N. P – Banana Yoshimoto

NP

Kazami, die Erzählerin, arbeitet wie ihre Mutter als Übersetzerin. Ein paar Jahre nach dem Selbstmord ihres Freundes, der ebenfalls als Übersetzer tätig war, trifft sie die Kinder des Autors der Kurzgeschichten-Sammlung NP (benannt nach einem alten Song „North Point). NP scheint verflucht zu sein. Der Autor selbst, Sarao Takase, hat Selbstmord begangen, ebenso drei der Übersetzer, die versuchten das Werk ins Japanische zu übersetzen. Takases Kinder sind ziemlich besessen von den Geschichten.

Insbesondere von der Geschichte, in der ein Mann eine Affäre mit einem jungen Mädchen hat, das sich später als seine Tochter herausstellt. Eine kaum verhüllte Anspielung auf Takases Affäre mit seiner eigenen Tochter Minowa. Diese wiederum ist jetzt mit ihrem Halbbruder Otohiko zusammen, eine Situation, die beiden mehr und mehr zu schaffen macht und die durch Minowas unerwartete Schwangerschaft zu einem dramatischen Ende kommt.

NP ist ein wilde Kombination aus Inzest, Selbstmord und kaputten Beziehungen. Man könnte das ganze für einen Krimi halten, aber das ganze ist dann doch mehr die Geschichte dreier Mädchen und eines Jungen, die sich auf unterschiedliche Weise zueinander hingezogen fühlen.

„Aber nicht einschlafen können hat auch was für sich. Die Nacht ist interessant. Für Leute, die sofort einschlafen, ist sie im Nu vorbei, aber dem, der sich durchwacht, kann sie wie ein ganzes Menschenleben vorkommen. Bisweilen hat man sogar das Gefühl, Zeit gewonnen zu haben.“

Die Atmosphäre ist traumartig, die Sprache recht spartan aber ich wurde einfach das Gefühl nicht los das ganze sei eine nicht zu Ende entwickelte Kurzgeschichte. Am liebsten hätte ich sie um- oder weitergeschrieben. Die Charaktere sind allesamt ziemlich schräg und narzistisch und so wirklich warm wurde ich nicht mit ihnen.

Nach den phantastischen Büchern „Kitchen“ und „Tsugumi“ empfand ich NP als deutlich schwächer. Es wird aber nicht mein letzter Yoshimoto gewesen sein.

„Ich sah den Himmel und das Meer und den Sand und die flackernden Flammen des Lagerfeuers – meine Sicht war noch verschwommen von den Tränen. Alles auf einmal stürmte mit schwindelerregender Geschwindigkeit in meinen Kopf, daß mir die Augen rollten. Die ganze Welt, alles, was geschehen war, war wunderschön – wahnsinnig schön, zum Verrücktwerden.

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