Lektüre Dezember 21 + Januar 22

A Tale of Two Cities – Charles Dickens, Penguin

Das war mal wieder eine tolle gemeinsame Leseaktion unter dem #Dickens2Cities auf Twitter mit meinen wunderbaren Mitstreiter:innen Miss Booleana (ihre großartige Rezension des Buches könnt ihr hier lesen), Jana vom Blog Wissenstagebuch sowie Matthias alias @_quoth_ 

It was the best of times, it was the worst of times, it was the age of wisdom, it was the age of foolishness, it was the epoch of belief, it was the epoch of incredulity, it was the season of light, it was the season of darkness, it was the spring of hope, it was the winter of despair.

Verbundensein – Kae Tempest, Suhrkamp Nova übersetzt von Conny Lösch

Kae Tempests erster großer Essay ist zugleich intimes Selbstporträt, hellsichtige Zeitdiagnose und mitreißendes Plädoyer für mehr Selbstsorge, Empathie und Gemeinsinn.

Mitgefühl ist, wenn man nicht vergisst, dass jede:r eine eigene Geschichte hat. Viele Geschichten. Und daran denkt, Raum zu schaffen, um sich die Geschichte anderer anzuhören, bevor man seine eigene erzählt.

A Gentleman in Moscow – Amor Towles, Windmill Books auf deutsch erschienen unter dem Titel Ein Gentleman in Moskau im Ullstein Verlag

Moskau, 1922. Der genussfreudige Lebemann Graf Rostov wird verhaftet und zu lebenslangem Hausarrest verurteilt, ausgerechnet im Hotel Metropol, dem ersten Haus am Platz. Er muss alle bisher genossenen Privilegien aufgeben und eine Arbeit als Hilfskellner annehmen. Rostov mit seinen 30 Jahren ist ein äußerst liebenswürdiger, immer optimistischer Gentleman. Wurde im Bookclub fast einstimmig geliebt, hat mir sehr sehr gut gefallen.

If a man does not master his circumstances then he is bound to be mastered by them

Das Dorf der toten Seelen – Camilla Steen, Harper Collins, übersetzt von Nina Hoyer

Alice Lindstedt hat gerade die Filmhochschule in Stockholm abgeschlossen und plant, ihren ersten Dokumentarfilm zu drehen: über Silvertjärn, einen abgelegenen Grubenort im Wald von Norrland in dem vor 60 Jahrenunter ungeklärten Umständen alle Bewohner von einem Tag auf den anderen verschwinden. Tolle Atmosphäre, nicht wahnsinnig spannend, aber ich könnte es mir ganz gut als Film vorstellen.

A Haunted House – Virginia Woolf, Triad Grafton

A Haunted House ist eine 1944 erschienene Sammlung von 18 Kurzgeschichten von Virginia Woolf. Sie wurde von ihrem Ehemann Leonard Woolf nach ihrem Tod produziert, obwohl er im Vorwort erklärt, dass sie die Produktion gemeinsam besprochen hatten

Safe, safe, safe,” the heart of the house beats proudly. “Long years—” he sighs. “Again you found me.” “Here,” she murmurs, “sleeping; in the garden reading; laughing, rolling apples in the loft. Here we left our treasure—” Stooping, their light lifts the lids upon my eyes. “Safe! safe! safe!” the pulse of the house beats wildly. Waking, I cry “Oh, is this your buried treasure? The light in the heart.

Wie soll ich leben: oder das Leben Montaignes – Sarah Bakewell, Beck Verlag übers. von Rita Seuß

Lebe den Augenblick! – Philosophiere nur zufällig! – Bedenke alles, bereue nichts! – Mit diesen und anderen Antworten auf die eine Frage „Wie soll ich leben?“ führt Sarah Bakewell durch das ungewöhnliche Leben des Weingutbesitzers, Liebhabers, Essayisten, Bürgermeisters und Reisenden Michel de Montaigne. Dabei gelingt ihr das Kunststück, ihn ganz im 16. Jahrhundert, im Zeitalter der Religionskriege, zu verorten und gerade dadurch für unsere Zeit verständlich zu machen. 

The trick is to maintain a kind of naïve amazement at each instant of experience – but, as Montaigne learned, one of the best techniques for doing this is to write about everything. Simply describing an object on your table, or the view from your window opens your eyes to how marvelous such ordinary things are. To look inside yourself is to open up an even more fantastical realm.

