#Women in SciFi (47) meets Book-a-Day Challenge Day 8: Mary Shelley’s The Last Man

Luckily Mary Shelley continued to write after her first novel „Frankenstein“ was such a huge success. Today I would like to introduce to you one of her less known works „The Last Man“. The novel starts at the end of the 21st century and ends in the year 2100.

This futuristic story talks about the gradual extermination of the human race by a mysterious plague and a tragic love story. Mary Shelley is not just the Grandmother of Science Fiction, I’m sure she also was the first person to write a post apocalyptic novel. She basically invented the dystopian genre. Compared to this book, Frankenstein is a happy comedy.

“What is there in our nature that is for ever urging us on towards pain and misery?” 

This novel is a slow burn. Like many Victorian authors, Shelly took her time, she did not rush her plot along and she backed it up with ideas and feelings. The book is intriguing, especially for people with an interest in the ideals and philosophies of Victorian times.

“It is a strange fact, but incontestable, that the philanthropist, who ardent in his desire to do good, who patient, reasonable and gentle, yet disdains to use other argument than truth, has less influence over men’s minds than he who, grasping and selfish, refuses not to adopt any means, nor awaken any passion, nor diffuse any falsehood, for the advancement of his cause.”

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The book is partly a „roman a clef“ with the main protagonists modelled after her husband Percy Shelley and Lord Byron. I’m sure Mary Shelley felt pretty lonely after the deaths of so many people that played such a big role in her own life. She created a story about the deconstruction of the Romanticism movement, showing how the world view and optimism of an aesthete never really survives contact with the real world.

“I spread the whole earth out as a map before me. On no one spot of its surface could I put my finger and say, here is safety.” 

This is a pretty sad story and it clearly reflected Mary Shelley’s own life. She also outlived all of her friends and her husband, four of her five children had died and was actually „The Last Relict“.

If you are a little brave and can tolerate the hopelessness and dispair of this novel, you will rewarded with beautiful language, interesting ideas and vivid melancholy pictures of a world that gets lonelier and emptier every day.

Mary Shelley is not just the Ur-Mother of Science Fiction with her novel „Frankenstein“ she is also the Ur-Mother of the apocalyptic novel. I bow my head in respect to Mary Shelley…

Here is a really interesting short BBC documentary on Mary Shelley’s „The Last Man“:

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#WomeninSciFi (44) Zerrissene Erde – N.K. Jemisin

Ein großartiger Nebeneffekt der #WomeninSciFi Reihe ist, dass ich darüber immer wieder spannende Blogs entdecke, die ebenfalls ein Herz für gute Science Fiction haben. Ein solcher ist der Blog „Phantastisch Lesen“, der sich, wieder Name schon sagt, insbesondere mit phantastischer Literatur beschäftigt, aber auch mit Science Fiction, Steampunk etc. Dort ist eine Menge zu entdecken, unter anderem auch noch einiges an Science Fiction von Autorinnen, die wir hier bei #WomeninSciFi noch nicht vorgestellt haben.

Eva stellt uns heute die Hugo-Gewinnerin 2016, 2017 und 2018 für ihre Reihe „Broken Earth“ vor:

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Klappentext:

Inmitten einer sterbenden Welt hat die verzweifelte Essun nur ein Ziel: ihre Tochter aus den Händen eines Mörders zu befreien, den sie nur zu gut kennt.
Seit sich im Herzen des Landes Sansia ein gewaltiger Riss voll brodelnder Lava aufgetan hat, dessen Asche den Himmel verdüstert, scheinen immer mehr Menschen dem Wahnsinn zu verfallen. So lässt der Herrscher seine eigenen Bürger ermorden. Doch nicht Soldaten haben Essuns kleinen Sohn erschlagen und ihre Tochter entführt – sondern ihr eigener Ehemann! Essun folgt den beiden durch ein Land, das zur Todesfalle geworden ist. Und der Krieg ums nackte Überleben steht erst noch bevor.

