100 Jahre Frauenwahlrecht

100 Jahre dürfen Frauen in Deutschland wählen. Eine Selbstverständlichkeit, das jeder Mensch wählen kann, sollte man meinen und doch hat es ewig gedauert, bis Frauen wählen durften und es gingen jahrezehntelange ermüdende Kämpfe voraus. Deutschland liegt mit der Einführung des Wahlrechts für Frauen im Jahr 1919 im guten Mittelfeld. Eines der ersten Länder war Finnland, wo Frauen ab 1906 wählen durften, Länder wie Griechenland (1952) oder gar die Schweiz (1971) waren ziemliche Spätzünder. Liechtenstein ist gar erst im Jahr 1984 aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Unfassbar.

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Foto: AddF

Überhaupt spannend, dass sich häufig gerade die Länder, die alte bestehende Männerdemokratien waren, mit der Einführung des Frauenwahlrechts besonders schwer taten, siehe Griechenland oder auch Frankreich, das mit 1948 auch nicht gerade bei der ersten Welle dabei war. Nur in wenigen Ländern wurde das allgemeine Wahlrecht für beide Geschlechter zum selben Zeitpunkt eingeführt. Liberale Parteien sympatisierten am ehesten mit der Idee des Frauenwahlrechts, aber für sie war politische Beteiligung vom sozialen Stand abhängig. Das fand sich auch entsprechend in der Frauenbewegung wieder, wo sich bürgerliche Frauen vehement für ihr Wahlrecht einsetzten, dies aber durchaus auf bürgerliche Frauen beschränkt wissen wollten.

Die Parteien jeglicher Couleur fürchteten negative Konsequenzen. Soziale und Liberale fürchteten, die Stimmen der Frauen würden überwiegend zu den Konservativen wandern, die Konservativen glaubten, Frauen würden überwiegend Linke und Liberale stützen. Einig waren sich die Herren der unterschiedlichen Parteien auch, dass das Wahlrecht der erste Schritt zu einer vollständigen Emanzipation sei und das wollte keiner. Die Aufhebung der Klassenbarriere ließ sich daher einfacher und schneller durchsetzen als das Frauenwahlrecht.

Eine der bekanntesten deutschen Frauenrechtlerinnen, der wir nicht nur mit Blick auf das Wahlrecht viel verdanken, war die erste deutsche Juristin, Anita Augspurg. Sie gründete 1902 in Hamburg gemeinsam mit anderen Aktivistinnen den Deutschen Verein für Frauenstimmrecht.

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„Im Ersten Weltkrieg nahmen Augspurg und Heymann an internationalen Frauen-Friedenskonferenzen teil und hielten illegale Versammlungen in ihrer Münchner Wohnung ab und verteilten Flugschriften gegen den Krieg. Anita Augspurg kooperierte mit Kurt Eisner und wurde nach der Proklamation der Bayerischen Republik 1918 in München Mitglied des provisorischen bayerischen Parlaments. Bei den bald folgenden Wahlen kandidierte sie auf Listen der sozialistischen USPD, erlangte aber kein Mandat.

Während der Machtübernahme der NSDAP weilten Augspurg und Heymann auf einer Auslandsreise, von der sie nicht nach Deutschland zurückkehrten. Der Grund war, dass sie Repressalien befürchteten, da sie unter anderem 1923 beim bayerischen Innenminister die Ausweisung des Österreichers Adolf Hitler wegen Volksverhetzung beantragt hatten. Ihr Besitz wurde beschlagnahmt; ihre Bibliothek und alle Aufzeichnungen aus ihrer jahrzehntelangen Arbeit in der nationalen und internationalen Frauenbewegung gingen verloren“ (Zitat Wikipedia)

Eine Menge spannender Informationen zur Geschichte des Frauenwahlrechts findet ihr im Übrigen hier.