Tyrant: Shakespeare on Power – Stephen Greenblatt, The Bodley Head auf deutsch erschienen unter dem Titel Der Tyrann im Siedler Verlag

Wie kann es sein, dass eine große Nation in die Hände eines Tyrannen fällt? In seinen Dramen – von „Richard III.“ bis „Julius Cäsar“ – hat sich William Shakespeare immer wieder mit diesen Fragen beschäftigt und vom Aufstieg der Tyrannen, von ihrer Herrschaft und ihrem Niedergang erzählt. Stephen Greenblatt, einer der renommiertesten Shakespeare-Experten unserer Zeit, zeigt uns, wie präzise und anschaulich der Dichter aus Stratford das Wesen der Tyrannei eingefangen hat – und wie erschreckend aktuell uns dies heute erscheint.

Populism may look like an embrace of the have-nots, but in reality it is a form of cynical exploitation. The unscrupulous leader has no actual interest in bettering the lot of the poor. Surrounded from birth with great wealth, his tastes run to extravagant luxuries, and he finds nothing remotely appealing the lives of underclasses… But he sees that they can be made to further his ambition.

Will in the World – Stephen Greenblatt, Pimlico auf deutsch erschienen unter dem Titel „Will in der Welt“ im Pantheon Verlag

Shakespeare ist wohl der bekannteste Dramatiker aller Zeiten, doch über sein Leben wissen wir so gut wie nichts. Kein Brief blieb von ihm erhalten, wir kennen nur ein paar dürre Lebensdaten, vereinzelte Schriftsätze aus Prozessen, die er betrieb – und ein überaus nüchternes Testament, in dem er seiner Frau sein zweitbestes Bett vermacht. In seiner hochgelobten Biographie versucht Stephen Greenblatt mit detektivischem Scharfsinn, die Lücken dieser Lebensgeschichte zu füllen und hinter das Geheimnis zu kommen, wie aus einem talentierten Jungen aus einer englischen Kleinstadt der größte Dramatiker aller Zeiten werden konnte, kurz: wie Shakespeare zu Shakespeare wurde.

The Elizabethan Renaissance – A. L. Rowse, Macmillan

Die elisabethanische Renaissance ist ein Beitrag zur Sozialgeschichte und porträtiert das Leben der einzelnen Klassen vom Hof abwärts – Adel, Adelige, Mittelstand, Landbevölkerung – und ihre bewusste oder unbewusste Mentalität, die ihre Lebensweise mit ihrer Folklore und ihrem Glauben, ihren Bräuchen und ihrem Sport prägte.

The Scotch ambassador, Melville, saw well enough that her (Elizbeth I) deepest passion was to rule and that she would never give herself a master – as any sixteenth-century woman did by marrying.

Die europäische Renaissance – Peter Burke, Beck Verlag, übersetzt von Klaus Kochmann

Von den Anfängen um 1330 bis zu den Ausläufern rund drei Jahrhunderte später erzählt dieses Buch die Geschichte der Renaissance. Peter Burke führt den Leser darin zu den großen Schauplätzen der Epoche von Italien bis in den europäischen Norden, er porträtiert ihre großen Protagonisten von Petrarca bis zu Kepler und Shakespeare, und er zeigt mit genauer Beobachtungsgabe Kräfte und Tendenzen einer einzigartigen kulturellen Bewegung.

Die Stellung der Frau wurde in der Renaissance weniger randständig als zuvor. Zwei italienische Anthologien aus der Mitte des 16. Jahrhunderts … widmeten sich ausschließlich den literarischen Arbeiten von Frauen.

Das Geheimnis von Shadowbrook – Susan Fletcher übersetzt von Marieke Heimburger, Insel Verlag

Im Sommer 1914 wird die junge Botanikerin Clara Waterfield von London nach Gloucestershire gerufen: Sie soll auf einem Landsitz namens Shadowbrook den Aufbau eines Gewächshauses mit exotischen Pflanzen aus den Kew Gardens betreuen. Doch das alte, mit Glyzinien bewachsene Wohnhaus wirkt seltsam abweisend, die meisten Räume stehen leer oder sind verschlossen, der Eigentümer Mr. Fox ist viel auf Reisen. Haushälterin und Dienstmädchen wirken verängstigt – denn nachts scheint es im Haus zu spuken. 

