Israel by the Book – Part I

Tel Aviv haben wir relativ spontan gebucht. Nach Israel wollten wir schon immer einmal, das Wetter sprach für eine Veränderung und als wir einen recht günstigen Flug gefunden hatten, machten wir Nägel mit Köpfen. Ab nach Tel Aviv – in das Hotel, in dem Freunde von uns vor einer Weile schon einmal waren und es für gut befunden hatten.

Natürlich kann eine solche Reise nicht ohne die passende Lektüre unternommen werden. Ran ans gut gefüllte Bücherregal um mit Erschrecken festzustellen, dass da eine Israel-Lücke bestand. Mit Jonathan Safran Foers neuem Roman hätte ich die zwar irgendwie auch a bisserl füllen können, aber ich habe mir dann doch professionelle Hilfe bei Fernlese geholt. Reiseziel plus literarische Vorlieben und Abneigungen geklärt, mich fürs Zweier-Buchpaket entschieden und dann bequem auf die Vorschläge gewartet, die auch blitzschnell eintrafen.

Meine Wahl fiel auf Lizzie Dorons „Ruhige Zeiten“, ein Roman mit knapp 180 Seiten, der gleichzeitig warmherzig, humorvoll und voll dunkler Melancholie ist. Leale ist Witwe und arbeitet als Kosmetikerin in einem kleinen Friseursalon in Tel Aviv. Sajtschik, der Frisör hat die junge Witwe aus Mitleid eingestellt, sie freunden sich an und irgendwann ist klar, dass sie ihn liebt. Die meisten in ihrem Viertel lebenden Menschen sind Überlebende der Shoah und der Friseursalon hat für viele fast therapeutische Zwecke.

„Der Krieg hat uns die Familie und die Verwandten genommen, und die Zeit, die vergeht, nimmt uns die Nachbarn und die Freunde.“

„Wenn das Herz weh tut, sieht man nur das, was nicht da ist.“

Das Buch hat mich sehr berührt und beim Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem habe ich immer wieder an die Figuren im Roman denken müssen. Ein Buch, das auf keiner Reise nach Tel Aviv fehlen sollte, das aber auch außerhalb von Israel ganz sicher ein wertvoller Lesegewinn ist. Unbedingte Empfehlung von mir für diesen Roman.

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Israel ist ein recht kleines Land, in etwa so groß wie das Bundesland Hessen. Es grenzt an Syrien, Jordanien, Libanon, Ägypten und die West Bank und ist somit militärisch stets und ständig sehr gefordert.

Zum Konflikt selber mag ich nicht viel schreiben, dazu weiß ich einfach noch immer nicht genug, die Hardcore-Siedler finde ich schwierig, die heftige Trump-Verehrung der Zeitungen vor Ort war aber massiv anstrengend. Aber wie gesagt, ich weiß zu wenig, um mich auf ernsthafte Diskussionen einzulassen, werde mich aber definitiv künftig intensiver damit beschäftigen.

Die Anreise ist auf definitiv nicht ohne. Man fliegt von einem speziellen Terminal am Flughafen ab und es gibt außer den üblichen Sicherheitsvorkehrungen kurze persönliche Interviews, in denen es weniger darum geht, etwaige Bomben als etwaige Terroristen zu finden. Bei der Ausreise war das persönliche Interview fast noch intensiver.

Nach Jerusalem heißt es fährt man zum Beten, nach Haifa zum Arbeiten und nach Tel Aviv zum Sündigen. Zu Haifa kann ich nix sagen, da sind wir nicht gewesen, aber Tel Aviv ist auf jeden Fall die deutlich entspanntere Stadt mit einem etwa 14 km perfekten Sandstrand.

Die Menschen sind dort sind freundlich, relaxed und hat die Stadt hat den Ruf, die gay-freundlichste des Mittleren Ostens zu sein. Habe ich auf jeden Fall auch so empfunden.

Meine nächste Empfehlung von Fernlese war Etgar Kerets „Gaza Blues“ – Kurzgeschichten, die fast comicartig daherkommen in ihrer Kürze und seinem teils absurden Tonfall. Keret genießt ziemlichen Kultstatus in Israel. Seine Kurzgeschichten sind heftig, lakonisch, teils böse, lustig aber auf jeden Fall voller Energie dabei oft tragisch und sehr bewegend.

Ich habe sie sehr gerne gelesen, meine einzige Kritik vielleicht ist, sie blieben mir nicht wirklich im Gedächtnis. Sollte dennoch in keinem Reisegepäck nach Israel fehlen.

