Meine Woche

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Gesehen: „Colette“ (2018) von Wash Westmoreland mit Keira Knightley. Gelungenes Biopic über eine vielschichtige Autorin, von der ich bislang noch nichts wirklich gelesen habe.

The Ninth Gate“ (1999) von Roman Polanski mit Johnny Depp. Den wollte ich wirklich mögen. Ein Antiquar als Hauptdarsteller, jede Menge Bücher, aber das war echter komplett unausgegorener Käse mit Unmengen an Product Placements.

Gehört: „Bury a friend“ – Billy Eilish, „Heart to break“ and „Close your Eyes“ – Kim Petras, „Safe Me“ – Lacuna Coil, „Ghosteen“ – Nick Cave & The Seeds, „Ave Maria“ – Jessye Norman, „Avicii“ – Thees Ullmann, „Glissando for Bodies and Machines in Space“ – Christina Vantzou

Gelesen: Frauen im Rock’n’Roll,  Why lesbian films should be named as such, Why Capitalism is broken, Laura Lipman on diets, dieses Interview mit Jeanette Winterson, The next big reading platform may be Instagram, The oral history of Lilith Fair

Getan: im Regen geradelt, ein Abend auf der Wiesn verbracht und ein sehr schönes Dinner mit Freunden gehabt

Geplant: ein gutes Bootcamp durchführen

Gegessen: diesen glutenfreien Schokokuchen

Gefreut: über ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk und über unser neues mega bequemes Bett

Geweint: nein

Geklickt und gestaunt: London’s abandoned underground, ein Oktopus beim Träumen ?und beim Öffnen eines Glases und Lisa Simpson warnte schon vor etlichen Jahren vor dem Klimawandel

Gelacht: über dieses gehäkelte Alien-Kostüm

Gewünscht: dieses Regal, dieses Bild, dieses Bad

Gefunden: nix

Gekauft: nix

Gedacht: Herbst ist ein zweiter Frühling, wo jedes Blatt zur Blüte wird – Albert Camus

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Darlinghissima – Janet Flanner

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Die Frauen der Left Bank in Paris haben mich immer schon sehr fasziniert und Janet Flanner ganz besonders. Ich habe kürzlich ihre Kurzportraits „Legendäre Frauen und ein Mann – Transatlantische Portraits“ gelesen und ich war einfach neugierig auf die Frau hinter dem Pseudonym „Genet“, die über 50 Jahre lang regelmäßig alle zwei Wochen für den New Yorker ihren „Letter from Paris“ über aktuelle politische, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte ihres Lebens in Paris schrieb.

Flanner kam in den 20er Jahren mit ihrer Partnerin Solita Solano (was für ein Name! 😉 ) in Paris an und wurde innerhalb kürzester Zeit Mitglied des intellektuellen Künstlerkreises um Getrude Stein, Alice B. Toklas, Djuna Barnes, Natalie Clifford Barney, Romaine Brooks, die später als die „Frauen der Left Bank“ bekannt werden sollten. Was würde ich dafür geben wie im Film „Midnight in Paris“ einmal nur in dem Kreis verbringen zu dürfen. Nur zuhören und beobachten und ein Gläschen Whisky dabei trinken.

Sie war ihr lebenlang als Journalistin tätig und politisch stets interessiert. Den 2. Weltkrieg verbrachte sie in New York wo sie 1940 die gebürtige Italienerin Natalia Danesi Murray traf und mit ihr und ihrem Sohn zusammenlebte. Schon während der Olympischen Sommerspiele 1938 veröffentlichte sie ein kritisches Portrait über Hitler und war nach dem Sieg der Allierten als eine der ersten Journalistinnen zurück in Paris, wo sie als Kriegsberichtserstatterin für den New Yorker unter anderem über die Nürnberger Prozesse berichtet.

Ihr Treffen mit der damals 38jährigen Natalia war der Beginn einer sehr leidenschaftlichen und über 38 Jahre lang andauernden Beziehung. Die beiden lebten nur die ersten vier Jahre ihrer Beziehung und die letzten drei tatsächlich zusammen, aber die Briefe in „Darlinghissima“ legen Zeugnis ab, das es ihnen trotzdem gelungen ist, eine intensive Beziehung zu führen. Flanner und Solano führten zwar bis dahin keine monogame Beziehung, doch zerbrach diese daraufhin aber endgültig.

Das Buch ist sowohl als Liebesgeschichte zu lesen, als auch als spannender Zeitbericht. Vom Ende des 2. Weltkrieges, die Nachkriegszeit, die McCarthy Ära in den USA, über der Vietnam-Krieg bis zum Watergate Skandal reichen die Berichte hinaus. Janet Flanner und Natalia Danesi verkehren mit den interessantesten Schriftstellern, Künstlern, Filmstars ihrer Zeit. Dieser über 500 Seiten dicke Schinken wird nie langweilig. Er macht Lust auf mehr, man liest nach, verläuft sich gelegentlich im Internet und kehrt doch immer wieder zu Janet und Natalia zurück.

Flanner ist eine äußerst kritische intellektuelle Kommentatorin ihrer Zeit und sie kann richtig gut schreiben. Sie kann austeilen, kümmert sich aber liebevollst um ihre Freunde.

Ein wundervolles Buch, das es verdient nicht vergessen zu werden finde ich und eines das Lust macht, wieder einmal einen schönen Brief zu erhalten oder einen zu verschicken. Ich düse jetzt auf jeden Fall seit ein paar Tagen hoffnungsfroher an den Briefkasten und habe auch schon den guten Stift und das hübsche Briefpapier rausgesucht – gute Vorsätze muß man gleich umsetzen.

„I am always paralyzed at first in this city. Like an old gray bird from the country that can find no perch. But beneath my feathers my heart beats for you, dear one.“

„I am astounded how much more close to the points of decision the young ones are today, he is for example, when at his age, until thirty or more, I drifted, events pushed me, people pushed me, a French Civilization pushed me. I was like an eccentric young middle westerner in a foreign dream in which I lost my youth without noticing and all that energy for the work which it could have brought.“

„Dammit, give me a smoked-in bar and a good old martini anytime“, exlaimed Janet …
That had been the first and last attempt I ever made to get Janet interested in exercise of any kind…

„Most of the people on cure here are Germans: Marienbad is in the Russian Zone, but apparently even before the war the Nazis were here. The Germans have changed sartorially at least … dress well, act well, and, of course, eat like elephants.“

„I don’t know if you ever see the London Time Sunday Magazine; this last Sunday it contained a profile written by Miss Brody on Colette that treats her nearly exclusively as a lesbian (so named) and incestuously in love with her mother (so phrased). Quite brilliantly written but excessively sexual I find. After all, she had another organ too, did Colette – her writer’s brain, and it was not between her legs but in her skull…“

Das Buch ist auf deutsch unter dem Titel „Darlinghissima – Briefe an eine Freundin“ im Kunstmann Verlag erschienen.