Das waren zwei großartige Lesemonate. Ich habe die ruhige Zeit zwischen den Jahren sehr genossen. Kennt ihr etwas von den Büchern oder habt ihr vielleicht Lust bekommen auf das Eine oder das Andere?

Kleine gemischte Tüte

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Carolin Emckes „Wie wir begehren“ ist zugleich eine biografische Erinnerung, als auch ein Essay, in dem sie den Fragen nachgeht, die ihr im Laufe ihres Lebens immer wieder begegnen. Es sind Fragen, die aus den Erfahrungen der Autorin entstanden sind, aus ihren Entscheidungen und aus dem, was sie sagt und was sie verschweigt.

Gekonnt verknüpft sie persönliches mit politischem, sie berichtet von ihrem Alltag als Journalistin in Krisen- und Kriegsgebieten, während sie ihren persönlichen Hintergrund stets aufs neue beleuchtet, hinterfragt, wieviel Ehrlichkeit und Authentizität der jeweiligen Situation angemessen ist und auch, wieviel davon ihre eigene und die Sicherheit ihrer Übersetzer und Weggefährten etwa gefährdet.

Mich hat die Geschichte des offensichtlich schwulen Übersetzers in Gaza sehr berührt. Wie schwierig es war zu ahnen, ob andere eine Ahnung davon hatten oder er selbst eigentlich von seinem Schwulsein wusste.

„Wer den Normen entspricht, kann es sich leisten zu bezweifeln, dass es sie gibt“

„Wie wir begehren“ ist eine komplexe, nachdenkliche, artikulierte Lektüre. Das erforscht anschaulich die menschliche Psyche und die Beziehung zu ihren eigenen Wünschen.

Emcke untersucht die soziale Dynamik des Begehrens und der Identität (Wir sind nicht nur das, was wir sein wollen, wir sind auch das, was andere aus uns machen), die Quelle der Entstehung des Begehrens, die Form, die es annimmt, die Art und Weise, wie es entsteht und ausgedrückt wird.

„Es war die Arroganz ihrer Klasse, die eingeübte Herablassung, die sich als schützend erwies für diese Jungen, weil sie der psychischen Ungleichheit der Erwachsenen-Kind-Relation eine andere, mächtigere Ungleichheit gegenüberstellte.“

Ab und an habe ich den roten Faden etwas verloren und die musiktheoretischen Abstecher hätten etwas kürzer sein dürfen, aber insgesamt ein sehr interessanter Einblick in das Entdecken und Wiederentdecken der eigenen Identität und des Begehrens.

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Ein unerbittlicher Strom von Wahlmöglichkeiten konfrontiert uns ständig, und doch bietet uns unsere Kultur nicht wirklich Möglichkeiten, uns zu entscheiden. Das Dilemma scheint unvermeidlich, aber tatsächlich ist es relativ neu. Im mittelalterlichen Europa war die Stimme Gottes die zentrale Kraft, im antiken Griechenland stand gar ein ganzes Pantheon strahlender Götter bereit, um den Menschen als Vorbilder zu dienen. Können in unserer Kultur, in der der Glaube an Gott nicht mehr selbstverständlich ist, trotzdem noch mit den homerischen Stimmungen des Staunens und der Dankbarkeit in Berührung kommen und uns von den Bedeutungen leiten lassen, die sie offenbaren?

„Wenn Wallace damit recht hatte und falls es genau diese kulturelle Konstellation ist, auf die er so ungemein sensibel reagierte, dann bedeutet sein Selbstmord sehr viel mehr als den Verlust eines einzelnen talentierten Menschen. Dann ist er eine Warnung, die unsere höchste Aufmerksamkeit erfordert – ein Kanarienvogel in der Kohlemine unserer modernen Existenz, der vor tödlichen Gasen warnt.“

Die Autoren von „Alles, was Leuchtet“ glauben das zumindest. Hubert Dreyfus und Sean Dorrance Kelly beleuchten einige der größten Werke des Westens, um zu identifizieren, wie wir unsere leidenschaftliche Auseinandersetzung mit der Welt und unsere Empfindsamkeit verloren haben. Ihre Reise führt uns vom Wunder und der Offenheit des Polytheismus Homers, zum Monotheismus Dantes, von der Autonomie Kants zu den vielfältigen Welten Melvilles und schließlich zu den spirituellen Schwierigkeiten, die von modernen Autoren wie David Foster Wallace und Elizabeth Gilbert heraufbeschworen werden.