 Eine politische Aussage, wundervolle Schreibe und spannende Geschichte

 „Du bist sie. Sie ist du. Du bist Essun.“ [S. 25]

Du verlässt die Stadt Tirimo, die Dir und Deinen Kindern Heimat sein sollte. Als Frau mit übernatürlichen Kräften (Orogene) hast Du das große Beben um die Stadt herum gelenkt und Dich damit der Gefahr der Offenbarung ausgesetzt. Denn Orogenie ist verboten, jene, die sie praktizieren, werden verfolgt. Doch das ist nicht der Grund, warum Du Tirimo verlässt. Du suchst nach Deiner Tochter Nassun, die Dein Ehemann Jija entführt hat. Nachdem er Deinen Sohn Uche ermordete, weil du deine Kräfte an die Kinder vererbt hast. Auf dem Weg durch das zerstörte Land triffst Du Hoa und Tonkee. Mit ihnen holt Dich Deine Vergangenheit ein.

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„Normale Menschen können sich nicht um Kinder kümmern, die … so wie sie sind.“ [S. 43]

Der Wächter bringt Damaya nach Yumenes in das Fulcrum, einer Schule, die Orogene ausbildet. Die anfängliche Freundlichkeit der Wächter wandelt sich in Grausamkeit, wenn es darum geht, die Kontrolle über die Kräfte zu lehren. Orogene und Wächter stehen im Dienst des herrschenden Sansi-Verbunds. Den Orogenen werden gemäß ihrer Fähigkeiten Aufgaben zugeteilt, sie kontrollieren den Kontinent.

„Was für eine Scheiße, denkt Syenit hinter ihrem Schutzschild aus freundlichem Lächeln. [S.73]

Syenit ist eine vierfach beringte Orogene des Fulcrum. Mit dem zehnberingten Alabaster soll sie ein Kind zeugen und die Hafenstadt Allia von Korallen befreien. Die Erledigung dieses Auftrags zieht weitreichende Konsequenzen nach sich. Für Synenit, für Alabaster und für den gesamten Kontinent mit dem unpassenden Namen Stille.

Die Schönheit der multiperspektivischen Erzählung

N.K Jemisin wagt in „Zerrissene Erde“ das multiperspektivische Erzählen und setzt es gekonnt um. Die Autorin zwingt dem Leser durch den Gebrauch des Erzählers in der zweiten Person die Identifikation mit der Protagonistin Essun auf. Was den Einstieg in die Geschichte nicht erleichtert, denn Essun ist zunächst keine Sympathin. Auf ihrer Flucht tötet sie Menschen, die sich ihr in den Weg stellen. Was Essun in ihrem Leben widerfahren ist, der Grund für ihre ungezügelte Wut, wird erst nach und nach klar. Zudem ist die Art der Magie, die die Protagonisten ausüben, fremdartig und unerklärlich. Es empfiehlt sich, zunächst die Anhänge I und II am Ende des Romans zu lesen, in denen die Fünftzeiten (also die langandauernden Winterperioden auf dem Kontinent Stille) und verschiedene Begriff erklärt werden

Damaya erzählt aus ihrem Leben am Fulcrum als personaler Erzähler. Ihre Geschichte hat jedoch nur wenig mit denen andere Magierschüler in der Fantasy-Literatur gemein. Es fehlt jegliche Kameradschaft unter den Schülern, ihr Leben dort ist ein einsames Martyrium.

Syenit und Alabasters Geschichte bildet die umfangreichste und zugleich ergreifendste Handlung des Romans. Syenit erzählt ebenfalls aus ihrer Perspektive in der dritten Person. Die beiden werden nie Geliebte, trotz oder auch wegen des erzwungenen Geschlechtsverkehrs, aber fürsorgliche Freunde. Aus der konfliktreichen Zweckgemeinschaft erwächst eine innige Verbindung, geprägt von Respekt, Toleranz und einer konsequent freiheitlichen Gesinnung. Der in Orogenie erfahrenere Alabaster nimmt zunächst die Funktion eines Mentors ein, jedoch erweist sich die neugierige Syenit aufgrund ihrer Lebensklugheit als ebenbürtig. Ihre intelligenten Gespräche erklären auch dem Leser die Welt von Stille. Das Kapitel, in dem sie einen Ort der Freiheit und eine Zeit des Glücks finden, vermittelt Wohlfühlatmosphäre in einer sonst durchgängig düsteren und gefährlichen Welt.