Tagsüber waren es angenehme 20/21 Grad, aber sobald die Sonne unterging, wurde es ruckzuck verdammt kalt und da kam dann die dicke Münchner Winterjacke zum Einsatz. Der Strand ist wirklich einmalig schön. Hat jede Menge bequeme Bänke auf Steintreppen eingelassen am Wasser, auf denen man stundenlang liegen und lesen kann. Kein Wunder, das ich mit den ersten beiden Büchern also ruckzuck durch war.

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Bevor ich Euch im zweiten Teil von Jerusalem und unserem Ausflug in die Wüste und ans Tote Meer berichte, noch ein bisschen mehr Tel Aviv. Die Stadt wurde 1909 gegründet, als die alte Hafenstadt Jaffa aus allen Nähten platzte. Eine überaus junge Stadt also. In den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts kamen jede Menge deutschstämmige jüdische Architekten ins Land und bauten bis in die 50er Jahre etwa 5000 Gebäude im Modernist-Stil von Bauhaus und Le Corbusier. Die meisten befinden sich rund um den Boulevard Rothschild und wurden von der UNESCO als Weltkulturerbe aufgenommen.

Viele der Gebäude sind mittlerweile ziemlich runtergekommen, aber das Bauhaus-Center in Tel Aviv setzt sich seit einiger Zeit recht erfolgreich für die Renovierung und Instandhaltung der Gebäude ein.

Da ich ein echter Bauhaus-Fan bin, habe ich mir für die Reise den Roman „Gläserne Zeit“ von Andreas Hillger besorgt. In seinem Roman stellt er bewußt nicht die Bauhaus-Meister in den Mittelpunkt, wie der Autor in einem Interview erklärt, „denn wissenschaftliche Bücher über die Hochschule gibt es genug“.

Er verknüpft Realität und Fiktion und stellt die Designstudentin Clara in den Mittelpunkt der Geschichte, die mit dem Architekturstudentin Carl und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Lukas im Zentrum einer gewagten Ménage à trois steht. Immer wieder begegnet man historischen Figuren wie dem Bauhaus-Direktor Walter Gropius oder dem Maler Paul Klee.

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„Mittlerweile diente das Dossier von Mutmaßungen und Verdächtigungen, Halbwahrheiten und polemischen Angriffen als Beleg für die Ohnmacht der Rechtschaffenen, die mit dem Krieg auch den Einfluss auf die eigenen Kinder verloren hatten.“

Die Politik spielt eine wichtige Rolle. Hillger zeigt den Einfluß der nationalsozialistischen und kommunistischen Tendenzen, die nicht nur die beiden Männer immer stärker beschäftigen, sondern die auch immer größen Einfluß auf die Bauhaus-Schule nehmen.

Ein sehr interessanter Einblick in die Dessauer Jahre des Bauhaus vor dem Panorama der Weimarer Republik. Auch wenn ich während der Lektüre die Bauhaus-Gebäude in Tel Aviv und nicht in Dessau vor Augen hatte, für mich war es die perfekte Reiselektüre.

Das letzte Buch, das ich hier für heute erwähnen möchte, hat nicht wirklich mit Israel zu tun, aber mit Architektur und ich habe es direkt vor dem Urlaub beendet und es hat die Bauhaus-Lektüre für mich um so spannender gemacht.

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Buckminster Fuller war seiner Zeit glaube ich stets gut 50 Jahre voraus. Sein Name ist mir in letzter Zeit wieder und wieder untergekommen, so dass ich „Bucky Works“ von J. Baldwin unbedingt haben musste.

Keine Biografie im klassischen Sinne, mehr ein Werkschau und chronologische Übersicht von Buckys Ideen, die teilweise schon wirklich abgefahren waren.

Er war ein amerikanischer Architekt, Systemtheoreteiker, Designer und Erfinder, der mehr als 30 Bücher publizierte und insbesondere durch die von ihm geprägten Begriffe „Spaceship Earth“ und „Ephermerisierung“ bekannt wurde sowie für seine geodätischen Kuppeln, die man gerne mit Science Fiction assoziiert.

Er entwickelte zahlreiche Erfindungen, hauptsächlich architektonische Designs außerdem wurde ein Karbon Molekül nach ihm benannt, da diese von der Struktur her seinen geodäsischen Kuppeln ähnelte.

Soviel heute zum ersten Teil unserer Israel-Reise, die in diesem Teil etwas architekturlastiger ausfiel, im nächsten Teil verspreche ich deutlich mehr landestypische Inhalte und ich möchte euch auf einen Ausflug nach Jerusalem und ans Tote Meer einladen.

Kommt Ihr mit ?

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