Dreyfus, seit vierzig Jahren Philosoph an der University of California, Berkeley, ist ein origineller Denker, der in den klassischen Texten unserer Kultur eine neue Relevanz für das Alltagsleben der Menschen findet.

Die Schlussfolgerungen, zu denen die Autoren kommen, sind durchaus interessant – wir fühlen uns am Lebendigsten, wenn wir uns auf eine Aktivität einlassen, die uns über uns selbst hinaushebt. Dies geschieht oft im Sport, wenn wir „im Flow“ sind. Die „Götter“ rufen uns auf, unsere Sensibilität zu kultivieren, und das Staunen nicht zu verlieren.

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Die „Mary Russell“ liegt 1823 im kleinen Hafen von Cove vor Anker. Sie ist kein gewöhnliches Schiff, sondern Gegenstand einer Untersuchung und wilder Spekulationen: In der Kabine liegen die Leichen von sieben brutal geschlagenen Männern, der Kapitän ist verschwunden. Der Forschers und Predigers William Scoresby und dessen Schwager machen es sich zur Aufgabe, die Überlebenden zu befragen und anhand der Zeugenaussagen eine Idee davon zu bekommen, warum und vor allem von wem die sieben Matrosen getötet wurden.

Nach und nach fügen sich die zunächst widersprüchlich erscheinenden Augenzeugenberichte zu einem halbwegs passenden Puzzle zusammen – oder war alles doch vielleicht ganz anders, als es auf den ersten Blick scheint?

Alexander Pechmann trifft in diesem modernen Schauerroman wunderbar den Ton eines im positiven Sinne altmodischen Abenteuerromans, der sich gut in die Gedankenwelt der Menschen im 19. Jahrhundert hineinversetzen kann, eine Welt, in der der Wille Gottes selbst vor Gericht noch Gewicht hatte.

„Morley und ich froren ebenfalls wie verlorene Seelen, doch wollte ich mir nichts anmerken lassen und bat lediglich einen der Schiffsjungen darum, meine Pfeife rauchen zu dürfen, die mir schon in schlimmeren Situationen Wärme und Trost gespendet hat. Da keiner der anderen Männer an Deck erschienen war, befanden sich inzwischen wohl alle in der Gewalt des Käptns und unter der Aufsicht der drei Jungs, die keine Fesseln trugen, sondern bewaffnet mit ner Harpune, nem Kappbeil und nem Dreizack an Deck patrouillierten.“

Mit 161 Seiten ist es ein kompaktes, aber sehr unterhaltsames Lesevergnügen. Man ist sofort mitten im Geschehen und ist gemeinsam mit den beiden „Ermittlern“ am spekulieren, was nun wirklich passiert sein könnte. Das Ganze ist mehr psychologische Studie als Krimi, was der Spannung aber keinen Abbruch tut.

Ein wunderbarer kleiner Roman für Liebhaber von Abenteuergeschichten à la Jack London, von Meutereien, Geheimnissen und Seebären.

Welches Buch darf es also sein für dich sein? (hier bitte Herzblatt Stimme vorstellen:) Möchtest du mit Carolin Emcke über die Begierde diskutieren, mit den Herren Dreyfus und Kelly den Sinn des Lebens in großer Literatur suchen oder doch lieber mit Alexander Pechmann in See stechen und Abenteuer erleben?

Day 14 – A book that made you cry

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Well it would probably be a bit over the top to say the book made me cry – I don’t cry that easily usually only when fictional people (or Octopus) die. The “Hillbilly Elegy” didn’t make me cry, but quite sad actually for the generations of kids that get born in f*** up families.

The book keeps being mentioned as the one that helps explain why the white working class in the US voted for Trump and coming from white working class with a hint of white trash background myself that kinda stuff interests me a lot.