Eine andersartige Welt mit eigener Sprache

Für die Gesellschaft und Landschaft des Kontinents Stille führt N.K Jemisin viele fremdartige Begriffe und Wortschöpfungen ein. Dass diese sich dennoch leicht zuordnen lassen, liegt zum einen am gut sortierten Glossar, zum anderen an der kraftvollen und prägnanten Sprache der Autorin. N.K Jemisin beschreibt und benennt jede Situation unmissverständlich, mitunter verwendet sie eine harte Sprache und Schimpfwörter. Sie versteht sich jedoch auch auf eine poetisch- sensible oder erotische Sprache. Die Extremsituationen, in denen sich die drei Protagonistinnen befinden, erzeugen Wut und Schmerz, allerdings auch seltene und intensive Glücksmomente. N.K Jemisin findet die richtigen Worte und die treffende Tonlage, um jeden Moment dieser außergewöhnlichen Geschichte einzufangen.

Vergleiche zu großen AutorInnen sollte jeder Rezensent sparsam und sorgsam überlegt verwenden. Doch mit N.K. Jemisin und „Zerrissene Erde“ habe ich tatsächlich eine Autorin und einen Roman gefunden, der auf den Pfaden von Ursula K. Le Guins Werk wandelt. Sowohl der facettenreiche Sprachstil, als auch die überlegenen und dennoch scheiternden Helden, sowie die tiefsinnige Botschaft hinter der Geschichte erinnern mich sehr an die jüngst verstorbene, großartige Phantastik-Schriftstellerin. N.K Nemisins Apokalypse ist mehr, als düstere Endzeit-Fantasy. Es ist eine Parabel über die Arroganz des Menschen. Menschen die glauben, dass durch Fortschritt verursachte Probleme durch weiteren Fortschritt zu beheben sind.

 Das Ende ist fast schon gemein

 Deshalb werde ich nichts weiter darüber schreiben. Ich könnte Euch raten, mit dem Lesen der Trilogie zu warten, bis alle Bände ins Deutsche übersetzt vorliegen. Oder die englischsprachigen Originale: „The Fifth Season“, „The Obelisk Gate“, „The Stone Sky“ zu lesen. Doch dann gibt es vielleicht keinen weiteren Band, weil sich „Zerrissene Erde“ zu schlecht verkauft. So lest denn diesen verstörenden und wunderbaren Roman und leidet mit mir, bis der Nachfolgeband beim Knaur Verlag erscheint.

Zerrissene Erde –  N.K. Jemisin (Übersetzung Susanne Gerold)
Knaur Verlag
Taschenbuch
ET: 1. August 2018
ISBN: 978-3426521786
496 Seiten
Preis: 14,99€ [D]

Auf Englisch erschien der Roman unter dem Titel „The Fifth Season“ im Orbit Verlag.

 

 

 

 

#WomeninSciFi (40) Find Me – Laura van den Berg

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„Find Me“ ist eine eine ziemlich surreale außergewöhnliche Dystopie. Ein aggressiver Virus bricht in den USA aus, der bei den Infizierten in kürzester Zeit zu komplettem Gedächtnisverlust, silbernem Ausschlag auf der Haut, rapidem Verlust jeglicher motorischer und kognitiver Funktionen und nach etwa 10 Tagen schließlich zum Tod führt.

Joy scheint als eine der Wenigen immun gegen den Virus zu sein und sie nimmt in einem Krankenhaus in Kansas an einer medizinischen Studie teil, die das Ziel hat ein Gegengift zu entwickeln. Sie wartet an diesem Ort gemeinsam mit anderen Patienten isoliert von der Außenwelt auf das Ende der Epidemie.

