Israel – By the Book Part II

Alle einsteigen und anschnallen, es geht mit dem Bus nach Jerusalem. Knapp 1 Stunde braucht man auf der Autobahn und fährt dabei durch das Jordan Valley an vielen geschichtsträchtigen Orten vorbei. Da wir uns das Auto fahren in Jerusalem schenken wollten, begaben wir uns für diesen Trip auf einen geführten Ausflug und waren mit 10 Leuten etwa ein international bunt gemischte Truppe, die an diesem kühlen Morgen Jerusalem erkundete.

Wahrscheinlich ist es nicht überraschend, dass Jerusalem das Ziel schlechthin für religiöse Touristen ist, trotzdem war ich nicht drauf vorbereitet. In Deutschland sind mir selbst in Bayern selten sehr gläubige Menschen gegegnet, die deutschen Touristen die mit uns unterwegs waren fielen mit ihren riesigen Kreuzen, die sie um den Hals trugen, definitv in diese Kategorie.

Der erste und zum Glück einzige kommerzielle Stop der Tour brachte uns auf dem Ölberg in ein biblisches Devotionaliengeschäft, in dem man bei christlichen Arabern alles bekommen konnte, was das religiöse Herz begehrt. Kreuze, Krippen, Rosenkränze, Öle in allen Ausführungen und Preisklassen – erstaunt musste ich feststellen, das wir die einzigen in der Gruppe waren, die nichts einkauften. Die anderen ließen da richtige Summen springen.

Die Altstadt von Jerusalem ist aufgeteilt in vier Bezirke: das jüdische, das armenische, das arabische und das christliche Viertel und die engen Gassen voller Menschen, Geschäfte, Stimmengewirr und Gerüche vermitteln ein Gefühl aus einer Mischung von 1001 Nacht und Indiana Jones.

Bei der Führung durch die diversen Kirchen fühlte ich mich glaube ich wie die Bingereader-Gattin in Hogwarts im Universal Picture Park in Japan als nahezu einzige, die Harry Potter nicht gelesen hatte. Ich kenne und interessiere mich für die Historie, bin allerdings so gar nicht bibelfest und konnte mit den meisten Namen und Begriffen nur wenig verbinden. Die Pilger, die sich zum Beispiel in der Erlöserkirche auf den Boden warfen, um den Boden zu küssen, den angeblichen Abdruck von Jesus Hand in der Via Dolorosa küssten oder stundenlang anstanden, um sich das Grab von Joseph von Arimatrea anzusehen und dort fanatisch weinend zu knien, fand ich etwas beängstigend.

Die Klagemauer ist erwartungsgemäss absolute Hochsicherheitszone. Man geht durch Sicherheitschecks wie am Flughafen und reiht sich dann in die Schlange vor dem nach Geschlechtern getrennten Eingang. Es gibt eine Art free little library, in der man sich Bibeln in allen Sprachen ausleihen kann und in weißen Plastikstühlen kann man vor der Mauer sitzen und beten oder einen Zettel mit einem Gebet in die Klagemauer stecken.

Jerusalem ist eine aufregende Stadt, es gibt so viel Geschichte und wahnsinnig viel zu sehen, dennoch war ich doch froh, abends wieder im leichtlebigeren Tel Aviv zu sein.

Wir sahen uns auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem an. Das Museumsgebäude ist eine architektonische Besonderheit, bei dem man nicht gerade durch das Museum gehen kann, sondern man immer wieder um eine Ecke biegen muss und immer neuen schrecklicheren Geschehnissen gegenübersteht. Dabei verliert sich der Boden immer weiter nach unten und gleicht einem Abstieg in die Hölle. Das Gebäude läuft vorne spitz zu und öffnet sich dann einer positiven Zukunft entgegen. Die Gedenkstätte sollte man sich unbedingt ansehen, auch wenn man denkt, man hat schon soviel zu dem Thema gehört. Es ist erschütternd, schrecklich und zeigt, wie schnell die Welt aus den Fugen geraten kann.

Das im Jahre 1987 errichtete „Denkmal für die Kinder“ ist dem Gedenken an die 1,5 Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Kinder gewidmet. Das Denkmal ist als unterirdischer Raum angelegt, in dem fünf Kerzen durch Spiegel in der Dunkelheit so reflektiert werden, dass ein ganzer Sternenhimmel entsteht. Im Hintergrund werden die Namen, das Alter und der Geburtsort der Kinder von einem Tonband abgespielt. Dieses Endlosband braucht ungefähr drei Monate, um alle Namen wiederzugeben. (Wikipedia)

Ohne Worte 😦

Puh, ok, das wird jetzt ein krasser Themenwechsel, noch ein paar Gedanken zur Sicherheit vielleicht, bevor ich mich positiveren Themen widme. Wir haben uns die ganze Zeit über ausgenommen sicher gefühlt in Israel. Gegen Ende der Woche gab es einen Anschlag eines Alleintäters auf einem Markt in Jaffa, der anscheinend mit einem Messer auf Leute losgegangen war, davon erfuhren wir aber nur durch nervöse Anrufe unserer Familie in Deutschland.

Am nächsten Tag gab es dazu nur eine kleine Notiz in der Zeitung, in der ich auch las, das es die ganze Woche über einzelne Raketenangriffe auf den Süden des Landes gegeben hatte, die allerdings alle vom Raketenabwehrsystem abgefangen werden konnten. Auch davon merkten wir nichts, als es in der letzten Nacht allerdings gewitterte, hatten wir beide unabhängig voneinander im ersten Moment kurz die Sorge, es können Raketenangriffe sein.