Poverty, Chaos, Helplessness, violence, drugs and alcohol that is the vicious cycle for a lot of white American working class families in the US. Detached from their political leadership class and suspended from the rest of society and therefore susceptible for populistic slogans. In the past “Hillbillys” had at least the chance to work their ways up in factories in the Manufacturing belt in the old industries but latest with the end of the 20th century the decline of these industries dragged the Hillbilly families down with them and they have never recovered from it turning the manufacturing belt into the rust belt of the country.

“Barack Obama strikes at the heart of our deepest insecurities. He is a good father while many of us aren’t. He wears suits to his job while we wear overalls, if we’re lucky enough to have a job at all. His wife tells us that we shouldn’t be feeding our children certain foods, and we hate her for it—not because we think she’s wrong but because we know she’s right.”

JD Vance talks about the history of his family and draws a picture of failure and the resignation of a complete society class. Vance manages to make the situation of the people in the huge Appalachian area more tangible and understandable. His Grandparents were typical Hillbillys in a sense that they believed in Guns and Gods and hard work, they were probably the last generation that had at least partially the sense that they can influence their own fate.

“What separates the successful from the unsuccessful are the expectations that they had for their own lives. Yet the message of the right is increasingly: It’s not your fault that you’re a loser; it’s the government’s fault.”

“If you believe that hard work pays off, then you work hard; if you think it’s hard to get ahead even when you try, then why try at all? Similarly, when people do fail, this mind-set allows them to look outward. I once ran into an old acquaintance at a Middletown bar who told me that he had recently quit his job because he was sick of waking up early. I later saw him complaining on Facebook about the “Obama economy” and how it had affected his life. I don’t doubt that the Obama economy has affected many, but this man is assuredly not among them. His status in life is directly attributable to the choices he’s made, and his life will improve only through better decisions. But for him to make better choices, he needs to live in an environment that forces him to ask tough questions about himself. There is a cultural movement in the white working class to blame problems on society or the government, and that movement gains adherents by the day.” 

JDs most powerful influences were his grandparents that he called Mamaw and Papaw: very fierce, hard-drinking fighters with a strong belief in honor and family solidarity. They might beat their kids but beware if an outsider would ever say one harsh word to them… Both did their own children not much good especially not JD’s mother, a heroin and painkiller addict with a bewildering number of boyfriends and husbands – but by the time JD needed them they had softened a bit and gave him the love and support he needed to succeed.

“For kids like me, the part of the brain that deals with stress and conflict is always activated…We are constantly ready to fight or flee, because there is a constant exposure to the bear, whether that bear is an alcoholic dad or an unhinged mom”

On one hand there are a lot of similarities. My brother and I were also (more or less successfully) rescued by my Grandmother and would it not have been for her,  my life would have been completely different and certainly not nearly as good as it is now. I can also relate to the feeling of being a stranger of not belonging after the social upward move, I still have lot’s of awkward moments when being in company that somehow gives me the feeling (to be honest I give this feeling to myself most of the time) of not belonging, of not exactly knowing “how to behave”.

“social mobility isn’t just about money and economics, it’s about a lifestyle change. The wealthy and the powerful aren’t just wealthy and powerful; they follow a different set of norms and mores. When you go from working-class to professional-class, almost everything about your old life becomes unfashionable at best or unhealthy at worst.” 

“We don’t study as children, and we don’t make our kids study when we’re parents. Our kids perform poorly in school. We might get angry with them, but we never give them the tools—like peace and quiet at home—to succeed.” 

“interviews showed me that successful people are playing an entirely different game. They don’t flood the job market with résumés, hoping that some employer will grace them with an interview. They network. They email a friend of a friend to make sure their name gets the look it deserves. They have their uncles call old college buddies. They have their school’s career service office set up interviews months in advance on their behalf. They have parents tell them how to dress, what to say, and whom to schmooze.” 

The difference is I didn’t feel I belonged to the grim council estate working class reality of my childhood either. I was always drawn to the people that are now often labeled so  unfavorably “Elites”. I hated the violence around me, I never saw it as anything to be proud of and was trying to escape as quickly as I could (dragging my Granny along as far as it was possibly). And I had many kind more intellectual people who helped me see a more positive future and who acted as role models and supporters.

So this is probably my personal biggest challenge with the book, that I generally highly recommend and found very insightful: He felt he belonged with the Hillbillys and had to adapt to live in the world of Yale etc. That was not the case for me. I never felt home where I came from but I don’t always feel 100% accepted in the social order that I moved into. Maybe I’m just jealous of him 😉

The most important factor to escape poverty is to have a stable environment around you and at least one person that protects and helps you.