Joy wurde als Baby von ihrer Mutter im Stich gelassen und sie wächst in einer ganzen Reihe unterschiedlicher Kinderheime und Pflegefamilien auf. In einem dieser Familien trifft sie auf Marcus, einen Jungen den sie liebt, der immer eine Maske trägt um sein vernarbtes Gesicht zu verstecken. Der Roman ist keine typische Dystopie mehr eine Auseinandersetzung mit Einsamkeit und Identität die für Joy vor und während der Epdemie gleichbedeutend wichtig sind.

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“Is there any greater mystery than the separateness of each person?”

Auch nachdem sie das Krankenhaus irgendwann verlässt um sich auf die Suche nach ihrer biologischen Mutter zu machen, hat sie stets das Gefühl das ein Teil von ihr immer eingesperrt sein wird.

„Find Me“ ist ein Roman den man in kleinen Portionen genießen sollte. Eine Geschichte voller Geheimnisse und Dunkelheit. Das Buch fühlte sich für mich fast wie zwei unterschiedliche Romane an. Eine dunkle Dystopie die in dem bizarren abgeschiedenen Krankenhaus spielt und die Geschichte eines Road Trips durch ein seltsames zerbrochenes Land.

“Hope is a seductive thing,“ he says. „Hope can make people lose all sense.”

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WomeninSciFi (39) Speak – Louisa Hall

 

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Verrückt eigentlich, dass die „Gefahr“, die von den „Maschinen“ ausgeht, viel weniger darin liegt, dass diese sich irgendwann wie in Terminator z.B. gegen uns erheben, sondern vielmehr, dass wir einfach partout die Finger nicht mehr von ihnen lassen können. Sie sind nicht so sehr eine Gefahr unserer motorischen Fähigkeiten, da Roboter uns alles mögliche abnehmen, sondern sie haben sich tief in unser Nervensystem eingegraben. Wir wollen nicht mehr ohne. Wir haben uns so daran gewöhnt permanent „online“ zu sein, stets und ständig unsere Meinungen und Ansichten zu äußern, Bilder zu posten, Informationen abzurufen, uns zu messen und zu optimieren.

“And what if they took over? What if they relieved us of power? We tend to assume that sentient machines would be inevitably demonic. But what if they were responsible leaders? Could they do much worse than we’ve done? They would immediately institute a system of laws. The constitution would be algorithmic. They would govern the world according to functions and the axioms their programmers gave them.”

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Louise Hall hat in ihrem intelligenten fesselnden Roman tief in unser Innerstes gesehen und sich mit unseren Süchten und Sehnsüchten auseinandergesetzt. Wir befinden uns im Jahr 2040, die Menschheit ist in Rehab und versucht, einem ernsten Fall von weltweiter Roboter-Abhängigkeit Herr zu werden. Der Roman beginnt damit, dass die Babybots, die puppengleichen Roboter,  die für diese Sucht-Seuche verantwortlich waren, den Kindern abgenommen wurden. Die Babybots werden in riesigen Warenlagern abgeladen, die Algorithmen zucken noch ein wenig, bis die Batterien alle sind und sie in Vergessenheit geraten.

Fünf unterschiedliche Stimmen werden von Hall elegant miteinander verwoben und beschäftigen sich mit der philosophischen Frage was ist Erinnerung? Was macht eine Person tatsächlich aus?  Wo verlaufen die Grenzen zwischen Mensch und Maschine ?

“Our primary function is speech: questions, and responses selected from memory according to a formula. We speak, but there is little evidence of real comprehension.”

Die Charaktere sind über Raum und Zeit miteinander verbunden, da gibt es Ausschnitte aus dem Tagebuch eines englischen Mädchens aus dem 16. Jahrhundert, die auf dem Weg nach Amerika ist. Briefe von Alan Turing an die Mutter seiner ersten großen Liebe, die Briefe eines Artificial-Intelligence-Programmierers namens Carl Dettman und seiner Frau, Auszüge einer Biografie eines Mannes namens Stephen Chinn der im Gefängnis sitzt und Auszüge der Unterhaltungen eines jungen Mädchens mit ihrem Babybot.

