#WomeninSciFi (13) Corpus Delicti – Juli Zeh

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Masuko, die leidenschaftliche Leserin vom Literaturblog „Masuko13„, bringt uns nach dem Ausflug ins All letzte Woche mit Juli Zeh wieder zurück auf festen Boden. Und erstmals auch auf deutschen Boden, den man ja irgendwie weniger mit  SciFi und Dystopien verbindet.

Masukos Blog ist nur ein „halb-gefährlicher“ Ort für mich, denn wir haben richtig viele Überschneidungen, so dass ich die meisten von ihr besprochenen Bücher ohnehin gerade gelesen oder gekauft habe – aber wenn sie etwas mir Unbekanntes bespricht, landet es ziemlich garantiert auf meiner Wunschliste. Ich bin noch am überlegen, wer von uns beiden das größere Murakami-Fangirl ist, über die Beprechung einer seiner Romane bin ich auch auf ihrem Blog gelandet und seitdem fröhlich hängengeblieben.

Ich habe mich sehr gefreut, dass Masuko bei dem Projekt dabei ist – ich hoffe sehr auf ein Treffen irgendwann in Berlin bei einem japanischen Whisky oder ich lasse mich im Buchladen von Dir beraten. Jetzt Vorhang auf für Juli Zeh – die Grand Dame der deutschen Dystopie:

Warum ich vor wenigen Tagen Corpus Delicti gelesen habe, hat mehrere Gründe. An erster Stelle steht, dass du, Sabine, mich gefragt hast, ob ich für deine Serie Women in SciFi eine Rezension schreiben möchte. Außerdem schätze ich Juli Zeh wirklich sehr, ich liebe dystopische Romane und zusätzlich beschäftigt mich das Thema “Leben in einer Diktatur” gerade sehr.
Das liegt daran, dass ich vor einiger Zeit in der Berliner Gedenkstätte Hohenschön-hausen gewesen bin. Hier hat in den Zeiten der DDR die Stasi ihre Opfer verhört, gefoltert, schikaniert. Eiskalt wurde mir in den Kellern und Verhörzimmern. Das System der Überwachung in der DDR war flächendeckend und – bedenkt man die technisch begrenzten Mittel im Vergleich zu heute oder gar in naher Zukunft – erschreckend perfekt. Was, wenn es die Stasi heute immer noch gäbe?

Genau deshalb fand ich es so spannend, wie Juli Zeh einen solchen Unrechtsstaat der Zukunft beschreibt. Eindrucksvoll erzählt sie in Corpus Delicti, wie es sich anfühlt, unter ständiger Beobachtung und Überwachung zu stehen. In ihrem Roman gibt es keine Demokratie mehr. Das aktuelle Staats-System nennt sich die METHODE, ist allmächtig und ewig kontrollierend. Es dient dem “Wohle des Menschen”. Krankheiten sind ausgemerzt. Rauchen ist verboten. Gegessen, getrunken und geliebt wird nach vorgegebenen Standards. So sind Partnerschaften nur dann möglich, wenn bestimmte immunologische Kategorien erfüllt, Mann und Frau kompatibel sind. Sport gehört zum täglich zu absolvierenden Pensum. Um all dies kontrollieren zu können, trägt jeder Mensch einen in den Arm implantierten Chip. Verstösse gegen das System oder gar Versuche, es zu verlassen, werden sofort erfasst. Denn die Sensoren der METHODE sind überall. Subversive Elemente werden verfolgt und ausgeschaltet oder umgeschult. Konform gemacht.

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Gegen dieses System rebelliert Mia Holl. Sie ignoriert die täglichen Vorgaben auf dem Hometrainer. Sie raucht heimlich und immer in Gedanken an Moritz. Die Zigarette schmeckt nach seinem Lachen, seiner Lebenslust, seinem Freiheitsdrang. Moritz ist für Mia das Symbol der Freiheit, er hat ihr beigebracht, Dinge in Frage zu stellen, gegen die METHODE zu rebellieren. Er hat sie gelehrt, Grenzen zu überschreiten. Nicht nur psychische, nein auch echte. Da war der “unhygienische Wald”, durch den sie gern unkontrolliert liefen, um im nahen Fluss zu fischen, ein Feuer zu machen und die schuppigen verkohlten Fische dann zu verzehren. Kein Warnschild, nichts konnte sie bremsen:

Hier endet der nach Paragraph 17 Desinfektionsordnung kontrollierte Bereich. Verlassen des Hygienegebiets wird nach Paragraph 18 Desinfektionsordnung als Ordnungswidrigkeit zweiten Grades bestraft (S. 90).

Doch Moritz ist tot. Und Mia fordert Wiedergutmachung für ihren Bruder, der zu Unrecht verhaftet wurde, seine Unschuld nicht beweisen konnte und in seiner Zelle Selbstmord. begangen hat. Die METHODE zu bekämpfen jedoch, ist lebensgefährlich. Jeder Anti-Methodist gilt als Reaktionär, wird mundtot gemacht. Das bekommt schließlich auch Mia zu spüren.

Corpus Delicti ist so ein Roman, nach dessen Lektüre ich mich frage, wie gläsern ich selbst bereits bin und wie viel von meiner Individualität ich bereits verloren habe. Denn, egal ob Partnersuche nach Algorithmen oder Datenerfassung im Gesundheitssystem, die Kontrolle ist gegenwärtig. Fehlt nur noch der Chip im Oberarm und die entsprechenden Machtmechanismen, diesen zu missbrauchen? STOP! NEIN! Niemand kann das wollen. Wollen wir nicht viel lieber weiterhin unkontrolliert und frei leben, die Möglichkeit haben, Entscheidungen zu treffen – und seien sie noch so ungesund oder gefährlich?! Ich selbst glaube an das Chaos und an den Zufall, ich will den “unhygienischen Wald” und den ungewaschenen Apfel. Und natürlich will ich Kaffee, Bier und Wein.

 

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#WomeninSciFi (11) Frankenstein – Mary Shelley

Wie eine Frau das Science Fiction Genre erfand

Der Beitrag dieses dunklel-düsteren Artikels kommt dieses Mal aus dem sonnig heißen Dubai. Ich freue mich sehr, dass Peggy vom Block „Neuland“ trotz Umzugs- und Kistenauspackstress Zeit gefunden hat uns mit ihrem „Frankenstein“ Beitrag gar die Erfinderin des SciFi Genres näher zu bringen.

Als ich ihren Blog entdeckte, der damals noch unter „Entdecke England“ firmierte, hatte ich den innerhalb kürzester Zeit „leer gelesen“. Da ich selbst einige Jahre in London lebte, waren ihre Artikel die perfekte Mischung aus Erinnerungen auffrischen, Lust auf Wieder- und Neuentdeckungen in London und Fernwehpille, ich hatte mich schon mental auf ein Bier mit ihr bei einem meiner London-Besuche eingestellt – peng da zieht sie weg und zwar ins ferne Dubai.

Das macht zwar die Möglichkeit auf ein Bier in einem englischen Pub etwas unwahrscheinlicher, aber es gibt weiterhin soviel zu entdecken auf ihrem Blog, wenn sie gemeinsam mit dem kleinen Entdecker die Museen dieser Welt in Angriff nimmt oder von den Abenteuern in ihrer neuen Heimat berichtet, von der ich bislang herzlich wenig wusste. Jetzt lassen wir uns aber von ihr zurück ins schaurig-verregnete Großbritannien entführen. Here we go:

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„It was on a dreary night of November, that I beheld the accomplishment of my toils. With an anxiety that almost amounted to agony, I collected the instruments of life around me, that I might infuse a spark of being into the lifeless thing that lay at my feet. It was already one in the morning; the rain pattered dismally against the panes, and my candle was nearly burnt out, when, by the glimmer of the half-extinguished light, I saw the dull yellow eye of the creature open; it breathed hard, and a convulsive motion agitated its limbs.”

