Große gemischte Tüte

Zu warm für lange Rezensionen. Hier in Kürze 5 Empfehlungen für schwüle Sommernächte:

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Süd-Afrika 1901. Sarah van der Watt und ihr sechsjähriger Sohn Fred werden während des Burenkrieges aus ihrem Haus in ein Internierungslager verschleppt, wo die höflichen britischen Angreifer ihnen versichern, sie seien in Sicherheit dort.

2014. Der sechzehnjährige Willem ist ein Außenseiter. In der Hoffnung, dass er endlich der Sohn wird, den sich seine Mutter und ihr Freund wünschen, zwingen sie ihn, ins New Dawn Safari Training Camp zu gehen, wo man stolz darauf ist, aus Jungs Männern zu machen. Sie versprechen ihm, er werde dort in Sicherheit sein.

“Above all this the stars shine. Willem pauses for a moment and feels the world turn as he struggles to pick out the Southern Cross among the interstellar static, He’s never seen a sky so big or so bright. It’s dizzying and he spins slowly to take it all in…” 

You will be safe hier ist ein eindringlicher Roman, der zwei südafrikanische Geschichten miteinander verbindet. Ein Roman um das Vermächtnis von Gewalt und unseren Willen zu überleben. Ein Buch das unter die Haut geht.

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Machines Like Me spielt in einer alternativen Vergangenheit in den 1980er Jahren in London. Charlie treibt antriebslos durch sein Leben, verdient ein paar Kröten mit Online-Börsenhandel und ist in seine Nachbarin Miranda verliebt, die ein schreckliches Geheimnis hütet. Als Charlie Geld erbt, kauft er sich einen Adam, einen der ersten künstlichen Menschen. Mit Mirandas Hilfe co-designt er Adams Persönlichkeit.

“The future kept arriving. Our bright new toys began to rust before we could get them home, and life went on much as before.” 

Dieser nahezu perfekte Mensch ist schön, stark, klug und es entspinnt sich sehr bald ein subversive Dreiecksbeziehung. Die drei werden mit einem tiefgehenden moralischen Dilemma konfrontiert – McEwans beliebter Modus Operandi.

McEwan hat wieder einen unglaublich intelligenten, unterhaltsamen und anregenden Roman geschrieben, der sich mit den grundsätzlichen Fragen beschäftigt: Was macht uns zu Menschen? Unsere äußerlichen Handlungen oder unser innerstes Sein? Kann eine Maschine das menschliche Herz verstehen? Wieviel Rechte hat ein künstliches Leben?

“We create a machine with intelligence and self-awareness and push it out into our imperfect world. Devised along generally rational lines, well disposed to others, such a mind soon finds itself in a hurricane of contradictions. We’ve lived with them and the list wearies us. Millions dying of diseases we know how to cure. Millions living in poverty when there’s enough to go around. We degrade the biosphere when we know it’s our only home. We threaten each other with nuclear weapons when we know where it could lead. We love living things but we permit a mass extinction of species. And all the rest – genocide, torture, enslavement, domestic murder, child abuse, school shootings, rape and scores of daily outrages.” 

Ein provokanter, spannender Roman, der uns davor warnt, Geister zu rufen, die wir dann nicht loswerden bzw. nicht mehr kontrollieren können…

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Als Cora Seabornes brillianter, aber auch dominanter Ehemann stirbt, beginnt ein neues Leben für sie. Sie lässt ihre unglückliche Ehe hinter sich und hat endlich Gelegenheit, ihrer außergewöhnlichen Intelligenz und Neugier den Raum zu geben, den sie braucht.

Zusammen mit ihrer Freundin und ihrem wahrscheinlich autistischen Sohn Francis verlässt sie London für einen Besuch an der Küste Essex, wo sie – ihrem Vorbild Mary Anning gleich – einem wissenschaftlichen Geheimnis auf der Spur ist.

Sie trifft bei ihren Nachforschungen auf den Pfarrer William Ransom, der ebenfalls mit dem Geheimnis um die „Essex Serpent“ beschäftigt ist. Cora ist eine begeisterte Naturforscherin mit wenig Sinn für Übersinnliches oder Religion und so sehr William und sie sich als Freunde schätzen, immer wieder geraten sie aufgrund ihrer unterschiedlichen Weltanschauungen aneinander.

