From Paris with Love

Der Club der Optimisten

Ich kann nicht nach Paris reisen ohne die passende Lektüre. Panisch stellte ich fest, dass ich das Wochenende literarisch gar nicht wirklich geplant hatte und fürchtete schon, ohne passendes Buch fahren zu müssen, da ließ sich in der heimischen Bibliothek doch noch ein Buch auftreiben, dass ich noch nicht gelesen hatte und welches in Paris spielt.

„Der Club der unverbesserlichen Optimisten“ saß unverständlicherweise schon ganz schön lange im Regal, ein Spontankauf im Tollwood-Bücherzelt vor ein paar Jahren. Die Geschichte spielt im Paris der 1960er Jahre und folgt überwiegend dem Teenager Michel Marin, ein Junge der leidenschaftlich gerne liest und Tischfußball spielt in den Cafés und Bars der Stadt.

Seine Eltern heirateten 1946, nachdem sein Vater aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, der erst zu dem Zeitpunkt erfuhr, überhaupt Vater geworden zu sein. Die Familie seiner Frau schaut auf den ärmlichen Mann mit algerischen Wurzeln herab.

Als er eines Tages in einem Cafe, das auch sein älterer Bruder frequentiert, in ein Hinterzimmer gerät, lernt Michel die Schachspieler rund um Jean-Paul Sartre, Joseph Kessel und andere Geistesgrößen des intellektuellen und existentialistischen Paris kennen. Die meisten Clubmitglieder sind Exilanten aus Osteuropa und wir erfahren durch Michel die Hintergründe einiger dieser Menschen. Überwiegend Künstler, Intellektuelle, Ärzte, die allesamt ein ähnliches Schicksal teilen und von Berufsverbot, Einsamkeit, Armut und dem Verlust der Heimat betroffen sind.

Guenassia packt viele Themen an in diesem Buch. Neben dem Schicksal der Exilanten geht es um den Algerien-Konflikt, die Auseinandersetzungen zwischen Proletariat und Kapital, der Enttäuschung der Mutter gegenüber dem Vater, der ihr nicht ambitioniert genug ist und die Tragödie um Michels älteren Bruder.

Michel versucht zwischen den verschiedenen Parteien zu vermitteln. Zwischen seinen Eltern, seinem Bruder Franck und dessen Verlobten und stürzt sich kopfüber in die Literatur, um den Schwierigkeiten der Gegenwart zu entfliehen. Er freundet sich mit den älteren Freunden seines Bruders an, hört deren Musik und hängt mit ihnen in den Cafés und Bars herum.

„Jetzt werden keine Rechnungen mehr beglichen. Es wird nicht Bilanz gezogen. Wir sind alle gleich, und wir haben alle unrecht.“

 

Das Buch fängt die Atmosphäre der Zeit gut ein, es wird viel politisiert, getrunken und die Figuren sind hervorragend gezeichnet. Ich kann daher keine wirkliche Erklärung dafür finden, warum das Buch mir dennoch nicht so gut gefallen hat, wie erwartet. Vielleicht hatte ich etwas mehr Philosophie erwartet? Ich habe selten das Bedürfnis, ein Buch mir selbst gegenüber zu verteidigen. Ich möchte es empfehlen, auch wenn ich selbst nicht komplett warm geworden bin mit diesem Buch.

Jean-Michel Guenassia „Der Club der unverbesserlichen Optimisten“ erschien im Insel Verlag.

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