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Foto: Wikipedia

Bei meinem letzten London Besuch entdeckte ich dieses spannende Buch, das ich euch in diesem Zusammenhang ans Herz legen möchte:

„The Periodic Table of Feminism“ – Marisa Bate

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Kurze Biografien über entscheidende Figuren im Feminismus angelehnt an das Periodische System. Aufgeteilt in die 4 Wellen des Feminismus gibt es folgende Aufschlüsselung:

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Precious Metals: the leaders, the face of the movements
Catalysts: pioneers, fire-starters
Conductors: bringing people together, the organisers
Diatomic: women working together
Stabalizers: peaceful, pacificsts
Explosives: radicals, anarchists, violent

Es liest sich leicht, ist ein guter Einstieg in das Thema und bietet eine Übersicht über weiterführende Literatur. Das Büchlein macht Spaß und man bleibt leicht hängen, wenn man eigentlich nur mal kurz reinblättern möchte. Allerdings hätte ich dem Buch einen besseren (oder überhaupt einen) Korrekturleser gegönnt, es sind schon einige Tippfehler im Buch. Mir hat das die Freude am Entdecken und Wiederentdecken nicht genommen. Es ist etwas angloamerikanisch geprägt, Anita Augspurg war aber ebenfalls vertreten. Bislang gibt es das Buch nur in Englisch und ich weiß nicht, ob eine Übersetzung geplant ist, falls ja würde es sicherlich Sinn machen, es dann etwas stärker zu europäisieren.

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Vieles, was wir heute für selbstverständlich halten, musste von tapferen Menschen hart erkämpft werden. Wir dürfen das nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen. Ich bin dankbar, dass es so mutige Frauen wie  Frauen wie Anita Augspurg, Emmeline Pankhurst und Chimamanda Adichie gibt und gegeben hat, die Herzblut, Kraft und viel Verstand in den Feminismus investiert haben und geholfen haben, die Welt etwas gleichberechtigter zu machen.

Es bleibt noch viel zu tun und wir brauchen Feminismus heute mehr denn je!

 

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Meine Woche

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Gesehen: „Gothic“ (1986) von Ken Russell mit Gabriel Byrne und Natasha Richardson. Fiebriger Horrorfilm um die Entstehung von Mary Shelley’s „Frankenstein“

Mary Beard – Meet the Romans“ (2017) 3 teilige BBC Dokumentation über das Leben der einfachen Römer. Super spannend, hab ich sehr gerne gesehen.

Castlevania“ 2. Staffel (2018) von Warren Ellis. Animationserie die auf dem japanischen Videospiel Castlevania beruht, in dem es um den Vampirjäger Trevor Belmont und die Zaubererin Sypha die gegen Draculas Armee kämpfen. Tolle Atmosphäre und ein großartiger Soundtrack.

Gehört: „The Haunting of Hill House“ + „Come Home“ – Newton Brothers, „Bloody Tears“ – Castlevania OST, „Volk“ – Tom Yorke, „Ways of Stillness“ – Vau, „Postcards“ – Endless Melancholy, „Tired Eyes“ – Coastlands, „Requiem“ – Guiseppe Verdi, „King Night“ – Salem

Gelesen: Post-Truth Germany, Daniel Ratcliffe and the art of the fact-check, Dozenten und Professoren erzählen was sie von ihren Studenten gelernt haben, why do we feel so busy, The Confidence Gap, Merkel and the revenge of the white boys club, The harder better stronger faster language of dieting

Getan: die Magnum Ausstellung in der Versicherungskammer Bayern angesehen, Guinness im Irish Pub getrunken und den Stoffmarkt in Freising besucht

Geplant: ein Workshop an der TU München

Gegessen: French Toast mit Beeren

Getrunken: Guinness

Gefreut: dass es meinem Papa nach dem heftigen Epilsepsie-Anfall wieder gut geht

Geklickt:  „Why do societies collapse“ – Jared Diamond, „The case for curiosity driven research“ – Suzie Sheehy, The End – In the praise of credits, Marlene Dietrich Blue Angel Screen Test

Gewünscht: ein Besuch in dieser Bar, diese Jacke, diese Vasen

Gestaunt: über diese Buch Cover der 50er Jahre

Gefunden: nix

Gedacht: “To be yourself in a world that is constantly trying to make you something else is the greatest accomplishment.” — Ralph Waldo Emerson

#WomeninSciFi (43) Wandernde Himmel – Hao Jingfang

Ich freue mich schon jetzt auf unseren nächsten Besuch im hohen Norden, so dass ich endlich einen Abstecher in die Buchhandlung „Almut Schmidt – Der Leuchturm im Büchermeer“ von „Leseschatz„-Blogger Hauke Harder machen kann.

