#WomeninSciFi (49) Everything belongs to the future – Laurie Penny

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Vor kurzem entdeckte ich Sabines Blog „Ant1heldin“ – ein großartiger Blog über Frauenfiguren und außergewöhnliche Protagonistinnen in der Literatur und auf der Leinwand. Das liegt ganz auf meiner Wellenlänge und daher war mir schnell klar, hier werde ich sicherlich nicht vergeblich anklopfen, wenn ich frage, ob Sabine Lust hat bei meiner #WomeninSciFi Reihe mitzumachen. Es war in der Tat nicht schwer, sie zu überreden und ich freue mich sehr über den heutigen Beitrag. Bitte hier entlang in eine dystopische Zukunft, die sich um den Traum der immerwährenden Jugend dreht:

Als mich Sabine von Binge Reader fragte, ob ich bei ihrer Blog-Aktion #WomeninSciFi mitmachen wollte, habe ich natürlich zugestimmt. Bei der Aktion stehen weibliche Sci-Fi-Autoren und ihre Werke im Mittelpunkt. Denn ihr Beitrag zu dieser Genreliteratur wird leider oft unterschätzt und zudem unterstellt, Frauen würden, wenn überhaupt, dann nur „soft Sci Fi“ mit dem Fokus auf Liebesplots schreiben. Dass das Unsinn ist, beweist schon die berühmte Margaret Atwood, daher finde ich es sehr wichtig, die Beteiligung von Frauen hier hervorzuheben.

Everything belongs to the future – darum geht‘s

Meine eigene Science-Fiction-Erfahrung beschränkt sich vor allem auf dystopische Romane und Filme, siehe Blade RunnerGattacaHunger Games und The Handmaid’s Tale. Daher hat mich Laurie Pennys Plotidee bei Everything belongs to the future gleich angemacht. Es geht in diesem Kurzroman um eine Gesellschaftsdystopie gegen Ende des 21. Jahrhunderts, in der nur die Reichen Zugang zu einer lebensverlängernden Droge haben. 100 Jahre Jugend sind keine Seltenheit mehr. Dabei zeichnen die verschiedenen Erzählstimmen das typische Bild einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Die Reichen leben in Saus und Braus, während die Armen in den Slums von Oxford, dem Schauplatz des Romans, mehr schlecht als recht überleben. Dystopisch wird’s zusätzlich mit der Erwähnung von Überschwemmungen, die den armen Teil von Oxford regelmäßig unter Wasser setzen. Die Erderwärmung hat in diesem Szenario längst dramatische Folgen nach sich gezogen. Der Plot dreht sich, einfach ausgedrückt, um eine Gruppe punkiger Aktivisten, die gegen das Vorrecht der Reichen auf lebensverlängernde Mittel kämpfen und die kleinen blauen Wunderpillen stehlen, um sie Robin-Hood-mäßig umsonst an die Armen zu verteilen. Die Erfinderin der Droge, Daisy, schlägt sich heimlich auf die Seite der Aktivisten. Gemeinsam planen sie eine Unterwanderung des Establishments.

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Der Reiz an dieser Dystopie – und ihr Versagen

Das Motiv des „Jungbrunnens“ ist in der Sci-Fi natürlich nichts Neues. Einige Kinofilme haben das Thema schon behandelt, z.B. Elysium, wo die reiche Oberschicht auf einer Raumstation lebt und alle Mittel hat, Krankheit und Alterung am menschlichen Körper zu verhindern. Das macht aber nichts, denn der Reiz an Dystopien liegt ja darin, Szenarien zu entwerfen, die gar nicht so unwahrscheinlich und daher umso beunruhigender sind. Von diesen Szenarien gibt es natürlich nicht unendlich viele, wenn man als Autor*in auf aktuelle Diskurse und deren zukünftige Implikationen verweisen möchte. Das wäre bei Everything belongs to the future das Gedankenspiel eines ins Extreme gesteigerten Jugendwahns. Diese spannende Grundprämisse hätte Laurie Penny daher mit ein bisschen mehr Geduld in eine überzeugende Story gießen können. Das hat sie leider versäumt.

