Meine Woche

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Gesehen: „Lolita“ (1997) von Adrian Lyne mit Jeremy Irons und Dominique Swain. Gelungene Nabokov-Verfilmung, mit wunderschönen Bildern.

Une Femme est une femme“ (1961) von Jean-Luc Godard mit Anna Karina und Jean-Paul Belmondo. Die Farben ! Die Musik! Die Buch Szene ! Hatte trotz etwas abstruser Story viel Spaß.

Gehört: „Whisky and Wine“ – Planning for Burial „Forever More“ – Molokko, „Solis“ Hermione Harvestman „On Dockweiler Beach“ – Ana & Ina „Ragged Hollow“ Nevada Greene „Your halo is a swarm of bees“ – Clara Engel „Terrestrial Non“ Loop Goat „Hit to the Head“ – Actors

Gelesen: Nimmt das Silicon Valley sein Sexismus-Problem endlich ernst fragen Wired und The Atlantic ? Naomi Alderman über „How feminist science fiction predicted the future“, Yuval Noah Harari erkärt warum der Homo Sapiens verschwinden wird und wie sich das staubige Merriam Webster Wörterbuch neu erfunden hat

Getan: Leipzig erkundet, was für eine wunderbare Stadt, die Buchmesse unsicher gemacht, viele tolle Bloggerkollegen, Verlagsmenschen und Autoren getroffen, zu viele Bücher auf die „muss ich unbedingt lesen-Liste“ gepackt, Streetart fotografiert und abends die müden Füsse massiert.

Geplant: eine spannende Podiumsdiskussion in Prag zu „Redefining the role of Women in Telecom“ zu führen und danach auf nach Berlin zur „New Work Experience“ Konferenz

Gegessen: tschechisches Gulasch (mit Sättigungsbeilage) wie bei Oma im Kollektiv

Getrunken: Staropramen

Gelacht: wie Zebras über die Straße gehen

Geärgert: das ich keine Schlafbrille eingepackt hab

Gefreut: über die vielen spannenden Begegnungen und die mega freundlichen Menschen in Leipzig

Gewünscht: dieses Lowboard, dieses String-Regal und mein AirB&B Bett hier in Leipzig

Geklickt: auf den Unterschied zwischen Nerds und Geeks, wie die Tech Branche so männlich wurde und diesen TED Talk „4 Principles for an open world“

Gekauft: zu viele Bücher, Comics und Batman Tshirts

Gefunden: Inspiration

Gewundert: wieviele Kilometer man auf so einer Buchmesse abreissen kann

The Power – Naomi Alderman

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Da hatte Margaret Atwood tatsächlich recht. Dieser Roman hat mich aus den Socken gehauen. „The Power“ ist die außergewöhnliche Geschichte, wie sich das Kräfteverhältnis in der Welt verändern würde, wenn Frauen plötzlich diejenigen wären, die die „Power“ hätten und es ist gleichzeitig ein provokant-feministischer Blick auf unsere gegenwärtige Welt.

Die Geschichte beginnt in etwa 2000 Jahren, in der unsere Gegenwart als die „Cataclysm Era“ bezeichnet wird, denn sie endete mit einem weltweiten katastrophalen Krieg, aus der neue Zivilisationen hervorgingen. Zu Beginn des Buches leben sie in einer Gesellschaft, die der unseren ähnlich ist. Der einzige große Unterschied ist, dass nach der Katastrophe alle Frauen mit einem Skein geboren werden. Einem internen Organ, das Energiestöße freisetzen kann, die so heftig sein können, das man jemanden damit verletzen, kontrollieren, töten aber auch heilen kann – genannt „the Power“.