Vielen lieben Dank an Hauke, dass er uns mit der Hugo-Award Gewinnerin Hao Jingfang  auf den nächsten Trip in die Zukunft mitnimmt.

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„Wandernde Himmel“ erzählt von zwei Welten und ist durch die Fremdartigkeit eine überspitzte Gegenwart. Ein ruhiger Science-Fiction-Roman, der sich des Genres und der Zukunft bedient, um die jetzige Zeit mit den technologischen Entwicklungen, den politischen Ränkespielen und dem Kapitalismus aus chinesischer Sicht zu kritisieren.

Der Roman zeigt eine Gesellschaft, die durch den abgenutzten Slogan „Die da Oben und die da Unten“ nicht nur als bildliches Konzept vorgestellt wird. 2096 haben die Menschen eine Kolonie auf dem Mars gegründet, um weiteren Lebensraum zu erschließen. Anfänglich gab es zwischen der Erde und dem Mars eine Handelsbeziehung. Doch dann tauchten auf der Strecke zwischen Mars und Erde Kriegsschiffe auf. Es begann der marsianische Unabhängigkeitskrieg. Die Marsianer wollten unabhängig sein und verdammten den Raubtierkapitalismus der Erde. Die Erden-Bewohner hielten dahingegen den Staat des roten Planeten für eine Diktatur.

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Hundert Jahre hat diese Fehde gedauert und es beginnt nun zaghaft eine Verständigung zwischen den Menschen auf den beiden Planeten. Die Handlung fängt mit dem Flug des althergebrachten Raumschiffs Maerde an. Ein Schiff, das mit seiner kleinen Besatzung die Route Mars und Erde aufrechterhält und dessen Name sich aus den Namen der beiden Planten zusammensetzt. Die Maerde ist auf dem Heimflug zum Mars und hat Besucher einer Marsmesse, Erdenmenschen, die den Mars erstmalig aufsuchen, und eine Schülergruppe als Passagiere. Diese Gruppe von Jugendlichen, die sich Merkur nennt, wurde zur Verständigung zwischen den Völkern auf die Erde als eine Art Schüleraustausch gesendet. Unter ihnen ist Luoying, die nun als fast Erwachsene auf ihren Heimatplaneten zurückkehrt. Sie ist eine begabte Tänzerin und die Zeit auf der Erde setzte ihr durch die dortige Schwerkraft sehr zu. Sie beginnt, ihre Rolle in diesem Austausch rückblickend in Frage zu stellen. Während des Heimflugs unterhalten sich die Teilnehmer über die damaligen Testaufgaben. Luoying erinnert sich an ihre sehr mauen Testergebnisse und wundert sich, dass sie dennoch für diesen Austausch ausgewählt wurde. Hat ihr Großvater, der oberste politische Machtinhaber des Planeten, etwas mit ihrer Auswahl zu tun? Nun nach fünf Jahren kehrt sie heim und fährt zu ihrem Bruder Rudy. Sie beginnt, die Rolle ihres Großvaters immer mehr in Frage zu stellen. Durch eine Verletzung ist ihre Karriere als Tänzerin beendet. Was soll sie nun machen? Welchen Beruf kann und will sie ausüben? Sie beginnt durch diesen neuen Lebensabschnitt, immer mehr die Systeme miteinander zu vergleichen. Auf der Erde erlebte sie den täglichen Kampf ums Überleben und hier auf dem Mars wird alles reglementiert. Kunst wird gefördert, steht dann zum Wohle aller zur Verfügung. Auch ist die Architektur auf dem Mars sehr gläsern. Aber ist alles wirklich so durchsichtig? Ihre Eltern sind vor langer Zeit verstorben, d.h. umgekommen. War die Mutter von Luoying auch dem System gegenüber kritisch eingestellt? Sie möchte endlich Klarheiten haben, über ihren Lebensweg, die Macht, die ihr Großvater ausübt und den Tod ihrer Eltern. Sie muss sich entscheiden, ob sie das Leben auf dem Mars weiterhin gut heißen kann. Sie als Weltenwanderin hat eine andere Art des Lebens kennenlernen können, das nicht ganz so starr ist. Hat aber die Sehnsucht nach Freiheit tödliche Konsequenzen?