Der kurze Text (114 Seiten) ist überfrachtet mit schwergewichtigen Ideen, die dann nicht ausgeführt werden. Wirklich an allen Ecken und Enden fehlt es an Erklärungen. Entwicklungen werden nur angerissen, Figuren bleiben flach, ihre Handlungen wirken unmotiviert. Warum Laurie Penny nicht einfach einen Roman in vollständiger Länge geschrieben hat, ist mir unverständlich. In ihrem Text gibt es so viele spannende Ansätze, die einen langen Text mühelos gefüllt hätten, z.B. die ganze Geschichte rund um die Entwicklung der Droge und ihre Auswirkung auf die dargestellte Gesellschaft. Bei der Kürze des Textes bleibt ein überzeugendes Worldbuilding jedoch auf der Strecke.

Fehlendes Worldbuilding

Wo ist die Science in dieser Fiction?

Das fängt schon mit der Idee an, die dieser Dystopie zu Grunde liegt, der lebensverlängernden Droge („the fix“ genannt): Ihre genaue Wirkung wird zum Beispiel nicht erklärt. Sie verzögert das Altern ab dem Tag der Einnahme extrem. Darüber hinaus: Wenig. Verhindert sie auch alle Krankheiten? Vermutlich, es wird aber nicht erläutert. An einer Stelle erklärt Protagonistin Daisy, die Droge bestehe aus einem Pilz, der irgendwie in den Körper eingreift. Ein bisschen mehr Details und Recherche wären hier angemessen gewesen. Ohne weitere Informationen, die dieses plot device glaubwürdiger machen, wirkt die grundlegende Prämisse der ganzen Erzählung ein bisschen wie ein billiger Jahrmarkttrick. Von den vampirhaften (entschuldigt!) Beschreibungen der „fixer“ ganz zu schweigen: „there was an uncanny smoothness to the skin, a ghastly glisten that made them doll-like.“ (S. 19) Wer wird hier auch an Twilight erinnert? *hust*

Ebenso bleibt es unklar, ob es einen Schwarzmarkt mit der Droge gibt und warum die Aktivistengruppe im Roman die Droge so völlig ungestört kostenlos verteilen kann.

Für die Glaubwürdigkeit dieses Sci-Fi-Romans sprechen einige Details zum technologischen Fortschritt (zum Beispiel Minichips, die Spion Alex unter dem Fingernagel verstecken kann). Erstaunlich altmodisch wird hingegen der Zustand der Gesellschaft dargestellt. Transfeindlichkeit, Sexismus und Rassismus bzw. Islamfeindlichkeit sind immer noch genauso große Themen wie heute in der Realität. Das könnte glaubwürdig sein, wenn man diese fehlende Entwicklung denn erklären würde. Stattdessen sind die 80 Jahre, die zwischen unserer Zeit und dem Handlungszeitpunkt des Romans bestehen, nur eine einzige große Leerstelle.

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Toll angelegte (Frauen-) Figuren, leider ohne Tiefgang

Wirklich schade ist allerdings, dass Everything belongs to the future uns keine Chance lässt, eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen. Penny bemüht sich, Figuren sprechen zu lassen, über die sie vermutlich selbst gerne lesen würde: Es sind fast nur Figuren abseits von heteronormativen Geschlechts- und Sexualitätszuschreibungen wie die bisexuelle Daisy oder der trans Mann Fidget. Darüber hinaus gibt es mehrere unabhängige Frauenfiguren, wie eben Daisy oder auch die Aktivistin Nina.

Der gute Wille, interessante Figuren zu schaffen, reicht aber leider nicht aus, wenn es bei oberflächlichen Charakterisierungen bleibt. Alle Beschreibungen vom Innenleben der Figuren wirken gehetzt, wie hastig zusammengeflickt. Daisy, die ewig wütende greise Frau im Körper eines Teenagers, muss noch schnell eine rührselige Liebesgeschichte aus der Vergangenheit verpasst bekommen. Diese Erinnerungssequenz ist aber völlig unmotiviert in den Plot gepresst und verfehlt so ihre Wirkung. Ich hätte stattdessen so gern mehr über Daisys Werdegang erfahren. Oder warum sie sich dazu entschieden hat, die Droge schon im Alter von 14 Jahren einzunehmen, was dazu führt, dass sie für immer im unfertigen Körper einer Pubertierenden feststeckt. Die Erzählstimme erklärt etwas nebulös: „Daisy had not had fun of any kind since she could remember, but particularly not horizontal fun involving other humans. Keeping her appearence static at awkward mid-puberty helped with that.“ (S. 24). Was diese Andeutung genau bedeutet, bleibt unklar (ist Daisy asexuell und legt gar keinen Wert auf körperliche Intimität? Und ist deshalb froh über einen unterentwickelten Körper? Wer weiß.). Das ist nur ein Beispiel für vergeudetes Erzählpotential in Everything belongs to the future.