Frauen wurden durch diese Entwicklung immer mächtiger und alle Gesellschaften, die ab dem Zeitpunkt historisch erwähnt werden, sind Matriarchate. Wir erfahren all das über die Zukunft, über den Email-Austausch zwischen dem Autor des „historischen Textes“und der Redakteurin jeweils am Anfang und Ende des Romans. Der Roman selbst beschäftigt sich mit dem, was der Autor (ein Mann) als Auslöser für die Katastrophe annimmt. Der Roman den wir lesen spielt also zu unserer Zeit in unserer patriarchalischen Welt und beginnt mit dem Moment, in dem die ersten Frauen mit einem Skein und somit der Power geboren werden und wie zeigt, wie schnell sich das Kräfteverhältnis in der Welt von den Männern zu den Frauen hin verschoben hat.

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Alderman beschäftigt sich mit der Idee, das Power immer eine korrumpierende Sache ist, die Menschen dazu bringt schlimme Dinge zu tun, einfach nur weil sie können, unabhängig, ob es sich um Frauen oder Männer handelt. Auch wenn man sich vielleicht erhoffen würde, Frauen würden mit einer solchen Power besser umgehen, hat Aldermanwahrscheinlich recht. Wer Power hat, der nutzt sie wohl meistens auch, obwohl es auch immer Ausnahmen gibt.

Frauen sind Männern nicht moralisch überlegen und zu schrecklichen Dingen ganz genauso befähigt. All die schrecklichen Dinge, die Frauen in diesem Roman Männern antun, passieren jeden Tag auf unseren Straßen. Männer, die Angst haben alleine durch dunkle Straßen zu gehen, die es vermeiden, Frauen in die Augen zu sehen aus Angst, sie zu provizieren, Frauen, die die Arbeit von Männern als die ihre ausgeben oder Guerilla-Frauen, die die Geschlechtsteile von Männern verstümmeln oder Männer vergewaltigen und es filmen – all das sind „normale“ Geschehnisse für Frauen, die irre provakant wirken, wenn die Rollen dabei vertauscht sind.

“This is the trouble with history. You can’t see what’s not there. You can look at an empty space and see that something’s missing, but there’s no way to know what it was.”

“It doesn’t matter that she shouldn’t, that she never would. What matters is that she could, if she wanted. The power to hurt is a kind of wealth.”

Wer jetzt Sorge hat, dass es sich hierbei um ein durch und durch dunkel-verstörendes Buch handelt, den kann ich beruhigen. Es gibt eine Menge Humor im Buch, insbesondere im Email-Austausch zwischen dem Autor und der Redakteurin.

“The truth has always been a more complex commodity than the market can easily package and sell.”

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Naomi Alderman ist eine der interessantesten Persönlichkeiten, die ich bislang so kennenlernen durfte. Sie ist unglaublich intelligent, witzig und charismatisch. Ich hatte das Glück, sie ein Wochenende lang auf dem Reading Weekend in Tilton House zu erleben und ich war mega beeindruckt von ihr. Sie studierte Philosophie, Politik und Ökonomie in Oxford und ihr Vater ist ein bekannter jüdischer Historiker. Naomis Debutroman „Ungehorsam“ ist eine Geschichte über die lesbische Tochter eines Rabbis und wird aktuell mit Rachel McAdams und Rachel Weisz verfilmt.

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Foto: Rolexmentorprotege.com

2012 war sie ein Jahr lang Protege von Margaret Atwood im Rahmen des Rolex-Mentor-Programmes, in dem erfahrene Meister ihres Faches mit jungen Talenten für ein Jahr one-on-one Austausch zusammengebracht werden. Der Roman „The Power“ ist unter anderem Resultat dieses fruchtbaren Austausches.

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In Tilton House las sie aus ihrem Roman „The Liars Gospel“, in der es um die Geschichte der Belagerung von Jerusalem geht, erzählt aus vier unterschiedlichen Perspektiven (Maria der Mutter von Jesus, Judas Ischariot, Kaiphas und Barabbas).

Neben all dem fand sie auch noch die Zeit, an der Running-App von „Zombie Run“ mitzuarbeiten. She’s got the Power 😉

 

Meine Woche

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Gesehen: „ARQ“ (2016) von Tony Elliot mit Rachel Taylor (aus Jessica Jones). Sci-Fi Thriller über ein paar Leute die in einem Labor und einer Zeitschleife gefangen sind. Gelungen und spannend.

