt und ich kann niemandem empfehlen, dieses Buch in der Öffentlichkeit zu lesen, wenn man nicht Gefahr laufen will, zum Schutze seiner selbst und der Öffentlichkeit eingewiesen zu werden.

Wir treffen Ignatius Reilly mit einer grünen Jagdmütze mit abstehenden Ohrenklappen bekleidet vor einem Kaufhaus, wo er auf seine Mutter wartet. Er ist hauptberuflich Muttersöhnchen, ein alltagsuntauglicher,verfressener philosophierender Pseudo-Intellektueller, ein Don Quijote, der im falschen Jahrhundert lebt, Probleme mit seinem Pylorus hat (nicht das ich wirklich wüsste, was genau es damit auf sich hat) und sich vom mittelalterlichen Philosophen Boethius durchs Leben leiten lässt. Körperhygiene gehört ebenso wie berufliche Betätigung nicht zu seinen Interessen.

Er wohnt mit seiner Mutter zusammen in einem heruntergekommenen Haus in New Orleans und philosophiert in seinem Zimmer vor sich hin oder geht ins Kino. Ein Autounfall und die daraus entstehenden Kosten bringen seine Mutter dazu, den Nachwuchs in der Arbeitswelt unterbringen zu wollen und somit nimmt die abstrus komische Kontaktaufnahme Ignatius‘ mit der Realität seinen Lauf.

Das Buch ist Kult, nicht zuletzt auch dank seiner nahezu sagenumwobenen Entstehungsgeschichte. Ein Roman, den zu Lebzeiten Tooles keiner Lesen wollte, heißt es, und der keinen Verleger finden konnte. Aber ganz so stimmt es nicht. Simon & Schuster interessieren sich durchaus, die vorgeschlagenen Änderungswünsche lehnt Toole hingegen ab. Natürlich kann ich nicht beurteilen, wie sehr die dortigen Lektoren in die Geschichte eingreifen wollten, etwas Straffung und Überarbeitung hätte dem Buch meiner Ansicht aber gar nicht geschadet.

Die Figuren sind gelegentlich schon etwas holzschnittartig und die Kapitel nach seinem Rauswurf aus Levys Hosenfabrik, könnten etwas kürzer sein. Toole empfand die andauernde Korrespondenz und Änderungswünsche von Simon & Schuster als Zumutung und als diese irgendwann (entnervt ?) das Buch ablehnten, nahm er sich kurz darauf aus Verzweiflung das das Leben. Der Abschiedsbrief wurde von seiner Mutter vernichtet. Natürlich fragt man sich beim Lesen des Öfteren, wieviel Toole in Ignatius steckt, sucht Parallelen, auch wenn das natürlich unsinnig ist.

Der Roman ist eine Hommage an New Orleans, an Außenseiter und eine Abfuhr an die Konformität. Ignatius selbst hat genervt, mich aber immens zum Lachen gebracht. Richtig ans Herz gewachsen ist mir aber Miss Trixie, die seit gefühlten 100 Jahren bei Levis angestellte, senile Buchhalterin, die verzweifelt auf ihre Pensionierung wartet. Miss Trixie ist eine der wenigen Figuren, für die Ignatius tatsächlich Wärme und Herzlichkeit verspürt und die von seinen Traktaten verschont wird.

Das Buch ist im Original nicht ganz einfach zu lesen, durch die verwendeten Dialekte und Klangfärbungen, aber die Mühe wird belohnt.Schaut mit Sheldon Coopers Großvater im Geiste der Stadt New Orleans unter den Rock, aber besser in den eigenen vier Wänden und nicht im Bus oder in der U-Bahn.

„Employers sense in me a denial of their values…they fear me. i suspect that they can see that i am forced to function in a century which I loathe.”

“You could tell by the way he talked, though, that he had gone to school a long time. That was probably what was wrong with him.”

“Like a bitch in heat, I seem to attract a coterie of policemen and sanitation officials. ”

“My mother is currently associating with some undesirables who are attempting to transform her into an athlete of sorts, deprave specimens of mankind who regularly bowl their way to oblivion.”