Eine alternde Welt, die sich eine neue aufgebaut hat, welche nun von alternden Machtinhabern kontrolliert wird. Auf dem Mars wird soziale und wirtschaftliche Sicherheit versprochen. Auf der Erde herrscht der Kapitalismus. Doch beide Systeme haben ihre Kehrseiten. Das Leben sucht meist den unvorhersehbaren Weg und wünscht sich individuelle Freiheit. Dies ist nach den Werken von Cixin Liu der nächste chinesische Science-Fiction-Clou. Die Autorin, Hao Jingfang, gewann als erste Chinesin 2016 den Hugo Award.

OITNB – All Books seen in season 6

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The bomb just dropped that season 7 is going to be the last for OITNB. Now, as sad as that is, it is probably better to end it while it is still great, rather than beating the horse until it’s dead. But it will still be sad to see these wonderful ladies go and they better not f** up. There needs to be a happy Vauseman endgame or I will be very very angry 😉

OK but let’s talk about the books the literary ladies have been devouring this time. Here is a complete list of the books mentioned or shown in season 6.

Have you read any of these already?

  • Make your bed – William H Mcraven
  • The Happiness Project – Gretchen Rubin
  • Living as if your life depend on it – Cia Ricco
  • Dubliners – James Joyce
  • Dark Star Safari – Paul Theroux
  • Strip Tease – Carl Hiassen
  • Love me back – Merritt Tearce
  • Einstein and the Rabbi – Naomi Levy
  • Just fly by – Andrew McCarthy
  • The name therapist – Duana Taha
  • Elizabeth Street – Laurie Fabiano
  • Siddhartha – Hermann Hesse
  • Hacker Mom – Austen Rachlis
  • The Girl who played with Fire – Stieg Larsson
  • How to win friends and influence people – Andrew Carnegie
  • The Hunger Games – Suzanne Collins
  • Eat that Frog! – Brian Tracy
  • Hope for each day – Billy Graham
  • Stealing Time – Leslie Glass
  • A different drummer – William Melvin Kelley
  • Winesburg, Ohio – Sherwood Anderson

Did you spot any other books not on that list – please let me know and I will happily add.

From the list I’ve already read Siddhartha, The Hunger Games, How to win friends, and The Girl who played with Fire.

On my to-read list are Einsteins Rabbi and The Happiness Project – what about you? Which one have you already read or would like to read?

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Want more on OITNB and books? Then compliment this article with „Orange is the New Book Club

Meine Woche

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Gesehen: „The Haunting of Hill House“ (2018) von Mike Flanagan. Spannende, vielschichtige Adaption nach Shirley Jacksons gleichnamigem Roman. Sehr empfehlenswert. Theo ist natürlich ganz besonders klasse 😉

Poltergeist“ (1982) von Tobe Hooper. Mit diesem Horrorklassiker bin ich nicht 100% warm geworden, den hatte ich mir deutlich gruseliger vorgestellt.

The Cloverfield Paradox“ (2018) von Julius Onah. Der deutlichst schwächste Film aus dem Paradox Universum. Der Anfang war ok, dann wurde er immer dämlicher.

