David Bowie Bookclub

David Bowie war zeitlebens ein unersättlicher Leser. Es gibt von ihm fast so viele Fotos, die ihn bei der Lektüre zeigen, wie von Marilyn Monroe. Seit einer Weile geistert im Internet eine Liste mit Bowies 100 liebsten Büchern herum und Anfang des Jahres hatte sein Sohn Duncan die wunderbare Idee, einen virtuellen David Bowie Bookclub auf Twitter zu gründen.

David Bowie ist eine so spannende Persönlichkeit, ich liebe seine Musik, seine Filme, daher möchte ich mich unbedingt auch mit den Büchern beschäftigen, die für ihn besonders wichtig waren. Da sind ein paar dabei, die ich bereits kenne und gerne wiederlesen möchte, aber auch einiges, was es für mich noch zu entdecken gibt.

Es war also schnell klar, da mache ich mit, auch wenn das bedeutet, dass ich jetzt eine „außer-bookclubige“ virtuelle Affäre habe 😉

Hier die berühmte Liste, ich werde hier nach und nach die Rezensionen der gelesenen Bücher einstellen:

  • Interviews With Francis Bacon – David Sylvester
  • Billy Liar – Keith Waterhouse
  • Room At The Top – John Braine
  • On Having No Head – Douglass Harding
  • Kafka Was The Rage – Anatole Broyard
  • A Clockwork Orange – Anthony Burgess
  • City Of Night – John Rechy
  • The Brief Wondrous Life Of Oscar Wao – Junot Diaz
  • Madame Bovary – Gustave Flaubert
  • Iliad – Homer
  • As I Lay Dying – William Faulkner
  • Tadanori Yokoo – Tadanori Yokoo
  • Berlin Alexanderplatz – Alfred Döblin
  • Inside The Whale And Other Essays – George Orwell
  • Mr. Norris Changes Trains – Christopher Isherwood
  • Halls Dictionary Of Subjects And Symbols In Art – James A. Hall
  • David Bomberg – Richard Cork
  • Blast – Wyndham Lewis
  • Passing – Nella Larson
  • Beyond The Brillo Box – Arthur C. Danto
  • The Origin Of Consciousness In The Breakdown Of The Bicameral Mind – Julian Jaynes
  • In Bluebeard’s Castle – George Steiner
  • Hawksmoor – Peter Ackroyd
  • The Divided Self – R. D. Laing
  • The Stranger – Albert Camus
  • Infants Of The Spring – Wallace Thurman
  • The Quest For Christa T – Christa Wolf
  • The Songlines – Bruce Chatwin
  • Nights At The Circus – Angela Carter
  • The Master And Margarita – Mikhail Bulgakov
  • The Prime Of Miss Jean Brodie – Muriel Spark
  • Lolita – Vladimir Nabokov
  • Herzog – Saul Bellow
  • Puckoon – Spike Milligan
  • Black Boy – Richard Wright
  • The Great Gatsby – F. Scott Fitzgerald
  • The Sailor Who Fell From Grace With The Sea – Yukio Mishima
  • Darkness At Noon – Arthur Koestler
  • The Waste Land – T.S. Elliot
  • McTeague – Frank Norris
  • Money – Martin Amis
  • The Outsider – Colin Wilson
  • Strange People – Frank Edwards
  • English Journey – J.B. Priestley
  • A Confederacy Of Dunces – John Kennedy Toole
  • The Day Of The Locust – Nathanael West
  • 1984 – George Orwell
  • The Life And Times Of Little Richard – Charles White
  • Awopbopaloobop Alopbamboom: The Golden Age of Rock – Nik Cohn
  • Mystery Train – Greil Marcus
  • Beano (comic, ’50s)
  • Raw (comic, ’80s)
  • White Noise – Don DeLillo
  • Sweet Soul Music: Rhythm And Blues And The Southern Dream Of Freedom – Peter Guralnick
  • Silence: Lectures And Writing – John Cage
  • Writers At Work: The Paris Review Interviews edited – Malcolm Cowley
  • The Sound Of The City: The Rise Of Rock And Roll – Charlie Gillete
  • Octobriana And The Russian Underground – Peter Sadecky
  • The Street – Ann Petry
  • Wonder Boys – Michael Chabon
  • Last Exit To Brooklyn – Hubert Selby, Jr.
  • A People’s History Of The United States – Howard Zinn
  • The Age Of American Unreason – Susan Jacoby
  • Metropolitan Life – Fran Lebowitz
  • The Coast Of Utopia – Tom Stoppard
  • The Bridge – Hart Crane
  • All The Emperor’s Horses – David Kidd
  • Fingersmith – Sarah Waters
  • Earthly Powers – Anthony Burgess
  • The 42nd Parallel – John Dos Passos
  • Tales Of Beatnik Glory – Ed Saunders
  • The Bird Artist – Howard Norman
  • Nowhere To Run The Story Of Soul Music – Gerri Hirshey
  • Before The Deluge – Otto Friedrich
  • Sexual Personae: Art And Decadence From Nefertiti To Emily Dickinson – Camille Paglia
  • The American Way Of Death – Jessica Mitford
  • In Cold Blood – Truman Capote
  • Lady Chatterly’s Lover – D.H. Lawrence
  • Teenage – Jon Savage
  • Vile Bodies – Evelyn Waugh
  • The Hidden Persuaders – Vance Packard
  • The Fire Next Time – James Baldwin
  • Viz (comic, early ’80s)
  • Private Eye (satirical magazine, ’60s – ’80s)
  • Selected Poems – Frank O’Hara
  • The Trial Of Henry Kissinger – Christopher Hitchens
  • Flaubert’s Parrot – Julian Barnes
  • Maldodor – Comte de Lautréamont
  • On The Road – Jack Kerouac
  • Mr. Wilson’s Cabinet of Wonders – Lawrence Weschler
  • Zanoni –  Edward Bulwer-Lytton
  • Transcendental Magic, Its Doctine and Ritual – Eliphas Lévi
  • The Gnostic Gospels – Elaine Pagels
  • The Leopard – Giusseppe Di Lampedusa
  • Inferno – Dante Alighieri
  • A Grave For A Dolphin – Alberto Denti di Pirajno
  • The Insult – Rupert Thomson
  • In Between The Sheets – Ian McEwan
  • A People’s Tragedy – Orlando Figes
  • Journey Into The Whirlwind – Eugenia Ginzburg