Interstellar“ (2014) von Christopher Nolan. Ich bin ein riesiger Nolan Fan und daher wahrscheinlich nicht objekiv. Ich fand den Film grandios, obwohl ich weder mit Matthew McConaughey noch mit Anne Hathaway viel anfangen kann, aber gut die Hauptrolle spielt ohnehin die Library.

Coraline“ (2009) von Henry Selick. Animierter Film mit wunderschönen Bildern, der auf Neil Gaimans gleichnamigem Buch beruht.

Amanda Knox“ (2016) Dokumentation von Rod Blackhurst über den einen der kontroversesten Mordpressze der letzten Jahre. Hab das damals nicht so verfolgt in der Presse und wusste daher vorher so gut wie nichts darüber. Heftig, ist mir noch ein paar Tage nachgegangen.

Gehört: „Blue Faces“ – Archive, „Stay“ – Hans Zimmer, „Stunt Queen“ – Bloc Party, „Light Falls“ – Wrekmeister Harmonies,  „Do not go gentle into that night“ – Dylan Thomas

Gelesen: diesen Artikel über die Philosophin Martha Nussbaum, diesen dystopischen Artikel in der Zeit, wenn AI uns die Arbeit wegnehmen wird in Zukunft, wie die griechische Kulturszene mit der Krise umgeht

Getan: viel im Meer geschwommen, in der Hängematte und am Strand gelegen, dem Sommer auf Kreta die letzten Sonnenstrahlen abgerungen, geschrieben und philosophiert

Geplant: ein neues gebrauchtes Zweitrad finden, ein Dogsitter-Wochenende mit Mambo

Gegessen: jede Menge griechischen Salat, Zaziki, gegrillten Oktopus…

Getrunken: Raki

Gelacht: Taxi for Trump

Geärgert: der Fluglotsenstreik hat unsere Pläne ziemlich durcheinander gebracht

Gefreut: über die immer wahrscheinlicher werdende Verfilmung von Naomi Aldermans Buch „Disobedience“ mit Rachel Weisz und Rachel McAdams. Congratulatons Naomi 🙂

Gewünscht: dieses Regal, diese Loft, dieses Ladekabel

Gefunden: tolle Pflanzen-Ableger auf Kreta

Geklickt: auf diesen TED Talk von Ellen Jorgensen über Crispr, Robert de Niros – klare Worte zu Trump

Gewundert: wie teuer Radl Reparaturen werden können 😦

Meine Woche

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Gesehen: „PRIMER“ von Shane Carruth, abgefahrener low-budget Zeitreise-Film mit Kult-Potential. Macht zum Ende hin ziemlich Knoten ins Hirn aber unbedingt anschauen.

The Third Man“ von Carol Reed – tolle Stimmung, zu Recht ein Klassiker.

Around the Block“ von Sarah Spillane, ein Film über eine Lehrerin die ihre vom Absturz gefährdeten Schüler unter ihre Fittiche nimmt. Gar nicht schlecht der Film, wenn man ihn nicht hauptsächlich wegen Ruby Rose ausleiht, die dann einen etwa 20sek Auftritt hat (wollen ja keinen angucken) 😉

Gehört:  „La Paloma“ – Acid Pauli ft Wareika, „Ashes to Ashes“ – Danny Michael, „Carried Mask“ – Youth Code, „Born to Die“ – Lana del Rey, „Strangers“ – Portishead

Gelesen: diesen Artikel zum Tod von Richard Rorty, darüber warum es gut ist die Welt zu verbessern, this case against equality of opportunity,  Obamas Interview mit seiner Lieblingsschriftstellerin Marilynne Robinson, diesen Artikel von Naomi Alderman über die notwendige Zusammenarbeit von Kunst und Technologie und Herrn Knausgards Bericht über Houellebecq, beide Herren liegen bislang noch ungelesen hier herum

Getan: Sales Assessments durchgeführt, ein sehr nettes Gespräch geführt mit früheren Kollegen die sich als Trainer selbständig gemacht haben und ein leckeres Abendessen genossen in der Nudo Pastabar.