 

Im Juni 1816 saß Mary Wollstonecraft Godwin mit ihrem Geliebten Percy Bysshe Shelley und ihrer Stiefschwester Jane in Lord Byrons Villa am Genfersee. Die Reisegruppe war einen Monat zuvor eingetroffen und hatte die sommerlichen ersten Wochen für Bootsfahrten und Ausflüge in die umliegenden Berge genutzt. Aber nun war das Wetter umgeschlagen und Regen fesselte Byron und seine Gäste ans Haus. Um sich die Zeit zu vertreiben, lasen sie Geistergeschichten und Byron schlug einen Schreibwettbewerb vor. Jeder der Gäste sollte eine eigene Gruselgeschichte erfinden. Byron, Shelley und ein weiterer Freund, Polidori, verloren keine Zeit. Aber Mary fiel partout nichts ein. Eines Abends schließlich, als sie wieder einmal beisammen saßen und über Gott und die Welt philosophierten, kam das Gespräch auf wissenschaftliche Experimente, die ein gewisser Erasmus Darwin (Großvater von Charles Darwin) durchgeführt hatte. Mithilfe eines elektrischen Stromschlags war es ihm offenbar gelungen, totes Muskelgewebe für einige Augenblicke „zum Leben“ zu erwecken. Als Mary ins Bett ging, konnte sie lange nicht einschlafen. Die Gespräche und Geschichten wirbelten in ihrem Kopf und plötzlich entstand vor ihrem inneren Auge eine Szene:

Die namenlose Kreatur, die der Forscher Victor Frankenstein erschafft, wird gute hundert Jahre später zum Protagonist zahlreicher Horrorfilme. Mary Shelleys „Frankenstein“ ist jedoch mehr als eine Gruselgeschichte. Dass der Roman schon damals wie eine Bombe einschlug, lag an seiner Neuartigkeit. Durch die Verarbeitung eines wissenschaftlichen Themas kreierte Mary Shelley (sie und Percy heirateten im Dezember 1816 nach dem Tod seiner ersten Frau) eine Utopie, die eine wichtige Frage aufwarf, die auch heute noch aktuell ist: Wo liegen die ethischen Grenzen wissenschaftlicher Forschungen?

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Der Plot ist schnell erzählt: Der Student Victor Frankenstein hat es sich in den Kopf gesetzt, tote Materie zum Leben zu erwecken. Zwei Jahre studiert er die verschiedensten Wissenschaften, tüftelt an seinem Apparat und schleicht nachts über Friedhöfe, um „Material“ für seine Schöpfung zu suchen. In seinem maßlosen (männlichen) Ehrgeiz sieht er sich bereits als einen gefeierten Wissenschaftler, als der Mann, der Gott endgültig von seinem Thron stößt. Als das Experiment schließlich gelingt, als die Kreatur die Augen öffnet, schaudert es ihn jedoch und er flieht. An dieser Stelle entfaltet sich das eigentliche Drama, denn seine Schöpfung entwickelt sich zu einem bewussten, empfindsamen Wesen.

„Like Adam, I was apparently united by no link to any other being in existence; but his state was far different from mine in every other respect. He had come forth from the hands of God a perfect creature, happy and prosperous, guarded by the especial care of his Creator; he was allowed to converse with and acquire knowledge from beings of a superior nature: but I was wretched, helpless, and alone.”

Frankensteins Kreatur lebt zunächst im Wald, aber seine Wissbegier lässt ihn aufbrechen und die Nähe zu Menschen suchen. Er versteckt sich in einer Hütte und beobachtet die Familie De Lacey, lernt Sprache und Literatur kennen und hilft den Menschen, die ihm ans Herz wachsen heimlich, indem er jede Nacht den Vorrat an Feuerholz auffüllt. Eines Tages entschließt er sich, sich zu offenbaren – in der Hoffnung, dass ihn die Menschen in ihrer Mitte aufnehmen. Das scheitert jedoch an seinem angsteinflößenden Äußeren.

„There was none among the myriads of men that existed who would pity or assist me; and should I feel kindness towards my enemies? No: from that moment I declared ever-lasting war against the species, and more than all, against him who had formed me, and sent me forth to this insupportable misery.”

Die Enttäuschungen und das Leben eines Ausgestoßenen machen ihn schließlich zum Mörder. In einer Aussprache mit Frankenstein bittet er diesen um eine Partnerin, eine Eva, und verspricht, sich mit dieser aus der menschlichen Gesellschaft zurückzuziehen. Frankenstein willigt zunächst ein, bringt es aber nicht über sich, den Schöpfungsakt noch einmal zu vollziehen. Nun beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, zwischen Schöpfer und Kreatur, das nur mit dem Tod enden kann.

„Yet you my creator, detest and spurn me, thy creature, to whom though art bound by ties only dissoluble by the annihilation of one of us. You purpose to kill me. How dare you sport thus with life?”

Durch den Sprung zwischen den verschiedenen Erzählperspektiven verschwimmen die Konturen. Wer ist hier eigentlich Opfer und wer Täter? Wäre die Geschichte möglicherweise anders verlaufen, wenn sich Frankenstein um seine Schöpfung gekümmert hätte oder war das gottlose Wesen von Beginn an dazu verdammt, böse zu werden? Die illustre Runde in Byrons Villa war vom ersten Entwurf der Geschichte begeistert. Percy ermutigte Mary, sie weiterzuentwickeln. Obwohl das Paar oft unterwegs war, Mary sich um ihren Sohn William kümmern und den Haushalt führen musste, während Percy, der ruhelose Geist, regelmäßig allein auf Exkursionen ging, stellte sie den Roman innerhalb eines Jahres fertig.

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Veröffentlicht wurde er zunächst anonym. Erst die zweite Auflage von 1823 trug Marys Namen. Trotz (oder gerade wegen?) des Erfolgs erhielt sie jedoch nicht nur Anerkennung. Viele bezweifelten, dass ein Frau in der Lage sei, einen solchen Roman zu schreiben und hielten ihn für eine Arbeit Percys. Und auch heute noch sind viele überrascht, wenn sie erfahren, dass eines der berühmtesten Monster der Literatur aus der Feder einer Frau stammt. Und das, obwohl sich „Frankenstein“ ganz offensichtlich kritisch mit der Idee vom Mann als kreativem Schöpfer auseinandersetzt. Sie zeigt, wohin (männlicher) Ehrgeiz ohne (weibliche) Empathie führen kann. Heutzutage wissen wir zwar, dass weder Ehrgeiz noch Empathie geschlechtsspezifisch sind. Zu Marys Zeiten waren die Rollen jedoch ganz klar verteilt und das spiegelt sich auch in ihrem Roman wider: Victor ist das intellektuelle Genie, während seine Elizabeth geduldig zu Hause auf ihn wartet – eine Situation, mit der sich Mary, die ihrem Gatten keineswegs intellektuell unterlegen war, nur allzu gut auskannte.

Das Buch ist spannend geschrieben, jedoch weit entfernt von dem Gruselschocker, den die zahlreichen Filmadaptionen erwarten lassen. Es ist vielmehr ein wunderbares Zeitdokument aus einer Epoche, in der nichts unmöglich schien, solange man als Mann geboren wurde. Sowohl der Aufbau der Geschichte als auch die philosophischen Fragen, die sie aufgreift, sind von der klassischen Literatur geprägt, wie ihr Untertitel „The modern Prometheus“ bereits andeutet. Gleichzeitig wurde das Buch als Unterhaltungsroman konzipiert, geschrieben für die Masse und auf der Erfolgswelle der Gothic Novel schwimmend. Eine geniale Idee einer genialen Frau und heute noch genauso lesenswert wie damals.

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 Und wer jetzt Lust bekommen hat sich an einem verregneten Abend ein wenig zu gruseln, dem lege ich die Verfilmung mit Boris Karloff ans Herz:

Eine weitere unbedingte Leseempfehlung in dem Zusammenhang, ist Olaf Trunschkes „Die Kinetik der Lügen“ die ich kürzlich las und die eine interessante Mischung aus Fakt und Fiktion zur Entstehung des Romans liefert. Hier findet ihr meine Besprechung dazu.

