Blue Nights – Joan Didion

Didion

Ich gebe zu, eine eher ungewöhnliche Strandlektüre. Vielleicht brauchte ich aber gerade die Sonne und Wärme, um mich einem solchen Buch zu nähern.

Die Atmosphäre im Buch hat mir trotz der Traurigkeit und des Schmerzes sehr gut gefallen. Es fühlte sich an, als würde Ms Didion neben mir sitzen. Schmal und elegant, vielleicht eine Zigarette rauchend und ihren Gedanken nachhängend. Sie versucht, ihr Leben zu verstehen, zu verstehen warum ihre Tochter fast unausweichlich so werden musste, wie sie war. Sie versucht, ihren Tod zu begreifen und mit dem Verlust zurecht zu kommen.

„I know what the fear is. The fear is not for what is lost. What is lost is already in the wall. What is lost is already behind the locked doors. The fear is for what is still to be lost.”

Der Tod spielt eine große Rolle in dem Buch. Nicht nur der Tod ihrer Tochter, sondern der ihres Mannes und sehr vieler ihrer Freunde und deren Kinder. Didion als eine der letzten Überlebenden. Sie reflektiert über das Alter, über Verluste und immer wieder die Zweifel, ob sie für Quintana die richtige Mutter war. Ob sie genug war.

Es gibt Stimmen, die Didion vorwerfen keine gute Mutter gewesen zu sein. Ich fange gar nicht erst an, sie in irgendeiner Weise zu rechtfertigen. Blue Nights ist auch ein Porträt über zwei priviligierte Schriftsteller, die man im Kontext ihrer Arbeit, ihrer Gesellschaft und ihrer Zeit sehen muss.

Joan Didion ist dem Medizin- und Psychologie-Apparat recht kritisch gegenüber eingestellt, die Diagnose ihrer Tochter „Bipolare Störung“ erscheint ihr aber absolut passend für ihre Tochter. Immer wieder entdeckt sie frühe Anzeichen, die Hinweise auf die Erkrankung zu sein scheinen. Die Verlustangst steckt tief in ihr, ist mit nichts zu bändigen. Alkohol, so Didion, ist auch heute noch der wirksamste Angstbekämpfer. Kein Medikament hilft so gut wie Alkohol, Ängste in den Griff zu bekommen. Eine wahre, aber auch erschreckende Erkenntnis.

“Adoption, I was to learn although not immediately, is hard to get right.
As a concept, even what was then its most widely approved narrative carried bad news: if someone „chose“ you, what does that tell you?
Doesn’t it tell you that you were available to be „chosen“?
Doesn’t it tell you, in the end, that there are only two people in the world?
The ones who „chose“ you?
And the other who didn’t?
Are we beginning to see how the word „abandonment“ might enter the picture? Might we not make efforts to avoid such abandonment? Might not such efforts be characterized as „frantic“? Do we want to ask ourselves what follows? Do we need to ask ourselves what words come next to mind? Isn’t one of those words „fear“? Isn’t another of those words „anxiety“?”

Didion liest sich mühelos, man kann es schnell lesen das Buch – aber man sollte sich Zeit lassen. Die Sätze wirken lassen. Ihre Sprache ist einfach, aber so poetisch. Sie lässt uns ganz nah an sich heran und ich war beeindruckt, wie sehr auch gerade die Listen, das Repetative, ihre Fragen – wie sie immer und immer wieder über bestimmte Erinnerungen nachdenkt, diese hinterfragt, bewertet, nach Hinweisen sucht.

“Memory fades, memory adjusts, memory conforms to what we think we remember.”

“In theory momentos serve to bring back the moment. In fact they serve only to make clear how inadequately I appreciated the moment when it was here. How inadequately I appreciated the moment when it was here is something else I could never afford to see.”

Mein erstes Buch von Joan Didion. Es ist sozusagen der zweite Akt ihrer ganz persönlichen Tragödie. Ihr Buch „The Year of Magical Thinking“ handelt vom Tod ihres Mannes, ein Jahr darauf verliert sie ihre Tochter. Ich möchte auf jeden Fall noch ihre anderen Bücher lesen. „Blue Nights“ kann ich auf jeden Fall nur empfehlen. Es ist ein trauriges aber nie sentimentales Buch, es macht nachdenklich und gibt irgendwie auch Hoffnung.

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3 Kommentare zu “Blue Nights – Joan Didion

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