Gehört: „Naked Words/Sacred Mouth“ – Tides of Man, „Sky Flying By“ – (Re)Routed, Solopiano I und MMXV – Jonas Hain, Triple 666 – end.user, „Fragments of Scattered Whispers“ – Endless Melancholy

Gelesen: diesen Artikel über Kavanaugh und Emphatieverweigerung, why merging with computers could be a good thing, über diese Expedition zum Kilauea Vulkan, the monoculture of thought in Silicon Valley, dieses Interview mit Haruki Murakami und Darwin was a slacker and why you should be one too

Getan: mal einen ganzen Tag am Feiertag gefaulenzt und die Ausstellung „200 Frauen“ in der Alten Bayrischen Staatsbank besucht

Geplant: ein paar spannende Gespräche mit Software Entwicklern an der Uni Dortmund führen

Gegessen: diese Winter Minestrone

Getrunken: rheinhessischen Riesling

Gesorgt: nach dem Bruder jetzt ein Papa-Drama. Ich hätte dann jetzt mal gerne eine Pause – danke! 😦

Gefreut: dass ich meinen Papa aus der Notaufnahme wieder mit heim nehmen konnte, über unser Klassentreffen nach 100 Jahren

Geklickt:  auf diese Werbung mit Charlize Theron, auf diesen Vortrag von Michael Seemann zu digitalem Kapitalismus

Gewünscht: diese Deko, diese Pralinen, dieses Neon-Schild

Gekauft: Handcreme und Seife bei Aesop, diesen tollen Bildband und ein Geburtstagsgeschenk für den Opa

Gestaunt: über diesen fleischfressenden Schwamm in der Tiefsee

Gefunden: nix

Gedacht: Edit your mind regularly

#WomeninSciFi (42) The Dead & The Gone – Susan Beth Pfeffer

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Ich wollte ja eigentlich die Finger lassen von diesen Apokalypse Thrillern, nicht dass ich mich auch noch mal in einen durchgeknallten Survivalist verwandele. Romane, in denen eine Naturkatastrophe die Menschheit an den Rand des Aussterbens bringt und man sieht, wie schnell zusammenbrechende Infrastrukturen, Epidemien und Hungersnöte den dünnen Faden, an denen die menschliche Menschlichkeit hängt, reißen lassen. Ruckzuck verwandeln wir uns in instinktgesteuerte Tiere zurück und nicht jeder kann sich ein Gewissen erlauben.

Dann sah ich aber das Cover und coole Mond-Cover lösen immer heftigen Kauf-Impuls bei mir auf. Das hier ist Jugendliteratur, also eigentlich perfekt für den Strand oder so, aber dieses Jahr gab es keinen Strandurlaub, dann darf es auch mal ein verregnetes Wochenende sein.

Ein Meteorid kickt den Mond aus seiner Umlaufbahn und ein ganzes Stück näher an die Erde heran. Das löst weltweite Tsunamis, Erdbeben und Vulkanausbrüche aus, die das Sonnenlicht blockieren und den Sommer in einen arktischen Winter verwandeln.

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Das Leben auf der Erde wie wir es kennen hört von einem Tag auf den anderen auf und die Menschen müssen schnell lernen, sich auf ihre Überlebensinstinkte zu berufen und in einer archaischen Welt zurecht zu kommen.

Die Geschichte dreht sich um den 17jährigen Alex Morales in New York, der sich nach dem Tod der Mutter um seine Schwestern Briana und Julie kümmert und versucht, sie alle am Leben zu halten. Um an Essen zu kommen sind sie gezwungen, auch Tote auszurauben und müssen immer wieder schwere Entscheidungen treffen, mit wem sie ihre Vorräte teilen, wem sie helfen können und wem nicht und insbesondere Alex kommt dadurch in schwere Gewissenskonflikte.