„The door opened slowly as Miss Trixie made her day’s entrance, a large bag preceding her. „Miss Trixie!“ Mr. Gonzalez said in what was, for him, a very sharp tone.
„Who?“ Miss Trixie cried frantically.
She looked down at her tattered nightgown and flannel robe. „Oh, my goodness“, she wheezed. „I thought I felt a little chilly outside.“
„Go home right now“:
„It’s cold outside, Gomez.“
„You can’t stay at Levy Pants like that. I’m sorry.“
„Am I retired?“ Miss Trixie asked hopefully.
„No“ Mr. Gonzalez squeaked.

Das Buch erschien auf deutsch unter dem Titel „Die Verschwörung der Idioten“ im Klett-Cotta Verlag.

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Esben and the Witch @Muffatcafe

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Auf dem Weg zum Konzert fast ertrunken. Eisiger Wind und monsunartige Regenfälle, die schwimmbadgroße Pfützen verursachten, fast könnte man meinen, das Wetter habe extra für Esben and the Witch aus Brighton für düsteres Drama gesorgt. Hatten wir sie im letzten Jahr mit Vorband noch im größeren Ampere gesehen, spielten sie dieses Mal ohne Vorband im hübschen Muffatcafe. Keine Vorband zu haben hatte aber den Vorteil, das kein Zweifel aufkommen konnte, wann das Konzert beginnt und aufhört und nicht wie im Vorjahr die Hälfte der Zuschauer versehentlich nach der Vorband am abreisen war, weil man nicht sicher war, ob das nicht schon Esben waren, die gerade gespielt hatten.

Kein Zweifel also darüber, wer auf der Bühne steht, aber diese Esben and the Witch Band hatte dieses Mal ungleich mehr PS unterm Kessel. Das ging aber richtig heftig los. Von shoegazerischem Nightmare Pop so gar keine Spur mehr, das war dunkler Rock/Noize vom Feinsten. Das hat von der ersten Sekunde an reingehauen. Da war eine Energie auf der Bühne, insbesondere das Schlagzeug explodiert, mir blieb da teilweise echt die Luft weg.

Emotional, krass und ! „I am no Dog“ heult Rachel Davies ins Mikro und der Song explodiert und zieht einen komplett in seinen Bann. „Just three of us, in a  room, making noise“ sagten sie in einem Interview kürzlich und das trifft es. Da kommen schon mal Gedanken an die Swans, Sonic Youth oder auch gelegentlich Aphex Twin. Herrlich düster, laut und krass. Sie spielen fast die komplette „A New Nature“ bevor es auch ein paar ruhigere, ältere Stücke gibt. Obwohl sie wesentlich weniger elektronisch sind, als noch auf der vorherigen Platte, ist das einfach stimmig.

Das Schlagzeug hat mich gelegentlich an die frühen Platten von In the Nursery erinnert.

Das war richtig klasse, wer die Möglichkeit hat hingehen!

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Meine Woche

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Gesehen: “LA Crash“ Ein Episodenfilm über Rassismus, Verlust und Gewalt in LA – aber der war nicht so meins. Ansonsten eine Doku über die Rolling Stones und die letzten Folgen der 7. Big Bang Staffel – jetzt heißt es wieder warten 😦

Gehört: Sara Mingardo dieses und dieses und ansonsten Esben and the Witch und Olöf Arnalds 

Gelesen: The future of the book is much brighter than people think 🙂

Getan: viel geradelt, häufig nass geworden diese Woche. 2 Buchclubs und 2 Konzerte besucht (Esben and the Witch + Olöf Arnalds)

Gegessen: Wonnies wunderbare Rotkohl-Tarte mit Meerettich-Frischkäse und Kürbiskernen

Getrunken: Ingwer-Tee

Gefreut: über mein Wichtel-Buchpaket das wunderbar gefüllt war und das wir im Frühling tatsächlich zur Leipziger Buchmesse fahren 🙂

Geärgert: übers unentwegte Durchgenässt-sein beim Radln diese Woche

Gelacht: Damn you Autocorrect – ich könnte mich da stundenlang totlachen

Geplant: die Reparatur-Liste für den Papa und die kommendnen Konzerte

Gewünscht: neue Turnschuhe. Diese oder diese (jetzt haben Turnschuhe schon eigene Webseiten, ich werd nicht mehr!)