Auf deutsch erschien „Frankenstein“ im Manesse Verlag

#WomeninSciFi (9) A Wrinkle in Time – Madeleine L’Engle

This article probably had the longest way to travel  – it came all the way from New York and I’m so happy my Sci-Fi Buddy Pingkan Lucas (Pinky) was able to participate in this series. She is one of the people I have known the longest in Munich, where she lived before she dashed off and she always introduced me to the coolest stuff (I just say TED (!) – Girl I’m still so grateful to you for that one or NPR etc) when nobody in Germany had even heart about it. I think it was during one of the early Bookclub meetings that we realised we are both SciFi nerds and this series would simple not be complete without an article by Pinky. She is a great writer by the way and I can’t wait for her book… (no pressure)

OK – let’s get started. Before we all rush to the cinema to see the movie, here is a chance to hear about this SciFi Kids classic that was a role model for a lot of girls growing up: „A Wrinkle in Time“ by Madeleine L’Engle:

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A Wrinkle in Time, as many in the English-speaking world know, is a classic.

Its film adaptation, which I have not yet had the pleasure of watching, is surfacing at a timely moment, espousing a most-needed message of ‘courage and love conquers all,’ and featuring, true to the book, a young heroine. Today, in a world where angst for accelerated change, technological progress and uncertainty has resulted in a troubling and demoralizing semi-dystopian state of affairs in which truth is imminently malleable and asininity has become commonplace, this is indeed welcome.

In the excitement of re-visiting A Wrinkle in Time for this book review, and in anticipation of seeing the movie, I immediately bought the entire boxed set of the Time Quintet. A decision that I am not quite sure I might not regret.

At the start of the book, during a „dark and stormy night“, we encounter young-adult Meg, the oldest child of the Murry family. Awkward Meg, her five-year old genius younger brother Charles Wallace, and their two somewhat middle-of-the-road twin brothers Dennys and Sandy live in a house in a small village with their brainy and beautiful mother Dr. Katherine Murry. Their equally brilliant father Dr. Alexander Murry had mysteriously disappeared nearly a year before.

Mrs Whatsit, their eccentric neighbor, drops by for a visit, and in the interlude during which the Murrys – sans twins – and Mrs Whatsit converse in the cozy kitchen, the word „tesseract“, which has immense significance related to the disappearance of Mr. Murry, was mentioned. Thus began the search to find the missing Mr. Murry. Schoolmate Calvin O’Keefe joins Mrs. Whatsit, Meg and Charles on this quest, which, having started off quite innocently, later evolves into nothing less than the ultimate battle between good and evil.

For its time, the book must have been leading-edge, weaving within in compelling themes that still resonate well today. It’s quite feministic – featuring a young female protagonist and three powerful women mentors. And, contrary to the 1950s American television sitcom Leave it to Beaver that was widely popular during the writing of the book, father does not know best, nor is he omniscient. Instead, here he, and later also his son, needs rescuing.

Other sociopolitical themes dot the novel’s 256 pages. In my eye, the world of Camazotz is a reproach of the soul-depriving uniformity of the paradisiacal suburban life of the American 1950s and the mind-numbing post-industrial office work that accompanies it. It also reflects the anti-communist, Orwellian sentiments of not toeing the party line and not blindly accepting, without question or resistance, what is expected of and being fed to one.

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Coming-of-age themes are also present – all of which are relatable for readers of any age – such as the realization that your parents are as infallible as you are, and understanding that your shortcomings can also be your biggest assets.

A Wrinkle in Time moves along at a quite brisk pace, tesseracting from one idea to another and taking you along on its unexpected ride. I did enjoy reading it. However, we barely came into contact with the realms, flitting about from place to place like contestants of The Amazing Race. The jumps between the worlds and the ideas they embody came off rather clumsily. Also, too often the characters were two-dimensional, save for perhaps Charles Wallace and Meg herself. They would also have certainly benefitted from more depth and description.

The worst sin that Mrs. L’Engle committed, I felt anyways, was in writing its shockingly short and simplistic climactic showdown. After taking us on quite an elaborate journey to reach Mr. Murry and rescue Charles Wallace, whose mind has been commanded by the evil IT, the book comes to a screeching halt, revealing to us rather quickly that it is “love” that is the antidote to darkness. Meg’s love is what rescues Charles Wallace from being absorbed by a mass of automatons and from being damned to a life of mind enslavement. It is as if Mrs. L’Engle was caught rather suddenly by a tired spell, and realizing that it has to come to an end, this story, decided “Right, well, let’s get to it.” And love conquers all, The End. Which is, hmmph.

I surmise that for the time during which this book was written, the love-versus-fear thematic may not quite have been so prevalent. Which could have made this book stand out. But today, having that be the all-important message is…trite, dare I say? To someone like me at least.

Granted, I am not the book’s target audience. It is meant to be a book for older children and young adults, some say for eight and above. And I think for that, it is quite successful.

And now, waiting at home for me in a pretty little box, lined up like ducks a row, are four more from the series. Both curious and wary of the material, I am not rushing towards it. I do know that I will most likely continue, I just don’t know when. The right moment for finishing the Time Quintet will reveal itself to me, I am sure.

A Wrinkle in Time will continue to delight generations of children. A lot of important life lessons can be gleaned from its pages. It reads well, even if the plot is jumpy. The characters are sympathetic, if somewhat flat. The ending is predictable and is both satisfying and displeasing at the same time. So, yes, do read it to your children, your friends‘ children, and nieces and nephews. But it would not hurt to have something else on hand to satisfy your more nuanced, the-world-is-neither- black-nor-white, complex, 21st century self.

 

 

 

#WomeninSciFi (8) James Tiptree Jr – Ein Interview mit Jürgen Schütz, Septime Verlag

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Constanze von Zeichen und Zeiten macht es hier heute mal anders:. Keine Buch-Rezension wie üblich an dieser Stelle, sondern ein spannendes Interview mit Jürgen Schütz, dem Chef des wunderbaren Septime Verlags in dem die beiden uns eine weitere Grand Dame der SciFi Literatur vorstellen. James Tiptree Jr

Als ich über diese Reihe hier nachdachte, war Constanze eine der ersten die mir einfiel, die ich unbedingt dabei haben wollte. Vor der Buchmesse in Leipzig letztes Jahr kannte ich weder sie noch ihren phantastischen Blog, habe mich aber so gefreut, dort nicht nur regelmässig literarisch anspruchsvolle Gegenwartsliteratur zu finden, sondern immer wieder auch gute Science Fiction Romane. Eine Frau ganz nach meinem Herzen und mit einem ganz besonderen Talent immer ein richtig gutes Foto zum jeweiligen Buch zu finden. Freue mich schon auf ein Wiedersehen in Leipzig in Kürze, jetzt überlasse ich aber mal den beiden das Wort:

James Tiptree Jr., einst ausgezeichnet mit dem Hugo-Award, zählt zu den Stars der Science-Fiction-Szene. Doch noch immer wissen nicht alle Fans der Szene, dass sich hinter dem Namen eine Frau verbirgt: Alice B. Sheldon. Mit Jürgen Schütz, dem Chef des Septime Verlages, in dem die Werke von James Tiptree Jr. erscheinen, sprach Constanze Matthes.

  Wie sind Sie damals auf die Bücher von James Tiptree Jr. gestoßen? 

Ende der 90er-/Anfang der 2000er-Jahre, den Septime Verlag gab es zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht, entdeckte ich für mich auch die Science Fiction der 50er-, 60er- und 70er-Jahre als anspruchsvolle Literatur. Bis dahin las ich fast ausschließlich die Klassiker des 20. Jahrhunderts, wie Max Frisch, Franz Kafka, F. Scott Fitzgerald, Vladimir Nabokov, Julio Cortázar, Friedrich Dürrenmatt und andere. Aber zurück zur Science Fiction: Wegen Philip K. Dick meldete ich mich in einigen Science- Fiction-Foren an, um mich dort mit Gleichgesinnten auszutauschen, und las in weiterer Folge dann Autoren, die ich bis dahin nur vom Hörensagen kannte, wie Frederik Pohl, Isaak Asimov, Ursula K. Le Guin, Arthur C. Clark, die Strugatzki-Brüder, Stanislav Lem und ähnliche. Eines dieser Forenmitglieder war, damals noch unter einem Nickname, Margo Jane Warnken, die spätere Übersetzerin der James Tiptree Jr.-Biografie, die eines Tages eben diesen vergessenen Autor (!) in die Runde warf. Dieses Forum-Mitglied schätzte ich sehr und besorgte mir sofort in Antiquariaten die alten Übersetzungen, meist zerlesene Taschenbücher um die ein bis zwei Euro, und war von Beginn an begeistert. Als dann 2009 die ersten Septime-Bücher erschienen, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis ich mich dieses Autors/dieser Autorin annehmen würde, die Rechte waren frei, und ich überlegte nicht lange. 2010 ging es los, und wir starteten mit dem Septime Verlag die weltweit erste Werkausgabe.