Wie viel Laurie Penny bekommt man bei Everything belongs to the future?

Laurie Pennys erster Roman ist alles andere als leichte Unterhaltung, wie schon angedeutet. Neben zwei komplexen Erzählsträngen gibt es noch einen theoretischen Überbau in diesem Text. Zwischen den Erzählteilen aus Daisys oder Alex‘ Sicht erscheinen fiktive Briefe, die eine anonyme Schreiberin aus dem Gefängnis an die Protagonistin Daisy richtet. Darin stellt sie philosophische Überlegungen in Bezug auf das Recht der Reichen auf ewige Jugend an. Dabei rutscht sie gerne mal ins Schwadronieren ab: „The truth is that life extension itself is not sinful. The only sin is to treat time as privilege. … We discovered the fountain of youth, and then we put it behind high walls and poisoned its promise.“ (S. 36). Als Leserin fühle ich mich da doch ein bisschen für dumm verkauft. Ach nee, den Reichen noch mehr Macht zu geben hat nicht zum Zusammenhalt in der Gesellschaft beigetragen? Wer hätte das gedacht? Die Regel „show, don’t tell“ gibt’s wahrlich nicht umsonst. Zeig‘ die Auswirkungen der Droge doch in der Erzählung und an den Figuren, liebe Laurie, und nicht in einem erklärenden Text.

Aber, das muss ich anmerken: Die anonymen Briefe im Roman enthalten auch einige sehr gute gendertheoretische Überlegungen, wie man sie aus Laurie Pennys Sachbüchern kennt. Die beste Stelle ist diese: „The aging woman is a special object of horror in this gerontocracy.“ (S. 86). In der Dystopie von Everything belongs to the future ist die Droge im allgemeinen Verständnis für Frauen ein größerer Segen als für Männer. Frauen haben mehr zu verlieren, weil sie, mehr als Männer, auf ihr Aussehen reduziert werden. Daher stellt die anonyme Schreiberin, die es einfach nur „wagt“, zu altern, eine Rebellin dar. Allein ihre „Hässlichkeit“ ist ein Akt des Widerstands. Lasst uns beten, dass das Altern in unserer Gesellschaft niemals zu einem rebellischen Akt wird.

Diese Ausgabe habe ich gelesen: Laurie Penny, Everything belongs to the future, Tor Books: New York 2016.

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#WomeninSciFi (2): The long way to a small, angry planet – Becky Chambers

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Ein bisschen hat es schon gedauert, bis ich die einzelnen Stimmen des munteren  Blogger-Kombinats „Feiner Reiner Buchstoff“ auseinanderhalten konnte. Thursdaynext fiel mir recht schnell auf, nicht allein wegen des Namens, bei dem ich gleich vermutete, wir könnten literarisch ähnliche Interessen haben, sondern auch durch die entsprechende Buchauswahl.

Heute stellt Thursdaynext uns ein Buch vor, dass schon seit einer Weile auf meinem Wunschzettel schlummert und auf das ich mich sehr sehr freue…

Space Opera mit starken weiblichen Einschlägen sind selten im Sci Fi Genre, das, männlich dominiert, zumeist Technik, Wummen, Krieg, Heldentum und Machtschnickschnack thematisiert. Doch gerade der kulturelle und gesellschaftliche Blickwinkel auf die Zukunft ist eine der interessantesten in diesem Genre. So ist die weibliche Sichtweise auf das Zusammenleben auf beengtem Raum einen informativeren und empathischen Ticken anders.