Gekauft: ich war die totale Shopping-Queen diese Woche! Eine Jeans, eine blaue Leinenhose, ein T-Shirt, ein Hoody, 2 Bücher, Servietten und eine Blumenvase. Unglaublich.

Gefunden: nix leider

Geklickt: auf diesen Talk-Show Beitrag mit Karen Duve. Macht große Lust auf ihr neues Buch.

Gewundert: wieviel man kaufen kann ohne einen Pfennig Bargeld dabei zu haben 😉

(diese Auflistung bei philuko gesehen für toll befunden und übernommen – hoffe, das ist ok).

Ein ganzes Leben – Robert Seethaler

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Poesie hat sehr viel zu tun mit der Kürze der Form und die knapp 150 Seiten sind nicht viel für ein ganzes Leben – und doch ist alles gesagt. Kein Satz zuviel, keines zuwenig, jedes Wort sitzt. Die Ruhe, die von dem Buch ausgeht, trügt, ist eine Illusion. Rasant vergeht das Leben des Andreas Egger. Alles wird angedeutet, nichts unnötig ausgeschmückt, eine wunderbar reduzierte Erzählweise und trotz der Kürze fehlt da nichts. Man weiß über den Egger, was man wissen muss oder glaubt es zumindest, man vermisst nichts.

Die Stille ist der Kern des Buches, gibt der Autor im Interview auf dem blauen Sofa preis und das spürt man auf jeder Seite. Andreas Egger ist kein Mann vieler Worte. „Wem das Maul aufgeht, dem gehen die Ohren zu.“ Sein Leben ist von Anfang hart und aufs Allernotwendigste reduziert. Elternlos kommt er als kleiner Junge um 1902 herum auf den Hof von Verwandten die ihn mehr als billige Arbeitskraft denn als kleinen Jungen sehen, der Liebe braucht. Er wird häufig geschlagen, von Liebe keine Spur – Hiebe statt Erziehung. Nicht unüblich wahrscheinlich in dieser Zeit auf einem Bergbauernhof.

Seethaler hat sich das Buch aus dem Herzen gequetscht, wie er im Interview sagt. Er mag randständige Figuren, denn die Außenseiter sind die Normalen, die Erzählenswerten. Und Egger ist ein Außenseiter. Im Dorf will keiner viel mit ihm zu tun haben. Seine Energiequelle sind nicht die Menschen, für ihn ist es die Natur. Er braucht nicht viel, um glücklich zu sein.

Er wächst zu einem starken Mann heran, der wenig spricht, aber das wenige ist reflektiert, essentiell und hat Wirkung. „Wenn Du mich schlagst, bring ich dich um!“, sagt er dem Kranzstocker, dem Bauern irgendwann, der ihn seine gesamte Kindheit über schwerst misshandelt hat, ihm ein verkrüppeltes Bein beschert hat und das reicht. Mit dem Satz schüttelt er die Kindheit ab. Er arbeitet hart, spart und kann sich mit Ende 20 seinen eigenen kleinen Hof leisten.

Und dann passierte das Schönste im Leben des Egger. Er trifft seine große Liebe. „Sie brachte ein neues Glas und als sie sich nach vorne beugte, um es auf den Tisch zu stellen, berührte sie mit einer Falte ihrer Bluse seinen Oberarm. Die Berührung war kaum zu spüren, doch hinterließ sie einen feinen Schmerz, der mit jeder Sekunde tiefer in sein Fleisch zu sinken schien. Er sah sie an, und sie lächelte.“

Egger nimmt das Leben an, wie es ist. Häufig haut ihm das Schicksal richtig heftig in die Fresse. Dennoch sieht er zufrieden auf sein Leben, denn er hat geliebt und Marie ist immer bei ihm, auch wenn er sie verloren hat. Mit ihr ist etwas ganz Elementares gestorben. Er wird sie nie vergessen und er löst sich nicht von ihr. Eine tiefe Liebe, angerissenes Glück. Das Glück eine solche Liebe gehabt zu haben, ist größer als seine Trauer um deren Verlust.