Susan Beth Pfeffer schreibt seit über 35 Jahren Science Fiction Romane insbesondere für Jugendliche. Der Film „Meteor“ aus dem Jahr 1979 inspirierte sie zu der „Moon Crash“ Serie, einer Reihe von Romanen, die unabhängig voneinander gelesen werden können. Die Serie ist auch gleichzeitig ihre erfolgreichste und erreichte die New York Times Bestselling Liste. In der Reihe beleuchtet sie den apokalyptischen Meteoriten-Einschlag aus unterschiedlichen Blickwinkeln und an unterschiedlichen Orten der Welt.

Spannende, leichte Unterhaltung die allerdings durchaus zum Nachdenken anregt. Ich bin nicht sicher, wie ich in einer solchen Situation reagieren würde und man überlegt tatsächlich, ob man nicht einen kleinen Notfallvorrat in der Wohnung anlegen sollte, für etwaige Apokalypsen.

Auf deutsch erschien das Buch unter dem Titel „Die Verlorenen von New York“ im Carlsen Verlag.

Dublin by the Book

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In keiner Stadt der Welt gibt es gefühlt mehr Orte, an denen berühmte Schriftsteller/-innen gesessen, gewohnt, getrunken und geschrieben haben, als in Dublin. Die ganze Stadt ist eigentlich eine riesige Bibliothek, nur gelegentlich von Pubs, Parks und Wohnhäusern unterbrochen.

Viel Zeit hatten wir zwar nicht, denn das Übernachten in Dublin ist erschreckend teuer geworden, aber wir haben in der kurzen Zeit doch viel gesehen und erlebt. Zeit zum Bücher gucken und kaufen und um das eine oder andere Guinness zu testen, hatten wir auch.

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Dublin war deutlich kleiner, als ich es von meinem letzten Besuch vor gefühlten 1000 Jahren in Erinnerung hatte. Wir wohnten ganz in der Nähe von Temple Bar und der erste Ausflug am frühen Morgen brachte uns zum Trinity College, wo ich natürlich die berühmte Bibliothek bewundern musste und die arme Bingereader Gattin mich nur unter Anstrengung sämtlicher Kräfte und dem Versprechen auf spätere Buchkäufe und Guinness wieder heraus bekam.

Ich kannte Fotos davon, dachte also durchaus zu wissen, was mich erwartet, aber als ich durch die Tür trat, war ich vollkommen von den Socken. Diese Bibliothek ist in Echt noch Tausendmal aufregender und schöner, als es auf dem besten Foto rüberkommt.

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Gegründet wurde sie 1592 und im sogenannten Long Room stehen an die 200.000 Bücher. Mit den Büchern wird auch durchaus noch gearbeitet, nach vorheriger Bestellung kann man als ganz normaler Student die Bände vor Ort unter entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen nutzen und damit arbeiten.

Schweren Herzens habe ich irgendwann die heiligen Hallen wieder verlassen und wir haben uns in Ruhe den Rest der Innenstadt rund um den Fluß Liffy herum angesehen. 1200px-HalfPennyBridge

Meinen Lieblingsbuchladen vom ersten Dublin Besuch habe ich auch wiedergefunden, den ich natürlich auch nicht ganz ohne Lektürenachschub verlassen konnte. Hier ein paar Impressionen, vielleicht versteht ihr dann, warum ich den Laden so gerne mag:

 

Die einzige kleine Enttäuschung, die wir hinnehmen mussten war, dass der „Literary Pub Crawl, den wir unbedingt am Abend machen wollten, ausgebucht war. Wir haben dann auf eigene Faust ein paar Pubs erkundet und fast jeder Pub hat eigentlich irgendeinen literarischen Bezug, ob der nun wirklich stimmt oder nicht 😉 Meiner Meinung sollte man insbesondere am Wochenende einen Bogen um Temple Bar machen, da ist es einfach nur mega voll und ein Junggesellen-Abschied jagt den nächsten und schöne, interessante Pubs gibt es in der ganzen Stadt.

Wir machten noch einen Abstecher ins Dublin Writers Museum. Das ist durchaus interessant, auch wenn man das Gefühl bekommen könnte durch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum im Jahr 1981 gelandet zu sein.