Los ging der virtuelle Bookclub mit „Hawksmoor“ von Peter Ackroyd:

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Wurden Hawksmoors Londoner Kirchen nach einem speziellen satanischen Prinzip aufgebaut? Dieser Frage geht diese wilde Mischung aus Historienroman, Horror, Krimi und Zeitreise unter anderem nach. Auf dieses düstere Buch muß man sich einlassen, denn es ist nicht wirklich linear erzählt, die Sprache ist historisch und das Thema Psychogeografie sicherlich auch nicht eines, mit dem man sich jeden Tag beschäftigt.

Ich hätte den Roman sicherlich selbst nicht ausgesucht und hätte mich damit um ein ausgesprochen außergewöhnliches Leseerlebnis gebracht. Der Protagonist der Geschichte, Nickolas Dyer, der teilweise auf dem Architekten Nicholas Hawksmoor basiert, hat den Auftrag, sieben Kirchen in London zu bauen. Was keiner weiß ist, dass er ein Satanist ist. Er baut die Kirchen also als Brutstätten der schwarzen Künste, die er beherrscht.

Dyers „Church in the Spittle-Fields“ ist kurz vor der Vollendung, als der Sohn des Steinmetzes beim Aufsetzen des letzten Ziegelsteins von dem Gerüst fällt und stirbt. Dieser Tod bringt Dyer auf die Idee, nach Opfern für seine Kirche zu suchen – vorzugsweise kleine Jungs, um diese in seinen Kirchen zu opfern und zu begraben. So wie man Weinflaschen an Schiffen zur Taufe zerschlägt, opfert er vor der Einweihung der Kirche kleine Jungs. Die sechs (fiktionalen) von ihm erbauten Kirchen formen ein Pentagramm, das er zu einem siebenseitigen Monument  für die sieben Dämonen ausbauen will , die er verehrt.

Hawksmoor ist hingegen tatsächlich der Name seines heutigen Counterparts, der als Polizeikommissar ca 250 Jahre später eine Reihe von Mordfällen untersucht die denen ähneln, die damals im Namen von Dyers satanistischem Kult begangen wurden. Die  Tatorte sind die von Dyer erbauten Kirchen. Dyers Welt und die von Hawskmoor scheinen sich ineinander zu spiegeln, als wäre der spätere Hawksmoor ein Echo des Architekten.

Der Roman springt immer wieder zwischen dem frühen 18. Jahrhundert und den 1980er Jahren hin und her und entsprechend auch die Ausdrucksweise, was den Roman auf englisch zu einer ordentlichen Herausforderung machte.

Die Geschichte ist spannend, aber auch wirklich düster und unheimlich. Von Anfang an liest man atemlos und wäre das ganze ein Film, man würde wohl vorne auf dem Rand des Sitzes kauern, die Hände verkrampft um die Sessellehne gekrallt und man würde immer wieder nach dem Kissen suchen, dass man sich gelegentlich vor die Augen halten würde. David Bowie hat sich anscheinend insbesondere seit seiner „Thin White Duke“-Periode sehr für Okkultes interessiert, das erklärt, wie er auf diesen Roman von Ian Ackroyd gekommen ist.

Das es nicht nur mir so ging zeigten mir die entsprechenden Twitter Bookclub Diskussionen:

„I liked it, even though it freaked me the fuck out.’ „

„Weird, Satan-y, occasionally compelling, often confusing“

Zu diesem Buch passt laut den Diskussionen am besten dieser Song von David Bowie:

 

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10 Kommentare zu “David Bowie Bookclub

  1. Bowie – einer meiner all-time-heroes. Noch dazu habe ich heute mein Bowie T-Shirt an 😉 und ihn einmal live erleben dürfen. Es war einfach gigantisch. Eine Ausstrahlung … greifbar. LG, Bri

  2. Wow, das klingt ja toll 😀 Ich bin ein großer Bowie-Fan, höre mich aber immer noch durch sein Werk und bin noch nicht fertig. Angefangen hat es für mich tatsächlich mit seinen Filmen. Umso untröstlicher war ich, dass ich ihn erst so spät entdeckt habe, nur wenige Jahre bevor er von uns gegangen ist. Das mit dem Bookclub ist eine großartige Idee und ich bin echt erstaunt wieviele Bücher auf der Liste sind, von denen ich noch nicht das mindeste gehört habe O.o

  3. Pingback: Gordimers Hauswaffe & 2. Blogschau – Sören Heim – Lyrik und Prosa

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