Er lebt in Zeiten des Umbruchs und er tut sich oft schwer sich eine Meinung zu bilden. Er ist oft ambivalent. Er arbeitet mit an der Konstruktion von Seilbahnen, versteht nicht wirklich, wofür die gut sein sollen, aber dennoch bewundert er die klugen Ingenieure die sich so etwas ausdenken.

Nach dem Krieg führt er Touristen durch die Berge und wieder ist er sich nicht sicher, was er von ihnen halten soll.
„Egger ärgerte sich über diese Leute, die da so kopflos im Geröll herumstiegen und ständig nach irgendeinem Wunder zu suchen schienen. Er hätte sich ihnen gerne in den Weg gestellt, um ihnen seine Meinung zu sagen, doch im Grunde wusste er nicht, was er ihnen eigentlich vorwerfen sollte. Insgeheim, so viel konnte er sich selbst immerhin eingestehen, beneidete er die Ausflügler.“

Die Schicksalsschläge haben ihn morsch gemacht, aber er jammert nie. Er hatte eine Liebe und eine weitere will er nicht. „Und der Kampf mit der Lust, die immer noch und immer wieder in ihm aufbrandete, war ein Kampf, den er bis zum Schluss ganz allein mit sich selbst auszutragen gedachte.“

„Als er sich endlich bewegte, blitzte hinter den weit entfernten Gebirgsketten die Sonne hervor und übergoss die Gipfel mit ihrem Licht, so weich und schön, dass er, wäre er nicht so müde und verwirrt gewesen, hätte lachen können vor reinem Glück.“

Seethaler hat ein wunderschönes Buch geschrieben. Unglaubliche Adverbien, er hat einen ganz besonderen Stil, der auf jeden Fall ein Lesevergnügen bietet, das einen in seinen Bann zieht. Er beschreibt ein Lebensmodell das nicht mehr in unsere Zeit passt. Unaufgeregt, hart, archaisch.

 

Abschiedsbrief

Vor ein paar Tagen habe ich auf Maria Popova’s brilliantem Blog „Brainpickings“ den Abschiedsbrief gesehen, den Simone de Beauvoir 1950 an Nelson Algren schrieb. Er ist einer der berührensten Abschiedsbriefe die ich kenne:

simone de beauvoir

I am better at dry sadness than at cold anger, for I remained dry eyed until now, as dry as smoked fish, but my heart is a kind of dirty soft custard inside.

[…]

I am not sad. Rather stunned, very far away fro myself, not really believing you are now so far, so far, you so near. I want to tell you only two things before leaving, and then I’ll not speak about it any more, I promise. First, I hope so much, I want and need so much to see you again, some day. But, remember, please, I shall never more ask to see you — not from any pride since I have none with you, as you know, but our meeting will mean something only when you wish it. So, I’ll wait. When you’ll wish it, just tell. I shall not assume that you love me anew, not even that you have to sleep with me, and we have not to stay together such a long time — just as you feel, and when you feel. But know that i’ll always long for your asking me. No, I cannot think that I shall not see you again. I have lost your love and it was (it is) painful, but shall not lose you. Anyhow, you gave me so much, Nelson, what you gave me meant so much, that you could never take it back. And then your tenderness and friendship were so precious to me that I can still feel warm and happy and harshly grateful when I look at you inside me. I do hope this tenderness and friendship will never, never desert me. As for me, it is baffling to say so and I feel ashamed, but it is the only true truth: I just love as much as I did when I landed into your disappointed arms, that means with my whole self and all my dirty heart; I cannot do less. But that will not bother you, honey, and don’t make writing letters of any kind a duty, just write when you feel like it, knowing every time it will make me very happy.

Well, all words seem silly. You seem so near, so near, let me come near to you, too. And let me, as in the past times, let me be in my own heart forever.

Your own Simone

Blue Nights – Joan Didion

Didion

Ich gebe zu, eine eher ungewöhnliche Strandlektüre. Vielleicht brauchte ich aber gerade die Sonne und Wärme, um mich einem solchen Buch zu nähern.

