Women in Science (22) Williamina Fleming

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Im Jahr 1881 hatte der Direktor des Harvard Observatoriums, Edward Charles Pickering, ein Problem: die Menge an Daten, die im  Observatorium eintrafen, konnten von seinen Angestellten überhaupt nicht mehr analysiert werden. Außerdem hatte er ziemlich Zweifel an der Kompetenz seiner Mitarbeiter, insbesondere an der seines Assistenten, den er für ineffizient hielt beim Katalogisieren. Daraufhin tat Pickering etwas ziemlich ungewöhnliches: er feuerte seinen männlichen Assistenten und ersetzte ihn mit seinem Zimmermädchen, Williamina Fleming. Diese war ihm von seiner Frau wärmstens empfohlen worden und sie zeigte sich als derart begabt im Berechnen und Katalogisieren der Daten, dass sie 34 Jahre lang in Harvard arbeitete und eine der Gründerinnen der „Harvard Computers“, einer rein aus Frauen bestehenden Truppe, die angestellt war, um die mathematischen Berechnungen durchzuführen und die Veröffentlichungen des Observatoriums zu editieren. 1886 wurde Fleming Chefin dieser Truppe.

Williamina war die Frau aus Dana Sobels „The Glass Universe“, die den stärksten Eindruck auf mich machte. Mit ihr begann die Ära der Frauen – teilweise mehr als 80 – die während Pickerings Amtszeit in Harvard astronomische Daten berechneten und katalogisierten. Einige dieser Frauen produzierten eigene signifikante Arbeiten und waren durchaus berühmt in wissenschaftlichen Kreisen. Der Großteil blieb allerdings nicht individuell im Gedächtnis, sondern als Gruppe mit dem nicht sehr einfallsreichen Namen „Pickerings Harem“.

 

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Der dämliche Spitzname zeigt den Status, den Frauen zu dieser Zeit hatten. Von Ihnen wurde mit seltenen Ausnahmen erwartet, dass sie ihre Energie darauf verwenden, sich um den Gatten zu kümmern, Kinder zu bekommen und den Haushalt zu machen. Die Wissenschaft zu dieser Zeit warnte Frauen regelrecht davor, sich weiterzubilden und zu arbeiten in der Annahme, sie seien zu zart für den Stress.

Edward Pickering war ein fortschrittlicher, progressiver Denker – zumindest wenn es um gleiche Bildungsmöglichkeiten ging. Bei der Arbeitseinteilung war er dann doch wieder sehr Kind seiner Zeit, die Frauen wurden überwiegend für administrative Tätigkeiten eingesetzt.

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Die Arbeit war überwiegend sehr monoton. Die Frauen saßen sechs Tage in der Woche über Fotografien für 25 – 50 cent pro Stunde (etwa die Hälfte von dem, was ein Mann verdiente). Sie klassifizierten die Sterne, in dem sie sie mit den Fotografien im Katalog abglichen bzw. katalogisierten die Sterne selbst. Ihre Notizen wurden händisch in Tabellen eingetragen, in denen die genaue Ortsbezeichnung des Sternes angegeben wurde und die jeweilige Helligkeit. Das war eine ganz schöne Schinderei. Williamina notierte diesbezüglich in ihrem Tagebuch:

„In the Astrophotographic building of the Observatory, 12 women, including myself, are engaged in the care of the photographs…. From day to day my duties at the Observatory are so nearly alike that there will be little to describe outside ordinary routine work of measurement, examination of photographs, and of work involved in the reduction of these observations.“

Fleming startete als administrative Kraft und begann ab 1886 mit der Klassifikation von Sternen. „Sie ersann ein System zur Klassifizierung von Sternen und half, es einzuführen. Das System basierte darauf, jedem Stern einen Buchstaben zuzuordnen in Abhängigkeit davon, wie viel Wasserstoff in seinem Spektrum beobachtet werden konnte. A-Sterne hatten am meisten Wasserstoff, B-Sterne etwas weniger, und so weiter. Insgesamt gruppierte Fleming die Sterne in 17 Kategorien ein“ (Wikipedia)