JD Vance is doing a good job in not offering over simplified solutions for huge problems. Interesting how partially pretty similar experiences turn one into quite the religious convervative guy and another one into an atheist liberal.

Where I 100% agree with him: Not just in the US – the same is true here in Germany:  It’s dangerous if huge parts of society have the impression they have absolutely no influence on their own fate. If people don’t even try because they are born in a culture of learned helplessness, that turns them into victims and makes them remain victims if they don’t manage to change this perspective.

“I don’t know what the answer is, precisely, but I know it starts when we stop blaming Obama or Bush or faceless companies and ask ourselves what we can do to make things better.”

Das Buch erschien auf deutsch unter dem Titel: „Hillbilly Elegy: Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise“

Short and Sweet

Es wird mal wieder Zeit für eine Short and Sweet Session, jedes Einzelne der Bücher hätte eine ausführliche Rezension verdient, die Binge Readerin ist aber zu faul und möchte ihren Stapel wegbekommen, daher hier kurz und knackig die Kurzrezensionen der gelesenen und bisher noch nicht rezensierten Bücher der letzten Wochen.

Ich lasse dem wunderbaren Dandy Fritz J Raddatz den Vortritt, dessen Erinnerungen „Unruhestifer“ mich sehr begeistert haben. Habe ihn ehrlich gesagt erst seit kürzerer Zeit auf dem Radar, ausgelöst meine ich durch ein Interview in „druckfrisch“ vor ein paar Jahren, aber wow – was für eine spannende Persönlichkeit.

Er war meine passende Reisebegleitung nach Hamburg.

Raddatz

Seine Erinnerungen sind eine actionreiche, glamouröse Tour de Force durch den Kulturbetrieb der BRD. Der ehemalige Programmchef des Rowohlt-Verlages und ehemalige Feuilleton-Chef der Zeit hat als Literaturkritiker, Autoren-Entdecker und Feuilletonist überall mächtig Staub aufgewirbelt und kein Stein auf dem anderen gelassen. Für mich waren insbesondere der Anfang, seine Wurzeln, Familienhintergründe und seine späten Erinnerungen von besonderem Interesse, da ich doch mit einigen Namen aus dem früheren Kulturbetrieb nicht wirklich etwas anfangen konnte. Herr Raddatz schaut dem Feuilleton unter den Rock und wir ihm voyeuristisch dabei über die Schulter. Unbedingt kaufen und lesen.

„Unsere Beziehung, die wir – und wir beide wissen, warum – sachlich gehalten haben, weil Nähe nur aus Distanz möglich ist, weil man sich nicht duzt, wenn man sich per Sie näher ist – diese Beziehung sollte erlauben, auch spontan für den anderen da zu sein, ohne sich Intimitäten breit auszuwalzen.“

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Von meiner entzückenden Buchmessen-Begleiterin Birgit von Sätze und Schätze habe ich kürzlich passenderweise Raddatz‘ „Bestarium der deutschen Literatur“ geschenkt bekommen, das bot sich natürlich gleich als Anschlusslektüre an. Die literarischen Fabeltiere der Gegenwartsliteratur sind ausgesprochen charmant und die Zeichnungen von Klaus Ensikat absolut meisterhaft.

Jane Jacobs – The Godmother of the American City ist die legendäre Autorin des einflussreichen Buches „The Death and Life of Great American Cities“ das seit seinem Erscheinen 1961 ununterbrochen wieder verlegt wurde und die maßgeblich Einfluss auf die Disziplinen Stadtplanung und städtische Architektur genommen hat.

jane Jacobs

In der „Last Interview„-Reihe umfasst ihre Interview aus den Jahren 1962, 1978, 2001 und das letzte aus dem Jahr 2005.  Die Gespräche beleuchten die einzigartige Karriere der beliebten und einflussreichen Intellektuellen und Aktivistin, die sich schon in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts für eine organische nachhaltige Stadtplanung eingesetzt hat.

Jane Jacobs ist in Deutschland noch recht unbekannt, als Einstieg kann ich diesen Band absolut empfehlen. Eine brilliante Analystin, Ökonomin und politische Kommentatorin, die sich lohnt kennenzulernen.

