Donna Leon @BMW Welt München

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„I was at La Fenice opera house back in 1991 with friends, and we started talking about a conductor whom none of us liked. Somehow there was an escalation, and we started talking about how to kill him, where to kill him. This struck me as a good idea for a book“

Nach wie vor ist dieser erster Brunetti Krimi in dem ein Dirigent während des letzten Aktes von „La Traviata“ ermordet wird mein liebster. Frau Leon und ich teilen die Liebe zu Händel, Raymond Chandler, Italien und vielleicht noch 1-2 andere Dinge 😉

Donna Leon stellte am Sonntag in München ihren 22. Brunetti Roman vor „Das goldene Ei“. Es war ein sehr unterhaltsamer Nachmittag mit ihr und ich würde jederzeit mit ihr in die Oper und danach ein Glas Wein trinken gehen. Alle 22 Krimis habe ich nicht gelesen und habe ich auch nicht vor, aber ab und an mal einen ist fast wie ein Kurzurlaub in Venedig.

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The Comfort of Strangers – Ian McEwan

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Bislang habe ich noch kein Buch von Ian McEwan gelesen, dass mich kalt gelassen hat und „The Comfort of Strangers“ ist da keine Ausnahme. Dieses kleine Büchlein, das wir in einer „zu verschenken“-Box gefunden haben, ist ein echter Page-Turner.

Die Geschichte ist von Anfang an schleichend beunruhigend und beklemmend. Die düster schwüle „Gothic“-Atmosphäre kommt in Venedig natürlich besonders gut zur Geltung. Habe mich an Thomas Manns „Tod in Venedig“ erinnert gefühlt oder auch an „Wenn die Gondeln Trauer tragen“.

Mary und Colin verbringen ihren Urlaub in einer Stadt, die nicht klar als Venedig benannt wird, aber die Beschreibungen der Stadt lassen eigentlich keinen Zweifel aufkommen. Die beiden sind schon länger zusammen, nicht verheiratet, ihr wirklicher Beziehungsstatus ist etwas unklar. Sie verbringen eine anfangs nette, unaufgeregte Zeit, verlaufen sich des Öfteren in den Gässchen, sind irgendwie nicht wirklich glücklich miteinander und haben ab und an unaufgeregten Sex.

„What tended to happen, to Colin and Mary at least, was that subjects were not explored so much as defensively reiterated, or forced into elaborate irrelevancies, and suffused with irritability“

Das alles ändert sich schlagartig, als sie wieder einmal ohne Straßenkarte durch die Gegend irrend den charismatischen Robert treffen. Er umgarnt sie, schleppt sie in eine Kneipe, unterhält sie, macht ihnen Komplimente und füllt sie ziemlich ab. Von der ersten Sekunde an ist klar, Robert hat Hintergedanken. Sie haben den ganzen Abend nichts gegessen und finden betrunken nicht einmal in ihr Hotel zurück.

Überraschend treffen sie ihn am späten Vormittag wieder. Noch immer hungrig und übermüdet, da sie es noch immer nicht in ihr Hotelzimmer geschafft haben, schleppt er sie in seine palastartige Wohnung, um sich um sie zu kümmern. Robert und seine Frau Caroline wirken nahezu hypnotisch auf die beiden und mit einer schrecklichen Unausweichlichkeit steuern Mary und Colin ahnungslos-naiv auf ein schreckliches Ende hin.

„She sleepwalked from moment to moment, and whole months slipped by without memory, without bearing the faintest imprint of her conscious will“

Die Sprache ist wunderschön, man möchte umgehend nach Venedig reisen, wird aber vermutlich jedem wohlmeinendem Fremden weiträumig aus dem Weg gehen 😉

Das Buch ist auch verfilmt worden, leider ist er bei Lovefilm momentan nicht zu bekommen. Hätte große Lust auf die Verfilmung. Angelo Badelamenti hat die Titelmusik geschrieben und die Hauptrollen im Film spielen Christopher Walken, Rupert Everett und Helen Mirren (!).

Das Buch ist auf deutsch unter dem Titel „Der Trost von Fremden“ im Diogenes Verlag erschienen.

Verlangen – Jeanette Winterson

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Dieser Zufallsfund aus einem offenen Bücherschrank in Heidelberg hat mich total überrascht. Ein dünnes Büchlein, hab ein paar Seiten gebraucht bis ich drin war – aber dann wow. Was für eine Sprache, eine melancholische poetische Geschichte über die Liebe. Märchenhafte Elemente, ein Hauch Murakami vielleicht hier und da und eine absolute Liebeserklärung an Venedig. Noch nie wollte ich so gerne hinfahren wie jetzt. Ein Buch wie ein Oper – und wie auf dem Buchrücken so treffend steht „über den Wörtern, die vom Verlangen sprechen, liegt der verführerische matte Schimmer leiser Melancholie“.

Ich habe noch nie ein Buch gelesen in dem die Liebe so wunderschön, poetisch und leidenschaftlich beschrieben wurde wie hier. Ein Buch das man nicht nur einmal lesen sollte.

Ich könnte seitenweise daraus zitieren:

„Ich denke praktisch über die Liebe und habe mich mit Männern wie mit Frauen vergnügt, doch ich habe nie einen Wächter für mein Herz gebraucht. Mein Herz ist ein zuverlässiges Organ.“

„Ich werde nie von Gott in Versuchung geführt, aber ich liebe sein äußeres Drum und Dran“.

„Um gut zu küssen, darf man nichts als küssen. Keine tastenden Hände oder stammelnden Herzen. Die Lippen und die Lippen allein sind die Lust. Leidenschaft ist süßer, wenn sie Strang für Strang getrennt ist. Geteilt und noch mal geteilt wie Quecksilber, dann erst, im letzten Augenblick zusammengefügt.“

„Leidenschaft ist weniger ein Gefühl als ein Schicksal. Welch andere Wahl habe ich im Angesicht dieses Wesens, als die Segel zu hissen und die Ruder ruhen zu lassen?“

„Vielleicht ist das ihre Leidenschaft. Leidenschaft geboren aus Hindernissen der Leidenschaft?“

„Es ist das Herz, das uns betrügt, das uns weinen macht, das uns unsre Freunde begraben lässt, wenn wir weiter marschieren sollten. Es ist das Herz, das uns krank macht des Nachts und macht, das wir uns hassen.“