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Eine dystopische Atmosphäre durchzieht den Roman, die Menschheit kämpft mit sich immer weiter ausbreitenden Wüsten, steigendem Meeresspiegel und nicht näher erklärten Reisebeschränkungen. Der Roman beschäftigt sich intensiv mit Artificial Intelligence, einem Thema, um das man aktuell kaum herumkommt. Alan Turing vertrat die Ansicht, dass man einen Computer intelligent nennen könne, wenn ein Fragesteller nicht unterscheiden könne, ob die Antworten von einem Menschen oder einer Maschine gegeben werden. Die Protagonisten der Geschichte versuchen AI zu nutzen, um Erinnerungen zu bewahren an geliebte Menschen (oder Tiere), die sie verloren haben. Lange wurde in der Philosophie über den Unterschied von Mensch und Tier diskutiert, eine ähnliche Diskussion die wir führen werden, wenn es um den Unterschied zwischen Mensch und Maschine geht. Wenn Erinnerungen Teil des Bewusstseins ausmachen, sind Menschen mit Gedächtnisverlust dann einer Maschine gleicher als ein Computer mit nahezu unbegrenztem Erinnerungsvermögen.

“Speak” ist eine bewegende Geschichte mit spannenden Protagonisten und Fragestellungen, die mich noch lange beschäftigt haben und beschäftigen werden. Besonders zu empfehlen für Fans von David Mitchells „Cloud Atlas“ oder Margaret Atwoods „Madaddams“ Trilogie.

So verwachsen ich selbst auch hin- und wieder mit meinen technologischen Gadgets bin, kommt so ein süßes Hündchen um die Ecke und will spielen, dann haben die Maschinen zum Glück auch weiterhin keine Chance.

„Are you there?“

„Can you here me?“

Hier noch ein interessantes Interview mit der Autorin auf NPR.

#WomeninSciFi (31) Legend Trilogie – Marie Lu

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Frau Wonnie von den Münchner Küchenexperimenten ist in Raumstationen eher für das realistisch-bodenständige zuständig und es ist gar nicht so einfach, sie Science Fiction-technisch aus ihrem Orbit zu locken.

Dystopien schaffen das aber immer mal wieder und natürlich lauerte ich schon darauf, wann sie endlich mal wieder zu entsprechender Lektüre einer Autorin griff, um sie für die #WomeninSciFi Aktion zu gewinnen.

Mit „Legend“ und „Prodigy“ stellt sie die ersten beiden Bände der Young Adult Triologie von Marie Lu vor, die mit dieser Dystopie, die in einer düsteren militärischen Zukunft spielt, ihren Durchbruch erzielte und die aktuell gerade verfilmt wird.

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Wir befinden uns in der ehemaligen USA, die nun eine Republik ist, die sich im Krieg mit ihren Nachbarn befindet. Die Hauptakteure sind June, die eine Elite-Familie geboren wurde und in einem der reichsten Bezirke der Republik aufwächst, und Day, der das genaue Gegenteil darstellt – arm und aufgewachsen im Slum.

Day ist einer der meistgesuchtesten Kriminellen – seine Beweggründe sind jedoch keinesfalls schlechte: Er versucht einfach nur, seine Familie zu ernähren und sich um  seinen kranken Bruder zu kümmern.

Man erfährt nicht viel, wie es zu der “neuen Welt” kam und das Buch ist eine klare Dystopie, wie sie auch heute schon oft zu spüren ist: Arm gegen reich. An einer tödlichen Seuche erkrankte und Gesunde. Jugendliche nehmen an Tests teil, die ihre Fähigkeiten beweisen sollen.  Die besten werden zu einer Elitearmee ausgebildet. Die schlechtesten… nun ja.