The Essex Serpent ist eine großartige Gothic Novel im besten Sinne. Die Geschichte mag im späten 19. Jahrhundert spielen, die Themen finden sich aber ganz genau so im 21. Jahrhundert wieder. Glaube und Aberglaube treffen auf Wissenschaften und Fakten und auch die unterschiedlichen Formen der Liebe sowie moralische Limitierungen sowohl in der Liebe als auch in der Medizin.

“We both speak of illuminating the world, but we have different sources of light” 

Besonders gefiel mir, wie differenziert Perry mit den verschiedenen Formen der Liebe umgeht. Den schmalen Grat erfasst, wo Freundschaften sich verwandeln in andere Formen von Beziehungen, nicht immer klar benennbar, sondern changierend und abwechslungsreich.

“The windows in her room were open and light was fading on the wall. She said, ‘There may be blood,’ and he said, ‘Better that way – better’; and it was Cora’s mouth he kissed, and Cora’s hand she placed where she wanted it most. Each was only second best: they wore each other like hand-me-down coats.”

Großes Lesevergnügen.

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Loyalty Island in Washington State wird vom Meer beherrscht. Jeden Herbst fahren die Schiffe der Loyalty Islander hoch zur Bering See, um den Winter über Königskrabben zu fangen. Das ist die Industrie, die die Stadt und seine Geschäfte am Leben erhält, auch wenn stets der drohende Tod auf See über ihnen hängt. Für Cal, dessen Vater Kapitän eines der Boote ist, haben das Meer und Alaska etwas ähnlich mystisches wie die Piratengeschichten, die sein Vater ihm als Kind erzählte – aber er sieht auch, wie sehr das Meer verantwortlich dafür ist, dass die Ehe seiner Eltern alles andere als glücklich verläuft. Sowohl wenn sein Vater auf See ist, als auch, wenn er für ein paar Monate wieder zu Hause ist.

„Loyalty Island – das war der Gestank von Hering, Lackfarbe und fauligem Seetang an Anlegestellen und auf Stränden. Der Geruch von Kiefernnadeln, die sich am Boden braun verfärbten. Das Rumpeln von Außenbordern, von Windböen und Eismaschinen, das Heulen hydraulischer Winschen. Es war graues Dämmerlicht, das morgens und abends kam und ging – wie Ebbe und Flut.

Es war eine Aura der Einsamkeit.“

Die Familie Gaunt ist die mächtigste und einflußreichste auf der Insel. Ihnen gehört seit Generationen die Fangflotte auf Loyalty Island und sie sind der größte Arbeitgeber der Insel. Als John Gaunt plötzlich stirbt und sein entfremdeter Sohn Richard alles erbt, gerät das Leben auf der Insel außer Balance. Richard scheint wild entschlossen alles an die Japaner zu verkaufen und somit den Bewohnern der Insel ihre Lebens- und Arbeitsgrundlage zu entziehen. Als Cal entdeckt, dass sein Vater möglicherweise drastische Schritte unternommen hat, um ihre gewohnte Lebensweise zu bewahren, steht er vor einer schwierigen Wahl…

Ein wunderbarer Roman über Väter und Söhne, das Ende der Kindheit,  Verantwortung, Loyalität und über die Frage, was Menschen zu unmoralischem Handeln treib. Ein Buch, das definitiv seinen eigenen Soundtrack verdient:

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Gordon Comstock verachtet den Materialismus und die Oberflächligkeit der Mittelklasse, ihre Anbetung des Geldes und ihr Streben nach langweiliger muffiger Seriosiät. Er will ganz nach seinen Idealen leben und kündigt seine gut bezahlte Stelle als Werbetexter und gibt sich ganz seinem Leben in Armut und anderen edelmütigen Aktivitäten hin.

So ein Leben in Armut ist allerdings alles andere als ein Zuckerschlecken und seine permanente Geldfixiertheit (bzw. der Mangel an Geld) geht einem irgendwann auf den Keks. Es vergeht kein Absatz, in dem das Wort Geld nicht vorkommt. Ich hätte eventuell mehr Respekt für Gordon aufgebracht, wenn er in seiner edelmütigen Lebensweise in Armut nicht permanent auch seine Mitmenschen, insbesondere seine Verlobte und seine Schwester, mit ins Unglück gezerrt hätte.

“The mistake you make, don’t you see,is in thinking one can live in a corrupt society without being corrupt oneself. After all, what do you achieve by refusing to make money? You’re trying to behave as though one could stand right outside our economic system. But one can’t. One’s got to change the system, or one changes nothing. One can’t put things right in a hole-and-corner way, if you take my meaning.”

So edel seine Beweggründe sind, sich und seine Kunst (er ist Schriftsteller) nicht zu verkaufen, so wenig juckt es ihn, wie er die Menschen behandelt, die ihm nahestehen.
Ich bereue es keinesfalls, das Buch gelesen zu haben, es ist durchaus gut und hat viele gute Passagen, aber die Art, wie er mit Frauen umgeht und sein egozentrisches Verhalten haben ihn für mich zu einem der unsympathischsten Protagonisten gemacht, die ich seit langem in Büchern getroffen habe.

Down and out in Paris and London hat mir deutlich besser gefallen.

Hier noch mal die Bücher im Überblick:

  • Damian Barr – „You will be safe here“ erschienen bei Bloomsbury
  • Ian McEwan – „Machines like me“ auf deutsch unter dem Titel „Maschinen wie ich“ bei Diogenes erschienen
  • Sarah Perry – „The Essex Serpent“ auf deutsch unter dem Titel „Die Schlange von Essex“ bei Eichborn erschienen
  •  George Orwell „Keep the Aspidistra flying“ auf deutsch unter dem Titel „Die Wonnen der Aspidistra“ im Diogenes Verlag erschienen und nur noch antiquarisch erhältlich.
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Meine Woche

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Gesehen: „First Reformed“ (2017) von  Paul Schrader mit Ethan Hawke. Großartiger Film um einen Priester voller Zweifel. Wunderbare Bilder, Ethan Hawke in Höchstform und richtig guter Soundtrack.

Gehört: „First Reformed“ – Lustmord, „Agrippina“ – Georg Friedrich Händel, „Giftraum“ – Diary of Dreams,  „They’ll come, they come – Immanu El, „Night of your Ascension“ – Wrekmeister Harmonies, „Arms to work legs to run“ – Unknown connection failure

Gelesen: Alice Coote: my life as a man, The life and tragic death of Sophie Hingst, Ferrante Fatigue, dieses Interview mit Neal Stephenson, Can Sci-Fi writer prepare us for an uncertain future?

Getan: das Diary of Dreams Konzert, die Alexander Kluge Ausstellung im Literaturhaus und den Bookclub besucht, die wundervolle Agrippina Inszenierung der Bayrischen Staatsoper gesehen, ein Auto gemietet und Möbelhäuser besucht

Geplant: eine Arbeitswoche in Dortmund

Gegessen: Pasta mit Auberginen, grünen Bohnen und Büffelmozzarella

Getrunken: Malbec

Gefreut: über das erfolgreiche Bett-Hunting

Geklickt: auf George Monbiots TED Talk „Neoliberalism’s time has passed. We need a new politics of belonging“

Gestaunt: The atlas of moons

Gewünscht: diese Kommode, dieser Sessel, dieses Outfit

Gefunden: nix

Gekauft: ein größeres Bett

Gedacht: „Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast“ (Albert Einstein)

Women in Science (14) Hannah Arendt

Heute möchte ich in den Women in Science eine Geisteswissenschaftlerin vorstellen, die keiner Vorstellung bedarf. Die von mir sehr verehrte Philosophin Hannah Arendt, die sich selber allerdings nie so bezeichnete, sondern eher als politische Theoretikerin und Publizistin.

Schon Kierkegaard war ja der Meinung, dass eines der lächerlichsten Dinge am modernen Leben die Tatsache sei, dass der Mensch keine Zeit mehr habe zu reflektieren – das schein im 19. Jahrhundert also nicht großartig anders gewesen zu sein als heute. Cocktail Bars sind aber auf jeden Fall ein Ort, an dem man sich die Zeit und den Raum nehmen kann und nehmen sollte, nachzudenken und über den Lauf des Lebens zu reflektieren.

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Philosophie und Cocktails haben eine lange und intime Geschichte, über die wir jetzt gerne noch deutlich mehr schreiben würde, das Problem ist, Hannah Arendt, über die wir heute Abend schreiben und der unser heutiger Cocktail gewidmet ist, partout keine Philosophin sein wollte.

Sie gilt als eine der einflussreichsten politischen Philosophinnen des 20. Jahrhunderts, auch wenn sie diesen Titel für sich selbst stets ablehnte. Ich habe mich ewig darüber gewundert, überlegt ob es in einer falschen Bescheidenheit begründet liegt, bis Thomas Meyer, Dozent für Philosophie an der LMU München, bei einer Veranstaltung im Literaturhaus München meinte, seiner Einschätzung nach habe sich Arendt mit dieser Äußerung einfach von der Philosophie distanzieren wollen, die sie bis zu einem gewissen Grad für die Gräueltaten des Holocaust und des Nationalsozialismus mit verantwortlich machte. Eine für mich neue, aber durchaus einleuchtende Theorie.

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Sie wirft der Philosophie vor, feindselig auf die Politik zu blicken und mit Blick auf die Gräueltaten des Holocaust und des Nationalsozialismus versagt zu haben. Sie kritisiert die künstliche Trennung zwischen praktischer und theoretischer Philosophie. Die politische Theorie stellte für sie eine mögliche Alternative zur Philosophie dar.

Der Text „Die Freiheit, frei zu sein“, der letztes Jahr wiederentdeckt wurde, ist erstaunliches Bestsellerlisten-Material. Er ist alles andere als zugänglich, es scheint, als wolle die Bevölkerung sagen „traut uns sowas Schwieriges zu“, „wir wollen nicht nur Leichtverdauliches“. Die Menschen wollen nicht mehr unterfordert werden und wehren sich gegen die sprachliche und intellektuelle Verwahrlosung unserer Zeit. Wollen einer konservativen Revolution etwas entgegensetzen, die allen voran ausgerufen wird von einem Typen, der das Wort „Freiheit“ nicht einmal buchstabieren kann.

Der Text ist das Transkript einer Rede, dass sie vor einem konservativen Think Tank in Chicago hielt, für die alles Denken und alle Philosophie nach Plato eigentlich nur noch eine Fußnote darstellte.

Gerade diesem steifen Publikum kommt Arendt – vermutlich charmant wie immer – gleich mit der Revolution ins Haus.

„Mein Thema heute ist, so fürchte ich, fast schon beschämend aktuell. Revolutionen sind inzwischen alltägliche Ereignisse, denn mit der Beendigung des Imperialismus haben sich viele Völker erhoben, um „unter den Mächtigen der Erde den selbständigen und gleichen Rang einzunehmen, zu dem die Gesetze der Natur und ihres Schöpfers es berechtigen.“

Revolutionen werden für die Freiheit gemacht. Aber Freiheit von was? In der Regel folgen auf Befreiungen erst einmal Terror und die wichtigste Frage ist nicht so sehr wie erlange ich Freiheit, sondern wie bewahre ich die Freiheit? Freiheit darf für Hannah Arendt nicht in der Passivität bleiben (noch einmal ein Wink mit dem Zaunpfahl nach Freiburg) Freiheit muss rückverankert in die Gesellschaft sein, es muss das Ziel jedes Einzelnen sein, Freiheitsräume zu schützen, denn Freiheit geht jeden an.

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Hannah Arendt hat mit diesem gut fünfzig Jahre alten Text ein Gegengift in die Welt gesetzt, dass uns hilft darüber nachzudenken, was in unserer Zeit und in unserer Gesellschaft erhaltenswert ist.

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Es lebe die Freiheit und Hannah Arendt 😉

Wer noch mehr möchte – hier der link zu ihrem unvergesslichen Interview mit Günter Gaus:

The Rise and Fall of the Dinosaurs – Steve Brusatte

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Ich liebe Dinosaurier seit ich ein kleines Mädchen war, bei vielen gibt sich das irgendwann und verwandelt sich in mildes Interesse, ich gehöre noch immer zum harten Fan-Kern und glaube auch nicht, dass sich das noch ändern wird. An den Federn hatte ich etwas zu knabbern, um ehrlich zu sein. Die Vorstellung, dass mein megacooler T-Rex in Wirklichkeit wahrscheinlich wie ein überdimensioniertes Riesenhuhn aussah, hat mich schon schwer getroffen. Aber gut, was will man machen.

Mein Geburtstag kürzlich stand ganz im Zeichen der Dinos und der Paläontologie. Den Ausflug zum Fossilien-Steinbruch verbanden wir mit einem Besuch des Dinoparks im Altmühltal.

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Den Steinbruch möchte ich unbedingt noch einmal besuchen, denn wir waren nicht sehr gut vorbereitet auf unseren Besuch. Es war strahlendblauer Himmel und richtig heiß, was erst einmal sehr schön ist, aber es gibt absolut keinen Schatten und wir haben es nicht wirklich lange in der prallen Sonne ausgehalten. Unsere Ausbeute waren ein paar Farne, Haarsterne und etwas Dino-Kacke, die wir stolz mit nach Hause nahmen 😉

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Ich fürchte, Mary Anning hätte nur ein müdes Lächeln für uns übrig gehabt.

Der Dinopark war klasse. Jaaaaa ok, er ist wohl eher für Kinder gedacht, war mir aber völlig egal, ich hatte großen Spaß an dem Tag. Kennt ihr den uralten tschechischen Film „Die Reise in die Urwelt“ – einer meiner absoluten Lieblingsfilme. So hab ich mich gefühlt in dem Park – wie die Kinder in dem Film 😉

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Die passende Lektüre hatte ich ebenfalls zum Geburtstag bekommen:

„The rise and fall of the dinosaurs“ von Steve Brusatte

Ich hab mich wirklich schwer getan mit der Rezension für dieses Buch. Es war für mich ein ziemlich durchwachsenes Vergnügen. Wenn Brusatte sich mit der Paläontologie und den Dinosauriern an sich beschäftigt, ist das ein richtig gutes Buch. Er gibt einen Überblick über neue Entdeckungen und zeichnet den gesamten Entwicklungsweg der Dinosaurier nach. Von ihren Anfängen als eher unscheinbare Reptilien nach der großen Perm-Trias-Katastrophe, bei der über 90 % aller Lebewesen ausstarben, bis zu ihrem allmählichen Aufstieg, ihrer Verbreitung, ihrem Wachstum, ihrer Diversifizierung bis hin zu ihrem jähen Ende durch den Einschlag eines Asteroiden.

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Man erfährt jede Menge Interessantes und weniger Bekanntes über die Dinosaurier. Beispielsweise, dass sie ebenso effiziente Lungen wie unsere heutigen Vögel hatten und dass sie eben auch teilweise gefiedert waren, wenn gleich die Federn wohl mehr nach Haaren ausgesehen haben. Tatsächlich sind Vögel im Grunde genommen Dinosaurier. Überraschend fand ich, dass der Tyrannosaurus Rex anscheinend in Gruppen lebte und jagte.

Das Kapitel, in dem er die unmittelbaren Auswirkungen nach dem Einschlag des Asteroiden beschreibt, sind packend und schrecklich.

„But what fell from the sky was not water. It was beads of glass and chunks of rock, each one scalding hot.“

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Ich fand auch Brusattes Beschreibung der paläontologischen Methoden sehr spannend. Das sie neue statistische Methoden zur Analyse von Fossilien nutzen, wie sie urzeitliche Ökosysteme oder die Geschwindigkeit von entwicklungsgeschichtlichen Veränderungen untersuchen. Moderne Paläontologen sind nicht mehr nur damit beschäftigt sich alte Knochen anzuschauen und auszugraben, viel mehr untersuchen sie lebende Tiere um Hypothesen aufzustellen über Größe, Stärke und Geschwindigkeit von ausgestorbenen Lebewesen. Brusatte widmet auch der Geschichte der Paläontolgie einige Kapitel, die einige sehr interessante Persönlichkeiten hervorbrachte, zum Beispiel den Baron Franz Nopsca von Felsö-Szilvas. Eine sehr schillernde Persönlichkeit.

“Dinosaurs had been around for over 150 million years when their time of reckoning came. They had endured hardships, evolved superpowers like fast metabolisms and enormous size, and vanquished their rivals so that they ruled an entire planet…
Then, literally, in a split second, it ended.”

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Womit ich Schwierigkeiten hatte, waren die Absätze, in denen Brusatte über seine persönlichen Erfahrungen schreibt, die waren einfach nur nervig. Das andauernde name dropping seiner Heerschaaren an Kollegen war auch ziemlich verwirrend, weil man sich unmöglich die ganzen Namen merken konnte, die – wenn überhaupt – vielleicht 300 Seiten später noch mal für einen halben Satz aufgetaucht sind.

Ganz ätzend war sein Sexismus. Abgesehen davon, dass er zwar ein paar Paläontologinnen nennt, aber anscheinend nie mit einer zusammengearbeitet hat, fand ich den Absatz einfach nur peinlich, in dem er hämisch von einem Paläontologie Workshop erzählt, in dem die Forscher sich darüber ausgelassen haben, welche Paläontologinnen sie heiß finden und mit wie vielen sie schon geschlafen haben.

Brusatte klingt ganz oft wie der typisch picklige Nerd in der Schule, der abwertend über Frauen spricht, um cooler zu wirken und dabei einfach nur ein trauriges Würstchen ist.

Fazit: ein interessantes Buch wenn es um die Dinosaurier geht, einige Absätze sollte man einfach überspringen, da nervt der Autor schon ungemein.

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Wer jetzt noch mehr Lust auf Dinosaurier bekommen hat, den verweise ich auf meine Hirngymnastik Dinosaurier, wo ich noch weitere Dinosaurier-Bücher vorstelle.

Meine Woche

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Gesehen: „Suspiria“ (2018) von Luca Gudagnino mit Tilda Swinton und Dakota Johnson. Das Original ist natürlich unerreichbar, aber mir hat diese winterfarbene, düstere Version auch gut gefallen. Und Thom Yorke hat die Filmmusik geschrieben!

Gehört: Suspiria Soundtrack, „Apollo“ – Brian Eno, „Fly me to the moon“ – Shirley Bassey, „Moonhead“ – Pink Floyd, „The Killing Moon“ – Echo and the Bunnymen, „Sail to the Moon“ – Radiohead, „Moon“ – Björk, „Under the Cherry Moon“ – Prince, „4.5“ – Christina Vantzou, „Mondscheinsonate“ – Ludwig van Beethoven

Gelesen: Countdown to a new era in space, Apollo 11 Moon Landing 50 years ago, diesen Artikel über Maren Kroymann, Literary parties we’re sad to have missed, diesen Artikel über Shirley Jackson und diesen über fully automated luxury communism

Getan: eine Trauerfeier besucht, mit dem Zug quer durch Deutschland gefahren, eine liebe Freundin getroffen, eine wunderbare Date-Night mit Dinner und Musik sowie einen „Delegation & Feedback“ Workshop gegeben

Geplant: zuviel für die nächste Woche

Gegessen: Adlerfisch

Getrunken: Weißwein-Schorle

Gefreut: über ein Wochenende ohne Termine

Geklickt: best books to read between 1 and 100, auf den original live stream der Mondlandung 1969

Gestaunt: First image of Einstein’s „spooky“ particle entanglement

Gewünscht: diese Schreibecke, diese Vitrine, diese Garderobe

Gefunden: das Buch „Ihr werdet es erleben – Voraussagen der Wissenschaft“ aus dem Jahr 1967

Gekauft: Zeitungen

Gedacht: „Ich fürchte, Sie sind AfD-positiv.“ – „Ist das tödlich?“ – „Leider nein.“ (Maren Kroymann)

Women in Science (13) – Sandra Aamodt

Sandra Aamodt ist die Autorin zweier populärwissenschaftlicher Bücher „Welcome to your Brain“ und „Other Puzzles of Everyday Life“ (beide in Zusammenarbeit mit Sam Wang). Beide Bücher wurden in über 10 Sprachen übersetzt. Sandra Aamodt schreibt seit Jahren für die Science Seiten der New York Times, Washington Post, El Mundo und der London Times. Sie war Chefredakteurin der Zeitschrift „Nature Neuroscience“, ein führendes Magazin im Bereich der Hirnforschung. Aamodt hat einen Abschluß in Biophysik von der John Hopkins Universität und machte ihren Doktor in Neurowissenschaften an der Universität Rochester.

Zu ihrem Buch „Welcome to your Brain“ animierte mich vor einiger Zeit ihr  TED Talk. Wir nutzen unser Hirn praktisch in jedem Moment unseres Lebens und doch haben die Wenigsten von uns eine Idee, wie es überhaupt funktioniert. Vieles von dem, was wir glauben über das Hirn zu wissen, beruht auf irgendwelchen Legendenbildungen: das wir nur 10 Prozent unseres Hirns überhaupt nutzen, dass der Genuss von zuviel Alkohol Hirnzellen abtötet etc. Diese und andere Mythen über das Hirn sind falsch, wie die Heerscharen an Neurowissenschaftlern in ihrer Forschung in den letzten Jahrzehnten herausgefunden haben.

Was sie aber tatsächlich über die Funktionsweise des Hirns gelernt haben, davon dringt erstaunlich wenig aus den Forschungslaboren. In diesem gut lesbaren und unterhaltsamen Buch räumen Aamodt und Wang mit einigen dieser Mythen auf und bieten einen umfangreichen, nützlichen Überblick darüber, wie das Hirn tatsächlich funktioniert. Sie zeigen auf, wie man mit Jet Lag umgehen sollte, was das Hirn mit Religion zu tun hat und wie sich die Hirne von Männern und Frauen unterscheiden. Mit viel Witz und Charme machen sie die Materie überaus zugänglich. Der Text wird durch eine Reihe von Charts, Illustrationen, kleinen Quizzes und wissenswerten Kleinigkeiten unterstützt.

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Den Autoren sind Fakten und sorgfältig durchgeführte Studien wichtig und sie wollen den Leser dazu animieren, weniger auf Emotion und verbreitete Mythen über das Gehirn zu hören, als kritischer nachzufragen und zu recherchieren. Sie räumen im Buch mit einigen der Mythen auf, beispielsweise mit den sagenumwobenen 10% des Hirns, die wir angeblich nur nutzen, dass Mozart hören Babys klüger macht oder das Impfstoffe Autismus auslösen.

Daneben geben sie praktische Tipps wie man z. B. mit Videospielen sein Gehirn schulen kann oder wie man das Hirn am besten überlistet, wenn man abnehmen will.

 

Für Film-Freaks vielleicht besonders interessant ist die Liste an Filmen, die neurologische Krankheitsbilder besonders gut beschrieben haben (z.B. Memento, A Beautiful Mind und Awakenings) oder auch eher ungenau, wie z.B. Total Recall und 50 First Dates.

Dieser respektlose Führer durch die Welt unseres Gehirns von Samuel Wang und Sandra Aamodt gibt einen guten Überblick über unser Gehirn und seine Funktionen. Es geht nicht sonderlich in die Tiefe, ist aber gut geschrieben, leicht lesbar und somit ein empfehlenswerter Einstieg in die Neurowissenschaften.

Meine Woche

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Gesehen: „The Mirror“ (1975) von Andrei Tarkovsky. Wunderschöner versponnener typischer Tarkovsky. Ich liebe seine Filme.

If“ (1968) von Lindsay Anderson. Satire über eine typische englische Boarding-School. Richtig gut.

Gehört: „The Glowing Man“ – The Swans, „The Mother Road“ – Chelsea Wolfe, Epitaph – God is an Astronaut

Gelesen: Pride Week in Hellabrunn, diesen und diesen Bericht über Megan Rapinoe, this is how you come out in 2019, dieses Interview mit Woopi Goldberg, in Cairo the garbage collector knows everything

Getan: ein Video gedreht, eine Ian McEwan Lesung besucht, sowie eine Kuratoriumssitzung, mit dem Zug in den hohen Norden gefahren und im Geltinger Noor spazieren gegangen

Geplant: die Trauerfeier morgen gut hinter uns bringen

Gegessen: Räucherforelle in der Brauer Aalkate

Getrunken: Flensburger

Gefreut: wir sind Tanten geworden und freuen uns über die Geburt von Kolja David 🙂

Geklickt: auf die Polaroids von Andrei Tarkovsky und auf diesen Artikel über Serena Williams

Gestaunt: über die Fans die „Equal Pay“ riefen nach dem Sieg des US Teams

Gewünscht: diesen Barschrank, dieses Häuschen, diesen Pool

Gefunden: nix

Gekauft: ein Weltraum Stickerheft

Gedacht: Things are only impossible until they are not (Jean-Luc Picard)