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Foto: Ulrike Rauch

Würden Sie in diesem Zusammenhang von einer (Wieder)-Entdeckung sprechen? 

 Ja, es ist definitiv eine Wiederentdeckung. Als damals im Forum James Tiptree Jr. thematisiert wurde, konnte man schnell erkennen, dass die Fangemeinde nicht sehr groß war, lediglich die Urgesteine des Forums konnten sich noch an sie erinnern. Mit einem Lesezirkel kam das Ganze ziemlich langsam in die Gänge.

Was ist das Spezielle an ihren Werken? Was macht sie heute noch so für Leser interessant? Welche Themen spricht sie in ihren Werken an?

Der jährlich vergebene Hugo-Award ist der Oscar des Genres Science Fiction, und das seit mehr als 50 Jahren. Diesen Preis erhielt Ende der 60er-Jahre der neue Autor, mit erfrischendem und frechem Ton, schon mit der ersten Erzählung, und es folgten weitere in den nächsten Jahren. Somit kann man sagen, dass James Tiptree Jr. in der Science Fiction unumstritten zu den Stars gehört. Aber auch für Leserinnen und Leser, die sich bislang nicht mit diesem Genre befasst haben, eröffnen sich hier Stories, Novellen und Romane, die unter dem Deckmantel des Fantastischen sozialkritische Themen abhandeln: pazifistische Themen, feministische Themen, Umweltthemen und zwischenmenschliche Themen, ja noch mehr – sie brachte den Sex in die Science Fiction. Wenn man James Tiptree Jr. heute liest, ist es einerseits ein Blick in die Vergangenheit der USA, und andererseits kann man es fast nicht glauben, dass diese Erzählungen bereits über 40 Jahre auf dem Buckel haben – sie sind nach wie vor am Puls der Zeit.

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Foto: Septime Verlag

Welchen Stellenwert hat die Autorin in Ihrem Verlag? Und bekommt sie bereits die Aufmerksamkeit, die sie verdienen sollte? 

Eine Werkausgabe hat, denke ich, für jeden Verlag einen hohen Stellenwert. James Tiptree Jr. ist bei Septime allgegenwärtig. Es vergeht nicht eine Woche, ohne dass ihr Name fällt. James Tiptree Jr. hat einen zwei Jahre alten Verlag ins Fernsehen gebracht (3Sat und ARD). Solche Momente bleiben in jedem Fall unvergesslich. Die Aufmerksamkeit der Rezipienten ist selbstverständlich über den Erwartungen, wenn man bedenkt, dass man hier eine Science-Fiction-Autorin beim „normalen“ Mainstream-Publikum positionieren konnte. Wirtschaftlich sind die Verkaufszahlen allerdings trotzdem noch zu niedrig, in Anbetracht der Kosten der hier über 4.000 neu übersetzten Buchseiten und einer 800-seitige Biografie, die als deutsche Erstausgabe erschien.

Warum hat Alice B. Sheldon ein männliches Synonym genutzt? Ist es landläufig bekannt, dass sich hinter dem Namen eine Autorin „versteckt“?  

Das ist eine sehr gute Frage. Es wird gerne behauptet, sie benutzte das Pseudonym, um im, von Männern dominierte Genre, in dem sie schrieb, überhaupt ihre Erzählungen bei Magazinen unterzubringen. Es ist wichtig zu wissen, dass in der damaligen Zeit Science-Fiction-Erzählungen nicht in separaten Büchern erschienen, sondern in einschlägigen Magazinen und Fanzines. Wenn man dort erfolgreich war, folgten einzelne Bücher. Es stimmt zum Teil. Mit ihrem weiblichen Namen hätte sie es sicher schwer gehabt. Und wir wissen heute nicht, ob sie unter ihrem bürgerlichen Namen, Alice B. Sheldon, jemals einen Hugo-Award bekommen hätte. Beim Lesen der Biografie, die die US-amerikanische Journalistin Julie Phillips verfasste (Septime 2013), die dafür ebenfalls den Hugo-Award erhielt, stellen wir aber fest, dass Alice B. Sheldon entweder im falschen Körper zur Welt kam, und wenn nicht das, dann 50 Jahre zu früh. Zu jener Zeit, Alice‘ Teenagerzeit, waren feministische Bewegungen nicht mal in den Kinderschuhen. Sie konnte durch dieses männliche Pseudonym eine starke Seite ihrer Persönlichkeit ausleben. Dies wird uns spätestens klar im Briefwechsel mit der kürzlich verstorbenen Ursula K. Le Guin, den sie ebenfalls unter diesem Pseudonym führte – als Mann. Dieser Briefwechsel wurde von Julie Phillips editiert und ist im Essay-Band Wie man die Unendlichkeit in den Griff bekommt (Septime 2016) abgedruckt. Der Briefwechsel erstreckt sich bis zur Aufdeckung ihrer wahren Identität, und die Worte die sie hierzu schreibt, bestätigen uns den großen Verlust, den diese Frau erlitt, als ihr dieses für sie kostbare Gut, ein Mann zu sein, von der Öffentlichkeit genommen wurde. Es wird oft behauptet, dies sei der Grund für diesen Selbstmord, das stimmt allerdings nicht. Alice B. Sheldon war depressiv und krank und erschoss 1987 zuerst ihren ebenfalls kranken Ehemann und dann sich selbst.

Durch die unzähligen Medienberichte in den letzten sieben Jahren wird die Tatsache, dass sich hinter diesem männlichen Namen eine Frau verbirgt, zunehmend zu einer Selbstverständlichkeit. Aber es wäre sicher noch immer eine 64.000-Euro-Frage bei „Wer wird Millionär“.

Von welchen Autorinnen oder Autoren hat sie sich inspirieren lassen? 

Alice B. Sheldon war sehr belesen. Schon in ihrer Kindheit hatte sie Kontakt mit besagten Fanzines und las Science-Fiction-Geschichten. In ihren Briefen erwähnt sie Autoren wie Thomas Wolfe und Norman Mailer, hat natürlich die Romane ihrer Kolleginnen und Kollegen gelesen. In ihren Werken zitiert sie aber auch Autoren wie Rudyard Kipling, William Butler Yeats, Samuel T. Coleridge oder John Keats. Wichtig ist auch, dass sie in ihren Geschichten Filme zitiert oder Songtexte, wie zum Beispiel der Beatles oder der Rolling Stones. Als sie schon bekannt wurde, hatte sie auch Briefwechsel mit den damals populären Autoren des Genres, wie der erwähnten Ursula K. Le Guin, Joanna Russ, Harlan Ellison oder dem berühmten Philip K. Dick, den sie ebenfalls verehrte und der umgekehrt von ihr angetan war. Dies soll zeigen, welche große Bandbreite von Literatur Alice B. Sheldon las, welche einzelnen Werke sie hier nun tatsächlich inspirierten, ist für mich schwer zu sagen. James Triptree Jr. wurde meines Erachtens von ihrem eigenen Leben, den Schlagzeilen und dem Zeitgeist ihrer Epoche inspiriert.

Haben Sie von ihr ein Lieblingswerk, das Sie besonders empfehlen können?   