Jetzt wird es Zeit sich wieder etwas erfreulicheren Themen zu widen und wir reden jetzt mal über das Essen. Es gibt keine speziell israelische Küche, diese ist mehr ein Schmelztiegel mediterraner und osteuropäischer Einflüsse. Wobei der mediterrane in Restaurants und Kneipen deutlich überwiegt.

Zum Frühstück holten wir uns meist leckere Sesamkringel, Orangen, Oliven und Hummus und starteten den Tag auf dem Balkon.

Wir haben entweder Kleinigkeiten wie Shawarma, Falafel oder Fladenbrot auf dem Carmel-Markt gegessen, das Essen in den Restaurants war sehr gut, aber in der Regel ziemlich teuer. Der Shabbat beginnt am Freitagabend je nach Jahreszeit zwischen 18:00 und 20:00 Uhr mit dem Anzünden der Hawdala-Kerze und endet am nächsten Tag etwa 45 min nach dem Sonnenuntergang. Wir wurden in unserem Hotel in der Lobby ebenfalls mit brennender Hawdala-Kerze sowie getrockneten Früchten und Halva begrüßt.

Insbesondere in Jerusalem sieht man die Leute am Freitag abend im Stechschritt nach Hause eilen. Es ist orthodoxen Juden nicht erlaubt, elektronische Geräte zu bedienen und auch unser Hotel hatte daher einen Schabbat-Aufzug, der in dieser Zeit automatisch an jedem Stockwerk hielt und die Türen öffnete, so dass man mitfahren konnte, ohne irgendwelche Knöpfe zu drücken.

Wer sich noch etwas ausführlicher über die Küche Israels informieren will, den schicke ich hiermit zu den Münchner Küchenexperimenten, wo die Bingereader-Gattin einen kulinarischen Blick auf unseren Urlaub geworfen hat.

Sehr schön sind im übrigen auch die Straßencafés in Tel Aviv. Gläschen Wein, Sonne geniessen – perfekt. Auf diese Szene direkt vor uns konnte ich mir partout keinen Reim machen:

Half nix, musste meine gute Freundin „Rabbi“ Ruth anrufen und wurde auch umgehend informiert:

Hierbei handelt es sich um das Tefilin Ritual. Dabei handelt es sich um ein Paar schwarze mit Lederriemen versehene kleine lederne Gebetskapseln, die Texte aus der Tora enthalten. Tefillin werden von religiösen jüdischen Männern beim Gebet getragen.

Bevor ich mich mit einem letzten Literaturtipp von Euch verabschiede nehme ich euch noch mit auf einen Ausflug in die Wüste und ans Tote Meer.

Im Masada National Park in der Judäischen Wüste liegt die Masada Festung die Herodes, König von Judea von 37 bis 4 BC erbauen ließ. Es war die letzte Bastion der jüdischen Zeloten (Freiheitskämpfer) gegen die Römer. Zwei Jahre lang versuchten etwa 8000 römische Soldaten die Leute auf der Festung auszuhungern, gelang ihnen aber nicht, denn diese legten Gärten, Zisternen und Bäder an, hielten Tiere und lebten einigermaßen vergnüglich in ihrer Festung, während die Römer in der Wüste litten.

Nach zwei Jahren hatten die aber genug und ließen sich von jüdischen Zwangsarbeitern eine Rampe bauen, mit der sie dann die Festung eroberten. Bevor die etwa 960 Zeloten allerdings gefangengenommen werden konnten, brachten sie sich gegenseitig um, um nicht in feindliche Hände zu fallen.

Die tragischen Ereignisse der letzten Tage der Rebellen von Masada transformierten den Ort in eine kulturelle Ikone als Symbol für den dauernden Kampf der Menschheit für Freiheit und gegen Unterdrückung. 2001 wurde Masada von der Unesco in die Liste der Weltkulturerbstätten aufgenommen.

Nach ein paar Stunden in der Wüste wurde es dann endlich Zeit für ein ausgiebiges Bad im Toten Meer.

Das Tote Meer ist das tiefstgelegenste Meer der Welt und hat einen Umfang von etwa 135 km und in der Mitte des Sees verläuft die Grenze zwischen Israel und Jordanien. Die Einsamkeit und Weite der Wüste und des Toten Meeres schaffen eine ganz surreale Atmosphäre.

Die Oberfläche des Toten Meeres nimmt pro Jahr etwa um etwas mehr als 1 Meter ab. Aufgrund des hohen Salzgehaltes, der fast das Zehnfache der Ozeane beträgt, und der damit verbundenen hohen Dichte trägt das Wasser den menschlichen Körper außergewöhnlich gut, man kann allerdings dennoch ertrinken. Das Baden dort ist gar nicht so ungefährlich, den die Menschen verlieren am Toten Meer oft die Balance und schlucken dann große Mengen an Wasser. Das ist lebensgefährlich, da es schwere Lungenverletzungen verursachen kann.

Gleichzeitig besitzen die Mineralien des Toten Meeres eine heilende Wirkung bei Hautkrankheiten und nach einem ausgiebigen Bad mit dazugehöriger Schlammpackung hat man wirklich babyzarte Haut.

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Jetzt erst mal ein riesiges Lob, wer bis hierhin durchgehalten hat. Wahrscheinlich hat jetzt keiner mehr Kopf für meine letzte Urlaubslektüre, aber ich würde euch dieses dünne Bändchen trotzdem gerne noch ans Herz legen. Es hat rein gar nichts mit Israel zu tun, dafür viel mit Technologie und deren Auswirkungen auf Gesellschaft, Ethik und die Zukunft. Ein kritisches, aber keinesfalls technologiefeindliches Buch von der großartigen Ursula Franklin.

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„The real world of Technology“ ist die Niederschrift ihrer berühmten 1989 CBC Massey Lectures, in der die kanadische Experimentalphysikerin sich mit den Auswirkungen der Technologie auf unser Leben beschäftig und sich auch strittigen Fragen wie der Verwässerung der Privatsphäre und den Rechten des geistigen Eigentums, den Auswirkungen der derzeitigen Technologie auf Regierung und Governance, dem Wechsel vom Konsumkapitalismus zum Investitionskapitalismus und dem Einfluss des Internets auf das Handwerk des Schreibens befasst. 

Ein Grundlagenbuch, in dem ich seitweise Absätze unterstrichen habe. Eine ihrer Hauptbeobachtungen ist die Unterscheidung zwischen holistischer und präskriptiver Technologie. Ganzheitliche Technologie bedeutet, dass die Person, die die Technologie einsetzt, den Prozess ihrer eigenen Arbeit von Anfang bis Ende kontrolliert.

Technologie als Definition von erprobten Arbeits- und Lebenspraktiken war immer schon Teil der menschlichen Existenz. Neu ist der Maßstab, in dem Technologie unseren Alltag heute durchdringt und wie diese zu einer Kultur der Regelbefolgung werden kann und unsere Akzeptanz und die immer größer werdende Normalität von externer Kontrolle und Management im alltäglichen Leben.

„How will our society cope with its problems when more and more people live in technologically induced human isolation?“

„The political impact of technology on government took a quantum jump. Technologies became political in a new meaning of the word.“

„Putting people into a prescriptive mode of work where they have no latitude for judgment and decision-making acculturates them to external control, authority, and conformity. Prescriptive technologies are a seed-bed for a culture of compliance.“

Meiner Meinung nach essentieller Lesestoff für jeden, der sich mit Technologie, Soziologie oder Ethik beschäftigt. Das Buch ist ein absolutes Vergnügen zu lesen.

Danke das ihr mir auf diese Reise gekommen seid. Israel ist ein wunderbares Reiseland mit warmherzigen, humorvollen Menschen. Es gibt noch so einiges dort für uns zu entdecken, wir werden also sicher irgendwann wieder Shalom Israel sagen.

Meine Woche

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Gesehen: „The Constant Gardener“ (2005) von Fernando Meirelles mit Ralph Fiennes und Rachel Weisz. Spannender Thriller um dreckige Machenschaften der Pharma-Industrie in Afrika.

Trainspotting“ (1996) von Danny Boyle mit Ewan McGregor. Bevor ich T2 ansehe, mußte ich nochmal zurück. Immer noch gut, der Soundtrack ist der Hammer und bei der Kloszene kann ich nach wie vor nicht hinsehen.

Red Riding Hood“ ( 2011) von Catherine Hardwicke. Äh nein. Nach 30 min ausgemacht. Unspannende Teenie-Schmonzette den auch Fever Rays „The Wolf“ nicht retten kann. Dann lieber Twilight.

Gehört: The Pearl Hearts „Hit the Bottle„, Skunk Anansie „Intellectualise my Blackness„, Skunk Anansie „Yes it’s fucking political„, Underworld „Born Slippy“ und perfekt zum Arbeiten ist dieser Radiosender: Dark Ambient Radio

Gelesen: Wie die New York Times ihren Weg zurück in die Zukunft findet, When it’s too late to stop fascism according to Stefan Zweig, wie Biohacker die Grenzen des Körpers aufheben, How places can influence the mind and vice versa,

Getan: die kleine Louisa im Arm gehalten, den Geburtstag einer lieben Freundin gefeiert, bei Skunk Anansie abgerockt, einen neuen Laptop eingerichtet, im Irish Pub überraschend Freunde getroffen, und in der Bücherei Zeitschriften ausgeliehen

Geplant: Audiobooks testen

Gegessen: Hot Dogs

Getrunken: frischen Minztee und einen Bramble Cocktail

Gelacht: You can never go wrong if you talk to children like they are adults and to adults like they are children

Geärgert: über den blöden baidu Skype Virus

Gefreut: endlich wieder Wasser in der Küche

Gewünscht: diesen Servierwagen, dieses Filmplakat, dieses Outfit und ein Abo vom Economist

Geklickt: auf die Khan Academy überlege nach Biologie einen Kurs in Kunstgeschichte zu machen und auf diesen Talk von Gabriella Coleman auf der re:publica 2015 „How Anonymus (narrowly) evaded the Cyberterrorisms Rhetoric

Gekauft: Bücher

Gefunden: die Zeit endlich unsere Bilder aufzuhängen

Gewundert: wie schnell ich mich an kalte morgendliche Duschen gewöhnen konnte

Israel by the Book – Part I

Tel Aviv haben wir relativ spontan gebucht. Nach Israel wollten wir schon immer einmal, das Wetter sprach für eine Veränderung und als wir einen recht günstigen Flug gefunden hatten, machten wir Nägel mit Köpfen. Ab nach Tel Aviv – in das Hotel, in dem Freunde von uns vor einer Weile schon einmal waren und es für gut befunden hatten.

Natürlich kann eine solche Reise nicht ohne die passende Lektüre unternommen werden. Ran ans gut gefüllte Bücherregal um mit Erschrecken festzustellen, dass da eine Israel-Lücke bestand. Mit Jonathan Safran Foers neuem Roman hätte ich die zwar irgendwie auch a bisserl füllen können, aber ich habe mir dann doch professionelle Hilfe bei Fernlese geholt. Reiseziel plus literarische Vorlieben und Abneigungen geklärt, mich fürs Zweier-Buchpaket entschieden und dann bequem auf die Vorschläge gewartet, die auch blitzschnell eintrafen.

Meine Wahl fiel auf Lizzie Dorons „Ruhige Zeiten“, ein Roman mit knapp 180 Seiten, der gleichzeitig warmherzig, humorvoll und voll dunkler Melancholie ist. Leale ist Witwe und arbeitet als Kosmetikerin in einem kleinen Friseursalon in Tel Aviv. Sajtschik, der Frisör hat die junge Witwe aus Mitleid eingestellt, sie freunden sich an und irgendwann ist klar, dass sie ihn liebt. Die meisten in ihrem Viertel lebenden Menschen sind Überlebende der Shoah und der Friseursalon hat für viele fast therapeutische Zwecke.

„Der Krieg hat uns die Familie und die Verwandten genommen, und die Zeit, die vergeht, nimmt uns die Nachbarn und die Freunde.“

„Wenn das Herz weh tut, sieht man nur das, was nicht da ist.“

Das Buch hat mich sehr berührt und beim Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem habe ich immer wieder an die Figuren im Roman denken müssen. Ein Buch, das auf keiner Reise nach Tel Aviv fehlen sollte, das aber auch außerhalb von Israel ganz sicher ein wertvoller Lesegewinn ist. Unbedingte Empfehlung von mir für diesen Roman.

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Israel ist ein recht kleines Land, in etwa so groß wie das Bundesland Hessen. Es grenzt an Syrien, Jordanien, Libanon, Ägypten und die West Bank und ist somit militärisch stets und ständig sehr gefordert.

Zum Konflikt selber mag ich nicht viel schreiben, dazu weiß ich einfach noch immer nicht genug, die Hardcore-Siedler finde ich schwierig, die heftige Trump-Verehrung der Zeitungen vor Ort war aber massiv anstrengend. Aber wie gesagt, ich weiß zu wenig, um mich auf ernsthafte Diskussionen einzulassen, werde mich aber definitiv künftig intensiver damit beschäftigen.

Die Anreise ist auf definitiv nicht ohne. Man fliegt von einem speziellen Terminal am Flughafen ab und es gibt außer den üblichen Sicherheitsvorkehrungen kurze persönliche Interviews, in denen es weniger darum geht, etwaige Bomben als etwaige Terroristen zu finden. Bei der Ausreise war das persönliche Interview fast noch intensiver.

Nach Jerusalem heißt es fährt man zum Beten, nach Haifa zum Arbeiten und nach Tel Aviv zum Sündigen. Zu Haifa kann ich nix sagen, da sind wir nicht gewesen, aber Tel Aviv ist auf jeden Fall die deutlich entspanntere Stadt mit einem etwa 14 km perfekten Sandstrand.

Die Menschen sind dort sind freundlich, relaxed und hat die Stadt hat den Ruf, die gay-freundlichste des Mittleren Ostens zu sein. Habe ich auf jeden Fall auch so empfunden.

Meine nächste Empfehlung von Fernlese war Etgar Kerets „Gaza Blues“ – Kurzgeschichten, die fast comicartig daherkommen in ihrer Kürze und seinem teils absurden Tonfall. Keret genießt ziemlichen Kultstatus in Israel. Seine Kurzgeschichten sind heftig, lakonisch, teils böse, lustig aber auf jeden Fall voller Energie dabei oft tragisch und sehr bewegend.

Ich habe sie sehr gerne gelesen, meine einzige Kritik vielleicht ist, sie blieben mir nicht wirklich im Gedächtnis. Sollte dennoch in keinem Reisegepäck nach Israel fehlen.

Tagsüber waren es angenehme 20/21 Grad, aber sobald die Sonne unterging, wurde es ruckzuck verdammt kalt und da kam dann die dicke Münchner Winterjacke zum Einsatz. Der Strand ist wirklich einmalig schön. Hat jede Menge bequeme Bänke auf Steintreppen eingelassen am Wasser, auf denen man stundenlang liegen und lesen kann. Kein Wunder, das ich mit den ersten beiden Büchern also ruckzuck durch war.

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Bevor ich Euch im zweiten Teil von Jerusalem und unserem Ausflug in die Wüste und ans Tote Meer berichte, noch ein bisschen mehr Tel Aviv. Die Stadt wurde 1909 gegründet, als die alte Hafenstadt Jaffa aus allen Nähten platzte. Eine überaus junge Stadt also. In den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts kamen jede Menge deutschstämmige jüdische Architekten ins Land und bauten bis in die 50er Jahre etwa 5000 Gebäude im Modernist-Stil von Bauhaus und Le Corbusier. Die meisten befinden sich rund um den Boulevard Rothschild und wurden von der UNESCO als Weltkulturerbe aufgenommen.

Viele der Gebäude sind mittlerweile ziemlich runtergekommen, aber das Bauhaus-Center in Tel Aviv setzt sich seit einiger Zeit recht erfolgreich für die Renovierung und Instandhaltung der Gebäude ein.

Da ich ein echter Bauhaus-Fan bin, habe ich mir für die Reise den Roman „Gläserne Zeit“ von Andreas Hillger besorgt. In seinem Roman stellt er bewußt nicht die Bauhaus-Meister in den Mittelpunkt, wie der Autor in einem Interview erklärt, „denn wissenschaftliche Bücher über die Hochschule gibt es genug“.

Er verknüpft Realität und Fiktion und stellt die Designstudentin Clara in den Mittelpunkt der Geschichte, die mit dem Architekturstudentin Carl und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Lukas im Zentrum einer gewagten Ménage à trois steht. Immer wieder begegnet man historischen Figuren wie dem Bauhaus-Direktor Walter Gropius oder dem Maler Paul Klee.

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„Mittlerweile diente das Dossier von Mutmaßungen und Verdächtigungen, Halbwahrheiten und polemischen Angriffen als Beleg für die Ohnmacht der Rechtschaffenen, die mit dem Krieg auch den Einfluss auf die eigenen Kinder verloren hatten.“

Die Politik spielt eine wichtige Rolle. Hillger zeigt den Einfluß der nationalsozialistischen und kommunistischen Tendenzen, die nicht nur die beiden Männer immer stärker beschäftigen, sondern die auch immer größen Einfluß auf die Bauhaus-Schule nehmen.

Ein sehr interessanter Einblick in die Dessauer Jahre des Bauhaus vor dem Panorama der Weimarer Republik. Auch wenn ich während der Lektüre die Bauhaus-Gebäude in Tel Aviv und nicht in Dessau vor Augen hatte, für mich war es die perfekte Reiselektüre.

Das letzte Buch, das ich hier für heute erwähnen möchte, hat nicht wirklich mit Israel zu tun, aber mit Architektur und ich habe es direkt vor dem Urlaub beendet und es hat die Bauhaus-Lektüre für mich um so spannender gemacht.

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Buckminster Fuller war seiner Zeit glaube ich stets gut 50 Jahre voraus. Sein Name ist mir in letzter Zeit wieder und wieder untergekommen, so dass ich „Bucky Works“ von J. Baldwin unbedingt haben musste.

Keine Biografie im klassischen Sinne, mehr ein Werkschau und chronologische Übersicht von Buckys Ideen, die teilweise schon wirklich abgefahren waren.

Er war ein amerikanischer Architekt, Systemtheoreteiker, Designer und Erfinder, der mehr als 30 Bücher publizierte und insbesondere durch die von ihm geprägten Begriffe „Spaceship Earth“ und „Ephermerisierung“ bekannt wurde sowie für seine geodätischen Kuppeln, die man gerne mit Science Fiction assoziiert.

Er entwickelte zahlreiche Erfindungen, hauptsächlich architektonische Designs außerdem wurde ein Karbon Molekül nach ihm benannt, da diese von der Struktur her seinen geodäsischen Kuppeln ähnelte.

Soviel heute zum ersten Teil unserer Israel-Reise, die in diesem Teil etwas architekturlastiger ausfiel, im nächsten Teil verspreche ich deutlich mehr landestypische Inhalte und ich möchte euch auf einen Ausflug nach Jerusalem und ans Tote Meer einladen.

Kommt Ihr mit ?

Meine Woche

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Gesehen: „The Big Short“ (2015) von Adam McKay mit Christian Bale und Ryan Gosling. Hätte nicht gedacht, dass ein Film über die Finanzkrise so spannend sein kann.

Going Clear: Scientology and the Prison of Belief“ (2015) von Alex Gibney. Unglaublich ich hab die für beknackt gehalten, aber das die so derart gefährlich abgedreht sind – wow…

Gehört: „Odisea“ – Vadaat Chargim, „A Pink Sunset for No One“ – Noveller, „Dream Architecture“ – Crown of Eternity, „Anymore“ – Goldfrapp

Gelesen: Stephen Hawkings Artikel „This is the most dangerous time for our planet„, Ursula Le Guin erklärt noch mal den Unterschied zwischen Alternative Facts und Fiction, Isaac Asimov spricht über Ideen

Getan: am Strand gelesen, im Toten Meer gebadet, die Altstadt von Jerusalem unsicher gemacht, die Bauhaus Gebäude in Tel Aviv bewundert und Masad in der Judäischen Wüste erkundet

Geplant: mehr schlafen

Gegessen: Hummus, Schawarma, Shakshuka und sehr leckere Nudeln mit Ofengemüse und Pesto

Getrunken: Goldstar Bier

Gelacht: I don’t do drugs, but I start thinking I should

Geärgert: über die unglaublichig pro-Trump Presse in der Jerusalem Post

Gefreut: über die babyzarte Haut nach dem Baden im Toten Meer

Gewünscht: diese Erlenmayer Kolben, diese Aufbewahrungsgläser für den Schreibtisch, diese Lampe

Geklickt: auf dieses Interview mit Ursula M Franklin eine unglaublich spannende deutsch-kanadische Physikerin die ich sehr bewundere

Gekauft: Ahava Dead Sea Creme

Gefunden: das Bauhaus-Center in Tel Aviv nach langer Suche

Gewundert: wie viele irre gläubige Menschen es gibt

Meine Woche

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Gesehen: „Personal Shopper“ (2016) von Olivier Assayas. Kristen Stewart ist wirklich unglaublich gut in dem Film und sie hat ein Händchen für gute Scripts. Deutlich unheimlicher als ich dachte. Der Soundtrack ist auch gut. Unbedingt angucken.

Somewhere“ (2010) von Sophia Coppola. Meditation on the nature of celebrity bringt es ganz gut rüber. Kann man anschauen, war aber nicht ihr bester Film.

We are Legion“ (2012) von Brian Knappenberger. Doku über die Hacker rund um Anonymus. Sehr spannend.

The Black Hole“ (2008) von Philip Sansom. Sci-Fi Kurzfilm der in seinen 3 Minuten echt was wuppt.

Gehört: „Track of Time“ – Anna von Hausswolff, „Das Hobellied“ – Marlene Dietrich, „Si Ay Perdut Mon Saber“ – Ponc d’Ortafà, „Where is the Revolution“ – Depeche Mode

Gelesen: why luck is a skill set you can learn, dieses Interview mit Paul Auster was man in Murakamis Biografie über Talent und Training lernen kann, woran es liegt, dass schon kleine Mädchen glauben nicht schlau zu sein

Getan: Jonathan Safran Foer im Literaturhaus besucht, im Kino gewesen, eine sehr effektive Coaching-Session gehabt, viel geschrieben

Geplant: Tel Aviv

Gegessen: Süßkartoffel Taco Fries

Getrunken: Pfefferminztee

Gelacht: über diese Schlagzeile

Geärgert: immer nur wenn ich Kommentare von diesen Trump Honks lese, aber ich könnte es ja lassen

Gefreut: das ich einen neuen Laptop bekomme

Gewünscht: diese Lunch-Box, diese City-Guides, diese Boxen für Küchenkräuter

Geklickt: auf Eduardo Bricenos Talk „How to get better at the things you care about“, auf Lava die in Hawaii ins Meer strömt, Amanda Palmer liest Ella Wheeler Wilcox‘ Gedicht „Protest

Gekauft: Tel Aviv Lektüre in der Online-Buchhandlung Fernlese

Gefunden: nix

Gewundert: über PomPom Krabben, peeking Saturn und eierlegende Schnecken

Jonathan Safran Foer und der Penis von Steven Spielberg

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Er schaut so lieb und unschuldig der Herr Foer und doch ging es gleich in den ersten Sätzen seines neuen Buches, die im Literaturhaus München vorgelesen wurden um den Penis von Steven Spielberg. Größe, Form, Beschaffenheit, beschnitten oder nicht ?

Ich fand es irre komisch vielleicht noch einmal mehr, weil ich Jonathan Safran Foer nicht als witzigen Autor verbucht hatte. Ich kenne „Eating Animals“, „Everything is Illuminated“ und die Verfilmung von „Extremely Loud and Incredibly Close“ aber entweder sind mir die komischen Passagen dieser Bücher entfallen, oder es ist tatsächlich neu.

Ich war gar nicht sicher, ob ich mir den neuen Roman „Here I am“ kaufen wollte. Diese dicken Wälzer schrecken mich immer sehr und ich war eher skeptisch, doch alles was ich von und über das Buch hörte, liess mir dann gar keine andere Wahl als es zu kaufen und am Ende auch signieren zu lassen.

Jonathan Safran Foer ist ein wahnsinnig kluger, warmherzig und charmanter Autor. Der die Politik natürlich nicht außen vor gelassen hat und ein wenig Mut machte in der dunklen Zeit in der er zu bedenken gab, das mehr als 3 Millionen Menschen für Hilary Clinton als für Trump gestimmt hatten, er absolut niemanden persönlich kennt oder in seinem Freundeskreis hat, der Trump gewählt hat und das daher Grund zur Hoffnung ist.

Es ist kein Problem des moralischen Kompasses, sondern ein Problem des electoral system. Doch so ausgeprägt der moralische Kompass in weiten Teilen der amerikanischen Bevölkerung auch ist, die Kultur des permanent mehr, des Anspruchs an immerwährenden Wachstum ist ein Problem das es zu bewältigen gilt.

Ich freue mich auf „Here I am“ und bin gespannt auf den philosophischen Sam und was passiert wenn die Gleichungen des Lebens nicht aufgehen wollen.

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Existentialisten im Cafe, Meursault und eine Maschine die stoppt

Die Reihenfolge war eher zufällig, aber sie haben dann thematisch sehr gut zusammengepasst die drei Bände, die ich heute kurz vorstellen möchte. Den Anfang machte Sarah Bakewells „Das Café der Existentialisten“ – ein Buch auf das ich mich schon lange gefreut habe und das ich ganz langsam und genüsslich lesen wollte, denn ich hatte schon so eine Ahnung, dass das ein ganz besonderes Buch für mich sein würde.

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Bakewell zeigt, wie sehr sich die Grundideen der Phänomenologie und des Existentialismus in Kultur, Kunst, Literatur, Widerstandsbewegungen wiederfinden, häufig ohne das der eigentliche Ursprung der Ideen explizit klar ist. Sie glaubt, dass wir die Ideen der Phänomenologie und des Existentialismus unbedingt aus dem Archiv holen und abstauben sollten, weil die Fragen und Ideen dieser Philosophie-Fragen besonders geeignet sind, die Menschen zum Denken zu bringen.

Die Beschäftigung mit dem Existentialismus kann uns in der aktuellen Situation helfen, die richtigen Fragen zu stellen. Begriffe wie Freiheit, Handlungsfähigkeit und freier Wille haben schon die Besucher des Cafés in ihrem Roman umgetrieben und wir können uns an ihnen reiben, mit ihnen streiten oder übereinstimmen, wenn wir bei der Lektüre des Buches am Leben von Philosophen wie Simone de Beauvoir, Sartre, Camus, Heidegger, Merleau-Ponty, Murdoch und anderen teilhaben.
“…freedom may prove to be the great puzzle for the early twenty-first century…Science books and magazines bombard us with the news that we are out of control: that we amount to a mass of irrational but statistically predictable responses, veiled by the mere illusion of a conscious, governing mind…Reading such accounts, one gets the impression that we actually take pleasure in this idea of ourselves as out-of-control mechanical dupes of our own biology and environment. We claim to find it disturbing, but we might actually be taking a kind of reassurance from it—for such an idea lets us off the hook. They save us from the existential anxiety that comes with considering ourselves free agents who are responsible for what we do. Sartre would call that bad faith. Moreover, recent research suggests that those who have been encouraged to think they are unfree are inclined to behave less ethically, again suggesting that we take it as an alibi.”

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Wir sollten uns mit diesen Leuten beschäftigen, nicht weil sie immer Recht hatten, das wirklich nicht, aber weil sie unermüdlich versuchten, unsere Anwesenheit und unsere Handlungen in der Welt zu erklären. Mit außergewöhnlicher Klarheit und Dichte schafft sie es, die Kernpunkte der Phänomenologie und des Existentialismus herauszuarbeiten. Sie bringt den Leser dazu, sich mit sich selbst und seiner Rolle und Verantwortung in der Welt zu beschäftigen, gerade auch mit Blick auf die Technologie.

Bakewell bringt uns Menschen näher, die sich nicht einfach nur mit Philosophie beschäftigt haben, sondern die sie gelebt, damit gerungen, geatmet haben und nicht einfach nur darüber gesprochen oder geschrieben.

Sie ist durch und durch Philosophie-Fan und ihre Lust ist ansteckend. Sie schreibt so mitreissend, ich habe es nicht einmal bei Husserl oder Heidegger geschafft, mich zu langweilen, auch wenn ich immer mal wieder ein „???“ oder „So ein Quatsch“ an die Seite schrieben musste.

Unsere Philosophen-Freunde aus dem Buch durchlebten schwierige Zeiten und wir gucken ihnen dabei über die Schulter, wie sie sich so geschlagen haben, an den verschiedenen Weggabelungen der Geschichte. Heidegger, der den Nazis nicht widerstehen konnte, Sartre, der erst Stalin und die Gulags verteidigte und später Mao Tse Tung unterstützte, fast alle trafen schwere Fehlentscheidungen auf der Suche nach ihrer Rolle in der Welt.

“It is perfectly true, as philosophers say, that life must be understood backwards. But they forget the other proposition, that it must be lived forwards. And if one thinks over that proposition it becomes more and more evident that life can never really be understood in time because at no particular moment can I find the necessary resting-place from which to understand it.“

Ich könnte ellenlang weiterschreiben über dieses Buch, das ich so sehr mochte, ich hätte zu gerne mit der Autorin bei einem Aprikosen-Cocktail die Nacht durchdiskutiert, daraus wird leider nichts, obwohl eine theoretische Chance dazu bestünde, denn Ms Bakewell ist im März im Literaturhaus München, nur ich beruflich leider unterwegs und somit wird das leider nix.

Existentialistisch ging es im übrigen mit unserer Januar-Lektüre des Bookclubs weiter:

„The Meursault Investigation“ – Kamel Daoud

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Daoud hat, so habe ich es im Bookclub gelernt, eine Pallinade geschrieben. Also eine Antwort auf Camus „The Outsider / Der Fremde“. Daoud ein algerischer Autor und Journalist hat mit der Veröffentlichung einiges in Kauf genommen, da er zumindest zeitweise mit einer Fatwa belegt wurde, da das Buch recht religionskritisch ist.

„I’ll go so far as to say I abhor religions.“

„As for death, I got close to it years ago, and it never brought me closer to God.“

„I keep quiet here in the city, and my neighbors don’t like my independence, though they envy it and would be happy to make me pay for it.“

Ich hatte mich sehr auf „The Mersault Investigation“ gefreut, war sehr gespannt darauf, aber wir sind nicht wirklich warm geworden. Die ständigen Wiederholungen waren ermüdend, von Plot kann man eigentlich wenn überhaupt erst ab Seite 50 oder so sprechen, haben das Buch für mich zu Schwerstarbeit werden lassen.

Ich hatte erwartet, dass sein Buch Jean Rhys‘ „Wide Sargasso Sea“ ähneln würde, das wir vor ein paar Jahren im Bookclub gelesen hatten, die wirklich gute Nacherzählung von Jane Eyre aus der Sicht der verrückten in einer Kammer eingesperrten Ehefrau. Die Bücher haben durchaus ein paar Parallelen: Beide beschäftigen sich mit Fremdenfeindlichkeit, Kolonialismus und dem was aktuell „white-washing“ genannt wird, dennoch erreicht Daouds „The Meursault Investigation“ nicht annähernd Rhys‘ Klasse.