June gehört zu einer der besten. Als ihr Bruder, dem sie sehr nahe steht, weil sie quasi ohne Eltern aufwächst, getötet wird, fällt der Verdacht auf Day. June will nur eins – Rache. An Day.

Dafür begibt sie sich auf die dunkle, arme Seite und “mischt sich unters Volk”. Und gerät direkt in eine gefährliche Situation, aus der ihr herausgeholfen wird. Von Day, aber das weiß sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Sie schläft mit Day und seiner Ziehschwester Tess unter einer Brücke und lernt die zwei dort besser kennen. Ein Science-Fiction-Element darf natürlich auch nicht fehlen – June, 15 Jahre, kann in fünf Sekunden ein fünfstöckiges Haus hochklettern und Kugeln ausweichen. Day verfügt über spidermanartige Fähigkeiten.

Am Ende kriegen sie Day aber doch.

Im zweiten Band der Trilogie „Prodigy“ hat June zwischenzeitlich erfahren, dass es nicht Day war, der ihren Bruder getötet hat, und das seine Motive eigentlich ganz nobel sind. Es hilft sicher auch, dass sie sich zwischenzeitlich in ihn verliebt hat.  Deswegen unterstützt June Day bei seiner Flucht aus der Gefangenschaft der Republik. Das funktioniert nicht ohne Hilfe. Diese suchen sie ausgerechnet bei den Patrioten, einer rebellischen Gruppe. Sie machen sich auf den Weg nach Las Vegas, um sich diesen anzuschließen.

Als sie dort ankommen erfahren sie, dass der alte Elector, Oberhaupt der Republik gestorben ist und sein Sohn Anden die Nachfolge antritt. Die Patrioten jedoch planen, den Nachfolger auszuhalten, damit eine Rebellion losgetreten wird wird. Sie spannen June und Day für ihre Zwecke ein. Dazu wird June wieder in die Republik geschickt, um sich “einzuschmeicheln” und Reue zu bekennen. June kommt Anden nahe, vielleicht zu nahe…

Den dritten Band hebe ich mir noch etwas auf. Die Bücher lassen sich flüssig lesen, die Geschichte ist zeitweise recht spannend, aber man merkt schon, dass die Zielgruppe eher Teenager sind.

Auf deutsch erschien die Serie unter dem gleichnamigen Titel im Loewe Verlag.

#WomeninSciFi (29) Vom Ende An – Megan Hunter

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WAS WIR ANFANG NENNEN, IST OFT DAS ENDE,
UND EIN ENDE MACHEN HEISST EINEN ANFANG MACHEN
AM ENDE BRECHEN WIR AUF.“
(T. S. ELIOT, VIER QUARTETTE)

Das hier ein Dystopie-Fan zu Hause ist, dürfte man wahrscheinlich bereits bemerkt haben, vielleicht aber auch das ich da nicht einfach zu kriegen bin, denn Atmosphäre, Sprache, dahinter liegende Philosophie müssen stimmen, damit ich auch wirklich drauf anspringe.

Megan Hunters Debut hat zuerst durch das wunderschöne Cover neugierig gemacht. Aber nicht nur. Das sie mit einem Gedichtband auf der Shortlist des Bridport Prizes stand, merkt man dem Roman an, erinnern die kurzen Sätze allein vom Druckbild her eher an Gedichte als an einen Roman.

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Während die steigenden Meeresspiegel ganz London zu überfluten drohen und damit eine Bedrohung katastrophalen Ausmasses auslösen, treffen wir auf eine namenlose junge Frau die kurz davor ist ein Kind zu gebären.

„Mein üblicher Zynismus ist von Angst vertrieben worden, der Angst vor Schmerzen, vor Kontrollverlust, vor allem, was blutig ist und sich dehnt.

