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Die liebsten, die spannensten, die mich am meisten zum Nachdenken angeregt haben und es fehlen im Bild die verliehenen oder die, die ich als Hörbuch gehört habe:

Was waren eure liebsten in 2021? Ich freue mich auf ein weiteres Jahr mit Euch und danke für die Treue, die Kommentare, das Feeback, die Freundschaft. Ich wünsche Euch allen von Herzen ein tolles 2022 mit viel Glück, Gesundheit und Zeit zum lesen und nachdenken.

15. Türchen: The Historian – Elizabeth Kostova

Seit Jahrhunderten hat die Geschichte von Dracula die Phantasie von Lesern und Autoren gleichermaßen beflügelt. Kostovas atemberaubender erster Roman, an dem sie zehn Jahre gearbeitet hat, ist eine gelungene Nacherzählung dieser alten Geschichte. „The story that follows is one I never intended to commit to paper… As an historian, I have learned that, in fact, not everyone who reaches back into history can survive it. And it is not only reaching back that endangers us; sometimes history itself reaches inexorably forward for us with its shadowy claws.“ Mit diesen Worten beginnt ein namenloser Erzähler uns in eine Geschichte zu ziehen, die 30 Jahre zuvor begann.

Ein 16-jähriges Mädchen entdeckt eines Abends im Jahr 1972 in der Bibliothek ihres Vaters ein geheimnisvolles Buch und ein Bündel Briefe – eine Entdeckung, die schreckliche und weitreichende Folgen haben wird und sie auf eine Reise mit unvorstellbaren Gefahren schickt. Auf der Suche nach Hinweisen auf die Geheimnisse der Vergangenheit ihres Vaters und das rätselhafte Verschwinden ihrer Mutter folgt sie einer Spur von London über Istanbul bis nach Budapest und darüber hinaus und erfährt, dass die Briefe in ihrem Besitz eine Verbindung zu einer der dunkelsten und faszinierensten Figuren der Welt darstellen.

Sechshundertfünfzig Seiten über Vampire, die sich weniger mit der blutsaugenden Seite dieser Kreaturen befasst, als mit minutiöser historischer Forschung derselbigen.

Eines der zentralen Elemente des Romans ist die Tatsache, dass ein Großteil der Geschichte in Form von Briefen erzählt wird, die der Vater der jungen Erzählerin geschrieben hat.

Während ihre Recherche die sie immer weiter nach Ost- und Mitteleuropa führen, fangen die Texte an, sich wie russische Matroschkas ineinander zu schieben. Während die Erzählerin die Briefe ihres Vaters liest, erzählt Paul von einem Besuch bei einem bulgarischen Gelehrten, der ihm aus einem Manuskript vorliest, das in seiner Geschichte die ausführliche Abschrift einer anderen Person enthält, die sich an Vlad Tepes erinnert.

“When you handle books all day long, every new one is a friend and a temptation.”

Beeindruckend ist, wie Kostova drei große Erzählstränge miteinander verwebt und dabei Zeit, Ort und Erzählstimme wechselt. Wir befinden uns zunächst im Amsterdam des Jahres 1972, als unsere junge Erzählerin, ein sechzehnjähriges Schulmädchen, von der Entdeckung eines geheimnisvollen Bandes im Büro ihres Diplomatenvaters und später von ihrer Reise nach Frankreich erzählt. Sie liest darin in Briefen, die ihr Vater nach seinem Verschwinden hinterlassen hat und die von seinen Reisen und Nachforschungen über die Dracula-Legende im Ostblock der 1950er Jahre berichten. Er macht sich auf den Weg quer durch das sowjetische Reich sowie durch die verworrenen Labyrinthe der Straßen und Bibliotheken Istanbuls, um herauszufinden, was aus seinem verschwundenen Mentor geworden ist. Während wir versuchen, Rossi zu finden, erfahren wir von seinen Nachforschungen über die Dracula-Legende in Rumänien in den 1930er Jahren.

Das hier ist keine typische Dracula-Lektüre. Das hier ist ein Buch, das man entweder liebt oder hasst. Man sollte auf jeden Fall Spaß an Geschichte und vor allem historischer Forschung haben, dann allerdings ist es ein echtes Schmankerl.

Auf deutsch ist das Buch unter dem Titel „Der Historiker“ im Berlin Verlag erschienen.