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Feinfühliger, eindrücklicher, weil mehr hinterfragend, schildert Autorin Becky Chambers, diese Aspekte des Raumfahrerlebens.  Als Beispiel sei hier der Koch- und Leibarzt genannt, der sehr wohl um die Wichtigkeit guten Essens und guter Atmosphäre weiß und sich bemüht, beides herzustellen.  Die in Kalifornien aufgewachsene Tochter einer Astrobiologin und eines Luft- und Raumfahrttechnikers gesellt sich hier zu Autorinnen wie Kate Wilhelm, Ursula K. LeGuin, James Tiptree, C.J.Cherryh oder Lois McMaster Bujor ein. Dabei sind schon Cover und Titel das Zugreifen wert. Was wir beiden hauptverdächtigen Buchstoffler mit dem SciFi Faible natürlich getan haben, überschneidet sich unsrer lesetechnische Sci Fi Menge doch häufig und bereichern wir uns gegenseitig gern mit guten neuen Autoren.

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Foto: Fischer Verlag

Becky Chambers Debüt The Long Way To A Small, Angry Planet finanzierte sie 2012 via Crowdfunding und brachte es 2014 im Eigenverlag heraus. 2015 erschien der Roman in Großbritannien bei Hodder & Stoughton, in den USA bei Harper Voyager. 2016 wurde The Long Way To A Small, Angry Planet für den Arthur C. Clarke Award nominiert.

Becky Chambers hat uns mit ihrem phantastischen Debüt gleichermaßen berühren und begeistern können. Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten liest sich locker – luftig mit unaufdringlichem Humor und zieht einen bereits auf den ersten Seiten in seinen Bann, dem wir uns während des gesamten 539 – Seiten- Buches nicht mehr entziehen konnten. Das Wayfarer Universum besteht aus verschiedensten Spezies, und die junge Rosemary Harper (Homo Sapiens) bewirbt sich auf der Wayfarer, einem Tunnelbohrschiff mit gemischter Besatzung. Unterschiedlich in Kultur und Rasse kommt es trotz gegenseitigem Respekt doch so manches Mal zu Reiz- und Reibungspunkten:

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Becky Chamers - Foto: Fischer Verlag

„Hast Du die Menschen auch manchmal satt? Hin und wieder. Das ist wohl normal, wenn man mit anderen Leuten als seiner eigenen Art zusammenlebt. Ihnen ergeht es bestimmt genauso. Heute habe ich sie eindeutig satt, sagte Sissix und ließ den Kopf wieder zurücksinken. Ich habe ihre fleischigen Gesichter satt. Ich habe ihre glatten Fingerspitzen satt. Ich habe es satt, wie sie das R aussprechen. Ich habe es satt, dass sie nicht riechen können. Ich bin es leid, wie gluckenhaft sie sich bei Kindern aufführen, die nicht einmal ihre eigenen sind. Ich habe es satt, wie neurotisch sie mit Nacktheit umgehen. Am liebsten würde ich jeden Einzelnen von ihnen ohrfeigen, bis sie begreifen, wie unnötig kompliziert sie ihre Familien und ihr Sozialleben und ihr … einfach alles machen.“

Rosemary ist als Verwaltungsassistentin angeheuert und bemüht sich zu integrieren. Jedes Besatzungsmitglied hat einen ganz speziellen Charakter und trägt eine Bürde mit sich herum. Bürden, die im Laufe des Buches offenbar werden und meist einen hochemotionalen Hintergrund haben, der die einzelnen Personen mit einem warmen, persönlichen Touch versieht. Auch Rosemary hat ein Geheimnis, die Crew sieht das aber sehr entspannt:

„Du bist Rosemary Harper. Du hast diesen Namen gewählt, weil der alte nicht mehr zu dir passte. Du musstest dafür ein paar Gesetze brechen, na und? Was soll’s. Das Leben ist nicht gerecht, und Gesetze sind es normalerweise ebenso wenig. Du hast das getan, was du tun musstest. Ich verstehe das.“

Sympathisch, bunt, vielfältig, spannend und teilweise auch politisch hochaktuell geht es auf der Wayfarer zu. Fake News finden sich auch in der fernen Zukunft wieder. So bearbeitet zum Beispiel Nib der Hobby- Archivar Referenzdateien, indem er sich durch alte Fakten gräbt um die öffentlichen Dateien auf neustem und den Tatsachen entsprechendem Stand zu halten:

„Warum versuchen diese Leute überhaupt so etwas zu beweisen?“, fragte Kizzy. „Weil es sich um Idioten handelt.“

Die Vielfalt der Spezies und ihrer Soziologien ist grandios, authentisch und detailliert. Vom Paarungs – und Nachwuchsaufzuchtsverhalten der Aandrisks könnten wir uns z.B. gerne ein paar Scheibchen abschneiden. Wenn wir Eier legen könnten. Hier merkt man, dass die Autorin eben das ist, eine Frau und somit potentielle Mutter, der diese Thematik der Kinderaufzucht doch näher und unmittelbarer ist als männlichen Autoren, und die sich zudem noch ganz offensichtlich mit Biologie und weiteren Wissenschaften auskennt. Ihre Ideen sind ausgereift, wirklichkeitsnah und wissenschaftlich logisch. Was dieses Universum aber erst so richtig rund macht, ist die empathische Sicht der Dinge. Hier ist der Roman am eindringlichsten und stärksten, in Momenten wo sich zwei verschiedene Rassen nähern und wir uns in den Gedanken von Sissix, einer echsenartigen Spezies, finden:

Rosemary, sagte Sissix und ergriff ihre Hand. Sie war warm. Das war bei anderen Spezies immer so, man spürte die Wärme schon, wenn man neben ihnen stand, aber jetzt war es noch deutlicher. Sie hatte sich schon manchmal gefragt, wie es wohl wäre, diese Wärme an sich zu pressen, dort, wo – nein, nein, daran würde sich nicht denken. Noch nicht. Sie musste klug sein. Sie musste vorsichtig sein. Schließlich reagierten Menschen anders auf Paarung. War es nicht so, dass ihre Gehirne danach von Chemikalien überschwemmt wurden, viel mehr als bei normalen Leuten? Auch bei Aandirsks führt Paarung zu Bindung, aber Menschen – Menschen verloren dabei vollkommen den Kopf. Wie ließ es sich sonst erklären, dass eine vernunftbegabte Spezies die Überbevölkerung bis zum Umweltkollaps getrieben hatte? Das war ein Volk, das sich um den Verstand gepaart hatte.“

Ihre Charaktere sind ausgereift, erhalten mit zunehmendem Lesefortschritt immer mehr Substanz und Gesicht, erscheinen greifbar und echt, mit all ihren Macken und Persönlichkeitsaspekten. Die Sprache ist angenehm, auch wenn es um philosophische, soziologische, biologische und technische Details geht. Ganz wichtig: Chambers hat Humor!! Und den merkt man diesem augenzwinkernden Buch an. Eben das lässt einen, viel zu schnell, aber mit Hochgenuss hindurchgleiten.

Sie zeigt auch Weitsicht wenn sie aus den Akten der GU (Galaktischen Union) zur Aufnahme der Spezies Homo Sapiens in ihre Gemeinschaft zitiert:

Die Menschheit ist eine zerstrittene, angeschlagene, pubertäre Spezies, die sich nicht durch ihr eigenes Verdienst in den interstellaren Raum ausgebreitet hat sondern nur durch Zufall. Sie ist nie über das intraspeziäre Chaos hinausgekommen. In dieser Phase der unbeholfenen Pubertät entscheidet es sich ob eine Spezies zu einer globalen Einheit oder in verfeindete Fraktionen zerfällt, die zum Aussterben verurteilt sind sei es durch Krieg oder durch ökologische Katastrophen, die so groß sind, dass man sie nur gemeinsam meistern kann.“

Die Wayfarer Welt ist bunt, liebevoll und schreit nach Erweiterung, so ist es nur gut, dass der ebenfalls im Wayfarer Universum angesiedelte Roman A Closed And Common Orbit 2017 in Großbritannien erschienen ist.

Die deutsche Übersetzung, Zwischen zwei Sternen wurde wieder von Karin Will übersetzt , die bereits beim langen Weg zu einem kleinen, zornigen Planeten wunderbare Arbeit leistete,wird wohl am 25. Februar bei Fischer TOR https://www.fischerverlage.de/buch/zwischen_zwei_sternen/9783596035694

erscheinen.

Heißer SciFITipp 2018

Ich freu mich schon darauf, also: Go get it! Abtauchen ins Wayfarer Universum.

Ganz lieben Dank Thursdaynext, ich denke mit diesem Text hast Du nicht nur mir Lust auf Space Opera und aufs Wayfarer Universum gemacht.

Im nächsten Women in SciFi Beitrag würde ich euch gerne mit ein paar der interessantesten SciFi Protagonistinnen der SciFi Welt bekannt machen.