Die Werkausgabe umfasst sieben Erzählbände, zwei Romane und einen Essay-Band. Zum Einstieg ist sicher Band 1 Doktor Ain und Band 2 Liebe ist der Plan sehr gut geeignet, wir finden hier witzige Erzählungen wie „Geburt eines Handlungsreisenden“ oder düstere Erzählungen wie „Das eingeschaltete Mädchen“ und „Liebe ist der Plan, der Plan ist der Tod“ – alle preisprämiert – und erhalten einen wunderschönen Querschnitt über die große Welt von James Tiptree Jr. Mir selbst liegt der siebte Band Yanqui Doodle sehr am Herzen, in dem ich immer wieder gern lese, da diese Geschichten, düstere, die sie knapp vor ihrem tragischen Selbstmord schrieb, stellenweise wie Abschiedsbriefe zu lesen sind. Aber auch der Roman Helligkeit fällt vom Himmel, der in diesem Jahr die Werkausgabe abschließt, ist für Leserinnen und Leser, die es vielleicht mit 500 Seiten etwas länger haben wollen, ein echter Pageturner zum Einsteigen.

 

 

 

#WomeninSciFi (6) Die steinernen Götter – Jeanette Winterson

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Über Birgits Teilnahme (vom Blog Sätze und Schätze) bei dieser Reihe habe ich mich ganz besonders gefreut, ahnte ich doch spätestens seit der letzten Buchmesse in Leipzig, wie weit SciFi und Birgits übliche Lesewelten voneinander entfernt sind. Sie musste mit mir einen kurzen Abstecher in die Halle 1 der Comic Convention in Leipzig überstehen, sie wiederum legt mir immer wieder (durchaus erfolgreich) Klassiker, Autoren und Autorinnen aus der Weimarer Republik, Vergessenes und Übersehenes ans Herz.

Ich liebe unsere Treffen, bei denen ich mich hinterher ein ganzes Stück gebildeter fühle, denn Birgit schafft es, mir beim Bier ganz nebenbei das Äquivalent von ein zwei Semestern Literaturstudium zu verpassen, ohne dass es wehtut, nein ganz im Gegenteil, es macht riesigen Spaß. Leider muss ich dieses Jahr wohl ohne meinen Buchmesse-Buddy in Leipzig auskommen, aber vielleicht finde ich ja ein schönes Batgirl Shirt für sie zum Trost 😉

Vielen Dank liebe Birgit, dass für die Women in SciFi Reihe Jeanette Wintersons „Die steinernen Götter“ vorstellst, eine Autorin die ich sehr bewundere – also anschnallen bitte Ladies and Gentlemen jetzt düsen wir in weit entfernte Galaxien:

„Diese Dinger, sind das Bücher?“, fragte Pink und pflückte einen morschen Band aus dem Regal. „Wie süß. So was seh ich zum ersten Mal.“

Jeanette Winterson, „Die steinernen Götter“, 2007.

Eine der gruseligsten Zukunftsvorstellungen für mich ist: Eine Welt ohne gedruckte Bücher. In der alles, was nicht nur unseren Geist, sondern auch die Sinne anregen könnte, digital serviert wird. In der Lesen als Kulturtechnik vom Aussterben bedroht ist – vielleicht sind wir davon, mag man Umfragen glauben, sowieso nur noch einen Schritt entfernt.

Und in der Zukunft, die die britische Autorin Jeanette Winterson in ihrem Roman „Die steinernen Götter“ zeichnet, ist es bereits soweit – doch es scheint nicht nur das Lesen verloren gegangen zu sein, sondern auch jedwede Fähigkeit der Menschen zur Empathie. Wobei beides meiner Meinung nach zusammenhängt: Wer viel liest und sich in Romanfiguren einfühlen kann, der ist oftmals auch empathischer im Umgang mit seinen Mitmenschen.

Lesen: Ja! Science Fiction? Bisher eher weniger. Daher möchte ich mich zunächst nochmals sehr bei Sabine bedanken für diese tolle Idee, den „Women in SciFi“ einen eigenen Platz einzuräumen. Geht es mir doch so wie vielleicht vielen anderen Leserinnen auch: Ich hatte keine Ahnung.

Keine Ahnung davon, wie viele Schriftstellerinnen sich bereits in diesem Genre bewegt  hatten, keine Ahnung davon, wie breit gefächert die Auswahl an Romanen von Frauen in diesem Bereich ist. Das mag damit zusammenhängen, dass ich in der knapp bemessenen Lesezeit bisher eher den Blick in die Vergangenheit warf – ich lese viele Bücher aus Zeit der Weimarer Republik – und damit wenig Zeit für die Zukunft blieb. Und es mag sicher auch mit einem der gängigen Vorurteile gegenüber diesem Genre liegen, dass ich bislang eher einen Bogen um SciFi-Literatur schlug: Zu viel Technik, zu viel Krieg der Sterne, zu viel Testosteron, literarisch eher einfach gestrickt.

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Vorurteile, wie gesagt – und je mehr Beiträge ich zu dieser Reihe lese, desto geringer werden die Vorbehalte. Auch wenn „mein“ Buch, das ich dafür gelesen habe, mich nicht restlich überzeugen konnte – das aber lag weniger am Gerne, sondern mehr am Konzept des Romans. Von Jeanette Winterson kannte ich bislang nur „Der Leuchtturmwärter“: Eine poetische, herbe, schroff-schöne Geschichte über das Geschichtenerzählen und über die Liebe, die mir in guter Erinnerung blieb. Schon lange wollte ich von der britischen Schriftstellerin wieder etwas lesen.„Die steinernen Götter“, 2007 in Großbritannien erschienen, 2011 in Übersetzung von Monika Schmalz dann im Berlin Verlag, kam da gerade als Beitrag zur „Women in SciFi“ recht.

Auch in diesem Roman bleibt Jeanette Winterson ihrem Erzählstil treu: Sie experimentiert mit verschiedenen Erzählebenen, knüpft lose Fäden zwischen den Geschichten, schiebt Wort- und Sprachspiele ein. Das Buch beginnt zunächst wie ein starkes Stück feministischer Literatur – geschildert wird unsere Zivilisation, nur wenige Jahrzehnte entfernt, die dem Optimierungs- und Jugendwahn verfallen ist. Frauen lassen sich „genfixieren“, das heißt, auf ein möglichst niedriges Lebensalter „einfrieren“. Weil das den „Herren der Schöpfung“ bald langweilig wird, greift Pädophilie ganz offen um sich. Schöne neue Welt.

„Die Zukunft der Frau ist ungewiss. Wir pflanzen uns nicht mehr per Gebärmutter fort, und wenn wir nicht einmal mehr für Sex interessant sind … Männer dagegen wird es immer geben. Frauen stehen nun mal nicht auf kleine Jungs. Frauen haben einen anderen Ansatz. Umgeben von Muskelprotzen, suchen sie nach dem „hässlichen inneren Mann“. Schläger und Gangster, Vergewaltiger und Frauenprügler sind wieder groß im Kommen. Sie lächeln wie Surferjungs, aber in Wirklichkeit sind es Haie.
So sieht die Zukunft aus. Z steht für Zukunft.“

Kritisch beobachtet wird dies von Billie, die den „guten“ alten Zeiten (die an unsere Gegenwart erinnern) nachtrauert und sich in einen „Ropo sapiens“ verliebt. Sie und der intelligente Roboter, der gelernt hat, Gefühle zu entwickeln, nutzen eine Weltraummission zum „Blauen Planeten“, um ihrem Heimatgestirn „Orbus“ zu entkommen: Billie, weil sie mit ihren Ansichten nicht nur unter Generalverdacht steht, sondern zuletzt sogar für eine Terroristin gehalten wird, der Ropo Spike, weil er verschrottet werden soll.

Zudem ist „Orbus“ längst schon nicht mehr lebenswert: Überbevölkert und ausgeweidet, von der Klimakatastrophe nur Sekunden entfernt. Auf dem „Blauen Planeten“ scheint ein Neuanfang für die Menschheit möglich zu sein – jedenfalls für die privilegierte Menschheit, die der Konzern „Mehr-Zukunft“, der längst schon anstelle gewählter Politiker die Geschicke leitet, für die eine Ansiedlung dort vorgesehen hat. Die Weltraummission soll den neuen Planeten zunächst erkunden und vor allem in Erfahrung bringen, wie man mit der großen Gefahr dort, urzeitlichen Dinosauriern, umgehen kann. Der waghalsige Raumschiff-Kapitän Handsome meint, durch einen gesteuerten Asteroideneinschlag die Plage beseitigen zu können. Ein Schuss, der nach hinten losgeht: Durch den Einschlag wird das Neuland in die Eiszeit zurückkatapultiert, Billie und Spike finden in der Einöde ihr Ende.

Übrig bleiben am Ende nur die Reiseaufzeichnungen von James Cook, eine der favorisierten Lektüren von Handsome. Sie sind der rote Faden zum nächsten Kapitel, das 1774 auf der damals neu entdeckten Osterinsel spielt. Ein englischer Schiffsjunge, der aus Versehen auf der Insel zurückgelassen wird, gerät in die Streitigkeiten der Insulaner, die auf dem unwirtlichen Eiland um die spärlichen Ressourcen kämpfen und um ihre Götzen, jene berühmten Steinfiguren, die dem Roman auch seinen Titel verliehen haben. Auch die Liebe des Erzählers zu einem Eingeborenen endet tragisch:

„Ein weißer Vogel breitet die Flügel aus.“

Zurück in die Zukunft: Eine Zeit nach dem Dritten Weltkrieg. Die Ich-Erzählerin findet in der U-Bahn ein Manuskript mit dem Titel „Die steinernen Götter.“ Ihre spontane Reaktion beim Querlesen:

„Eine Liebesgeschichte ist das – vielleicht über Aliens. Ich hasse Science Fiction.“

Mehr und mehr wird deutlich: Die Erzählerin dieses Kapitels, die, die das Manuskript findet, ist Billie:

„Ich bin ein verlorenes Manuskript.“

Sie erzählt von ihrer Kindheit, einem ruinierten Planeten, vom Krieg zerstört, Armut, die Mütter dazu bringt, ihre Kinder wegzugeben, Kinder, die sich verloren fühlen, die von ihren wenigen Erinnerungen zehren. Und dieses Kapitel erklärt schließlich auch, wieso aus Billie wurde, was sie in der Zukunft sein wird: Eine Rebellin, die sich der schönen neuen Welt von Mehr-Zukunft entzieht, sich auf die Seite der Outsider schlägt, die schließlich einen Roboter wartet, der sich in sie verlieben wird …

Man ahnt vielleicht bereits an diesen verschiedenen Volten und Rollen vorwärts wie rückwärts, wie komplex das Buch ist und wie sehr Jeanette Winterson mit verschiedenen Zeitebenen spielt. Was ist Zukunft, was Vergangenheit? Die Struktur macht den Roman spannend – man muss sich das Geschehen und Billies Persönlichkeit beinahe wie ein Puzzle zusammensetzen, darf den roten Faden nicht verlieren. Winterson bringt dabei auch differenzierte Sprachstile unter: Mal irrwitzig komisch und satirisch überspitzt, mal poetisch-leise, mal schroff und herb.

In der Stärke des Romans ist jedoch – so paradox das klingen mag – auch seine Schwäche angelegt. So sehr ich komplexe Erzählstrukturen zwar als Herausforderung mag, in „Die steinernen Götter“ fügt sich das nicht zu einem runden Ganzen. Klar ist: Ob Weltall oder Osterinsel, der Mensch an sich ist das Übel, wie der gestrandete Schiffsjunge bemerkt:

„Ich möchte behaupten, dass der Mensch, wo immer man ihn findet, ob zivilisiert oder wild, sich keinem Bestreben lange widmen kann, ausgenommen jenem, sich selbst zu zerstören.“

Und Billie, eine starke Frauenfigur und Science-Fiction-Heldin, schlagfertig und witzig, konkretisiert dies:

„Frauen nehmen immer alles persönlich“, sagte Handsome. „Das ist der Grund, warum ihr keine Weltherrscher werden könnt.“

„Und Männer nie“, sagte ich, „weshalb wir am Ende keine Welt mehr zum Herrschen haben.“

Trotz solcher pointierter Aussagen wirkt der Roman merkwürdig unentschlossen, schwankend zwischen feministischer Satire, Dystopie und romantischer Liebesgeschichte. Mir blieb am Ende ein Rätsel, worauf Jeanette Winterson hinaus wollte: Zu beweisen, dass Liebe alle Grenzen, auch die zwischen Mensch und Maschine, zwischen Raum und Zeit, überschreitet? Wenn ja, dann ist das Experiment gescheitert – am Ende ist immer einer tot. Oder wollte sie die „Botschaft“ unterbringen, dass Krieg, Ausbeutung der Natur, Kapitalismus und Konsumgier das Ende der Welt und unser aller Untergang sein wird? Auch hier kann man so oder so die einzelnen Passagen deuten. Schließlich sagt Billie auch:

„Die Geschichte ist nicht der Abschiedsbrief eines Selbstmörders – sie ist das Zeugnis unseres Überlebens.“

Vielleicht wollte Jeanette Winterson aber einfach auch nur mit dem Genre spielen. Wenn ja, dann ist ihr das nur bedingt gelungen – doch eine Vielzahl witziger, pointierter Szenen und einige poetische Momente wiegen die Schwächen dieses etwas zerfaserten Buches beinahe auf.

 

#WomeninSciFi (2): The long way to a small, angry planet – Becky Chambers

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Ein bisschen hat es schon gedauert, bis ich die einzelnen Stimmen des munteren  Blogger-Kombinats „Feiner Reiner Buchstoff“ auseinanderhalten konnte. Thursdaynext fiel mir recht schnell auf, nicht allein wegen des Namens, bei dem ich gleich vermutete, wir könnten literarisch ähnliche Interessen haben, sondern auch durch die entsprechende Buchauswahl.

Heute stellt Thursdaynext uns ein Buch vor, dass schon seit einer Weile auf meinem Wunschzettel schlummert und auf das ich mich sehr sehr freue…

Space Opera mit starken weiblichen Einschlägen sind selten im Sci Fi Genre, das, männlich dominiert, zumeist Technik, Wummen, Krieg, Heldentum und Machtschnickschnack thematisiert. Doch gerade der kulturelle und gesellschaftliche Blickwinkel auf die Zukunft ist eine der interessantesten in diesem Genre. So ist die weibliche Sichtweise auf das Zusammenleben auf beengtem Raum einen informativeren und empathischen Ticken anders.

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Feinfühliger, eindrücklicher, weil mehr hinterfragend, schildert Autorin Becky Chambers, diese Aspekte des Raumfahrerlebens.  Als Beispiel sei hier der Koch- und Leibarzt genannt, der sehr wohl um die Wichtigkeit guten Essens und guter Atmosphäre weiß und sich bemüht, beides herzustellen.  Die in Kalifornien aufgewachsene Tochter einer Astrobiologin und eines Luft- und Raumfahrttechnikers gesellt sich hier zu Autorinnen wie Kate Wilhelm, Ursula K. LeGuin, James Tiptree, C.J.Cherryh oder Lois McMaster Bujor ein. Dabei sind schon Cover und Titel das Zugreifen wert. Was wir beiden hauptverdächtigen Buchstoffler mit dem SciFi Faible natürlich getan haben, überschneidet sich unsrer lesetechnische Sci Fi Menge doch häufig und bereichern wir uns gegenseitig gern mit guten neuen Autoren.

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Foto: Fischer Verlag

Becky Chambers Debüt The Long Way To A Small, Angry Planet finanzierte sie 2012 via Crowdfunding und brachte es 2014 im Eigenverlag heraus. 2015 erschien der Roman in Großbritannien bei Hodder & Stoughton, in den USA bei Harper Voyager. 2016 wurde The Long Way To A Small, Angry Planet für den Arthur C. Clarke Award nominiert.

Becky Chambers hat uns mit ihrem phantastischen Debüt gleichermaßen berühren und begeistern können. Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten liest sich locker – luftig mit unaufdringlichem Humor und zieht einen bereits auf den ersten Seiten in seinen Bann, dem wir uns während des gesamten 539 – Seiten- Buches nicht mehr entziehen konnten. Das Wayfarer Universum besteht aus verschiedensten Spezies, und die junge Rosemary Harper (Homo Sapiens) bewirbt sich auf der Wayfarer, einem Tunnelbohrschiff mit gemischter Besatzung. Unterschiedlich in Kultur und Rasse kommt es trotz gegenseitigem Respekt doch so manches Mal zu Reiz- und Reibungspunkten:

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Becky Chamers - Foto: Fischer Verlag

„Hast Du die Menschen auch manchmal satt? Hin und wieder. Das ist wohl normal, wenn man mit anderen Leuten als seiner eigenen Art zusammenlebt. Ihnen ergeht es bestimmt genauso. Heute habe ich sie eindeutig satt, sagte Sissix und ließ den Kopf wieder zurücksinken. Ich habe ihre fleischigen Gesichter satt. Ich habe ihre glatten Fingerspitzen satt. Ich habe es satt, wie sie das R aussprechen. Ich habe es satt, dass sie nicht riechen können. Ich bin es leid, wie gluckenhaft sie sich bei Kindern aufführen, die nicht einmal ihre eigenen sind. Ich habe es satt, wie neurotisch sie mit Nacktheit umgehen. Am liebsten würde ich jeden Einzelnen von ihnen ohrfeigen, bis sie begreifen, wie unnötig kompliziert sie ihre Familien und ihr Sozialleben und ihr … einfach alles machen.“

Rosemary ist als Verwaltungsassistentin angeheuert und bemüht sich zu integrieren. Jedes Besatzungsmitglied hat einen ganz speziellen Charakter und trägt eine Bürde mit sich herum. Bürden, die im Laufe des Buches offenbar werden und meist einen hochemotionalen Hintergrund haben, der die einzelnen Personen mit einem warmen, persönlichen Touch versieht. Auch Rosemary hat ein Geheimnis, die Crew sieht das aber sehr entspannt:

„Du bist Rosemary Harper. Du hast diesen Namen gewählt, weil der alte nicht mehr zu dir passte. Du musstest dafür ein paar Gesetze brechen, na und? Was soll’s. Das Leben ist nicht gerecht, und Gesetze sind es normalerweise ebenso wenig. Du hast das getan, was du tun musstest. Ich verstehe das.“

Sympathisch, bunt, vielfältig, spannend und teilweise auch politisch hochaktuell geht es auf der Wayfarer zu. Fake News finden sich auch in der fernen Zukunft wieder. So bearbeitet zum Beispiel Nib der Hobby- Archivar Referenzdateien, indem er sich durch alte Fakten gräbt um die öffentlichen Dateien auf neustem und den Tatsachen entsprechendem Stand zu halten:

„Warum versuchen diese Leute überhaupt so etwas zu beweisen?“, fragte Kizzy. „Weil es sich um Idioten handelt.“

Die Vielfalt der Spezies und ihrer Soziologien ist grandios, authentisch und detailliert. Vom Paarungs – und Nachwuchsaufzuchtsverhalten der Aandrisks könnten wir uns z.B. gerne ein paar Scheibchen abschneiden. Wenn wir Eier legen könnten. Hier merkt man, dass die Autorin eben das ist, eine Frau und somit potentielle Mutter, der diese Thematik der Kinderaufzucht doch näher und unmittelbarer ist als männlichen Autoren, und die sich zudem noch ganz offensichtlich mit Biologie und weiteren Wissenschaften auskennt. Ihre Ideen sind ausgereift, wirklichkeitsnah und wissenschaftlich logisch. Was dieses Universum aber erst so richtig rund macht, ist die empathische Sicht der Dinge. Hier ist der Roman am eindringlichsten und stärksten, in Momenten wo sich zwei verschiedene Rassen nähern und wir uns in den Gedanken von Sissix, einer echsenartigen Spezies, finden:

Rosemary, sagte Sissix und ergriff ihre Hand. Sie war warm. Das war bei anderen Spezies immer so, man spürte die Wärme schon, wenn man neben ihnen stand, aber jetzt war es noch deutlicher. Sie hatte sich schon manchmal gefragt, wie es wohl wäre, diese Wärme an sich zu pressen, dort, wo – nein, nein, daran würde sich nicht denken. Noch nicht. Sie musste klug sein. Sie musste vorsichtig sein. Schließlich reagierten Menschen anders auf Paarung. War es nicht so, dass ihre Gehirne danach von Chemikalien überschwemmt wurden, viel mehr als bei normalen Leuten? Auch bei Aandirsks führt Paarung zu Bindung, aber Menschen – Menschen verloren dabei vollkommen den Kopf. Wie ließ es sich sonst erklären, dass eine vernunftbegabte Spezies die Überbevölkerung bis zum Umweltkollaps getrieben hatte? Das war ein Volk, das sich um den Verstand gepaart hatte.“

Ihre Charaktere sind ausgereift, erhalten mit zunehmendem Lesefortschritt immer mehr Substanz und Gesicht, erscheinen greifbar und echt, mit all ihren Macken und Persönlichkeitsaspekten. Die Sprache ist angenehm, auch wenn es um philosophische, soziologische, biologische und technische Details geht. Ganz wichtig: Chambers hat Humor!! Und den merkt man diesem augenzwinkernden Buch an. Eben das lässt einen, viel zu schnell, aber mit Hochgenuss hindurchgleiten.

Sie zeigt auch Weitsicht wenn sie aus den Akten der GU (Galaktischen Union) zur Aufnahme der Spezies Homo Sapiens in ihre Gemeinschaft zitiert:

Die Menschheit ist eine zerstrittene, angeschlagene, pubertäre Spezies, die sich nicht durch ihr eigenes Verdienst in den interstellaren Raum ausgebreitet hat sondern nur durch Zufall. Sie ist nie über das intraspeziäre Chaos hinausgekommen. In dieser Phase der unbeholfenen Pubertät entscheidet es sich ob eine Spezies zu einer globalen Einheit oder in verfeindete Fraktionen zerfällt, die zum Aussterben verurteilt sind sei es durch Krieg oder durch ökologische Katastrophen, die so groß sind, dass man sie nur gemeinsam meistern kann.“

Die Wayfarer Welt ist bunt, liebevoll und schreit nach Erweiterung, so ist es nur gut, dass der ebenfalls im Wayfarer Universum angesiedelte Roman A Closed And Common Orbit 2017 in Großbritannien erschienen ist.

Die deutsche Übersetzung, Zwischen zwei Sternen wurde wieder von Karin Will übersetzt , die bereits beim langen Weg zu einem kleinen, zornigen Planeten wunderbare Arbeit leistete,wird wohl am 25. Februar bei Fischer TOR https://www.fischerverlage.de/buch/zwischen_zwei_sternen/9783596035694

erscheinen.

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Ich freu mich schon darauf, also: Go get it! Abtauchen ins Wayfarer Universum.

Ganz lieben Dank Thursdaynext, ich denke mit diesem Text hast Du nicht nur mir Lust auf Space Opera und aufs Wayfarer Universum gemacht.

Im nächsten Women in SciFi Beitrag würde ich euch gerne mit ein paar der interessantesten SciFi Protagonistinnen der SciFi Welt bekannt machen.

#WomeninSciFi: The Left Hand of Darkness by Ursula LeGuin (1)

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Vermutlich bin ich nicht die erste, die eine Weile lang dachte, es handle sich bei dem Blog Vorspeisenplatte.de um einen Kochblog. Er wurde mir wiederholt als „Lieblingsblog“ genannt, wenn ich mich entsprechend erkundigte. Tatsächlich handelt es sich vermutlich um einen der ersten Tagebuchblogs.

So mancher Blog-Empfehlung folge ich schon lange nicht mehr, der Kaltmamsell bin ich jedoch treu geblieben, denn sie versorgt mich regelmäßig mit spannenden Artikeln, Links und Twitterlieblingen. Ihr beeindruckendes Sportprogramm ist eine Art Master Yoda für meinen inneren Schweinehund.

Zudem habe ich gelernt, dass „mein“ Buchclub nicht der einzige in München ist. Gut zu wissen…

Ich freue mich sehr, dass sie die #WomeninSciFi Reihe heute mit Ursula LeGuins „The Left Hand of Darkness“, der Grande Dame der Science Fiction Literatur, eröffnet:

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Eine unersättliche Leserin war ich von Kindesbeinen an, doch an Science Fiction geriet ich nicht von selbst. Zwar ließ ich mir als Erwachsene gezielt die Klassiker des Genres reichen, mochte vor allem die alternativen Gesellschaftsentwürfe. Doch erst in den letzten Jahren trafen sich eine wachsende Abneigung gegen alles „based on a true story“ (Erinnerungen sind schließlich auch Konstruktionen und Fiktionen – doch diese Literatur trägt angebliche Wahrhaftigkeit vor sich her) und genauso wachsende Freude an sehr Ausgedachtem bis hin zu speculative fiction.

Es war dann ein Essay von Laurie Penny, der mir zu einer konkreten Leseliste verhalft: „Fear of a Feminist Future“. Darin listet Penny Science-Fiction-Autorinnen auf, die Alternativen zu einer patriarchalen Gesellschaft entwarfen. Und so geriet ich an die Ikone Ursula K. Le Guin. Der Roman der US-amerikanischen Autorin The Left Hand of Darkness von 1969 stand in einer schönen Neuauflage von 1980 im Regal des Science-Fiction-Experten an meiner Seite.

Sie enthält Le Guins „Introduction“ von 1976 – für mich ein Teil des Werks. Darin legt sie klug dar, warum Erfundenes einen tieferen Blick auf die Wirklichkeit ermöglichen kann – und genau das tut sie mit ihrem Roman The Left Hand of Darkness. Der erste Satz des Romans lautet dann auch: „I’ll make my report as if I told a story, for I was taught as a child on my homeworld that Truth is a matter of the imagination.“

Wir werden von Anfang an in eine völlig fremde Welt geworfen; das erste Kapitel heißt „A Parade in Erhenrang“, und vor dem ersten oben zitierten Satz der Handlung steht die vierzeilige Archivkennzeichnung des folgenden Berichts. Die Ortsnamen sind fremd, die Zeitangaben haben nichts mit unseren zu tun, die geografischen Gegebenheiten und Gesellschaftsstrukturen sind unerwartet. Manches davon wird erklärt, denn, so stellt sich heraus, wir lesen den Bericht eines Besuchers oder einer Besucherin namens Genly Ai auf dieser Welt, dem Planeten Gethen, selbst von ganz woanders kommend – allerdings aus einer Welt, die uns Leserinnen genauso fremd ist.

Diese große Fremdheit zeichnet den gesamten Roman aus, viele Wörter und Konzepte bleiben bis zum Schluss unerklärt. Zwischenkapitel („hearth tales“) wechseln komplett die Perspektive und geben Gethens Mythologie wieder, ohne offensichtlichen Zusammenhang. Das Lesen erfordert Offenheit und Aufgeben von Erwartungen – genau das braucht Le Guin für den alternativen Gesellschaftsentwurf, den sie hier vorlegt.

Denn es stellt sich heraus, dass der größte Unterschied zu unserer gewohnten Erdenwelt des 20. Jahrhunderts nicht das Klima, die Technik oder die politischen Prozesse sind, sondern der Umstand, dass die Bewohner Gethens nicht einem von zwei Geschlechtern angehören. Zwar wird unsere Leseerwartung zunächst in die Irre geführt, weil alle das Personalpronomen „he“ tragen. Doch es stellt sich heraus, dass das nur eine Hilfskonstruktion des Berichtenden Genly Ai ist. Die Erzählfigur wurde als Botschafter des Ekumen geschickt, eines losen Zusammenschlusses von Planeten, und soll die Staaten des Planeten Gethen dazu bringen, dem Ekumen beizutreten. Dazu muss die Erzählfigur aber damit zurecht kommen, dass die Bewohner von Gethen im Normalzustand kein fixes Geschlecht haben; sie sind nur einmal im Mondzyklus fruchtbar, und erst wenn es an die Fortpflanzung geht, vereinbart ein Paar, wer welchen Part übernimmt.

Das ist allerdings nicht das einzige Detail auf Gethen, das die Erzählfigur überfordert: Sie wird unbemerkt zum Spielball politischer Ränke, und das mehrfach auf verschiedene Weise, gerät in Gefangenschaft, wird dort durch Medikation unbeabsichtigt fast umgebracht. Ich bezeichne sie hier absichtlich als „Erzählfigur“: Le Guin schaffte es sehr lange unklar zu lassen, welchem menschlichen Geschlecht diese Ezählstimme eigentlich zugehört, unter anderem durch die Erzählung in Ich-Form. Und als dieses Detail klar wird, ist es schon lange unwichtig.

Gleichzeitig ist The Left Hand of Darkness die Geschichte einer großen Freundschaft und einer großen Liebe (ohne Geschlechtlichkeit auf Gethen deckungsgleich), der zwischen Genly Ai und Estraven. Estraven ist zu Anfang der Handlung eine wichtige politische Figur auf Gethen – und gibt alles auf, um der Erzählfigur beizustehen. Es braucht den Großteil der Geschichte, bis Genly Ai das überhaupt bemerkt, denn Verhaltenscodes und Kommunikation sind auf Gethen so völlig anders – werden auch uns Leserinnen nicht erklärt.

Ich kenne keine Utopie, die so vielschichtig ist wie The Left Hand of Darkness. Le Guin erfindet nicht nur zwei Universen und lässt aus ihrem Zusammentreffen Erkenntnis erwachsen, sie erfindet auch eine neue Sprache, neue Gefühle, neue Kommunikationstechnik, stellt eine Vielzahl von gewohnten Konzepten in Biologie und Gesellschaft in Frage. Ihre sprachlichen Mittel dafür sind dicht und schnörkellos, sie wechselt kapitelweise die Klangfarbe, je nach dem ob die Berichtsfigur spricht, ob Estraven sein/ihr Tagebuch schreibt oder ob der heimische Mythos wiedergegeben wird. Und so erleben wir die Gesellschaft ohne Geschlechterzuschreibung subtil durchgespielt mehr als Hintergrund denn als propagandistischen Vordergrund.

The Left Hand of Darkness gilt als einer der ersten feministischen Science-Ficition-Romane. Er gehört zu Le Guins Hainish Cycle, in dem noch zwei weitere ihrer Romane und einige Kurzgeschichten spielen. Ihr umfassendes Werk aus Romanen und Kurzgeschichten in Fantasy und Science Ficiton, aus Gedichten und Essays beeinflusste Generationen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern.

Weiterführende Lektüre:

Ligaya Mishan, „First Contact: A Talk with Ursula K. Le Guin“ – Ein Interview von 2009 über The Left Hand of Darkness. „In the spirit of the novel, our questions are a collaboration between a male and a female; we leave it up to our readers to determine who wrote which“. Darin die schöne Aussage Le Guins: „What is the metaphorical significance? I don’t know. The theme was just there. A given. Writing a story, I generally take what’s given and run with it. Then the critics can tell me what it Means.“

Maria Popova, „Ursula K. Le Guin on Being a Man“ – erklärt die konsequente Verwendung von „he“ für alle Personen des Romans.

Justine Jordan, „Winter reads: The Left Hand of Darkness by Ursula K Le Guin“ – über die lange Sequenz des Romans, die die dreimonatige Reise der Protagonisten durch eisige Landschaft beschreibt.

Sarah LeFanu, „The king is pregnant“ – über die Rolle von Angst und Vertrauen in dem Roman.

 

„The Left Hand of Darkness“ erschien auf deutsch unter dem Titel „Die linke Hand der Dunkelheit“ im Heyne Verlag.

Liebe Kaltmamsell, vielen Dank für diese gelungene Eröffnung der „Women in SciFi“-Reihe. Weiter geht es hier im nächsten Beitrag in Kürze mit einer Spaceopera. Thursdaynext vom Blog „Feiner reiner Buchstoff“ stellt uns Becky Chambers „The long way to a small, angry planet“ vor.