1888 entdeckte sie den Horsehead Nebel auf einer Teleskop-Fotoplatte die William Pickering, der Bruder des Direktors, gemacht hatte. Doch in den darauffolgenden Publikationen wurde ihr Name nicht genannt. Der erste Dreyer Index Katalog ließ ihren Namen ebenfalls aus der Liste der Mitarbeiter heraus und schrieb all ihre Entdeckungen dem Direktor des Observatoriums zu. Im zweiten Katalog, der 1908 erschien, wurde Fleming aber gemeinsam mit ihren weiblichen Kolleginnen als Mitarbeiterinnen genannt und sie bekamen die ihnen zustehende Anerkennung.

Fleming war darüberhinaus die Entdeckerin des ersten weißen Zwerges. Sie veröffentlichte dazu 1910 ein wissenschaftliches Papier.

Williamina Fleming war eine glühende Befürworterin für mehr Frauen in der Wissenschaft und sie hielt 1893 auf der Weltausstellung in Chicago eine entsprechende Rede und forderte dazu auf, mehr Frauen als Astronomie-Assistentinnen zu engagieren. In ihrer Rede stimmt sie der vorherrschenden Meinung zunächst zu, dass Frauen Männern unterlegen sind, führt aber danach aus, dass Frauen, wenn sie mehr Möglichkeiten bekommen, durchaus mit den Männern gleichziehen können.

1906 wurde sie als erste Amerikanerin Ehrenmitglied der Royal Astronomical Society von London und kurz vor ihrem Tod 1906, ausgelöst durch eine Lungenentzündung, erhielt sie eine Medaille der Astronomischen Gesellschaft Mexikos.

Ein Wort zum Abschluß noch zu Dana Sobels „The Glass Universe“. Ich habe es als Audiobuch gehört und fand die Geschichte ungewöhnlich dröge. Wer – wie ich – ihre Bücher „Longitude“ oder „Galileo’s Daughter“ kennt, wird überrascht sein, wie wenig plastisch die Figuren rüberkommen, oft hatte ich das Gefühl jemand würde einfach nur Wikipedia-Einträge vorlesen. Das scheint auch nicht nur am Audiobook zu liegen, denn auf Goodreads fanden sich eine ganze Reihe Kritiken von Leuten, die das Buch gelesen haben, die ebenfalls die mangelnde Ausarbeitung der Figuren beklagten.

Ich werde sicherlich auch weiterhin Bücher von Dana Sobel lesen (habe zum Beispiel „The Planets“ noch hier liegen) aber was „The Glass Universe“ angeht, würde ich raten vielleicht vorher reinzulesen.

Ich verspreche auch die Astronominnen jetzt eine Weile pausieren zu lassen, die haben sich doch etwas gehäuft in letzter Zeit. Der nächste Beitrag wird vermutlich ein Ausflug in die Mathematik mit sich bringen.

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Book-a-Day Challenge – Day 19


Today I go back to book that I read a couple of years ago. Whilst browsing my bookshelves I came upon it again, started reading and got stuck. What a brilliant interesting story about the old „longitude problem“ which was one of the most difficult scientific dilemma at the time – for centuries! Without the ability to measure their longitude, sailors were basically lost at sea for centuries the minute the lost sight of the land. Until then, only longitude was used, with a little glancing at the stars.

From Galileo to Newton were trying to solve this thorny problem but it was a guy who nobody had heard of named John Harrison who came up with a mechanical solution that would be able to keep precise time at sea, something that no clock was able to do even on land. „Longitude“ is a fascinating story about the scientific quest and Harrison’s personal obsession that took him 40 years to find this perfect timekeeper that we now call chronometer.

This book gives us a glimpse into the fascinating history of astronomy, mechanics and navigation that literally opened the world to us, saved thousands of lives and tremendously increased the wealth of various nations.

Despite it’s brevity, Longitude is a really engaging well written book. Sobel writes in a way that makes science and math accessible to the general reader.

Complement „Longitude“ with Andrea Wulf’s „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur„.