Der Augenblick der Geburt steht mir bevor wie früher meine Entjungferung, wie der Tod. Das Unvermeidliche, im Innern verborgen und irgendwo draußen auf der Lauer.“

Zeitgleich fast mit ihrer Fruchtblase reißen auch die Dämme und nur Tage nach der Geburt ihres kleinen Jungen Z ist die kleine Familie gezwungen ihre Wohnung zu verlassen und sich in Sicherheit zu geben. Sie wandern von Ort zu Ort, auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe. Die Mutter ist hin- und her gerissen zwischen Angst und Staunen ob der ersten Berührungen und Entdeckungen ihres kleinen Sohnes in diese beunruhigende Welt hinein. Glücklich und neugierig, trotz aller Unsicherheiten.

Es ist die Geschichte einer jungen Mutter die nicht nur mit ihrer neuen Rolle zurecht kommen muss, sondern sich auch in einer zunehmend fremden Welt wider findet. Megan Hunter hat ein überaus poetisches seltsam schönes Buch geschrieben, das ein mögliches Zukunftszenario beschreibt – realistisch und bedrohlich und doch voller Liebe und Hoffnung.

„Vom Ende an“ erinnert gelegentlich an Cormac McCarthy’s „The Road“ wobei das ja nahezu jedem dystopischen Roman mittlerweile nachgesagt wird. Es ist ähnlich distanziert, hat für mich aber deutlich mehr Poesie und Hoffnung. Es ist aus der Sicht der Mutter geschrieben, der Vater bleibt eine Randfigur und wir erleben nur den Anfang dieser bedrohlichen Katastrophe.

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Die Charaktere bleiben durchweg namenlos, einzig durch ein Initial erkennbar, dadurch fällt es dem Leser schwerer eine Bindung zu den Protagonisten aufzubauen. Dadurch aber wird die Katastrophe selbst umso realistischer. Jeder von uns könnte R oder S oder Z sein, das macht die Geschichte so greifbar, lässt die Bedrohung und den Horror ganz langsam einsickern und vorstellbar werden.

„Ich bewege meine Hand über die Wege der fleckigen Wand, geäderte Wasserpfade als Aufzeichnung all der Tage, die wir nicht erlebt haben.“

Vielleicht hätte ich mir die Protagonisten etwas dreidimensionaler gewünscht, aber es lebt auch ganz klar von seiner spartanen spröden Schönheit. „Vom Ende an“ ist ein besonderer, einzigartiger Roman, den ich sehr gerne gelesen habe. Vielleicht sollte man den Roman wie Gedichte mehrfach lesen, um ihn Schicht für Schicht freizulegen und ihm immer mehr seiner Geheimnisse zu entlocken.

Es wundert mich nicht, dass Benedict Cumberbatch sich hier die Filmrechte gesichert hat, ich bin schon sehr auf die Verfilmung gespannt und caste zwischenzeitlich schon mal die Hauptdarstellerin 😉

Ich danke dem C. H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar.

#WomeninSciFi (10) The Children of Men – PD James

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PD James ist eigentlich eine Autorin die man mit Mordfällen, englischer Tea time, britischem Humor und vorzüglichen Manieren in Verbindung bringt und nicht wirklich mit Sci Fi. Annette vom Blog „Nettebücherkiste“ hat in ihrer Bücherksite einen SciFi Roman der Queen of Crime entdeckt, der vor ein paar Jahren auch sehr erfolgreich verfilmt wurde.

Ich habe mich sehr über Annettes Teilnahme gefreut, die mich immer wieder mit der unglaublichen Bandbreite an Themen auf ihrem Blog ins Staunen bringt und der ich so manchen interessanten Büchertipp verdanke. Ich habe das Gefühl wir könnten uns auf der Buchmesse die Tage unerkannt über den Weg gelaufen sein, sollte das so sein, müssen wir das im nächsten Jahr unbedingt besser koordinieren, damit mal ein Treffen möglich ist.