Vielleicht auch, weil der Autor sich einfach nicht recht entscheiden kann, was es sein soll. Eine Novelle, ein Meta-Roman oder eine Mischung?

Und insbesondere der erste Teil ist einfach irre langatmig, ohne jeglichen Plot und nervenzerrüttend repetitiv. Immer wieder habe ich mich beim Lesen dabei erwischt, wie die Gedanken total abschweifen, weil einfach überhaupt nix passiert ist. Das einem in einem so kurzen Buch so derart langweilig werden kann, hätte ich nicht geglaubt.

Eine Rezensentin auf Goodreads der es anscheinend ähnlich ging wie mir, hat die ersten 75 Seiten des Buches so zusammengefasst:

My brother is dead.
He was murdered.
He was murdered by a guy who wrote a famous book.
So now everyone cares about the murderer instead of my brother.
Who is dead.
Because he was murdered.
Specifically, by a guy who wrote a book about it.
And now the book is famous and nobody cares about my brother.
You know, the dead guy.
Who was murdered.

Ich möchte daher niemanden aktiv davon abhalten das Buch zu lesen, es ist definitiv interessant und es war spannend“Der Fremde“ und „The Meursault Investigation“ parallel zu lesen.

Nach soviel Existentialismus komme ich zum letzten Buch in der Runde, auf das ich bei Birgit von Sätze & Schätze aufmerksam wurde, wofür ich ihr sehr dankbar bin, denn das ist ein ganz besonderes kleines Juwel:

„The Machine stops“ – E. M. Forster

machine

Interessanterweise wird in Sarah Bakewells „Café der Existentialisten“ ebenfalls auf das Buch hingewiesen und daraus zitiert, also der typische Fall von erst hört man nie von etwas und nun sehe ich es überall.

E. M. Forster dürfte den meisten eher durch seine realistischen modernen Klassiker wie „A Passage to India“, „Howards End“ oder „A Room with a view“ bekannt sein. Science-Fiction, Dystopien etc gehörten nicht eigentlich zu seinem Genre. Um so gespannter war ich auf diese knapp 60-seitige Geschichte.

Forster berichtet im Vorwort das die Geschichte eine Reaktion auf Wells Zeitmaschine sei.  Im Gegensatz zu Wells‘ politischem Kommentar stellt Forster die Technik selbst als äußerste kontrollierende Instanz hin.

Die sollte man man auf gar keinen Fall lesen ohne vorher noch mal das Veröffentlichungsdatum zu überprüfen. „The Machine stops“ hat über 100 Jahre auf dem Buckel und ich habe die Geschichte glaube ich die ganze Zeit über mit erstaunt aufgerissenem Mund gelesen, so wenig konnte ich glauben, dass Forster unser Internet-Zeitalter so derart exakt vorhersehen konnte.

Um noch mal den Zeitstrahl zu bemühen: Forster hat „The machine stops“ 1909 geschrieben, also fast 25 Jahre vor Huxleys „Schöne neue Welt“ zum Beispiel und über 40 Jahre vor Orwells 1984. Meine einzige Erklärung ist – er hatte Zugriff auf HG Wells Zeitmaschine, denn die gab es immerhin seit 1895 bereits.

Die Geschichte erzählt von einer Zeit, in der die Menschen nicht mehr an der Erdoberfläche leben können, da die Luft verseucht ist, sondern unterirdisch isoliert in standardisierten wabenförmigen Räumen. Alle ihre Bedürfnisse werden durch eine omnipotente globale Maschine befriedigt (man denkt unweigerlich an Facebook, itunes, Kindle, Online-Vorlesungen etc)

Sie sind im Grunde völlig isoliert und leben wunschlos glücklich allein mit dem Internet. Reisen sind erlaubt, aber unnötig und äußerst unbeliebt, wie überhaupt jeglicher tatsächlicher Kontakt mit den Mitmenschen der als unsauber und unmodern gilt.

“Few travelled in these days, for, thanks to the advance of science, the earth was exactly alike all over. Rapid intercourse, from which the previous civilization had hoped so much, had ended by defeating itself. What was the good of going to Peking when it was just like Shrewsbury? Why return to Shrewsbury when it would all be like Peking? Men seldom moved their bodies; all unrest was concentrated in the soul.”

Die „Maschine“ wird mit nahezu religiösem Eifer verehrt und wie der Titel des Büchleins schon vermuten lässt, irgendwann ist die Kacke am Dampfen und die Maschine droht zu stoppen.

fullsizerender

Ich will hier gar nicht weiter viel verraten, denn ich wünsche dieser Geschichte so viele Leser wie möglich. Wird die Maschine unser Ende besiegeln, wenn wir es nicht schaffen ein vernünftiges Verhältnis zu Technologie zu entwickeln? Sie nicht komplett verteufeln, uns aber auch nicht vollkommen abhängig machen davon.

Abwägen, wann ich mir mit Google Maps den schnellsten und direktesten Weg zu einem Ziel anzeigen lasse und wann es vielleicht viel spannender und schöner ist, mich treiben zu lassen, unbekannte Umwege zu gehen und mich vielleicht auch mal zu verlaufen.

Und mit diesen Worten beende ich mein Wort zum Sonntag und höre mal in das neue Album „The Machine Stops“ von Hawkwind rein, die sich von der Geschichte haben inspirieren lassen: