#WomeninSciFi (51) Die Stadt, nicht lange danach – Pat Murphy

Ich freue mich sehr, über diese Rezension, denn auch wenn die Reihe „offiziell“ zu Ende gegangen ist, werde ich immer mal wieder einen Artikel dazu schalten, denn SciFi Autorinnen können auch weiterhin jeden Scheinwerfer brauchen.

Ganz großes Danke an Eszter vom wunderbaren Blog „Esthers Bücher“  die uns eine sehr spannende Dystopie aus den 1970er Jahren vorstellt. Alle anschnallen, wir reisen in nach San Francisco und da geht es nicht gerade gemütlich zu:

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Eine Seuche hat fast alle Einwohner von San Francisco getötet, nur wenige sind übrig geblieben. Auch sonst scheint das Land wie ausgestorben, wenn hundert Leute irgendwo zusammenkommen, ist das schon eine bedrückende Menge. Die Stadt wird jetzt von Künstlern bewohnt, die überall in den Straßen ihre Werke platzieren. Konflikte gibt es hier allerhöchtens dann, wenn zwei Künstler sich die gleiche Fläche ausgesucht haben, aber auch diese Auseinandersetzungen werden schnell beigelegt. Kunst spielt hier für alle eine große Rolle, die Überlebenden haben nämlich erkannt, dass sie ihnen und der Stadt Gutes tut.

„Wenn man etwas Schönes erschafft, dann verändert das einen. Du gibst etwas von dir her, und lässt es in diesem Werk. Man ist einfach nicht mehr dieselbe Person, wenn man fertig ist.”

Die Seuche ist erst vor sechzehn Jahren ausgebrochen, aber die nächste Generation, die in dieser neuen Welt heranwächst, weiß kaum noch etwas über das Leben vorher. Leere Wohnungen und Häuser dienen als Fundorte kurioser Gegenstände, Totenschädel finden in den Kunstwerken eine neue Bestimmung.

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Es haben alle nicht alle die alte Welt vergessen und sie losgelassen. General Miles, der von den Künstlern nur „Vierstern” genannte Soldat hegt große Pläne. Er möchte den organisierten Staat, sein Amerika wiederherstellen, wenn es sein muss, dann mit Gewalt. Er sammelt seine Truppen in Sacramento und erobert mit ihnen immer mehr Städte. Sein nächstes Ziel ist San Francisco.

Das namenlose Mädchen ist auf einer Farm, weit weg von anderen aufgewachsen. Außer ihrer Mutter kennt sie nicht viele Menschen. Als ihre Mutter stirbt, zieht sie auf ihrem Pferd los in die große Stadt, um die Einwohner vor Vierstern zu warnen. Die Künstler müssen für den Krieg rüsten oder sich dem General und seinem Ordnungswahn unterordnen.

Par Murphy schrieb diesen Roman 1989 – eine Jahreszahl, die das Ende einer Ära einleutete. Der Kalte Krieg hat seine Spuren an diesem Roman eindeutig hinterlassen. Die USA und der Ostblock standen sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahrzehnten argwöhnisch gegenüber, immer wieder stand die Menschheit kurz vor dem Ausbruch eines neuen, womöglich alles Leben vernichtenden Krieges. So verwundert es nicht, dass sich die Autorin in ihrem Buch auf die Suche nach einer Lösung, nach einer friedlichen Lösung dieses Konflikts begab.

Und dieser Wunsch nach Frieden erklärt, warum eine postapokalyptische Geschichte wie diese nicht niederdrückend, sondern ausgesprochen positiv wirkt. Die leeren Straßen, die Millionen von Toten, die verlassenen Bürogebäude, die verwaisten Kinder erzählen zwar eine traurige Geschichte, wie die Künstler der Stadt jedoch damit umgehen, bringt den Leser aber immer wieder zum Schmunzeln. In eine Welt, die äußerlich doch so sehr an The Walking Dead erinnert, nehmen Kunst, Farben und ein wenig Magie die Überhand. In unserer heutigen, von Konflikten zerrüttelten Welt sollten mehr Leute dieses Buch lesen.

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Hirngymnastik – Dinosaurier

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Wer „Ausgestorben um zu bleiben“ aufschlägt, sollte sich auf einen Schock gefasst machen. Auch wenn ich es hier und da schon habe durch die Presse huschen sehen, ich habe den unliebsamen Gedanken einfach immer auf Seite geschoben. Aber Herr Kegel präsentiert uns gleich auf der Innenseite mit dem Bild einen gefiederten Dinosaurier. Waaah – das geht gar nicht. Ein Dino ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft also wirklich „a thing with feathers“. Das muß ich erst einmal verarbeiten, nachdem ich es nun anscheinend wohl nicht mehr weiter leugnen kann.

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Foto: Tigramgros

Ich glaube, die „Jurassic Park“ Filme wären deutlich weniger gruselig und spannend gewesen, wären die Protagonisten von wildgewordenen Riesenhühner-Dinos verfolgt worden. Aber gut – ich muß damit leben.

Bernhard Kegel reist mit uns durch die Zeit der Dinosaurier von ihrem Auftauchen am Ende des Perm, ihr Aufblühen im Jura und ihr plötzliches Aussterben in der Kreidezeit. Nie wanderten mehr als etwa 100 Dinosaurier gleichzeitig über die Erde und so manche Dinos, die wir in Jurassic Park gemeinsam miteinander kämpfen sehen, lebten tatsächlich Millionen von Jahren auseinander.

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Foto: tigramgros

Ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen. So sollte populärwissenschaftliche Literatur sein. Man erfährt nicht nur jede Menge über die Dinosaurier selber und den letzten Stand der diesbezüglichen Forschung, er berichtet auch über die Anfänge und die Entwicklung der Paläontologie und über Dinosaurier in der Literatur und Film und ihren Einfluss.

Das Buch bietet eine Fülle an Informationen und ich fand es sehr beeindruckend, was die moderne Wissenschaft in der Lage ist, aus Millionen Jahre alten Fossilien und Knochen herauszulesen. Zum Beispiel, dass Dinosaurier eine breite Palette an Farben boten und dass die Federn womöglich als Vorzeigeobjekt entwickelt wurden wie beim Pfau zum Beispiel und danach erst im evolutionären Prozess zum Fliegen genutzt wurden. Kegel räumt auch immer wieder mit überholten Bildern auf:

„Es dauerte Jahre, bis sich das von Ostrom vertretene Bild der Dinosaurier als aktive Tiere mit hohem Stoffwechselniveau durchzusetzen begann. Der alte Kängurutyp der aufgerichteten, auf Hinterbeine und Schwanz gestützten Echse, der die Präsentation in den Museen und die Bilderwelt beherrschte, hatte ausgedient. Skelette wurden abgebaut und in neuer Positur wieder aufgestellt. Wie bei einer Wippe waren Oberkörper und Kopf nun nach vorne gekippt und hatten den Schwanz in die Höhe gehoben, bis beide sich ungefähr auf gleicher Höhe befanden und die Waage hielten.“

Ein wirklich großartiges Buch, das in keinem Haushalt fehlen sollte. Besonders ans Herz legen möchte ich euch die wunderbar schöne Büchergilden-Ausgabe – ein echtes Schmuckstück.

Aufmerksam wurde ich auf Bernhard Kegels Buch bei Marion von schiefgelesen, dort findet ihr eine weitere Rezension dazu.

Kegel machte mich in seinem Buch auf Tracy Chevaliers Roman „Remarkable Creatures“ über die Fossiliensammlerin Mary Anning aufmerksam und ich verbrachte bei der Lektüre viele Stunden am Strand von Lyme Regis in Dorset.

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Mary Anning wurde 1799 in eine arme Familie hineingeboren. Ihr Vater Richard war Schreiner, er brachte seiner Tochter alles über Fossilien bei. Als Kind ging Mary mit ihrem Vater regelmäßig an den Strand, um nach Fossilien zu suchen. Sie brachten diese zurück nach Hause, reinigten und polierten sie und boten sie Touristen zum Verkauf an, als sogenannte „Curios“.

Als ihr Vater 1810 stirbt, ist die Familie völlig verarmt. Sie müssen ihre Möbel verbrennen, um nicht zu erfrieren und sind ständig davon bedroht, ins Armenhaus zu kommen. Zu dieser Zeit war der Fossilienverkauf die einzige Einnahmequelle der Familie.

“That’s how fossil hunting is: It takes over, like a hunger, and nothing else matters but what you find. And even when you find it, you still start looking again the next minute, because there might be something even better waiting.” 

1811 findet Marys älterer Bruder Joseph den 1,20 m langen Schädel eines riesigen Tieres, was sich später als Ichthyosaurus herausstellte. Ungefähr ein Jahr später fand Mary den Rest des Skeletts und wurde eine landesweite Sensation. Die Engländer zur Zeit Königin Viktorias waren überwiegend Kreationisten, sie glaubten, dass die Welt um sie herum exakt so ist seit sie erschaffen wurde, wie in der Genesis beschrieben. Die aufkommenden Behauptungen, all diese Fossilien seien Millionen Jahre alt und stammten von Kreaturen, die ausgestorben sind, sorgten für mächtige Unruhen, da sie die perfekte göttliche Vorsehung und Erschaffung in Frage stellten.

“For myself, it took only the early discovery of a golden ammonite, glittering on the beach between Lyme and Charmouth, for me to succumb to the seductive thrill of finding unexpected treasure.” 

Diese Kontroverse und natürlich ihre Funde machte Mary Anning sehr berühmt. Sie machte im Laufe ihres Lebens noch jede Menge weiterer großer Entdeckungen, zum Beispiel den ersten kompletten Plesiosaurus im Jahre 1824, gefolgt von ersten und nach wie vor sehr seltenen Dimorphodon im Jahr 1828. Der Dimorphodon war der erste Pterosarus, der außerhalb Deutschlands entdeckt wurde. Ihrem Geschlecht und ihre sozialen Stellung geschuldet wurde sie nie in eine der großen wissenschaftlichen Institute ihrer Zeit aufgenommen und viele Leute, die Fossilien von ihr kauften, beanspruchten Marys Erfolge für sich.

Heute, über 200 Jahre nach ihrer Geburt, beginnt Mary Anning langsam die Anerkennung zu bekommen, die sie verdient. In Lyme Regis wurde auf dem Grundstück ihres Geburtshauses ein ihr gewidmetes Museum eröffnet.

Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und möchte zu gerne einmal an den Strand in Lyme Regis und selbst nach Fossilien suchen.

Das letzte Buch für die Hirngymnastik ist ein Buch aus meiner Kindheit. Ich habe es bekommen als ich 6 oder 7 war und habe es heiß und innig geliebt. Das Buch machte mich zum Hardcore Dino Fan.

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Auch wenn dieses 1980 publizierte Buch wissenschaftlich nicht mehr auf dem neuesten Stand ist, blättere ich noch heute gerne darin. Die Illustrationen sind teilweise ganz schön brutal und blutig und eine Weile wurde das Buch von meiner Oma konfisziert, da ich T-Rex Alpträume hatte

 

Natürlich macht Jurassic Park großen Spaß und ich habe den Film auch extra für die Hirngymnastik wieder geschaut. Aber besonders ans Herz legen möchte ich euch die BBC Serie „Walking with Dinosaurs“ und den zauberhaften tschechischen Film  „Reise in die Urwelt“ von 1955 – mein absoluter Lieblingsfilm als Kind:

OK – Butter bei die Fische –  wer ist noch Dino-Fan und was ist euer Lieblingsdinosaurier?

 

Meine Woche

18 Feb tony-morrison You wanna fly, you got to give up the shit that weighs you down

Gesehen: „Jurassic Park“ (1993) von Steven Spielberg mit Laura Dern und Sam Neill. Immer noch und immer wieder gut. Ich liebe die Klo-Szene mit dem T-Rex.

The Bad Batch“ (2016) von Ana Lily Armirpour (der Regisseurin von „A Girl walks home alone at night“) Die Beschreibung fand ich sehr passend: in der Einsamkeit der texanischen Wüste bricht ein muskulöser Kannibale eine wichtige Regel: spiel nicht mit dem Essen. Interessante Atmosphäre, toller Soundtrack nur gelegentlich etwas blutig.

The Wave“ (Bølgen) (2015) von Roar Uthaug. Norwegischer Katastrophenfilm um eine Felssturz der eine Tsunami-Welle im Fjord auslöst. Die Handlung war teilweise etwas löchrig, hab ich für die phantastischen Norwegen-Bilder gerne verziehen.

Seedling“ (2019) Sci-Fi Kurzfilm von Stevie Russell. War ganz interessant, könnte ich mir durchaus in Spielfilmlänge vorstellen.

Gehört: „All the colors of the dark“ – Federale, „Francis Harris – Lostfound„, „On our foreheads“ – White Lies, „The Two Path“ – Jozef van Wissem & Jim Jarmusch, „Disco Volante“ – The Ills, „Rites I“ – Ashtoreth, „After its own death“ – Nivhek

Gelesen: The best thing you can do for your health – sleep well, A suspense novelist’s trail of deception, On needing to find something to worry about, What do we mean when we call art necessary?, 1 Woman – 12 Months – 52 places

Getan: den Bookclub besucht und mit lieben Freunden gemalt (ich bin nicht sehr talentiert, hatte aber Spaß)

Geplant: das Olafur Arnaldson Konzert besuchen

Gegessen: Salat mit Süßkartoffelscheiben und Senfeier

Gefreut: über ein seltenes Lob

Geklickt:  auf diese Doku über Paul Auster, Why everyone is going to Iceland lately, One breath around the world  und Stevie Smith recites „Not waving but drowing

Gelacht: über die LGBTQ Islands und über diese Tiere

Gewünscht: diese Lampen und diese, diese Kommode und diese, dieses Haus

Gestaunt: über die weltgrößte Biene und dieses Titelblatt

Gekauft: die Gedichte von Sylvia Plath

Gefunden: nix

Gedacht: „There is no time for despair, no place for self-pity, no need for silence, no room for fear. We speak, we write, we do language. That is how civilizations heal.
I know the world is bruised and bleeding, and though it is important not to ignore its pain, it is also critical to refuse to succumb to its malevolence. (Toni Morrison)

How to read a book – Mortimer Adler

“The person who says he knows what he thinks but cannot express it
usually does not know what he thinks.”

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Ich kann mir vorstellen, dass sich hier einige fragen, warum zur Hölle man ein Buch darüber lesen sollte, wie man ein Buch liest. Eine berechtigte Frage. Mich hat es neugierig gemacht und ich habe die Lektüre definitiv nicht bereut.

„How to Read a Book“  – The Classic Guide to intelligent Reading von Mortimer Adler und Charles van Doren ist ein Buch, das helfen soll, intelligenter zu lesen. Intelligentes Lesen ist aktives Lesen, am besten mit Stift in der Hand, bei dem man mit dem Autor in einen Dialog tritt, dem Text Fragen stellt, versucht, Antworten zu finden und sich eine Meinung zu bilden. Richtig zu lesen bedeutet nicht nur zur Unterhaltung oder für bloße Informationsaufnahme zu lesen, sondern um den Text richtig zu verstehen. Adlers Meinung nach verdienen „große“ Bücher auf allen vier Ebenen gelesen zu werden, um so weit wie möglich die Logik hinter den Ausführungen des jeweiligen Autors zu verstehen und sich die Möglichkeit zu erarbeiten, intelligent zu entscheiden, ob man mit dem Autor übereinstimmt oder nicht.

Wir lernen in der Schule natürlich lesen, es wird aber meines Erachtens nicht genug auf die unterschiedlichen Arten des Lesens eingegangen. Um intelligent und aktiv zu lesen, muß der Leser nach Ansicht der Autoren ein paar Regeln befolgen bzw. die unterschiedlichen Dimensionen oder Phasen des Lesens meistern.

„….a good book can teach you about the world and about yourself. You learn more than how to read better; you also learn more about life. You become wiser. Not just more knowledgeable – books that provide nothing but information can produce that result. But wiser, in the sense that you are more deeply aware of the great and enduring truths of human life.” 

Im ersten Teil des Buches geht es um diese unterschiedlichen Dimensionen des Lesens:

1. Elementary reading
2. Inspectional reading
3. Analytical reading
4. Syntopical reading

Mortimer Adler (1902-2001) veröffentlichte das Buch bereits 1940. Adler arbeitete an der Columbia Universität, der Universität von Chicago für die Encyclopaedia Britannica und gründete ein eigenes Forschungsinstitut für Philosophie.

Charles van Doren (1926 – heute) ist ein amerikanischer Akademiker, Autor und wahrscheinlich am berühmtesten für den Skandal um seinen Betrug bei der amerikanischen Quiz Sendung „Quiz Show“, der 1994 sogar mit Ralph Fiennes in der Hauptrolle verfilmt wurde.

Ich fand seine Unterscheidung zwischen „well read“ und „widely read“ sehr spannend und stimme mit ihm überein, dass unser Ziel sein sollte, „well read“ zu sein. Wichtig ist einfach für sich zu unterscheiden, ob ich ein Buch des reinen Vergnügen wegens lese (was völlig legitim ist) oder ob ich mehr von einem Buch möchte.

Wie sagte Francis Bacon schon so schön:

„Some books are to be tasted, others to be swallowed, and somefew to be chewed and digested: that is, some books are to be read only in parts, others to be read, but not curiously, and somefew to be read wholly, and with diligence and attention.“

Ich hatte bei der Lektüre von „How to read a Book“ das Gefühl, zum Tee bei einem freundlichen älteren Professor eingeladen zu sein, der mir Disziplin, genug Schlaf und richtiges Lesen nahebringen will und das man bei der Lektüre doch vielleicht besser keine löchrigen Jeans trägt 😉 Man ist ein kleines bisschen von ihm genervt, merkt aber irgendwann, dass man den alten Herrn doch ganz gerne mag und er mit manchem Recht hat.

“True freedom is impossible without a mind made free by discipline.” 

Was mich störte, war die angehängte Liste empfohlener „großer“ Literatur, die es bei 137 Titeln der Weltliteratur gerade einmal auf 2 Frauen bringt (Jane Austen und George Eliot). Das ist sicherlich dem Alter des Buches geschuldet (meine Ausgabe wurde 1972 zuletzt überarbeitet), erschütternd fand ich es trotzdem.

Ein Buch, das einen ein wenig nostalgisch macht, nach einer langsameren weniger oberflächlichen Zeit. Ich habe es sehr gerne gelesen, für mich einiges mitgenommen und kann es durchaus empfehlen.

Meine Woche

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Gesehen: „Star Trek Discovery“ Season 2. Endlich geht es weiter. Allein für das Intro lohnt sich die Serie schon.

Gehört: „No Dog“ + „Darkness“ – Esben and the Witch, „One Kiss“ – Dua Lipa & St. Vincent, „Zebracazebra“ – Nyos, „Solifuge“ – Less Bells

Gelesen: Martha Nussbaums moral philosophies, the worst mistake of the human race, warum streiten wir überhaupt

Getan: viel Yoga, am Meer spazieren gegangen, Zug gefahren, gelesen und mit der Familie geklönt

Geplant: die Entspannung mit in den Alltag nehmen

Gegessen: mega leckere vegetarische Küche im Kubatzki

Getrunken: jede Menge Tee, Smoothies und in Hamburg ein Astra

Gefreut: über die wundervoll entspannte Woche im Norden

Geärgert: nö

Geklickt:  auf Meditation in the time of disruption

Gelacht: über meine diversen Knoten in den Gliedmassen beim Yoga

Gewünscht: dieses Bolster, diese Socken, diese Schüssel

Gestaunt: über die Pfahlhäuser in St. Peter Ording

Gekauft: nix

Gefunden: meine innere Ruhe 😉

Gedacht: “I am rooted but I flow“ – Virginia Woolf

Esben And The Witch + Nyos @ Ampere, München, 2019-02-11

Schon ein paar Tage her, aber das Konzert geht mir immer noch nach. Keiner kann Konzerte so schön in Worte fassen wie Gerhard 🙂

KULTURFORUM

Emotionales Wechselbad wie intensive Beschallung zum Wochenstart, in jedweder Ausprägung Herz-Erwärmendes zur flüchtigen Lockerung des winterlichen Würgegriffs am vergangenen Montagabend im gefälligen Doppelpack, einem gut gefüllten Auditorium im Münchner Ampere dargereicht:

Mittlerweile keine Unbekannten mehr im hiesigen Konzertbetrieb sind die beiden Finnen von Nyos, unter anderem durften sie erst vor Kurzem im vergangenen November einen Abend im Feierwerk für die Schweizer Black-Metal/Gospel-Crossover-Formation Zeal & Ardor eröffnen. Diejenigen, die vor Ort waren, wussten seinerzeit ausschließlich Erfreuliches vom Support-Gig der beiden jungen Nordländer zu berichten, und so war die Erwartungshaltung zum erneut Abend-eröffnenden Auftritt für die im Anschluss aufspielenden Headliner von Espen And The Witch durchaus eine anspruchsvolle, von Vorfreude geprägte. Das Duo aus der Universitätsstadt Jyväskylä hat dahingehend auch nichts an Enttäuschung aufkommen lassen und die zugestandenen 40 Minuten zum Anheizen der eingefrorenen Besucherschar für sich einnehmend genutzt.
Drummer Tuomas Kainulainen befeuerte mit angespannter Uptempo-Rhythmik die ausladenden Instrumental-Breitseiten von Gitarrist…

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The Moth and the Star – Biography of Virginia Woolf

I am rooted
but I flow

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Der erste Satz aus Aileen Pippetts Virginia Woolf Biografie hätte auch von mir sein können: Alles, was ich über Virginia Woolf wusste war, dass ich alles von ihr und über sie gelesen hatte und sie auf diese Weise irgendwie ein Teil meines Lebens war. Aber schon ab dem zweiten Satz war die Autorin uneinholbar für mich und ich wurde ein klein wenig grün vor Neid:

„I met her once, in a Bloomsbury attic, by candlelight, unexpectedly, at a small party some time in the middle nineteen-thirties. To me it was a memorable occasion, though I did nothing to make it so, being more than content to admire and observe and remain quieter than the mice behind the wainscoting, for I believed then, as I do still, that anything of importance an author has to say to a reader is to be found in books and heard in the privacy of the mind.“

Eine Biografin, die Virginia Woolf selbst kennengelernt hatte, das gefiel mir außerordentlich und hat ihr ein paar Vorschußlorbeeren eingebracht. Meine Erwartungen wurden aber durchaus erfüllt. Bei „The Moth und the Star“ handelt es sich um eine sehr lesenswerte Biografie voller Atmosphäre, die uns an der Kindheit und Jugend Virginias teilhaben lässt. Leise und heimlich heften wir uns an ihre Fersen, wenn sie den Gartenweg zu ihrem Schreibstudio entlanggeht, oder wir sie bei ihren ausgiebigen Spaziergängen an der Küste, durch die Straße Londons oder auf dem Land begleiten. Wir lernen ihre Bekannten kennen und ihre Freunde kennen.

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Das Portrait baut sich wie aus kleinen Mosaikstückchen zusammen. Wir lernen die Stephens Familie kennen, die „Bloomsberries“ (die von der Autorin gegen jegliche Abstempelung als hochmütige Elfenturmbewohner vehement verteidigt werden). Wir folgen Virginia Woolf durch Kew Garden, besuchen mit ihr Monks House (hier habe ich im Übrigen schon einmal über meinen Besuch in Monks House berichtet) und erleben die Freuden und Miseren einer sehr sensiblen, ätherisch wirkenden jungen Autorin, die die Literaturwelt revolutionierte.

Interessant fand ich auch ihr gemeinsames Schreiben mit E. M. Forster als Antwort auf die Öbszönitäts-Anklage gegen Radclyffe Hall:

“Writers produce literature, and they cannot produce great literature until they have free minds. The free mind has access to all knowledge and speculation of its age, and nothing cramps it like a taboo.”

Aileen Pippett verknüpft auf’s wunderbarste Virginia Woolfs Leben mit ihrer Arbeit wobei ihr als Quellen neben Woolfs Büchern und Tagebüchern auch die ausgiebige Korrespondenz zwischen Virginia und Vita Sackville-West dient. Der Frau, der sie mit „Orlando“ ein einzigartiges Denkmal gesetzt hat. Vitas Sohn beschrieb „Orlando“ später einmal als den längsten und schönsten Liebesbrief in der Literatur.

Die Biografie zeigt auch deutlich den Einfluss, die Faszination, den Verwandte und Freunde, ihre Arbeit in der Hogarth Press und überhaupt die Welt draußen auf Virginia Woolf ausübte. Doch immer wieder wird es alles zuviel, sie muss mit ihren Kräften haushalten, sie ist kränklich und fragil und wird immer wieder von Depressionen heimgesucht.

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Wolf in Monks House

Im März 1940 hat sie keinerlei Kraft mehr, gegen einen weiteren mentalen Zusammenbruch anzukämpfen. Sie hat Angst davor, verrückt zu werden. Sie schreibt einen Abschiedsbrief in ihrem Gartenhäuschen in Monks House, füllt ihre Taschen mit Steinen und ertränkt sich in dem kleinen Flüsschen Ouse ganz in der Nähe des Hauses.

„The Moth and the Star“ ist die gelungene Biografie von einer Zeitgenossin Virginia Woolfs. Das Buch bringt den Leser einer großen Schriftstellerin näher, ohne die Privatssphäre zu verletzen, die einem Menschen wie Virginia Woolf sicherlich durchaus wichtig gewesen wäre.

Darf es noch ein bisschen mehr sein? Dann findet ihr hier die Besprechung zu zwei ihrer Romane „Jacobs Room“ und Mrs Dalloway  und dem phänomenalen „A room of one’s own„. Dazu passt auch wunderbar ihr Briefwechsel mit Vita Sackville-West „Geliebtes Wesen„.

Ich würde gerne noch weitere Biografien über Virginia Woolf lesen – habt ihr Empfehlungen?