Gegessen: diese leckere Asia-Nudelsuppe und spannende Harissa-Waffeln mit Ei und Postelein zum Frühstück heute

Getrunken: einen sehr guten Rotwein im Nudo

Gefreut: über das wundervolle Wetter im Moment

Geärgert: das ich die „Buch als Magazin“-Launchparty doch nicht besuchen konnte wegen blöder Kopfschmerzen

Gelacht: über die Bücher-Beerdigung in OITNB

Geplant: OP nächste Woche gut überstehen und dann ratzfatz wieder fit werden

Gewünscht: diese Schuhe und dieses Regal

Gekauft: dieses Bild

Geklickt: auf diese commencement speach von Tim Minchin, auf die erste Folge von „Hundert Meisterwerke und ihre Geheimnisse“ auf Arte

Gewundert: wie eklig Kurkuma schmeckt

The Happy Reader

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Dieses wunderschöne neue Magazin war eines meiner schönsten und unerwartetsten Geburtstagsgeschenke. „The Happy Reader“ ist ein Heft, das in Kollaboration zwischen dem britischen Penguin Verlag und dem Fantastic Man Magazin viermal im Jahr erscheint. Jede Ausgabe beschäftigt sich mit einem anderen Klassiker.

Das ist ein Heft, das das Lesen zelebriert, ein Fest für jeden, der sich inspirieren lassen möchte, das gleichermassen informiert, als auch unterhält. Und es ist zudem so wunderschön. Die Typografie begeistert, das Heft ist für mich ein Designobjekt, das wundervoll analog Leselust verbreitet, einlädt, sich den Luxus zu gönnen offline zu sein und eine Weile zu bleiben. Es zelebriert den Mythos des gedruckten Papieres und des ästhetischen Designs.

Die Zweiteilung des Heftes erinnert ein wenig an „Das Buch als Magazin“, wobei hier die erste Hälfte ein ausgiebiges Interview mit einem Buch Aficionado ist und die zweite Hälfte sich ausgiebig mit einem Klassiker aus der Penguin Classics Reihe beschäftigt. Es bietet die Gelegenheit, sich erneut oder zum ersten Mal auf das Buch der Saison einzulassen und „The Happy Reader“ tut das auf sehr unterschiedliche und unter teilweise außergewöhnlichen Blickwinkeln.

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Die erste Ausgabe die im Winter 2014 erschien, umfasst ein umfangreiches Interview mit dem britischen Schauspieler und bekennenden Bücherwurm Dan Stevens und die Erkundung eines meiner absoluten Lieblingsbücher, dem viktorianischen Thriller „The Woman in White“. Das Interview führt im übrigen die brilliante Naomi Alderman, die ich auf einem Reading Weekend in Sussex kennenlernen durfte. Das hat mich ganz besonders gefreut.

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Die Frühlingsausgabe beschäftigt sich ausgiebig mit „The Book of Tea“ von Kakuzo Okakura. Da gibt es nicht nur Anweisungen zu der perfekten Art des Aufgusses und einen Einblick in „Tea in Jail“, sondern es wird auch eine passende Nachmittags-Tee-Playliste geliefert.

Das Interview in dieser Ausgabe führt die amerikanische Autorin Sadie Stein mit Kim Gordon, der Mitbegründerin, Sängerin und Gitarristin der Band „Sonic Youth“, die vor kurzem ihre Autobiografie „Girl in a Band“ veröffentlicht hat.

Das Abonnement ist schon für den Preis von Porto und Verpackung zu haben. Also nicht lange nachdenken, liebe Freunde der edlen Buchkunst, abonnieren, lesen, glücklich sein 🙂

Hier noch ein Interview mit Herausgeber Seb Emina
http://magculture.com/at-work-with-seb-emina-the-happy-reader/