„Jacobs has probably bludgeoned more old songs, rallied more support, fought harder, caused more trouble, and made more enemies than any other American woman … She is the terror of every politican in town“

Eine unterhaltsame Zugfahrt bereitete mir vor einer ganzen Weile schon Daniel Kehlmanns „F“ – der Roman erzählt von drei Brüdern, die – jeder auf seine Weise – Betrüger, Heuchler, Fälscher sind. Das „F“ hängt von Anfang an schicksalsschwer über ihren Köpfen in Form von Familie, Fälschung, Fehlentscheidungen und das Kapitel mit dem Hypnotiseur war einfach nur brilliant, zum Ende hin ist es etwas abgefallen, aber Kehlmann ist eigentlich immer ein Garant für Unterhaltung auf hohem Niveau.

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„Keiner konnte einem helfen. Kein Buch, kein Lehrer. Alles Entscheidende musste man aus eigener Kraft lernen, und gelang es nicht, hatte man sein Leben verfehlt. Iwan fragte sich oft, wie Leute, die nichts Besonderes konnten, das Dasein eigentlich ertrugen.“

Vladimir NabokovsInvitation to a Beheading“ verkörpert die reichlich bizarre Vision einer komplett irrationalen und absurden Welt. In der März-Lektüre unseres Bookclubs geht es um einen jungen Mann namens Cincinnatus, der in einem nicht genannten Land im Gefängnis sitzt und auf seine Hinrichtung wartet. Seine Begegnungen dort sind komplett irrational und reichen von Henkern, die sich als Gefangene maskieren, bis hin zu phantastischen Gefängniswärtern und künstlichen Spinnen.

Im Inneren des Traumzustandes herrscht jedoch eine gewisse Logik, die der Erzählung seine Glaubwürdigkeit verleiht: Wir glauben, dass in einem totalitären Staat das Schicksal eines Cincinnatus nur allzu real ist. Das erinnert an die Megalomanie der Tyrannen, die ja leider gerade wieder Hochkonjunktur haben.

Nabokov

“But then I have long since grown accustomed to the thought that what we call dreams is semi-reality, the promise of reality, a foreglimpse and a whiff of it; that is they contain, in a very vague, diluted state, more genuine reality than our vaunted waking life which, in its turn, is semi-sleep, an evil drowsiness into which penetrate in grotesque disguise the sounds and sights of the real world, flowing beyond the periphery of the mind—as when you hear during sleep a dreadful insidious tale because a branch is scraping on the pane, or see yourself sinking into snow because your blanket is sliding off.”

Die Angst eines Sträflings in der Todeszelle wirkt unglaublich beklemmend und man teilt seine Unglauben über seine Umstände, seine Reue für nicht wirklich begangene Verstöße und Misserfolge und seine falsche Hoffnung auf Rettung. Wenn Cincinnatus am Ende auf dem Weg zur Hinrichtung ist, lässt er seinen Henker durch die Kraft seiner Gedanken verschwinden und mit ihm zerfällt die gesamte Welt um ihn herum. Oder nicht?

Cincinnatus hätte sich sicherlich gut mit Kafkas K oder Figuren aus Becketts Stücken verstanden, das Absurde hat nicht jedem in unserem Bookclub zugesagt, auf die wunderschöne Sprache Nabokovs konnten wir uns hingegen absolut einigen. Ich kam aus dem Unterstreichen gar nicht mehr hinaus. „Lolita“ ist nach wie vor mein absoluter Lieblingsroman von Nabokov, aber dieses kleine Büchlein hat es absolut in sich – große Empfehlung von mir.

“What are these hopes, and who is this savior?” “Imagination,” replied Cincinnatus.”

  • Fritz J. Raddatz – „Unruhestifter“ ist im Ullstein Verlag erschienen
  • Fritz J. Raddatz – „Bestarium der deutschen Literatur“ ist im Rowohlt Verlag erschienen
  • Jane Jacobs – „The Last Interview“ ist bei Melville House erschienen
  • Daniel Kehlmann – „F“ ist im Rowohlt Verlag erschienen
  • Vladimir Nabokov – „Invitation to a Beheading“ ist auf deutsch unter dem Titel „Einladung zur Enthauptung“ im Rowohlt Verlag erschienen