Die Atmosphäre im Buch hat mir trotz der Traurigkeit und des Schmerzes sehr gut gefallen. Es fühlte sich an, als würde Ms Didion neben mir sitzen. Schmal und elegant, vielleicht eine Zigarette rauchend und ihren Gedanken nachhängend. Sie versucht, ihr Leben zu verstehen, zu verstehen warum ihre Tochter fast unausweichlich so werden musste, wie sie war. Sie versucht, ihren Tod zu begreifen und mit dem Verlust zurecht zu kommen.

„I know what the fear is. The fear is not for what is lost. What is lost is already in the wall. What is lost is already behind the locked doors. The fear is for what is still to be lost.”

Der Tod spielt eine große Rolle in dem Buch. Nicht nur der Tod ihrer Tochter, sondern der ihres Mannes und sehr vieler ihrer Freunde und deren Kinder. Didion als eine der letzten Überlebenden. Sie reflektiert über das Alter, über Verluste und immer wieder die Zweifel, ob sie für Quintana die richtige Mutter war. Ob sie genug war.

Es gibt Stimmen, die Didion vorwerfen keine gute Mutter gewesen zu sein. Ich fange gar nicht erst an, sie in irgendeiner Weise zu rechtfertigen. Blue Nights ist auch ein Porträt über zwei priviligierte Schriftsteller, die man im Kontext ihrer Arbeit, ihrer Gesellschaft und ihrer Zeit sehen muss.

Joan Didion ist dem Medizin- und Psychologie-Apparat recht kritisch gegenüber eingestellt, die Diagnose ihrer Tochter „Bipolare Störung“ erscheint ihr aber absolut passend für ihre Tochter. Immer wieder entdeckt sie frühe Anzeichen, die Hinweise auf die Erkrankung zu sein scheinen. Die Verlustangst steckt tief in ihr, ist mit nichts zu bändigen. Alkohol, so Didion, ist auch heute noch der wirksamste Angstbekämpfer. Kein Medikament hilft so gut wie Alkohol, Ängste in den Griff zu bekommen. Eine wahre, aber auch erschreckende Erkenntnis.

“Adoption, I was to learn although not immediately, is hard to get right.
As a concept, even what was then its most widely approved narrative carried bad news: if someone „chose“ you, what does that tell you?
Doesn’t it tell you that you were available to be „chosen“?
Doesn’t it tell you, in the end, that there are only two people in the world?
The ones who „chose“ you?
And the other who didn’t?
Are we beginning to see how the word „abandonment“ might enter the picture? Might we not make efforts to avoid such abandonment? Might not such efforts be characterized as „frantic“? Do we want to ask ourselves what follows? Do we need to ask ourselves what words come next to mind? Isn’t one of those words „fear“? Isn’t another of those words „anxiety“?”

Didion liest sich mühelos, man kann es schnell lesen das Buch – aber man sollte sich Zeit lassen. Die Sätze wirken lassen. Ihre Sprache ist einfach, aber so poetisch. Sie lässt uns ganz nah an sich heran und ich war beeindruckt, wie sehr auch gerade die Listen, das Repetative, ihre Fragen – wie sie immer und immer wieder über bestimmte Erinnerungen nachdenkt, diese hinterfragt, bewertet, nach Hinweisen sucht.

“Memory fades, memory adjusts, memory conforms to what we think we remember.”

“In theory momentos serve to bring back the moment. In fact they serve only to make clear how inadequately I appreciated the moment when it was here. How inadequately I appreciated the moment when it was here is something else I could never afford to see.”

Mein erstes Buch von Joan Didion. Es ist sozusagen der zweite Akt ihrer ganz persönlichen Tragödie. Ihr Buch „The Year of Magical Thinking“ handelt vom Tod ihres Mannes, ein Jahr darauf verliert sie ihre Tochter. Ich möchte auf jeden Fall noch ihre anderen Bücher lesen. „Blue Nights“ kann ich auf jeden Fall nur empfehlen. Es ist ein trauriges aber nie sentimentales Buch, es macht nachdenklich und gibt irgendwie auch Hoffnung.

Das Buch erschien auf deutsch unter dem Titel „Blaue Stunden“ im List Verlag.