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Natürlich bin ich nicht ohne entsprechende Reiselektüre nach Dublin gereist. Im Reisegepäck befand sich:

The Speckled People – Hugo Hamilton

Eine spannende irische Biografie, in der es nicht ständig regnet oder sich jemand zu Tode trinkt, das allein fand ich schon wunderbar. Hugo erzählt die Geschichte seiner Kindheit und die seiner Geschwister, die als Außenseiter in ihrem eigenen Land aufwachsen, da ihre Mutter Deutsche und ihr Vater ein stolzer irischer Unabhängigkeitskämpfer war, der so sehr hinter seinen Überzeugungen stand, dass er absolut verbot, dass irgendjemand in seinem Haushalt Englisch sprach. Der Vater war recht autoritär und streng, dennoch sind die Kinder in einem sehr liebevollen Haushalt aufgewachsen.

Insbesondere die Mutter war eine ganz tolle Frau, die sich in Deutschland sehr gegen die Nazis zur Wehr setzte und auf einer Pilgerfahrt durch Irland ihren künftigen Mann trifft und mit ihm in Irland bleibt. Sie ist warmherzig, unterstützt ihren Mann und ihre Kinder, ohne dabei ihre Eigenständigkeit aufzugeben und ist einfach eine ganz tolle Mutter (so eine hätte ich auch gerne gehabt).

Das Buch ist stellenweise traurig und manche Charaktere nerven ab und an, aber es ist auch ganz oft sehr lustig und aufmunternd.

“Maybe your country is only a place you make up in your own mind. Something you dream about and sing about. Maybe it’s not a place on the map at all, but just a story full of people you meet and places you visit, full of books and films you’ve been to. I’m not afraid of being homesick and having no language to live in. I don’t have to be like anyone else.“

Einen wirklich ulkigen Zufall erlebte ich, als ich am Montag nach unserer Dublin-Reise auf dem Weg zur Arbeit am öffentlichen Bücherschrank vorbeiging und dort tatsächlich den zweiten Band der Biografie entdecke. Konnte es erst gar nicht glauben. Im Flugzeug hatte ich noch gesagt, das mir das Buch so gut gefällt, ich würde unbedingt auch den zweiten Teil lesen wollen und peng! steht es am nächsten Morgen im Regal.

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Der Matrose im Schrank

Der zweite Teil seiner Memoiren dreht sich um seinen Übergang von seiner strikten Kindheit in Dublin in seine unabhängigere Jugend. Der Titel bezieht sich auf Hugos väterlichen Großvater John Hamilton, der starb, während er in der Royal Navy diente. Hugos Vater hat ein Foto seines Vaters in seiner Uniform ganz hinten in seinem Kleiderschrank versteckt, da Hugos Vater jegliche Form von Service unter den Briten für Vaterlandsverrat hält. Hugo fühlt sich diesem verhassten Großvater nahe und er kämpft weiterhin mit widerstreitenden Gefühlen, wo er jetzt eigentlich hingehört. Er arbeitet im Hafen des Ortes als Fischer und ist ständig dabei, die Grenzen seines Vaters auszutesten.

Auch wenn mir der erste Band ein ganzes Stück besser gefallen hat, kann ich beide Bücher absolut empfehlen. Sie geben einen guten Einblick in die irische Nachkriegsgeschichte und erzählen die spannende Biografie eines zeitgenössischen irischen Autoren.

“People say you’re born innocent, but it’s not true. You inherit all kinds of things that you can do nothing about. You inherit your identity, your history, like a birthmark that you can’t wash off. … We are born with our heads turned back, but my mother says we have to face into the future now. You have to earn your own innocence, she says. You have to grow up and become innocent.”

Entgegen jeglichen Klischees hat es das ganze Wochenende nicht einen Tropfen Regen gegeben. Wir würden einen Wochenendtripp nach Dublin jedem Buchliebhaber empfehlen!

Kennt ihr Dublin? Was sind eure liebsten Ecken dort? Was sollte ich mir bei einem nächsten Besuch unbedingt noch ansehen?