Jetzt geht es aber per kurzer Zeitreise in die gar nicht so entfernte Zukunft und übergeben PD James das Wort, die uns in ein dystopisches England entführt:

Oxford, Großbritannien im Jahr 2021. Eine Welt ohne Kinder. 1995 war das letzte Jahr auf der Erde, in dem Kinder geboren wurden. Sie nennen es das Jahr „Omega“ und die in ihm geborenen Kinder „Omegas“. Lange hatte man noch die Hoffnung, die Ursache für die Kinderlosigkeit ergründen und ein Mittel dagegen finden zu können. Inzwischen hat sich die Menschheit jedoch mehr oder weniger mit ihrem absehbaren Ende abgefunden und sich arrangiert. Die Anzahl der Suizide ist beträchtlich gestiegen, sodass man sich nicht mehr anders zu helfen wusste, als nahe Verwandte zu bestrafen. Katzen und Puppen dienen als Kinderersatz für all die Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch. Und Großbritannien ist keine Demokratie mehr. Stattdessen herrscht Xan Lyppiatt, der sich als der „Warden“ (dt. in etwa „Hüter“) von England bezeichnet, in einem despotischen System. Theo Farin ist Geschichtsprofessor in Oxford und der Cousin des Warden. Als solcher gehörte er eine Zeit lang zum Beraterteam des Warden, ist aber inzwischen daraus ausgeschieden. Doch dann bittet eine kleine Gruppe, die für die Wiederherstellung der Demokratie kämpfen will, Theo um seine Unterstützung.

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Die im Jahr 2014 verstorbene Schriftstellerin P. D. James ist eher als Autorin von Kriminalromanen bekannt, darunter auch die Krimifortsetzung des Austen-Romans „Stolz und Vorurteil“ namens „Der Tod kommt nach Pemberley“. Wir haben es hier also nicht mit dem Werk einer auf Science-Fiction und Dystopien spezialisierten Autorin zu tun, tatsächlich ist es ihr einziges Werk aus diesem Genre. So erwartet den Leser hier auch kein „typischer“ Science-Fiction-Roman, sondern eine ruhige Dystopie. Wer eine schnell vorangetriebene Handlung und Action sucht, wird in diesem Buch nicht fündig. P. D. James lässt sich viel Zeit mit der Gestaltung und der Schilderung ihrer Zukunftsvision, die zwar kein brutales Schreckensszenario darstellt, aber stille Grausamkeit beinhaltet. So wird, wer alt und krank ist, ermutigt, (mehr oder weniger) freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Diese und weitere Konsequenzen der Kinderlosigkeit werden eindrücklich beschrieben, tatsächlich ist dies wohl der interessanteste Aspekt an P. D. James‘ Roman.

Geschildert werden auch die Jugend des Protagonisten an der Seite des heutigen Warden von England und ihre Beziehung zueinander. Nun soll Theo den Warden kontaktieren, um für die Dissidentengruppe zu vermitteln. Als dies erfolglos bleibt und die Situation der Gruppe eskaliert, wird der Roman zum Road-Trip und Horrortrip. Es ist schwierig, darauf einzugehen, ohne zu spoilern, daher beschränke ich mich darauf, anzumerken, dass auch hier trotz des nun höheren Tempos der Handlung Zeit für ethisch-moralische Überlegungen bleibt. Sprachlich ist der Roman anspruchsvoll und bietet einen hohen Lesegenuss. Gegen Ende hin wird das Geschehen jedoch allzu vorhersehbar, überschreitet gar die Grenze zum Trivialen. Das Finale scheint weniger durchdacht, kann das bisherige Niveau des Romans nicht halten. Hierzu tragen vor allem die unglaubwürdige eingeflochtene Liebesgeschichte sowie  der unbefriedigende, etwas banale Ausgang des Romans bei. PD. James entwirft ein interessantes Szenario auf hohem sprachlichen Niveau, kann jedoch letzten Endes nicht ganz mit der Handlung ihrer Dystopie überzeugen.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Bingereaderin für die Möglichkeit, an dieser tollen Aktion teilzunehmen!


Auf deutsch erschien der Roman unter dem Titel „Im Land der leeren Häuser“ im Knaus Verlag.

Hier der Trailer zum Film, den ich absolut empfehlen kann: